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Jüdisches Volksblatt · 1903-12-18 · 51 (18.12.1903) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
51 (18.12.1903)
Date
1903-12-18
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Ff' t\ f >. H(>'1 % ■' 4 tu; r *1( : r . Seite Wien, Freitag Jüdisclies Volksblatt. 18. Dezember 1903 Isr. 51 Budapest zählt ca. 1000 Vereine der verschiedensten Art. Gar viele von ihnen, insbesondere die qroßen liberalen und demokratischen Klubs besitzen überwiegend jüdische Mitglieder und auch die Einnahmen und die Vereins- Vermögen stammen fast ausschließlich aus jüdischen Taschen. Eigentlich interkonfessionell unterlassen es diese Vereine doch nie, ihren „christlichen" Charakter herauszukehren. So fand beispielsweise vor wenigen Tagen im Lipotväroser-(Leopoldstädter)-Kasino ein Bankett zu Ehren des reformierten Kirchenkonventes statt, während es natürlich noch nie einem dieser, in ihrer großen Mehrheit jüdischen Klubs und Kasinos eingefallen ist, etwa der israelitischen Landeskonferenz eine ähnliche Aufmerksamkeit zu erweisen. Doch schließlich haben diese Vereine außer ihren jüdischen Mitgliedern nichts mit dem Judentum gemein und so wenden wir uns den spezifisch jüdischen Vereinen zu. Der Zahl nach sind es etwa 40, also kaum der sechste Teil derjenigen in der kleineren jüdischen Gemeinds Wiens u«d jedenfalls eine äußerst kleine Zahl. Es sind da die Chevra-Kadischas, die diversen Frauenvereine, auch in sehr bescheidendr Zahl und dann die verschiedenen Wohltätigkeitsoereine. Ueber letztere läßt sich bereits vieles erzählen. Da in Budapest ein großer Mangel an Gotteshäusern besteht — besitzt doch die große Pester Gemeinde bloß zwei Gotteshäuser (!) beide nebeneinander gelegen — so besitzen einige dieser Wohlrätigkeitsvereine Räumlichkeiten, wo „täglich früh und abends gebetet wird". Tempelversine, welche doch bekanntlich in Wien eine große Anzahl der schönsten Gotteshäuser gebaut haben und erhalten, gibt es hier bezeichnenderweise keine, und so gibt es viele Stadtteile, von den Gotteshäusern weit entfernt, wo der T e m p e l b e s u ch f a st unmöglich i st. Die Betlokalitäten der Wohltätigkeitsvereine sind jedoch auf das primitivste eingerichtete Gassenlokalitäten, klein und dumpfig und dabei stets sehr stark besucht. Vor einigen Tagen war ich in einem solchen Lokale, neben der Oper, im Zentrum der Stadt und ich kann wahrhettsgetreu versichern, daß ich im letzten Dorfe noch nie eine ähnlich dürftige, armselige, direckt zu Spott herausfordernde Gottesstätte gesehen habe als hier in Budapest dessen jüdische Gemeinde ein Jahresbutget von 100.000 besitzt und eine anzahl von steinreichen Millionären unter ihren Mitgliedern zählt. Doch, über dieses Thema ein anderesmal mehr. Wenden wir uns wieder den Wohltätigkeitsvereinen zu. Lese« wir die Namen dieser Vereine so finden wir gu~ xnrfctcrm ©ifiuuwnt nc&eif ip ttagUC t et, Sp « n w o-tt t a re. auch einen Deük-Ferenzverein, welcher ein eigenes Betzimmer besitzt, ja ein gleicher Verein hat vor wenigen Jahren feinen ehrlich jüdischen Namen „Poel Zedsk" auf „Kofsut Lajosoerein" geändert. Das Verdienst dieser beiden Staatsmänner mag von der ganzen Bevölkerung Ungarns unbestritten sein, und die Mitglieder der Vereine mögen heiße Verehrer dieser ungarischen Großen sein, aber — wenn wir auch jür den Moment ganz den jüdisch-nationalen Standpunkt außerachtlassen und von assimilatorischem Gesichtspunkte ausgehen — unwillkürlich taucht die Frage auf. wie passen dis eminent politischen Namen Kossuts und Deüks für eine jüdische Institution und eine jüdische Betstätte? Genügt es nicht etwa, daß das Judentum in diverse religiösen Parteiungen gespaltet ist, muß es etwa auch noch ein liberales Bethaus geben, dann eines, das nur die Mitglieder der Unabhängigkeitspartei besuchen rc.!? Keine einzige Religionsgenossenschaft erlaubt es auf diese Weise Tendenz in ihre Institutionen zu bringen, denn das wäre ihr Ruin und auch für das Judentum ist es ein äußerst gefährliches Spiel. Zur Zeit der Kirchengesetzgebung ließ in einer Provinzgemeinde jemand bei der Thora ein „Mischeberach" für Wekerle und die Minister, ein zweiter für die Führer der Opposition sagen und zum Gaudium der ganzen christlichen Bevölkerung kam es im Tempel zum erbitterten politischen Streit. Deäk-Ferenz war Katholik und dennoch gibt es keinen katholischen Verein, der seinen Namen angenommen hätte und wenn wir die Liste der Budapester katholischen Wohltätigkeitsoereine durchschauen, so finden wir ausschließlich.kirchliche Namen, nicht aber ein so feiges Versteckenspielen wie bei den jüdischen. Hier nur eine kleine Liste katholischer Wohltätigkeitsvereine, ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu machen: „Skt. Anton von Padua" „Hl. drei Erzengel", „Erzengel Gabriel", „Skt. Anna", „Skt. Barbara", „Skt. Cyrill und Methodius", „Skt. Donath", „Skt. Franz", „Skt. Georg", „Skt. Josef", „Skt. Stefan", „Skt. Johann", Skt. Ludwig", „Skt. Noe", „Skt. Nikolaus", Skt. Leopold", „Skt. Nikolaus", „Skt. Urban", „Skt. Peter und Paul", „Skt. Simon", „Skt. Therese", „Skt. Wenzel" u. s. w. in bunter Reihe. Auch unter den protestantischen finden wir kaum einen Kossutverein, der Fall aber, daß etwa ein christlicher Verein nach einem noch so verdienstlichen Juden sich nennen würde, ist viel zu grotesk, als daß man ihn überhaupt ausdenken kann. Wer will, kann Ko s s u t und Denk auf hunderterlei Art ehren, den Betverein nach ihn zu nennen ist jedoch ganz gegen die Intentionen unserer jüdischen Religion, die jeden Personenkültus auf das strengste verpönt. Es ist deshalb auch die Vereinsbenennung nach um das Judentum verdienten Männer nicht zu empfehlen, insbesondere da manche dieser Vereine durch ihr ganzes Gebühren dem Träger ihres Namens alles eher als Ehren bereiten. Beispielsweise trägt ein hiesiger Wohltätigkeitsverein den Namen eines großen, wahren Juden, des unvergeßlichen Baron Moritz Hirsch. Er ist auch in vielen Provinzorten verbreitet und betreibt insbesondere die Versicherung der Dienstboten. Wie viel jüdischer Geist im Vereine herrscht, beweist der Umstand, daß der Verein im Pozsonyer Antisemitenorgan, dem „Preßburger Tagblatte, Organ für chriftlichsoziale Interessen" inss^isvt. Qp5 »st etttc ko/2 {jvojjo« jt’tfcit., schen Wohltäters und der Verein täte wohl sehr gut, wenn er seinen Namen in „Luegerbund" oder „Jstoey-Klub" umänderte. Noch ein solcher Verein ist da, von dem man eine Aenderung seines jüdischen Namens in einen auderen dringend verlangen kann und zwar umsomehr, als er einen Namen führt, der allen Juden heilig, gerade in unserer nationalen Bewegung das Hauptziel und Ideal ist, nach dem sich die ganze jungjüdische Wiedergeburt nannte, den heiligen Namen „Zion". Wenn ein fremder Gesinnungsgenosse am Ring das prächtige Palais mit dieser Aufschrift sieht, so glaubt er wohl einen Verein zu finden, der, wenn auch nicht zionistisch, sich vielleicht doch mit der Kolonisation Palästinas befaßt, oder sonst wie in Verbindung mit dem heiligen Lande oder dem Judentums steht. I« Wirklichkeit ist dieser Verein, wohl von Juden für jüdische Wohltätigkeit gestiftet, heute ein bloßer Kranken- und Dienstbotenversicherungsverein, interkonfessionell und hat nicht das geringste mit dem Judentum gemein und darum ist auch sein jüdischer Name unberechtigt. Im „Egysnlösüg" wurde in der letzten Zeit vom Redakteur Szübolcsi Miksa proponiert, in Ungarn einen Verein für die Kolonisation P a l ä st i n a s zu begründen. Es wäre sehr schade, wenn dieser Plan nicht auSgeführt werden möchte, denn wäre dieser Verein auch entschieden assimilatorisch und antizionistisch, wenn er einmal für Palästina arbeitet, so treffen wir uns schließlich gemeinsam in vielen anderen nationalen Bestrebungen, denn nicht nur nach R o m, a u ch n a ch Z i o n führen a l l e W e g e. In erfreulich großer Anzahl sind auch die Vereine, in denen das Studium der spezifisch jüdischen und hebräischen Wissenschaft betrieben wird, Talmud, Bibel u. s. w. Wenn diese Leute den jüdisch-nationalen Gedanken kennen lernen werden, so werden sie ihm in großen Massen auch öffentlich angehören, denn unbewußt huldigen sie dem jüdischen Ideale im Herzen seit jeher. Es fehlt ebcn der äußere Antrieb, — doch der muß und wird kommen. Vielleicht noch früher als wir es alle hoffen, Vor kurzer Zeit habe ich bereits von der Gründung einer zionistischen Gesellschaft „Makkabäer" gemeldet. Heute läßt sich bereits mehr darüber melden. Die ungarische Regierung vrhinderl das Zust a n d e k o m m e n z i o n i st i s ch e r Vereine, aber Tischgesellschaften bis 50 Mitglieder sind gestattet. Vorläufig ist es erst Eine in Budapest, ausschließlich aus Akademikern bestehend, doch bereits in Bälde dürften eine ganze Reihe von neuen Gruppen entstehen. Diskuffionsabende finden allwöchentlich, natürlich in ungarischer Sprache, statt, es wird eifrig an der Gründung eines zionistischen Blattes gearbeitet und bereits Sonntag, den 20. d. M. tritt die Vereinigung mit einer „Makkabäerfeier" vor die jüdische Oeffentlichkeit. Es wird dies die erste jüdisch-nationale Veranstaltung in Budapest sein und steht bei dem reichhaltigen Programme zu hoffen, daß sich ein Teil der hiesigen Judenschast und auch auswärtige Freunde Sonntag im „Hotel Royal" versammeln. Vielleicht ist gerade dies der Ausgangspunkt, von dem die hiesige jüdisch-nationale Bewegung beginnt. Vederemo! Lovoslav S ch i ck. (Ans dem „The Maccabaean".) Nev. Dr. Bernhard Drachmann. P r v. Das generöse und von hohem sittlichem Ernste zeugende Anerbieten der britischen Negierung an das jüdische Volk, demselben im ostafritanischen Protektoratsgebiete ein ausgedehntes Stück Land behufs Gründung eines autonomen jüdischen Staates unter britischer Souveränität zu überlassen, ist ein Ereignis von großer und epochemachender Wichtigkeit. Als solches darf es lvohl die ernsteste Betrachtung von allen Teilen des jüdischen Volkes, nicht nur von zionistischer Seite, beanspruchen. Kein denkender Beobachter jvird es mehr leugnen, dag es unsere unerläßliche Pflicht geivorden, irgend einen energischen, radikalen Schrill zu tun, um dem großen Elende, in lvctchenl sich Millionen unserer verfolgten Brüder im östlichen Europa befinden, ein Ende zu bereiten und andererseits ein Präventivmittel zu ctivas zu tun, ivas lvir nicht können, weil wir zu sehr mit einer anderen ilultnr, hier speziell mir der deutscheir, verknüpft sind." Tiefer Einwand wäre berechtigt, wenn es möglich wäre, ein moderner Mensch zu sein, in dem man nur aus einem Kulrurkreise schöpft. Das ist aber nicht richtig. Es gibt in jeder Kultur eine Anzahl bon Schöpfungen, die ein Fremder nicht begreift, die für einen Fremden keinen Wert haben und die trotzdem für die Kultur, der sie eutsprosseu sind, eine Bedeutung besitzen. Tann gibt es eine Anzahl von Werken in jeder grotzen Kultur, die, obpohl eiirem bestiminten Volkstum entsprossen und nur aus diesem Volkstum erklärlich, dennoch ihren Platz in der Weltliteratur haben. Denken Sie an einen D v st o j e w s k h, der ganz und gar Russe ist und der dennoch mit jeder seiner Schöpfring der gesamten Kulrurwelr angehört; denken Sie an einen Ibsen, air einen st, o l a. Und nun entsteht die Frage: Sollten wir ein Volk, das mit Intellekt förmlich gezüchtet ist, nicht das in uns aufnehmcn, ivas zugleich national ist und doch schon der europäischen Kulinr angehort, sollteir wir die Werke unserer östlichen Stammcsgeirosscn, aus denen eine spezifische jüdische.Kultur spricht, die aber sich die Anerkennung Etlropas erobert haben, nicht gemessen und anderen Mitteilen'k Ich halte cs für die Pflicht derjenigen Inden, die schorr national sind, aber nicht jüdische Kultur sozusagen mit der Muttermilch in sich nufgeuonrmcu haberr, das, was an dieser Kultur schon reif ist voir arideren, bon a l l e n a n d e r rr gekannt zu werden, zu studieren. Diese ästhetische Pflicht lege ich Ihnen ans Herz; uitd noch eine. Nämlich zu gleicher st,eit ein guter Jude und ein guter Europäer zrr sein. Ein Jude mrrtz mehr iure der Angehörige eines jeden anderen Voltes sich mit den Kulturgütern anderer Völker, die über das reiir Lokal-Natiorrale heransgewachsen sind, vertraur machen, strmächst ist der Jude durch eine sehr alte Tradition kulturfähiger ivie andere. Ter Jude hat mehr lvie andere unter den verschiedensten Völkern gelebt, ist mit allen möglichen Kulturelementcn irr Berührung gekommen. Er ist daher, viel fähiger selbst als die Deutschen, fremde Kriltrirelemente in sich aufzunehmen- Noch ein Moment kommt dazu. Wir sind eine geborene Minoritätsnation. Wir kör men unsere Position nur dann behaupten, wenn lvir kulturelle Eroberungen machen. Noch eine andere Pflicht lege ich Ihnen aus Herz, in sozialen Dingen fortgeschritten zu denken und zu crnpfirrden. Ich halte den Pessimismus in Bezug auf die antisenritische Beivegurrg nicht für berechtigt. Das ist nicht bb'tz eine wissenschaftliche Ueberzengung. sondern eine Art Glaube bon mir. Der soziale und sozialistische Gedarrte ist aus den tiefsten Schichten des jüdischen Volkes heraus geboren. Ich mcirre nicht den Sozialismus eines Marx, auch nicht den modernen Gefühlssozialismus, ich meine den Gerechtigkeitssozialismus. Dieser ist eine jüdische Erfindung, so lvie ihr, die Propheten, allen voran Jcsain, gelehrt haben. Daran ivolteu lvir auch festhalteu. Retour de Jerusalem. Es gäbe nichts Einfacheres und Leichteres als über das neue Stück bon Maurice Douuay, das dcit suggestibeu Titel „Zurück voir Jerusalem" („Retour de Jerusalem") führt und das für jeden airstäudigeu Menschen den hühlicheu Stempel gelvottter Scusatiem deutlich auf der Stirne trägt, nrit dem Worte „elendes Machwerk" zur Tagesorduuug überzugeheu. Wenn ich's nicht tue, so geschieh): dies nicht allein, lveil ich der Ueberzengung bin, datz solche Pamphlete niedriger gehängt werden müssen, sondern in der Hauptsache schorr deslvegeu, weil gerade dieser Maurice Douuay, für dessen dramatische Bedeutung ich keinen Sou gebe, bei uns für einen Hauptvertreter der modernen französischen Dramatik gilt mrd es mir ein Vergnügen bereitet, zu zeige»!, datz au dem Manne nicht tun einen Deut mehr dran ist, als an all den anderen Pariser Theaterfabrikauteu, für die unsere Direktoren und unser Publikum immer noch inehr übrig haben, als für die Besten unserer einheimischen Dramatiker. Vor allem loill ich Ihne» kurz den Inhalt dieses Machwerkes erzählen, für desseuBedeutuiig es lvohl kaum etlvasEharakteristischeres gibt als die Tatsache, datz Druurout in der „Libre Parole" die Erslaussühruug nrit den fettesten Lettern seiner Druckerei als „Manifestation uationaliste" aukündet. (Natioualiste heißt im Wörterbuche DrumoutS: aiitijriibe.) Judith, die Tochter eines reichen jüdischen Bankiers, eine Intellektuelle, die Gynmasinlstudieu geruncht und das Abiturieuten-Epamen bestanden hat, ist die Gattin eines Marquis, den sie bon der Schulzeit her kennt und den sie offenbar nur geheiratet hat, lveil sie sein Titel reizte. Natürlich musste sie sich taufen lassen, um in die hochadelige Familie eiutreteu zu können. Ihr Manu langweilt sie aber, lveil er sie nicht versteht, lveil er Spvrtsmau ist und lveil er vermutlich — da lvir ihn irn Stück nicht kennen (errren, lässt sich das mir vermuten — nach den Flitterwochen seiner Frarr gelegentlich ihre jüdische Abstammung Vorlvirft. Summa suurmarum, Judith hat genug bon ihm und wirft sich Michael Arrbier an den Hals, der Schriftsteller, Philosoph und „Intellektueller", ganz dazu augetall scheint, sie zu verstehen. Michel ist rnit Suzaune verheiratet, Bater zweier Kinder und seit er Judith keimt, ebenfalls unverstanden. Trotzdem will er von Ehebruch nichts lvissen, zu dem ihn Judith i» einer Weise aufsordert, lvie eine Dirne es schamloser nicht tuöute. Er will seine Liebe der Ruhe und dem CiSfiicf seiner braven Snzamre opfern. Als aber Suzaune das Techtelmechtel entdeckt, das bisher platonisch geblieben ist, und Michel eine empörte Szene macht, läuft er dennoch feiner Judith nach. So weit der erste Akt. Im zlveiterri kommt das Pärchen — Michel und Judith — von einer Reise nach Jerusalem zurück. Judith ist ihrem Manne durchgegangen und lebt mit Michel in wilder Ehe. Schon am Tage nach der Rückkehr gibt es einen Konflikt. Lazare Höndelsohn, Judiths Jugendfreund, besucht sie und fordert Michel, desserr Name in der Literatur einen schönen Klang hat, ans, einem Verein beizutreten, dessen Gründer Lazare ist und dessen Tendenzen, lvcnn sie auch Michel rricht unsympathisch sind, doch nrit denen seiner Verwandten und Freunde kontrastieren. Judith nirnint Partei für Lazare gegen Michel und beschirnpft seine Verlvandten. Der dritte Akt bringt den Salon Judiths. Sie hat eine Anzahl „Intellektueller" von jüdischer Abstammung mit angeblich jüdischen Namen: Afkler, Vowenberg nslv. gegen Michels Willen in ihr Hans gezogen, Auch ein dänischer Philosoph, Dr. Lvurdan (lies: Nordau) gehört zu diesem Kreise, in dein Michels heiligste Gefühle, als Vaterlandsliebe, Familieugefühl nslv., in den Kot gezerrt werde». Der jurrge Vowenberg, ein arrogantes, nrrarigenehrnes Individuum, rnacyt irn Verlaufeeiuer Diskussion über Militarismus eine verletzende Bemerkung über den Offiziersstand, dem — lvie er lvissen mutz — Michels Bruder augehört. Michel weist ih»r die Türe, Judith nimmt für das Bürschchen Partei, ein heftiger Streit entbrennt, Worte lvie „Sanjnde" fliegen herum, und Judith enthüllt irr der Aufregung ihre „lvnhre Seele". Sie ist jüdische Chnuvinistin, die an der Klagemaner Jerusalems den Ehrisle» elvige Rache geschlvoren hat. Irn vierten Akt schliesslich erfahre» lvir, datz Michel einen Freund zrnn Sekretär des Ministers empfohlen hat, dieser aber die Stelle nicht bekam, lveil Judith durch Lazare Höndelsohn den jungen Vowenberg in die Stellung protegiert hat. Nene Gelegenheit zu einem heftigen Streit, und »reuerliche Gelegenheit für Judith, ihre Weltanschauung zu ent-

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