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Jüdisches Volksblatt · 1903-12-11 · 50 (11.12.1903) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
50 (11.12.1903)
Date
1903-12-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 50 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 11. Dezember 1903 begleitung das El mole rachmim für das Seelenheil des Gründers des Bet-ha-Midrasch, Dr. Adolf Jellinek, in höchst feierlicher Weise vor. Lektor Friedmann sprach den V'ip Der Chor sang die Volkshymne und die Festfeier, die alle Anwesende in gehobene, toeihevolle Stimmung versetzt hatte, war zu Ende. Die Wiener Makkablierfeier dürft« sich voraussichtlich auch Heuer zu einer glänzenden Demonstration der zionistischen Organisation in Wien gestalte«. Schon der Komiteeabend, der letzten Sonntag im Hotel ,Post" stattfand, war äußerst zahlreich besucht und verlief sehr animiert. Die Frauen des Komitees, welche liebenswürdig die Honneurs machten, könne» auf den Erfolg des Abends stolz sein. Für dis Hauptfeier, die am 12. d. M. im Sophiensaale stattfindet, gibt sich bereits reges Interesse kund. Der Kartenabsah seitens der 200 Komiteedamen geht flott vor sich. UeberauS glänzend repräsentiert sich das Programm. Dr. Franz Oppenh eimer, der berühmte Berliner Gelehrte, hält die Festrede. Der jüdische Männer-Gesangsverein „Schir Zion* (Leitung Prof. S u l z e r). der sich auch im besten Sinne bekannt machte, wird eine Glanzaufführung bieten. Die Name«! der Virtuosen: Prof. Jos. Sulz er, Oberkantor Bela; G u t t m a n n, Heinrich Fiedler (Biol.), Hedwig Mark, aus Berlin, bieten die Gewähr künstlerischen Genusses. Die! Karten sind fast vergriffen. Entreekarten ä 2 Kronen find noch Freitag 3—4 (Samstag geschlossen) im Kongreßbureau . IX., Türkenstrasse 9, III. Stiege, II. Stock zu haben. De«^ Kartenverkauf haben auch die bedeutendsten Cafes und Re-' staurants übernommen.! Große Volksversammlung. Montag den 14. d. : 8 Uhr abends findet im Etabliffement Ronacher, I., Schellinggasse, eine große Versammlung statt, in der der Sozialpolitiker Dr. Franz Oppenheimer üher „die Besiedelung eines Volkes sprechen wird. Korreferat Arch. Oskar M a r-. m o r e k. Volksgenosse« erscheint zahlreich! j Wien. Der seit 36 Jahren bestehende Allgemeine Kranken-! Unterstützungs-Verein „Nächstenliebe", 2. Bez., Praterstraße 60, veranstaltet auch im heurigen Jahre wieder ein Wohltätigkeitsfest und zwar ein Kostümkränzchen (ohne Kostümzwang), und wird dasselbe am 0. Jänner 1904 in den Prachtsälen des Hotel Post, 1. Bez., Fleischmarkt 10, stattfinden. Das Reinerträgnis dieser Veranstaltung wird deni außerordentlichen Uuterstützungsfonds des Vereines zugewendet, welcher es sich zur Ausgabe gemacht hat, hilfsbedürftigen, insbesondere erkrankten Vereinsmitgliedern, außer den statutenmäßigen Krankengeldern Unterstützungen und Barbeiträge zu gewähren. In Anbetracht dieses humanitären Zweckes ist dem Vereine eine rege Beteiligung zu wünschen- Brünn. Am Samstag den 12. Dezember findet in den städtischen Redoutensälen die Makkabäerfeier statt. Festredner: Herr Dr- Ad. Kurrein, Rabbiner in Teplitz. Ihre Mitwirkung haben zugesagt: Herr Oberkantor Josef Heller, Herr M. Jsailovits, Mitglied des Brünner Stadttheaters, Herr Gesangsprofessor Leopold Schmidt. Nach dem offiziellen Teile: Tanzkränzchen. Die Musik besorgt eine Abteilung der Kapelle des k. u. k. Infanterie-Regiments Nr. 3. Beginn 8 Uhr abends/ ' Entree- Einzelkarte im Vorverkauf K. 2.—, Entree-Familienkarte nur im Vorverkauf K. 6.—. Entree an der Kassa K. 2.50. Der Eintritt ist nur gegen Vorweisung der auf Namen lautenden Einladungen gestattet. Volks-Borschnßkassa in Prag. Im Laufe des Monats November 1903 wurden bewilligt: Darlehen K. 83 767,37; abgezahlt wurden auf Darlehen K. 24 406,45. Darlehensbestand per, 30. November 1903 K. 362 323,63. Anteilsstand per 30. No-! vember 1903 K. 74 460.—. Spareinlagen wurden eingezahlt > K. 49 036.91. Jüdischer Volksverein in Prag. Derselbe hat in seiner' Sitzung beschlossen, behufs Aussprache zwischen Eltern und Lehrer über die Reform des jüdischen Religionsunterrichtes Elternabende zu veranstalten. Derselbe lädt hierzu den Ausschuß des israelitischen Landeslehrervereins ein und gibt sich der angenehmen Hoffnung hin, daß die Delegierten mit ihren Ratschlägen an die Hand gehen werden und auf diese Weise die Erörterung dieses so aktuellen Themas unterstützen werden. j Verurteilung eines alldeutschen Verleumders. Wie seinerzeit berichtet, war der derzeitige Herausgeber der „Alldeutschen Korrespondenz", Anton Schimana, früher Schriftleiter der „Deutschen Wehr" in Troppau, im Jänner dieses Jahres vom Troppauer Schwurgericht wegen wiederholter Beleidigungen und Schmähungen des Professors Schwarz in Mährisch-Oftrau zur Strafe von drei Monaten Arrest verurteilt worden. . Schimana hatte gegen dieses Urteil die Nichtigkeitsbeschwerde ergriffen, über welche gestern der Kassationshof verhandelte. Die Nichtigkeitsbeschwerde gründete sich darauf, daß bei der mehrnrals vertagten Schwurgerichtsverhaudknng die vom Geklagten in der letzten Verhandlung beantragten Zeugen nicht einvernommen worden waren. Der Kassationshof wies nach längerer Beratung die Nichtigkeitsbeschwerde als unbegründet zurück. Außerdem wurde Schimana in die Kosten des Kassationsverfahreus verurteilt. j St. Pölten. Es fanden hier die Neuwahlen des Kultus- - ausschusses statt und es wurden gewählt: als Vorsteher Herr Carl Frank Fabriksbesitzer; Vorsteherstellvertreter Herr Samuel Mandl, Kaufmann; Beirat Herr Leopold Neininger, Lederhändler; Ausschüsse die Herren Siegmund Allina (St. Pölten), Moritz Mautner (Pöchlarn), Ignatz Welisch (Wiesenfeld), Leopold Wollner (Purkersdorf). Als Ersatzmänner die Herren Siegmund Allina jun. (St. Pölten). Alois Brnmlik (Loosdorf). In den verstärkten Ludipig Soffer (Neulengbach), Adolf Greger (Erlauf) Josef Kiss, der modernste und begeistertste ungarische Dichter miserer Zeit wird demnächst 60 Jahre alt, welcher Anlaß seine zahlreichen Freunde — und lver, der ungarisch lveiß, würde nicht zu diesen zählen? — zu einer würdigen Feier zu benützen sich rüsten. Ein mächtiger Strahl der Nuhmessonne, die diesen unsterblichen Dichter umgibt, fällt auch auf uus Juden zurück, nicht nur. weil Josef Kiss durch fehiü_CiSeöurt dem Judentums angehört, sondern vielmehr, weil er eilt treuer Sohn seines Stammes und ein tvarm fühlender Zionist ist, was er oftmals schon in der Oeffewlichkeit durch Wort und Schrift zu lebhaftem Ausdrucke gebracht hat. Den zahllosen aufrichtigen Wünschen, die ihm bei dieser Gelegenheit hnl-1 digond dargebracht wurden, schließen auch wir uns bescheiden, aber > von innigstem Herzen an. Möge er in Jugendfrische die Schwelle des Greisenalters betreten und dieses in Mamieskraft zurücklegen. . Steinamanaer. (Todesfall.) Die hier wohnhafte Mutter deS Oberrabbiners Frau Katharina Kubier verschied kürzlich nach langem Krankenlager im Alter hon 69 Jahren. Am. Leichenbegängnisse nahmen die Rabbinen sämtlicher Nachbar-. gemeinden teil. ' Nagyszombat. Vergangenen Sonntag hielt unser Gesinnungsgenosse Herr Adolf N e i ch e n t h a l in einer Vollversammlung des Vereines „Achdusz" einen formvollendeten Vortrag, in toelchern er seinen Rechenschaftsbericht als Delegierter des 6. Kongresses ablcgte. Mit beredten Worten erläuterte er der großen Zuhörerschaft, die sich aus allen Schichten der hiesigen jüdischen Gesellschaft zusammensetzte, inwiefern der 6. Kongreß für uns Zionisten und somit für das gesamte Judentum von so weittragender Bedeutung ist. Insbesondere beleuchtete Redner die Ostafrikafrage und streifte schließlich die Lage der ungarischen Juden. Stürmischer Beifall begleitete die Ausführungen des Redners. An diesen Vortrag schloß sich eine lebhafte Diskussion, an welcher sich besonders die Herren Se. Ehrivürden Rabbiner Stein, Lehrer S. Neuhauser, Fabriksbesitzer S. Diamant, Rabb. Cmid. Klein u. a. m> beteiligten. Zum Schlüsse wurde die vom Gesinnungsgenossen Cand. jur. Hugo Matznec beantragte Resolution, dem Herrn Dr. Theodor H e r z l das vollste Vertrauen zu votieren, einstimmig angenommen. Avis au Manipulations-Häuser. Bekanntlich leiden viele Manipulations-Häuser in Wien Mangel an Arbeitskräften und diese sind demzufolge nicht in der Lage, die einlaufenden Aufträge und die von ihren Reisenden gesammelten Bestellungen terminmäßig in Effektuierung zu bringen. Während es hier in Wien, wie in ganz Niederösterreich und Böhmen an Arbeitskräften für die Heimarbeiten mangelt, strecken in den Kleinorten Galiziens Tausende arbeitsgierige Personen beiden Geschlechtes ihre Hände nach Arbeit aus, die sie für spottbillige Löhne verrichten würden. Es würde sich doch verlohnen, in galizischen Kleinorten Faktoreien zu errichten und daselbst von den massenhaften Arbeitskräften Gebrauch zu machen. Die Fracht der Rohwaren tour und der fertigen Waren retour käme doch in Ansehung der billigen Erzeugungskosten nicht in Betracht. Die galizischen Kleinstädte wären für die Errichtung von Faktoreien zur Erzeugung folgender Artikel geeignet: Wirk- und Strickwaren, Rüschen, Papierwaren, Kartonagen, Zigarettenhülsen, Kunstblumen, Schmuckfedern, Spielwaren, Strohhüte, Mieder, wie billige fertige Kleider. Für Unternehmungslustige in Galizien. Alle bisher in Galizien gegründeten Kleinmdustrien bestehen, nähren den Unternehmer und beschäftigen Arbeiter und Arbeiterinnen. Die Kapitalisten anderer galizischer Städte mögen sich die Kleinindustrie in Krakau zum Muster nehmen und ähnlich wie die wackeren, fleißigen und tüchtigen Krakauer jüdischen Kleinindnstriellen der fabriksmäßigen Erwerbstätigkeit widmen. Die bloße Schuhoberteilenfabrikation in Krakau (der Begründer derselben war Herr Abraham Herftein, seligen Angedenkens) beschäftigt etwa 1200 jüdische Arbeiter; die Börsel- und Portemonaisfabrikation in Krakau (Begründer Herr Michael Fränkel) beschäftigt zirka 100 jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen; die Zrgarettenhülsen-Kleinindustrie (Begründer Herr CH. L. Spitz) beschäftigt bei 80 jüdischen Arbeiterinnen; die Marktbeutelfabrikation (Begründer Herr R. Kalmus) beschäftigt 60 jüdische Arbeiter. Außerdem existieren in Krakau viele kleinere Unternehmungen, die, winÄ sie kapitalskräftiger waren, gedeihen würden, zum Vorteile der jüdischen arbeitenden Klassen. ES steht daher fest, daß sich Galizien für alle Zweige der Fabrikation eignet, umsomehr, da in den Kleinorten dieses Landes massenhaft spottbillige jüdische Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Auslarrd. Die jüdische« Kaufleute erster Gilde, begegnen seit einiger Zeit, wie „Woschod" meldet, wegen ihres Aufenthaltein Petersburg großen Schwierigkeiten. Es häufen sich die Fälle, m denen sehr angesehene Kaufleute, Mitglieder großer Aktiengesellschaften, trotzdem sie schon seit mehr als zehn Jahren ungestört in Petersburg wohnen und mit dew Chefs der .Polizeibehörden persönlich bekannt sind, plötzlich^ «ine Polizeinote erhalten, in welcher ihnen unwiderruflich mitgeteilt wird, daß ihnen der Aufenthalt in der Hauptstadt verboten sei. Nur mit großer Mühe gelang es Einigen, das ihnen gesetzlich gewährleistete Recht zu behaupten und in Petersburg zu bleiben. Ei« Klub für jüdische Arveitermädche« wird den „Birsh. Wed." zufolge in Petersburg gegründet. Am Klub sollen allgemeinbildende Unterrichtskurse, kulinarische und Gewerbeklassen organisiert werden. An der Spitze der Institution stehen die Baronin G ü n z b u r g, Frau T u w i m »nd andere Damen. Als Lokal ist daß Konvikt für jüdische Handwerkeriunen am Krjukow-Kanal ausersehen. Bon der Talmud-Thora in Lodz. Die Verwaltung der Handwerkerschule der Talmud-Thora hat, in Betvachtziehung dessen, daß der größte Teil des hiesigen Publikums noch nicht genügend darüber informiert sein dürfte, wie es mit der Leistungsfähigkeit der Schule, insbesondere aber nm die Güte der in den Werkstätten der Schule von den Schülern hergestellten Galanterie- und Metallwaren, beschaffen ist, gegenwärtig eine Ausstellung der Erzeugnisse genannter Institution in dem Bronzewarengeschäft des Herrn Hennig an der Petrikauerstraße eröffnet, damit sich auch die breiteren Schichten der Bevölkerung ein Bild von den Arbeitsleistungen der Schüler machen können. Ferner hofft die Verwalttrug mich, daß dadurch ein besserer Absatz der Erzeugnisse herbeigefnhvt und die bedrängte Kasse der Institution unterstützt wird. Die Kasse der Institution, die gegenwärtig 100 Waisen zu unterhalten hat, befindet sich angesichts des bevorstehenden Winters überhaupt in bedrängter Lage. Dieselbe veranlaßte auch die Verwaltung, ein Damen-Komitee zu bilden, das sich mit dem Einsammeln von Spenden in Gestalt von Kleidungsstücken, Stoffen, Geldopfern u. s. w. befassen soll. Das Komitee, auf welches die Berwalttmg große Hoffnungen setzt, besteht aus 60 Damen, die ihr Werk der Barmherzigkeit dieser Tage aufnehmen lverden. Die Opferwilligkert unserer Einwohnerschaft läßt voraussetzen, daß die Ernte dieser Bemühungen eine reiche sein wird. Die Diudentenunruhen in Rußland. Gestern wurden aus der Straße 82 Personen, darunter achtzig Studenten, verhaftet; der dritte Teil der Verhafteten sind Juden. Bei der Verhaftung erhielt ein Student eine tiefe Kopfwunde; ein Verhafteter tvarf einen geladenen Revolver fort.. Bor der Universität ist heute Polizeiwache aufgestellt. Eine Abteilung von Studenten , der Mechanik protestierte heute gegen den Beschluß des Professorensenats, den Dekan der Abteilung für Mechanik um Zurückrahme seines Abschiedsgesuches zu bitten Und ihm das Bettrauen des Profcssorenkollegiums auszufprechen. Im Lcsesaale und in den Hörsälen sind täglich neue Aufrufe angeschlagen. Die Revision des Dreyfus-Prozesses. Die nationalistischen Blätter veröffentlichen den Text eines Aufrufes, welcher in allen Gemeinden Frankreichs angeschlagen werden soll. Derselbe protestiert gegen die Revision des Dreyfus-Prozesses und ist von verschiedenen patriotischen Ligen unterzeichnet. Er wiederholt die bekannten Ausspttiche der Kriegsminister General Mercier, General Chanoine, General Billot, Cavaignacs und des Generals Zurlinden. Der Aufruf fordert alle Franzosen auf, gegen den „juristischen Staatsstreich", Ivclcher unternommen werde, energisch Protest zu erheben. P. Mortara in Mainz. P. Mortara, dessen von klettkaler Seite veranlaßte Eniführung aus dem jüdischen Elternhause in Bologna vor etwa 40 Jahren in der ganzen zivilisierten Welt das größte Aufsehen erregt hatte, predigte dieser Tage in der Christophskirche zu Mainz unter ungeheurem Andrange des teils frommen, teils bloß neugierigen Publikums. Er hatte schon die Treppe zur Kanzel betreten, als er noch einmal zurückschritt und dem Kirchendiener Auftrag gab, die Lichter an der Kanzelbrüstung auszuloschen. Wie es scheint, ist der Priester augeuleidcud, trägt er doch eine dunkle Brille. Mortaras Kopf mit dem sehr stark gelichteten Haupthaar erinnert an Papst Pius den Neunten. Das Gesicht hatte in deni Zwielicht einen milden Ausdruck, die Stimme klingt jugendfrisch und die Aussprache, die den Ausländer anzeigt, war nicht ohne Reiz. Er sprach über Liebe, Barmherzigkeit und die heutige gottlose Zeit. Am Schlüsse seiner Predigt kam P. Mortara auf seine eigene Lebensgeschichte. Er habe nicht das Glück gehabt, die katholische Kirche Mutter nennen zu dürfen; seine Mutter sei die Synagoge gewesen. Doch als „achtzehnjähriges Kind" — diesen Lapsus korrigierte er: — „als 18 Monate altes Kind, wurde ich von einer christlichen Magd getauft", ihr danke er es, daß er als Missionär, Priester und Ordensgeistlicher das Wort Gottes künden dürfe. Seine Bekchrungsvcrsuchc scheinen nicht durchwegs von Erfolg begleitet zu sein, denn von seinen Brüdern und Schwestern in Italien teilte er offen mit, daß sie noch in der „Irrlehre" lebten. Alexandria. Gegen den Herausgeber der antisemitischen Zeitschrift „El Rouel el Osmani" — er heißt Mohammed Bey Keweh — der bereits einmal wegen antisemitischer Aufreizungen zu vier Monaten Gefängnis verurteilt, auf seine Appellation hin aber dann freigesprochen worden war, ist eben ein neuer Prozeß anhängig gemacht worden. Mohammed Bey Keweh hat bereits viel Haß gegen die Juden gesäet. Wenn seine Tätigkeit nicht bald eingestellt wird, so können diese Aufreizungen einmal zu den bedauerlichsten Folgen führen. — Die Sammlungen für die Kischenewer Opfer haben hier eine fast beschämend niedrige Summe ergeben. Es wäre nötig, die hiesige Judenheit energisch aufzurütteln. Vielleicht wird da, so traurig das auch ist, die antisemitische Zeitschrift mehr wirken, als alle Ermahnungen von jüdischer Seite. In Marokko sind (in der Provinz Sus) am 17. v. M. ernste Unruhen gegen die Juden ausgebrochen. Mehrfach wurden die Judcnviertel zerstött, viele Inden getötet und die Frauen entführt. Die Lage in der ganzen Provinz sei sehr ernst. Die Juden in Sachsen. Nach den Ergebnissen der Volkszählung von 1901 befanden sich in Sachsen 12 419 Juden, davon 3069 in Dresden, 6314 in Leipzig, 1137 in Chemnitz, 114 in Zittau, 208 in Plauen, 118 in Annaberg, 65 in Bautzen, 83 in Freiberg. Die konfessionelle Volksschule ist bekanntlich das Ziel der preußischen Regierung. Die Simultcm-Volksschule steht auf dem Aussterbe-Etat. Die Zahl der simultanen Volksschulen in der Provinz Schlesien wird immer geringer. Gegenwärttg bestehen noch in folgenden Ortschaften simultane Volksschulen in der Provinz Schlesien wird immer gettnger. Gegenwärttg bestehen noch in folgenden Ottschaften simultane Volksschulen: Gleiwitz, Mhslowitz, Kattowitz, Lipine (Volksschule 20, Ratibor, Ober-Glogan, Lubliuitz, Pitschen, Konstadt, Rosenberg, Loslau, Tarnowitz, Beuchen (Kaiser Wilhelmstift), Gleiwitz-Petersdorf, Emanuelssegen (sämtlich Regierungsbezirk Oppeln), Ohlau und- Deutsch-Lissa (beide Regierungsbezirk Breslau). Diese 30 Simultan-Volksschülen werden von ungefähr 25 191 Schulkindern besucht. Davon sind der Konfession nach 20 324 katholisch, 4380 evangelisch, 480 jüdisch und 7 altkatholisch. Die jüdischen Schüler sind in folgenden Schulorten: Gleiwitz 136, Mhslowitz 49, Kattowitz 63, Lipine (Schule 2) 13, Rattbor 62, Ober-Glogau 11, Liblinitz 23, Pitschen 3, Konstadt 6, Rosenberg 21, Loslau 36, Tarnoloitz 66, Ohlau 1. Die Kormrmnalschule in Beuchen ist jüdisch. Minsk. Ueüer ein eigenartiges Vorkommnis kann ich Ihnen heute aus unserer Stadt bettchten: Bei der Eidesleistung des Infanterie-Regiments 119 hielt der Oberst desselben, Schupinski, an die Soldaten folgende Ansprache: „Brüder! In: Angesicht des Kreuzes und des Evangeliums schivött ihr heute bei Gott, daß ihr wahr und getreu dem Herrscher und dem Vaterlande dienen und sie vor dem äußeren und inneren Feinde verteidigen werdet. Was der äußere Feind ist, das wisset ihr alle; der innere Feind jedoch ist für einen gewöhnlichen Sterblichen nicht ohne weiters erkennbar: Das sind nicht die Engländer, die Deutschen oder die Chinesen, das sind Leute, die hier in Rußland leben und solche Flugblätter verbreiten. (Er zeigte dabei eine Proklamatton der militärischen revoluttonären Organisation, die sich mit der Soldatenmißhandlung beschäftigt.) Das sind Leute, die Gott und den Zaren verleugnen und unseres Glaubens spotten, daß der Zar der Gesalbte Gottes sei. Wenn aber einer von euch auch nur teilweise aufgeklätt ist, der wird begreifen, daß die vielen mißlungenen Attentate auf Zar Alexander den Zweiten der beste Beweis dafür sind, daß der Zar ein Gottgesalbter ist. Es sind Räuber und Tagediebe, die arbeitsscheu sind und die den ehrlich erwerbenden Menschen gern ihr Vermögen rauben möchten, mit dem sie Gott für ihre Redlichkeit gesegnet hat. Als devcrrttge Flugblätter am Sonntag verteilt wurden, hat einer von euch den Juden, der dies tat, festgenommen und trotzdem er von anderen Juden überfallen wurde, ihn tapfer ins Gefängnis geschleppt. Dafür belohne ich ihn mit fünf Rubeln und obwohl er schon bestraft ist, werde ich mich für ihn einsetzen, damit jene Strafe getilgt und er zum Gefreiten ernannt wird. So wisset denn, daß der innere Feind möglicherweise mitten unter euch, einer eurer Kameraden ist, und nehmet euch das Vorgehen eures eben belohnten Kameraden zum Muster; wer gleich ihm die Verteiler solcher Flugblätter festnimmt, wird ebenso belohnt und zum Gefreiten erhoben." Der anwesende Rabbiner hielt hierauf an die jüdischen Soldaten dieses Regiments eine älinliche Rede und wies mit Nachdruck darauf hin, daß nach den alten jüdischen Gesetzen derjenige, der sich gegen den Herrscher erhebe, mit dem Tode besttast werden soll; sie mögen daher nicht rcvolnttonär, sondern den Obttgkeiten gegenüber gehorsam sein, das toerde für sie und für das gesamte jüdische Volk von Vorteil sein. Jerusalem. Die durch einen englischen Archäologen kürzlich unter den Ruinen eines alten byzantinischen Tempels aufgefundene Siloah-Quelle, welche im alten Jerusalem den gleichnamigen Teich speiste, war im Anfang des Mittelalters zur Herstellung eines Bades verivertet worden, wobei das Bad wegen der ihm zugeschriebenen Heilkräfte mit gewissen Kultusformen verbunden tvar. Die griechische Kaiserin Eudoxia ließ dann unmittelbar neben der Quelle eine kleine Kirche erbauen, welche jedoch schon im 15. Jahrhundert zerstött rvurde und mit ihren Trümmern die Quelle verschüttete. Jetzt ist die letztere nun wieder völlig freigelegt und durch eine haltbare Steineinfassung für die Zukunft gesichert worden. Der Patriarch Damianos beabsichtigt auch das alte Heilbad wieder herzustellen, zumal dieses sicherlich die Jerusalempilger in hohem Matze anziehen würde.

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