Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 52 (25.12.1903)
- Date
- 1903-12-25
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 52 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. SfjJDeiamber 1903 Bteital nach letztinstanzlicher Entscheidung von ihrem Vorstellung-rechte Gebrauch machten. Salo Cohn polemisiert auch gegen E l t b o g e n und tritt ebenfalls für die äußerste Sparsamkeit ein. Die weitere Erhöhung der Kultu-steuer sei unmöglich, denn bei manchen beträgt diese Erhöhung gegen früher bereits 200°/o bis 300%. Heute sind wir einfach auf die Pietät und Charakterstärke der Steuerzahler angewiesen, denn es gehören wirklich diese Eigenschaften dazu um noch Kultussteuern zu zahlen, man braucht sich nur abzumelden, um nicht zahlen zu müssen. „Steigern Sie ja nicht die Steuern, sonst werden wir noch Unannehmlichkeiten erleben, mir spart man noch zu wenig." Kultusvorsteher K a u d e r s unterzieht das ganze Gebühren der Kultusgemeinde einer scharfen Kritik, der Religionsunterricht ist unzulänglich, denn die 2 Stunden wöchentlich reichen nicht hin, die M i k w a h befindet sich in einem unglaublichen Zustande und der Kultusvorstand müsse, wenn auch im Wege eines Darlehens, seiner diesbezüglichen statutenmäßigen Pflicht Nachkommen. Am schlechtesten bestellt aber ist die F l e i s ch f r a g e. Wien ist die einzige Stadt am Kontinent, wo man, mit Ausnahme von zwei, drei orthodoxen Ga st Häusern, kein koscher Fleisch bekommt, das ist einfach eine Fopperei! Wir müssen viel zahlen und bekommen kein koscher Fleisch. Ihnen mag das lächerlich erscheinen, aber wir haben die Pflicht dafür Sorge zu tragen. Die Bethäuser müssen unterstützt werden. Zum Schluffe zollt Redner der Armenversorgung der Kultusgemeinde seine Anerkennung. Der Vorsitzende bemerkt zu den Ausführungen K a u d e r s, daß die Mikwa nicht von der Tagesordnung abgesetzt sei. Baurat v. G o l d s ch m idt schließt sich den Ausführungen Ellbogens an. Vernünftige Sparsamkeit sei erwünscht, aber für Kultusnotwendigkeiten (ad notam Staatsnotwendigkeiten) muß Geld vorhanden sein. Ich war im Mikwa-Komitee, ich weiß nicht ob ich noch darin bin, aber diese Frage müffe bald geregelt werden. Redner wendet sich nun in scharfem Tone gegen seine Kollegen wegen Verschleppung der Gründung eines Krankenpflegerinnen-Jnstituts, welche noch zur Zeit des Kaiserjubiläums beschlossen wurde, ferner bemängelt er die Systemlofigkeit der Bethausgründungen. Dr. Markus Spitzer unterzieht ebenfalls das Gebühren des Kultusvorstandes einer eingehenden Kritik. Gegen v. G o l d s ch m i d t gewendet meint Redner, wenn sein System befolgt würde, hätten wir seit 1859 — seit dieser Zeit hat die Gemeinde keinen Tempel gebaut — kein neues Bethaus in Wien bekommen. Erstritt für die Errichtung eines Tempels am Volkert ein. Die Privatunternehmungen seien nach und nach zu eliminieren. Wir find verpflichtet, das religiöse Gefühl sämtlicher G e m e i n d e m i t g l i e d e r zu berücksichtigen, wir brauchen nicht „auch" koscher Fleisch, sondern absolut koscher Fleisch. Ebenso müffe' die Mikwa bald errichtet werden. Am wichtigsten sei aber die Frage des Unterrichtes, weil diese uns die Zukunft erhalten soll, was zu den wichtigsten Pflichten der Kultusgemeinde gehöre. Er stellt daher den Antrag, aus der Goldschmidt-Stiftung eine jüdische Lehrer- und Kantorenpräparandie zu errichten. Die Kantoren dürfen nicht nach Verlust ihrer Stimme als Pensionäre der Gemeinde zur Last fallen, aber die Kantoren müffen auch Charakter- und Pflichtbewußtsein haben, was ihnen in der Präparandie beigebracht werden müßte. Der Lehrer müffe aber auch bezahlt werden. Wir haben jetzt keine bezahlten systemisierten Lehrer, sondern nur Stundenlehrer, der Unterricht ist sehr mangelhaft. Der jüdische Geschichtsunterricht bestehe aus geistestötender Nomenklatur und. der hebräische Sprachunterricht in lebloser Grammatik. Redner macht zum Schluffe auf die Bewegung aufmerksam, welche sich im Beerdigungswesen kundgibt, wonach das Beerdigungswesen, verstadtlicht werden soll. Der Kultusvorstand müsse schon heute dagegen Stellung nehmen und betonen, daß das jüdische Volk das Beerdigungswesen stets als religiösen Akt betrachtet habe. Aber dies müßte auch in der Tat geschehen. Er stellt daher den Antrag, daß bei Beerdigungen verarmter Steuerträger ein Rabbiner und Kantor Chauvinismus, um leere Phrasen, um, reaktionäre Bestrebringen handelt, dann könnt Ihr glauben, daß die Alma mater nie zurückstehen wird, für eure Vorschule späteren Arbeitens, für die Nation ihre Anerkennung zu bekunden. Und erst an einer deutschen Hochschule, wo so viele deutsche Lehrer wirken, die für ihre Liebe zu ihrem eigenen Volke immer einen warmen Platz im Herzen und den stolzen Mut auf richtiger Betätigung haben, d a w i r d sich i in in e r volles Der ständ nis finden für die n a t i o n a l e u Best reib n n g e n anderer Völker. Und diese Bestrebungen werden umsomehr gewürdigt, wenn sie bei ihrer Vereinigung gepaart sind mit akademischen Takte, mit einem strammen Stammesbewuhtsein, und wenn wir seheli, daß Ihr euch nicht scheut, mich mit ritterlicher Tat für eure Ideen einzustehen. Was wir aber besonders schätzen, ist, dahI h r ü b e r M e n s n r e n u n d B i e r g e l a g e u n i ch t vergeht, das; die b e st e n a i i o n a I c Arbeit immer die Pflege der Iv i r t s ch a f t l i ch e n, k u l t u r e l l e n u n d literarischen I u t e r e s s e n des Volkes i st. So darf ich als deiitscher Nektor einer deutschen Hochschule sagen: Halten Sie fest an Ihren heiligen Idealen, lassen Sie den Mut nicht sinken, denn der Mit adelt den Mann! Und der, der den nationalen Mut in jeder Lage des Lebens zu betätigen weis;, tvird liicht mtr sein Volk nicht fallen lassen, fouberu auch den Angehörigen eines aridereii Volkes seine Anerkennung liicht versageii. Und ich möchte den Wunsch ansspreche», das; Sie für Ihre Bestrebungen immer vollen Erfolg finden, das; Sie auch in Ihrem Vereinsleben jene innere Befriediguiig finden, die jeder wahrhaft nationalen Arbeit immer zuteil geworden ist. Indiesem Sinne., nämlich darmrf hinweisend, das; die heutige zahlreiche Beteiligung Ihnen zeigen mag, das; Sie die Jugend IhreS Volkes für sich haben u>id mit der Jugend auch dessen Zukimft. In diesem Sinne bringe ich mein Glas mit herzlichem Wunsch für das 25. Semester der jüdischen Studentenschaft und Vc rb indn ng „ Has m oriae a!" Nach der Rede des Nektars, die nachhaltigen Eindruck machte, ergriff der A. H. der Verbindung Adv. Dr. Mayer Ebner das Wort, um in läiMrer, oft von Beifall uiiterbrocherler Rede das Wesen des rnoderiien, jüdischen Nationalismus und Zionismus zu eiitwickeln. Redner ging davon ans, daß zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts durch die Napoleon'sthe Weltherrschaft die Grendurch die Kultusgemeinde gratis beigestellt werden. Hierauf wurde die Generaldebatte geschloffen. In der Spezialdebatte wurde bei Abschnitt B „Unterrichtsangelegenheiten" der Antrag des kaif. Rat Wilhelm Pol l a k verlesen, wonach gewünscht wird, daß der Religionsunterricht an Mittelschulen nicht an Sonntagen abgehalteu werden möge, damit die Schüler, welche ohnehin während der ganzen Woche überbürdet sind, einen wirklich schulfreien Tag haben. Der Antrag wird der Schulsektion zugewiesen. Der Antrag des k. R. Wilhelm Pollak lautet: „Sechs Tage sollst du arbeiten, und am siebenten Tage sollst du ruhen," so lautet eines der Grundprinzipien der jüdischen Glaubenslehre. Wenn nun die Einhaltung dieses Gebotes bei der allgemeinen interkonfessionellen Schule für viele Kinder undurchführbar ist, da auch die jüdischen Schüler am Sabbat dem Unterrichte beiwohnen müssen, so sollte man doch glauben, daß mit Rücksicht darauf wenigstens dafür gesorgt wird, auch diesen Kindern den zur körperlichen und geistigen Erholung unbedingt nötigen Ruhetag zu toahren. Dies ist aber nicht der Fall, denn die Kinder müssen am Sonntag ebenso früh aufstehen wie an jedem Wochentage, weil «ne. Stunde des Sonntag- Vormittags dem Religionsunterrichte gewidmet ist. Dadurch ist den Kindern die Möglichkeit benommen, am Sonntag eine Partie ins Freie zu unternehmen oder z. B. durch-längeres Ausruhen Erholung finden zu können. Ich stelle daher den Antrag, die vereheliche Kultusgemeinde möge dafür Sorge tragen, daß durch entsprechende Einteilung des Stundenplanes der jüdische Religionsunterricht in Zukunft nicht mehr an Sonntagen erteilt und auf diese Weise einem von Lehrern und Kindern längst gehegten Wunsche Rechnung getragen werde; ferner, daß daran geschritten werde, den gesamten Lehrplan, speziell der Mittelschulen, mit Hilfe der neuen Religions- Inspektoren einer genauen Sichtung und Verbesserung zu unterziehen. Vizepräsident Dr. Gustav Kohn kommt wieder auf die Ausführungen deS Dr. Markus Spitzer zurück. Er ist der Ansicht, daß für eine Lehrerpräparandie noch nicht die Zeit gekommen sei, da die Absolventen keinen Erwerb finden würden. Vorläufig wird eS noch 7—8 Jahre dauern, ehe wir neue Kräfte benötigen werden. ES wäre schon einmal versucht worden, solche Kurse einzuführen, da meldeten sich im ganzen drei Frequentanten. Es sei auch nicht richtig, daß wir Stundenlehrer hätten, da wir bereits sechzehn (!) solche ^Lehrer habe«, die auch als Beamte verwendet werden. Ebenso fei er gegen die Errichtung einer Kantorenschule. Professor Dr. Ehrmann schließt sich vollständig dem Anträge Dr. Spitzers an und ist der Ansicht, daß man sich diesbezüglich mit allen berufenen Faktoren Oesterreichs ins Einvernehmen setzen müsse, da die Präparandie nicht ausschließlich für die Bedürfnisse Wiens, sondern für diejenigen ganz Oesterreichs zu sorgen habe. Hierauf sprechen noch für den Antrag Spitzer die Kultusvorsteher Herr Maximilian Steiner, der auf die großen Fehler hinweist, die in dieser Beziehung hintereinander gemacht,, wurden, und kaif. Rat Wilhelm Poll a k, der untzr, lebhafter Heiterkeit sagt, daß wir nicht warten dürfen, W die armen Lehrer ausgestorben sind. Wir haben viele Lehrer^ die nur Protektionskinder find, aber für das Lehrfach ffch durchaus nicht eigne«. Er erwartet, daß die neuernannten Inspektoren dringendst ihre Vorschläge zur Verbesserung des. Lehrplanes unterbreiten werden. (Da während seiner Ausführungen sich der größte Teil der Anwesenden in Privatgesprächen ergeht, ruft ihnen Redner zu: „Ich sehe schon, hier herrscht für solche Dinge kein Interesse." Rufe: Oho!) Zn den Mittelschulen wird der Kopf des Schülers mit lauter Zahlen und Namen vollgepfropft und es ist kein Wunder, wenn schon der Mittelschüler ein stiller Abtrünniger wird und wenn er in den Tempel kommt, wisse er sich gar nicht zu benehmen. Es müsse den Schülern ein entsprechendes Lehrbuch in die Hand gegeben werden. Bezüglich der Erhöhung der Gemeinde-Einkünfte weist Redner auf die Anomalie hin, daß die Gemeindekaffa von den vielen Ehescheidungstaxen keinen Heller erhalte, weil alles dem Rabbiner und den Funktionären zufließe. Dr. Alfred Berger macht nun die interessante. Enthüllung, daß das bis vor kurzer Zeit in Anwendung gewesene Caffelffche Lehrbuch für Mittelschüler auf eine ministerielle Verordnung abgeschafft werden müßte. Gegenwärtig sei ein Lehrbuch, des Prozen zwischen den Ländern . und die Unterschiede zwischen den Nationen sich zu verwischen begannen, bis auf den Schlachtfeldern der Freiheitskümpfe der nationale Geist der Völker erwachte und mit dein Untergärige Napoleons die Konsolidierung der europäischen Völker als Nationen sich zu festigen begann.. Nur die Juden konsolidierten sich nicht. Sie blieberr draußen. Die bürgerliche Emanzipation derselbenschuf nicht Wandel. Jrn Gegenteil. Der in verschiedener Fvrm anftretende Antisemitismus drängte die Inden zurück. Unter diesen Voraussetzungen erlvachte der jüdische Nationalismus, der konsequent zur.-radikalsten Lösung der Iudenfragezürn Zionismus führt. Die Rede wurde mit starkem Beifall ausgenommen. — Sind. phil. Buchsbaum sprach hierauf in schwungvollen Worten auf die Stadt. Darauf erwiderte Vizebürgermeister Reg.-Rat. Dr. Reist. Es sprachen noch nmnens der „Hhgia" pharm. Vearl, namens der „Hebrvnia" techn. Badern-, nainens der Emunnh" jur. Sachter und nmnens der „Tikwah" jur. Ellenbogen. Nachher übernahm Dekan Prof. Dr. Friedwagner das Präsidium mit) ernannte zu Kontrarien Dr. Heinrich Kiesler und Dr. Mayer Ebner. Bevor nun der inoffizielle Teil eigentlich begann, richtete Prof. Dr. Friedwagner einige ernste Worte an die Korona, die nur im Wortlaut publizieren. Dekan Prof. Dr. Friedivagner: „Ich will die Gelegenheit nicht borübergehen lassen, auch ein paar Worte an Sie, meine Herren, zu richten. .Sie haben in so freundlicher Weise der Alma mater gedacht und Se. Maguifieeuz hat Ihnen in unserem Nmnen die Versicherung unserer Sympathie ausgedrückt. Ich Ivill darauf Hinweisen, dah hier in diesem schönen Lande, wo wir uns, wie auch Sie sich heimisch fühlen und fühlen werden, eine lange. Waffenbrüderschaft, eine lange treue Gefolgschaft uns verbunden hät und uns die gleiche Bahn hoffentlich auch für die nächste Zeit borgezeichnet haben wird. Wir Deutsche, die wir hier in minderer Zahl das Land bewohnen«, wir haben ine das Gefühl gehabt, das; lvir die Herren im Lande sind, lvir haben höchstens die Ueberzeugung gehabt, dass wir kraft der westlichen .Kultur, die wir hier verbreiten, eine Stellung einnehmen, die ungefähr den numerischen Unterschied ausgleicht. Sie, meine Herren, haben als ein Volk, das stets kulturellen feffors Braun in Verwendung, gegen welches nichts einzuwenden sei. In Beziehung auf die Lehrerpräparandie steht Redner auf dem Standpunkte, daß, insolange wir nicht zumindest eine jüdische Bürgerschule haben, wir für eine Lehrerpräparandie kein geeignete- Material haben könnten. Nachdem kais. Rat Pollak bemerkt hatte, daß das Lehrbuch, welches er im Auge habe, in Mariahilf in Verwendung stehe, wird der Antrag Spitzer der Unterrichtssektion zugewiesen und Abschnitt B des Budget» einstimmig angenommen. Bei Abschnitt OFriedhofs-undBeerdigung wesen wird der bereits oben erwähnte Antrag Dr. MarcuS Spitzer auf Beistellung eines Rabbiners und Kantors bei Beerdigung verarmter Steuerträger zur Debatte gestellt. Kais. Rat Jonas Beil schließt sich dem Anträge an, doch möchte er dies auf alle Gratisbeerdigungen erstreckt sehen. Der krasse Unterschied zwischen der Beerdigung einer Reichen und derjenigen eines Armen, wie er auf dem Wiener Jüdischen Friedhofe herrscht, muß jedem fühlenden Menschen weh tun und tritt in keiner anderen jüdischen Gemeinde in solchem Maße hervor. Die Klagen häufen sich in solchem Maaße, daß wir in Berücksichtigung derselben keine Kosten scheuen dürfen. Theodor v. G o l d s ch m i d t erklärt als Obmann der FriedhofSkommisfion, daß dieselbe schon seit Jahren bestrebt sei, die Anregungen deS Dr. Spitzer zu verwirklichen, doch seien alle Bemühungen an dem Widerstande des Rabbinats (des Herrn Oberrabbiners) gescheitert, da dasselbe einen zu hohen Ersatz für die angeblich entfallenen Einkünfte verlangt hat. Kais. Rat Pollak als Obmann-Stellvertreter der Kommission bemerkt, daß schon seit zwei Jahren ein vier Seiten starker Antrag zur Verbesserung der Zustände vorliege, doch konnte derselbe aus den bereiterwähnten Gründen nicht erledigt werden. Er verspreche aber die Angelegenheit nunmehr zu beschleunigen. Nachdem noch die Kultusvorstehee K a u d e r s und S t i a ß n y zur selben Sache sprachen, wird der Antrag Spitzer der FriedhofSkommisfion zugewiesen. Bei Abschnitt D Israelitisches Spital kommt Professor E h r m a n n auf die Frage der jüdischen Wärterinnen zurück und wünscht, daß diese Angelegenheit nunmehr energisch betrieben werde. Salo Cohn bemerkt hiezu, daß die Frage des Wärterinnenkmses schon längst erledigt wäre, wenn die Erledigung nicht -durch den Widerstand des HofratOssr bis jetzt unmöglich gemacht worden wäre. Uebrigens beschäftige sich ja die Spitalsektion unausgesetzt mit derselben. Als Professor Ehr mann hierauf erwidernd meinte, er hoffe, daß die Autorität des ganzen. Vorstandes zur schleunigen Erledigung der ganzen Angelegenheit beitragen werde, ruft Salo C o h n dazwischen: Da draußen haben wir keine Autorität. Hierauf werden sämtliche Abschnitte nach kurzer Debatte einstimmig angenommen und . die Sitzung nach dem Schlußworte des Referenten kais. Rat, Hirsch um l®/4 Uhr geschlossen. . Das Attentat aus Max Rorba«. In der Nacht von Samstag auf Sonntag ist bei einem Balle eines zionistischen Vereines im Saale Charras gegen den Schriftsteller Dr. Max N a r d a u, der mit seiner Frau und Tochter bei dem Ball erschienen war, ein Nevolveralte nt at verübt worden. Dr. Nord au ist aber unverletzt geblieben, dagegen ist ein anderer Ballgast leicht verletzt worden. Ein junger russisch er Student, namens Chaim Selik Luban, welcher jener Gruppe der Zionisten angehört, die gegen eine Kolonisation in Ostafrika und für die Beibehaltung des ursprünglichen zionistischen. Projektes eintritt, gab einen Schuß auf. Nord au ab; die Kngel streifte Nord au nur am Kinn." L.ouban schoß zum zweitenmale und traf einen Hrrrn Otto Welsky, der leicht verletzt wurde. Louban wurde verhaftet; er erklärte auf dem Kommissariate/ er sei designiert worden Nor bau zu töten. Dr. Nord au selbst gibt folgende Darstellung des gegen ihn gerichteten Angriffes: Er stand um Mitternacht im Gespräche Interessen, treue Gefolgschaft leistet, auch uns unterstützt und werden uns hoffentlich auch künftighin unterstützen.. 'Denn auch wir haben gemeinsame Ziele, wir verteidigen die Freiheit der Forschung, des Geistes, der Humanität. Und es ist wohl nicht zu viel, wenn ich sage, daß die Humanität das einzige Band ist, welches alle die Erde bewohnenden Völker brüderlich umschlingt und den Vorrang vor allen häuslichen, d. i. nationalen Angelegenheit hat. Wir sind so manchen Leidensweg gegangen, um unsere Nationalität hier Lckeimen zukönnen. Auch Sie, meine Herren, tun dies. Aus Ihren Reden ist es hervorgegangen, das; Sie mutig Ihre Nationalität zur. Schau tragen, daß Sie sich neue Ideale schaffen, bah Sie sich ein neues .Zentrum erhoffen, ich will nicht sagen erträumen. Die Liebe zur Heimat ist das Nächstliegende, sie ist gleichbedeutend mit der Liebe zur Nation, d. i. die Liebe zu den nächsten Volksgenossen,, zur Umgebung, zu den Eltern und Verwandten. Der Begriff der Liebe zur Station erstreckt sich über das ganze Volk und ist im wesentlichen der Heimatsgeda.nke. Diesen Heimatsgedanken verfolgen auch Sie und ich wünsche Ihnen, dah, wenn nicht Sie, so doch Ihre Nach-, folger hoffentlich nicht gar zu fern von uns, eine Heimat, finden werden, wo Sie die volle Freiheit genießen, wo Sie unbeirrt von Ge- -, ivaltmahregeln, von physischer Kraft Ihrer Entwicklung leben, die erfüllt zu werden verspricht, ich ivünsche, dah es den hervorragenden jüdischen Kräften, die sich jederzeit in der Weltgeschichte-, Literatur und Dichtung einen glänzenden Namen erworben haben, gelingen nröge, dem jüdischen Volke Anerkennung zu schafferr rnrd die durch tiefe, ethische Hingabe ausgezeichneten, Ihnen hohen und wertvollen Ziele zrr erreichen." Lauganhaltender Beifall lohnte diese Ausführungen. Prof. Friedwngner leitete eine zcitlnug auch die inosfizille Kneipe in überaus strammer Weise. Nachher leiteten den inoffizillen Teil Dr. Kiesler und Dr. Mayer Schifter. Es folgten eine Reihe humoristischer Vorträge, Chorlieder und Sololieder, loobei sich eaud. jur. Elias Stroh, die Rechtshörer Lntlvak und Sturm und von unserem Theaterensemble Tenor Nikow, Bariton Heller und Pordes durch Gesangsproduktiouen, Herr Fürst drirch einige humoristische Szenen und Herr Aldor mit einer Rezitation aus „Nriel Akosta" hevortaten.