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Jüdisches Volksblatt · 1904-01-08 · 2 (8.1.1904) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
2 (8.1.1904)
Date
1904-01-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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SMfe 9 Wien, Freitag Jüdische« Volkeblatt. 8. Jänner 1904 Nr. 2 in der Traktion in der Natur der Sache liegt, ist sie aber «owSki dagegen gestimmt, aber auch diese sind in den bei unS in Rußland ganz unbegründet/ wichtigsten Punkten nicht einig miteinander/ Das Protokoll der Charkower Konferenz besteht au- Wir können übrigens berichten, daß die Delegation vier Abschnitten; der erste behandelt, wie schon erwähnt, dabereits in Wien eingetroffen ist. Dr. Herz! erklärte, die Verhältnis zu Wien und Dr. Herz! und gipfelt in dem Satze: Delegation nnr als einzelne Zioni st en empfangen zu „Die russischen Delegierte« fühlen sich berechtigt in Aktion zn wollen. Mit ihrem „Forderungen" wies sie Dr. Herl an treten gegen das afrikanische Projekt und gegen die Autokratie de« Kongreß, seitens des Dr. Herzl/ Hiezu bemerken die „Freunde deri Organisation^: Daist ein Vorwurf,den man oft hören kann.j Wenn aber von Autokratie die Rede sein kann, so besteht sie nur j auf Seite der einzelnen Delegierten, indem sie ohne Rücksicht auf die öffentliche Meinung und unbekümmert dessen, ob sie die Majorität, oder die Minorität bilden, sich zusammentun und allezerstören, was öffentlich nach eingehender Debatte Agramer Brief. Kehila kadoscha Zagreb. Gerade jetzt sind es hundert Jahre, daß sich der erste Jude stabil in Zagreb niederlassen durfte und konnte, nachdem dies vordem nur auf ganz kurze Zeit vereinzelten jüdischen Hausierern «Nd Erwägung der vorgebrachten Meinungen beschlossen gattet war. Bloß in Zemun (Semlin) cm der türkischen Grerrze tourö«. _ , bestand eine kleine spanische Gemeinde, sonst war das ganze Land Der zweite Abschnitt befaßt sich mit der Oftafrikafrage, s dem Landtagsbeschlusse vom Jahre 1729,, der die Juden des Obgleich dieser Punkt bereits gegenstandslos geworden, bälffte! verwies, judenrein. Am Anfänge des 19. Jahrhunderts es doch interessant sein, zu erfahren, daß beschlossen wurde, eine pUdete sich die erste jüdische Gemeinde des Landes in Varasdin, Bereinigung der Opposition aller Länder zu schaffen und noch; j)ami sp^x Rijeka (Fiume), Virovitica und vor etwa achtzig vor dem siebenten Kongreß eine Versammlung der „Neinsager" j Zagreb. Von wenigen Seelen am Anfänge des Jahrhunzu^ veranstalten, ferner die Organisation dergestalt^ zu regeln,^ frc»'t§ ist die Zagreber jüdische Gemeinde im Jahre 1900 auf 3227 Angehörige gestiegen, besitzt ihr schönes Gottes- und GemeindchauS, eigene Volksschule und vier Wohltätigkeitsvereine. Und doch, wenn heute einer von jenen biederen einfachen Männern, welche unter hunderterlei Verfolgungen und Schwierigkeiteu eiUe Stätte jüdischen Lebens an den Ufern der Save begründeten, ein einfaches Haus ihrem Gotte bauten, die große heutige Zagreber israelitische Kultusgemeinde durchwanderten, es würde sie Wohl nicht lange in selber dulden und gar bald würden sie in ihre verfallenen und ungepflegten Gräber zurücksteigen. Doch nicht nur den Toten, auch den Lebenden, den Jungen, gefällt gar manches nicht an der Zagreber israelitischen Kultusgemeinde und gar manches cm ihr verdient, zu beit Toten geworfen und durch frisches junges Leben ersetzt zu werden. Zagreb ist schon lange eine Gemeinde der höchsten „Aufdaß sie von Dr. Herzl unabhängig gemacht werde und geeignete Schritte zu unternehmen, daß die Rechte der zionisttschen Organisation und nicht — der Mehrheit in der Ostafrikafrage — auf die Nationalbank und den Nationalfond vor der öffentlichen Meinung der Welt und der englischen Gesetzgebung juridisch gesichert werden. In die Delegation wurden unter Führung Dr. B e r n st e i n - K o h e n S, die Delegierten: Belkowski, Tomkin und Roseubaum gewählt. Den letzen Punkt dieses Abschnittes bildet der Beschluß, solange die Unterhandlungen mit Dr. Herzl nicht abgeschlossen find, werden die Geldsendungen nach Wien eingestellt. Der dritte Abschnitt beschließt die Schaffung eines Landeskomitees für Rußland, bestehend aus vier Mitgliedern. wurde auch gleich die Wahl des-Landeskomitees vorgenommen;> Die Zagreber Juden stammen überwiegend aus den gewah wurden. Us s rschkln, Bernstein- Kohen, ^Eals sehr frommen, weftungarischen Gemeinden Schlerning, ^aco b s o h n und Zum Zeichen der ^uabhattglg-i Mssing, Körment, Rechnitz usw. und trotzdem, wie ja in den mei- V, öon IDttrbc 66^10^«!, diesen Teil der Beschlüße | ^cn sicher neubegründeten Gemeinden, herrschte gar bald eine ganz mch nach Wien zu schicken.! geringe Religiosität. Der Gottesdienst wurde mit Orgel und einem Der vierte Abschnitt endlich bestimmt die künftige Gej aus christlichen Damen bestehenden Chore versehen, und trotzdem bahrung der aus Rußland stammenden Gelder. Demnach kann j oder gerade deswegen steht das Gotteshaus das ganze Jahr hin- „Wien" in Zukunft nur im Wege des Landeskomitees Geld; durch, mit Ausnahme weniger Festtage, leer und wird selbst von aus Rußland verlangen und steht dem Landeskomitee das Recht zu, in begründeten Fällen die angesprochenen Summen zu verweigern. Zu den Charkower Beschlüssen und den hierüber in jüdische» Blättern erschienenen Berichten, äußert sich im „Freund" der russische Delegierte Belkowski, der auch an der Konferenz teilnahm, folgendermaßen: „Die Beschlüsse bedeuten nicht eine Rückkehr zum „Programm der Chowewe Zion", jenen nicht aufgesucht, deren moralische Pflicht es infolge ihres Verhältnisses zur Gemeinde unbedingt wäre. Die verschiedenen wohltätigen Vereine besitzen ganz hübsche Einnahmen und auch bei andern Gelegenheiten, wie bei der Sammlung für die Kischenewer Märtyrer, wurden auf Anregung unseres rührigen Oberrabbiners Doktor Hosea Jacobi ganz erkleckliche.Su^rmyn gespendet, aber eine soziale Wirksamkeit ist daS^cicht, utch-Kn ^euwr solcher», m» kulturellen Werken mangelt es gänzlich. Heerte darf eine jüdische Gemeinde was angeblich von Dr. Herzl verlangt werden soll, die Be-! nicht eine bloße Verwaltungsbehörde', verbunden mit Abhaltung schlüsse sind vielmehr ganz dem Baseler Programm angepaßt.! von Gottesdienst sein, sondern mutz eine kräftige, lebendige Or- Es ist auch nicht richtig, daß die Delegierten Dr. I e l s k i! ganisation im jüdischen Volke sein. Und das ist sie in Zagreb und Rabbinowitsch gegen die Beschlüsse gestimmt hätten,! noch lange nicht. Neben ehrenwerten Männern, die lebhaften da Dr. I e l s k i bei der Konferenz gar nicht anwesend (laut! Sinn für das Judentum besitzen, befinden sich im Gcmeindeausdem Berichte der „Hazefirah" hat er sich aver später gegen! schusse auch solche, die alle religiösen Institutionen und den Gottesdie Beschlüße ausgesprochen. Red.) und was den Rabbiner; dienst stets auf das Sorgfältigste meiden, für jüdische Angelegen- Rabbinowitsch betrifft, so hat er sich, nachdem er sein Bedauern über sein „Ja" beim Kongreß ausgesprochen, für das „rein zionistische Programm" erklärt. Bon allen anwesenden Delegierten, respektive deren Vertreter, insgesamt fünfzehn Mann, haben blos die Herren M a n d e l st a m m und I a s s iheiten nicht das geringste Interesse' und Verständnis besitzen und Leute, deren Kinder und Enkel längst das Judentum verlassen, sitzen im Ausschüsse der jüdischen Schule und leiten die jüdische Jugenderziehung. Zagreb kann auch Anspruch auf den Ruhm erheben, eine der fie die Fehler des Volkes, die Jahwes Rache herbeiführen müssen, sie tadeln das Fehlen der inneren Frömmigkeit, die sittliche Entartung und den Leichtsinn des Volkes, mit ktihnem Freimut greifen fie die Mächtigen und Reichen an. die das arme Volk drücken und plagen, werfen sie sich zum Sachwalter der Witwen, Waisen und! Fremdlinge auf. Aber auch die verkehrte Diplomatie der Könige, ihr ohnmächtiges Vertrauen auf Aegyptens Hilfe gegen Assyrien, das Treiben falscher (d. h. eine andere Ansicht vertretender) Propheten sind der Gegenstand der prophetischen Predigt, die schon damals auf schriftlichem Wege Verbreitung fand. Und als die Katastrophe eingetreten und ein großer Teil des Volkes (darunter die einflußreichsten Elemente) in das Exil nach Babel abgeführt war, benützten sie das Ansehen, das die eingetroffene Prophezeiung ihnen brachte, zur neuerlichen, eindringlichen Büßpredigt, zur tröstendeit Ausmalung künftiger Erhöhung, zur Versittlichung der Begriffe von Gotr und Leben. Von seinem Standpunkte mit Recht sagt Stade: „In dieser Bewegung wurzeln im letzten Grtmde die heiligsten Güter, welche die Menschheit besitzt." Das Exil ivar freilich keine Gefangenschaft, sondern eher eine Art Zwangsdomizil. Trotzdem aber ist es bei der engen Verwachsung des antiken Menschen mit dem Heimatsboden natürlich, daß bitterer Schmerz das Herz Israels erfüllte. Der Gedanke an Jerusalem erfüllte sein Dasein. „Vergeh ich dein, Jerusalem," singt der 137. Psalm, „so werde meiner Rechten vergessen, meine Zunge müsse an meinem Gaumen kleben, wo ich deiner nicht gedenke, wo ich Jerusalem nicht lasse meine höchste Freude sein." „Wie ein Vogel ist," heißt es Sprüche 27, 8, „der aus dem Neste weiche, also ist der, der von seiner Stätte weicht." Der Hohn und die Schadenfreude aller Feinde erbitterte die Gedemütigten noch mehr. Rache toar der erste, der natürlichste Gedanke. In abschreckend wilder Form kommt er zum Ausdruck, der Untergang der boshafte» Feinde, die bevorstehende Erhöhung Israels wird mit orientalischer Phantasie ausgemalt. Die tvichtigste Frage war aber ein noch festeres Anklammern an Gott Jahwe, der allein aus dem Verhängnis retten konnte. Es ist ein interessantes Beispiel dasiir, wie verschieden ähnliche Lagen ans die Psychologie verschiedener Zeiten wirken, wenn wir uns den Einfluß solcher Ereignisse auf den hentigen Tag vorstellen. Heute toürde nationales Unglück eher den Unglauben befördern, wie der Zeitungsbericht von jenen Buren beweist, die beim Friedensschluß entrüstet ihre Bibeln wegwarfen, damals wäre ein Volk ohne Religion einfach nicht zu denken getvesen, alle Kultur, Recht und Moral, Künste und Wissenschaften lagen noch im Schoße der Religion und in der Obhut ihrer Pfleger. — Wichtig für die Bewahrung des eigenen Glaubens wurde der 'Umstand, daß die Ansidlung in Babylon geschlechterweise erfolgte, so daß der einzelne dem schützenden Einfluß der gentilen Sitte nicht entzogen tvnrde. Auch ermöglichte dies den engen Zusammen-! schluß der Volksgenossen gegen die Heiden, erst damals kamen die unterscheidenden Zeichen, Beschneidung und Sabbatfeier obligatorisch in Gebrauch. Für die Ausbildung des Monotheismus lvurde das Exil von ausschlaggebender Bedeutung. Dagegen ist die Behauptung, die auch C h a m b e r l a i n aufstellt, die Juden hätten anderen Völkern ihre ganzen religiösen und ethischen Begriffe von Wert entlehnt, Unsinn. Getviß aber hat tvenigstens die Berührung mit der vorgeschrittenen babylonischen Kultier und der ertveiterte Gesichtskreis anregend auf das jüdische Denken gewirkt. Tie wichtigsten Erziehuugsresultate des Exils waren also der Beginn des ethischen Monotheismus, die Anffassnng von einer großen Sündeiischttld Israels, die die Strafe Gottes herbeigerufen habe, die Ueberzeugnng, daß Gott aber keinestvegs de»» Tod des Sünders »volle, sondern seine Bekehrung. Er läutert Israel, lvie man Silber im Feuer läutert, denn Gott ist „gnädig, barmherzig und von großer Güte". Das Mittel aber, seine Gnade wieder zu erlangen, besteht in der Heiligung, die bald als äußerliche Enthaltung vom Unreinen und Verbotenen, bald aber — und gerade von den geistig bedeutendsten Propheten — als eine innerliche Umwandlung aufgefaßt tvird, zu der das aufrichtige Streben des Menschen unb die Gnade Gottes gleicherweise erforderlich sind. An Stelle des alten Bundesverhältlnsses zwischen Jahwe unb Israel und der Kollektivverantivortlichkeit des Volksganzen tritt jetzt das persönliche Verhältnis des einzelnen zu Gott, jeder verantwortet seine Sünden. Freilich fehlt der Begriff der Unsterblichkeit, weder Himmel noch Hölle komme»! in irgend einer Epoche des alttestainentarischen Glaubens deutlich zum Bewußtsein. Der große Gedanke an ein komrnendes irdisches Reich beherrscht die Propheten gänzlich, sei es in der exklusiv nationalen Form des Hesekiel oder in der Hochburgen der Assirnilation zu: sein und zwar von der eigentüm-- lichsten, lächerlichsten Art, die überhaupt denkbar ist. Kennt Man bei J»lden überhaupt eine andere Nationalität als die jüdische an, so müßten die aus Ungarn eingewanderten Juden ebenso Ungarn bleiben wie etwa die katholischen und reformierten ungarischen Kolonisten in Slavomen!, aber das fiel ihnen gar nicht, ein Md sie tmirdcn sofort Kroaten, weil es eben nützlicher und einträglicher ist. Nun ist es ja eben nur logisch und gerechtfertigt, daß die Juden die Sprache, die Politik und das Streben jenes Volkes sich aneignen, in dessen Mitte sie leben und in dessen» Kreise sie gastfreundliche Aufnahme gefunden, wobei sie ja eben gar treue Anhänger ihres angestammten jüdischen Volksstammes bleiben können. Doch den kroatischen Juden genügt es in ihrer Mehrheit, wenn sie ihre jüdische Nationalität ableugnen und sich äußerlich, bei festlichen Gelegenheiten etwa, als Kroaten bekennen. Dabei haben die Leute, »velche seit einem Menschenalter hier wohnen und sich auf das Entschiedenste gegen den jüdischnationalen Gedanken wehren, nicht für nottvendig gefunden, die kroatische Sprache auch nur halbwegs zu lernen und nachdem sie mühselig einen Satz in kroatischer Sprache radebrechen, fahren fie gleich in deutscher Sprache fort. Durch diese Leute findet die deutsche Sprache im Geschäfts- Verkehre), im Familienleben die eifrigste Verbreitung, wird die kroatische Sprache in ihrer unbehinderten Ausdehnung aufs gefährlichste bedroht und geschädigt und so wirken diejenigen, die die jüdischnationale Bewegung als kroatenfeindlich bekämpfen, als die ärgsten Germanisatoren. Es ist eine Schmach und Schande, daß dem kroatischen Volke, das — zu sei »»er Ehre und in größter Dankbarkeit sei cs stets wiederholt — nie judenfeindlich war, von den charakterlosen Assimilanten, die sich zwar für Kroaten ausgeben, ein Hindernis in der Enttvicklinig seiner Sprache gelegt wird. Doch diese Assimilation wird in den Ländern zwischen Drau und Adria bald ihr Ende erreichen und schon mehren sich die Zeichen ihres Verfalles. Ir» Bosnien, in einzelnen Orten Slavoniens entwickelt sich kräftig der Zionismus »»nd die Mehrzahl der jüdischen Akademiker, insbesondere in Wien in der „Bar Giora" vereint, steht auf jüdischuationalem Boden. Bezeichnend ist, daß gerade »vir, die wir unser jüdisches Volkstum Hochhalten, auf das energischeste für die Verbreitung der kroatischen Sprache kämpfen und wirken. Doch auch in Zagreb scheint es sich zu besser»». Am 26. d. M. fand die korrstitiliereilde Sitzung des „Hrvatsko zidovsko literarno drustvo" (Kroatischer jüdischer Literaturverein) statt und es ist die erste solche Vereinigung im slavischen Süden. Wenn mich die Herren Machthaber der Gemeinde teiliveise fehlten, so war es doch eine stattliche Anzahl einfacher jüdischer Bürger, jüdischer Studenten, die in froher Erwartung zusamme»»kamen, damit etwas für die geliebte jüdische Sache geschehe. Es waren ferner da, Se. Ehrwürden Dr. Jakobi, Religionspvofessor Dr. Schwarz, .Gemeindesekretär Rendi, die Vorsteher Siebenschein und Dr. Goldmann. Dieselben wurden in die Vereinsleitung gewählt und in den Ausschuß V7 Schwarz, V. Grürifeld, I. Grünhut, M. Nhitrai und die Rechtshörer Perlberg und Fischer. So möge dieser Verein gedeihen. Nachfolger in allen Gauen Kroatiens finden und jüdisches Wissen allüberall ansbreiten. L a v o s l a v Schick. Die Bewegung gegen die Fremdeueinwnndernng. London, anfangs Jänner. Mit großer Spannung erivartet »nan hier die Maß-, regeln, »velche die Regierung nach Eröffnung des Parlarnents in Sache» der F r e m d e u e i:»tv a >» d e r u u g treffen tvird. Die Vorschläge der Fremdeukommissiou tvaren verhältnismäßig noch gemäßigt, tvcuil auch geeignet, den armen Flüchtlingen, »velche vor »liiiversalistiseheu des Deutero-Jlsaia. Schon damals ferner beginnt das Gefühl der sittliche»» tleberlegenheit über die Heiden und ein bedeutungsvoller Bekehru»»gseifer. Die politischen Schicksale der Folgezeit sind bekannt: Die Rückkehr der Juden unter Kyros, Esras und Nehemias »»ationalreligiöse Reform, der Versuch der Theokratie, der Sieg der stre»»ge»» Gesetzlichkeit. Das Ausbleiben des »»»essianischei» Reiches verursacht eine große Enttänschnng. Der Helleuisinus dringt ein »mb zersetzt den ganzen Glaube». Das Iudentu»»» wäre spurlos im Griechentun» aufgegangen, »venu nicht die rohe Hand des Antiochos Epiphaues dlirch das belvährte Mittel der Religionsverfolguiig eine neue eifervolle Reaktion z»im alten Glauben erlveckt hätte. Die Heldeumteu der Makkabäer, die erbitterten Parteifehden »l»»ter den Has»»»onäern, die Römer und schließlich der blutige, aber großartige Herodes leiten zu,»» Beginn einer »eueu Weltepvehe hin. Diese ganze Zeit hi »»durch »var Israel ei» Spielball der großen Weltmächte, des Blutvergießens »var kein Ende. — Daß die Juden in diesen Zeiten nicht gänzlich verlvilderten, verdanken sie den» Erbe der Propheten und der harte»» Schale des Exils. Dcrs religiöse Beivußtsei»» reagierte freilich sehr verschieden auf die verschiedenen Zeiteiudrücke. Es ist einer der allergrößte»» Jrrtüiuer C h a mb e r l a i n S, daß er das ganze nachexilische Judeutuln als eine in Formelkram und starrer Gesetzlichkeit verknöcherte Theokratie hinstellt. Freilich braucht er dies so, um daun den Unterschied zlvischen Juden- und Christentum recht groß ausseheu zu lassen. In Wirklichkeit tvar der Geist der Propheten unter der Hülle des Gesetzes nie erstorben. Von der gtanbensinnigen Schwärmerei in den Psalmen bis zur klugen und milden Lebeusweisheik des Jesus Sirach, von der fanatische» Beschränktheit des Bilches Esther bis zum nniversalistischcn Geist unb zur Resignation Hiobs und bis zum schrecklichen Pessimismus unb Skeptizismus Koheleths finden sich maniiigfalkige Abstlifnugen. Die pharisäische Veräußerlichung der Religion, gegen die Christus allftritt, ist »licht seit Esrcr herrschend, wie man nach Chmnberlai»» annehmen mühte, so»»dern eine Folge des großen Einflusses, den die früher gang bedeutungslosen Orthodoxe» durch die Religionsverfolgimgen der letzte» Zeit erlangt hatten.' Die Wurzeln des Christentums lassen sich in der Stimmung, die in zahlreichen „achexilischen und vorchristlichen Schriften anögedrückt ist. leicht Nachweisen. Vor allen» darf »na»»

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