Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 51 (18.12.1903)
- Date
- 1903-12-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 51 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 18. Dezember 1903 Seite 3 finden, das den größten Teil des jüdischen Volkes vor fortschreitender Degencnermrg zu schützen imstande ist. Es ist ganz natürlich und jedermann verständlich, daß der ostafrikanische Vorschlag die Hoffnungen und Wünsche der Juden, die seit Beginn der Diaspora unaufhörlich auf die Aufrichtung der jüdischen Nation auf ihrem historischen Boden gerichtet toaren, nicht vollkommen befriedigen kann, und ebenso begreiflich erscheint cs daher, daß das Projekt seitens vieler, denen das zionistische Ideal wertvoll ist, aus Furcht, daß es durch anderweitige Pläne geschädigt oder gar zerstört lverden könnte, starker Opposition begegnet ist. Schreiber dieser Zeilen ist jedoch der Ansicht, daß diese Befürchtungen unbegründet sind, und daß die Errichtung eines jüdischen Staates außerhalb Palästinas dem zionistischen Ideale nicht tviderspricht, eS nicht verletzt und zerstört, sondern im Gegenteile geeignet ist, das Interesse für die Bewegung zu stärken und es daher unabweislich geboten ist, daß wir das Anerbieten der britischen Negierung ohneweiters akzeptieren und in möglichst ausgedehntem Muße uns zunutze machen. Die Liebe für Zion bedeutet nicht, daß der Jude ausschließlich in dein Lande wohnen möge, welches seine Vorfahren in alter Zer: tatsächlich besessen haben. Während Palästina das gottgegebene, allem anderen vorzuziehende Erbe Israels ist und auch bleiben muß, so ist es andererseits recht und wünschenswert, daß Juden ebenso auch in anderere Ländern tvohnen, und wenn es möglich ist, irgend einen Erdteil zu erhalten, auf dem, als jüdischem Gebiete die Juden das nationale Element konstituieren und entwickeln können, jüdisches Leber: und jüdische Religion vorwiegend bleiben, so ist dies eine Tat, die vorr jedem Juden nur wärmstcns gewünscht rvcrden karrn. Die Bibel selbst derrkt an eine solche Ausdehnung des verheißenen Larrdcs, werrn es irr ihr heißt: „Und es wird geschehen, daß der Ewige deine Grenzen erweitert" (Deut. 19. 8). „Und ich lverde deirre Grenzen erweitern" (Exod. 34. 24) und es ist ja bekannt, daß zu verschiedenen Zeiten dem jüdischen Gebiete einzelne ängrenzerrde Landteile beigefügt lvurden. Daß die Entfernung von Zion der Liebe für dasselbe nicht zrr beeinirächtigen vermag, beweist am besten die Tatsache, daß der Zionismus irr Ländern, wie die Vereinigten Staaten, Kanada, «süd-Afrika und Argentinien, also in Ländern, die nicht nur weit vorr Zion, sorrdern irr derrerr arrch die Judenberfolgurrg als Stimulus für ziorristische Gefühle fehlt, blüht und in hohem Maße aktiv ist. Daß dieses Gefühl nun in einem jüdischen Lairde irgendwie geschwächt werden könnte, ist einfach undenkbar. Es ist im Gegenteile mir Sicherheit nrrzunehmeir, daß dieses Gefühl dairn stetig wachsen werde. Eine freie, jüdische Gemeinschaft, im Besitze solcher Lebensrechte, wie sie einst in ihrem eigenen Lande etabliert werderr sollen, wäre sicherlich geeigrret, die Hoffnungen auf Wiedererrichtung unserer allen Heimat zu erwecken und lebendig zu erhalten. Die Geschichte der Juden ist voll von Paradoxen und es ist leicht möglich, daß Zangwill Recht behält, indem auch diesmal im Gegensatz zu dem allgemein beobachteten Vorgänge, die Kolonie das Mutterland gründen tvcrdc. Die Zahl der Juden in der ganzen Welt ist groß genug urrd reicht für die Gründung einiger Zentrerr hin. Die Zahl der Juden beträgt heilte ungefähr dreizehn Millionen, was genügt, um zwei oder drei Zentren zu bevölkern, wobei noch immer eine beträchtliche Anzahl Juden in solchen Ländern bleiben könrrterr, in welcher: kein Unterschied Zwischen Mensch und Mensch, Religion oder Abstammung reinacht wird. Es muß ferner bemerkt werderr, daß diese Bevölkerung jetzt jährlich um einige Hunderttausend anwächst urrd falls sie von ungünstigen Ausnahmsbestinnnungen, Verfolgungen und Not befreit bleibt, im Verlaufe eines halben Jahrhunderts eine bedeutende Ziffer erreichen wird. Es wird wohl eingewendet werden, daß die Errichtung eines jüdischen Staatswesens in Uganda oder einem arrdererr außerhalb Palästinas liegenden-Lande, sei cs auch sonst günstig oder nicht, für den Ziorrismus unmöglich sei, da dieser durch das Baseler Programm gebunden ist, ausschließlich die Errichtung eirre öffentlich rechtlich gesicherter: Heimstätte der Juden in Palästina nnzustrcben. Dies ist jedoch eil: kleinlicher und unkluger Gesichtspunkt. Derru ivcnn auch das Baseler Programm den Zionisten die Direktion gibt, der: Gegenstands ihrer Bestrebungen irr Palästina zu suchen, so soll es sicherlich nicht den Zweck haben, ihre Hände in einer Werse zrr binden, wodurch sic verhindert werden, die Befreiung ihrer bedrückten Brüder auch auf anderem Wb ge anzuftreben. Aber cs wäre auch rricht angezeigt, diese Angelegenheit anderen Organisatioirerr wickeln, derzufolge die Juden die Alleingescheiten, die Alleinfähigen seien, die deshalb und um die langjährige Uirterdrückurrg zu rächerr, überall das Heft irr Hände bekonrmerr müßten. Konsequerrz schließlich, daß beide zrr dein Cntschlrrsse kommerr, ihre cigerrcn Wege zrr gehen. Man ersieht aus diesen: absichtlich nur in grober: Umrissen wicdergegebenen Inhalt, daß über die künstlerische Bedeutung des Werkes jedes weitere Wort überflüssig ist. Ich darf natürlich nicht verschweigen, daß in verschiedenen Einzelheiten sowohl, wie im gesamten Aufbau des Dialogs der gewandte Routinier, der Dounah ja ist, mancherlei billige Erfolge zu finden vermag, ja sogar, daß manches hübsche Wort und einzelne gute Episoden angenehm oder Muüsarrt ivirken. Doch darum handelt es sich ja gar rächt. Worum sich's dreht, das ist die Tendenz, die gemeine, perfide, niedrige Sensatiorrsteudcnz, die dieses Stück zu einer Schmach für den Verfasser, den jüdischen Theaterdirektor, der es zur Aufführung brachte, und für das Publikum, das ihm — vorderhand wenigstens — Beifall zujohlte, stempeln. Diese Tendenz ist unendlich einfach rmd in ihrer Erfindung gclvih nicht neu. Drmnont in der „Libre Parole" und aridere Drnmonts in den antisemitischen Sndelblättern anderer Länder haben sie oft genug allsgesprochen. Das Judentum gehe entschlossen bor, um die gesamte Macht in die Hände zu bekonmren, die christliche Bevölkerung iinterznkricgen und zn knechten, und zu diesem Zlvecke benütze es die verworfenster: Mittel, dringe in die Familien ein, ersticke in: Volke die Vaterlandsliebe, predige Kosnropolitisnuis und Antimilitarismus, korrumpiere und reize zn den schmählichste,: Ansschreitnngen. Daneben gehen natürlich noch einige andere kleine Thesen aus dem antisemitischen Glaubensbekenntnisse: die Sinnlichkeit und Verworfenheit der Jüdin zum Beispiel. Judith muß den armen braven Michel nüt aller Ncberredulrgskniist znm Ehebruch verleiten. Denn der gute christliche Michel Iväre einer sülchen Sünde von selbst ebenso wenig fähig, tvie alle übrigen Pariser Ehegatte»: arischer Mstammung. Judith wechselt ihre Liebhaber tvie die Handschuhe. Wie sie ihren Marquis verlassen, um Michels Geliebte zu werden, wirft sie sich den: Lazare an den Hals (in der Inhaltsangabe habe ich diese groteske Szene „»erwähnt, gelassen, Iveil sie mit der Handlung nichts zu tun hat), »ürumt cs ihm aber gar nicht übel, daß er sie nicht aus ztveiter Hand haben will. Judith, die Jüdin, schließlich dcrikt immer anS Geschäft. In den schrecklichster, Nerbenkrrsen vergißt sie nicht ihre GeschäftSkoittbinationen. Dann die kleine bekannte These von Mischer Arroganz, für die das Jüngelchen Botveuberg herhalten zu überlassen. Der Zionismus ist heute die Stimme des jüdischen Volkes und der zionistische Kongreß ist die höchste beraterwe legislative Körperschaft Israels. Er hat die Pflicht, sich mit allen Dingen zu beschäftigen, welche das Judentum als Volk betreffen. Es wäre aber schlimm, wollte man rächt begreifen und geradezu ein Verbrechen, cs zu leugnen, daß die Gelegenheit, ein ausgedehntes, fruchtbares Land zu erhalten und auf demselben das Gebäude des jüdischen Staatslebens wieder zu errichten, die zerstreuten und geschlagenen Reste von Judas Geschlecht zu sammeln, das »richtigste Ereignis in der Geschichte der Juden seit der Zerstörung des Reiches ist. Nach meiner Ansicht »väre jetzt ein Zögern der größte Fehler. Das niedergedrückte Judentum ruft laut uach Befreiurrg und »vährend unsere Führere beraten und die Expedition Vorbereitei:, steigt das Elerrd unaufhaltsam, und sind unsere Feinde bemüht, uns auch dieses Refugium zu berschließen. Die Expedition, berufen das Land zu erforschen und daun den: Kongresse Bericht zu erstatten, ist völlig überflüssig urrd zeitraubend. (?) Wir wissen heute schon vorr autoritativer Seite, daß Uganda nicht nur für die weitgehendste Kolonisation geeignet ist, sorrdern auch zu den schönsten und gesündesten Gegenden der Erde gehört. Es gibt nach der geringsten Schätzung 30 000 bis 40 000 Quadratmeilen fruchtbaren, mit Wasser reichlich versehenen Landes, mit einem Klima, tvie man es in den schönsten Gegenden. Englands nicht besser findet, und außerdem noch viele tausend Quadratmeilen Landes, »velches, »venu auch nicht so Ivertvoll, tvie die obcnertvähnten Landstriche, dennoch cberrso gut ist, tvie viele andere Gegenden, irr denen Weiße leben. Hierbei dürfen wir nicht vergessen, daß es Hunderttausende von Juden gibt, die, gleich den Jemeniten: oder Marokkanern an das heiße Klirna gewöhnt sind und sehr geeignetes Kolonisationsmaterial für die tropischen Teile des Landes abgeben tvürden. Das Anerbieten sollte unter allen Umständen akzeptiert und dafür gesorgt lverden, daß die Konzession sich auf ein für Millionen von Akctnschen hinreichendes Gebiet erstrecke. Das Problem ist ein sehr großes, während die zur Ausführung gedachten Mittel zu klein zu sein scheinen. Eine kleine Konzession, Letrefferw 2000 bis 3000 Quadratmeilen würde der großen Tragweite des Problems kaum nahe kommen. Ein Gebiet von zumindest 60 000 Quadratmeilen, also ungefähr so groß, wie der Staat New-Dork, scheint mir unerläßlich; 100 000 Quadratmeilen wären natürlich noch besser. Da das Gebiet von Britisch-Ostafrika 600 000 Quadratmeilen beträgt, so wäre ein solcher Wunsch gar nicht unbegründet. Anderen „Nein". Die — siegten, die Letzteren, Nchird Haam. Kontra. Die Einen sagten „Ja", die Ersteren waren in der Mehrheit und die Besiegten, weinten händeringend. Der Ersteren Vorgehen bedarf keines Kommentars. Viele von ihnen waren stets nur relative Zionisten; „Zion" war für sie ein erborgter Name für den „Judenstaat", möge er sich wo immer befinden. Andere unter ihnen find im Allgemeinen Mitleid empfindend und stets bereit, ohne viel Nachdenken zu jedem Vorschläge „ja" zu sagen, der „zu Gunsten der Armen" spricht. Der Rest besteht aus professionellen „Ja"-Sägern, wie! cs solche zumeist in allen, nur von einem Menschen geleiteten Bewegungen gibt. Sie sind formlose Körper, nttt denen der „Schöpfer" stets nach seinein Gutdünken umgeht. Diese können nicht „nein" sagen, wenn er ja sagt. Leute dieser Sorte waren einst dem Sabbathai-Zewi und dem Frank noch weiter als nach Afrika gefolgt: in den Abgrnnd. Wie sollten sie nun nicht dem Herzl nach Afrika folgen, um von dort nach Palästina zurückzukehren? Aber die Anderen, die „Nein"-Sager sind einer genaueren Prüfung wert. Die meisten von ihnen sind Männer, die zuvor nicht „Material in der Hand des Bildners" waren, sondern ausgeprägte Gestalten und da sie nun sahen, wie man die Hand ausstreckt, um die letzte Linie auszulöschen, die ihnen von ihrer alten Form noch zurückgeblieben war, rafften sie muß, dann die alte Geschichte von der Ueberzeugnng der Jrwen von ihrer eigenen geistigen Ueberlcgenhett, ihren: Raffinement in Kunst und Kunstgenuß, ihrer Vaterlandslosigkeit, ihrer Feigheit und was weis; ich noch was alles. In perfiden, groben Zügen tvird all das den» Publikum serviert. Und das gute Publikum johlt dabei vor Vergnügen, tvie es in tiefster Rührung erstickt, wenn die braven Arier des Herrn Donnay, tvie Michel und feilt Onkel Emile, der brave biedere Onkel Emile, Tiradcn über Patriotismus, über Reinheit der Sitter: und über die Schändlichkeit der „Vaterlandsihre letzte Kraft auf, um „nein" zu sagen. Und als sie sahen, daß ihr „Nein" in der Majorität aufgeht und der Strom Alles hinwegzureißen im Begriffe ist, traten sie in einen Winkel und weinten. Worüber? Ob der Treulosigkeit ihrer Führer? Wegen der Erniedrigung des nationalen Ideals? Nein! Dergleichen beantwortet man nicht mit Tränen und Seufzern, sondern mit Taten. In solchen Momenten ergreift das lebendige Gefühl — wenn es in Wahrheit lebt — den ganzen Menschen und die innere Erbitterung macht auch den Schwachen zum Helden, um wie ein Löwe für den Gegenstand seiner Sehnsucht zu kämpfen, ohne sich erst Rechenschaft zu geben. Und sie, die Neinsager, weinten, seufzten und — trösteten sich. Die Kinder folgten der „väterlichen Zucht;" zwar trübte noch eine Wolke ihren Blick, «och sah man die Spure« der Tränen auf ihren Wange« —■ da empfand der „Vater" Mitleid mit den traurigen Kindern und besänftigte sie durch allerlei Süßigkeiten, damit sie das Frendenfest nicht weiter stören. Warum hatten sie also geweint? Ich glaube die Antwort darauf zu wisien und will sie hier ganz unverküllt sagen. Es ist schon Zeit, klar und deutlich Alles zu verkünden. 'K Als diese Leute vor 6 Jahren zum erste« Mal nach Basel kamen, hatten sie einen vollkommenen, tiefen Glauben mitgebracht; sie glaubten von ganzem Herzen, daß eS für die Auferstehung Israels als freies Volk, das in seinem Geiste lebt, nur einen Weg und keinen anderen gebe: die Rückkehr ins Land der Väter und die Zentralisation daselbst, um das Volk durch das Land und das Land durch das Volk zu beleben. Sie sahen wohl auch damals dis großen Hindernisse, aber ihr fester Glcube an die Kraft des ewigen historischen Bandes, war stärker als Alles. Sie dachten nicht daran, das Land stürmisch zu erobern. Sie wußten, daß sie sich einer langen Aufgabe für Generationen unterzogen haben und daß man nur langsam, schrittweise sich dem Ziele näher» kann. Die Meinugen waren unter ihnen wohl geteilt. Biele glaubten, das Ziel sei die Rückkehr aller Juden nach Palästina, wodurch die körperliche und geistige Not unseres Volkes zu Ende wäre. Manche hielten diese Hoffnung für übertrieben und der Zweck der Arbeit nur in der Ansammlung eines gewiffen Teiles des Volkes in Palästina. Was jedoch die Mittel betrifft, war die Majorität der Ansicht, daß man die Kolonisation Palästinas unaufhörlich, aus welche Art immer, ohne viele Vorbereitungen erweitern muß. Die Minorität war der gegenteiligen Ansicht, daß nur eine gut geordnete Kolonisation auf fester Grundlage uns zum Ziele führen könne. Alle aber standen sie auf einer felsenfesten Basis: auf der Basis des Glaubens an das historische Band zwischen Volk und Land, welches Band den Geist unseres Volkes zur Selbsterkenntnis wecken werde, damit cs für seinen Bestand kämpfe, bis die zu seiner freien Entwickelung notwendigen Bedingungen geschaffen sein werden. Und von dieser Basis konnten sie alle „politischen" Träume nicht entfernen, die vor ihren Augen emporgeblüht und wieder verwelkt waren. Noch zn Beginn der Bewegung vor 20 Jahren, fanden sich Leute, die ihnen sagten: „Wie kann man hoffen, aus stückweise zusammengetragenen Ziegeln in wüstem Lande das Haus Israels aufzubauen? Im Westen Nordamerikas, dieses großen, prächtigen Kulturlandes, haben wir Raum genug. Sechzigtausend Juden können daselbst — auf Grund der in den Vereinigten Staaten herrschenden Gesetze — ein eigenes Land für sich mit eigener Verwaltung bilden und in absoluter Freiheit leben." Mit einem ans tiesinnerrn Erkenntnis stammendem Vertrauen erwiederten sie darauf:. „Ja in Amerika ist Alles vorhanden; nur Eines fehlt dort: die historischeBasis, die allein das große Wunder der Erneuerung des internationalen Geistes in dem zerstreuten Volke bewirken kann. Das ist unser Glaube und deshalb richtet sich unser Blick nach Zion. Denkt Ihr anders, so gehet hin und versucht Euer Glück!" Einige Jahre waren verstriche«. Die amerikanischen losen" loslassen. So kühlt Herr Donnay, der sein indisches Aussehen auf , Träumer zerstreuten sich nach allen Richtungen der Windrose, kreolische Abstammung zurückführt, sein Mütchen an den J:rden.! Viele von ihnen wurden Kaufleute in Amerika und vergaßen Vielleicht tut er's auch nur, weil er weiß, daß dabei ein gutes.'hren Traum. Die ehrlichen Zionisten aber standen weiter auf Geschäftchen heransschant. Daneben nimmt er aber auch eine kleine der Warte und verrichteten ihre historische Arbeit geduldig wie persönliche Rache, die ich hier mir erwähne, weil sie für Herrn, zuvor. Da kam ein neuer Laudträumer und öffnete mit der Donnay am charakterislischesten ist, so charakteristisch, daß allein die „Libre Parole" so dnnnn ist, sie in ihrem Berichte zu erwähnen. Herr Donnay hat mit unserem Landsmann Max Nordau, der bekanntlich in der Kunstkritik einen internationalen Rang cinnirnntt, ein Hühnchen zu pflücken. Wahrscheinlich hat Nordau es einmal getvagt, au Dormays Größe zn ztveifelu. Und in unendlich geschmackvoller, für in ihrer Eitelkeit verletzte Dramattker nicht genug zu empfehlender Weise findet Donnay darauf seine Replik. Erlegt einem Theaterpopaiiz schlimmster Art -— dem oben schon erwähnten dänischen Philosophen rmd Kosmopoliten Dr. Lourdan (Anspielung ans den Namen und die Figur Nordens) Worte und Dinge in den Mund, tvie sie blödsinniger nicht erdacht werden können, und läßt den darstellenden Schauspieler die Maske des also karikierten Kritikers anirehiiieil. Noch schlimmer aber tvird die Sache durch die einfache Erwägung, daß Nordau als Arzt Schwartzkoppens eine — seinerseits freilich sehr diskrete ■— Rolle in der DreyfiiS-Affäre gespielt hat, und daS Doinray'schc Machtverk mit deutlicher Absichtlichkeit in gewissen Momenten — so in die Streitszene über Militarismus im dritten Akt —: an diese traurige Affäre anknüpft. Begreiflich daher die Aufnahme dieser Karikatur seitens des Theaterpöbels, nicht minder begreiflich die Ansicht jedes Anständigen über solche Gemeinheit. Im ttebrigeir sei „Retour de Jerusalem" den Theaterdirektoren, die sich für Herrn Donnay und Konsorten ja immer so trmrm einsetze», bestens empfohlen. Vielleicht kann riran auch bei uns damit Geld machen, lind das ist ja doch die Hauptsache. Nicht wahr? F. P. F i s dj c v. i „P. L.") Macht seines großen Vermögens die Tore eines neuen Landes — Argentiniens. Wieder begeisterten sich Viele und machten dieses Land „zum nationalen Ideal". Aber die zur Fahne Zions geschworen hatten, hielten sich fern. Sie wußten, daß der neue Traum nicht verwirklicht werden kann, da er der historischen Basis entbehrt. Sie ließen di» Millionen klingen, verrichteten aber ihre schwere Arbeit in Not und Elend, jedoch mit innigem Vertrauen darauf, daß ihr Traum verwirklicht werden muß, einerlei wann. Nach wenigen Jahren hatte sich auch der argentinische Sturm gelegt, die Begeisterung war hin, das „Ideal" zum Gespött — die Fahne Zions steht noch aufrecht und ihre Träger halten noch fest an ihrem Glauben, sie arbeiten und hoffen noch wie zuvor. Mit diesem Glauben und mit dieser Hoffnung kamen sie vor 6 Jahren nach Basel. Hier sahen sie die Männer mit dem äußeren Glanze des Westens. Hier war ihnen die siegreiche Basis unbemerkt entglitten. An Stelle des nationalen Geistes trat die Politik an Stelle der inneren Entwicklung die äußere Diplomatie. Man zeigte ihnen dort, wie leicht auf diplomatischem Wege das jüdische Land in Palästina in kurzer Zeit gegründet werden könne. Es bedürfe nur eines in Konstantinopel unterfertigten und in anderen Residenzstädten bestätigten Vertrages. Das war der „große politische Gedanke" der westlichcn Herren. Die von Osten nahmen ihn an, ohne zu bedenken, daß sie dadurch Abenteuern ausgesetzt wurden . . Dem Zionismus ans dem Papier, dessen Anfang im Programm, dessen Ende in: