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Jüdisches Volksblatt · 1904-01-08 · 2 (8.1.1904) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
2 (8.1.1904)
Date
1904-01-08
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2 Wien, Freitag Jüdisches VolksbUtt. 8. Jänner 1904 Seite S gesetzniet l — Hierauf verlas der Vorssitze^de einen Brstef des Präsidenten kais. Rat Klinge r, in welchem dieser bekmtntgibt, daß er sein Mandat als K u l t u s v o r st e h e r und demzufolge auch seine Stelle als Präsident der Wiener K u lt u s g c m e i n d e n i e d ej r l'e gl e. Der Vorssitzendei bemerkt hie:», -atz er im Vereine mit.einigen Vorstandsmitgliedern versucht habe, Herrn Klinger von seinem Vorhaben abzubringen, doch seien alle Versuche erfolglos geblieben: Herr Kling er bat in einem ztveiten Schreiben, seinen Austritt zur Kenntnis zu nehmen. Unsere Leser werden durch diesen Schritt des getvesenen Präsidenten nicht im geringsten überrascht sein, waren wir doch schon im vorigen Jtthre in der Lage, zu berichten, datz Herr Klinger sowohl durch die Vorgänge der letzten Wahl, als auch anlätzlich der Rabbinerwahlen, bei denen er seinen unparteiischen Standpunkt gegenüber den Unterströmungen Nicht zur Geltung, zu bringen vermochte, seiner Stellung überdrüssig geworden und nur mit Mühe veranlaßt wurde, dieselbe wenigstens über die kritischesten Zeiten hinaus zu behalten. In einen neuen Wahlkampf, wie ihn die diesjährigen .Kultuswahlen wieder bringen werden, wollte Herr Klinger nicht wieder eintreten und so gab er nun unwiderruflich seine Demission. Dem scheidenden Präsidenten wurde für seine hingebrmgsvolle Tätigkeit einhelliger Dank votiert. Die Wahlen im K u l t u s v o r st a n d e anlätzlich der Konstituierung brachten keine Ueberraschungen; die Präsidentenstelle bleibt auf Antrag Dr. Alfred Sterns vorläufig — wahrscheinlich ein Jahr lang — unbesetzt. Die Vizepräsidenten blieben dieselben: 1. Vizepräsident Dr. Alfred Stern, 2. Vizepräsident Dr. Gustav Kohn. Das Vertreterkollegium blieb auch das alte, nur, datz an Stelle des verstorbenen Arthur v. Mises Dr. Alfred Berger gewählt wurde, mit dem das konservative Clement im Vertreterkollegium eine Stütze erhielt. Die Kommissionen und Komitees bleiben im grotzen ganzen ebenfalls dieselben. Als Kuriosum sei nur erwähnt, datz der Kultusvorsteher Leopold von Lieben, dessen Kinder getauft sind und anlätzlich ihren Taufen wahrscheinlich f ü r Kirchen bau zwecke größere Spenden gemacht haben, in die — Tempelbaukommission gewählt wurde. Es bleibt also alles beim Alten, mit dem Ilnterschiede, datz Dr. Stern nunmehr auch formell der 'Leiter der Gemeinde wurde, was er tatsächlich auch bisher schon war. Wien. (W o h l t ät i g ke i t s a ka de m ie.) Am 13., Februar 1904 veranstaltet der „Lehrerverein im zweiten Bezirk" eine Akademie mit arrschließendem Tanzkränzchen rm Kursalon der Stadt Wien (1. Bez., Paäring). Das Reinerträgnis fließt dem Unterstützungsfonds für Lehrers-Witwen und Waisen zu. Hervor ragende Kunstkräfte haben in Anbetracht des humanitären Zweckes ihre Mitwirkung in Aussicht gestellt. Der „Lehrerverein im zweiten Bezirk" hofft auf tatkräftigste Unterstützmtg, damit die Akademie einen glänzenden Verlauf nehme und den Aermsten der Armen ein stattliches Erträgnis zugeführt werden könne. Erster Wiener jüdischer Turnverein. Am 16. Jänner, 8 Uhr abends, findet im Hotel de France, 1. Bez., Schottenring, ein gemütlicher Unterhaltungsabend statt. Programm: Vorträge, Gesang und Tanz. Geiste sind herzlich willkommen. Wien. Der M ä d chen-u n d F rau e n v e r ein „B i kur Chaulim" veranstaltet am Sonntag den 10. ds. im Schulzimnrer der israel. Kultusgemeinde, 1. Bez., Seitenstettengasse 2, einen Vortragsnachmittag, an welchem Herr Dozent Dr. Josef Pollak über „Hygiene des Ohres" sprechen wird. Beginn halb 4 Uhr. Gäste, Danceu und Herren, herzlichst willkomnren. Aus dem , Wiener Kultusvorstande. (Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 30. Dezember 1903, unter dem Vorsitze des Präsidenten käis. Rat H. Klinger^) Beginn halb 6 Uhr abends. — Im Einlaufe befindet sich eine Zuschrift des Kultusministers Dr. Härtel mit dem Danke für die ihm seitens des Kultusvorstandes bekundete Teilnahme anläßlich seiner Erkrankung. — An Spenden werden bekanntgegeben: Von Herrn L. Brettauer für besonders bedürftige Arme aus Anlatz des Todestages seines Vaters K. 300.—; Smnmelspende des Herrn Dr. Berger für die Schulküche in der Brigittenau K. 69.—; von Herrn Max Hiller für die Chanukafeier im Versorgungshcmse K. 50.—; Sammelbüchse int Stadttempel K. 173.63; Sammelbüchse im Tempel 4 K. 338.48; Tempelspende im 1. Bezirk am 24. Dez. 1903 von vier Personen K. 170.—; Tempclspende im 15. Bezirk am 26. Dez. 1903 von sechs Personen K. 69.—. — Im Präsidialberichte gibt der Vorsitzende den Kassastand der Gemeinde und die Einnahmen derselben mis den verschiedenen Titeln in der Zeit vom 1. Jänner 1903 bis . 29. Dezember 1903 bekannt unter Vergleich mit den diesbezüglichen Daten des Vorjahres und läßt sodann eine Zusammenstellung statistischer Daten betreffend die Administration der Kultusltemcirlde in dem zu Ende geheirden Kalenderjahre unter den Vorstehern zirkulieren. Aus dieser statistischen Zusammenstellung sei lservorgehobcn: Im Jahre 1903 fanden 25 Plenar-, 88 Vevtreternnd 92 Kommissionsu. Komitee-Sitzungett, soivie 19 Sitzungen der Schätzungskommission und der Steuerbczrrks-Kollegien statt. Im Einlaufe befanden sich rund 16 500 Stücke gegen 13 000 im Jahre 1902 und 12 000 im Jahre 1901. Religionsunterricht wurde erteilt an 148 Volks- und Bürgerschulen von 75 Lehren:, an 29 Mittelschulen von 16 Lehrern; ferner Privat-Religionsunterrtcht an 5 Bibelschulen der Kultusgemeinde, 7 Privatbibelschulen, 1 Talnmdschnle und 7 Leseübungsschulen der Kultusgcmeinde. Der Jugend-Gottesdienst wurde abgehalten in 5 Gemeinde- und 8 Vereins-Bethätlsern für Volks- und Bürgerschüler, ferner in 5 Gemeinde-Bethäusern für Mittelschüler. Der Prüfung für das Rcligionslehramt an Volks- und Bürgerschulen unterzogen sich 20 Kandidaten, an Mittelschulen 2 Kandidaten. Beerdigungen fanden bis 28. Dezember 1903 statt 827 gegen Entgelt und 1316 rmentgeltlich. — Weiters gibt der Präsident bekannt, datz er vor einigen, Tagen einer Sitzung des Kuratoriums der Pollak von Rudin'schen Familieustiftung beigewohnt habe, da im Sinne der stiftbrieflichen Bestimmungen diesem Kuratorimn der jeweilige Präsident der israelitischen Kultusgemeinde angehöre. Die ihm stiftbriefgemätz znstehende Präsenzgebühr per K. 200.— widme er zu wohltätigen Zwecken, und zwar K. 120.— der Armenanstalt und K. 80.— dem Wöchnerinncnverbande. — Vorsteher Salo Cohn berichtet über den Verlauf der Generalversammlung des Mariahilfer Tempelvereines, welcher er als Delegierter deS Kultusvorstandes beigetvohnt hat. Der Bericht, welcher sich über die Leitung des Tempelvereines unter dem Präsidium des Herrn Max Fleischer in besonders anerkennender Weise ausspricht, dient zur befriedigenden Kenntnis. Kais. Rat Dr. Lieben referiert über die M. L. Biederntann-Waisenstifttlng. Der vorgelegte Rechmmgsabschlutz für das Jahr 1903 ivird genehmigt und der Bericht des .Miratoriums soivie die Anträge desselben betreffend die Verleihung der Zinsen für das Jabr 1904 >a. — Die Jonas Königsuiutu >' •.} ’ rechend den Anträgen des K untorünn': der israel, Lehnt und des für diese Stiftictii vesiebenden 'Kontitees v« zrvei 'r der israel. theol. Lehraas-alt ver'.iehe». . Hierauf werden Personalien in Beratung ge- . Im Lmn'e der Sitzung ha! Vizepräsident Dr. Stern an , i!! H. KlitMy, tvelcher durch Unwohlsein verhindert war, dem weiteren Verlaufe der Sitzung anzmvohnen, den Vorsitz übernommen. Schluß der Sitzung halb 10 Uhr abends. In der Plenarsitzung deS Kultusvorstandes vom 3. Januar t904 unter Vorsitz des 1. Vizepräsidenten Dr. Alfred Stern lvurde däs vorgelegte Projekt des Tempelbauvereines fiir den 19. Bezirk in eingehende Beratung gezogen. — Bei voller Arrerkennung der Verdienste des Tempelvereines, dessen eifrigstes Bemühet: dahin gerichtet ist, im 19. Bezirke ein würdiges Gotteshaus zu errichten, war der Vorstand zu seinem Bedauert: nicht in der Lage, dem vorgelegten Projekte seine Zustimmung zu erteilen, da es nach einstimmiger Anficht des Vorstandes sowohl hinsichtlich des Baues, wie auch hinsichtlich der Erhaltung des Tempels nicht entsprechend fundiert erscheint. Unter einem hat der Vorstand beschlossen, die Errichtung eines den Bedürfnissen des 19. Bezirkes entsprechenden Bethauses, bei reduzierten Bail- und Erhaltungskosten durch eine entsprechende Mithilfe z:t fördern. Wien. Freitag den 8. d. M. abends: Predigt im Leopoldstädter Tempel. Israelitische Kultusgemeinde Wien. (Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte und Volkskunde.) Mittwoch den 13. Jänner 1904, präzise halb 8 Uhr abends, im Festsaale des Oesterr. Ingenieuruttd Architekten-Vereines, 1. Bez.., Eschenbachgasse 9, Herr Dr. Armand Kami n ka : „Josef Nassi, Herzog von Naxos." Der Eitttritt ist frei. Die Auswanderung aus Oesterreich-Ungarn 1902/1903. In der jüngst abgehaltenen. Generalversammlung des Niederösterreichischen Gewerbevereines hielt der Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Ernst Franz Weis! einen Vortrag über die letztjährige A:lswanderung aus Oesterreich-Ungarn. Der Vortragende bemerkte zunächst, daß die vojähvige Auswanderungsbewegung (1. Juli 1902 bis 30. Juni 1903) die größte war, welche die Welt seit der Vülkerivandening kennt. Weit mehr als ztvei Millionen Menschen haben ihren bisherigen Aufenthaltsort verlassen, um in fremden Ländern, meist über See, eine neue Heimat zu suchen, wovon auf Nordamerika allein weit mehr als eine Million kommt. Selbst jüngere Einlvanderungsstaaten, wie z. B. Argentinien, Uruguay, Brasilien, habeii bereits eine tticht unwesentliche Einlvanderung aufzuweisen. Das in Industrie und Handel hochentwickelte Frankreich hat aber seit 1873 kein Jahr gehabt, wo die Auswanderung über 8000 im Jahre gestiegett wäre. Jit derselben Zeit, in welcher Oesterreich- Ungarn an die Vereinigtet: Staaten von Nordamerika weit über ein und einhalb Millionen Menschen abgab, hat Frankreich kaum 200 000 Menschen abgegeben, Oesterreich-Ungarn hat im abgelaufenen Jahre an Nordamerika 220 000 Menschen abgegeben, damit stellte sich Oesterreich fast cm die Spitze der Auswanderungsstcraten, denn nur ttoch Italien weist eine höhere Ziffer auf. Nach Nationalitäten verteilen sich die österreichisch-ungarischen Auswanderer folgendermaßen: Polen 37 600, Slowaken 34 400, Kroaten und Slovenen 32 900, Magyaren 27 100, Deutsche 23 600, Juden 18 760, Rnthencn 9840, Tschechen 7220, Rumänen 4200, Italiener 2170 nsw. Die im Vorjahre aus Oesterreich-Uttgarn Ausgewanderten haben bei ihrer Lattdung in Nordamerika insgesamt ein Vennögen von 16 176 000 Kr., das heißt 72,6 Kr. pro Kopf ausgewiesen; darunter stehen die Deutschen an der Spitze mit mehr als 4,5 Millionen Kronen. Es ist zweifellos, daß die Auswanderung zumeist in der wirtschaftlichen Depression der alten Heimat ihren Grund hat und datz das beste Mittel gegen die Auswanderung einerseits die Lenktmg und Leitung des Auswanderungsstromes nach geeigneten Wirtschaftsgebieten über See ist, andererseits die Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse des eigenen Heimatslandes durch Hebtmg des Bildtrugsniveaus und ganz besonders durch Förderung der Industrie, des Handwerkes und des Handels. Errichtung eines österreichisch-ungarischen Konsulates in Johannesburg. Im diesjährigen Voranschläge des Ministeriums des Aeutzern ist die Errichtung eines österreichisch-ungarischen Konsulates iir Johannesburg vorgesehen mit einem Erfordernisse von 70 000 K. Die Begründung des Ministeriums hiezu führt cnis: Unter den Märkten des Weltverkehres. tritt das südafrikanische Ländergebiet immer ntehr in den Vordergrund. Insbesondere hat die großartige Entwicklung der Goldminemndustrie ttt Transvaal und der Orange River Colony einen ungeahnten Aufschwung jener Gegenden zur Folge gehabt, der nach allen, vorliegenden Nachrichten noch lange nicht seinen Abschluß finden wird. Das Generalkonsulat in Kapstadt, dem bisher die Wahrnehmung unserer kommerziellen Interessen in dem bezeichneten Länderkomplex oblag, hat sich stets eifrig bemüht, die kaufmännischen Kreise des Inlandes in möglichst eingehertder Weise zu informieren und es so denselben zu erleichtern, den gebührenden Anteil an der Handelsbewegung Jnnersüdafrikas zu erringen. Die relativ große Entfernung Kapstadts von den Mittelpunkte:: der Bergbaudistrikte, welche für unseren Import am meisteti in Betracht kommen, zog jedoch dieser Tätigkeit ziemlich enge Grenzen. Es wurde zwar, tmt eine bessere Uebersicht über die Verhältnisse Trattsvaals zu gewinnen, ein Beamter des Generalkonsulats nach Pretoria exportiert- Dieses Auskunftsmittel lotm aber auf die Dauer nicht ausreichen. Um also unserer Industrie ztrr Erlangtlttg einer tunlichst günstigen Positim: auf dem aufnahmsfähigen Absatzgebiete Transvaals und der Orange River Colony wirksam behilflich sein zu können, glaubt das Ministerium des! Aeutzern mit der Errichtung einer effektiven Konsularvertretuntz in Transvaal nicht länger zögern zu sollen, ein Vorhaben» in welchem eS durch die Vorschläge der beiderseitigen Handelsministerien sowie durch die wiederholt geätttzerten Wünsche des heimischen Kanfmannsstandes bestärkt lvird. In Uebereinstimmung mit den beiden? Handelsressorts und bett heimischen Handelskreisen wird jedoch als j Amtsort der neuen Konsularbehörde nicht Pretoria, sondern Johannesburg itt Aussicht gerwmmen. Im Zentrum der Minengebiete gelegen, bildet, diese aufstrebende Stadt den Stapelplatz für den Einfuhrshandel ans den Hafenorten Natals und der Kapkolonie und ivird ohne Ztveifel bald die alte Hauptstadt des Landes, Pretoria, an Bedeutung übertreffen. Die Etablierung des zu errichtenden Konsularamtes in Johannesburg empfiehlt sich nicht nur vom handelspolitischett Gesichtspunkte, sondert: attch vom Standpunkte unserer Schtttzittteressetr, tveil die mehrerwähnte Stadt das Ziel der immer stärker einsetzenden Auswanderuug nach Südafrika darstellt und daselbst schot: derzeit eine mtsehnliche Kolonie österreichischer und ungarischer Staatsmtgehöriger besteht. Zu diesen Erwägtlngen tritt die weitere hiitzu, daß die für unsere Interessen wichtigster: Behörden, tme das Dfinendepartement, die Direktion der Staatsbahtte::, die Postverwaltung und das Permit Office ihren I Sitz in Johannesburg haben. Es empfiehlt sich daher, Johannesburg als kuttftige Residenz des Kottsularvertreters zu wählen, wogegen es demselben obliegen wird, die Wahrnehmung unserer Jttteressen in Pretoria durch Mhaltuug von AnttStagen daselbst auszuüben.! Judenfeindiche Ausschreitungen in Slavomen. Wie! uns aus E s s e g g. gemeldet hritb, haben nach bet in Ivankov bei VilAovoa jüngst stbttgefuubenen kroatischen Volksversammlung, in welcheiv eine Resolution betreffend Gründung des grotzkroatischen Reiches angenommen wurde, große antisemitische Ausschreilungetv stattgesunden. Unter denn Einbmcke der antisemitischen Hetzrede des Pozsegaer Advokaten Dv. P r a n-e t o v it s bestürmten die auifgehetzten Bauern auf ihrem Heimwege in ihre Dörfer die Wohnungen der Juden und mißhaudelten deren Insassen. Besonders schlecht erging es dem jüdischen . Gasttvirt in O r d j i n i c e, dessen Wirtshaus demoliert! und er selbst! so arg zugerichteit! wurde, daß an seinem Aufkommeir gezweifelti wird. Es wurden bereits nrehrere Verhaftungen vorgermnuneu. Der Mord in der Sylvesternacht. Zu der Ermordmrg des Propinaiionspächters Siegnnmd Engel und dessen Frau in Chlopice wird aus Jaroslau berichtet, daß die Erhötmngen bisher folgendes ergeben haben: Bor einer Woche sind drei gemeingefährliche Individuen, Franz Pelz, Jakob Ziemba uti& Franz Jzyniec, welche längere Freiheitsstrafen in einer gemeinsamen Kerkerzelle abgebützt haben, im Wirtshause Engels in Chlopice eingekehrt, wobei sie rn einem Anfluge allzu guten Humors mehrere Branntweinfläschen zertrümmerten und dem Propinationspächter größeren Schaden'verursachten. Wegen dieser AusschreiUmgen wurden die drei Strolche vom Jaroslcmer Kreisgerichte zu mehrtägigen Arreststvctfen verurteilt. In der Sylvesternacht verabredeten die Vemrteiltetr den Ueberfall auf Engel. Eine Bauerndirne vernahm, wie Pelz seinem Genossen Jzyniec zurief, er möge nicht vergesien, die „Werkzeuge" mitzubringen. Um Mitternacht kamen die Spießgesellen vor vöm Wirtshause Engels zusmnmen; sie klopften m: die EinganHstür uNd weckten den Pwpinationspächter aus dem Schlafe. Als derselbe die Tür öffnete, wurde er überfallen und mit mehreren Beilhieben, welche die Schädeldecke zerschmetterten, erschlagen. Hievmtf traten die Mordgesellen in das Wohnzimmer, wo sie die schlafende Frau des Propinationspächters mit bestialischer Wut förntlich in Stücke zerfetzten. Sodmn: wurde der Koffer Engels erbrächet: und seines Inhaltes beratlbt. Die Magd, welche vergewaltigt und gowüvgt wurde!, entkam, als die Mörder die Verteilung der Bettle untereinander Vornahmen. Der Gettdarmerie gelang es, Pelz und Ziemba festzunehmen. Jzyniec hat sich in der Rrchtung nach Przemysl geflüchtet. ■— In der vorigen Woche ist in Pikulice bei Przemysl ein jüdischer Händler ebenfalls nachts in uiunenschlicher Weise ermordet worden. Infolge dieser wiederholten Mordtaten, herrscht,in der dortigen Gegend unter der: jüdischen Dorfbewohnern große Erregung. Jnneröstorr. Distrikts-Koimitee. Der Qbmcmn des inneröstorr. Distrikts-Komitees srcht ftchj vemnlaßö, Wien für längere Zeit zu verlassen und legt aus diesem Grunde die Obmannsstelle, sowjle die Stelle als Mitglied der politischen Kommission imi österr. Landeskomites nieder. Dmnenspenden von der Wiener Makkabäevfeier werden zu .20 H. im Kongreßbureau, 9. Bez., Türkenstraße 9, beim Sekretär des Distriktskomitees verkauft. Wenn Jndenmörder freigesprochen werd en. Unseren Lesern dürfte es noch erinnerlich sein, daß zwei ruthenische Bauern im Vorjahre den Juden Alter Pollak in Marmaros-Sziget in bestialischer Weise ermordeten. Die beiden Mörder wurden verhaftet, vor das Schwurgericht in Mamarvs-Sziget gestellt und von demselben wegen „unwiderstehlichen Zwanges" freigesprochen. Nun wird ans Marmaros-Sziget gemeldet, daß die beiden Mordbuven am 22. Dezember einen neuerlichen Mord verübt haben. Einer der beiden schnitt seiner Frau den Hals dnrch und sein bewährter Frennd und Mordkompagnon war ihm bei der grausigen Tat „behilflich", indem er das Opfer fesselte und niederdrückte. Die ungarischen Schwurgerichte haben überhaupt Pech mit ihren freigesprochenen Judenmördern; kaum erhalten sie ihre Freiheit, setzen sie das einmal gelungene Mordhandwerk an anderen fort, was nicht hätte geschehen können, wenn der Mörder schon beim Juden unschädlich gemacht worden wäre. So war es auch beim Mörder des Juden Ujhelhi. Ja, Undank ist der Weltm Lohn. Kinder-Makkabäerfeier in Dolnja-Tuzla (Bosnien). Eins der lieblichsten Feste, das in Bosnien überhaupt gefeiert wurde, feierten die Juden zum erstenmal ans Anlatz der Makkabäertage. Der jüdische Frauenverein (der einzige in Bosnien) veranstaltete am 16. v. M. im Saale des „Grand Hotel" eine Makkabäerfeier für Kinder, verbutwen mit einer Bescherung. Die Kinder, über sechzig an der Zahl (so viele jüdische Kinder waren in Tuzla nie vorher zusammen) wurden reich bewirtet, nachdem Kantor Stern mit seinem Chor die Entzündung der Chcntnkahlichter unter Msingung des „Moaus zur jeschuossi", mit Klavierbegleitung durch Frl. Katz vorgeuommen hatte. Dann sangen die jüdischen Mädchen Frl. Alkalay, Holzmmtn, Katz, Lilly Kohn, Lella und RosaLitzka, Margit Papai, Sofie Than (Klavierbegleitung) und Ilona Wcchrmcn:n „Auf meit: Volk zu edlem Tun" und dann begannen, nachdem Rabb. Dr. Dav. Spitzer in schöner Rede von der Bedeutung des Tages gesprochen hatte, für große und kleine Kirwer fröhliche Stunden; des Jauchgcns und Jubelns war kein Ende. Die größere Freude hatten wohl die Grotzen. Denn der Rückzug zum Judentum war in Tuzla in Angriff genommen und täglich schreitet er vorwärts. In später Abendstunde, nachdem die Pakete, die die Kinder Mitnahmen, gebunden waren, kam jedoch das Beste. Rund hertim muhten sich die Kleinet: setzen und die Erzählerin begann von den Ahnei: zu erzählen, von Juda und Simon und Jerusalem und von der Rückkehr des jüdischen Volkes, von Judas Hoffnung und Zukuust. Sie erklärte den Kinder::, warum wir Chanukahlichter und keinen Weihnachtsbaum anzünden und feuerte sie an, jüdisch ztl werden und zu bleibe::. — Was den Kindern erzählt ttmrde, war zum Teil auf die Grotzen gemüttgt und wahrlich bisher hatte in Bosnien noch kein Rabbitter von der Kmtzel den Juden so gesprochen. Der Eindruck, bei: Frau H. Thau erzielte, läßt hoffen, daß in Tuzla die gut jüdischet: Chmtukalichter lvieder zu Ehren kommen — als Ersatz für den Weihnachtsba::m —' das Danaergeschenk der Assimilanten. Der Nachmittag ivar einer jüdischen Gemeinde tvürdig und wird nicht der letzte sein. Jteha. Makkabäerfeier in Dolnja-Tuzla, Bosnien. Auch dieses Jahr niavd eine Makkabäerfeier abgehaltcn, die einer: sehr befriedigenden Erfolg hatte. Nach Eröffnuitg durch die Präsidentin des jüdischen Frauenvereines Louise Zaloscer, sprach Rabbimr Dr. David Spitzer über Gideoi: und Jephta. Die tueibliche Jugend sang hierauf „Dort, tvo die Ceder" und „Vereinigt euch". Hierauf folgtet: Deklamatiottcn von Frl. Rosa Litzka und Margit Papai. Sehr wirktmgsvoll war Strlamith (Klavier und Violine) und „Zündet Lichter an"', Musik von Frl. Rosa Litzka und Josef Wahnrnan::, 9lezitatiot: vot: Dr. Dav. Spitzer. Ztrm Schluffe sprach noch Sekretärin Henriette Thau, wie stets, mit großer Begeisterrmg vom nationalen Zttsanmtettschlutz, von: zionistischen Zusantmengehörigkeitsgefühl. Der Abend ivar vot: Sepharditn und Aschkettasim besucht uttd beschloß mit einem Kränzchen. Jteha.' Makkabäerfeier in Belgrad, Serbien. Kolossaler Besuch, 600 Sephardim und Aschkettasim. Tendenzrede von Chachcm: Alcanto. Gesangsprodnktionen des Gesangvereines. Rede des Dr. D. Alcalai über die Größe und Verbreitung der zionistischen Idee. Großer moralischer Erfolg. Jteha. Makkabäerfeier in Banjalnka. Es geschieht z:nn drittenmale, datz in Bosnien eine Makkabäerfeier (nicht „Chanukah-Unterhaltung") veranstaltet wird. Dieses Jahr fmtd in Bosnien bisher eine einzige ttationale Makkabäerfeier itt Banjalnka statt, der in ben nächsten Tagen eine in Tuzla folgt, zum Unterschiede vom Chcmukahkränzche:: in Sarajevo, dem der zionistische Charakter fehlte. Die Banjaltlkaer Feier fand tmter sehr starker Beteiligttng des Publikums statt. Die Begrützungs- und Festrede hielt Advokat Doktor Frattk, der ausführlich die Bedetltung von solchen Festen, die Bedeiutung des naUonoteti! Gedankens yervorhob und auffordorte, unentlvegt zur Nation zu halten und die Kinder national zu erziehen. Seine von zionistischem Geiste erfüllte Rede wurde begeistert aufgenommen. Dann folgten Deklamationen und Gesangsstücke mts Rosettfeld, Heine und Byron, fast durchwegs jüoischett Charakters, vorgetragen von Frau Herzler. Frl. Salzberger und den Herren Dr. Frank,' H. Herzog uttb N. Rosenzweig, der übrigens

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