Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 1 (1.1.1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 1. Jänner 1904 Seite K Me Fragen, die sich ihm bei der Betrachtung einer, so eigentümlichen, so Wenig gekannten und so verschiedenartig beurteilten Persönlichkeit, Wie eS Manasse ben Israel ist, die Antwort erhalten habe. Nichtsdestoweniger könnten wir vollends zufrieden sein, tvenn das Publikum von allen dllrch die Kultusgcmeiirde veranstalteten Vorträgen in dem Maße belehrt nach Hause gehen könnte, wie es bei dem Vorträge deS Dr. Feuchtwang der Fall war. Dr. Feuchtwang hat auch Einiges für Fachleute Neues und Interessantes geboten. So z. B. die interessante Mitteilung, daß in Portugal noch heute eine beträchtliche Anzahl Marannen lebe, die nach Maranncuart die jüdischen Gebräuche halten und nur untereinander heiraten. Der Wiener Oberrabbiner Doktor G ü d e m a n n hat vor einigen Wochen von einem in Lissabon lebenden gelehrten Marannen dteSbeziMliche Mitteilungen, sowie die jedenfalls interessante Nachricht enthalten, daß der portugiesische Gelehrte ein auf dicJnquisition, ihre Märtyrer und die durch ihre Greueltaten und Grausamkeiten zu tvaurigerBerühmtheit gelangtenHäupter derselben bezugnehmendes Aktenmnterial veröffentlichen werde, das unbedingt geeignet sein wird, auf dieses schwärzeste Blatt der Weltgeschichte ganz neues Licht zu werfen. Dr. Feuchtwang hat sich den Dank aller vorurteilsfreien gesichert, indem er in Bezug auf die Bedeutung Manasse ben Israels gegen die voreingenommene Ansicht Graez, der diesem vielseitigen Juden beinahe jede Bedeutung abspricht, in liebevoller, energischer Weise Stellung nahm. Ebenso zeitgemäß war auch die Ermahnung des Vortragenden an sein hypermodernes Publikum, den polnischen Juden mit Kaftan und Seitenlocken nicht zu verachten und ihn in Deutschland nicht als Eindringling zu betrachten, da die polnischen Juden in Deutschland viel früher erbgesessen waren, als die heutigen sogenannten deutschen Juden. Ebenso dürfte es dem Dr. Feuchtwang gelungen sein, dem Publikum den Schreck vor der Kabbalah und dessen Hauptwerk, den Sohar, genommen zu haben. Es sei noch mit Genugtuung erwähnt, daß die Vortragsweise im Gegensätze sowohl zu seinen eigenen, uns bisher bekannten Predigten, wie auch zur Vortragsweise des Dr. Grunwald eine dem Zwecke entsprechende nichttheatralische war. Auch was die Phraseologie betrifft, hat Dr. Feuchtwang entschieden zu seinem Vorteile Fortschritte gemacht. Wen. (I ü d i sch na t i o n al e r Arbeiterverein, 14. Bez., Ullmannstraße 31 (Kauerhof 10a). Bei dem Dienstag den 6. Jänner 1004 im Hotel Fuchs, 16. Bez., Mariahilferstr. 138, statffindenden Theaterabend, verbunden mit Tanzkränzchen, wird der Obmann des Einzelvereines „Z i o n" Füunfhaus, Herr Dr. S. Krenberger die Festrede: „Arbeiter und Zionismus" halten. Karten sind täglich im Vereinslokale zu haben. Alle Vereinsmitglieder werden ersucht, Sonntag nachmittags bestimmt ins Vereinslokal zu kommeri. Wien. (Jüdisches Btldungsheim, 14. Bez., Ullmannstraße 31 (Kauerhof 10 a), Programm für den Monat Jänner 1804: Donnerstag, 7. Jänner: Dr. K. Lifczis: „Mittel gegen Justizmord." Dienstag, 12 Jänner: „Bibelvovtrag." Dienstag. 19. Jänner: Richard Bernstein: „lieber Bierbrauerei." Dienstag, 26. Jänner: Konzert. Beginn 8 Uhr. Eintritt frei. Bibliotheksstunden eden Dienstag von halb 8 bis 8 Uhr. Wien. Donnerstag den 17. d. M. feierte der Präses des Josefstcidter Dempelbaüvereines, Herr Michael Strasser, seinen 80. Geburtstag, aus welchem Anlasse Samstag den 19. d. M. im Tempel 0. Bez^ Neudeggergasse 12, eine Feier stattfand. Zu derselben haben sich ,u. a. eingefunden: der Gesamtvorstand des Josefstädter T.empelvereines, an der Spitze der Präses Herr Hermann Beck, Herr Kultusvorsteher Salo Cohn, die Herren k. k. Oberpolizeirat Stuckckrk, Alfred Strasser, Gustav Strasser, Josef Gerbel Berstl, idi^cHerrvöwDethausvorsteher A. Winterberg, Gottlieb Bettelheim und H. Liebermann u. v. a. Eingeleitet wurde die Feier durch die MMejhüng -er von Herrn Kultusvorsteher Salo Cohn, einem war- Wn Förderer des Tempels, zu Ehren des Jubilars gespendete Morarolle. Den gesanglichen Teil der Feier besorgte in ganz vortrefflicher Weise Oberkantor Kwartin unter Assistenz des unter der, Leitung des Herrn Kantor Edelmann stehenden Chores. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. Bauer, welcher in derselben die unvergänglichen Verdienste des Jubilars hervorhob. Erster Wiener jüdischer Turnverein. Am 16. November l. I. fand im Turnsaale!, Wien, 1. Bez., Mölkerbastei 6, die vierte ordentliche Hauptversammlung statt. Nach einer kurzen Ansprache des Vorsitzenden, Herrn Carl Plowitz, wurden die einzelnen Referate erstattet. Zuerst berichtete der 1. Turnwart Herr Rudolf Pollak ausführlich über den Turnbetrieb im vergangenen Jahre und betonte insbesondere^ den vollen Erfolg, den das am 4. April 1903 im Ronacher-Ballsatle stattgefundene Schauturnen dem Vereine gebracht hatte. Sodann hielt Herr Löwy sein Referat über die Gründung der jüdischen Turnerschaft zu Basel und über das daselbst stattgefundene Schauturnen. Der Verein war bei demselben durch die Herren Emerich Löwy und Dr. Egon M. Zweig vertreten. Nun folgte der Bericht des Zeugwartes Herrn I. Löwenbein, und der Kassabericht des Herrn Hugo Spitzer. Hierauf wuvde, gemäß dem Anträge des Herrn Siegfried Beer, dem abtretenden Ausschüsse einstimmig das Absolutorinm erteilt. Die hierauf vorgenommenen Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: Obmann: Herr Dr. Ludwig Werner; Obmann-Stellvertreter: Herr Carl Plowitz; 1. Turnwart: Herr Rudolf Pollak; 2. Tnrnwart: Herr Dr. Max Jerusalem; 1. Kassier: Herr Hugo Spitzer; 2. Kassier: Herr Robert M. Korn; 1. Schriftführer: Herr Dr. Josef Weinreb; 2. Schriftführerin: Frl. Bertha Korn; Zeugwart: Herr Isidor Löwenbein; Ersatzmänner: die Herren Siegfried Beer, Gustav Löbl, Ernerich Löwy. Ans der Plenarsitzung des Kirltusvorstandes vom 22. Dezember 1903, unter dem Vorsitze des Präsidenten kais. Rat H. Klinger. Beginn der Sitzung halb 6 Uhr abends. Jin Einlaufe gelangt zur Verlesung: Eine Mitteilung der israel. Arrnenanstalt. Sonach Herr Albert Landau aus Anlaß des Ablebens seines Bruders vvaee Landau in Florenz der Armenanstalt eine Spende von . 6000.— zugewendet hat, von Herrn Salo Cohn für Talmudschüler Den Spendern wird der Dank votiert. —- Bor Uebergang zu? Tagesordnung bemerkt Herr Vizepräsident Dr. Stern, welüser zu Beginn der Sitzung den Vorsitz führt, daß er sich veranlaßt sehe, auf die in der letzten öffentlichen Plenarsitzung seitens eines Vorstandsmitgliedes vorgebrachten Aeußerungen hinsichtlich der Koscherfleischfrage zurückzukommen. Es sei zunächst darauf verwiesen, daß sich diese Beschwerden allerdings nicht auf die unter Aufsicht stehenden Fleischbänke bezogen und daß Vorstand und Rnbbinat seit Jahren unausgesetzt bemüht sind, die Hemmnisse, ivelche sich einer a l l s e i t i g e n Regelung der Koscherfleischfrage entgegcnstellen, zu beseitigen. — Vizepräsident Dr. Kohn ergänzt die Ausführungen deS Borredners nach der Richülng, daß das Schechita-Wiesen in tadelloser Weise organisiert sei. Wenn die Fraao des Koscherfleisch- Verkaufes noch nicht in der gewünschten Weise geregelt ist, so sei djes weder dem Kultusvorstande, noch dem Rabbinate, sondern einzig und allein den früheren Wiener Verhältnissen zuzuschreiben. Diese sofort« Mit einen! Schlage zu ändern, liege aber nicht in der Macht Hs Vorstandes oder Rabbinates. Vorsteher Dr. Alfred Berger Mieht sich den Ausführungen der Vorredner an, hält jedoch eine DMüngnahme des Vorstandes zu den in der vorhergehenden Sitzung vorgebrachten Bemerkungen nicht für notwendig, nachdem sich diese, wie bereits erwähnt, überhaupt nicht gegen jene Fleischbänke richteten» welche unter spezieller Aufsicht des Rabbinates stehen und dies Mch, durch die Firincsiafel zum Ausdrucke bringen. Bezüglich dieser ^leiWäM sind auch gegenwärtig alle Garantien hinsichtlich des 'Wrs geboten. (Siehe unseren Artikel: „Zum Budget der Wiener M^ememde. Es ist jedenfalls bezeichnend, daß gerade das- . .isttz Vorstandsmitglied, tvelches die inkriminierte Aoußerung getan hat, nämlich Herr K a u d e r s selbst zu dieser Frage nickst das Wort ergriff. Red.) Ueber Vorschlag der Chewra Kadischa wird Herr med. Dr. Isidor Schnabl zum Vorstandsmitglied der Chewra Kadischa ernannt. Vizepräsident Dr. Alfred Stern berichtet, daß zur Beratung der anläßlich des 100. Geburtstages Salomon Sulzers im März 1904 zu treffenden Veranstaltungen ein Komitee eingesetzt wurde, bestehend aus Mitgliedern des Kultusvorstandes, des Jüdischen Museums, des östcrr.-uug. Kantorcn-Vereines usw. Dieses Komitee habe nach wiederholten Beratungen Vorschläge erstattet, welchen sich teilweise das Vertreter-Kollegium angeschlossen habe. Nach längerer Debatte wird beschlossen, zu Ehren des verewigten Altmeisters des synagogalen Gesanges eine Gedenktafel in der Vorhalle des Stadttempels anzubringen, weiters eine Gedenkfeier im Stadt- und Leopoldstädter Tempel abzuhalten, endlich unter Mitwirkung der Kantoren eine Feier am Grabe Sulzers zu veranstalten. Die Detailbestimmungen für diese Festlichkeiten bleiben Vorbehalten. Nach Erledigung von Steuer-Angelegenheiten wird die Sitzung geschlossen. Aerztekammerwahlen. Aus Anlaß der bevorstehenden Neuwahlen wird bereits lebhaft unter den Aerzten agitiert. Es bestehen zwei Listen, die aber beide von den Wahlkomitees noch geheim gehalten 'werden. Für die antisemitische Liste, die verläßlichem Vernehmen nach auf ausdrückliches Betreiben des Wiener Bürgermeisters zustande gekommen ist, der einen deutsch-nationalen Aerzteführer in dessen Stellung als. Stadtarzt eigens zu sich berufen und ihm den Wunsch nach einer rein arischen Kandidatenliste ans Herz gelegt hat, agitiert vor allem der jüngere Teil der Aerzteschaft und jener, der durch Hintertreibung des ärztlichen Reichskongresses und Gründling eines deuffch-antisemitischen Aerztevereines Zwietracht unter die Aerzteschaft Wiens getragen hat; für die Liste des Verbandes der Aerzte Mens hingegen arbeiten alle jene Aerzte, die die gehässige Tagespolitik aus dem sozialärztlichen Leben gebannt wissen wollen. Der theolog. Verein der Hörer an der isr. theolog. Lehranstalt in Wien bringt hiermit zur Kenntnis, daß am 2. Jänner um 9 Uhr beim Morgengottesdienste das Vereinsmitglied Herr A. Schwarz im Beth-Hamidrasch (Tempelgasse 3) eine Predigt abhalten wird. Wohltätigkeits-Akademie. Der humanitäre Frauen-Verein „Krankenpfleg c" veranstaltet am 2. Jänner 1904 zugunsten seiner Wohltätigkeitskassa im Hotel Continental, 2. Bez., 'Taborstraße 6, eine Wohltätigkeitsakademie. De Ballmusik besorgt eine k. k. Militärkapelle. Tanz-Arrangement: Herr S. Rechnitzer. Anfang 8 Uhr. Wien. (Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter „L e o p o l d st a dt".) Sonntag den 3. Jänner veranstaltet der Verein in seinem Privatlokale 2. Bez., Stefaniestraße 8, einen Vereinsabend mit nachstehender Tagesordnung: 1. Vortrag des Hof- und Gerichtsadvokaten Herrn Dr. Saul Rafael L andau über das Thema: Die sozialistischen Bestrebungen und die jüdischen Arbeiter. 2. Diskussion. 3. Eventuelles. Beginn präzise 7 Uhr abends. Gäste willkommen. Prag. Der Jüdische Frauenverein veransttltete am 16. Dezember eine Makkabäerfeier für Kinder. Lange vor Eröffnung der Feier war der Saal so gefüllt, so daß viele Kinder, welche Einlaß suchten, abgewiesen werden muhten. Nach Anzünder» der Weihelichter hielt Herr Rabb. Dr. Aladar Deuts ch eine im nationalen G 'ri' getragene Festrede, welche allgemeinen Beifall fand. Die Damen des Vereines besorgten in liebenswürdigster Weise die Bewirtung der Kinder mit Schokolade und Gebäck, außerdem erhielt jedes Kind noch ein Säckchen mit Zuckerwerk, welche Gabe den Kleinen besondere Freude, bereitete. Die massenhafte Beteiligung an dieser Feier gab lebhaften Beweis davon, daß sich der Verein besonderer Sympathien unter ber Prager Bevölkerung erfreut. Um das Gelingen der Feier machte sich das rührige Komitee mit Frau Relschi R e d i s ch an der Spitze besonders verdient. Prag. (Makkabäerfeier des Jüdischen Volksve re in es am 20. Dezember 1903.) Unter massenhafter Beteiligung der üdischen Bevölkerung Prags fand im festlich dekorierten Wintergarten des Restaurant Heine die Makkabäerfeier des Jüdischen Volksvereines statt. Ueber 700 Personen waren gekommen, und das Andenken an die Taten der größten Helden des jüdischen Volkes zu feiern. Schon lange vor Anfang des Festes war der Saal voll, als Dr. Kohn und Rednertribüne bestieg, um die Erschienenen zu begriitzen. Prof. Wertheimer trug in böhmischer Sprache einen auf die Feier bezughabenden Prolog vor, worauf Rabb. Aladar Deuts ch die Weihelichter anzündete. Unter nicht enden wollendem Beifall betrat das Mitglied des Aktionskomitees die Rednertribüne. In zündenden Worten schilderte er die Großtaten der Makkabäer, die Bedeutung des Festes für das Judentum und die zionistische Bewegung. Er wies ans die Unwürdigkeit der Assimilation hin, zeigte die Erfolge des Zionismus und forderte zu tatkräftiger Arbeit für das jüdische Volk aus. Tosender Beifall lohnte den beliebten Redner für seine geistvollen Ausführungen. Die Klänge der „Hatiktvah" hinten im Chor durch den Saal und es war ein schönes Bild, den alten Mann begeistert mit der Jugend einstimmen zu sehen in den Ruf: „Od lo owto tikwosenn!" Der Violinvirtuose Herr Willy Ganz erfreute die Versammelten durch seinen beseelten Violinvortrag. Besonderen Beifall fanden seine beiden Kompositionen, eine Serenade und die vom Direktor Oskar Grünfeld verfaßte und von ihm vertonte „Hymne des Volkes Israel". Den Abschluß des dlbends bildeten lebende Bilder aus dem Ghetto mit einer Apotheose des Zionismus. Die Leitung lag in den belvährten Händen des Mitgliedes des kgl. deutschen Landesthcatcrs Richard Taussig. Die Chorbegleitung besorgte in liebenswürdigster Weise der Damenchor des Weinberger Tenrpelgesangvereines. Die Bilder fanden allgemeinen Beifall und als sich beim letzten Bilde — Weinlese in Rischon Lezijon — der Vorhang hob, kannte die Begeisterung keine Grenzen. Hedad-Rufe tönten durch den Saal und die Klänge des Liedes „Auf mein Volk!" durchbrausten den Raum. Für den Nationalfonds wurde eine ansehnliche Summe gesammelt. Das Buffet besorgten die Damen des Jüdischen Frauenbereines Roubitschek, Redisch und B e r g m a n n. Die Ausschmückung des Saales besorgte unentgeltlich das Veveinsmitglied Herr P opp e r. Das Komitee unter der Leitung des Herrn I. M. Redisch kann mit dem Erfolge dieser Veranstaltung vollkonrmen zufrieden sein. Pisek. Der , I ü dische Volksverein „Z i o n" in Pisek veranstaltete cm? 13. Dezember eine Makkabäerfeier, verbunden mit einem Kinderfeste. Der Einladung des Vereines Folge leistend hielt das Mitglied des böhmischen Distriktskomitees Herr cand. jur. Max Gach die Festrede. Mit beredten Worten schilderte er die große Geschichte der Makkabäer, entwarf ein Bild der zionistischen Betvcgnng, schilderte deren Erfolge und forderte zu rastloser Arbeit für das jüdische Volk auf. Rauschender Beiftll folgte den Ausführungen des Redners. Herr Lehrer Munk brachte mit den Kindern der jüdischen Schule einige Lieder zum Vortrag und Herr Bloch bereitete den Kindern als Schnellzeichner besondere Freude. Den Höhepunkt der Feier bildete die Bewirtung der Kinder, welche durch die Munifizenz der Damen Piseks ermöglicht wurde. Die freudig erregten Kleine»?, die einmal auch einer jüdischen Feier, wo sie nicht Schimpf und Spott verfolgten, beiwohnen konnten, boten ein reizendes Bild. — Eigentümlich berührte es. daß der Kultusvorstand von Pisek mit Herrn Barth an der Spitze ostentativ von der Feier sich fernhielt. Ist es den Herren vielleicht angenehmer, sich in arischer Gesellschaft mtt Rippenstößen ttaktieren zu lassen, als einer üdischen Feier beizuwohnen? Tagung des Religionslehreroerbandes. Am 28. und 29, Dezember hielt der Verband der israel. Religiouslehrer an den österreichischen Mittelschulen im Lokale der Religionsschule der Wiemr Kultusgemeinde seine vierte Generalversammlung ab, die recht zahlreich besucht war. Der Obmann des Verbandes, Prof. Dr. Mols Weiß begrüßte die Versammelten, insbesondere die erschienen beiden Vizepräsidenten der Wiener Kultusgemeinde, Dr. Alfred Stern und Dr. Gustav Kohn, sowie Herrn Vertreter Dr. Steiner und Herrn Vorsteher Dr. Berger und erklärte nach einem dreifachen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser die Versammlung für eröffnet. Der Rechenschaftsbericht des Obmannes, aus dem hervorging, daß es dem Ausschüsse gelungen ist, im Vereine mit der Wiener jtzultusgemeinde einen Lehrplan für den Religionsunterricht an den Wiener Mittelschulen zu schaffen, sowie der Rechenschaftsbericht des .Kassiers Prof. Dr. Leopold Goldhammer werden einstimmig zur Kenntnis genommen und dem Ausschüsse das Absolutorium erteilt. Die beiden Vizepräsidenten der Wiener Kultusgemeinde erklären sich bereit, mitzuarbeiten bei der Schaffung eines endgiltigen Lehrplanes und bei der Regelung der rechtlichen Verhältnisse der israel. Religionslehrer an Mittelschulen. Da Obmann Dr. Weiß infolge Mzu großer Ueberbürdung sich gezwungen sieht, die Obmannstelle niederzulegen, wird ihm für seine hingebungsvolle Tätigkeit als Obmann vom Verbände der wärmste Dank ausgesprochen und zur Wahl eines neuen Obmannes geschritten. Gewählt wurde zum Obmann der bisherige Obmannstellvertreter Rabb. Dr. D. Feuchtwang (Wien) und zum Schriftführer Prof. Dr. Heinrich Pollak (Wien). Irr den Ausschuß werden gewählt die Herren: Prof. Dr. Adolf Weiß, Prof. Dr. L. Goldhammer, Prof. M. Kanitz, Dr. Langfelder, Prof. Dr. M. Grünfeld, Prof. Dr. A. Kisch, Rabb. Dr. Mach. Der gewesene Obmann Prof. Dr. Weiß und der zweite Vizepräsident der Kultusgemeinde Landesschulrat Dr. Gustav Kohn werden zu Ehrenmitgliedern des Verbandes ernannt. Dr. Feuchtwang dankt für das ihm durch seine Wahl znm Obrnann bekundete Vertrauen und übernimmt den Vorsitz. Auf die Verhandlungen des Verbandstages sowie auf die an demselben gefaßten Beschlüsse behalten wir uns vor, in einer der nächsten Nummern des Näheren zurückzukommen. Podwoloczyska. Am 21. Dezember fand im hiesigen freiwilligen Feuerwehrsaale die Makkabäerfeier statt, welche der hiesige zionistische Verein „Degel Jehuda" für seine Freunde und Anhänger veranstaltete. Die Herren Präsident Sch. Günsberg, Kassier Emanuel Konczykeb, Wirt Carl Kupferberg, Salomon Zclaznik und Moses Schlehen gaben sich besonders Mühe, damit das erhebende Fest recht schön ausfalle. Der Saal war bis aufs letzte Plätzchen voll besetzt. Die Feier wurde vom Präsidenten Herrn Günsberg durch einen Bortrag „Haneroth Haluli oni Madlukim" eröffnet. Es folgten einige Deklamationen von den Herren Tartykower und Carl Günsberg, die reichen Beifall ernteten. Hierauf ergriff der eigens zur Feier hierhergekommene Gg. jur. Landau aus Tarnopol zu einer gedankenreichen und formvollendeten Rede das Wort. Er sprach in schwungvollen vom Herzen kommenden und zu Herzen dringenden Worten über die Bedeutung des Chanukahfestes und feierte dann die Helden, die unter Preisgebung ihres Lebens das Volk zum Kampfe und Siege führten. Seine Rede klang in einen Hymnus auf den Makkabäergeist in seiner neuzeitlichen Form, auf den Zionismus aus, der allein imstande ist, das jüdische Volk aus dem Moraste materieller Not und geistigen Verfalles hervorzuziehen. Brausender Beifall lohnte den Redner für seine glänzenden Ausführungen. Die hebräische Sprache kam bei der Feier durch ein sehr stimmungsvoll durch Fräulein R. Elfenbein cnls Woloczysk rezitiertes Gedicht „Schoschannu" zur Geltung. Eine Glanznummer des Programmes waren auch die jargonischen Liedervorträge des Herrn Nathan Hirschhorn, der durch den mehrmaligen Hervorruf..ausgezeichnet wurde. Den Clou des Abends bildete die von den hiesigen Kunstmaler Schabse Sack dargestellten drei lebenden jüdischen Bilder und zwar 1. Palästina-Ansichten, 2. der Berg Herhorrurod «ud 3. Dr. Herzl. Die Bilden waren naturgetteu dargestellt und übten eine mächttge Wirkung auf die Zuschauer aus. . Hiermit war durch Abspielung des zionistischen Liedes „Od le Owdn Thikwuthenu" das schöne Fest beendigt. Agram. Zum ruhmreichen Andenken an die Makkabäerkämpfe hielten die „L i t e r a r n i s a st a n c i i z r. o m l a bi tt e" (Literarischer Klub der isr. Jugend) von ihrem Protektor Doktor Gavos Schwarz angeregt, zum drittenmal seit ihrem Bestehen die Chanukah-Feier. Die Feier nahm folgenden Verlauf: Der . Protektor Professor Dr. Gavos Schwarz begrüßte die anwesenden Gäste in einer äußerst stimmungsvollen Ansprache. (Ich hebe nur die markantesten Punkte hervor.) Der Klub habe, sagte der Herr ^Professor, betoiesen, indem er zum drittenmal vor die Oeffentlichkeit tritt, daß er lebensfähig sei. Die Feier der Makkabäer sei nun zu einer ständigen Institution geworden und es sei ein Verdienst deshohen patriotisch-jüdischen Gefühls der Jugend, daß man das Fest nicht nur im Tempel und in den Wohltätigkeitsanstalten feiere, sondern daß es eine tiefere und erhabenere Bedeutung dadurch erhielt, daß die Jugend aktiv bei der Feier unserer Herren tätig fei und durch ihr Feuer auch die Alten mitziehe. Er spricht die Ueberzeugung aus, daß aus dem Klub einst Männer hervorgehen werden, die als Männer zur Wiederbelebung des Judentums alle Kräfte benützen werden. Die Rede ist von der Hoffnumj durchwebt, daß sich die Lage der Juden bessern werde durch das Zuwn der Juden, wie mrch durch den Fortschritt der Menschheit. Der Jugend aber sei das größte Verdienst gezollt, denn für sie gelte der Ruf Zacharias: „Du wecktest deine Söhne, Zion!" Aus dem bescheidenen Chanukah sei eine Institution zur Hebung und Kräftigung der Judenheit geworden. „Im Judenttim bricht ein neuer Tag an." so schloß der Herr Professor seine Rede, dafür liege die Garantie im gemeinschaftlichen Enthusiasmus der Jugend und der Alten. Die Rede machte tiefen Eindruck und wurde von langanhaltendem Beifall begleitet. Es sei nur erwähnt, daß Dr. Schivarz der Initiator der Feierlichkeit ist. Nun folgte eine kurze Ansprache des Präsidenten Maturanden Wohl, worauf der Vizepräsident Stephan Deutsch seinen Vortrag über den „Exodus des Juden aus Spanien" hielt. Der wunderschöne Vortrag, besonders die Einleitung und das Ende-, sowie die kühne Offenheit gereicht dem Vortragenden vollkommen zur Ehre und fm»d auch den verdienten Beifall. Hiermif las das Mtglied Leo Stern, ein Sextaner,"'feine Novelle „Die Opfer", die zart und schön verfaßt ist und zu großen Hoffnungen berechtigt, worauf Mitglied Göttlich sein Gedicht „Des Propheten Vision" rezitierte, das besonders dadurch wirkte, daß es von echt üdischem Geiste durchweht ist und nichts von Effekthascherei zeigt. Es braucht nicht erwähnt zu werden, daß diese Arbeiten den verdienten Beifall fanden. Den Glanzpunkt des Festes und den Höhepunkt der Begeisterung bildete die Deklamation von Morris Rosenfelds „Sturm" (ins Kroatische übersetzt von stud. juris Alexander Licht) un-d deklcmckert vom Mitglieds Rosen- ,t h a l. Die Antvesenden waren hingerissen von der Macht und Schönheit dieses Gedichtes, das in der Uebersetzung :wch so stm'k wirkte, daß der Uebersetzer allgenrein beglückwünscht wurde,. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß sich auch die Tamburaschen des Kubs, durch schönes Spielen die Jntennezzi stillend, rühmlich hervortaten. Der Feier tvohnte ein distinguiertes Publikum bei, ich erwähne nur die besonderen Gönner des Klubs: Oberrabbiner Dr. Jacobi. Kultusgemeindepräsiden-- Siebenschen und Vizepräses Dr. Goldmann. Drohobycz. (Auszeichnung.) Das Obersthofmeisteramt des Kaisers hat der Firma A. H. Z u P n i k, Bucydruckevei m Drohobycz, den Hoftitel als „k. u. k. Hoflieferant" verliehen. Marienbad. (Bereinsgründung.) Am 13. d. M. fand'Hierselbst die Gründung des Zweigvereines des „Hilfsvereims für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien" statt, welcher den Namen „Ortsgruppe Marienbad und Umgebung" stihrt um die Aufgabeort, die Zwecke des Hilfsvereines sotvohl den Einheimischen