Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 2 (8.1.1904)
- Date
- 1904-01-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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lifisctiun: 11/3. Leopoldsgasse 48. «fl «ochsuogn, von 4 6tl B Uhr naLmttta»« . «fttffAef »flllraifltt. mttm, II 8 9tttt(Untbtti mtom Mrjtatetn ob» s>at nutzt rrsotgt« flsRtauno tcöttten wtt m »«tngoifc. - i«a»ttfutfrte »«»« Mcht umMfefMltt« «•ttyMtctfffA*«0>itii M7o*7 A« da« »ömmemmi kann «an tttztt» etstrete». rsröt? JSHttaireaav.fi ar* »s*itt WViküxLN ®0Üt» vip.rete mtmitl freit ÜKtnemU Lvttnedmev btt Kieme»: I. tcamrtwa. Vi. »«Sri, HaajenitH » »»«nt, foibotf Sfeoffe. a Ow*«t «. Stoffe»#, «. Schal«» t» Ate», srrnrr aSe «nnoa«»>Ä;p<»tttavm tm Aaivmide. OiAz«z-Nmm«er i» Wie» 1« Heller. Admttttllralion: 11/3. Lropoldsgaffe 48. Leleph-mRr. 1S7SS «bonnementSpreiSr TelePhofl.Nr. 147SS SÜr (Klm tu O«A»«retch-Ufl,arfl smnmt M«,k»zflftrll«ng. . . M.8.- iawMria SfertelMrttz Für baS gefenmute L«»l«w lammt Francozustellung. «aazjStzrig ... lkr 10- SaldjährtS - ^ertellRhria 910 1'JfltMI W—ttM WWW »SM» 9*. s Pit«, 8. Jänner 1904 <20. Ttdeth 8664). VI. Jahrgang. Es maß etwas geschehe«. W k e n, den 6. Jänner. Eine Erscheinung, die man bei den meisten östevmichischen Politikern, sie mögen welchem Lager immer cmge- Hüren, beobachten kann, ist das Gefühl der Ermüdung und Verdrossenheit. Es ist dies kein Wundeir. Wir sind duirchcms keine Raunzer, die die Zustände in Oestevrech so abscheulich fänden, wie in keinem anderen Staate. Es geht in Nutzland, in der Türkei sichser ärger zu. Aber dort ist kein« öffentliche! Meinung, do^rt gibt es kein Parlament! und keinen Bertretungskörper, in denen man etwaige Verbesserungen und Reformen diskutieren köninite. Es ist doüten still, still wie im Grabe. Andersin Oesterreich Wir erfreuen uns hier sogar eines gewissen lleberflusses an Vertretungskörpern und gewiß keines Mangels an! solchen,' die sich ein Urteil über unsere Verhältnisse erlarchen und Verbesserungen Vorschlägen; selbst ein Bielohlawek kann Abgeordnete werden. Wir erfreuen uns eine aroßm Tagespresse, die in ihrem Inseratenteil viel Uinsichb und Energie veoM!. Wir haben also alles, was düH notwendig ist, um unser Oesterreich glücklich zu ... ‘ was willst du noch mehr? llrrb trotzdem ftrtb wir ttwht glücklich. Die österreichische Frage' wird nach dWekben Rezepte kuiriiüvi, wie die Judenfmge. Man MfllM alle MNel und Wege, wie die Fragen nicht gelöst " Sind Me diese erschöpft — und da-rw der jBP ÄK menMichm Geistes sind sie noch lange M'WKpft,! dann, aber erst dann wird man das Mittel Persuchey, -das'diese Fragen löst. Und das ist es, was alle öhrlschen Politiker so entmutigt. Jah-vaus, jahrein müssm sie sehen, wie ihre Reformvorschläge vom Volke nicht verstanden und von einer feilen! Tagespresse toi geschwiegen werldÄr. Dagegen wird Unvernunft, Schwachsinn, Böstvilligkeit mit Mandalieir deworfen und von der Tagespresfe gekrönt. Dieses Oystem hat Oesterreich glücklich zu einem Sumpf geführt, und selbst die' unverbesserlichsten Jasager und Nachbeter der tvadiston-ellen- Partei schablone fangen an, in ihrem Köpfchjen unruhig zu worden. Jetzt, nachdem selbst die 'Kinder und die Fiaker auf der Straße einfehen, daß es nicht! so weiten geht, jetzt kommendie berufenen Vertreter einer verrufenen öffeiÄichen Meinung und sagen: „So geht es nicht weiter!" Ja, das haben ehrliche Freunde Oesterreichs! unter der Beschimpfung ebendeMlben Pöefse schon vor zwei Jahrzehnten gesagt. Aber mit was für Mittelchen kommen diese Köpfe. Nachdem sie Tag «ad Nacht. Ein fiebernder Kampf In Glut Staub und Dampf. Wie stöhnt, dröhnt und zittert die Erde! Fort rastlos sich möhn, Lank Tetbctt und zlühn Die Menschen mit wilder Geberde. stau'»den Gewühl. Noch weit vor dem Ziel Verzehrt sie ihr eigenes Feuer. « Der Himmel, er schweigt Und schlveigend er neigt Und wirst seine kühlenden Srlileier . . . Verhüllt Kampf und Leid Nun tiefdunkles Kleid . . . Leis drüber die Ncrchtwürde wehen. Es rastet und ruht So Dampf, Staub als Glut, w_ Doch morgen, da wird's auferstehen. AuS M. Scherlag: „Einsamkeit" (Dresden u. Leipzig). Das religiöse Lebe» bei Arier» «ad Semite«. Von Dr'. Friedrich Otto Herz.*) .... Der demokratische Zug des israelitischen Königtums drückt sich in seiner häufigen Parteinahine für die Schwachen und Anmn, die Witwen, Waisen und Fremdlinge aus. „Die Sittlichkeit der vorprophettschen Zeit ist volkstümlich beschränkt und durchaus antiker Sittlichkeit ähnlich." „Die moralische Pflicht war zunächst auf die Familien-. Stammes- und „Pottttsch-anthroposog. Revne". ß. Jahrg., Nr. 8. Thüringische BerlagSanstalt, Leipzig. glücklich von dev Meinung kuriert sind, daß es eigentlich nur der Berufung des Chefredakteurs des betreffenden Blattes in das Ministerium bedarf, um die bckreffende Frage zu lösen, nachdem sie auch erkannt haben', daß oie verstockten Gemüter der Tschechen oder Deutschen durch ihre Moral- und Gardinenpredigt nicht gebessert werden, raffen sie sich endlich zu großen Entschlüssen' auf. Die einen sagen, es müsse eine neue Verständigungskonferenz ein berufen! werden. O, sagen die anderen, die viel gescheiter sind, das nützt gar nichts, es mutz die Geschäftsordnung des Hauses geändert werden, daß kerbe' Obstruktion möglich! ist. Doch da stocken sie schon. Daß keine. Obstruktion möglich ist? Das paW uns nicht! ganz in derr Kram. Wie leicht kann es sich ereignen,, daß bk Deutschen es für eine Staatsnotwmdigke.it betrachten, zu obstruieren. Also! keine Resotrm, die die deutsche Obstruktion unmöglich machst, höchstens eine Reform, die die Obstruktion der kleinen Parteien (lies: der Tschechen) unmöglich macht. Man braucht diesen Worten wirklich nichts hinzüzu,fügen. Sie kennzeichnen besser als die beste Satire die Misere unserer Verhältnisse. Allerdings die Neunmalgescheiten in der „Arbeiterzeitung", die so gut die Bekämpfung des Militarismus mit der Bewilligung eines erhöhten Rekruten,kontingmies zu vereinigen wissen, haben noch ein Mitel parat: das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht. Aber jeder unbefangene Kenner d-er österveichWm Verhältnisse weiß ganz gut, daß ein Parlameniti,. eibberufeb. arst Grund. des allgerneinen Wahlrechtes' ohne jede ändere -KMelm, die nationale Frage nur in verschlärftev Form aufleben ließe und das allgemeine Chaos noch verfchlfmWern würde. .Ein Blick auf die Wahlresültate der vierten Curie, wo neben einigen Sozialdenrokrateu Mdeutscha, Ehristlichfoziale, radikalnationale Tschechen undi Stockklerikale ärgster Observanz gewählt wurden — von den Schlachzizen als Vertreter der vierten Kurie ganz zu schjwÄgen — gibt uns einen deutlichen Vorgeschmack, wie diefes Zukunftsparlament aussähe. Nein, es gibt nur eine.Lösung der nationalen Frage, und das ist die auf Grund dev nationalen Autonomie der österreichischen Völker. Wir wollen diesen Artikel mit den beherzigenswerten Worten schließen!, die der Delegierte Nikolaus Ritter von Wassilko -in den österreichischen Delegationen sprach,: Mair wird es daher beprcifea, das; wir trotz der wannen Spmpathien, die wir seit jeher für das tschechische Volk Hessen, nach!vie vor ans dem von Dr. Kramarz laneiertcn Plane eines Föderativstaates Oesterreich ans Grund der historischen Vergangenheit der Länder niemals eingehen können. Die Idee Dr. Baenireithers greifen wir mit Vergnügen auf. Erst von dem Tage «rb, wo Oesterreich aus einer Reihe gleichberechtigter nationaler Kreise zusammengesetzt sein wird, die ihre nationalen Angelegenheiten bei sich zu Hause schlichten, mit einem Zentralparlament für gewisse, den Gesamtstaat betreffende Angelegenheiten, das nur in der Weise beschickt würde, wie heute zum Beispiel die Delegationen, wird Oesterreich seine Mission in Europa erfüllen. Da tvird von der Aenderung der Geschäftsordnung im Parlament gesprochen. Gegen eine solche müssen wir mit allen Mitteln ankämpfen. Denn nach einer Aenderung der Geschäftsordnung wird eine Majorität das Parlament beherrschen, in deren Zentrum der Polenklub sitzt, der den berechtigten Wünschen der Bevölkerung nicht Rechnung tragen wird, der speziell auch nicht für eine Erweiterung des Wahlrechtes zu haben ist. L . * Delegierter Dr. Kramarz: Aber die Polen werden doch nicht gegen die Erweiterung des Wahlrechtes Obstruktion machen!- Delegierter Ritter v. Wassilko: Aber sttmmen werden sie dagegen und die Majorität werden sie haben. Wenn die Majorität des Hauses sich auf eine Wahlreforrn einigt und glerchzeitig damit die Geschäftsordnung ändern will, dann sind wir die ersten, die ihnen entgegenkommen. Aber nur, wenn beides gleichzeitig geschieht. Dr. Kramarz sagt, das tschechische Volk kämpfe für alle Nationalitäten Oesterreichs. Aber nicht mit einem Satze werden wir von unseren nächsten Brüdern erwähnt. Hat sich daS tschechische Volk auch nur ein einzigesmal für uns eingesetzt? S. Volksgenossenschast beschränkt, im ältesten Israel war sie es sogar Diese Stufe der jüdischen Entwicklung birgt schon die Keime, in noch höherem Maße als bei anderen Völkern, aber eben in dieser [ die durch die Exilnot und die prophetische Bewegung fortentwickelt Beschränkung hat das alte Israel wie kaum ein anderes Volk des lind um neue von größter Bedeutung vermehrt wurden, die schließ- Altertums das Weseii der Moral begriffen und das kam zuletzt llch im Christentum zur schönsten Blüte gelangten. Ein gencnles mich den Fremden zugute."! Verständnis dieser einzigartigen Entwicklung erforderte eine mn- Gerechtigkeit ist der starke Grundzug der altisraelitischeu kst^nde Darstcllllilg der Prophetie, die man in gelehrten Werken Moral. Es ist höchst bezeichnend', daß nicht nur an vielen Stellen kann. Hier kann nur eine flüchtige Skizze Platz finden, die Bevorzugung des Reichen und Angesehenen im Gericht verpönt . Was sind die Propheten? In erster Linie das nicht, ivird, sondern auch zweimal (Ex. 23, 3, Lev. 19, 15) die unbillige ^lvas meistens geglaubt wird: Weissager und Wundertäter. Bor Rücksichtnahme auf die Niedrigkeit und Armut des Prozeßführenallern sind sie Bußprediger, volkstümliche Gestalten voll Kraft und den. Die Notwendigkeit eines solchen Verbotes kennzeichnet den Wahrheitsliebe, politische Idealisten von weitem Blick. Ihre Weissozialen Geist der Rechtspflege, dessen Uebermaß freilich dem' sagungen sind nicht wunderbarerer Art, als man sie heute von strengen Rechtsgefühl, gefährlich werden konnte.! scharfsichtigen Münnenl des öffentlichen Lebens hören kann, die Schon in jener Zeit bildete ferner ein inniges Familien- Wundertäterei verwerfen sie sogar. Die alte Prophetie kann gefiihl einen hervorragenden Zug des Lebens. Juda will lieber! n,crn rtin durch einen Vergleich mit den Derwisckzeu illustselbst als Sklave in Aegypten bleiben, als den Kummer seines rieren. sie bildeten Orden oder Sümlen und wurden ihres ekstati- Vaters über den Verlust Benjamins anseheu. Die — übrigens auf nirtschaftlichen Gründen beruhende — Polygamie war nicht häufig, < die Lage der Frau und Sklaven durch die Sitte milde gestaltet. Zahlreiche «weiße Frauen" und Prophetinnen wie Deborah,Mirjam, Hulda, Abigail und andere beweisen das Ansehen, in dem das weibliche Geschlecht stmrd. Ehebruch und Unstttlichkeit gegen die Natur werden streng bestraft, wenn auch der Verkehr mit Dirnen dem 3N«nne nicht verwehrt ist. Die Lage der Sklaven war tvenig drückend, das Volksrecht schreibt ihre humane Behandlung vor. Friedfertigkeit gegen Stammesgenossen geht Hand in Hand mit Roheit gegen den Feirrd, doch zeigen sich schon Anfänge eines bemerkenswerten Zartgefühls und Milderung der rohen Sitte selbst gegen jenen. Gastlichkeit, unbefangene Lebensfteude, Vorliebe für Trunk und Gesang sind einige äußere Züge des Bildes, das uns die älteren Bibelteile zeichnen. Die Natur des Menschen wird rioch als durchaus gut aufgefaßt. Von einer tieferen Auffassung der Sünde. Sittlichteit und derarttgen Begriffen eines durch Erfahrungen und Leiden geläuterten Bewußtseins ist natürlich keine Rede. 1 schon Wesens wegen vom Volke mit scheuer Bewunderung betrachtet. Die neue Prophetie bedient sich der Ekstase durch künstliche Mittel nicht mehr, auch die Visionen treten zurück gegen die innere Evgriffenheit. die Spekulatton über Gottes Ziele und die politische Lage. Das ganze innere Wesen der Propheten wird uns aus den Worten Jeremias klar: «Du hast mich betört, Jahtve, und ich ließ mich betören. Du hast mich erfaßt und überwältigtest mich; zum Gelächter bin ich gelvorden allezeit; jedermann spottet meiner. — Aber dachte ich: Ich will seiner nicht mehr gedenken und nicht mehr in seinem Nmnen reden, — da ward es in meinem Innern wie loderndes Feuer, das Verhalten war in meinen Gebeinen. Ich mühte in ich ab, es miszuhalten, aber ich vermochte es nicht." Noch hat niemand die Entstehungsgeschichte des Genies ergründet. aber ob wir nun die Tatsache teleologisch oder materialistisch deuten, jedenfalls besteht die Gewißheit, daß große Zeiten große Männer heworbringen. Die große Zahl bedeutender Individualitäten, die dem Volke Israel in der Stunde seines nationalen Unterganges erstanden und sein geistiges besseres Sein retteten, sind ein deutlicher Beleg. Mt dem Zorn der Liebe geißeln Zur Charkoiver Konferenz. Die Beschlüsse der Charkower Konferenz haben i» Kreisen der russischen Zionisten einen weit tiefer gehenden Eindruck hervorgerufen, als es anfangs den Anschein hatte. > Nun, da der ganze Wortlaut der Charkower Beschlüsse be* k nnt wird, sieht man erst deutlich,, daß es sich hier gar nicht um eine Rückkehr der russischen Zionisten zum alten Staubi.' Punkt der „Chowewe Zion", als vielmehr um die Austragung eines in Rußland schon seit langem geschürten Grolls gegs«^. — Wien, handelt. Charakteristisch sind die Bemerkungen, mit welcher die „Freunde der Organisation" den in der „Hazefirah" veröffentlichten Wortlaut der Beschlüsse begleiten. Schon zu dem Titel des ersten Abschnittes des Protokolles: „B e« züglich unseres Verhältnisses zu Wien und im Besonderen zu Dr. Herz!" bemerken sie folgendes: „Das Wort „Wien" gehört zu den verbreitetsten Ausdrücken der Mißachtung. Will jemand das Ansehen der obersten Lcituug herabsetzen, so gebraucht er den Ausdruck „Wien" im ironischen Sinne. „Wien" will das und jenes; „Wien" handelt ohne uns zu fragen rc. „Wien" hat befohlen; die Herren aus Wien; Herr Dr. H e r z l wünscht, u. s. w. Diese Redewendungen wurden zuerst in der Fraktion gebraucht und von dort zu uns herübergetragen. Während diese Feindschaft JI 4 $■ -m ..N MWß