Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 1 (1.1.1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches "Volksblatt. ). Jänner 1904 können überzeugt sein, daß es auch jüdische Klotzberger und Schlechter-, jüdische HatzfurterS und Silberer in großer Menge gibt. Meine Herren, und da soll ich — otzne Stütze und ohne Lehne — im (tzemeinderate mit Fenereifer eintreten für das zertretene Recht, für Gerechtigkeit und Humanität! Da soll ich rücksichtslos mit Hintansetzung meiner und »keiner Familie persönlichen Wohlfahrt für die Interessen meiner jüdischen Mitbürger eintreten, für jene jüdischen Mitbürger, die von Leuten ihrer eigenen Konfession und Rasse verraten werden! Fm Gemeinderate werde ich im Stiche gelassen, so wie man Herrn Noske im verflossenen nnd Völkl im jetzigen Landtag im Stiche gelassen hat. Und wenn mein Auftreten im Gemeinderate kräftiger und stürmischer wäre, wissen Sie, wer meine unerschrockene, aufopferungsvolle Tätigkeit am meisten benörgeln würde? Die meisteir Juden selbst, die Leisetreter, die um alles in der Welt den Antisemiten nicht wehe tun wollen. Ist aber mit bloßem Reden überhaupt ein Erfolg zu erzielen? Reden, sollen sie wirksam sein, müssen durch Taten vorbereitet sein, Taten, durch die Voll- und Verteidigungswerke, Stützpunkte zu Organisationszwecken geschaffen und Waffen geschmiedet werden. Wie es da ausschaut, habe ich Ihnen aber soeben gezeigt. Oder glauben Sie, daß ich das alles allein machen soll? Foppen wir uns alle nicht! Eine liberale Partei e x i st i e r t i n W i e n nicht. Die paar Juden, die in Wien eine liberale Partei posieren, und die alles eher sind als Juden, die Schlacken, die obenauf sind, die alles vermeiden wollen, was Herrn Lueger kränken könnte, mögen ihn deputativ besuchen und sich demütigst entschuldigen, daß sie auch auf der Welt sind — die anderen liberalen, „deutschfühlenden" Juden mögen sich taufen lasse::, je eher, desto besser. Aber die große Masse, der gesunde Kern des jüdischen Volkes mag sich vereinigen zu einer kompakten, nationalen Einheit. Anders, Nr e ine Herren Mitbürger jüdischer Konfession, i st I h n e n n i ch t z u h e l f e n. E. U. Das Ostasrikaprojekt — gescheitert? Die „Hazefirab" publiziert in ihrer Nummer 283 folgendes Telegramm ans Wien: „Wien, 9. (22.) Dezember (7V2 Uhr abends). Ans sehr verläßlicher Quelle erfahre ich, daß das Wiener Aktionskomitee von der englischen Regierung die Nachricht erhalten habe, daß sie in besonderer Erwägung des Umstandes, daß oie russischen Zwnisten gegen das Uganda- Projekt Stellung nehmen, es sowohl im eigenen, wie im Interesse der Zionisten, für gut gefunden habe, ihren ursprünglichen Vorschlag betreffend Uganda znrückzuziehen. Berk ow i t sch." Es ist jedenfalls auffallend, daß das offizielle russische Organ aus Wien sich diese Nachricht melden läßt und sie aufrecht hält, während das offizielle Wiener Organ, die „Welt", diese Nachricht nicht bringt, sie aber auch nicht dementiert. Die Nachricht scheint also nicht autentisch und nur für Rußland bestimmt zu sein. Znm Budget der Wiener Kultusgemeinde. Unser Bericht über die jüngste Budgetdebatte in der öffentlichen Plenarsitzung des Wiener Kultusvorstandes hat in Kreisen der Steuerzahler begreifliches Aufsehen erregt. Die Debatte förderte diesmal solche wichtige, den Kultusvorstand im allgemeinen und das Vertreterkollegium, sowie die einzelnen Sektionen im besonderen kompromittierende Tatsachen zutage, daß ein Teil der subventionierten Presse es für gut fand, die wuchtigsten Hiebe der Ohr hatte.. Der Junge fiel heulend zur Erde und Ludwig, der, an die Ladentür gelehnt, zugeschen hatte, sprang hinzu und riß ihm die Keule aus der Hand. Was weiter geschah, weiß ich nicht mehr genau. Nur erinnere ich mich, daß wir damals.dien Ochsenfuß wohl zwanzigmal in der Luft kreisen sahen. Er flog wie ein rotes Rad, von dem die Sonnenfunken nach allen Seilten spri'chten, die ganze Straße entlang dem rasenden Wagen nach.^ Dann gab es einen lauten Schrei, so laut und doch so dumpf, als wäre ein Reh zuiode getroffen .... Wir gingen schweigend nach Haufe und führten unseren heulenden Freund in die Stube meines Vaters, wo man seine Beulen mit einem breiten Messer Platt drückte. Seit jenem Mittag, da Ludwig Bitt den Ochsenfuß gegen die Sonne geschlendert hatte, daß er wie ein rotes Rad an den Fenstern der Gasse vorlbeisauste, spielten wir nicht mehr vor Bobes Laden. Der junge Riese hatte uns eine Freude verdorben, aber wir gewannen Achtung vor seinem Mut und seiner Kraft. Eines Tages, als wir auf dein Schullveg an dem Fleischjgeschäft'e vorbeizogen, fanden wir die Eisentüre zugeklappt und die beiden Luftlöcher die in Manneshöhe durch gebrochen ivaren, schauten uns an wie zwei leere Augenhöhlen, so grauenhaft und so traurig. Zrchan.se sagte nran uns: „Bobe ist gestorben." — Wie wußten nicht recht, Ivas das heißen sollte; als wir aber in der nächsten Frühe wieder zur Schule gingen und die beiden leeren Augen gerade'Me gestern uns nachstarvten, wandten wir uns traurig ab urrd dachten bei uns, daß das wohl der Tod sein nrüsse. Und wir haben lange Tage feine: Ruhe gehabt vor: dein mächtigen Gespenst mit den beiden leeren Arlgen, die so seltsam und trostlos starrtenlote die Luftlöcher an der Eiseniüre der Fleischbude. Also Bobe war tot und sein Laden lvurde nicht wieder, geöffnet. Später emuhren wir, daß seine Frau und seine beiden Kinder, der Ludwig und Mirjam/ nach der Stadt gezogen waren. „.Nun ja," sagte inein Großvater, „was foWm sie auch länger bei uns tun? Der Sohn ist noch eirizelnen Redner einfach zu verschweigen und der Kultusvorstand sich bemüßigt sah, in einer nichtöffentlichen Plenarsitzung — wie dies aus dem an anderer Stelle veröffentlichten „diplomatisch" abgefaßten Eommuniqnc des Vorstandes ersichtlich ist — die scharfen Vorwürfe „eines Vorstandsmitgliedes" (Kauders) abzufchwächen urrd die durch diese Angriffe getroffenen Vorstand nnd Rabbinat rcinznwaschen. Ueber den Wert solcher nachträglicher Rcinwaschnngcn äußern wir und an anderer Stelle; hier sei nur nochmals darauf hingewicsen, wie wichtig es für die Steuerzahler ist, daß die Kultusnngelegenheiten in öffentlichen Sitzungen behandelt werden, und nicht in jenen nichtöffentlichen Plenarsitzungen, aus denen das Publikum durch fürsorglich redigierte Communiques gerade dasjenige erfährt, was es am wenigsten interessiert. Hingegen scheinen diese nichtöffentlichen Plenarsitzungen hauptsächlich den Zweck zu verfolgen, renitente Vorstandsmitglieder, die in einem unbewußten Wahrheitsdrange ans dein Knltus-Cheder plaudern, zu einer — Interpretierung ihrer Ansführungen zu bewegen, die gerade das Gegenteil von dein besagt, was der Betreffende in der Tat zu sagen beabsichtigt hat. Es ist unleugbar, daß die letzte Budgetdebatte an Vorwürfen, Wünschen nnd Anregungen ungewohnt reich war; beinahe alle Gebiete des jüdischen Lebens wurden gestreift und mehr oder minder eingehend besprochen, und man konnte es einzelnen Rednern anhören, daß sie seit Monaten, vielleicht gar seit Jahren, einen geheimen Krieg führen gegen das Vertreterkollegium, und es hat den Anschein, daß sie, nunmehr des unfruchtbaren KämpfenS müde, mit ihren Wünschen und Beschwerden sich in die Oeffentlichkeil flüchten, «m gewissermaßen von dieser einen Sukkurs in ihrem Kampfe zu erhalten. Aber nicht minder charakteristisch und interessant ist es auch, festzustellen, worüber in der letzten Budgetdebatte nicht gesprochen wurde. Zunächst wurde die Epidemie der Judentaufen nur ein einzigesmal durch Kultnsvorsteher Ellbogen flüchtig gestreift, als er über seinen seit zwei Jahren unerledigt liegenden Airtrag, betreffend die jüdischen Findelkinder, sprach. Ebenso berührte Knltnsvorsteher Salo Cohn die Frage, als er gegen die Erhöhung der Kultnssteuer Stellung nahm. Doch könnten seine Ausführungen eher als eine Anregung oder ein Rezept für überdrüssige Steuerzahler, denn als eine ernste Behandlung der Frage gelten. Sonst kam diese für das gesamte Judentum so äußerst wichtige und auch die Kultusgemeinde als Berwaltnngskörper aus materiellen Gründen in Mitleidenschaft ziehende Frage nicht zr Erörterung. Unsere alte Forderung, der grassierenden Tanswut durch Veröffentlichung der L i st e d e r a u s dem I u'd entum Ausgetretenen zu steuern, findet im Kn ltusvor stände noch immer taube Ohren. Aber gerade die oben erwähnte Bemerkung des Kultnsvorstehers Salo Cohn sollte die Leiter der Gemeinde zur Besinnung bringen. Denn gerade deshalb, weil es heute gar so leicht ist, nicht nur ohne materielle» Schaden, sonder» mit effektivem Nutzen, wenn auch nur in Form von Ersparung iE Kultussteuer dem Judentum den Rücken zu kehren, greif«!:: sehr viele, die bis dahin, allerdings nur durch den Kultnsstenerbogen, ans Judentum gefesselt waren, zu diesem billigen Auskunftsmittel. Die Nichtveröffentlichung der Austrittsfnlle hat es nun zur Folge, daß sich in Oesterreich ein ganz eigentümliches, modernes Marr a n n e n t n m herausgcbildet, in dem wir eine ganze Menge vom Judentum abgefallener Elemente haben, dien nterden Juden und v 0 nden Juden leben, sich in rein jüdische Kreise einfchleichen, mit Hilfe des K u l t u s v 0 r st a n d e s ihren Austritt ans dem Judentum verschweigen, es den Juden gegenüber vielleicht gar leugnen, während sie in christlichen Kreisen umgekehrt stets darauf bestehen, nicht als Juden betrachtet zu werden. Durch diese kuljusvorständliche Fürsorge fördert der Kultusvorstand nicht nur zu jung fitii das Geschäft und in der Stadl! wird er leicht eine Stelle finden. Und die „Bobeten" und ihr Mädel werden in die Häuser gehen und nähen. Wir können sie hier nicht erhalten und die Stadt verträgt drei Menschen mehr. Sie hat einengroßen Tisch und da merkt nmu nicht, ob noch einer dazugekommen ist." Mein Großvater liebt solche Vergleiche utib ich gab ihm damals vollständig -recht. Damals war ich noch ein kleiner Junge. — — — In diesen Ferien bin ich seit! langer Zeit lvieder nach Hause gekommen. Ich habe seit den Tagen, da ich noch, in die niedere Schule ging, viel erlebt, ich habe -ctitc höhere Schule durchgemacht. Die Stadt, die mich mehr als zehn Jahre nicht los ließ, hat inich viel gelehrt unb ich habe mehr als einmal einen trüben Blick in ihre dunkeln Vorgassen getan. Ich wußte, daß die Stadt uns haßt, daß sie uns mit giftigem Frohlockenempfängt!, weil uilifer Stolz nnd unser! Selbstgöfühl und ruisere Keuschheit in ihr zugrunde geht. Draußen im Dolrfe, wo alles eng beieinander wohnt und die Verhältnisse so klein sind rmd so kleiirlich, übt Hersch über Leb eine gewissenhafte unbewußte Kom trolle rnrid läßt, ohne zu wollen, keine Entartung zu. Die schmalen Dorfgassen biutbeu nicht das Laster unb die Sonne wirft in jede Stube Helles Licht!, so daß jeder, der vorübergeht, in des Nachbars Sitarn einen intimen Blick tun kann. Zwischen den hohen Gebäuden' der großen Stadt erstirbt das Licht und in der kalten Finsternis gedeiht die Sünde, die die besten Kräfte sOvach rrnd gefügig macht. Ich war wohl schon drei Wochen zu Harise rmd hatte das Dorf in allen Winkeln durchsruht. Es war hier näht viel anders geworden. Die Leute lebten wie damals rmd liefen wie danrals nrn Tage dem Kreuzer nach rrnd hatten, aur Abend ihr friedliches Heim. Aber lichter war es geworden in der Gemeinde, wohl zwei Dutzend Familien warenfortgezogen in die große Stadt lind man wrrßte! zu Hanse nicht viel Gutes von ihnen/ zu sagen. Ich frug auch irach beim Helden Ludwig rmd seiner Mutter. Meine Mutter schwieg rrnd sah mich mit! ihren lixiaimm, bräunten Augen so traurig an. Mein Baker sagtet: „Die Alte ist JNr. 1 den Austritt and dem Judentum, sondern er benimmt der jüdischen Gesellschaft das einzige Mittel, gegen den Abfall zu demonstrieren: die Boykottierung solcher Elemente. Allerdings ist es wahr, daß die Veröffentlichung der Liste der Ausgetretenen zunächst eine Säuberung des Knltusvorstandes zur Folge haben müßte, da ttt diesem Falle den Kuliusvorstehern die Möglichkeit benommen wäre, von einer Borst an d s s i tz n n g direkt zur Taufe des Sohnes oder derTochterzu fahren. Hier wäre auch für das Wiener Rabbinat ein sehr dankbares Tätigkeitsgebiet, denn da der Austritt ans dem Judentnm nicht einmal beim Rabbinaie gemeldet werde:: :::ust, erfährt der Rabbiner selbst nur selten von einem AuStrittsfallc, und es kann ihm leicht passieren, daß er jahrelang mit einem Mitglied« seines Bezirkes freundschaftlich verkehrt, ihn vielleicht gar moralisch und materiell unterstützt, nnd erst nach Jahren erfährt, daß er einen nichtswttrdigen Abtrünnigen unterstützt habe. Ein weiterer Punkt, der in der erwähnten Budgetdebatte nicht zur Erörterung kam, ist die B e a m t e n f r a g e. Eigentlich doch! Alle die SparsamkeitStiraden, die von hochoffizieller Seite in der letzten Sitzung losgelaffen wurden, richteten sich ja im Süllen nnsschließlich gegen die arme« Beamte». Ein Bezirk kann sich sehr leicht eine Subvention oder eine Erhöhung derselbe,: erzwingen. Die Machthaber furchten die Nnzufriedcnheit der Bezirkswähler. Man kan,, für Rabbiner die Unsumme von 30 000 Kronen im Jahre auswerfen, wenn auch dadurch ein Defizit im Budget entsteht; da darf man nicht sparen, denn diese Opfer werden ja nicht der Rabbiner wegen, sondern wegen der einflußreichen Hintermänner derselben gebracht, deren Günstlinge diese Rabbiner sind, und an deren Gunst auch dem Kultusvorstande sehr viel liegt. Aber die Beamten und Religionslehrer der Wiener Kultusgemeinde, wer nimmt sich ihrer an? Niemaiw! Und weil sich ihrer niemand annimmt, wird das angedrohte Sparsystem zunächst auf diese Beamten angewendet werden. (Kegen diese schutzlosen Maschinen wird eine eigene Sparkommission oder, wie witzig bemerkt wurde, ein „Streichq n i n t e t t" eingesetzt werden. Wir haben sicherlich nichts dagegen, wenn in der Richtung gespart wird, daß kein unnützes und wertloses Beamtenmaterial angehäuft werde, das keine andere Qualifikation als die Gevatterschaft irgend eines hochmögenden Herrn für feine Bcamtencarriere mitbringt. Es soll eine sorgsame Beamtcnauswahl getroffen werden, aber die auf Grund ihrer Fähigkeiten und ihrer Charakterstärke Auserwählten sollen anständig honoriert werden, und die ihnen in der Dienstpragmatik gewährleisteten Avancements und Beförderungen dnrchmachen können. Das Streichgenie der sparsamen Kultusvorsteher möge sich zunächst im Streichen der außerordentlichen Nemuneraüonen, der sogenannten Kostgelder für lleberstunden, der zur Norm gewordenen Remunerationen an Stelle der Beförderung usw. betätigen, da diese Auskunftsmittel nichts anderes als vollständig unerlaubte Mittel zur Protektion einzelner Bevorzugter gehandhabt werden. Schreiber dieser Zeilen hat sich in dieser Angelegenheit persvnlich mit einer direkten Anfrage an den obersten Beamten der Wiener Knltusgemeinde, den Sekretär kais. Rat Dr. Lieben gewendet und erhielt die beruhigende Antwort, daß dem Protektionswefen unter den Wiener Kultusbeamten ein Ende gemacht wurde nnd daß fortan nur das Verdienst, die Fähigkeit nnd der Charakter berücksichtigt werden sollen. Auch betonte kais. Rat Dr. Lieben, daß er stets die Interessen seiner Beamtenkollege:: wahre, und diese sich auch vertrauensvoll an ihn wenden mögen. Wir veröffentlichen mit Freude und (Genugtuung diese Aeußerung des ersten Beamten der Wiener Knltusgemeindc und hoffen, daß dieses Wohlwollen sich zu einer Solidarität mit den Beamten auSgestaltcn werde, wodurch die feit Jahren latente Beamtenfrage endlich einer günstigeren Lösung zugeführt werden könnte. tot rmd er kommt mm jedes Jahr, ins Dorf rmd wird bald wieder hier sein. Er ist ein Komödiant geworden." Und er kam mich bald und war wirklich ein Komödiant. Mitten auf dom Dorfplatz, wo der eiserne, grürrgestrichene Brunnen steht, hatte er seinen Wagen hingestellt und am nächsten Morgen spannte er dort ein weißes Tuch rmr aufrechte Stangen. Das war die Konrödiantenbude, deren grellfarbiges Schild die erlesensten Kunstgenüsse versprach und das alle Dorfkinderi außer Fassung brachte. Am Abend drängte sich das junge Publikum an der Zelttür, vor. der der alte Soldat, der jeden Freitag in den Dorfgassen spielte, seinen! Leierkasten, aufgesteW hatte./ Hellte stand auch eine Rieseutrommel daneben unb auf ihrem schlechchespaunten Fell tronrnrelte der! Wevkelmann mit einer Erregung, die ihn, bald ermüden ließ. Dann ruhte er ein wenig nnd sah mit blitzenden/ Augen, auf sein kleines Publikum, als lvollte er jeden freudigen- Blick als eine Anerkennung seiner Kunst-leistlmg genießen. Daun schwang er lvieder die Pauke und das alte Spiel ging weiter. K'urz vor Beginn der Vorstellung kam ich in das Zelt. Eine blasse Frau ließ mich ein. Es war schon viel Jugend da, meist allerjüngste. Dann läutete eine schrille Glocke, einmal und noch eimnal. Die Kinder rutschten, unruhig auf ihrem Bvettersitz und daun läutete es zmn drittenmal. Ludwig trat vor. Er hatte sich stark verändert, seitdem loir uns nicht wieder gesehen!. Seine Arme waren mager geworden und das blaue Trikot hing schlottrig von seinen Schillern. Das mochte der Hunger und die Sorge getan' haben, wenigstens erzählten! das seine Arlgen., die einmal so seltsam tzeblitzt hatteil', als er den Ochsenfnß dem rokllenben Gefährte nachwarf. Jetzt waren sie. gebrochen lind hohl, fast so hohl wie die Löcher in der Eisentür des Fleischladens. Er spmch erst ei lüge Worte, mit beit,eit, er? seine Darbietungen anpries unb die Dauer seines Berweilens im Dorfe anckündigte. Dieselben Worte -mochte er wohl schon tauseuidntal gesagt haben,, ivenn er fein Zelt! iw