Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 3 (15.1.1904)
- Date
- 1904-01-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 3 Wien, Pretttg Jtidi«4e# YoUnbktt. 15. Jänner 1904 UZ über die Aeußenmg tat, daß <em in dieser Angelegeniheit machtlos dastehe und daß die Nabbinorfrago noch vor der Wahl so gut wie erledigt war. Auch diese Affäre verleidete kais. Rat Klmger sein Ehrenamt und unsere Lesier wissen, daß er damals bereits seine Demission in aller Form anmeldete und nur den Uebervedungen der durch diese Störung erschrockenen Klique nachgab, weshalb wir schon damals in der Lage lvaren, zu melden, daß er, sobald die Rabbiner unter Dach sein werden, unwiderruflich zuriücktreten tverde. Aus alledem geht nun hervor, daß die ganze Regierung des kais. Rat Klinger, insoweit sie sich nicht auf finanzielle Angelegenheiten erstreckte, durch eine Schwäche gekennzeichnet war, unter welchen viele wichtige Interessen Ser Wiener Jrwenschaft zu lewen hatten; und es gehört tatsächlich eine kolossale Dosis von Byzantinismus dazu, wenn Dr. David, noch kaum an die Wiener Luft gewöhnt, dem Rücktritte des Präsidenten'eine Predigt widmet und ihn in einem abgeschmackten Nachrufe unter anderem auch als großen Helden feiert. " Die Krise, welche durch die autokmtische Herrschaft einzelner Kliquen nunmehr ausgebrochen ist, beschränkt sich nicht auf den Präsidenten allein. Mehrere Symptome sprechen dafür, daß etwas faul sei im Staate Dänemark und daß man es mit einer tiefergchenden Zerklüftung der noch bis vor kurzem geeinigt vorgehendeir Majorität zu tun habe. Symptomatisch für die Situation ist zunächst der Umstand, daß der Kultusvorstand sich „vorläufig" an eine Präsidentenwahl gar nicht heranwagt, daß es als sicher gilt, daß keine der bestehenden Fraktionen im Kultusvorstande eine Majoriät für ihren Kandidaiten aufzubringerr in der Lage ist. Als ferneres Symptonr für die Zerfahrenheit, welche jetzt in der SeitenstettMgasse herrscht, kann wohl auch gelten«, daß die pauschalierte! Kultuspresse schon fiir einzelne'Kandidaten die Werbertrommel rührt, indem sie zu dem längst abgenützten! Mittel greift! und die Amismüdigkeit der Betreffenden in die Welt hineinlügt. Der Kultusvorstand hat, um die Krise vorlärifig zu überbrücken, zu einem ganz eigenartigen Auskunftsmtt'tel gegriffen. Er läßt die Präsidentenstelle unbesetzt und überläßt die Leitung der Gemeinde dem ersten Vizepräsidenten Dr. Alfred Stern. Abgesehen' davon, daß wir es für vollständig unzulässig halten, daß die erste Knltusgemeinde des Reiches ohne Präsidenten verwaltet werde, darf es nicht zugegeben werd'en, daß mit dieser Würde ein so schnödes Spiel getrieben werde, wie dies in letzterer Zeit und hauptsächlich in der letzten öffentlichen Plenarsitzung der Fall war. Hatte die Majorität des- Knltusvorstandes das Vertrauen zur Leitungsfähigkeit und LeitungseiWung des Dr. Alfred Stern, so hätte sie dies nicht auf Umwegen bekrmden sollm-, wie hies wirklich geschehen -ist, sondern ihn zum Präsidenten erheben! müssen!. Findet aber der Mlltusvorstand in> Dr. Alfred Stern nicht die stir einen Präsidenten der Wien,er Knltusgemeinde geeignete Perfon, dann Hütte er ihm die mit dieser Würde verbundenen Agenden auch indirekt nicht überantworten dürfen. Oder soll etwa diese Ehrenstetle für Herren' bereitgehaltcn werden, welche fiir dieselbe noch nicht reif sind? ... In« allen Fällen wird es gut! sein, wenn die Steuerzahler den Vorgängen im Kultnsvovsilande eine größere Aufmerksamkeit zuwenden, als dies leider bisher der Fall war, denn es ist picht ausgeschlossen', daß uns die Zukunft einen; Knltuspräsidenteu bescheren. Wird, den man' nur deshalb wählen wird, weil er jetzt in anderen Kreisen seine hochgehenden AmLNonen nicht erfüllt sieht rmd sich cmis Ehrgeiz — Gott behüte — taufen lassen könnte. sophische Strömungen sind überall nur für die führenden Kreise ihres Volkes bezeichnend. Niemand wird so weit gehen, jeden schönen oder abstoßendere Gedanken unter Vernachlässigungdes individuellen Moments dem Volksgeist zuzuschveiben. Wir haben daher gewiß kein Recht, etwa die Lehren eines Geheimbundes, einer esoterischen Sekte (wie der Essener) auf das Denken aller Juden zu beziehen. D!as aber, ivas in den anerkannten Schriften stand, war gerade bei den Juden in karrnr wieder erreichtem Maße den breitesten Volksschichten zugänglich gemacht und zwar durch das Institut der Synagoge. Nicht-nur war das fortwährende Studium der heiligen Schriften die höchste Pflicht, die Ausbreitung und Verdeutlichung der Lehre war hier in ein mit Eifer gehandhabtes System gebracht. In der Synagoge herrschte Lehrfreiheit, jeder, der bibelfest wav, konnte Vorträgen und disputieren, ohne nach seiner religiösen Richtung gefragt zn werden. Jesus durchwandert alle Flecken Galiläas und predigt allerorten in den Synagogen, obwohl er der herrschenden pharisäischen Richtung doch sehr unangenehme Wahrheiten/zü satzen wußte. Ebenso die Apostel.' Paulus, der als Fremdling nach Antiochien, kommt, wird von dem Vorstand der Synagoge freundlichst ausgefordert, über einen eben verlesenen Text zu predigen. — (Av.-Gesch. 13, 15.) Man kann sich vorstellen, daß ein solches System die Massen mehr anzog und mit religiösem Interesse erfüllte, als die Aussicht, jeden Feiertag denselben Rabbiner oder Pfarrer die immer gleich bleibenden Floskeln reden zu Höven. Gleichzeitig verhütete die Synagoge, so lange noch die Zeit einen freien Zug in ihr ermöglichte, das Uebermächtigiverden einer theologischen Doktrin, das Erstarren des lebendigen Geistes. Religion und Ethik haben in der Synagoge ein ebenso „nichtiges Mittel der Fortbildung gefunden, tvie etwa nur noch das römische Recht im prätovischen Edikt. Beide Male hat eine vortreffliche Institution die Ausscheidung und Ansammlung des Lebenskräftigen aus der anonymen Weisheit von Jahrhunderten ermöglicht, beide Male ist ein Unvergleichliches entstanden. Auf rechtlichem Gebiete konnte ein Kreis genialer Juristen das Werk vollenden, auf religiösem Gebiet, wo es sich gerade, um das Gegenteil der Kodifizierüng, um das Loslösen des Geistes von: Buchstaben, vom Einzelnen, Zufälligen. Beschränkteü handelte, mußte freilich auch ein Unvergleichlicher hiugul(,!"mci1' («Pol.-anchr. Revue.")) Berichte der Baron und Baronin Hirsch-Stiftungen. Bolksschnlen. Wie bereits im vorigen Jahresberichte mitgeteilt, wurde das für Schulzwecke gemietete Haus in Bialykamien am 6. September 1902 durch Brand eingeäschert. Mangels geeigneter Schullokale konnte diese Schule nicht wieder eröffnet werden. Da überdies die Zahl der Stiftungsschüler in den letzten Jahren bis auf 62 gesunken und infolge weiterer zahlreicher Auswanderungen eine abermalige Abnahme des Schulbesuches zu gewärtigen war, hat das Kuratorium von der Wiedereröffnung umso eher abzusehen geglaubt, als die Matrikencmszüge ergaben, daß in den nächsten Jahren eine größere Anzahl von schulpflichtigen Knaben nicht vorhanden sein wird. Auch der Betrieb einer zweiten Schule mußte am 26. April 1903 bis auf weiteres eingestellt werden, als in Mikulince das von uns für Schulzwecke gemietete Gebäude durch Brand eingeäschert wurde. Da sich in diesem Orte tar Eigentümer zum sofortigen Aufbaue des Schulhauses verpflichtete und die Arbeiten ungesäumt aufnahm, die Schule ferner im vorigen Jahre von 191 .Andern besucht war, wurde die Aufrechterhaltung der Schule in Mikulince seitens des Kuratoriums beschlossen. Tatsächlich erfolgte auch zu Beginn des Schuljahres 1903/1904 die Wiederaufnahme des Unterrichtes. Abgesehen von diesen beiden infolge Feuersbrunst entstandenen Störungen des Unterrichtes und den an einzelnen Orten infolge epidemischer Krankheiten verfügten behördlichen Schließungen unserer dortiger. Schulen durch einige Zeit, war der Schulbesuch ein ziemlich regelmäßiger, wenn auch nicht verkannt w.rrden kann, daß noch an einigen Orten zahlreiche schulpflichtige Knaben dem Schulunterrichte ferne bleiben. Im großen und ganzen jedoch ist die Schulfeindlichkeit eines Teiles der Bevölkerrrng in den meisten Orten in der Abnahme; ja es ist, wie bereits in den früheren Jahren hervorgehoben, die erfreuliche Tatsache zu verzeichnen, daß selbst ans kulturell zurückgebliebenen Gegenden Ansuchen um Schulgründungen arr das Kuratorium gelangen. Es besteht kein Zweifel, daß immer größere Kreise die segensreichen Wirkungen 'der'Schulen der Baron Hirsch-Stiftung erkennen und ihre Kinder, welche jetzt infolge mangelnder Handhabung des Schulzwanges an mehreren Orten nur mit Mühe der Schule zugeführt werden, freiwillig in die Schule senden werden. In den 49 Schulen, der Baron Hirsch-Stiftung wurden von 232 Lehrern in 182 Klassen insgesamt 8996 Schüler unterrichtet. lieber die Verteilung der wirkenden Lehrkräfte, die Kosten der einzelnen Schulen, des Unterrichtes, der Bekleidung und Beköstigung enthält die am Schluffe angefügte Tabelle nähere Daten. Weitere Angaben über-jede einzelne Schule werden behufs Vermeidung nicht unbedeutender Druckkosten in den Jahresberichten nach größeren Zeiträumen vergleichsweise mitgeteilt werden-. Im Laufe des Schuljahres wurde das Oeffentlichkeitsrecht den Schulen in Dabrowa und Bohoradczauy und seither den Schulen Jezierna und Solotwina verliehen, so daß gegenwärtig nachstehende 28 Schulen mit dem Oessentlichkeitsrechte ausgestattet sind: Bohorodczany, Bojan, Boryslaw,. Ahrzcmow, Dabrowa, Delatyn, Gologory, Gwozdziec, Jezierna^ Kolomea, Mielee, Monasterzyska, Obertyn, Ottynia, Rawa niSfä,' Sadagora, .Sassow, Sniatyn, Sosotwiniä, Stanislau, Ääünvw, TystNrenicch'Zablotow, Zborowi/ Zloczow. 24 Schulen sind höheren und 28 niederen Typus. 81 Schulgebäude sind Eigentum der Stiftung; in 18 Orten sind die Schulräume, gemietet. In Horodenka steht außer dem eigenen adaptierten,- nicht mehr ausreichenden Schulgebäude ein gemietetes zur Verfügung. Ungeachtet der schwierigen finanziellen Lage der Stiftung hat das Kuratorium beschlossen, in Burszchn, woselbst im letzten Schuljahre 219 Schüler die Schule besuchten und bereits im Jahre 1901 ein Bauplatz angekauft wurde, den Bau eines Schulhauses in Pomorzany, welches gleichfalls sehr notwendig wäre, mußte das Kuratoririm vorläufig absehen. Wie irr den Vorjahren, wurden die Lehrer dahin instruiert, daß unsere Schulen in Galizien nicht bloß Unterrichtsaustalten, sondern in vorzüglichstem Sinne Erziehungsinstitute sein müssen. Es wurde deshalb nach tvie vor strikte daran festgehalten, daß den Bcstrebrrngen ans Einführung des Halbtagsunterrichtes unter keinen Umständen Folge gegeben werde, vielmehr werden die Lehrer angewiesen, außer den gewöhnlichen Unterrichtsgegenständen in der schulfreien Zeit Unterricht in Handfertigkeit (Slöjd) zu erteilen, aber mrch der Pflege der Jngendspiele, des Turnunterrichtes und der Veranstaltung von- Ausflügen ihre vollste Aufmerksamkeit zuzuwenden. Im ganzen erteilten 9 Lehrer an 187 Schüler in 16 Abteilungen Unterricht in Handfertigkeit. Am Turnunterrichte nahmen 8973 Knaben, an Jugendspielen 6642, an den Veranstaltungen und Ausflügen 6041 Knaben teil. Die Ausgaben für die Volksschulen betrugen nach Abzug der allerdings höchst geringft'rgigen Subventionen von Korporationen in Stanislau, Tarnow, Buczacs und Kolomea pr. K. 6033.16 und der Eingänge an Mieten usw. per K. 13 627.44, K. 416 162.36. In dieser Summe ist -auch ein Betrag von zirka K. 10 000 enthalten, den das Kuratorium Mir Unterstützung für Lehrer, welche eine zahlreiche Familie zu erhalten hatten und durch Krankheiten oder Todesfall in Notlage geraten waren, bewilligte. ' ' Außer dern genannten Betrage wurden für Unterstützungen der Kinder durch Verteilung von zirka 30 000 Büchern, 100 000 Heften und 26 000 sonstigen Schnlrequifiton K. 10 662.46 aus den Mitteln der Bacon Hirsch-Stiftung verausgabt. Airs den Mitteln der »Baronin Clara von Hirsch-Kaiser- Jubiläums-Stiftllng zur Unterstützung von Knaben und Mädchen ill Oesterreich" gelangten an die unsere Schulen besuchenden Kinder über 10 000 Frühstücke, zirka 200 000 Mittagessen imb 6000 Kleidungsstücke und Mützen mit einem Kostenaufwande von K. 02 074.39 zur Verteilung. Subventiolien wurden an die Schulen Bro-dy, Zabloeie und Suczawa im Betrage dorr K. 11 800.08 bewilligt. Abendkurse. Die Zahl der im abgelaufenen Schuljahre abgehaltenen Abelldkurse betnrg 27, dieselben wurden von 1261 Schülern besucht und vou 77 Lehrern geleitet. Die Kosteu dieses Unterrichtes betrrlgen K. 6506. Jli diesen Abendschulen wurden einerseits 333 Analphabeten, die das schulpflichtige Alter weit überschritten hatten, in den Volksschulgegenständen unterwiesen, andererseits erhielten Knaben, die vor Erreichung des vollständigen Lehrzieles die Schule verlassen hatten und bei Handlverkern oder Geschäftsleuten untergebracht lvaren, einen ergänzenden Unterricht. Auch Knaben und Männer, die die Kenntnisse der Volksschulgegenstände hatten, wurden speziell in Gegenständen unterrichtet, die ihnen bei Ausübung ihres Berufes besorrders von Wert waren, so z. B. Schlosser, Drechsler, TiWr im Zeichnen, Kommis im Rechnen usw. Handwerk. . Zu Beginn des Schuljahres 1902/1903 wurden im Status der Stiftung 626 Lehrlrnge. verzeichnet. Die Bekleidung der Knaben, welche unsere Abendschulen besuchten, erfolgte aus den Mitteln der Baronin Clara von Hirsch-Kaiser-JMläums-Stiftung. Für die Bekleidung der übrigen Handwerkslehrlinge wurde aus den Mitteln der Baron Hirsch-Stiftung ein Betrag von K. 16 019.79 verausgabt. «♦ Der erstangeführte Zweck der Baronin Clara-Stiftung: armen Kindern, welche die Schulen der„Baron Hirsch-Stiftung zur Beförderung des Volksschulunterrichtes im Königreiche Galizien und Lodomerien mit demGroßherzogtum Krakau und imHerzogtumBukowina" besuchen, Mittagskost zu gewähren und Kleidungsstücke für dieselben anzuschaffen, wurde gefördert. B. Dem im Art. 2, lit. b der Statuten angeführten Zwecke: »israelitischen, insbesondere in Galizien und der Bukowina wohnhaften Mädchen, durch Errichtung von Arbeitsschulen oder durch Verleihung von Stipendien zum Besuche von Handelsschulen und Gewährung von Unterstützungen, die Erlernung und Ausübung einer Erwerbsbeschästigung zu ermöglichen", wurde nach verschiedenen Richtungen Rechnung getragen. Die in dem vorigen Berichte angewiesenen sechs Mädchenschulen in Bohorodczany, Bursztyn, Buczacz, Kolomea, Stanislau und Tarnow haben sich in erfreulicher Weise fortentwickelt. Während die Schulen Kolomea, Stanislau und Tarnow ihr Hauptaugenmerk darauf richteten, im Sinne der wiederholt ausgesprochenen Wünsche der Snfterin, tüchtige jüdische Dienstboten heranzuziehen-,. haben die anderen Schulen, welchen die erforderlichen Räumlichkeiten fiir solche Zwecke nicht zur Verfügung standen, sich der Aufgabe imtcrzogen, geschickte Näherinnen und Handarbeiterinnen heranzubilden. Verteilung von Süpendieu. In dem Bestreben, israelitischen, insbesondere in Galizien und der Bukowina wahnhaften Mädchen die Erlernung und Ausübung einer Erwerbsbeschästigung zu erlmöglichen, hat das Kuratorium 69 Mädchen, die zum Teile in Wien, zum Teile in ihrer Heimat verschiedene Lehranstalten besuchten und sich einem Berufe zuwnndten, regelmäßige monatliche Stipendien gewährt, und weiteren 49 Mädchen zum Teile Schulgeldbeiträge, zum Teile für sie das ganze Unterrichtshonorar bewilligt.- Eine wirksame Förderung der Stiftimgszwecke bot das segensreiche Wirken des in Wien, 2. Bez., Obere Donaustrahe Nr. 65, vom Leopoldstädter Frauenwohltätigkeitsvereine unter dem Präsidium der Frau Bertha Kohn errichteten underhaltenen Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhortes. . Das Kuratorium hat an 26 in diesem Institute untergebrachte galizische Mädchen monatliche Stipendien von je K 20 bewilligt. Diese Mädchen waren in Wien bei Schneiderinnen, Modistinnen, Kravattenmacherinnen, Wäscheerzeugerinnen, Handschuh-, machern usw. in der Lehre, wurden bei der. .betreffenden Genossenschaft ordnungsmäßig ausgenommen und freigesprochen, und erhielten während der Dauer der Lehrzeit, die bisweilen zwei Jahre beträgt, Kost, Oclartier, Kleider und Wäsche, sie standen unter Bcmrfsichtigung der Vorstandsdamen undder Hortverwalterin, welche nicht nur hinsichtlich -der Aufführung und Fortschritte dev Mädchen in ihrem Berufe eilte stete Kontrolle ausübten, sondern auch mtf die geistige Entwickluug die'größte Sorgfalt verwendeten. So wurde nicht nur für die Analphabetinnen ein Elementamnterricht eingeführt, auch für den Unterricht der Vorgeschrittenen wurde gesorgt, und jeden zweiten Sonntag wurden im Hort populäre Vorträge abgehalten. Gewährung von Unterstützungen. Außer den vorstehend angeführten in Form von Stipendien und Schnlgeldbeiträgen gewährten.Unterstützungen hat das Kuratorium für 27 Bittstellerinnen 6 Ringschiffrnaschinen, 16 billiger^ Singermaschineu, 5 Strickmaschinen mti 1 Bobbinmaschine crngeschafst; diese Maschinen wurden den Gesuchstellerinnen leihweise zu ihrer eigenen Benützung unentgeltlich übergeben. Bei Erledigung der diesbezüglichen Gesuche konnte natürlich nur auf die allerdürstigsten Petenten, zunächst mlf die getvesenen Schülerinnen unserer Mädchenschulen Rücksicht genommen werden. Insgesamt wurden im abgelaufenen Schuljahre für Mädchen verausgabt K. 64 328.37. C. Die seit Kreierung der Baron Hirsch-Stiftung zur Beförderung des Volksschulurüerrichtes in Gallien und Bukowina durch das Kriratorium bewerkstelligte Unterbringmrg von Knaben beim Handwerke erfuhr erst durch die hochherzigen Intentionen der Frau Baronin Clara von Hirsch-Gereuth ihre notwendige Ergänzung. Gemäß Art. 2, Absatz c, hat die Baronin Clara von Hirsch Kaiser-Jubiläumsstiftung den Zweck: „Den durch die Baron Hirsch-Stiftimg zur Beförderrmg des Volksschulnntercichtes im Königreiche Galizien und Lodomerien mit dem GroßherzogtrlM Krakau uud im- Herzogtum Bukowina zu Handwerksgesellen herangebildeten, in Galizien und der Bukowina wohnhaften israelitischen Kinder,: Unterstützungen zum Behufe weiterer Ausbildung in ihrem Handwerke, insbesondere durch Reisen in das Auslmid zu gewähren." Erst durch den hierfür bestehenden Fonds war es möglich/den zu Handwerksgesellen herangebildeten ehernaligcn Schülern die Möglichkeit zu bieten, sich ins Ausland zu begeben, nicht bloß um sich weiter auszubilden, sondern auch dort, wo oft ein größerer Bedarf an speziellen Arbeitskräften bestand als im Jnlande, sich Erwerb zu schaffen- Das Kuratorium hat in zahlreichen Fällen Handtverksgesellen, die schon durch einige Jahre gearbeitet hatten, Fahrkarten und Rciseunterstützungen für das Ausland bewilligt und für diesen Zweck K. 7390.83 verausgabt. Die Nachrichten, welche über diese Gesellen dern Kuratorium zukamen, lauteten durchwegs günstig. D. Eine gleich notwendige und höchst eAprietzliche Ergänzung erfuhr die Stifürngstätigkeit durch den vierten im Mit 2 der Statuten angeführten Ztveck: „Israelitischen Kindern, welche zur Erlernung eines Handlverkes körperlich untauglich sind, durch Erteilung von Stipendien die Erlernung eines anderen Berufszweiges zu ermöglichen." Hierdurch war das .Krcratorium in die Lage gesetzt, nicht allein jenen Kindern, tvelche wegen körperlicher Schwäche nicht in der Lage lvaren, ein Handwerk zu erlernen, durch Gelvähruug von Unterstützungen den Unterricht in anderen Fächern zu errnöglichen, sondern auch für eine Reihe verkrüppelter Personen durch Anschaffung eigens konstruierter Swickinaschinen, Schreibnmschinen für Blinde ustv. die Möglichkeit eines Erwerbes zu schaffen. Insgesamt lvurden aus diesem Fonds K. 36 600.04 verausgabt.