Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 50 (11.12.1903)
- Date
- 1903-12-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Jüdisches Volksblatt 11. Dezember 1903 Nr. 50 Wien, Freitng musik, weil das Angeregte ein ganzes Netz von über» geordneten Anstalten voransetzt. Aber es ist erreichbar. Oder ist die vielgerühmte jüdische Intelligenz nicht imstande etwas ähnliches wie die deutsche« Hochschulkurse in Salzburg zustande zu bringen? Bestehen doch seil längerer Zeit schon jüdische Mittelschulen in Deutschland und Ungarn! In Oesterreich besteht allerdings nur eine einzige Anstalt in Ung.-Vrod und diese erst seit kurzem. Es ist in diesen Dingen selbstverständlich wie in allen anderen Dingen folgendes notwendig: Man nimmt die zweite Stufe erst nach der ersten. Den Erfolg von morgen und übermorgen können wir nur erst erringen, wenn wir heute unsere Pflicht tun. Indem Sie jüdische Bildung hier verbreiten, ebnen Sie den Boden für höhere jüdische Anstalten. Judentum und Bildung! Es wird auf die Dauer nicht gelingen, diese zwei Begriffe zu trennen. Unser höchster Stolz ist es, daß man uns das Volk des Buches, das Volk der Lehre nennt. Machen wir diesem Namen Ehre. Wenn sich das Judentum von der Bildung trennt, dann müßte das Judentum zu gründe gehen. Wir waren immer die Garde der Bildung, di» Garde der Kultur. Das ist unsere moralische Existenzberechtigung. Alle Völker, die mit uns in die Geschichte traten, sind zugrunde gegangen. Wir leben! Und unser Recht auf ein nationales Leben liegt darin, daß wir stets für die Entwicklung der Menschheit gearbeitet haben. Die Arbeit des Belkes. „Juda: Herr, sie verfluchen sich einer den andern. Der so abscheulich tut, daß im Gesetz Er einen Buchstab' anders liest, als er. Die Einen nennen sich die Heiligen, Die Andern, die Gerechten. Beide macht Die Wat des Hasses blind für's Allgemeine, Der Laue höhnt, der Syrier lächelt Herr Sieh hin, daS ist das Volk, um das du klagst". Otto Ludwig: Die Makkabäer. J. Kr. Wenn de» künftige Geschichtsschreiber die Geschichte der Juden unserer Epoche wird unparteiisch schreiben wollen, so wird er kaum treffendere Worte finden, als den satyrisch wehmütigen Klageruf, den der thüringische Dichter dem erbitterten Judah Makkabi in den Mund legt. Nicht anders steht es heute um das jüdische Volk, als zur Zeit Judah's! Ern in sich zerklüftetes Volk kämpft um seine Existenz und muß den Kampf nicht nur gegen den Feind des Gesamtvolkes, sondern vielleicht noch erbitterter gegen den Feind des Kämpfers, der in seinem Innern wohnt, führen. Und fürwahr, das Judentum hat sich nicht zu beklagen. Das vor zwei Jahrzehnten ausgegebene Losungswort: »Ein jeder Jude sei ein Kämpfer!" ist zur Wahrheit geworden und täglich erstehen diesem armen zu Tode gehetzten Volke neue und neue Kämpfer. Ein jeder dünkt sich ein Erlöser des Judentums, ein Befreier des geknechteten Volkes zu sein, aber auch ein jeder von ihnen kämpft für seine eigene Idee für die durch ihn erfundene Grlösungsform. Den wahren Freund seines Volkes könnte diese Erscheinung nur mit Freude erfüllen und ihm neue Hoffnung für die Erreichung des langersehnten Zieles einflößen. Denn wahrlich von tausend und aber lausend Wunden blutet unser Volk und viele sind es, deren wir zu ihrer Heilung bedürfen. Aber unsere modernen Kämpfer sie „Rat" empfahlen ihm ein äußerst unschädliches Mittel zur Beseitigung dieses „Hebels". „Lassens sich halt taufen, was liegt Ihnen denn dran. Ist doch das Ganze — unter uns gesagt — nur a Komödie I" „Schöne Komödie; das können die Herren leicht sagenI" dachte sich unser armer Herr Doktor. Nachmittags erzählt er das Erlebnis im Amte seiner Frau. Sie ist als Resormjüdin — sehr dafür. „Was hast du denn von den Juden? Was gehen sie dich an?" „Und meine Eltern?" fällt er ihr ins Wort. Sie wüßte wohl auch darauf eine passende Antwovt, zieht es aber vor — zu schweigen. Noch am selben Abend fährt er zu seinen Eltern, die draußen in der Vorstadt wohnen. Ins Zimmer seiner Frau ruft er beim Weggehen bloß: „Ich fahr ein bissel z'Hausl" Im Straßenbahnwagen hört er Kinder vom „Krampus" und „Nikolo" erzählen. Da fällt ihm ivas ein. Wenn die Christen diese Sitte feiern, dann ist die Zeit des jüdischen Chanukafesles. Wie schön ivar das einmal im Vaterhaus! Alte Erinnerungen ans der Knabenzeit steigen dem Herrn Doktor auf! Draußen ans der kalten Straße fiel der Schnee in großen, dichten Flocken und drinnen im Zimmer war's so tvarm und traulich. Mürterchen richtete die „Menorah" her, versah sie mit Qel und Leuch'fabelt. Dann kam Vater heim, verrichtete das Abendgebet mtd zündete hierauf die Lichtlein an, tvährend die Mutter und er hinzutraten. „ . . . . wchigijonu laseman haseh ..." Immer halte Mutter Tränen in den Augen bei diesem Segenspruch. Unb dann das alte, schlicht-herzliche „Moaus zur", das er so gerne mitsang. Spiele, lustiges Plaudern, oft in Gesellschaft der Nachbarn oder Verwandten, beschlossen gewöhnlich die schöneil Abende. Der Kondukteur ruft etwas in das Coupee. Der Träumer erschrickt. Nlin nniß er aussteigen. In der nächsten Seitengasse wohnen die Seinen. Wie ec über die Treppe geht, überkommt ihn ein schreckliches Gefühl. So etwas wie Feigheit. Oder nein, Furcht, Angst!? Wovor eigentlich?? Und er fragt sich: „Ja, was willst du denn eigentlich hier oben? Was wirst hu ihnen sagen? Ob du dich taufen sollst, darfst?" Schüchtern klopft er an. Seine Mutter kommt ihm öffnen. Die alte Frall ist höchst erfreut und erstaunt zugleich. Ist er doch ein äußerst seltener Gast hier. Sie geleitet ihn ins ärmliche, aber peinlich sauber gehaltene Zimmer, hilft ihm aus dem schweren Winwrrock. Wie schön und gut, lieb und freundlich hier alles ist! Auf die vielen Fragen dev Mutter hat er nur kurze, zerstrerüe begnügen srch nicht wn richtuxg ihrer Brüder größere- Gewicht daran dem Bewußtsein selbst zur Aufbeizutragen, sondern legen viel den Kampf auch gegen diejenigen zu führen, die sich anheischig machen, „den Buchstaben des Gesetzes", nach welchem di« groß« Erlösung kommen muß, Zanders zu lesen" als sie selbst. Angesichtdieser Zerfahrenheit im Innern des Judentums drängt sich unS unwillkürlich der Ruf auf die Lippen: „O Herr, laß genug sein der Erretter, denn in ihrem Kampfe um daS Rettungsmittel geht die Rettung selbst verloren! Denn infolange um die Möglichkeit, unser Volk zu erretten, gestrittell wird, werden wir das Hshnlachen der Lauen sicherlich nicht bannen und am Allerwenigstes sie zu besiegen vermögen. Und auch das zynische, mörderische Lächeln des „Syriers", mit welchem eS unseren inneren Kampf betrachtet und inzwischen ungestört unsere Lebensquellen eine nach der anderen verstopft, bis er uns vollends kampfesunfähig gemacht haben wird, wird nicht schwinden, infolange wir uns nicht besinnen und erkennen, daß es sich nicht darum handle, durch wen und wis, sondern ob und wanu unser Schicksal erleichtert wird. Das Andenken Judah Makkabi's lebt wieder frisch und ungetrübt in un§. Des großen bescheidenen Helden würdig wird in der jüdischen Liturgie und Familie nicht die Person de- Helden, sondern das Resultat seiner Heldentaten gefeiert. Die bescheidenen Chanuka-Lämpchen erinnern nicht an den Ruhm von Personen, sondern an ihre wundervollen Taten. Einer meiner Lehrer sagte mir einst: »Es wareine glückliche und dem Wesen unseres Volkes angepaßte Idee, daß das Chanuka-Fest unpersönlich gemacht und die an dasselbe sich knüpfenden Ereignisse einem unsichtbaren Wunder zugeschrieben wurden. Ebenso glücklich war es, die Ehanukatage nicht zu Feiertagen zu machen. Dadurch wurde zweierlei erreicht. Unser Volk wurde vor demPersonenkultus bewahrt und die Idee unseres nationalen Volkstums ward nicht zu einem Festtagsgedanken, sondern beherrschte das Alltagsleben unserer Stammesbrüder, des Niedrigen sowohl wie des Großen. Das ist auch das Verdienst der nationalen Bewegung, daß sie die Lehre vom Judentum und seines Volkes zum Gemeingute der ganzen Nation gemacht und in jedem Einzelnen das Bewußtsein zu wecken bestrebt ist, daß er an dem Erstarken und Erhalten des Ganzen mitarbeitet und auch seinen Anteil an den gemeinsamen Erfolgen haben wird. Das Feuer, das in der Brust unseres verjüngten Volkes angefacht wurde, ist gleich den Chanukaiämpchen heilig; niemand hat das Recht, sich deffeü selbst zu bedienen, aber jeder hat dir Pflicht, es im Auge behalten und dazu beitragen, daß es immer größer und stärker werde, bis eS zum Gemeingut des ganzen Volkes geworden. Die Oeffentlichkeit der Kultusvorstsndsfitzungcn. Am Abend dsS 23. November 1903, nachdem die Kultusrvahlschlacht geschlagen und für uns verloren war, traten wir, Zionisten und Jüdisch-Nationale, im großen Saale deS Hotels Zentral zusammen, um uns treue Waffenbrüderschaft und unentwegte Kampfbereitschaft zu geloben gegen das Affimilationssystem des Kahal, das diesmal noch gesiegt hatte. „Nicht erst paar Tage und Aniwerten. Das Verstörte ist zu auffallend an ihm; sie erkennt als fture Mutter sogleich, daß etwas Wichtiges, etwas, das ihm Sorgen brachte, vorgefallen. Darum ist er auch so spät noch gekommen. Sie dringt energischer in ihm, worauf er seine Frage, ob Vater bald heimkommen wird, zum dritteumale wiederholt. Plötzlich bemerkt er die alte „Menorah". „Mutterl," fragt er ganz weich, hingegeben, „ist schon Chanukah?" „Herit is der erste Abend; aber„ warum franste?" - „Nur so." Vater ist gekommen. Auch er begrüßt den Sohn herzlich. Vorwürfe über seinen seltenen Besuch getraut sich mich der Alte nicht zu machen. Die Lichter Iverden angezündet. Den Herrn Doktor berührt das so eigentümlich. Er bleibt abseits stehen. Als dürfe ernicht mehr teilnehmen. Die Zeremonie ist vorüber. Nun beginnt er vorr seiner Angelegenheit zu sprechen. Ganz verlegen sucht er krampfthaft nach einer passenden Eiitlcitung. Nach und nach kommt er ans ben Kern der Sache. Aengstlich vermeidet er das Wort Taufe. Klar und deutlich!vie cs ihm nur möglich, versucht er, ihnen den ganzen Sachverhalt zu schildern und bittet sie schließlich um — Rat. Die beiden alten Leute sind ganz ruhig gesessen, sie haben ihren Sohn ungestört anssprechcn lassen. Jetzt sind sie konsterniert, fassungslos. Und ihm fährt es blitzartig durch den Kopf: Sie müssen doch dagegen sein, das hättest du doch wissen .... ja, wie konntest du überhaupt?I Vater und Mutter beschwören ihn — nachdem sie sich vom ersten Schreck erholt — „bei ihren weißen Haareir", ihnen diese große Schande nicht anzutun. Gott werde ihn so auch nicht verlassen. Mutter ineint. Er verspricht ihnen heilig und ehrlich, nichts zu hm, was für sie irgendwie unangenehm sein könnte . . . Beim Abschied küßt er die Mutter nach langen Jahren wiedcr einmal und sagt mit der ganzen Herzlichkeit, die er aufztibringen vermag: „Sei nur beruhigt, Mutterl, ich hätt's ja ohnehin nicht getan!" Wieder sitzt er in der Straßenbahn und träumt. „Das muß anders werden — alles muß eilte Aenderung erfahren. Zu Hause und auch bei mir. So kann und darf es nicht weitergchen." Mit solchen Gedaitkeu langt er in seiner Wohnung an. Gattin und Kinder — er ist schon Vater von zwei frischen, heiteren .Knaben — schlafen bereits. Wer am andern Morgett schon bespricht er mit seiner Ehe- Wochen vor den nächsten Wahlen, nein, von heute, von dieser Stunde an müffen wir zur Wahlschacht rüsten/ rief ein Rsdrrer unter allgemeinem, begeisterten Beifall aus. Seither^ist sin volles Jahr verflogen, wir befinden unt an der Schwelle eines neuen Jahres, das uns einen neuen Kampf um die Gemeindeherrschast bringen wird, aber von der Verwirklichung jener löblichen Vorsätze ist bis nun bitter wenig zu sehen. Außer dem Eingreifen der Opposition in dis Frage der Rabbinerwahlen (im März d. I.) haben wir den Kahal Kahal sein und ihn schier unbeobachtet*) verwalten lassen. Ich weiß, die armen Zionisten haben so viele nationale Agenden zu besorgen, Veretnswesen, Sammlungen für Nationalfonds, Schekel und Kischenew, Ausgestaltung ihrer Organisation und Presse, Pflege jüdischer Kultur und so fort, daß ihnen in ihrer dem Beruf und Broterwerb abgekuappten Zeit kaum Muß» bleibt, speziell dem Kultusleben ihre Aufmerksamkeit zu widmen. Und doch muß das schier Unmögliche möglich gemacht werden! Wie leicht können uns sonst die Mannen vom Kahal, wenn wir wieder mit Getös« in den Wahlkampf ziehen, entgegenschleudern: „Wo wäret Ihr das ganze Jahr über, als w i r um die Gemeinde sorgten und ratschlagten? Was nehmt Ihr nun plötzlich d»n Mund so voll? Ihr meint es nicht ehrlich uw die Jsraslitsn von Wien." Und di» israelitischen Wähler werden vielleicht, nicht gewahr unserer Schwielen und Wunden, jenen Heuchlern Glauben schenken und ihrem Lockpfiff weiter folgen. Darum dürfen wir uns die Arbeit nicht verdrießen lassen, dem Kahal beständig auf den Hacken zu bleiben und uns nötigenfalls mit unserer Arbeit vor der Wählerschaft in Szene zu setzen. Einen Hauptangriffspunkt für unsere Tätigkeit haben wir bis nun ganz vernachlässigt. Die Sitzungen des löblichsn Kultusvorstandes sind in der Regel öffentliche,**) ohne daß wir von dieser Oeffentlichkeit Gebrauch machen, hingehen und die Väter der Gemeinde perorieren und agieren hören. Rede mir keiner davon, daß ja der Kultusvorstand selbst, durch Uebersenduug seiner Sitzungsprotokollr an die jüdischen Blätter, für die Veröffeutlichung Sorge trägt! Diese Protokolle, vom Herrn Sekretär Dr. Lieben geschickt redigiert und appretiert, können nun und nimmer den Wert der persönlich gesammelten Eindrücke ersehen. Was nützt es mir schließlich, in dem naturgemäß gedrängten Protokolle zu lesen: Dr. Stern, Ritter Theodor und . Dr. K o h n haben zum Beispiel zur Frage des Religionsunterrichtes gesprochen, wenn ich nicht erfahre, was, ob für oder gegen das Hebräische, mit welchem Tonfall, welchen Phrasen? Wif müssen unsere Pappenheimer kennen lernen, unterscheiden lernen, ob nicht doch unter jenen Veteranen Männer von jüdischem Herz und Kopf sich finden lassen, empfänglich für unsere nationale Idee, und jene heraustreiben. *) Wir müssen diese Behauptung insoferne richtigstellen, alS unser Blatt unaufhörlich die Wirtschaft des Kultusvorstandes „beobachtet" und mit seiner Kritik ui« zurückgehalten hat. Red. **) DaS stimmt leider nicht. Die Sitzungen des Kultusvorstandes sind „in der Regel" nichtöffentlich, weshalb wir auch in unseren Kultusartikeln unausgesetzt dafür eintraten, daß sämtlich e Sitzungen des Kultnsvorstandes, mit Ausnahme derjenigen, in welchen Personalangelegenheiten verhandelt werden, öffentlich seien. Der Kampf muß sich daher zunächst in dieser Richtung bewegen. Red. Hälfte die Ideen, die ihn gestern nachts beim Hcimfahren tarnen und wie dieselben zu verwirklichen wären. Ihm handelte es sich hauptsächlich tim das Religiöse in seiitem Hanse, in seiner Familie. Und auch einen regereit, herzlicheren Verkehr zwischeit sich und seinen Elterit wünschte er. Seilte Gemahlin verhielt sich selbstverständlich demgegettüber äußerst kühl, reserviert. Deittt nichts war ihr von Jugend auf verhaßter, als diese „jüdischett Sachen". Demzufolge attch ihre noch froinnten Schwiegereltern. Aber ihr Mann war von seinen Reforntgedattken geradezu begeistert. Ein Ansfltiß desseit war ein Bestich mit seilten Kinderit am letztctt Channkahabend —■ bei den Eltern. Wie groß ltitb unbeschreiblich war die Freude der Alten, ihre ciitzigen Enkelkinder nach langer Zeit wieder zti sehen. Beim Anzünden der Lichter standen die Kleitteit mit lenchtenden Atigeit da. Dattit versucht der Großpapa ihiten die Bedeuhtng des schonen Festes zu erklären. Attch Papa bemüht sich. Sie horchen aufmerksam tmb stellen dann noch iit kindlicher Art eine Anzahl Fragen. Nttr uitgern scheideit die Enkel und: „wir tommen bald wieder, Droßmamal" ruft der Jüngere beim Abschied. Nlnt wollen sie wirklich öfter zu den Großeltern. Papa sieht das natürlich gern. Und er weis; attch seinen Willen gegen den feiner Gattin dnrchznsetzcu, denn die Kittder sind jetzt doch häufiger bei seinen Eltern. Wenn Großpapa zu Hanse ist, spricht er immer bon der Religion mit ihnen. Der Aeltere ist schon Schüler — der bersteht daher mehr. Großmama wieder hat jedesmal etwas „Gutes" für ihre Kleinen. Kommen sie dann heim und erzählen so viel Schönes und Liebes, ist Papa sichtlich erfreut. Ja, er bespricht sogar mit ihnen das, was sie vom Großpapa hörten. Die Pflichten der Judenkinder: hebräisch schreiben und lesen zu lernen, dreimal täglich zu beteti und noch vielerlei Derartiges. Mama bleibt dabei nnim'r so schweigsam und wenn die Kinder die Grüße der Großeltern überbringen, sagt sie katnu ein Wort des Dankes. Und eimnal fragt der lebhaftere jüngere Bub: „Papa, ist denn die Mama aus den Großpapa und die Großmama böse?" Wieder ist Chauukah. Der alte Vater ist schon tot. Die Mutter lam in das Haps ihres Sohnes. Die Schwiegertochter machte zwar ihren ganzen Einflttß dagegen geltettd, allein — diesmal half's nichts. Hatte doch ihr Mann neben seinem wieder schier uttbezwinglichen Willen auch die Stimmen der beiden Enkelkinder auf seiner Seite. Natürlich gab die Gnädige dann nach, der Kinder zulieb." . Als ob es für die alte Frau eine besondere Wlohltat wäre, Gnadenbrot beim Sohne zu genießen 1,