Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 3 (15.1.1904)
- Date
- 1904-01-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite S Wien, Freitag Jüdische« Volkiblatt. 15. Jänner 1904 JSr. 3 Blinder Eifer führte aber dazu, daß jetzt das Furitz a m e n t der Religionen von Hunderten Millionen Menschen (C h r i st e n und Juden) angegriffen wird. Nom und Jerusalem haben ihre Wurzeln, dicht ineinander verschlingend, in dasselbe Erdreich versenkt. Wer nun dem einen Bamne die Wurzeln abgraben oder abhauen will, verletzt nolens volens die Wurzeln des anderen. Die Hüter des christlichen Glaubens hätten daher ebensowenig der „Los von Juda"-Bewegung gleichgiltig zusehen sollen, wie es ein großer Fehler ist, wenn die Juden der „Los von Rom"-Bewegung und dem Treiben einiger fälschlich „Juden"-Blätter benannten, in Wirklichkeit aber scheinliberalen und internationalen Blätter, welche mit der Bewegung sympathisieren, gleichgiltig zusehen. Seit Beginn der „Los von Rom"-Bewegung bis März v. I. sind in Oesterreich allein 80 evangelische Geistliche neuangestellt) 260 evangelische Gerneinden und Predigerstationen neugegründet und 27 evangelische Kirchen gebaut worden, der großen Zahl der innerlich Abtrünnigen nicht zu gedenken, bei denen es zum offenen Abfall aus verschiedenen äußeren Gründen noch nicht gekommen ist. Dazu kommt, daß in dm seltensten Fällerr der Abfall von einer Nation oder der Uebertritk zu einer anderen e Religion heutzutage nach gründlicher Gewissenserforschunq s^x^s^uden Elementen jedes Staates oder der Gesellimh mta 1t A *? * * 1» Vt ui n « <w K<w1 «rwrUfrdrJ schaft — bewußt oder unbewußt — m Me Hände arbesen spielt sich aber manchmal auf den Patent-Juden aus. Die Gattin eines Getauften, der durch Kirchenspenden sich eine päpstliche Auszeichnung errungen hat, fungiert als Komiteedame bei einem „jüdischen" Verein. Ein getaufter Professur-„Kandidat" tritt nach einigen Wochen wieder zum Jlidentum zurück, da sein Gesinnungswechsel nichjt „honoriert" wurde, u. a. m. Die Abtrünnigen bilden zumeist einen Seuchenherd des Unglaubens und dev »Nationallosigkeit; gegen sie sollte gesellschaftlicher Boykott als Schutzmittel in Anwendrmg gebracht werden, und zwar von — Christen und Juden. —I, Die Krise int Wiener Knltusvorstand. Die seit länger als einem Jahre latente Krise im Wiener Kirltusvorstande ist nun in ihrem ganzen Umfange akut zum Ausbruche gekommen. Der Präsident kais. Rat Heinrich Klinger hat, wie unsere Leser bereits wissen, unwiderruflich seine Demission gegeben und gleichzeitig mit derselben auch seinen Austritt aus dern Kultusvorstande überhaupt angemeldet. Der Kultusvorstand war, nachdem alle Versuche, Herrn kais. Rat Klingen von seinem ... . Vorhaben abzubringen, gescheitert waren, bemüßigt, den und in letzter Linie nn sogenannten „Klerikalismus" nur I Rücktritt des Präsidenten und dessen Austritt aus dem dm G l a u b e n jeder Religion bekämpfen. Die ekelhafte! Kültusvorstgnde mit lebhaftem Bedauern zur Kenntnis zu journalistische Ausschvotrmg eines jedm Fehltrittes seinehmen. tens eines einzelnen unter den vielen taufenden Geistlichen Dev Rücktritt des kais. Rat K l i n g e r von der. m Europa unter der Marke: „Schon wieder einer", das! Leickmg der Wiener Kultusgemeinde bedeutet in der jchigen Wer obaleick der Abfall 'bebufi ErreiLma'materieller dm Zus»mmerrbruch der^ Mri«els-! Situation, einen herben Schlag für die Gemmnde selbst, V«. bovfchlißkassa, weil ihr Obinamr em „Geistlichen" war, diej denn es kann Mid soll nicht geleugnet werden, datz der fÄÄÄSÄT Negistnerung jedes Kiestlsteines, welche» der > eben rnrückgetretene Präsident sich um die Regelung der 0«crt mm ein« „Kloster- Fimm-ml«. Wiener Gemeinde große Verdienste erworben w^de^Eesaßfite! fensterscheibe schleudert sollte jeden echten Juden umso-! hat und daß es zunächst ihm zu verdanken ist, daß die Dav- ^I^RemMm nük^n^Äandat o^^eine^Vartestüb-! mü M^erfullen, wenn ihm bekannt ist, daß lehenswirtschast in der Kultüsgemeinde ihr Ende erreicht reMaft beN tontenTönen ei«f ömnerst „getaufte" oder assmuüerte", r e g l a u -. und daß man endlich aufgehört hat, die notwendigen Mittel nI JrrS' Sr -x errelcyoares ,bens- und nationallose Juden sind, die damit die! unantastbaren Stiftunaen zu entlehnen, sonders hoher Rang m der Aluts-^ oder > Spalten dev sogenannten freisinnigen und sozialdemokratifnir ™wv*»4»rt«. s eingemumt wurde u. a m. D,e F u h - Blätter verrinreimg-m Das sind kein« achten Judm. rerderNatlonenunddirLelterdesStaa-!; „ Gläubigen und keine National-bewußten, die Wenn der „Wechsel" in nationalen und Glaubenssachen von dm Führern der Nation und den Leitern des Staates nicht mehr „honoriert", sondern mittels Protestes „mangels Achtung" zurückgewiesen würde, dann würde die Abfallbewegung bald ihr Ende nehmm. Heute sind die Religionen und die Nationalitäten gmug zahlreich, daß sie eines anderen als des natürl i ch e n ZuSvachses nicht bedürfen. Sie müssm daher einen Zufluß aus u n reinen Quellen und einen Zustoß von unreinen Elementen in ihrem eigenen Interesse hintanhalten. Für die Juden ergibt sich die Pflicht, der eingerissenen Abfallbewegung nach ihren Kräften nach zwei Richtungen entgegenzutreten. Die eine Richtung ist die dev selbstverständlichen Notwehr gegen die Abtrünnigen in ihrem Lager, welche nicht sittlich religiöse Ueberzeugung, sondern gemeines Streben nach Amt oder Rang oder Feigheit vor der arischen Umgebung zum Uebertritt führte. Die zweite Richtung ist die Niederhaltung jener, die zwar noch äußerlich dem Judentume angehören, innerlich aber längst von ihm abgefallen sind und mit der Bekämpfung jedes Glaubens und jeder Religiosität nur uud aus Ueberzeugung (von der Vortrefflichkeit des adoptierten Balksstammes oder des neuen Glaubens) erfolgte, vielmehr fast ausschließlich aus politischm, gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Gründm erfolgt. In dm meisten Fällen will der Renegat eine Ehe schließen, ein Amt oder eine soziale Stelle sich ergattern usw. tes haben es sich daher nur selb st zuzuschreiben, wenn die Abfalkbewegung so r. -e. z. B. dagegen kämpfen, daß der katholischen Bevölkerung genügende Kirchen gebaut werden-, oder, wmn religiöse oder ij Pf aJ} k,n.0 m , u n J ® ontagium in; nur konfessionelle Körperschaften subventioniert werbreite Reihen derBevolk-erung einge schleppt wurde. Die Abtrünnigen des Judentums verseuchten katholische Reihen und die UebeAäufer vom flavischen Volksstamme in das deutsche Lager schleppten mit sich das Kontagium des Abfalles. E i n e n r i ch t i g e n B l i ck b e k u n d e t e j e n e r 'christlich-soziale Parteiführer, welcher, den jüdischen präterierten Beamten erklärte, daß er für dermalm nicht in der Lage sei. ihre Präterierung zu verhindern, daß er aber ihnen auf das Entschiedenste a b r a t e, sich taufen zu lassen, weil vielleicht ein Jude, niemals aber ein „getaufter" Jude unter ihm avancieren vmrde. Es ist daher nicht bloß das Gebot der Ehrlichkeit und Anständigkeit für Juden und Christen, Slavm oder Deutsche usw., sondern das Gebot der Klugheit rmd der Selbsterhaliung, j e d e n R e n e g a t e n, von welchem nicht e r - wiesen ist, daß er aus tief religiöser U e b erzenden sollen, die Berwaltungsbehöiden belästigen, oder gegen den Zuzug von Seelsorgern demonstrieren. Das sind meist nur Scheinjuden oder, wie sie sich zu benamsen belieben: „noch-immatrikulierte" Jrrden oder Freimanrerkomödianten, die beiall ihrer vermeintlichen „Mmenschlichkeit" übevsehm, daß der Baum der Allmenschlichkeit, wie die jüdischen Propheten wct^sagten, erst! aus dem geläuterten, na tio na lr^lligi ö s en Bodm! entsprießen kann. Die Judm mögen nicht vergessen, daß es die Päpste waren, welche sie im Mittelalter' wiederholt in Schutz genommen habm, während die judmseindliche Strömung der Siebzigerjahre des vorigen Jahrhunderts in jmen Ländern ihren Anfang nahm,, welche früher und zum Teile heute noch dil6 K a r h o l i k e n bedrücktm, imd daß es diese Länder gewesm sind, in welchm der Juden- und Rafsmhaß förmlich zu einer staatlichen Institution oder wissenschaftlichen Doktrin erhoben wurden. Die Christen und Juden mögen der. Abfallbewegung, wie geg u n g oder aus einer natürlichen nationalen oder sozialen j sagt, nicht gleichgiltig zusehen. Einige Beispiele aus der Entwicklung heraus von seinem alten Glauben oder ft ü n g st e n Zeit mögen als Jllustrationsprobe dienen. Volksstamme abgefallen ist, mit öffentlicher V e r - - Ein Jude, der seinen noch nicht 14jährigen Sohn nach den cr cht un g zu belasten, und durch gesellschaftlichen , österreichischen Gesetzen noch nicht zur Taufe führen konnte, Ausschluß vor seinem Kontagium sich zu schützen. läßt ihn gegenGesetz und Recht in Ungarn taufen, Es soll auch konstatiert werden, daß kais. Rat Heinrich Klinger, wie er es selbst in öffentlichen Sitzungen wiederholt erklärte, zur Zeit der Schaffung, der Kurie der Höherbesteuerten einentschiedener Gegner dieser undemokratischen- Institution war und es schon da-mals beinahe zu einem Rücktritt gekommen war. Die scheinbar regere Beteiligung frer Höherbesteuevten an dem Kultüsteben hat kais. d Rat Klinger später! eingestandenermaßen mit dieser Institution versöhnt. Es kann ferner nicht bestritten werden, daß kais. Rat Klinger während der gmrzen Zeit seines Präsidiums bemüht war, die Gemeindeangelegenheiten vom uirparteiischen Gesichjtspunkte als PväsidMt der gesamten Gemeinde zu leiten. Wenn wir aber all dies' umt-nÄvundetr zugeberr,' so dürfen wir auf der anderen Seite nicht die Tatsache verschweigen, daß kais. Rat Klinger all den Unievstirömungen, welche innerhalb des KilultusVorstandes unr sich griffen und durch einzelne Rädelsführer nicht ohne Jn!t<cresse ins Publikum hinübergetragen wurden, nicht gewachsen war, so daß auch die besten Absichten des Präsidenten, der Gemeinde selbst nicht zugiet'e kommen konnten. Es ist ein offenes Geheimnis, daß kais. Rat Klinger anläßlich der letzten- Kultuswahlen drvrch eine ihm, widerstrebende Taktik überrumpelt wurde und daß die bekannte Visitkartenaffäre ohne sein. Wissen inszeniert wu>rde und daß dieselbe mit allenden Vorwüffen, welche sie in oppositionellen Kvcisen gezeitigt hat, ihn dermaßen kränkte, daß er schon damals entschlossen war, sein Präsidium niederznlegen. Es ist .ebenso bekannt, daß kais. Rat Klinger zur Zeit der Rab-- binerwahl einzelnen ihn aussuchjenden Kandidaten gegew- Kunst: „Die Kunst vergegenwärtigt, sie erzählt nicht." Von da an veffolgt Hermann mit tiefem Kunstverständnis Liebermanns Entwicklung und zeigt ihven Zusammenhang mit der ganzen Malerei der letzten Jahrzehnte. Von Jahr zu Jahr findet er Fortschritt bei Liebermann. Doch er begnügt sich nicht damit, dres zu behaupten: er versucht, Ursachen und Aeußemngen des Fortschritts zu zeigen und, zu klären. (Schülß folgt.) Das religiöse Leven bei Arier« und Semiten. : Von Dr. Friedrich Otto Herz. (Schluß.) Es ist selbstverständlich, daß der alte Naturgott nichts besonders. Liebenswürdiges an sich hatte und auch der strenge Rechtsnnd Friedensgott der monotheistischen Anfärtge rmd der exilischett Prüfung mehr durch Furcht, als durch Barncherzigkeit ivirkte. Das finden wir aber bei allen Göttern dieses Typus — bei allen Völkern, ja hochbegabte Völker sind über diese Stufe infolge ungünstiger Umstände niemals hinausgekommen. Wer aber in Bezug auf die vorchristliche Enttoicklung des Judentums so gänzlich untoissend ist, wie Chamberlain sich herausstellt (vergleiche später), der sollte lieber schweigen. Schon im Aristeasbrief heißt es, die Liebe sei der Inbegriff der ganzen Religion. Da atstworten nämlich die zum Zwecke der Uebertragtrng der Bihel ins Griechische nach Alexmrdria gedalenen jüdischen Weisen auf die Frage des Königs, was das Schönste auf Erden sei: „Das sei die Frömmigkeit, denn diese sei die höchste Schönheit selbst. Der Kern der Frömanigkeit aber sei die Liebe. Diese wieder sei ein Geschenk Gottes, ihr Besitz vereinige alle Tugenden." Und der große Alexandriner Philo sagt: „Die Liebe ist jene himmlische Jungfraü, welche als Vermittlerin zmschen Gott und der Seele dient: zwischen Gott, welcher gibt und der Seele, welche empfängt. Das ganze geschriebene Gesetz ist nichts anderes, als das Symbol der Liebe." Mit Behagen zitiert Chamberlain die Worte des Psalmisten: „Die Furcht des Herrn ist der Weisheit?tnsang." Warum aber führt er nicht Jesus Simch ll, 14 ff.) an, wo dieselben Worte stehen, gleich neben ihnen aber das weitere: „Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit." — Der Anfang einer Entwicklung ist eben nicht ihr höchstes. Jesus selbst hat gesagt: „Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Dir sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen, ich aber sage euch: Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen. auf daß ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel." — Die einzige mir bekannte Stelle des alten Testamentes, die hier vielleicht gemeint sein konnte, ist 6/ Moses 23, 6. Dafür aber finden sich zahlreiche Vorlmtfer der eigenen Weisung Christt, die deutlich verschiedene Entwicklungssytfen bezeichnen. In den Psalmen wird oft noch das Verderben der-Feinde gewünscht, selten aber sind es persönliche Feinde, meist Feinde Gottes, die »Gottlosen", „in deren Blut der Gerechte seine Füße zu baden" wünscht. (Ps. 58, 11.) Im 37. Psalm wird , schon gesagt, daß der Aerger über das 6)lück der Gottlosen sündlich ist, Gott sei besser als Gut. Zahlreich sind die Warnungen, jedermann Gleiches mit Gleichem vergelten zu wollen, denn „Haß erregt Hader, aber Liebe deckt zu alle Uebertretungen." (Spr. 10, ILft Der Gedanke: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldiger», findet sich' Sirach 28, 1 ff. „Wer sich rächet, an dem wird sich der Herr.tvieder rächen und wird ihm seine Sünde auch behalten. Vergib deinem Nächsten, was er dir ztk Leide getan hat und bitte dann, so werden dir deine Sünden auch vergeben. Ein Mensch hält gegen de» mrderen den Zom und will bei dem Herrn Gnade suchen! Er ist nur Fleisch und Blut und hält den Zorn; wer will denn ihm sein? Sünden vergeben? Gedenke an das Ende und laß' die Feindschaft fahren" utrd so fort. — Die Freude über das Unglück des Feindes tvird direkt verboten, anfattgs noch mit recht egoistischer Motivierung (Spr. 24, 17—19), alsbald aber aus rein menschlichem Mtgefühl. (Sir. 8, 8. „Freue dich nicht, daß dein Feind stirbt, gedenke, daß wir alle sterben müssen"). Auch Hiob (31, 29) forscht nach der Ursache seines Unglücks mit den Worten: „Habe ich mich gefreut, wenn es meinem Feinde übel ging und habe mich erhoben, weil ihm Unglück betreten hatte?" Aber mrch die Aufforderung zu tätiger Feindesliebe fehlt nicht. Schon eine so alte Stelle, wie 2. Mos. 4, 6, befiehlt: „Wenn du deines Feindes Ochselt oder Esel begegnest, daß er irret, so sollst du ihm denselben wieder zusithren; wenn du des, der dich hasset, Esel unter seiner Last liegen siehest; hüte dich! laß ihn nicht liegen! sondern versäume gerne das Deine um seinetwillen." — Sprüche 26, 21. 22: „Hungert deinen Feind, so speise ihn mit Brot; dürstet ihn, so tränke ihn mit Wasser. Denn du wirst Kohlen auf sein Hmipt häufen und der Herr wird dirs vergelten." — Freilich ist diese Entwicklung keim geradlinige, sie ist abhängig von den Wandlungen der Zeiten, voll den Vor- und Rückschritten des'sittlichen Bewußtseins. Ebensowenig drückt sie immer das sittliche Empfillden der großen Masse aus. Aber in wie vielen von den Milliolien Christen ist wirklich das Wort Jesu lebendig geworden? Wie viele haben tvirktich jene Stufe der Bändigtmg der natürlichsten Jlistinkte erreicht, die die Feindesliebe vovcnlssetzt? — Das Angeführte aber dürfte gellügen, um zu belveisen, daß jene un- Uberbrückbare Kluft zwischen Judentum und Christentum zur Zeit ihre Trennung nur in der Phantasie Chamberlains besteht. In der hellellistischen Epoche ging auch die entscheidende Wendung der Judeil zum städtischen Leben und zum Handel vor sich, der: sie im Exil lläher kennen gelernt hatten und der ans verschiedeneil Gründen später ihr Hauptgebiet bildete. Gewiß hat dieses neue Milieü, gegen das die Sittenlehrer lange ankämpften, sehr zrt jener verflachenden Richtrtng der späteren jüdischen Religiosität beigetragen. Die strenge Buchstabengerechtigkeit, dst in der Vorstellung gipfelt, Gott trage jederr kleinsten Verstoß und jedes Verdienst in das himmlische Hauptbuch ein, um mn jüngstetr Tage jedem Menschen seinen Saldo zu präsentiere,:, ist ein Anpassungs- Produkt mit Bezug auf die neue Lebensrichtung. Noch eines bedarf der Erwähnung. Religiöse ustd philo-