Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 5 (29.1.1904)
- Date
- 1904-01-29
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Wien, Freitag Jüdische* VolkibUtt. 29. Jänner 1904 rechtliche Stellung der Religionslehrer". Als Referent nimmt Dr. Weiß das Wort und führt aus, daß die bisherigen Ernennungen definitiver Religionslehrer uns nicht dariiber täuschen dürfen, daß die Juden sich in einer Ausnahmsstellung befinden, insoferne als für evangelische Religionslehrer in Wien 8 Lehrstellen systemisiert wurden, wobei an keiner Wiener Mittelschule die Zahl der evangelischen Schüler 40 übersteige, währendie israelitischen Re- > ligionslehrer nur ad persoumn definitiv ernannt werden. Referent beantragt daher, der hohen Regierung eine Petition zu überreichen, die folgende Punkte enthalten möge: 1. An denjenigen Anstalten, an denen die israelitischen Schüler überwiegen, auf Grund der Bestimmung des Paragraphen 02 Organis.-Entwnrf, wolle das hohe Ministerium geruhen, Lehrstellen zu systemisieren. 2. Dies möge aber auch in Bezug auf jene Anstalten geschehen, wo für den Religionslehrer eine ausreichende Stundenzahl vorhanden ist, selbst wenn die Voraussetzung des Punktes 1 nicht zutrifft. 3. An solchen Orten, wo ein Religionslehrer an mehreren Anstalten unterrichtet und die genügende Stundenanzahl hat, möge fite eine dieser Anstalten eine Lehrstelle systemisiert werden (wie dies bei den evangelischen Schulen tatsächlich geschehen ist). 4. An allen Anstalten, bei denen eine vollständige Lehrstelle zu schaffen nicht möglich ist, mögen die Religionslehrer auf Grund des Alinea 4 des Gesetzes vom 19. September 1898 mit einem geringeren Gehalte als definitive Lehrer angestellt werden. - 6. Das hohe Ministerium möge allen Religionslehrern, also auch denjenigen, für die Lehrstellen nicht systemisiert werden können, wenn sie ihre Dienstzeit beendet haben, eine dem Ausmaße ihrer Lehrtätigkeit entspreche!,de Altersversorgung sicherstellen. 6. Der Verband möge auf .bte oft willkürlichen und sachlich nicht begründeten Klasscnkombinationen, welche der technischen Möglichkeit eines geeigneten Unterrichtes entgegenstehen, Hinweisen und das hohe Ministerium bitten, eine entsprechende Norm zu erlassen. 7. Der Verband möge ankämpfen gegen den an einzelnen Anstalten herrschenden Uebclstand, daß nur eine wöchentliche Religionsstnnde erteilt wird. 8. Das hohe Ministerium möge auf Grund der bisher erlassenen Verfügungen (die namentlich anzuführcn sind), die beim Jugendgottesdienst gehaltenen Exhorten, falls dieser Jugendgottesdienst für Mittelschulen obligatorisch eingeführt ist, remunerieren oder für 2 Lehrstunden anrechnen. In die sich an diese Ausführungen anschließende Debatte, greift Vizepräsident der Kultusgemeinde und Mitglied des k. k. nied.-österr. Landesschulrates Dr. Gustav Kohn ein, der die Bemühungen der Wiener Kultusgemeinde um die Vermehrung der Ernennungen zu definitiven Religionslehrern darlcgt und dafür eintritt, die Systemisierung dieser Stellen anzustreben, wozu notwendig sei, daß die Aspiranten mit einem staatlich rechtskräftigen Zeugnisse sich auslveisen. An der Debatte beteiligen sich noch die Herren Rosenmann, Lazarus, Grünfeld, Kisch, Hausner, Bauer und die Versammelten einigen sich auf den Kompromißantvag, an die hohe Unterrichts- Verwaltung folgende Petition zu richten: Der Verband der israelitischen Religionslehrer an den österr. Mittelschulen bittet, daß nur diejenigen mit dem israelitischen Religionsunterrichte an Mittelschulen betraut werden, welche ihre allgemeine akademische und religionswissenschaftliche Bildung in einer jeden Zweifel ausschließenden Weise nachgewiesen haben und daß die hohe Unterrichtsverwaltung, sei es durch Einsetzung einer Prüfungskommission, sei es durch Autorisierung einer theologischen Lehranstalt, die Möglichkeit schaffe, das Ausmaß des zu fordernden Wissens zu regeln und festzustellen. Auf Antrag des Prof. Dr. Reich wird auch der Vizepräsident der Wiener Kultusgemeinde, Dr. Gustav Kohn, zum Ehrenmitglied des Verbandes ernannt. Hierauf wird die Sitzung geschlossen. ' Die dritte Sitzung wurde Dienstag den 29. Dezember um 10 Uhr vormittags eröffnet; den Vorsitz führte Obmann Dr. Feuchtwang. Herr Rabb. Prof. Tr. Alex Kisch erstattet das Referat über die Schaffung eines einheitlichen Lehrplanes, dessen Möglichkeit er anerkennt, wenn man es erreicht, daß für jede Klasse, lvclche israelitische Schüler hat, separat Religionsunterricht erteilt wird. Der Stoff müsse sich gliedern in 1.- Rcligionslehre und biblische Geschichte, 2. hebräische Sprache, so weit sie zum öffentlichen Unterricht und zum Verständnis der Urschrift nötig ist, 3. religionsformale Dinge. Referent führt aus, man möge eine räumliche und moralische Trennung der Pflichten vornehmen, die der Staat in Bezug auf den Religionsunterricht habe und die die Religionslehrer in seinem Namen erfüllen und die Pflichten, die die Kultusgemeinden haben in Bezug auf Heranbildung wackerer Israeliten, so zwar, daß in den Mittelschulen nur ein solches Ausmaß von jüdischer Religionslehre, einer seiner Glaubensgenossen heimlich den Leichnam und verscharrt ihn unter dem Schutze der Nacht im Tal von Josaphat, im Schatten des Tempels Salomonis. Tritt man in ihre Hütten, so bleibt man, entsetzt von soviel Elend und Mangel, auf der Schwelle stehen. Andächtig hört man sie tage-, Wochen- und jahrelang ihren Kindern jene geheimnisvollen Psalmen flüsternd Vorboten, die sich seit Jahrhunderten vom Vater auf den Sohn übertragen. Was sie vor fünftausend Jahren taten, das tun sie heute noch. Siebzehnmal haben die Juden der Zerstörung ihres Jerusalem zusehen müssen, aber nichts konnte sie entmutigen, nichts konnte sie verhindern, ihre sehnsüchligen Blicke immer wieder gen Zion wandern zu lassen. — Wen,, man sieht, tvie die Juden über die ganze Welt zerstreut sind, so muß man ohne Zweifel ihn Zähigkeit bewundern; fast stumm vor Staunen wird aber der Reisende, wenn er die Juden in Jerusalem lviederfindet, lvo sie, die legitimen Herren des Landes, als Sklaven fremder Völker schmachten und trotzdem gläubig auf den großen Messias, den König, der sic erlösen soll, harren. Die alten, einst so mächtigen Völker, die Perser» Griechen und Römer, sind vom Erdball vertilgt und verschwunden. Dies kleine Völkchen aber, das lange Zeit vor diesen großen Nassen schon lebte und strebte, das hat sich ungemischt unter den Trümmern seines alten Vaterlandes zu erhalten gewußt!" So weit die Ausfühvnugrn ans dein. Reistführcr, die anschaulich und iw glühenden' Farben die Beobachtungen des Dichters wiedexgaben-, die im großen, und ganzen noch honte zutrefst-n. Wenn aber Chateaubriand honte durcheines der alten, Tone, die den heiligen Büchern nach an der Stolle errichtet wurden, aatf der die Juden t Jesus Christus vor Pilatus führten, wieder in Jerusalem einzöge, waS würde er im Tat des Baches Kidron erblicken!? Er würde zn Füßen der großen, Ka-ktussträncher, die dort wild lvachsen, nnd! Mn den, Ueberbleibseln der verendeten Tiere gedüngt werden, dasselbe Volk der Juden, iw denselben übelriechenden- und verfallenen Hänschen, vorfinden, in denen sie die gleichen alten, Gebete aus abgegriffen-en Büchern murmeln! Dieses alte und doch neue Volk lvird nicht! mehr mißhandelt; es beugt auch nicht mehr klaglos das Haupt, es leidet nicht mehr Ungerechtigkeit, ohne nach , dein Gesetz zn rufen, es legt seine Gliedmaßen nicht mehr i ergeben! unter den allgewaltigen Krnmmsäbel; im Gegenteil, es ist ebensolvenig ansgeschlossen, oder!reuiger frei, Geschichte und Wissenschaft zu lehren sei, wie es zu dem Ziele der sittlich-religiösen Erziehung der Mittelschuljugend führe, was aber über dieses Interesse hinausgehe, so die Behandlung ritueller Fragen, möge Lehrstoff von separaten, von den einzelnen Kultusgemeinden zu gründenden Religionsschulen sein, welche nach dem Muster ähnlicher Einrichtungen in Deutschland cinzurichten wären. In dev sich daranschließenden Diskussion wird dem Referenten für dieses ausführliche und schwungvoll gehaltene Referat die Anerkennung ausgesprochen, jedoch von verschiedenen Rednern betont, daß die darin enthaltenen Forderungen Utopien seien, ferner daß cs der Referent an positiven Detailvorschlägen habe fehlen lassen, endlich wurde die Ueberlassung eines Teiles des jetzigen Lehrplanes an separate Rcligionsschulen entschieden bekämpft. Da die zum Worte gemeldeten Redner auf ihre Ausführungen nicht perzichten wollen, sich aber für die Fortsetzung der Beratung ergibt, daß die Versammlung nicht mehr beschlußfähig ist, betraute die Versammlung den Ausschnh mit der Mission, aus seiner Mitte, aus dem Verbände und auch aus den dem Verbände nicht angehövigen Religionslehrern ein Komitee zu wählen, welches über die Schaffung eines einheitlichen Lehrplanes eine Enquete zu veranstalteu und darüber in der nächsten Plenarversammlung Bericht zu erstatten habe. Hierauf wird der Verbandstag geschlossen. Die Zustände in der Krakauer KultuSgemeinde. (Orig.-Korr. des „I. V.") Mi-t-te Jänner 1904. Die unerhörten Vorgänge iw dev Krakau,er Kultusgemeinde haben! symptomatische Bedeutungauch für die kleineren, galizischen Gemeinden. Die allgemeinen, Interessenwerden kleinen, egoistischen Trieben gewisser ciw die Oberfläche gespülter Führer geopfert. Die Tätigkeit dieser Kultusgemeinden kann daher niemals fruchtbringend-, sondern nur zerstörend wirken. ' Der Antisemitismus, der in Galizien unter anderen: Deckschilds, aber, nicht in geringerem. Matze als in, Wien austritt, findet durch! das Protektionssystem und durch die Unsauberkeit mancher im Vordergründe stehenden Perso-uen die beste Nahrung. Wir wollen hiermit ein, kleines Situationsbild der Krakauer Kültusgemeind'e entwerfen, um unseren, Lesern diese skandalöse Wirtschaft einmal eingehend zu, schildern. Wie der Warschauer „Israelit" meldet, stehen sich in Krakau zwei Parteien gegenüber. Auf der einen Seite stehen die „Unabhängigen" unter Führung, des Herrn Dr. Groß, und, auf der anderen der Gemeinderat Herr Hirsch La,nda,n, der Leithammel der jetzt herrschenden „Kahalisten". Hirsch Landa,us Wirkungskreis besteht! im, Wahlmachen aller Qualitäten und nach! jedem! Ritus. Er steht bei den Antisemiten sosehr im, Ansehen, daß sie sich an ihn b-ei den Wahlen, der fünften und Stadtkurie um seinen „wohlmeinenden, Rat" wenden, der ihnen bereitwilligst erteilt wird. Galizifche Wahlen an sich genießen ja europäische Berühmtheit. Entweder werden, einige! Leute erschlagen o-d>er eine beträchtliche Anzahl Stimmzettel in 'den Orkus geworfen. Der Schwindel blüht in jeder Gestalt, nnd Hirsch Landau, ist einer der Regisseure dieser Wahlkomödie, die mai: dann den „Ausdruck des Volkswillens" nennt. Ein zartfühlender Herr bleibt Hirsch- La-ndan trotzdeu:. Wenn der Geistliche Backowski in: Gemeiinderate feine mit vielen Schimpfwort,en gespickte Philippika gegen die Juden von: Stapel läßt, verläßt Hsrr Landau den, Sitzungssaal, damit sich die Herren nicht genieren und dem Redner wütend applaudieren können . . . Unter der Oberleitung eines so geschmeidigen Stimmzettelfanatikers kann natürlich für die Judensch-aft nichts Positives gel-eiWt, werden. Die „Unabhängigen" bliebe!: Äcn letzten Wahlen ferne und suchten nur auf die neutralen Kandidaten der Landan'fchen Lifte dahineinzuwirken, daß diese die ihnen in den Schoß gefallenen Mandate nicht annehmen, aber ihr Appell verhallte erfolglos. Sowurden die „Kabalisten" im Jahre 1000 en bloc gewählt, und dev dagegen eingebrachte Wahlprotest ist bis h e u t e noch nicht erledigt. Es fanden, wohl zwischen den- Partei«:: und, der Behörde Pourparlers stakt,, die man in Den zivilisierten Ländern mit „Vornutersuchung" bezeichne!: würde. Ein Ergebnis ist jedochnoch nicht zu Tage gefördert worden-. Die „Kah-listeu" sind „vb-ei:," sehr gut angeschrieben und die Schlachtzi-zen »volleneinen, ihrer gediegensten Wahlmacher auch! dann nicht brüskieren, wem: sie auch hierdurch einer verwahrloster: Wsttschjast und einem. ungesetzlichen Zustande ein, Ende bereiten würdei:. Wie wenig -ernst d-ie Leitung der Kultusgemeinde ihre Aufgaben auffaßt, erh-ellt schon daraus, daß, wie das Verwaltungs-Mitglied Herr Tr. Groß versicherte, der Rechnungsabschluß pro 1900 noch nicht abgeschlossen ist. Auch auf allen anderen, Gebieten, der Verwaltung zeigen sich klaffende Lücken. Das jüdische Spital Krakaus kostet verhältnismäßig mehr, als das Wiener jüdischie Spital und dabei klagen, die Kranken über Unbequemlichkeiten, schlechte Kost und üble Behandlung. Allerdings sind die Aerzte, mit Ausnahme vo-n zweie!:-, Söhne und Verwandte vom Präsidenten, Horo-w-itz und Herrn Landau-, denen man ja auf Kosten der Gemeinde! eine angenehme und 'gutsituierte Position, schaffen mußte. Eine ähnliche Korrrlptio-n herrscht auch in den anderen Abteilrlingen für Wohltätigkeit, so daß diese den intendierten Zwecken, n'k'm.a-tg entsprechen können. Es ist menschlich! begreiflich, d-aß der anständige Teil im Judentum aus Ekel vor solchen Zuständen sich von. der Wahlbewegnng fernhält, ehe er den Sunipf trocken legt. Es müssen sich aber säm>t-liche Mitglieder vereinigen-, damit endlich durch a l l g e m e: n e neue Wahlen dem System Landaus, das auf Nepotismus und Wahlmache aufgebaut ist, ein Ende bereitet wird. Mit der bloßen Passivität ist noch» nichts getan. Zeitungsschau. Im Bukowinaer Landtage sprach Abg. N. v. Wassilko nach der „B u k. P o st" über „Jüdische und christliche Dorfwucherer". Mein Freund Dr. Straucher wurde in seiner Rede durch einen Zwischenruf Dr. Flondor's unterbrochen-, wobei seitens des letzteren das Wort „Dorfwuchercr" — ich glaube richtig gehört zu haben- „jüdischer Dorfwucherer" — fiel (Rufe: Nur „Dvrfwuchercr".) Gut, meine Herren, angenommen, daß Dr. Flondor „jüdisch" nicht gesagt hat, so ist es doch klar, daß er bei Apo-- strophierung des Dr. Straucher die jüdischen Wucherer gemeint hat. (Sehr richtig!) Es sei mir gestattet, nachzuweisen, welch groben Fehler Dr. Flondor auch durch diesen Zwischenruf von seinem Standpunkte als Großgrundbesitzer aus getan hat. Gibt es, meine Herren, keine christlichen Dorfwuchercr und vor allem stellen nicht gerade die Großgrundbesitzer ein gewisses Kontingent zu dieser edlen Spezies von .Menschen? (Sehr richtigI) Ist dem Herrn Dr. Flondor nichts davon bekannt, daß es christliche Großgrundbesitzer gibt, lvelchc zur Winterszeit, damals, wo unserem armen Bauer das bißchen Mehl zur Mamaliga und das Stroh — nicht das Holz, denn so lucit. versteigt er sich gar nicht — zur Erwärmung seiner Hütte fehlt, „hilfreich" ihren Beutel öffnen und mit Vorschüssen ans Arbeit für den Sommer aushelfen? Hat dev Herr mit den vielen Staatsprüfungen sich einmal die Mühe genommen, die Differenz des Arbeitslohnes der im Sommer gezahlt wird, und des Arbeitslohnes, den der Bauer auf Grund dieser Vorschüsse abzuarbeiten hat, festzustellen? Und ist ihm nichts davon bekannt, daß hiebei Wncherzinsen zugunsten des Gvoßgrundbesitzers herauskommen, die oft 100 Prozent übersteigen? (Sehr richtig I) Gibt es unter den historischen Geschlechtern keine Gutsobcv inichr Sklave als die anderen Völker in diesen! Reiche Juda, d-as die Ju-dei: sich dereinsteroberten, und indein sie a!ls „eingeboren!-'- Herrscher" die eiste Rolle spielten. Noch viel größer wäre aber lvohl Chateanbriands Verwnndernn-g, lvenn er, wie wir heute, kon-sta-ticrte, daß d-ies ja-nnn-ervolle Häuflein von- Färben! und Trödlern, die noch vo-r einigoni hninbcrt! Jahren, in diesen schrecklich-en Höhlen der Nic!de:sta-dt zitternd :md furchtsan: hausten, jetzt, tvählve-ndwir dies schreiben,.durch Anwachsen-, Zuwnndern-ng nn-dnatürliches Beülni-ehrendie nntzchenre Majorität der Bevölkerung bildet. Unter den 60 000 Einivohnern verfchiedenster Rassen, die innerhalbii-wb außerhalb der alten Bauten, mit ihren, gotischen Fassaden zusainii neu gepfercht sind, mit» zu, bcneni Syrier, Araber, Türken, Griechen, Armenier, Kopten Ab-yssin-ier ustv. gehö-ren, und die sich gegenseitig mit nnvelrsühnlicheni, religiösen! Ha-ß befehden, gibt es 40 000 Juden. Auch, diese spalten sich sogar noch in Gruppen-, d-i-e einander feindlich gegenüberfteh-en und innerlich mitai lose durch jenes Baud zusaminenhängen, das seit Jahrhunderten Israel v-erknüpft nnd es ihln, twhdein, ,es über d-ie gange Welt zerflatterte, doch ermöglicht, sich durch endlose Generationen hindurch lebendig und arbeitsfähig zu, erhalten,. Den sorgsalnsten Berechnungen! nach beziffert sich die Zahl der vonden, lateiniM'n- Völkerschafien- Abstalmnenden nicht, über 4000, wobei aber die katholischen- Griechen und jene Armenier mit einbegriffensind, welchedie An-torität des Papstes anerkennen. Die orthodoxen- Griechenschätzt man nn,r auf 6000 und die Mliselniänner, die nach den, Inden zur Bevölkerung Jernfaleins das stärkste Kontingent stellen-, bilden eine Gemeinschaft von 6—8000 Seelen. Sokann man, mit Fug und Recht sagen,: „Jerufalon: ist!vi-e in alten Zeitendie Hauptstadt! Israels!" Die vorstehenden Zahlen! lassendie große Benümchignng, die sich in, den Regiern-ngskreisen von Konstantinopel schließlich geltend inachte, nur zn begreiflich erscheinen. Die Türkei ergriff dem: auch Vorsiichjtsmaßregeln, um die rapid anwachsende Ein-lrand-ernng d-er Jud-en in das wüst und brachliegende Landmöglichst in den Häfen des KüstelN la-ndes Hintang uh alten. Nie in meinem Leben, werde ich jedoch der:, trostlose!: Anblick vergesse::, den ichinfolge d-ieser Sperre eines- Tages so-!vo-h!l in Beirut als auchin Jaffa haben inußte. Ich sah dort arme Ju-d-e:: gleich wilde-n Tieren hinter festei: Eisenstäbel:, in Käfigei: eingesperrt. Diese Gefängnisse, die förmlich am, Land-n,ngsquai klebt-en, dn-rften, - vo-i: ihren trostlosen Jnsassei: erst dann, verlassen lvevdan, wenn ein Passierschein der türkischen, Machtha-be-v vorgezeigt lverdei: konnte. Diese armen Teu-fel hockten darin ga!i:ze Stunden,!val:dten sich vergebens am ihre Konsulate nndwurden erbarmungslos wieder eingeschifft, um in ihre Heimat zuri'lckznkehven, lvenn ihnei: das nötige „Backschifch" nicht zur Verfügung stand. Abciv selbst jei:e Bevorzugte!:, die loie Touristen mit Päsfcn versehen ihren Einzug hielten, bekamen nur einen, Ansenihaltsschein für die Dauer eines Monats. Aufgehaltei: it-nb verlangsamt ist vielleicht die Einwanderung^ ivv-rden, aber doch nicht ganz verhindert; denn nur zn gut benützten! die Juden-, die es für ihr. augestäinmtes Recht Haltei:, in, der. „heiligen Stadt" ihre Gebeine zur ewigen Ruhe zn legen, das geheimnisvolle und doch untrügliche Verständignngslnittel des Goldes, dem die ottoman-ische Negierung ersahrnngsgeinäß nicht widerstehen koimte. In: Grn-nde genoniMen gilt das Eii:wa-nder:mgsverbot doch nur für die Besitzlosei:,; das hält auch in allen Ländern: Tanseirde von arin-en! Inden, die Palästina sonst lnagisch anstezogen hätte, Wirkfan:, zurück, und so wird die drohende Uebervölkerung durch Elende und Bedürftige etlvas gehemmt. Trotz -alledem lebt, da::-k den: Enütrömen vieler. Jndvl: ohne Reisegeld nnd Barns vor dein Einschreiten des türkischen- Regnnie, die Hälfte der Inden iii- Jerusalemnur von- Almosen!!! (Berl. Tagebl.)