Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 5 (29.1.1904)
- Date
- 1904-01-29
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblait. 20. Ji'innor 1004 Nr. 5 besitze:-, die für IO fl., welche sie dem Bauer leihen, eine Krone per Woche an Zinsen rechnen? Gehen diese Herren Kirchenpatrone in der Ausbeutung der Bauern nicht auch manchen rumänischen Priestern mit bösen: Beispiel voran? ^oll ich Namen nennen? Ich vermeide dies, wenn ich nicht durch den Versuch eines Dementis Ihrerseits dazu gezwungen iverdel Ich begnüge mich zu konstatieren, das; leider jene beiden Faktoren in den Dörfern, lvelchc schon auf Grund ihrer staatlichen Prärogativen verpflichtet wären, auch auf diesem Gebiete mit gutem Beispiele voranzngchen, cs nicht verschmähen, in der Ausbeutung der bäuerlichen Bevölkerung mit den: armen Dorfjnden zu konkurrieren. Während der letztere schon durch seine Kleidung und Haartracht abseits von seinen Mitbürgern zu stehen gezwungen ist und infolge seiner kümmerlichen Existenz, durch Generationen entkräftet, schtvere physische Arbeiten zu leiste,: nicht vermag, wohl aber mit reichem Kindersegen bedacht, in den meisten Fällen eine Zahlreiche Familie erhalten mutz, ist der Großgrundbesitzer und Priester zumindest von diesem Kampf :nn die Existenz verschont. Bei beiden letzteren entspringt also das Wuchern aus der Gier nach „mehr", bei ersterem m:s dem „Hunger" und im Bewußtsein, ohne Geld ga,rz hilflos der Not preisgegeben zu sein! < Lehr richtig!) Hier, die Gntsverwaltnngskanzlei des Großgrundbesitzers, der. umgeben von seinem Personal, mit kalter Berechnung bei der Abrechnung der Löhne aus Baucrnschweiß sein Vermögen vermehrt, dort an: Ende des Dorfes das verfallene, unbeheizte Kämmerlein, in dein der arme Dorfjude n:it seiner oft 10 und 12 Köpfe übersteigenden Familie darüber brütet, wie er den Gulden für den Schabbcs erwerben soll. (Lebhafter Beifall.) Also, Herr Dr. Flondor, es sind nicht Staatsprüfungen nötig, man muß nur ein „Mensch" mit offenen Augen sein und das Herz auf dem richtigen Fleck haben und die Verhältnisse nicht entstellen^ wollen, um mit derselben Berechtigung, n:it der Sie den Kollegen Strauchcr an die Dorfwucherer mahnten, auch Ihren Standesgenossen dieselben vorzuwerfen. (Beifall, Sehr richtig!) Auswanderungsbewegung in Russisch - Polen. „Warsawski Dnewnik" meldet, daß die Emigration der Juden aus Russisch- Polen in letzterer Zeit überaus große Dimensionen angenommen habe. Das Reiseziel der Auswanderer ist in den meisten Fällen Ä m e r i k a und S ü d a f r i k a. Aus den L o m z e r und R a - domer Gouvernements wandern auch sehr viele nach Kanada aus. In dieser Gegend ist die Auswanderung am stärksten. In einigen kleinen Städten, in ivelchen vor nicht langer Zeit einige hundert jüdische Familien wohnten, finden sich heute karim dreißig. Unter den Auswanderern befinden sich nicht nur Handwerker, sondern auch Kaufleute und Männer von höherer Bildung. Wie verlautet, wird die Auswanderungsbewegung im Frühjahre noch mehr anwachfen. Die argentinische Zeitung „La Provincia" (in Rosario de Santa Fe) bringt den Bericht eines staatlichen Reisekorrespondenten über die der „Jewish Colomzation Association" unterstehende Kolonie Moiscsville. " 13. Mai 1903. An den Direktor der Provinz Rosario. Ich hatte Gelegenheit, mich einige Stunden in der Kolonie Moisesville üufzuhalten, welche durchgängig aus russischen Fa-, milien jüdischer Religion besteht. Diese Kolonie der Jca umfaßt 50 Quadratmeilen, wovon die Hälfte kolonisiert ist, die andere Hälfte der Entwicklung entgegengeht. In der Kolonie wohnen 5OO Familien, welche bei ihrer Ankunft mit einem Wöhnhause und 100 Hektaren Land versehen wurden; außerdem versorgt man sie noch mit den nötigen Materialien und Gerätschaften zum Ackerbau, wie 8 Ochsen, 10—15 Milchkühen, 2 Pferden, 2 Pflügen, 2 Harken, Wagen mit Ziwehör, sowie Samen für Weizen, Flachs und Klee. Um die neuen Kolonisten bis zur ersten Ernte zu unterhalten, vergütet ihnen die „Jewish", je nach Beschaffenheit des von ihnen zu kultivierenden Landes, 2—5 Pesas pro Hektar. Zur größeren persönlichen Sicherheit der Kolonisten haben sich Wachdienst-Kolonnen aus benachbarten in Straßenviertel eingeteilten Revieren gebildet. Dort befinden sich die Schulgebäude, worin zahlreiche Kinder den Unterricht genießen, welcher obligatorisch ist. Die Gesamtbevölkerung der Kolonie zählt etwa 5000 Einwohner mit 5 Schulen. 1 Arzt, 1 Apotheke, von der Administration unterhalten, da sowohl der Unterricht, tote die sonstige Versorgung unentgeltlich gewährt wird. Das Gros der Bevölkerung konzentriert sich m:f Moisesville-Centro. Hier befindet sich auch die Administration unter Leitung der Herren Arthur B a b und Ernst Löwenberg, ferner die Synagoge, das Hospital, die Hauptschule, das Gcrichtsgebäude usw. Ein Schienenstrang der Eisenbahn dehnt sich bis hierher aus u:rd bildet eine Station mit bedeutendem Verkehr für Getreideversand. Herr A. Horwitz widmet sich speziell dieser Tätigkeit, indem er einen großen Speicher verwaltet, worin Vorräte angehäuft werden, bis zu 1000 Tonnen Viehfutter in Ballen, sowie auch große Mengen von Weizen, Flachs, Mais, wodurch eine gros^ Anzahl Leute Beschäftigung finden. Zum Einballen bedient man sich der Pressen (5 Dampfpressen und 18 Handpressen), welche fast das ganze Jahr hindurch arbeiten und täglich bis 500 Ballen fertigstellen. Die Weizen- und Flachsernte ist in den letzten drei Jahren sehr spärlich ausgefallen, aus welchem Grunde sich auch die Kolonie noch nicht auf der Höhe befindet, auf welcher sie sonst schon sein müßte. Der Klee ist eines derjenigen Erzeugnisse, welches die besten Resultate geliefert hat, da der Boden, speziell für die Entwicklung dieser Pflanze besonders geeignet ist. Die damit besäten Felder umfassen zirka 0000 Hektar und ist deren Stand ein vorzüglicher. Der Mais, welcher dieses Jahr zum erstenmale in mäßiger Ausdehnung gesäet war, hat ein Ergebnis von 15—18 Quintale pro Hektar geliefert. Aber die heftigen und anhaltenden Rege:^güsse richteten großen Schaden an, so daß bedeutende Ausfälle infolge der Feuchtigkeit eintraten. Die Schuld hieran trägt zum Teil die Unerfahrenheit der Kolonisten, welche in diesen Arten von Kulturen Neulinge sind und infolgedessen nicht die richtige Lagerung, sotvie entsprechende Behandlung kennen, welche der Mais bedingt, um nicht unter der Feuchtigkeit zu leiden. Die Flächenausdehnung, ivelche mit diesem .Produkt besäet ist, beträgt zirka 3000 Hektar. Die Kolonie besitzt auch ztvei bedeutende Molkereien, eine im Zentrum und die andere in der Umgegend. Die tägliche Ausbeute beträgt 16 000 Liter Milch, welche, in Sahne verdickt, nach Bnenos-Aires zur Herstellung von Butter gesandt wird. * * * Welche Verständnislosigkeit noch immer in der tschechischen Presse gegenüber der nationalen Bewegung im Judentum herrscht, beweist folgende Auslassung des freisinnigen „Cesky List": Der Jüdische Verein veranstaltete am 2. Jänner in Smichow eine Versammlung, auf deren Tagesordnung das Thema «Die jüdische Organisation" stand. Die Versammlung dauerte nicht lange. Die Zionisten und die Assimilanten gerieten fast aneinander und der Regierungskommissär sah sich gezwungen, die Versammlung aufzulöscn und den Saal zu räumen. Wir, die wir keine Anti sind, wenn es sich um eine Verständigung mit den bei uns lebenden und mit »ns fühlenden Juden handelt, betrachten den Gedanken der ttebersiedlnng nach Palästina als scluver durchführbar, obwohl wir gerne alle Inden, lvelchc unter uns leben und ihren Erwerb finden, oft auch große Reichtümcr sammeln, dafür aber es _mit unsere,: Feinden halten, gerne dorthin schicken ivürdcn. Diese Inden allein machen den Antisemitismus durch ihr herausforderndes Betragen. Welches Bild bietet sich z. B., wenn die Smicholver Inden ans ihrer Synagoge gehen? Wer verleiht den deutschen Charakter den: Prager „Graben"? lind lvie haben sich die Inden bei dem sonntägigen Konzert im Riidolfinnm anfgeführt, als der Baritonist „Bertram" hochverräterische Lieder zun: Vortrage brachte? (Was haben die nationalen Juden n:it den assimilatorischen Gcrmanisatoren gemcinsain? In Wirklichkeit sind sie ihre größten Gegner. Anm. d.' Red.'» * * * Das. „Berliner Tageblatt" schreibt: Die „Nowoje W r e u: j a" sieht sich jetzt dazu veranlaßt, dem auf die Auslassungen über die jüdischen Handlnngsreisenden und die ihnen in Rußland auferlegten Beschränkungen zu anOvorten und die Auffassung zuriickznweisen, daß die russischen Polizcimaßnahmen nichts mit dein Völkerrecht zu tun hätten. Das Blatt Ssuworins vertritt daher die Ansicht, daß gerade die Polizeimaßnahmen eines Staates fiir_ alle das Skaatsterritoriinn betretenden Ausländer in erster Linie bindend wären. Darin mache Deutschland keine Ausnahme und stehe auf dem gleichen Standpunkt >vie Rußland. Die „Nowoje Wremja" schlägt vor, die Frage vom juridischen Standpunkt aus zu betrachten und ihr folgende Fassung zu geben: Nach welchem russischen oder deutschen Gesetze kann die Rechtsfähigkeit der in Rußland lebenden Deutsche:: entschieden werden? Wir sind in der glückliche,: Lage, der „Nowoje Wremja" sofort dienen zu können. Von einem angesehenen Petersburger Advokaten erhalte,: wir folgende Beleuchtung der Frage nach russischem Recht. Der Einsender schreibt uns: „Ich habe soeben in der „Nowoje Wremja" vom 11. Januar Nr. 9002 einen Leitartikel gelesen, in welchem das Blatt sich bemüht, ihrer Behauptung, daß deutschen Handelsreisenden mosaischer Konfession das Recht zusteht, in Rußland zu reisen, diverse juridische Kniffe entgegenzustellen. Es tvird hoffentlich Ihnen keine besonderen Schwierigkeiten bereiten, die schnöden und groben Schnitzer des genannten Hetzorgans auf Grund der allgemeinen Rechtsprinzipien ad oculos zu demonstrieren. Meinerseits erlaube ich mir hier, auf die absolute Ignoranz der „Now. Wremja" in Bezug auf das positive russische Gesetz hinzuweiscn. Der Artikel 2 der Beilage zu Paragraph 480 des Pass. Ilstaws vom Jahre 1886 la:Uet wörtlich: „Den ausländischen Israeliten, namentlich den Kommissionen bedeutender ausländischer Handelshäuser ist es gestattet, Industrie- und Handelsplätze zu besuchen und daselbst einen Zeitraum nach Gutachten zu verbleiben. Dem Ministerium des Innern ist cs anheimgestellt, diesbezügliche Gesuche seitens der Israeliten endgiltig zu entscheiden: aber den Bankiers, wie mich den Häuptern bedeutender Handelshäuser, können die Gesandtschaften und Konsulate, auch ohne vorhergehende Erlaubnis seitens des Ministeriuins des Innern. Zeugnisse und Pässe zur Durchfahrt nach Rußland erteilen, nach Maßgabe der allgemeinen Regeln für die nach Rußland reisenden Ausländer, wobei jedoch das Ministerium des Innern jedesmal hiervon in Kenntnis gesetzt werde." Es ist somit klar, daß das positive russische Recht keineswegs den deutschen Handelsreisenden mosaischer Konfession das Reisen in Rußland untersagt, wobei die Kompetenz des Ministeriums des Innern in der Entscheidungsfrage absolut den Charakter polizeilicher Maßregeln trägt. Daß das Ministerium in einzelnen Fällen wohl sich ablehnend gegenüber den jüdischen Bittstellern erweisen könnte, ist natürlich nicht ausgeschlossen; es ist jedoch einleuchtend, daß ein derartiges Verfahren nichts mit dein Rechte zu tun hat, und es ist Wohl die Aufgabe der deutschen Regierung, bei den jetzigen Unterhandlungen bezüglich des Handelsvertrages die schwebende Frage genau und deutlich zu formulieren." — Das ist auch unsere Meinung. Wenn die deutsche Regierung sich dieser Pflicht energisch bewußt ist, dürfte ein befriedigendes Ergebnis leicht zu erzielen sein. Chronik. Inland. Vorträge. Mittwoch den 8. Februar, 8 Uhr abends, findet im Fastsaale des „Jdischen Volksvereines", 2. Bez., Leopoldsgasse 49, ein Bortrag des Herrn Michael S z e p s „Ueber jüdische Kolomalfragen" statt. Erster Wiener Jüdischer Turnverein. Am 16. Jänner d. I. fand i:n „Hotel, de France" ein Unterhaltungsabend des Ersten Wiener Jüdischen Turnvereins unter starker Beteiligung von Mitgliedern und Gästen statt. Nach einer kurzen Ansprache des Obmannes Herrn Dr: Ludwig Werner folgte: Rezitation einiger jüdischer Gedichte des Herrn Samuel Strauß, humoristische Vorträge des Frl. Ilona Schwarz, einige Lieder des Quartetts des Jüdischen Mäunergesangsvereines „Schir Zion", die „Lustige Geriehtsszciie" )(vorgetragen von den Herren Vettelheim, Kurzer und Fischt) und zum Schlüsse einige humoristische Gesangspiccen unseres Vereinsmitgliedes Frl. Selma Liebernrann. Sämtliche Vortragenden wurden durch stürmischen Beifall der Anwesenden belohnt. An die Vorträge schloß sich eine Juxtombola und ein Tanzkränzchen. Der nächste Unterhaltungsabend findet am 20. Februar 1004 wiederum in: Hotel de France statt. Wien. (Verein jüdischer M ä d ch e n „H a d a s s a".) Sonntag den 31. Jänner 1004, präzise halb 4 Uhr Vortrag der Frau Dr. Kahn. Thema: „Zionistische Plaudereien". Ort: Kongrcschnreau, 0. Bez., Türkenstraße 0. Wien. Freitag den 20. d. M., abends: Predigt im Stadttempel. lBorlräge ans jüdischer Oieschichte.) Donnerstag den 4. Febr., präzise 7 Uhr abends, im Festsaale des nied.-österr. Gewerbevereiiws, 1. Bez., Eschenbachgasse 11. Herr Dr. Grunwald: „Oieschichte der Inden in Deutschland und Oesterreich". (Fortsetzung.) Mit Vorführung von Lichtbildern. Der Eintritt ist frei. Wien. Der theologische Verein der Hörer an der israelitischtheologischen Lehranstalt bringt hiemit zur Kenntnis, daß Samstag am 30. Jänner, um 0 Uhr beim Morgengottesdienste das Vereinsmitglied Herr 01. Sicher im Beth-ha-Midrasch (Tempelgasse 3) eine Predigt halten tvird. An die P. T. Vereine und Vertrauensmänner des innerösterr. Distriktes! Am 11. Februar d. I. findet im Kongreßbureau 0. Bez., Türkenstraßc 0. um halb 8 Uhr abends eine außerordentliche D i st r i k t s v e r s a n: in l u n g mit der folgenden Tagesordnung statt: 1. Wahl des Obmannes; 2. Ersatzwahlen; 3. Eventmrlia. Neligionslehrerverein „Esra". Dieser im Jahre 1896 zur Förderung der geistigen und materiellen Interessen der Religionslehrer der israel. Knltnsgcmeinde Wien gegründete Verein hielt am :>. Jänner d. I. im Vereinslokale, Settenstettengasse 2. seine 0. Oleiieralbcrsammliing ab. H. R.-L. Moritz Autsch er l, der ■3fl^)rc,n die Obmannstelle bekleidete, hielt zunächst einen Rückblick auf die Tätigkeit des Vereines im abgelanfenen Jahre, betont die Notwendigkeit dieser Vereinigung und stellt hierauf aus persoiillchei: Motiven seine Obmannwürde dem Vereine zur Verfügung. Die Versammlung bedauert lebhaft den Rücktritt ihres Obmannes, spricht demselben ans Antrag des Schriftführers Herrn Rindskopf den aufrichtigsten Dank für seine ebenso umsichtige als hingebungsvolle Führung aus und schreitet zur Wahl der neuen Vereiusleituug. Mit absoluter Stimmenmehrheit werden getvählt: Herr Adolf Notier zum Obmann, Herr Dr. Jakob Weis zum .Obmann-Stellvertreter, Herr Max Rindskopf zum Schriftführer, Herr Lazar Miesner zum Kassier und die Herren Will). B r e u e r, Max D c u t s ch und Markus Stengel zu Ausschußmitgliedern. Sämtliche Gewählte erklären die Wahl anzunehmen, worauf die Sitzung mit einer Ansprache des ncugewählten Obmanns Herrn Rotier, in der er das Wohl des Vereines nach Kräften zu fordern verspricht, geschlossen wird. Rf. Literarischer Geselligkeits-Verein jüdischer Mädchen „Moria". Samstag den 23. d. M. hat der Mädchenverein „Moria" eine Akademie mit anschließendem Tanzkränzchen unter großer Beteiligung, namentlich der zionistischen Kreise, im Hotel „Zentral" veranstaltet. Nach der herzlichen Begrüßung durch die Präsidentin Frl. Bertha Herrmann sprach Frl. Helene Pasternak einen Prolog, der die Frauen und Mädchen zu zionistischer Arbeit auffordcrte. Herr Dr. Martin Engländer hielt in vorzüglicher Weise die Festrede. Dann folgte ein meisterhafter Klaviervortrag der bekaniiteii Birtuosii: Frl. Emma Neuberger. Nach einer ailsgezeichneiei: heiteren Deklcnnation sang Herr S. Heimann in virtuoser Weise mehrere Lieder, unter Klavierbegleitung des Frl. Deuts ch, Herr Prof. S. C. Kall m n s, k. k. Hofmusiker, von Frl. Melitta Heim vortrefflich begleitet, beschloß mit einem prachtvollen Violinkonzert die genußreiche Akademie. Sämtliche Mitwirkende wurden für ihre durchwegs meisterhaften Leistungen vom Publikum mit stürmischem Beifall ausgezeichnet. Daun folgte ein animiertes Tanzkränzchen, das bis in die frühen Morgenstunden die heitere Gesellschaft beisammen hielt. Für den Nationalfonds tvnrde fleißig gesammelt. Ein rühriges Damen- und Hcrrcnkomitec machte sich um das Gelingen des schönen Festes bemüht. — Samstag den 24. d. M. hielt Herr Prof. Dr. Leon K e l l n c r vor einem äußerst zahlreichen Publikum einen Vortrag über das Thema „Ans dem Leben Disraelis". Der Referent entrollte in fesselnder Weise das Lebensbild Disraelis und erntete für seine ungemein interessanten Ausführungen wohlverdienten, reichen Beifall. Sammlung für den Nationalfonds. Ueber die Musik der Juden. Der böhmische Musikschriststcller und Kritiker Jan Bramberger hat mit großer Gewissenhaftigkeit das fast unbekannte Gebiet der Musik der Juden durchgcarbcitet und ein Buch darüber geschrieben, das das ganze Material von den ältesten bis zu den neuesten Zeiten umfaßt. Dieses schöne Werk, mit zahlreichen Notenbeispielen ausgestattet, ist eben in Prag in böhmischer Sprache (Q hudbe zidu) erschienen. Aus der Wiener jüdischen Toyubee-Halle, 20. Bez., Karajangasse 20. Vortrags ordnung: Samstag, 30. Jänner. Konzert. — Sonntag, 31. Jänner. Dr. Leopold Kahn: Israels Wanderung in der Geschichte. — Montag, 1. Februar. M e d i - cus: Moses Maimonides als Arzt und Forscher. — Dienstag, 2. Februar. Diskussion. — Mittwoch, 3. Februar. M. Berkow i c z : Hebräische Literatur, 4. Teil. — Donnerstag, 4. Februar. H. Steinschneider: Aus einer Jndengemeinde am Beginn des 19. Jahrhunderts. — Freitag, 5. Februar. Dr. R o s e nmann: Bibelbortrag. — Samstag, 6. Februar. Konzert. — Anmeldungen zu Vorträgen wolle man freundlichst an Herrn Dr. S i e g m u n d Werner, 9. Bez., Nußdorferstraße 16, Mitgliedsanmeldungcn an Herrn Joh. Kremenezky, 9. Bez., Eisengasse 5, richten. Wien. (Einzel - Verein „Leopoldstadt- Praterstraße" des „Zion".) Der Verein wird das sehr wichtige Gebiet der Erziehung unserer Jugend von der Volksschule bis zur Hochschule eingehend besprechen, wobei die Erteilung des jüdischen Religionsunterrichtes in allen Städten mit anschließenden Diskussionen behandelt werden soll. Zu diesem Behufe veranstaltet er drei Elternabende, an welche,: die Meinung und die Wünsche der Eltern "gehört werden sollen und wobei Volks- und Bürgerschule, Mittelschule, wie auch die weitere Haltung auf der Hochschule von Fachleuten besprochen werden. Zahlreiche Beteiligung erwünscht. Erster Elternabend Donnerstag den 4. Februar 1904, 8 Uhr, im .Klublokal «Cafe Orient", 2. Bez., Praterstraße 66. 1. Der jüdische Religionsunterricht an Volks- und Bürgerschulen als Grundlage für die Mittelschule. Referent: Schuldirektor Weber; 2. Besprechung aktueller zionistischer Fragen. Jüdisch-Deutscher Theaterverein „Lehuir-Balailoh". Dieser vor kurzer Zeit gegründete jüdisch-deutsche Theaterverein veranstaltet Samstag den 30. Jänner im großen Saale der Restauration „Zum goldenen Widder", 2. Bez., Taborstraße 36, einen Theaterabend. Zur Vorstellung gelangt die Operette „Jehuda Halevy, Musik von Ch. Wolfstatt bearbeitet nn'd Regie von M. Dzialofsky. Beginn 8 Uhr abends; Eintritt Kr. 1.60. Wien. (T o y n b ec - H a l l e.) Am Sonntag hielt Schriftsteller Ad. Gelber vor einem zahlreichen Auditorium einen hochinteressanten Vortrag über Voltaire — dem Weisen von Ferney. Namentlich in einer Zeit, bei der die Nachwirkung des mittelalterlichen Geistes so sehr zu spüren ist, sollte man das Andenken dieses Mannes, der als einer der ersten für die Herrschaft der Vernunft und Gerechtigkeit im öffentlichen Leben eintrat, allenthalben erneuern. Jeder Jude, der national denkt und fühlt, müßte von stetem Danke erfüllt sein für die Person Voltairs und dessen literarische Leistungen zur politischen Befreiung der Menschheit zu einer Zeit, als die Völker und Parteien von den Machthabern wie die Tiere gegen einander gehetzt werden», ohne daß dieselben es bemerkten, tvie gleichsam ein böser Dämon sie in boshafter Weise zum Wahnsinn treibt. Erst ivem: die Völker aus diesem Taumel erwachen, dann erst kann die Morgenröte eiger besseren Zeit beginnen. Der Vorsitzende Herr Berliner dankte dem Redner für die glänzenden Ausführungen. —n. Wien. (Jüdisch-nationaler Arbeiter-Verein.) Sonntag den 31. Jänner d. I. findet um 2 Uhr nachm, in: Vereinslokale die Generalversammlung statt. Die Mitglieder tverden ersucht, vollzählig zu erscheinen. — Sonntag den 31. Jänner d. I. veranstaltet der Verein unter Mitwirkung des Gesangsvercines „Schir Zion" Fünfhaus im Vereinslokale eine gemütliche Unterhaltung mit anschließendem Tanzkränzchen, zu ivelchem alle Gesinnungsgenossen höflichst eingeladei: werden. Beginn 4 Uhr nack)mittags. Baden. Auf Anregung der Herren Sr. Ehrw. Rabbiner W. Reich, Inda Jnseld, stnd. med. S. Deutsch, cand. jur. Heinrich Kürt: trat im Herbste vorigen Jahres ein „Jüdischer Bildungsverein" ins Leben, dessen Zweck: wöchentlich zweimal Geschichts- und Sprachkurse abzuhalten. Be: der kürzlich abgehaltenen konstituierenden Versammlung wurden folgende Herren in die Vereinsleituug gewählt: Sr. Ehrlo. Herr Rabbiner W. Reich, Obumun; Simon Mandl, Obmann-Stellvertreter; Juda Jnfeld. Schriftführer;