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Jüdisches Volksblatt · 1904-01-01 · 1 (1.1.1904) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
1 (1.1.1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 1. Jänner 1904 Nr. 1 bleiben. Sie werden denn von je ztvei Gorodowois bewacht, wählend Polizeifrauen an ihnen eine Untersuchung ohne jegliche Zeremonie vornehmen. Diese ist so gründlich, das; sogar die Mcttratzen aufs sorgfältigste untersucht werden. Dann wird unter dem Kommando des Nadsiratel das Mobiliar bis in die winzigsten Schubfächer in Augenschein genommen. Bücher und Papiere ivcrden in Säcke gepackt, mn am folgenden Tage von der Polizei in Ruhe gesichtet, werden zu können, Dielen anfgerissen, Schränke und Tische nach „doppeltem Boden" untersucht. Wenn mau nun in dieser Weise drei volle Stunden in der Wohnung gehaust lind ivie getvöhn- Ht$ nichts gefunden hat, mn eine Verhütung rechtfertigen zu können, gibt der Leutnallt den Befehl zum Abrücken, den Hausherrn mit nichtssagenden Redensarten um Entschuldigung bittend. Wie wirkt nun aber eine solche .Haussuchung mtf die Frauen und Mädchen? Sie erkranken infolge der Aufregung und der ausgestandeneu schmachvollen Unbilden nicht selten, oder tragen eine Erschütterung des Nervensystems davon. Daß bei solchen Verhältnissen, schließt der Brief, jeder Handel und Wandel stockt, ferner z. B. Aerzte ohne Praxis bleiben, weil aus der Umgegend niemand mehr aus Furcht vor beu an die Wand gcrnalten Schrecknissen zur Kllr nach der Stadt kommt, ist leicht er- . klfixlich. Wer es nur irgend ermöglichen kailn, kehrt Homel für immer den Rücken; täglich wandern Dutzende Juden mls. Zlim größten Teil gehen sie nach Amerika, einige auch nach Palästina. * Die Charkvwer Konferenz, über die wir schon in der vorigen Nummer berichteten, faßte sehr weitgehende Beschlüsse. Die „Welt" ber-chtet darüber folgendes: Natürlich fehlte es auch nicht an den Forderuogen der alten Chechewe Zion. Die Eharkower-Konferenz soll nickt nur einen Teil des alten Programwes derselben in offenbarem Geg-nsotze zum Kongresse der politischen Zionisten akzeptiert, sondern diese Forderungen ebrnfalls als conditio sine qua non ihrer ferneren Anteilnahme aufgestellt haben. Zur Realisierung dieser P-ojekre sollen nach dem Wunsche der Charkower Separatisten Bank- und Nationalfonds herangezogen werden. Zar Ausführung der Pläne von Charkow sollen die Schekeleingänge nickt mehr nach dcm üblichen Modus an die Leitung abgeUefert werden, sondern zum größeren Teile für die russlsckeu Rayonvorsteher verbleiben. Außerdem soll ein größerer Betrag, man spricht von einigen tausend Rubeln, für Ing. U s s i s ch k i it für das für Reisen und Verhandlungen bestimmte Mitglied, und ein weiterer Betrag für Dr. Weitzmann, für Agitationen oller Art im Auslande bestimmt worden sein. Alles dies und noch einiges mehr, so beschloß man in Charkow, solle als Ultimatum durch eine hiezu gewählte Delegation Dr. Herz! überreicht werden. Sollte sich Dr. Herzl fügen, dann solle er unter der von der Konferenz beschlossenen Ueberwachung weiter an der Spitze bleiben. Sollte er aber das Ultimatum ablehnen, dann sei die Delegation beauftragt, eine Konferenz der russischen A.-C.- M'tglieder einzuberufen^ dann solle in Rußland und besonders auch außerhalb Rußlands der Kampf gegen ihn organisiert Werden." * Die Verhaftung des Advokaten Sokolow in Kischenew. lieber hie plötzliche Verhaftung des russischen Advokaten Sokolow, welcher im Prozesse gegen die Judenmörder in Kischenew als Anwalt der Beschädigten eine hervorragende Rolle spielte, liegen folgende Unwillkürlich fiel mir beim Lesen seines Buches ein Bild ein. das in der letzten Ausstellung des Künstler- Hauses zu sehen war. Es trägt denselben Namen wie die Studie Heijermanns: Sabbat h, von Nikolaus Sch a l te n ste i n. Sabbath in der Hütte eines polnischen Juden. Auch hier wird nichts erheuchelt und beschönigt. Ein ärmliches Gemach, ein Tisch, auf dem zwei Kerzen, eine Lampe und Gebetbücher sind, an dem Tisch sitzt ein älterer Jude, im Lesen der Bib-l versunken, ihm gegenüber seine Frau, die ihn zärtlich anblickt. Auf dem Tische liegt ein schlafendes Kätzchen — Sabbathfrieden. Sonst nichts. Wie gesagt, es ist nicht die Prinzessin Sabbath, sie Heine besingt, sondern der Sabbath in der Hütte eines armen, polnischen Juden. Aber trotzdem ist dieses Bild ein ungewollter, aber lauter Protest gegen den Sabbath Heijermanns. Der Sabbath bedeutet heute für den Juden, der an der Ueberlieferung festhält, doch noch etwas anderes als das Schmatzen einer guten Suppe, wie uns Heijermanns glauben machen will. Das muß in aller Ruhe und bei aller Anerkennung der Meisterschaft, die Heijermanns in der Detailmalerei entwickelt, getagt werden. Legen Sie ihre Assimilationsbrillen ab, Herr He'jermanns, und Sie werden nichts von Ihrer Künstler» schast, aber viel von Ihrer dick ausgetragenen Tendenz verlieren. Es gibt wohl Z e l i k s und M a u p i e s, aber es gibt doch nicht nur Zeliks .und Manpies. Und dann sollten sie doch ein Moment dabei verweilen, wie aus glaubensstarken Vollmenschen Zeliks und Manpies wurden. Heijermann kennt aber außer dem Typ.: »Trödlerjude" nur den Typ.: Sozialdemokrat. Die Juden erscheinen ihm als eine Masse, die entweder stumpf in versteinerten Gewohnheiten, die in die moderne Zeit nicht hineingehören, vegetieren, oder brüsk alles Jüdische von sich werfen, das Judentum „überwinden" und sich mit Haut und Haaren der neuen Heilslehre, der Sozialdemokratie. verschreiben. Ein Drittes kemt Heijermanns nicht. Er kennt kein nationalesJudenlum, das zielbewußt an der Wiedergeburt dcs Volkstums baut und dem das „Lesen der wildjüdischen Abenteuer früherer Jahrhunderte, das Groteske eines st-eitbareu Männervolkes, so wie es aus den Büchern Mvsis sprach, das Ringen der sechsmalhu»derttausend aus Egypten Freigelassenen" nicht ungläubig den Kopf schütteln läßt. Die Wiener werden Gelegenheit haben, binnen kurzem HeljermannS. dessen „Hoffnung auf Segen" sie bereits kennen, wieder auf der Bühne mit einem für ihn mehr charakteristischen Stück zu sehen, da sein „Ghetto" von der Zensur sreigegeben wurde. Leo Sofcr. Einzelheiten vor: Dr. Sokolow, einer der hervorragendsten russischen Juristen imb Redner, hat noch vor Beginn des Prozesses in Kischenew ein reiches Material über die Entstehung der Exzesse gegen die Juden gesammelt. Ans diesem Material ersah Sokolow init Bestimmtheit, daß die Exzesse gegen die Juden in Kischenew unter der Leitung des ans Petersburg in Kischenew wenige Monate vor Anspruch der Exzesse eingctroffenen Gendarmerie-Obersten Baron Lewcndal von langer Hand vorbereitet und inszeniert wurden. Es stellte sich heraus, daß Baron Lewcndal während seiner Anwesenheit in Kischenew einen ganzen Stab von Geheimagenten hatte, trelche offen und ungeschent gegen die Inden agitierten, über reiche Geldmittel verfügten und den Behörden von Kischenew nicht unterstanden, sondern selbständig agitierten. Bon diesen fctncit Wahrnehmungen hatte Sokolow dem Präsidenten des Gerichtshofes Mitteilung zn machen versucht, cjdesmal aber eine scharfe Zurückweisung gefunden. Nach Abschluß des Prozesses tauchte in Kischenelv allgemein das Gerücht auf, die Vertreter der jüdischen Beschädigten seien entschlossen, die Angelegenheit dem Petersburger Senat zil unterbreiten, um auf Grund der vom Gerichtshöfe zugelasscnen Gesetzesverletzungen die Annullierung des Urteils und die Zurückleitung der Angelegenheit an die Voruntersuchung zu erwirken. Einer der übcrzcugungstrcuesten Vertreter dieser Ansicht war Sokolow, von, dem mancher noch erwartete, daß es ohne Rücksicht auf seine einflußreichen Verbindungen in der großen Petersburger Welt gelingen werde, die dunklen Mächte aufzudecken, welche hinter den Coulissen der Judenmorde irr Kischenew standen, und die Aufmcrksamkit der maßgebendsten Persönlichkeiten auf die geheime Tätigkeit des Baron Lewcndal zn lenken. Diesem Beginnen Sokololvs scheint man dadurch zuvorgckommcn zu sein, daß man ihn einfach hinter Schloß und Riegel steckte. Gründe zu so einer administrativen Maßregel braucht man. in Rußland keine: Der russische Beamte ist allmächtig und alleinherrschend .... Zeitnnffsfcha«. Das „Alldeutsche Tagvlatt" leistet an Verlogenheit unter der antisemitischen Presse das meiste. Das will viel sagen. Mas der Cognac-Ritter aus Rosenau im Vertrauen darauf, daß sein Blatt außer getvissen mehr Merals ehrenfesten Tischrunden niemand liest (worin er sich auch nicht täuscht) an Lügen auftischt, ist einfach schamlos. Der deutsche Name wird durch dieses frivole und zynische Treiben direkt geschändet. Einen Beweis bietet folgende Berichttguug des „Alldeutschen Tagblatt": „Die gefertigte Staatsanwaltschaft ersucht um Veröffentlichung der nachstehenden amtlichen Berichtigung in der nächsten oder zweitnächsten Nummer des „Alldeutschen Tagblatt": «Die Folge 170 der periodischen Druckschrift „Alldeutsches Tagblatt" vom 25. Gilbharts (Oktober) 1903 brachte unter der Marke „Judenexzesse in Zablotow" die Nachricht, das amtliche Protokoll über die behördliche Untersuchung betreffs der Zablotower Exzesse erkläre am Schlüsse, daß diese Exzesse durch den Wucher und die Arroganz der Juden provoziert worden sind. Diese Nachricht ist vollständig unrichtig; die behördlichen Anzeigen und protokollarischen Aufnahmen enthalten hinsichtlich der Ursache der Exzesse keine derartige Feststellung. K. k. StaatscnUvaltschcrft Wien, am. 19. Nov. 1903. Der k. k. 2. Staatsanwalt: .Dr. Bobics." - '/ " Die Prager „Bohemia" brachte vor kurzem folgenden Brief Theodor Mommsens an einen Herrn Dr. E. L., der diesen der „Bohemia" zur Veröffentlichung übergeben hat: Geehrter Herr! Was soll ich Ihnen auf Ihre Frage antworten, als was hundertmal gesagt ist ltnb immer vergeblich? Meine Ansicht der Judenfrage darf ich Ihnen als bekannt voranssetzen. Inwieweit die Juden eine besondere Nationalität innerhalb der Deutschen behaupten wollen — und Sie wissen, daß das nicht wenige tun — sind sie selbst schuld an den Konsequenzen, die dann, wie immer, alle treffen und die am meisten, die es am wenigsten verdienen. Wer innerhalb einer fremden Natton lebt, soll nph muß sich ihr assimilieren; und das Widerstreben gegen diese Notwendigkeit ist ebenso widerrechtlich, wie das Zurückweisen derer, die sie gelten lassen wollen. Daß die Barbarei, womit dies jetzt geschieht, ebenso schrecklich, wie der deutschen Sache schädlich ist, ist ebenso sichere wie vergebliche Rede. Wenn irgendwo und irgendwie Juden und Deutsche gemeinschaftliche Sache machen sollten, so wäre es in Oesterreich. Aber wer kann es ändern? Sittliche Epidemien sind noch inkurabler als physische. Ergebenst Mommscn, Charlottenburg, 17. November 1897." — Dieser Brief Mommsens ist ein neuerlicher Beweis dafür, das; der berühmte Forscher trotz seiner Bedeutung auf seinem Gebiete der nationalen Frage nicht das richtige Verständnis entgegcnbrachte. Er hat dies nicht nur in der Judenfrage, sondern auch in der Frage der Stellung der Slaven in Deutschland und Oesterreich bewiesen. Sein Standpunkt war „Neue Freie Presse". Das sagt alles. Wenn aber die „Tante B o h e m i a" glaubt, durch solche Stimnren aus dem Grabe der altersschwachen Kasiuotenpartei auf die Beine zu helfen, irrt sie sich gewaltig. Heute sehen alle Judeit, die nicht borniert sind oder durch materielle Interessen niit dem Kasino verbunden sind, ein, daß das K a s i n o t e nt u m die A l t e n betörte, die Jugend ihrem Volke entfremdete und über alle Juden den Boykott der Tschechen heran f b e s ch w o r. Werm es sich um die Steuerleistung der Deutschen und daraus folgende politische Pretensionen handelt, dann sind die Juden gut genug, als Deutsche zu figurieren. Wenn aber der Jude in Böhmen bei deutschen Anstalten welchen Charakters immer kompetiert, dann dreht sich das Blättchen um und mau sagt ihm: b u b i st gar fein Deutscher, d u bist ein Jude.! *! Sixtus der Vierte gegen die „Künftlerkarten" milder Trientiuer Ritualmordlegende. In München hat man vor kurzem beu — durch die Konfiskation verhinderten — Versuch machen wollen, für den Ritualmord durch eine Postkarte Stimmung zu machen, die nach in Trient noch vorhandenen Abbildungen die „rituelle Tötung des Beato Simonio" von Trient darstcllt. Mm: kann sich in der, leider so zahlreichen, Literatur darüber unterrichten, wie diesem Blutmärchen infolge der durch unerhörte Folterungen der Inden erzwungenen, aber stets sofort tviderrufenen Geständnisse weithin Glauben geschenkt tvurde, obwohl der Bischof Hinderbach von Trient in einem Briefe au den Papst die Folter als Ursache der Geständnisse betont hatte und der kleine Simon erst an Ostern und nicht vor Oestern verschwand, womit auch die antisemitische Begründung hinfällig wurde. Nicht bekannt tvaren aber bis vor kurzem die von , Sixtus dem Vierten gegen den Trientiner Aberglauben und seine , furchtbaren Folgen ergriffenen emrgischen Maßregeln. Der a«S- ■ gezeichnete italienische Kunstgelehrte Corvado Ricci, der jetzt als I Direktor der Uffizien nach Florenz berufen ist, hat in der Fcbkmtknummer 1901 der italienischen in Bergamo erscheinenden Künstzeitschrift „Emporium" einen Aufsatz über den Beato Simonino" veröffentlicht, in dem er seiner Entrüstung und seinem Grauen vollen Ausdntck girrt und die viel später entstandenen Abbildungen, die jetzt noch in Trierit zu sehen sind, sowie einige der im Jahve 1476 verbreiteten und jetzt neugefundenen Hetzbilderchen wiedergibt. Möglichertveise hat er dadurch ganz unabsichtlich die vom StaatSatttvült in M'inchen konfiszierte „Künstlerkarte" eingegeben. Zugleich gibt ec aber erstmalig ein Rundschreiben des Papstes Sixtus des Pftrttn, tvorin jedermann verboten wird, über Simonino zu predigen, zu schreiben mtd Abbildungen zn verbreiten. Der Doge Pietrp Mveenigv von Venedig beeilte sich, das päpstliche Breve an alle PodestaS und Capitani der Republik weiterzngeben; und ein Exemplar davon, das sich unter Nr. 724 der „Lettere DUcM" in der Bibliotheca Classense zu Ravenna befindet, ist das ttlvähnte, das wir it: seinem lateinischen Text hier wiedergeben: „Petrus Mozenigo Dei gratia dux Venetiarum Nobilibus et Sapientibus viris Antonio Marcello de suo mandato potestäti et Capitaneo Raver.nae et successoribus suis fidelibus dilectls Salutem et dilectionis affectum. Scripsit summus pontifex Omnibus dominis et potentibus breve, per quod declarat et jubet sub poena excommunicationis ut puer ille qm Trident! a judeis interfectus dlcitur pingi non sinatur, neque lila res a scriptoribus imprimi aut predicatoribüs diffatiiari instigarique vulgus contra Judeos ab ecclesia toleratos in testimonium dominicae passionis, donec Serenitas sua eruta et investigata veritatö deliberet quantum sibi ad quem haec unice spectant vidfeatur.“ Es folgen Ausführungs- und Strafbesttmmrmgen, der italienische Text, der Text des Anschlages an den öffentlichen Stellen usw. Das Datum des Rundschreibens des Dogen ist der 8. November 147h, dasjenige, an welchem der Stadttrompeter und Herold von Ravenna es anschlug, ist der 23. Dezember. Der Satz über das Breve des Papstes lautet in Uebersetzung: „Der Papst schrieb an alle Fürsten und Herren ein Breve, in dem er erklärt und unter der Strafe der Exkomnmnikatton befiehlt, daß jener Knabe zu Trient, von dem man sagt, die Juden hätten ihn getötet, nicht abgebildet tverden darf, und daß darüber nichts geschrieben und nicht gepredigt werden und das Volk nicht gegen die Juden aufgehetzt werden darf, welche die Kirche zum Zeugnis der Passion unseres Herrn toleriert, bis Seine Heiligkeit, nachdem die Wjayrheit erforscht und ans Licht gebracht, in einer Sache, die Sie allein angeht, nach Belieben entschieden hat." Bei diesem Verbot der „Künsilerlkarten" durch Sixtus den Vierten aus dem Hause Rovere ist es geblieben. Damals wurden alle Abbiltnmgen, deren man habhaft werden konnte,./vernichtet. Aber immer wieder versuchen es. die Hetzer^von^nemm, und da die unfehlbaren Jßäpste in diesem Falle ihren heftigsten 'Änh'ängem nichts sagen können, muß der Staatsanwalt Kgöü die Hetzereien in Anspruch genommen werden. * Posen. Wie notwendig und nützlich die Ueberwachung der antisemitischen Presse ist, geht aus folgender Mitteilung des polnischen Blattes „P oste p" hervor: „Am 30. September dieses Jahres wurde vor dem Schöffengerichte gegen den verantwortlichen Redakteur des „Postep" Herrn E. Olejniezak verhandelt, der vom Kaufmmtn Ehrcnfried ans Wreschen wegen Beleidigung angeklagt wurde.E Seinerzeit brachten lvir nach dem Graudenzer Blatt (Gazetia Grudziadzka) die Nachricht, daß Ehrenfried auf der deutschen Wahlversarnmlnng in Wreschen feindlich gegen die Polen aufgetreten sei. Herr Ehrenfried verklagte den „Postep" solvie andere Zeitungen, tvelche eine solche Nachricht brachten. Alls Grund der Zeugenaussagen verurteilte man ttotz der geschickten Verteidigung des Anwalts Chrzanolrski unfern Redakteur zn zwei Wochen Gefängnis. In derselben Gelegenheit wurde der Redakteur des „Wielkopolanin", Herr Szmyt nur zu 60 Mark Strafe verurteilt, weil seine Korrespondeitz gelinder abgefaßt tvar. Mögen dies imsere Korrespondenten sich zu Herzen nehmen, rmd sich, bevor sie uns über eine Angelegenheit berichten, von der Wahrheit überzeugen." — In einer späteren Nmnmer wiederholte der „Postep" dieselbe Bitte und fügte hinzrt: „Unsere Korrespondenten ersuchen wir, daß sie besonders in jüdischen Angelegenheiten nits die reinste Wahrheit berichten , und nichts übertreiben. Manche Korrespondenten ärgern sich sehr, wenn man ihre Einsendungen nicht veröffentlicht, bedettken aber nicht die schlimmen Fola^n, welche für das Blatt entstehen können. Man muß nämlich hierbei wissen, daß die Juden sich bei einer Veröffentlichung von Berichten über sie, die sie im unvorteilhaften Lichte erscheinen lassen, sehr gereizt fühlen. Sie haben eine besondere Vereinigung, tvelche die für sie rmgünstigen Noiizen sammelt, und tvenn der geringste Schatten einer Beleidigung vorliegt, sofort die Erhebung der Klage veranlaßt. Mögen unsere Leser bedenken, daß es Schade mn die Kosteir ist, denen die Redaktion in solchen Fällen ausgesetzt ist. Obtvohl tvir ein. antisemitisches Blatt sind, so wollen wir doch nicht gegen einzelne jüdische Persoiten mls Grund einfacher Beschuldigungen Vorgehen. Das wäre sehr ungerecht; solche Unhill fügt inan auch einem Inden tticht zu. Es ist Ueberfluß an Material gegen die Inden, mib man braucht nicht irach unglaubwürdigen und übertriebeileu Nachrichtenzu greifen. Wenn ein Blatt schon manchesmal den Nacken Hinhalten muh, muß schon die Sache entsprechend so wichtig sein, daß aus ihrer Beleuchttmg ein allgemeiner Nutzen zil ziehe,: ist und daß es lohnt, Kosten uird Mühe zu opffrst." — Dieser Einblick in die Werkstatt des polnischen Änttsemtnsmüs ist recht lehrreich! Chronik. Httlatth. Die öffentlichen Bortrüge der Wiener Kultusgemeinde. Den zweiten Vortrag in der von uns bereits angekündigten Bortmgtzserie der Wiener Kultusgemeinde hielt mn 23. d. M- Herr Rabhin'er Dr. David F e u ch t w a n g über Mailasse benJ s rae l. Wir müssen zunächst den lvohtttlenden Unterschied hervorhehen« der zwischen dem ersten und dem ztveitel, Vortrage sowohl in der WM als mich in der Auffassung des behandelten Stoffes liegt. Es ist imleugbar viel schlverer, innerhalb einer Stllnde ein markantes, jedem sich eiltprügendes Charakterbild eines hervorragenden Mannes;u bieten, als mit seinen Betrachtungen in einem Zettmeer von Jahrhunderten henmtznsckitvinnnen und drlrch TaucherruNste da und dort zu verblüffen. Es wäre allerdings zu tveit gegangen, wollten wir behaupten, daß es Dr. Feuchtlvang gelungen sei» haS MgrakWrbild Mmtasse ben Israels so scharf zu zeichnen, daß der Zuhörer auf

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