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Jüdisches Volksblatt · 1903-12-25 · 52 (25.12.1903) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
52 (25.12.1903)
Date
1903-12-25
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite Wien, Freitag 7ääiflchet VocLkablati 24. Dezember 1903 2 Nr- 52 * „Wirtschaftspolitik der Antisemiten" zu kritisieren. Dadurch wurdenuc persönliche Nachteile und es aber möglich, die Budgetdebatte in einer siebenstündigcn Sitzung zum Abschlüsse zu bringen. Nun aber halten sich die I u d e n b l ä tt c r darüber auf daß ein Millionenbudget, dessen Beratung einst wochenlang währte in einer Sitzung von den Antisemiten genehmigt werden konnte. Ja, hätte denn die Majorität, die sich mit dem Budget im Stadtrate, im Bürgerklub befaßt hatte, etwa die Nolle der Opposition, „die auf das Wort verzichtet" hatte, übernehmen sollen? In dem kleinen Floridsdorf wurde das kleine Budget rn bierzehnstiindiger Sitzung erledigt. Weshalb? Weil die Opposition eben zu jedem Puntte desselben das Mort ergriff. Neun Mann hatten dies zuwege gebracht." Bezeichnend ist auch die Rede des freisinnigen Bezirks rates Riedel im „Donauklub", die ich auch anführen will, damit es nicht aussehe, als ob ich nur christlich-soziale Stimmen zitierte. Er sagte: „Wenn wir gehört haben, daß von achtzehn frei finnigen Gemeinderäten nur fünf bis sechs bei der Sitzung anwesend sind, dann sind die übrigen Deserteure, die ihrePflicht nicht tun. Ich gebe zu, daß es ungeheuere Schwierig leiten zu überwinden gibt, dennoch muß jede Gelegenheit benützt werden, um den Gegnern die Wahrheit zu sagen. Ich bin der Ansicht, daß die Herren einen schlechten Beschluß gefaßt haben, wenn sie heuer übereinkamen, zur General- und Spezialdebatte zu schweigen.".. Dr. Nechansky will gehen. Das „Deutsche Volksblatt" findet es von ihm begreiflich, da'eine. Selbstüberwindung dazu gehöre an der Spitze einer Opposition zu stehen, von der er nicht wisse, wer von seinen - Soldaten im nächsten Augenblicke die Fahnenflucht ergreifen werde. Das , Deutsche Volksblatt" sucht also schnell den mandatmüden Dr. N echansky zu kaptivieren. Ich finde, daß vor allem der Führer dafür verantwortlich ist, wenn in den Reihen seiner Schäflein der Geist der Fahnenflucht einreißt. Damit will ich sicher nicht sagen, daß diese liberalen Gemeinderäte Helden find. Ich greife z. B. die Haltung des Gemeinderates Hohensinner heraus. Dieser wurde im Donauklub" interpelliert, warum denn die Herren Mandatare in liberalen Vereinen so mutig die christlich-sozialen Gegner vernichten, im Gemeinderate aber so mäuschenstill sind? Diese Frage war wirklich berechtigt, denn vor der versammelten Judenschaft des ersten oder zweiten Bezirkes die Sünden der Christlich-sozialen in grellen Farben zu schildern, ist wirklich überflüssige Mühe. Aber auf der T r i b ü n e tut ein mannhaftes Wort noch immer seine Wirkung. Herr Gemeinderat Hohensinner meinte zu seiner Entschuldigung, daß er von den anderen Kollegen im Stiche gelafien worden sei. Er sei aber auch außer Stande mehr zu tun, er habe auch nicht das Recht an seine Familie zu vcrgesten, diese zugrunde zu richten, um für andere die Kastanien auS dem Feuer zu holen. Ich meine nun vor allem, daß Herr Gemeinderat Hohensinner dies hätte erwägen sollen, bevor er sich um ein Mandat in der Leopoldstadt bewarb, denn es gehört zum ABC des öffentlichen Lebens, daß man ohne Rücksicht auf die Interessen seiner Familie fürdieJnte ressender Wählerschaft eintrete. Aber wir verübeln dem Herrn Gemeinderate Hohensinner seine Antwort nicht. Er ist wenigstens offenherzig. Er sagt das offen heraus was andere sich denken. Für die jüdischen Wähler ergibt sich aber die Mahnung: Erstens nicht sich als die patentierten Retter der Freiheit und des Deutschtums auszuspielen, da die wirklichen Deutschen s» klug sind, wenn es jüdische Jnteresten gilt, nicht die Kastanien aus dem Feuer zu holen, was aber den Schutz ihrer berechtigten Jnteresten betrifft, sie nicht Leuten anzuvertrauen, denen sie eine quantite negligeable sind, und die sie den Interessen ihrer' Familie unterordnen, sondern Leuten, die auf die Gefahr hin und im Bewußtsein besten, das sie keine persönlichen Vorteile von dem Mandate zu erwarten haben. Denn lieber gar keine Vertreter als solche Vertreter. Für die Wiener Judenschaft erwächst aber folgende Mahnung: Je p r o n o n z i e r t e r „ch r i st l i ch" d i e st ä d t ische Gemeinde wird, umso bewußter jüdisch sollte die Wiener Kultusgemeinde werden. Die Kommune ist im Gesetze interkonfessionell gedacht, aber sie wird immer mehr in den Dienst rein konfessionell christlicher Bestrebungen gestellt. Es ist also höchste Zeit, daß die Herren Dr. Stern, Dr. Gustav Ko hu, Jonas Weil ihre deutsch-liberalen Velleitäten oblegen. Hochachtungsvoll Dr.?. Die Budgetdebatte der Wiener Kultusgemeinde. J. Kr. Weihnachten ist vor der Türe, nur noch wenige Tage stehen für die Vorbereitung des heiligen Abends zur Verfügung, der goldene Sonntag mit den unzähligen Bescheerungen lockt den modernen Juden auf die Straße und so konnte es niemand wundern, daß die öffentliche Budgetsitzung des Wiener israelitischen Kultusvorstandes, deren Beschlüsse eine qualifizierte Majorität erfordern, in unquali fizierbarer Weise schlecht besucht und mit knapper Not beschluß fähig war. Wenn es überhaupt noch eines Beweises bedarf, daß die Existenz der sogenannten höheren Kurie für die Fortent Wicklung des Wiener jüdischen Gemeindelebens überflüssig, ja sogar schädlich ist, so war dieser Beweis durch die letzte Plenar sitzung sicherlich erbracht. Die Vertreter der höheren Kurie glanzten beinahe durchwegs durch ihre Abwesenheit, die Erschienenen schlichen sich von Langweile getrieben noch vor Beschlußfassung von dannen und wenn Kultusvorsteher K a u d ers nicht auf die geniale Idee gekommen wäre, die Ausgangstüren zu schließen und die Schlüssel abzuziehen, so wäre die öffentliche Budgetsitzung sicherlich beschlußunfähig geworden. Der Vorsitzende traute aber auch jetzt noch dem Landfrieden nicht und bat die Anwesenden doch noch zu bleiben, da er im Falle der Beschlußunfähigkeit gezwungen wäre, eine zweite öffentliche Plenarsitzung einzuberufen. Diese Drohnng hat doch gewirkt und die Budgetberatung konnte zu Ende geführt werden. Aber noch ein Umstand wies darauf hin, wie schädlich die Einrichtung der höheren Kurie für die Wiener Juden ist, die konservativoppositionellen Kultusvorsteher konnten ungehindert ihre Vorschläge machen, ohne Gefahr zu laufen, durch die Herren „Höheren" abgekanzelt zu werden: Noch ein äußerst wichtiges Symptom trat bei der letzten Sitzung zu Tage, welches unsere'unausgesetzten Bemühungen, die Oeffentlichkeit aller Plenarsitzungen des Wiener Kultusvorstandes durchzusetzen, nur noch mehr rechtfertigt. Man hörte es jedem einzelnen Rsdmr an, daß er unter dem Zwange und im Banne in der Oeffentlichkeit stehe, und war auch ein großer Teil dieser Ausführungen nur eine Konzession an die Oeffentlichkeit, so konnte man eben deshalb die große Macht der Oeffentlichkeit während der ganzen Sitzung spüren. Man kann ruhig sagen, daß die Oeffentlichkeit der Plenaritzungen in erster Reihe auf die Kultusvorsteher selbst erzieherisch wirken müßte, und daß wir wahrscheinlich viel weniger Grund hätten, gegen die jetzige Kahalherrschaft zu kämpfen, wenn diese unter dem Zwange der Oeffentlichkeit stehend, ihre Anträge stellen und verwirklichen würde. Als negativer Erolg der Macht der Oeffentlichkeit ist noch hervorzuheben, daß Dr. Alfred Stern während der ganzen Sitzung sich an der Debatte nicht beteiligte. Ehe wir den eigentlichen Bericht über die Sitzung folgen lassen, wollen wir mit Freude konstatieren, daß der Präsident der Wiener Kultusgemeinde kaiser-« licher Rat Heinrich Kling er von seiner Krynkheit.hergestellt in der Sitzung erschien, und den größten Teil derselben selbst leitete. Bor Uebergang zur Tagesordnung wurde der Spenden-, einlauf verlesen, sowie über die unserem in Blatte bereits registrierte Einrichtung bezüglich der öffentlichen Vorträge durch die neuen Wiener Gemeinderabbiner berichtet. Vizepräsident Dr. Gustav Kohn referiert Wer die Gemeindebibliothek. Bis jetzt war die Bibliothek bloß während Stunden in der Woche für das Publikum zugänglich, auf Grund einer Eingabe mehrerer studentischer Vereinen, wie auch einiger Privatgelehrten beschloß das Vertreterkollegium, im Einvernehmen mit dem Bibliothekar Dr. M ü n z, diese Besuchsstunden auf 24 in der Woche zu erhöhen. Dieser Antrag wird einstimmig angenommeu, und die Besuchsstunden der jüdischen Gemeindebibliothek im Sinne desselben, wie folgt festgesetzt: Sonntag und Freitag Vormittag von 9—1. und Monntag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag Nachmittag von 3—7 Uhr. In der Generaldebatte zum Budgetspricht zunächst Kultusvorsteher Hermann Eltbogen. Der Voranschlag schließt mit einem Defizit von 108.000 Kronen und dieser Umstaüd wird nun in so düsteren Farben geschildert, daß mau zum Schluffe kommen mußte, die exstremste Sparsamkeit üben zu müffen. Redner findet keinen Grund zur Mißstimmung, . bis jetzt war noch kein Defizit zu verzeichnen. Bei Erhöhung der Kultussteuer versprach der Kultusvorstand zunächst für den Gottesdienst seiner Steuerträger zu sorgen.- Wenn aber ein. Bethausverein, der die Erfüllung der Pflichten des Kultusvorstandes übernimmt, eine Subvention verlangt, so entsteht sofort ein großer Lärm und der Bethausverein wird einfach abgewiesen. Redner habe bereits vor Jahresfrist den Antrag emgebracht, daß die Gemeinde sich der jüdischen Pfleglinge des Findelhauses annehme, damit sie dem Judentums erhalten bleiben. Der Antrag schlummert noch, immer in der Sektion, auch der Unterricht ist sehr mangelhaft, und die Lehrer schlecht bezahlt. Die Kultusgemeiude habe die Pflicht für all die übernommenen Verpflichtungen zu sorgen, uud geht es nicht anders, müsse man zu diesen Zwecken ein Darlehen aufnehmen. Der Vorsitzende kaiserliche Rat Heinrich Kling er erwiderte sofort und wies darauf hin, daß die Gemeinde vor nicht allzu langer Zeit so schlecht bestellt war, daß man sogar gezwungen war, Stiftungsgelder zu entlehnen. Man müsse der Gemeinde Zeit lassen. Oberfinanzrat Dr. Rappaport polemisiert gegen E l t b o g e n und versucht den Nachweis zu erbringen, daß der Kultusvorstand nach jeder Richtung hin seiner Pflicht nachgekommen sei. Solche Beweise sind für die Ausgestaltung des Gottesdienstes, die Anstellung dreier Rabbiner mit jährlichen Kosten von dreißigtausend Kronen, für die Hebung des Unterrichtes, die ö f f ent l ich e n V v r t r ä g e diese r Rabbiner u. s. w. Wie sei aber, ruft Redner aus, das Defizit zu decken (Eltbogen zwischenrufend: 5 fl. Steuer, Salo Cohn: Redensarten nichts als Redenarten... Rappaport:) Wir haben die fakultative Steuer von 5 fl. eingeführt und da haben wir gesehen, welches Interesse die Inden für ihre Kultusangelegenheiten haben, im Ganzen haben sich drei Mann gemeldet, diese Steuer zahlen, zu wollen. Es müsse bis zum Aeußersten gespart werden, und er könne melden, daß ein eigenes Sparkomitee eingesetzt worden sei, und ein besonderes Sparkomitee für das Spital. Im Wege der Kultussteuer können die Einnahmen nicht mehr erhöht werden, da schon gegen die letzte Borschreibung nicht weniger als zweitausendzweihundert Rekurse eingebracht wurden, von denen die meisten noch Lage kühl und ruhig zu beurteilen und ftei von gewöhnlichen Vorurteilen die politischen und sozialen Strömungen zu seinem Vorteil auszunutzen. Die hohe geistige Spannkraft seiner Raffe ermöglichte es ihm, seine ganze Energie zur Erreichung des einen ihm vorschwebenden Zieles aufzubieten und trotz dreimaligem Mißerfolg an dem Entschluß festzuhalten, der darin bestand, im Unterhaus Fuß zu fassen und die erste Stelle im Staate einzunehmen. Daß er schon als junger Mann sich als künftigen Ministerpräsidenten bezeichnet hat, ist keine Fabel. Tatsächlich hatte er schon mit 23 Jahren eine Theorie über die englische Verfassung und die Art und Weise, wie die englische Politik nach innen und nach außen zu zeiten sei, ausgearbeitet, und diesen Grundsätzen ist er bis ans Ende treu geblieben. Neuen Auswegen konnte er sich anbequemen, aber nicht neuen Gedanken. Und sein grenzenloser Ehrgeiz wurde eigentlich nur von seinem sittlichen Mut übertroffen. Das war besonders anerkennenswert bei einem Mann, der ohne Vermögen in einer geldstolzen Gesellschaft, ohne Universitätsbildung und ohne Familienbeziehungen nur auf die Leistungen seines eigenen Genies angewiesen war — er, der Fremdling und Jude. Nie hat er seine jüdische Abstammung verleugnet. Ja, er war stolz darauf und hat sich stets geweigert, die Anstrengungen zu unterstützen, welche von seinen Parteigenossen zur Ausschließung der Juden vom parlamentarischen Stimmrecht gemacht wurden. Daß diese geistige Absonderung neben großen Vorteilen auch Nachteile hatte, die Benjamin Disraelis polittsche Laufbahn ungünstig beeinflußten, gibt Professor Bchce zu. Unter anderen Dingen hatte der große jüdische Staatsmann kein Verständnis für die protestantischen Dissidenten, die als die Puritaner des Mittelstandes in der politischen Entwicklung Englands während der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts eine große und gelegentlich eine ausschlaggebende Rolle spielten. Doch teilt er diesen Mangel an Verständnis für den protestantischen Bürgerstand mit anderen Staatsmännern, mit dem verstorbenen Marquis of Salisbury, mit Herrn Balfour, ja sogar mit Herrn W. E. Gladstone, der bis zu einem gewissen Punkte mit den Dissidenten zu gehen vernwchte, aber als Anglikaner sie wiederholt vor den Kopf stieß. Benjamin Disraeli hatte mehr Entschuldigung fiu das ihm mangelnde Verständnis für das puritanische Bürgertum Englands. Als Jude verstand er. eine nationale Religion, ein Glaubensbekenntnis, das sich mit dem nationalen Belvußtsein deckte; er konnte zur Not auch eine Staatskirche verstehen, die wie die anglikanische Kirche Anspruch darauf erhebt, im Namen des Volkes zu sprechen. Aber Sekten, wie die englischen Dissidenten sie haben, widersprachen seinem innersten Gefühl. Sie waren ihm ein Greuel. Herr Gladstone sagte einmal, zwei Dinge bewundere er am meisten in Benjamin Disraeli: seine vollkommene Hingabe an seine Frau und seine vollkommene Anhänglichkeit an seine Nasse. Benjamin Disraeli hatte eine fünfzehn Jahre ältere Frau geheiratet, eine geisttg wenig hervorragende Witwe, die ein Vermögen besaß, dessen Ertrag es dem ebenso armen wie ehrgeizigen Staatsmann ermöglichte, standesgemäß in England zu leben. Eine seiner ersten Handlungen, als er an der Spitze der Regierung stand, war die! an die Königin Victoria gerichtete Bitte, seine Frau als Viscounteß Beaconsfield in den Adelsstand zu erheben. Er selbst blieb im Unterhaus, das er erst 1876 verließ, als das Alter ihn zum Ueber- . tritt aus dem politischen Tummelplatz in die beschaulichere Pairskammer zwang. Er ist als Graf von Beaconsfield 1881 gestorben. („Die Zeit".) Festabend der „Hasmonaea". Czernowitz, Ende Dezember. Am 28. November fand in Chirers Winterpabillon der Eröffnungsfeftabend des 26. Semesters der akad. Verbindung „Hasmonaea" statt. Die übermls zahlreiche Beteiligung an dem so glänzend verlaufenen Abende, die zahlreichen Sympathiekundgebungen, die hierbei der ersten jüd.-uat. Verbindung an unserer Alma mater zum Ausdruck gebracht wurden, sie bewiesen deutlich, daß die „Hasmouaea" sich einen Namen ltrtb eine glänzende Position zu verschaffen geivnßt, daß sie in gleicher Weise der größten Achtung und Wertschätzung der Universitälskreise, Professoren und Studenten und der jüdischen Bevölkerung sich erfreut. Speziell begrüßt wurden: Se. Magnifizenz Rektor Prof. Dr. Walther b. Hörmann zu Hörbach, als Vertreter der theologischen Falultät Prof. Dr. Eusebius Popovici, der Dekan der philosophischen Fakultät Prof. Dr. Mathias Friedwagner, der Dekan der juridi-! schen Fakultät Prof. Dr. Adolf Lenz, Prof. Dr. Karl Adler, Prof. Dr. Alois Haridl, Vizebürgenneistep Regienrngsrat Dr. Reiß, der Präsident der Advokatenkammer Dr. Heinrich Kiesler, die A. H. der ’ Verbindung und als Vertreter des Kultusrates, Trichter. Ferner j der akad. Pharmazeute „Verein „Hygiea", die jüd.-nat. akad. techn. Ferialverbinduug „Hebronia", die jüd.-nat. akad. Lesehalle „Emunah", die Suczntvaer jüd.-nat. akad. Ferialverbindung „Tikwah" l und die Finkenschaft. Nch Absingung des Farbenliedes erhielt cand. jnr. Salomon I Kassner das Wort zur Festrede und skizzierte an der Hand einer ergreifenden Erzählung lind durch Herevorhebung einiger historischer .Ereignisse die Entstehung der Hasmonaea, deren Ziele und Ten- > dcnzen. Redner hob hervor, daß im Judentum eine neue Geistes- , Achtung entstanden sei, die man mit Recht jüdische Renaissance nenne, da sie eine neue jüdische Literatur mit neuen Idealen erfüllt habe. Vor 25 Seinestern zählte die Hasmonaea noch zu den sehr lvenigen dieser Geistesrichtung, heute umfasse sie einen großen, immer größer werdenden Kreis. Redner schloß unter stürmischem Beifall seine Rede mit dem Wunsche, daß dieser Kreis auch jene Ueberlebten im Judentum umspannen möge, die bisher noch nicht den Mut gefunden, ihr totgeglanbtes, schwaches, nbsterbendes Alljudentum, gegen daö lebendige, moderne, lebenskräftige Jurigjudentum zu vertauschen, das doch nichts anderes als die Wiederaufrichtuug des alten nationalen Stolzes, das Alltreten des Erbes der unsterblichen glänzenden Vergangenheit erstrebt. Nach Absingung des Vuudesliedes sprach sind. jux. Josef Sch aller auf die Alma mater und beleuchtete das innige Verhälttlis des jüdischen Studenten zllr Wissenschaft, als einem ‘ta'abiticmelten Erbgut seines Volkes und die konsequenterweise daraus resultierende Anhänglichkeit der Hasmonaea zur Alma inater als eine Pflegestätte der Wissenschaft, vor deren Hallell jede Zwietracht zll schwinden habe. In sehr strammer Weise wurde darauf der Kaisersalainauder vom Präsidium kommandiert. Hernach nahm der Rektor magilificus Prof. Dr. v. Hörmaun das Wort. Die Ausführungen des Rektors, die von echt liberaler, moderner uild vornehmer Gesinnung Beweis gabell, fallden geradezu frenetischen Beifall. Wir sind in der Lage, einen Teil der Rede nach dem Steuogrannn zll reproduzieren. Rektor Hörmanil sagte n. a.: „Es liegt in der Vereinigung der ciilzelilen Interessen zll einem gemeinsamen Ziele etwas toie eine Ausgleichung, toie ein Gegengewicht zlir starken Vetonling. zum nergischen Schutz der einzelnen Jildividualitätell, und damit ist im Zlisanlilienhang, daß jedes Volk die nationale Erziehung seiner Jugend in bem Momente beginne, wo der jullge Mann zmn erstenmale zllin Tun volle Freiheit hat, tvo er am empfänglichsten ist für edle Begeisterung, in der Zeit der Universitätsjahre, der aka-- demischen Freiheit. Und wenn diese natioimle Erziehung wirklich bezweckt, eine Festiglmg des Eharakters, eine Erwärmung des Sinnes für das Volk, für dessen Zukunft, für dessen Bestrebungen, für dessen Ringe,r und Kälnpfe», für dessen Not, tverm es.sich ilicyt um leerer.

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