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Jüdisches Volksblatt · 1904-01-01 · 1 (1.1.1904) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
1 (1.1.1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Kr. 1 Wien, Freitag Jüdisches Tolksblatt. 1. Jänner 1904 SettsS i;■ Aus Rußland. Kttfsische Juden als Goldmimuarveiter. In den südaferkauischen VWtern zirkuliert jetzt folgendes offenes Eckvtztben: „An den Präsidenten dev Native Labour Association Johanuisbourgh, Transvaal, Südafrika. Mein Herr! Ich beehre mich, Ihnen im Namen des Jüdischsen Em-igrationskomitees hiermit anzubieten: Erstens hunderttausend junge russische Juden im Alter von 36 Jahren als Arbeiter in den Gold- und Diamantengruben. Zweitens : Ich liefere Ihnen diese Arbeiter innerhalb sieben Monaten von hem Tage an gerechnet, an welchem der Vertrag mit un8 in Europa unterfertigt wird. Drittens: Sie haben den Emigranten vier Wochen als Vorbereitungsfrist und Reisedauer zu gewähren. Viertens : Sie verpflichten sich, jedem Arbeiter einen Monatslohn von 2 Pfund Sterling zu sichert. Fünftens : Die Verköstigung und- Wohnung der Arbeiter tragen die Minenbositzer. Sechstens: Dev Vertrag soll auf die unkündbare Dauer von 3—5 Jahren abgeschlossen werden. Wird vor Ablauf dieser Frist von keiner Seite eine Einwendung erhobeu, bleibt er von selbst für eine weitere ebensolange Frist rechtskräftig. Siebtens: Wir liefern Ihnen die Arbeiter ab Durbau oder eine andere, in der Nähe des Hafens gelegene Ortschaft. Sie gewähren jeden: Arbeiter fünfzehn Pfund Sterlinge als Reisekosten, wovon je fünf Pfund den Arbeitern! bei ihrer Einschiffung in Hamburg und die übrigen 10 Pfund nach Aulaugen in: ersten südafpika ui scheu . Hafen eingehändigt werden müssen. Achtens: Die jüdischen Arbeiter dürfen nicht, gemeinsam mit Chänefen!, Indianerin, Koffern und anderen Farbigen zur Arbest eingereiht werden. Neuntens: Die gute Behandlung der judischeu Arbeiter muß besonders garantiert werden. Zehntens: Zn gleicher Zeit mit dem ersten Kontrakt auf hund'erttanstnd jüdische Arbeiter erhält! der llnterzeichucke W. Lewison einen Optionsvertrag auf Absc-uduug von weiteren jüdischen Arbeitern unter denselben Bedingungen. Die schriftliche Zustimmung zu unserem Vorschläge ist an Herrn Krame,. Postkasten Nr. 3973, Johannisbourgh, abzustnden. und soll eine Londoner Firma seitens der Gesellschaft mit der estdgiltigeu Abfassrrng des Vertrages Bctrciitit' Norden'. Berlin, den 14. November 1903. Ihr ergebenster W. Lckvisou. — Hiezu bemerkt der Johannisbourghier Korrespondeniil dies „Freund": 1. Das Arbeiten in Gold- und Diamanteirgruberr bedenket genau so viel, wie zur Zwangscrrbeft verschickt werden, oder vielleicht noch! schlimmer, einfach Mendig be,graben sein. 2. Kann durch! solche Arbeit nichts anderes erreichst worden-, als ein sicheres Dahinsiechcn. 3. %. Pfund Sterling pro Monat ist ebensoviel, wie ein Rubel in einer jüdischen Siädt in Rußland. Man darf mchit> vergessen, daß in Transvaal alles furchtbar teuer ist unÄ^wei Pfund Sterling kaum, firv'SWHe und Kleidrmg'- htnirieilchtt. 4. Dost und Wohnung in den Minen heißt, in einer elenden Hütte, abgeschieden von der ganzen Welt, wie in einienr Gefängnis leben. Und die Kost! besteht aus giner Art Bvei, die ein Europäer überhaupt nicht genießen kann. 6.-Me Garantien! für die menschliche Beihandlung der Arbeite sind nichts als ein leeres- Wort, um das man sich! hiemWnde -erfahrungsgemäß nicht! kümmert. 6. Das Schlimmste an der Sache ist aber, daß es beni russischen Juldensienäu so ergehen wird, wie! den.Negern, daß sie nämlich nach Ablauf ihres Vertrages ihre Pässe zurück erhalten und gezwungen werde::, das Land zu verlassen, indem man ihnen nicht einmal das Recht einräumen wird, als freie Bür-- gor in Transvaal leben zu können. * In den letzten zwei Monaten tvurden in Rußland drei politische Prozesse geführt, in denen ausschließlich Juden angeklagt waren. Es handelt sich gegenwärtig darum, den „Nachweis" zu erbringen, daß die heftige revolutionäre Strömung, die den ganzen Regierungsbau erschüttert, von den Juden erzeugt sei. Diese Behauptung ist vom Minister selbst ausgestellt worden und die Beamtenschaft bemüht sich natürlich eifrig, ihrem Chef das entsprechende Veweismaterial zu liefern. Dazu waren nachweislich auch die erwähnten drei Prozesse bestimmt, die in Minsk, Kowno und Odessa verhandelt wurden, und über die aus Petersburg geschrieben wird: In den ersten beiden Prozessen hat die Administration eine klägliche Niederlage erlitten, denn sämtliche Angeklagten wurden vom Gericht freigesprochen. Freilich hat sich die Gendarmerie durch -diesen Mißerfolg nicht einen Augenblick einschüchtern lassen: Sie hat die Freigesprochenen gleich auf der Stelle/ im Gerichtssaale, wieder verhaftet. Der Vorsitzende des Gerichtes wandte sich nach Verkündigung des Urteils an die Angeklagten und erklärte ihnen: „Sie sind nun'freil" Da.stand der Chef der lokalen Gendarmerieverwaltnng auf und nahm die Freigesprochenen fest. Sie werden nun wohl auf administrativem Wege verbannt werden. Wir haben also das höchst seltsame Schauspiel vor uns: die Justiz erklärt „im Namen Seiner Majestät", daß die Angeklagten unschuldig sind, und die Gendarmerie verbannt sie „auf Allerhöchsten Befehl" nach Sibirien. In Odessa hatte die Administration mehr Glück mit ihrer Anklage. Sämtliche sechs Angeklagten wurden schuldig erkannt und zur Verbannung nach Sibirien „auf ewige Zeiten" verurteilt. Die Einzelheiten der Gerichtsverhandlung, die hinter verschlossenen Türen stattfand, sind nicht bekannt. Wir besitzen nur die Verteidigungsrede des Hanptangeklagtcn Leon Goldmann und einige Auszüge aus den Reden der Verteidiger, die in der russischen sozialdemokratischen Presse veröffentlicht worden sind. Der Hauptinhalt der Rede Goldmanns ist folgender: Er bekennt sich für schuldig, in Kischenew eine Geheimdruckerei errichtet zu haben znm Zwecke des Druckes'verbotener sozialdemokratischer Schrifteu, hingegen weist er die Anklage der „Aufreizung zum Aufruhr" zuj rück. Das Ziel der russischen Sozialdemokratie sei zunächst lediglich die Einführung einer demokratischen Verfassung, die von allen Schichten der Gesellschaft gewünscht iver.de und allein imstande sei, die äußerst traurige materielle Lage des russischen Volkes zu ver-; bessern. Unter dein gegenwärtigen Regime hätten die Arbeiter ein erbärmliches Dasein und die Bauern würden geknechtet und schimpflich behandelt, die Hungersnot sei eine ständige Erscheinung geworden. Das Volk brauche'zu seiner Rettung die Freiheit der Selbsthilfe und der Selbstentwicklung und zur Abwehr der administrativen Willkür die Freiheit der Presse und der Rede. Er und seine Partei seien Gegner des Terrorismus; sie hätten daher bewaffnete Aufstände bisher in keiner Weise organisiert, sie hätten nur für ihre freiheitlichen Ideen'Propaganda gemacht. Goldmann erläuterte dann die Verhältnisse-, durch welche die Juden in die revolutionäre Bewegung hincingpdrängt werden. Er zeigte, wie die Juden durch die Maßnahmen der Negierung vom Kindesalter an in das Lager der Feinde des herrschenden Regimes gedrängt werden, da den jüdischen Kindern das elementare Recht auf Bildung "verweigert 'wird. ■- Er selbst.häbn Mögen, seiner. jüdischen Herkunft außerhalb der Schule bleiLgn müssen. Die russischen Juden, die, ihre Heimat lieben und Rußland, als ihr Vaterland ansehen, könnten nicht dem Rate folgen, in fremde Länder einzuwandern, sie hätten tatsächlich nur die Wahl -zwischen einem elenden Untergänge und einem mannhaften .stampfe für die Freiheit Rußlands und die Rechte aller Bürger. > Diese Rede Goldmanns übte anscheinend eine gewisse Wirkung auf die Richter aus. Denn sie lehnten den Antrag des Staatsanwaltes auf Verurteilung zur. Zwangsarbeit ab und verurteilten Goldmann gleichwie seine Mitangeklagten „nur" zu lebenslänglicher Verbannung nach Sibirien. — Herr Meilen ko, der Chef der Polizei von Bialostok, der vor kurzem von einem Manne angegriffen wurde, dem es zu entkommen gelang, behauptet, mit Sicherheit erkannt zu haben, daß sein Angreifer ein Jude war, und daß sein Entkommen von Personen» die dem Angriff zusahen, unterstützt wurde. Das Attentat auf den Polizeichef wurde bei hellem Tage ausgeführt, ohne daß diö Zuschauer den Versuch machten, einguschreiten. — Eine Folge des Mschenewgemetzels scheint die zu sein, daß man in Rußland den jüdischen Rekruten nicht ganz traüt Und sie von Garnisonen fernzuhalten bestrebt ist, in denen die jüdische Bevölkerung besonders hervortritt. Bisher wurden die jüdischen Rekruten aus den größeren Städten des Südens meistens nach Kischenew gebracht. Jetzt hat man aber in Odessa und Kiew den Befehl erhalten, in Zukunft keine jüdische Rekruten in solche Garnisonen zu senden, die der Schauplatz von Unruhen waren. Statt dessen werden die Rekruten nach Warschau, nach dem Kaukasus und nach dem fernen Osten ybgefchoben werden. Die russischen Militärbehörden machen den bei der Fahne dienenden Juden, besonders so weit sie aus den Städten kommen, den Vorwurf, im russischen Heere in sozialistischem und revomutionärem Sinne zu wirken (?). — ließet den früheren Herausgeber des antisemitischen Hetzblattes „Bessarabetz" in Kischenew und jetzigen Redakteur der in Petersburg erscheinenden, ebenfalls antisemitischen „Snamja" bemerkt die „Peterburgskija Wjedomosti" folgendes: Die untergehende „Snamjä" schreckt vor sensationellen Enthüllungen nicht zurück. Es erweist sich, daß sie in der letzten Zeit von dem Gelde existiert hat, das ihr von Ssuworin selbst (unter liebenswürdiger Vermittlung des Herolds der lieberalen Wahrheit und Liebe . . . M. O. Menschikowil) ausgeworfen wordenl?l Zu welchem Zwecke es geschehen, ist Wohl klar. „Große Erkenntlichkeit sei den Ssulvorin für jene guten und ermutigenden Gefühle, die ich dank ihnen durchlebt habe!" ruft Kruschewan heute aus. Das ist von ihnen im Geheimen getan worden, seltsamerweise kommt es aber jetzt ans Tageslicht. Ist der Kredit vielleicht erschöpft? Herr Ssnworin ist bekanntlich der Herausgeber der „Nowoje Wremja", welche häufig so tut, als ob sie in nahen Beziehungen zur russischen Negierung stehe. Einen Homeler Brief, datiert vom 6. Dezember, veröffentlichen die „Pos. N. Nachr." Es heißt darin: Wer die letzten vier Monate in Hömel gelebt hat, der hat gewiß, mag er noch so eisenstarke Nerven besitzen, einen guten Teil seiner Gesundheit zufetzen müssen. Denn die Schreckenstage des September und die seitdem, nicht endenwollenden Ankündigungen von neuen Judcnmetzeleien haben bei niemand, auch nicht bei dem Stärksten, ihre Wirkung auf das Nervensystem verfehlt. Man irrt ganz und gar, wenn mmi glaubt, daß etwa die Kischcnewcr Gerichtsverhandlungen die Bevölkerung einschüchtern. Im Gegenteil, wir leben jetzt hier wie auf einem Vulkan: Das Verhältnis zwischen Juden und Christen ist ein derartig feindseliges geworden, daß man sogar aufgehört hat, sich auf der Straße, wie üblich, zu begrüßen und bei etwaigen Zusammenkünften die Hand zu reichen. Das bedeutet für den Russen das Zeichen der tiefsten Verachtung. Zu jedem Montag, allwöchentlich, wird nach berühmtem Septembermufler ein neuer Krawall angekündigt, gleichzeitig mit der Drohung, daß das Septemberprogramm nur ein'Kinderspiel, ein kleines Vorpostengefecht gegen das jetzt kommende 'fern wird.' Geradezu entsetzlich wirken die fortwährenden nächtlichen Haussuchungen nach * Waffen bei den hiesigen jüdischen Bürgern...-.Mm: muß . es miterleben, um sich ein Bild davon machen zu können: Nachts 2 Uhr wird ein Haus plötzlich von einer Abteilung Militär umstellt. Es wird gewaltig an der Glocke gerissen; man öffnet, und ein Dutzend Gorodowois (Schutzleute) mit einem Nadfiratel (Polizeiunterleutnant) an der Spitze treten dem Oeffnenden entgegen, der Nadsiratel ersucht in wenig höflichein Tone den Hmisherrn, sich gegen die beabsichtigte Haussuchung nur ja absolut passiv zu verhalten. Den Frauen und' Mädchen wird befohlen, in ihren Betten zu einem neuen.- Dorfe a,ufschlug., und darum brachte er sie auch fließend, aber ohne Ton, wie! ein Kind sein Par-a.degedicht, vor.. Dam: beganndas Schauspiel. Er stemmte Gewichte und ei-ferne Kugeln, und warf sie m die Höhe, um sie wieder! bei der Handhabe zu fassen.. Er legte sich'platt auf die Erde! hin und brachte sich! nmhsmn.Kcklings zun: Kopfstand. Er steckte drei lange Messer . übersmander und bälaucterke sie auf der Spitze des unterste. Und das alles geschah unter lautem Jubel der jungen Zuschauer. Nach einer kurzen Panse kam er wieder und führte anajeder Hand ein Kind, rechüs ein, Mädchen und links einett-Knaben. Das Wawi: seine Kinder. Das Mädchen möchte acht Jahre zählen!, der. Knabe etwas weniger. Sie tWOT- 3art und schlank und trugen rote Trikots. Das Mädchen.hatte helle Augen, die froh rundum blickten; dabei fiel mir auf, daß es sich qcm) nicht schämte, trotzdem seine Anne und die Brust oben, nackt wären. Die Geschwister tanßteU einen, zierlichen Tanz, haut! an den Bänken vorbei, dann eng umschlossen! in der Mittel der Szene. Sie krochen newmA' auf die SchM-m des Vaters, das Mädchen rechts nnd derKnabe links, und Ludwig ließ jedes auf seine Hand gleiten und warf esdann in. die Höhe, daß es sich Wohl dreimal in:, Kreise drehte. Es war wie ein, rotes Rad, von. dem die Funken der tanzenden Qolflammen nach Een Setten, sprühten — gerade wie damals. als der Ochsenfuß die Straße entlang flog. Aber damals hatte em totes Bein, das- Rad geschlagen und heute imtf Ludwig seine eigenen Kindler in, der Luft. Das war gefährlicher itnfo gvanenhafter als damals. , Znm Schluffe sang das Mädchen noch ein Lied. Es erzciWe von, einem schönen, Weibe, das Räuber in, dunkler Nacht ans ihren:, Vaterhause in den Wald tragen. Der Führer ist ein schöner Jüngling und er will ihre Liebe. Sie M'äubt sich lange, gibt aber an einem stillen Abmd, da die Nachtigall rm Busch singt, seinem Drängen nach — und wird seine Frau. Das Lied haktle viele rohe Worte/ die in dem Mundo de's Kindes noch häßlicher klangen und dabei beg-teitete ,es feinen Sang mit erlernten Geberde::, derm Sinnlichkeit es selbst nicht verstand. l^ler Werkeln rann spielike sein lchtes Stück, die Kind!er Mingten lärmend zum Ansgang nnd Ludwig fewir, die Mnpen zu löschen. ii im i w n rnemm wwuMsnajwt?—wwa Ich trat ihm entgegen: „Erkennen Sie :mch noch? — Nun ja, es ist schon lange her, seitdem ich bei Bobe Bitt mit den Keulen gekämpft habe." Ich nam:te moinien Namen und er entsaun sich langsam auf unsere Bekanntschaft. „Wie ist es Ihnen seither! ergangen?" . . . Er schlvieg, als schäme er sich, alles zu sagen. „Nun, es ist ja einerlei", wir sind doch alte Freunde und es kommt selten vor, daß sich jemand an die guttz Zeit von damals erinnert. Ich wollte, sie wäre wieder da und ich könnte nochmals den Weg wählen. Damals habe ich nicht gedacht, daß es so kommen muß. — Sie wissen, wir sind in die Stadt! gegangen, meine Mutter, die Mirjam und ich. Die Mutter, ist ein Jahr darauf gestorben und ich Bin: :nit Mirjam, allein geblieben. Wenn ich recht gewollt häkle, wäre ichbaldin Stellung gekonuneu. Aber ich ivollte nicht. Düs Neue und das Große in« dev Stadt, hat mich an gezogen und sank gemacht. Ich bin in Wirtsstubengekommen und dort, vielen, schlechten Lenken begegnet: Nichtstuern, Gankleru, die das Leben uni. seinen Ernst betrügen wollen und dab-e-i selbst betrogen, werden. Und ich bin gejvorden jvie sie. Dann, Hab' ich an, einen: Abend draußen in der Vorstad-t am Bte-rtisch ein. Mädl kennen gelernt, ein kräftiges, frisches Ding nnd sie hat mich lieb gehabt. Das Bier, und der tote Tag, den tchj im Rücken hatte rmd den ich für den nächsten Morgen.wieder vor :::ir sah, haben uns zrlsanmwngefi'chrt. Wir haben so ein Jahr gelebt nnd ein Kind bekoinmen., das Mädl, das Sie vorhin gesehen haben. Dann ist sie nmine Frau geworden. Zuerfft ist es uns gut gegangen; sie hat eine fchön-e Stinnne gichabt und ich bin Athlet gewesen. Dann, hat sie die Stimme verloren und ich meine Kraft. Daran tvar rmser Leben schuld, die wachen Nächte und die toten Tage. So Hab' ich vor ztvei Jahren die" Bude arrfgemacht und wir ziehen in: Sommer'von Dorf zu, Dorf und' geben Vorstellungen und in: Winter sind ivir in der Stadt und Hunger:::, ..." Er lva-r sehr traurig geworden rrnd wandit'e sich Wieder zu den Lainpeu. „Und Jh>re Schwesijer, die Mirjam?" . . Du schwieg er.! Drei Wochen später erfrchr ich auch, wie es seiner Schlvester, der glnNngigen Mirjam, ergangen tvar. Sie kan: ins Dorf und bald wußte manin jeder Stube, was - ' sie in der Stadt trieb-. Sie tru!g vornehme Kleider und , gab viel undoffen Geldaus. Und sie schämte sich nicht, mit den: Zeichen der Sünde aus der Stadt in ihre kleine Hoimat zurückzukehren, wo ihr Vater auf dem. Fried- . Hof lag. Ihren Bruder, den, Komödianten, hat sie nicht mehr angetrofsen. Er war vor ihr ausdem- Dorf gegangen. M a x E: s l e r. .*) j Heijermantts ist ein Künstler in der Schilderung ' alles dessen, was in dem Leben der jüdischen Masse trostlos, i häßlich nnd abstoßend ist. Er malt gran in grau. Man könnte! einwenden. daß das Leben iw Gi'-etto so und nicht anders ist. : Das ist wabr und auch nicht tvabr. Ein Stückchen Glas, das ini Dunklen auf der Erde lieot, ist ein unscheinbarer Scherben, -der einem böchstens noch die Füße fttzr; fäll: aber die Sonne! darauf, so a>itzert er als ab er ein D arnarrt wwe. So i-^rmac: eine Schr-tztststterin, die keine Jüdin ist, wie Elsa jOrzescka. dem traurigen und einförmigen Leben der galizischen Juden, das an Trastlastak'it sicher dem Leben im Ä in sterdamtr Judenvienst nichts nachgibt, Funken echter Poesie abzulaufchen. Heijermauns sieht nur Widerwärtiges weil er u u r das W i d e r w ä r t i g e su ch t. Das jüdische Leben non feiner abstoßenden Seite zu schildern ist bei ihm Tendenz, u<l maiomn gioriam deS Kosmopolitisnms, in dem die jüdische 4tote nach dem Gefühle Heijermanns nur ein Atlßklana wäre. Daraus erklärt sich auch sein eigentümlicher Snl. Wir haben uns dank der ankisemitischeu Presse an Wendungen, wie „Kleiderjude", „Fischjude" rc. mit denen Heijermanns sehr verschwenderisch umgeht, glücklich gewöhnt; aber Heijermanns kommt noch mit Grsinhungen eigensten Kalibeis wie „Sommertproffenjüdchew". „Sauerjndin", die doch jedem ästbe'ischen Geschwache zuwik Erlaufen. Mit einem Worte: Heijermanns ist ein Meister.i.n der Schilderung der Schattenseiten des jüdiichen Lebens. Dos triff! er wie nicht so bald einer. *) Sabbath. Eine Studie von Her.mqnn Heijermanns jun. Einzig autorisierte, nach dem Mguuikript tzergesleUte Uebersetzung von R. Rüben. Pößnek i. Th. Verlag von Bruno F e i g e n s p a n. Preis 1 Mark. :

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