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Jüdisches Volksblatt · 1904-01-08 · 2 (8.1.1904) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
2 (8.1.1904)
Date
1904-01-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seit» 4 Wien, Freitag J&jLiaehet YoLksblatt. 8. Jftnnrr 1904 Nr.. 2 fach dahin bringen wird, daß die Lehranstalt eines schönen Tages ohne Hörer -dastehen wird. Die guten Absichten, die der Rektor stets verfolgt, können unseres Erachtens nur durch ein gemeinsames und einverstündliches Borgehen der Lehranstalt mit den Gemeinden selbst erzielt werden. Der Endzweck einer solchen Aktion wäre die Schaffung eines Gesetzes, wonach die Wiener Israelitisch-theologische Lehranstalt als Neichsanstalt betrachtet und die Gemeinden verhalten werden müssen» von ihren Rabbinern die vollständige Absolvierung und den Besitz eines Diploms seitens dieser Anstalt zu fordern. Ehe aber dieses Gesetz durchgeführt ist, müßte das Rektorat jeden Stolz beiseite legen, vielmehr das Interesse der Anstaltszöglinge im Auge behaltend, das Einvernehmen mit den Gemeinden pflegen und alles daranfetzen, daß, wenn schon die Regierung die Anstalt nicht zur vollgültigen Reichsanstalt erheben will, die Gemeinden sie als solche betrachten und es als eine Ehrensache attsehen mögen, dad einzige Seminar des Reiches dadurch zn unterstützen, daß sie nur diejenigen als Rabbiner anstellen, die hiezu vom Seminar befähigt erscheinen. ES würde hier zu weit führen, wollten wir uns darauf einlasien, auch die anderen Fragen zu erörtern, wie den aus dem Westen stammenden Gymnasiasten die nötige theologische Borbildung beigebracht werden soll, um dann hier die Hochschulkurfe innerhalb der normalen Frist mit Erfolg absolvieren zu können. Aber jedenfalls wäre es ein großer Fehler, wenn die Anstaltsleitung in Bezug auf theologische Kenntnisse an die Gemeinden auch die geringsten Konzessionen machen wollte. Zettungsschau. Ueiber das gescheiterte O st a f r r k a p r o j e k t schreibt das „Jsr. Gemeindeblatt": Wie hebräischen Zeitungen mitgeteilt wird, hat die englische Regienmg ihr auf den letzten Zionistmkongretz mitgeteiltes Angebot, den Zionisten einen größeren Teil von Britisch-Ostafrika für eine autonome jüdische Siedelung zur Verfügung zn stellen, zurückgezogen, mit der Begründung, der innerhalb des Zionismus aufgetretene heftige Protest lasse das Projekt ihren Interessen so wenig entsprechend erscheinen wie dienen der Zionisten. Die Majorität! der russischen Zionisten, aber auch eine nicht unbeträchtliche Zahl der Zionisten anderer Länder erhoben bereits auf Dem Kongreß energischen prinzipiellen Widerspruch gegen den Plan, den sie als eine Verletzung der Grundidee des Zionismus ansahen. Das hatte zur Folge, daß der bloße Antrag auf Entsendung einer Untersuchrmgs- Expedition eine Minorität von 178 Delegierten gegen' sich vereinigte. Unmittelbar nach dem. Kongresse setzte eine Bewegung ein,' die auf den- Fall des Projektes. mit allen- Kräften hinarbeitete, teilweise unter dm Auspizien, des Ingenieurs Ussischkin-Jekatisrinoslaw. )km war auf dem letzten Kongresse nicht anwesend, da er in Palästina bei einer kleinen Konferenz dortiger Zio- ^Üsfcn weilte, wurde aber trotz seiner Abwesenheit als Mitglied' des großen Aktions-Komitees wiedergewählit. Als er nach seiner Rückkehr von den Beschlüssen des Kongresses Kenntnis erhielt, weigerte er sich in einem offenen Briefe an seine Wähler, sich diesen gesetzwidrig zustande gekommenen Beschlüssen zu fügen, die er mit aller Energie zu be- > kämpfen versprach. Eine Konferenz der sämtlichen russischen Mitglieder des großen Aktions-Komstees, die im No- vember in Charkow tagte, schloß sich im wesentlichen Ussischkin an und stellte dem Präsidenten des Komitees, Herrn Dr. Herzl, ein Ultimatum, das vor allem den- Verzicht auf alle außerpalästinensischen Landpläne für alle Zeit verlangte. Die in d i e s e m U l t i m a t n m geforderte Aufgabe auch des englischen P -vajektes i ft n u n von der englischen Regierung selber vollzogen worden. Man geht aber kaum fehl in der Annahme, daß das Zurückziehen des Planes den Führern des Zionismus sehr gelegen kommt: denn wenn auch das Gerücht, sie hätten selbst darauf hingewiesen, unabweisbar fein dürfte, so ist doch Tatsache, daß durch die Protestbewegung leicht eine Spaltung in den Zionismus hätte kommen können, die am unheilvollsten auf die Pläne und Absichten dev Fi'chrer eingewirkt habenwürde. Uebrigms ist der prinzipielle, Streit im Zionismus damit Wohl nicht ausgdtragen ivn d j die Klippe der Parteispaltung nicht umschifft, denn die' radikalen Zionisten werden wahrscheinlich darauf dringen, daß das Auftcmchen nichtpalästinensischer Torritovial- Projekte definitiv verhindert werde, da sie voir der Ansicht ausgehen, die Juden könnten nur in Palästina Wieder ein Nationalvolk werden, während jedes andere Land sie eninationalisieren würde. # Das Breslauer „Jüd. Volksblatt" schreibt über die r eichsde u t s ch e „Jüd. Volkspartei": Unser Mahnruf an die Ehre unserer Glaubensgenossen, an ihr Rechtsbewußtsein hat gezündet. Auch in der Tagesprcsse aller Parteien hat er gebührende Beachtung gefunden. llnrer den Stimmen. Ivelche bisher laut geworden sind, verdient ein Artikel der, „Kölnischen Volkszri,t u n g", tyetche unserer ..Jüdischen Volkspartei" eine längere Betrachtung widniet, unsere besondere Beachtung, nicht bloß weit sie ein führendes Organ der einflußreichsten Partei im Reiche, der Zentrurnspartei, ist, sondern weil diese Zeitung abweichend von der Haltung der anderen großen Zenrtums-Organe sich voir vrürzipiellem Ancksemitismus frei gehalten hat und ihre gegensätzlickiien Darlegungen wie immer in durchaus vornehmer Weise äußert. Das ermöglicht eine klare Auseinandersetzung, die um so nottvendiger ist, als sie unnötige Mißverständnisse beseitigt. Ein solches Mißverständnis ist es aber, trenn die „K. V.-Ztg." an nimmt, daß eine jüdische Volkspartei sich gegen das Zentrum wenden konnte. Sie schließt dies daraus, daß tvir «eine verhältnismäßig giüe Note" nur den Liberalen ausgestellt haben. Ist da-3 aber unsere Schuld? Mein Vater pflegte zu seinen Schülern zu sagen, die Zensuren gebt ibr euch selber, ich schreibe m bloß Gewiß sind wir die letzten, welche die großer: Verdienste., die sich die alten Begründer der Zentnnnsparte, auch um unsere Rechte erworben haben, jemals leugrren werden. Was Windhorst, die beiden Reickrensperger und nicht zuletzt der ehrliche Dr. Lieber, dessen Rainen tvir an dieser Stelle einen ehrenvollen Nachruf gewidmet haben, für uns in, Parlamente getan, gehört unvergänglich der Geschichte an. Wenn es aber vergessen trnrd, so tragen die Schuld die Epigonen, welche das Erbe der großen Führer in einer Weise angetretcn haben, die zu schilleren Bedenken Anlaß gibt. Da ist in erster Reihe unser Landsmann, Herr Dr. Porscht, der die Partei in die antisemitische Richtung geleitet hat, so gerade bei der Interpellation Peltasohn, bei welcher nach seiner Rede das Zentrum im Verein mit Nationalliberalen und Konservativen dem Minister den Dank für die Zurücksetzung der jüdischen Rcckstsanwälte bei Vergebung der Notariate votiert hat. lind >vas sollen wir erst zu Herren tvie Bachem und Dasbach sagen, d,e uns mit leidenschaftlichem Hasse und den alten Arnmen- Märchcn verfolgen. Oder schmerzt es die „K. V.-Ztg.", welche für „Parität und Verfassung" eintritt, nicht gleich uns, tvenn in der bayrischen Kammer die Zcntrmnsführer Heim und Schädler auf SckrriU und Tritt die Parität mid die Verfassung, tvenn es sich um ihre israelitischen Mitbürger handelt, zu untergraben suchen, und, da sie die Mehrheit haben, auch damit Erfolge erringen. Es ist also nicht richtig, tvenn die „K. V.-Ztg." „die großen Parteien" so unschuldig hirrftellt. Diese Haltung ist aber auch ebenso töricht tvie ungerecht. Denn sie hat gerade das beivirkt, tvas die „K. V.- Ztg." tndklt, sie hat die Juden schon un, ihrer Selbsterhaltmrg willen immer mehr auch in katholischen Wahlkreisen zu den Liberalen getrieben. Aber wir wissen es, daß diese Politik bei der Urrsickrerheit der dortigen „Liberalen" gerade im Süden und Westen, tvo das Zentrum seine Stärke hat .eine anfgeztmmgene tvar, daß trotzdem in vielen Wahlkreisen, insbesondere Bayerns, in denen der Zentrumsmmm größeres Vertrauen in Rechts- und Verfassrmgsfragcn fand, die Inden für ihn gcstinrmt haben. Wir dürfen die „K. V.-Ztg." auch an das schöne Vcrhäl niö! erinnern, das ztvischen dem jüdischen Lasker und dem! katholischen Windhorst gptvaltet hat. Windhorst hat j es mit Stolz anerkannt, daß Lasker niemals die Katholiken in ihren religiösen Ueberzerigungcm verletzt haß und — tvas vielleicht aktuell ist — Lasker hat auch gegen das Jesuitengcsetz gestimmt, lind I so tverden auch wir niemals uns zu einem „Kulturkämpfe" rnrsz-! brauchen lassen. Gibt es denn nicht genug Berührungspunktel In allen Fragen der Parität und Verfassung haben wir gleiche Rechte.! zu verteidigen. So lange die Imparität dauert, so lange auf dem Gebiete der Schule alle unsere berechtigten Wünsche zurückgcstellt werden, unsere Lehrer und Lehrerinnen keine Anstellung finden, so lange stehen wir auf dem Boden der jüdischen Schule, so lange' wäre cs Selbstmord, uns-zum Opfer zu bringen für das Prinzip, einer Simultanschule, welche für uns nichts übrig hat. Wir haben j ans diesem Grunde gar keine Veranlassung, den .Mtholiken zu mißj gönnen, was tvir für uns beanspruchen. Und Katholiken-Hetzc > machen wir nicht mit, tvir sind froh, daß wir aus dem „liberalen" ■ Banne heraus nicht für die Schuld anderer zu büßen haben. . i Dieser Druck der Parteien ist Schuld an der Zerfahrenheit unserer Verhältnisse, er lastet überall im politischen Leben, er lastet nicht zuletzt auf der Regierung. Die Regienmg möchte sich gern von ihm befreien, und sie kann oocy der großen Parteien nicht entbehren', darum laviert sie hin mrd her, darrun gibt sie in kleinen Fraa-.'u nach, um größeres zu erreichen. Wo wird irgend ein Minister um der Juden willen sich die Gunst der großen Parteien verscherzen. i Fa gewiß sind diese cs, tvelche unsere Zurücksetzung bei der Regierung befördern, wie wir es bewiesen haben. Nicht das Lob der Regierung haben wir gesungen, dazu liegt fik uns vorläufig keine Veranlassung vor. Äbertnock weniger Veranlassung haben. wir uns ins Garn der Regierrmgspactcien locken zu lassen, welche dann alle Partei-Unterschiede -vergessen, wenn es gilt, die Re-; gierung gegen uns mobil zu machen. Wir können weder Regierungspartei sans Phrase. -noch Oppositionspartei quand menre sein, wir wollen nun endlich unsere Inter- : essen selbst wahrnehmen und der Regierung beweisen, daß wir durch Religion und Tradition gewohnt und erzogen sind als treue Bür-j ger dem Staate zu dienen, und daß tvir einen gleichen Anspruch wie, alle andersgläubigen Mitbürger haben, an den Wohltaten der Ver- - fassung nach Recht und Gerechtigkeit teilzunehmen. j Wir haben, um so mehr Berechtigung, diesen Versuch zu machen, als uns die Geschichte bewiesen hat, daß wir mit den. Parteien gegen die Negierung eher rückwärts als vorwärts gekom- , men sind. Von einem „jüdisch-liberalen Kartell" zu reden ist phan-, tastisch. Wir Inden haben keine oberste Leitung, welche uns ein ' Vater jüdisch, Mutter katholisch 56 Vater jüdisch, Mutter sonstig 15 — Vater evangelisch, Mutter jüdisch 238 7 Vater katholisch, Mutter jüdisch 89 1 Vater sonstig, Mutter jüdisch 15 1 uneheliche Kinder jüdischer Mütter 294 16 Dies ergibt, die Kinder aus Mischehen erfahrungsgemäß nur zu einem Viertel gerechnet, 7529 Gebürte,: lebender jüdischer Kinder. Dagegen starben Juden über 15 Jahre 4457 — 1,27 Prozent der Gesamtziffer, unter 15 Jahre 1201 — 0,37 Prozent der Gesamtziffer. Wir sehen also tvieder eine sehr günstige Sterbeziffer der Kinder, eine ällßerst ungünstige der Erwachsenen; zusammen freilich ergibt sich ,nit 0,84 Prozent immer noch ein günstiges Resultat, dem dagegen bei den Geburten mit 0,6 Prozent ein um so ungünstigeres gegenübersteht. Wir nrüssen uns immer vergegenwärtigen, daß 1,1 Prozent erst der Durchschnitt der Bevölkerung ist. Ehen wurden geschlossen beide Teile jüdisch 2578 Mann jüdisch, Frau evangelisch 187 Männ jüdisch, Farn katholisch 46 Mann jüdisch, Frau sonstig 7 Mann evangelisch, Frau jiidisch 169 Mann katholisch, Frau jüdisch 48 Mann sonstig, Fran jüdisch 9 Die Eheziffer ist nicht schlecht, rechnet mcm die Mischehen zur Hälfte, so erhält inan 1,02 der GesamZiffer der Eheschließungen in Preußen, freilich ohrre die Mischehen sind es nur 0,2 Prozent! Gegen die antisemitische Propaganda. Das Landcsgericht zn Czernowitz als Prcßgericht hat auf Antrag der Staatsanwaltschaft erkannt, daß der mit „A p e l" überschriebene, in rumänischer Sprache abgcfaßtc Aufnif, welche Druckschrift vom Verfasser M. Saver in Vakau in Rumänien in die Bukowina in Versand gebracht worden ist mrd worin zum Abonnement auf die mit Erkenntnis dieses Landesals Prcßgerichtes vom 13. November 1903, wegen Vergehens nach § 302 St.G. mit Verbot belegte ausländische Druckschrift „Fstoria Judasimulrli si Jidanij m Romania" von M. Savel irr Jassy aufgefordcrt wird, seiirem ganzen Inhalte nacl> das Vergehen rrach 8 302 St-G. begrrinde. Es wird daher das Verbot der Weitcrvcrbreitung dieser Dnrckschrift misgesprochen, auf die Vernichtung der saisierten Exemplare erkmmt. gedient. tage bei den Freikünservativeii. Windhorst sagte einmal, als er bei Beratung des Anstrittsgesetzes 1876 für die Lasker'sche Resolutivn eintrat: „Wir haben strarmue jüdische Gefinnungsgerrossen am j Rheine" und wiederholte es, als seine Aeußerung Heiterkeit er- > w-eckte. In Frankfurt a .M. und Breslau haben die jüdischen. Wcrhlmänner der Fortschrittspartei Lasker zn Falle gebracht, ohne! sich in ihrer Ueberzeug'.nrg wankend macherr zrr lassen. Je mehr, sich aber der Antisemitismris in den Partien einnistetc, desto i mehr drängte er die Inden zurück auf die äußerste Linke, bis auch! de rg e s se n. Gerade die Breslarrer Wahlbcivegrmg spricht dock) j dagegcrr. Hier hat gerade die liberale Wählleitung eine Aus-1 spräche ihre re Kairdidaten insbesoirdere des unsicheren nationallrberalerr Kantonisten verhindert und unser selbständiges Vorgehen in. dieser Riehtrmg getadelt und verspottet. Hier bat die „freisrmrige" „Breslauer Zeicknrg" mit der antisemrtisch-so^ialdemokratischen. Presse gemeinsam die berechtigten jüdischen Wünsck'e urit Hohn und Spott überschüttet. Die 206 jüdischen Wahlmännrr beweisen nur die Stärke des jüdischen Einflusses, dessen sich unsere Glmrbensgenossen bisher nickst bewrrßt waren, für die „Liberalen" bcweiserr sie gar nichts, öle haberr sicherlich nicht die Juden um der Juden willen aufgestellt, zumal unter Leitnrig von Inden, sie haben nickit anders gekonnt, als in jüdischen Bezirken mit jiwischen Mehrheiten jüdische Wahtmärrner als die arrssi.lnsvollften im Parckei-Jntcresse mrfzrlstellen. Gerade dieser Mangel an Gegenseickgke.it. diese Oieringsckränurrg unserer Rechte rurd Ackiusche hat rnrs zrrr Abrcchnrnrg mit den „Liberalen" gczwunaen derren wir in uneigennützigster Weise bisher gedient haben. Mit dem Zerrtrum hatten tvir abgerechnet seit dem Heimgange Liebers. Nichts ist seitdem gescheheri, was uns für dasselbe einnehnunr könnw. Mag die „Kölrrische Volksztg." ihren Einfluß auf tuen den. rnn das Zentninr tvieder für „Parität und Verfassung" mobil zu rnachen. Für „Parität rind Verfassung" tverden wir stets zu haben sei,.. Die „Jüd. Presse" schreibt: Das neunte Heft der „Zeitschrift des Körnglich preußischen statistischen Bureaus" bringt Ziffern über die Otebrrrten, Ehe stick ießm^en uu,d Sterbefälle im preußischetr Staate tvährend des Jahres 1902. denen tvir die folgenden Daten, Ivelche sich auf die Juden beziehen, entnehrnen. Es wurden geborvrr lebend tot beide Eltern jüdisch 7072 214 Vater jüdisch, Mütter evairgelisch 258 6 Chrmi». Inland. Eledenttage. Januar. 1. 1702 ft. i. Worms R. Chajmr Jarr Bacharach. 1841 st. Js. Ged. Käses, Arzt u. Rabb. in Marrtua. 2. 1235 w. i. Lauda und Bischofsheim 8 unschuldige Juden hingenchtet. 3. 1690 st. i. Zolkrew R. Hillel b. Hirz a. Brzese Litewski. 1807 geb. i. Hechingen Sam. Mayer, Prediger und Dichter. 1846 st. Goldenberg, der Herausgeber des Kerem Chcrned. 4. 1606 st. i. Venedig Jer. Mos. Cohen, Verf. e. Abot-Kommentars. 1786 st. Moses Mendelssohn. 1822 geb. i. Mailand Eugenia Pavia-Gentilonw-Fortrs. bed. Dichterin. 1852 st. i. Padua M. I. Ghirondi (biographisches Wörterbuch). 1858 st. i. Nizza die Schauspielerin Rachel Felix. 5. 1876 st. i. London Ant. von Rothschild, der 1. I. i. engl. Parlament.- 1886 ft. i. Wiesbaden Rabb. Laz. „Adler, Herausgeber d. „Synagoge". 1903 st. i. Berlin d. Philanthrop in Baronin Julie v. Cohn-Oppeuheim. 6. 1338 verbrannten sie in Breslau Eva, die Tochter"Ntoses. 1707 st. i. Eybenschütz Jos. Rakower (Poet. Briefsteller). 1843 geb. i. Kempen i. P. Wilh. Otoldbmrm, Schriftsteller. 1870 st. i. Berlin der greise Daniel Benda, „ein für die höchsten Ziele der Freiheit und Sittlichkeit begeisterter Autor". 1878 st. i. Wien Karl Ritter v. Weil, der iu seinen Schriften für die Emanzipation der Inden eirrtrat. 7. 470 st. a. Märtyrer der Exilavch Huna-Mari rr. d. Gelehrten Amernar und Mescherschaja. 8. 1331 st. i. Toledo der junge talentvolle Jos. Israeli. 1862 st. i. Paris Sam. Cahen, Herausgeber e. franz. Bibelübersetzung. 1690 st. i. Wien, Seligm. Heller, talentv. Uebersetzer hcbr. Dichtungen. T e b e t h. 12. 1811 geb. i. Dessml, Rabb. Dr. Lndw'. Philipposhn. 13. 1896 st. i. Berlin, Moritz Rohr, Stifter e. Krankenrurd Siechcnhauses in Posen. 16. 1903 st. i. Ratibor Rabb. Dr. Adolf Blrmreirthal. 17. 1740 st. i. Prag Landrabb. Js. Spiro. 18. 1854 st. i. New-Orleans Judah Touro, Philanthrop. 20. 1204 st. i. Fostat (beerdigt iir Tiberias) Mos. b. Mainwn (Mainwnides oder Rmnbani). Konstituierung des Wiener Kultusvorstandeck. Am 6. ds. M. fand die Konstituierung des Wiener Krlltusvorstarrdes statt. Nach Verlesung des Spendenberichtes und des Einlaufes, unter tvelchem sich auch eiueEinladring desWiener„Beth-Hanridrasch" zurTrMwrfcier anläßlich des zehn-teu Todestages Dr. A. Jell r ne ks befand, hielt der Vorsitzende Tr. Alfred Stern folgende Rede: Bevor wir an die Erledigung unserer Tagesordnung gehen, liegt mir die Pflickck ob, eines großen Toten irr Israel zu gedenken, dessen Sterbetag nach unserer jüdischen Zeitrechnung sich binnen zwei Tagen, an dcnr dieswöcherrtlickrelr Freitag, zum zehrrten Mrle jährt. Anr 28. Dezeurber 1803, nach jüdischer Zeitrechnung am 20. des Monats Thebet 5654, ist der große Meister der Wissenschaft, der Lehre und Rede, Prediger Dr. Adolf Jellinek, ans dem Leben geschieden. Wenige Tage vorher, am Sabbat Wajechi, an dem Sabbate, da diese Paraschah gelesen wird, welche mit dem Worte des Lebens beginnt und ihrein gmrzen Inhalte nach zu einer Apotheose des Todes und des rms eigenen treuen Festhaltens pietätvoller Erinuerrwg an unsere Dahingcschiedeneu sich gestaltet, hat Dr. Jellinek von der Kanzel hier in diesem Hause zum letzten Male der andäcktigen Menge Gottes Wort verkündet mrd an dem Vorabende desselben Sabbates ist vor wenige» Tagen vorr der Kanzel hier in diesenr Hause, wie in allen unseren Wiener Gemeindetempoln, sein Gedächtrris gefeiert worden. 36 Fahre hat er in unserer Gemeinde des Lehrer- und Predigtamtes gelvaltet. Es liegt mir nicht ob, ich wäre cs mrch nicht imstande, seine Bedeutung als Meister dc'r jüdisck>en Wissenschaft entsprechend zrr würdigen. Wohl aber ist in mir unverlöschlich der Eindruck, derr so manche feiner Meisterrederr auf mich gleichwie arif seine vielen Zuhörer übte, so eine seiner ersten Redeir hier bei Legring des Schlußsteines im Leopoldstädter Tempel vor 45 Jahren, am 15. Mai 1858, da er diesenStein als de,r„Even haeser" bezeichnete, denStein des göttlichen Beistandes, der göttlichen Hilfe, nach der wir alle dmnals .- es war für uns eine sehr ■ ..." .c-cv göttz. der wir alle serifzten, der st.. . <> l,v!ck)>>n er die ickeuri,,^ ,:ur und wird urrser Streben auch ....y. nnv gemetzerr tvir auch rricht die Früchte unserer Aussaat, so nrüssen tvir dennoch treue Diener der Wahrheit bleiben rurd rnrseve Hoffnung auf die Zukrmft, auf die komurerrdeu Geschlechter setzen. Das sind die Worte, die er (Redner zeigt auf daS im Sitzungssaale befindliche Bild Jellineks) mrch heute an nrich, der ich mr der Neige rneineS Lebens stehe, richtet, die er an rmö alle richtet, die wir hier anr BeratrmgStrsche für die Zukunft unserer Glaubensbrüderschaft zu sorgen die heilige Pflicht haberr und üben. Sein Andenken sei

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