Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 49 (4.12.1903)
- Date
- 1903-12-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Freitag «Jüdisches Volksblat! 4. Dezember 1903 Seite 3 Nr. 49 teilen. Wir haben uns dieser Pflicht unterzogen, obtvohl wir unS unter den obwaltenden Umständen nichts mehr davon versprachen. Trotzdem erklärten ivir uns noch in letzter Stunde bereit im Interesse der liberalen. Sache gleich dein Kanfmann'schen Aufrufe an die evangelischen Wähler einen solchen an die jüdischen Wähler mit zu vollziehen. Ein falscher Dünkel hielt die Herren zurück, sich mit der misera Plebs zu vereinen. Nun ist ihr Stolz in den Staub gesunken. D i e j ü d i s ch e n W ä h le r s i n in M a s se n v ou der Wahlurne fern geblieben u u fr d i e Reaktion hat gesiegt. Wir bedauern cs nicht. Besser offene Feinde als falsche Freunde, lind wenn die Niederlage nichts weiter belvirkt als die frischen unverbrauchten jüdischen Kräfte zum Sammeln zu bringen, so ist dies ivahrlich genug und geeignet, eine Gesmrdnng der faulen Zustände in unserem Lager herbeizuführen. Ter Worte sind genug getvechselt, jetzt heißt es: Taten . Galizischer Brief. Am 15. fflobemdcr l. I. tagte in Lemberg die Konferenz des Lemberger zionistischen Distrikts-Komitees. Im Namen des D.-K. erstattete Herr Dr. Pordes seinen Bericht. Dr. H. L ö w e n h e r z referiert über die Stellung zu den n i ch t j ü d i s ch e n politischen P a r t e i e n Galiziens. Referent charakterisiert die verschiedenen Meinungen, die im zionistischen Lager über Landespolitik herrschen. Die einen lehnen jede Landespolitik ab, die anderen wieder wollen Mandate für Landtag und Abgeordnetenhaus erobern, ohne sich jedoch über die Konsequenzen einer bewußten jüdisch-nationalen Politik klar zu sein. Referent vertritt die Meinung, die Zionisteil müßten sich mit der Heranbildung der Juden zur politischen Reife begnügen, also mehr pädagogische als politische Zwecke verfolgen. Die zivecklosen Provokationen, welche gctoissenlose Wahlmacher begehen, indem sie das jüdische Volk in ihre unlauteren Spekulationen hineinziehcn, rufen gerechtfertigte Entrüstung der polnischen und ruthenischen Bevölkerung hervor. Die Bekämpfung d e r W a h l k o r r u p - t i o n müsse daher e i n c s der u ä ch st e n und wichtigsten Ziele der Landespolitik der Zionisten sein. Referent spricht über die tvichtigsten politischen Parteien und stigmatisiert speziell die zweideutige Politik der allpolnischen Nationaldcmokratcn in ihren Organen „Sl o w o Polskie" und „P r z c g l a d W sz e ch p o l s k i". Diese Partei hat in ihrem Prograuim zwei neue Parolen aufgestellt: 1. Die Industrialisierung und 2. Die Sonderstellung Galiziens. Die erstere ist von großer Wichtigkeit, dein: die Industrialisierung Galiziens ist das gemeinsame Terrain worauf ivir alle zusammen arbeiten können. Unter dieser Devise aber ivird der Antisemitisnuls geschürt, es werden sogenmucke Landesbazare gegründet usw. Die Juden müssen daher acht geben, daß s i ch d i e Spitze dieser neuen Agitation nicht gegen die jüdischen Interessen tvende. Angesichts der konsequenten Präterierung der Juden bei den Aemtern und Lieferungen seitens der autonomen Landesbehörden, müssen wir uns gegen eine Erweiterung der Autonomie Galiziens a u s s p r e ch e n. Nach einer lebhaften Diskussion, an der die Herren Leon Reich, P a l e k, Dr. Pordes und andere teilnahmen, wurden folgende Resolutionen des Gesinnungsgelwssen Löwenherz angenommen. 1. Landespolitik. 1. Die Konferenz des Lemberger zionistischen D.-K. erachtet die Hebung der Juden zu einem höheren Grade politischer Reife für sehr empfehlenswert. 2. Die Taktik wird den einzelnen zionistischen Organisationen nach ^Maßgabe der lokalen Verhältnisse überlasten. Die Landespolitik soll jedoch folgende Leitsätze verfolgen: a) Die Wahlkorruption ist als schädlich und verderblich mit «llen Mitteln zu bekämpfen. b) Bei Wahlen in die parlamentarischen unfr autonomen Körperschaften sind n u r solche Kandidaten zu wählen, die sich verpflichten, von der Parlarnentstribüne aus jedes den jüdischen W ähle rn z ugef üg t e Unrecht zu stigmatisierenundaufdieErfüllungderGesetzegegenüber den Juden im Sinne der Gleichberechtigung mit ihrem ganzen Einflüsse zu dringen — und welche dabei garantieren, daß sie in Erfüllung dieser Pflichten seitens ihrere Klubgeirossen im Parlamente keine Beschränkung erleiden. 3. Von jüdischen Kandidaten muß außerdem Achtung vor unseren nationalen Aspirationen verlangt werden. Mangels dieser Garantie sind eher diejenigen nichtjüdischen Kandidaten zu unterstützen, die mit der j u n g j ü d i s ch e n B e w e g u n g s p m p a t h i s i e r e n. 4. Die Propagierung dieser Ideen in Wort und Schrift einpfiehlt die Konferenz tvärmstens auch mrßerhalb der streng parteilichen Organisationen, wobei die Konferenz im polnisch-ruthenischen Streite gänzliche Neutralität für empfehlenswert erachtet. 2. Industrialisierung Galiziens. Die Industrialisierung Galiziens, Ivelche zur Heburrg der Kultur und des Landesreichtums führt, betrachtet die Konferenz als eines der Mittel zur Linderung des ökonomischen Elends des jüdischen Volkes, Ivobei wir uns jedoch gegen das Hineinschuniggeln antisemitischer Tendenzen unter dein Mäntelchen der Nationalisierung der Industrie vertvahren. 3. Sonderstellung Galiziens. Angesichts der offen feindlichen Stellung der galizischen autonomen Behörden zu den Juden, betrachtet die Konferenz eine Erlveiternng der autonomen Rechte in dem von. den Initiatoren dieser Idee propagierten Geiste als eine Gefahr, vor der sie die Gesinnungsgenossen warnt. Del. B i k e l e s referiert über unsere Stellungnahme zu den jüdisch-nationalen Arbeiterkorporationeil. Er erachtet es als Pflicht der Zioiüsten, die Arbeiter auf nationaler BirsiS beruflich zu organisiereil und sie moralisch, materiell und geistig zu beetuffuffcu und zu unterstützen. Die nationalen Berufsorganisationen unterliegen in allgemein nationaleil Ange- »egeicheiteu dem D.-K., dagegen in Berufsangelegenheiten, die die Besserung der ökonomischen Lage der Inden anstrebcn, dem im Juni d. I. ins Lebeil gerufenen Landesverbände der jüdisch-iiatioiralen Arbeiterorganisationeil. Die in diesem Sinne gefassteil Resolutioilcn wurden angenommeil. Dr. Pordes referiert über „Organisation und Agitation" uild befürwortet die Unterstellung Galiziens direkt nilter das A.-C,. ivas jedoch von der Konferenz abgelehirt wurde. Er appelliert a>l die eigenen Organisationen betreffs größerer Disziplin und Unterwerfung nilter die Befehle und Direktiven des D.-K. Als wichtige Aufgabe des D.-K. betrachtet er auch die Gründung b o il Verein e n z u r K o l o n i s a t i o il Paläst i it a s. Ans Antrag des Gesinnungsgenossen Leon Reich wurde dem D.-K. die Pflicht anferlegt, in die Provinz Reduer zu entseudeu, mehr Volksversammlungen in jüdischen Angelegenheiten einzuberufen und jüdischnationale Festabende in Lemberg und der Provinz zu veranstalten. Dr. Korkis beantragt die Gründung eines Zentrums in Lemberg zur Vertiefung des Ziollismus. (Angenommen.) In der zweiteil Nachtsitzung sprach Gesinnungsgenosse Adolf S t a il d, Mitglied des A.-K., über Kolonisation und O st a f r i k a und stellte die Devise auf: Ohne Q st a f r i k a n a ch Z i o ii I Wir haben heute eine Idee, wir haben Geld, wir haben einen Führer. Es iväre eine Sünde, wenn wir diesen Moment für ein anderes Land als unser heiliges Palästina benützen wollten. lieber die Stellung der Zionisten zu den K n ltusgemeiude n referiert Gesinnungsgenosse Dr. Gabel, welcher den Leitsatz aufstellt: „Die Kultusgemeinden müssen zu Volksorgauisationcil werden" und eine ganze Reihe von Reformer hervorhebt. Die Zionisten müssen die .Kultusgemeinden erobern, wobei Nichteingchung in Kompromisse mit anderen jüdischen Parteien zu beobachten wäre. Das neue D.-K. bilden die Herren Adolf Stand, Dr. Lö -!v e ii h c r z, Leon Reich, Dr. Pordes, I. Philipp, Gustav Bade r, Z. A s chkcnas y und Herz. (Wir begrüßen auch in unserem Namen die Beschlüsse der Lemberger Konferenz, da sie sowohl in Betreff der Jnaugurierung einer jüdischen Realpolitik als auch in Betreff der Kolonisation Palästinas bemerkenswerte Fortschritte aufweisen und sich auf der Linie bewegen, die wir stets als die richtige bezeichneten. Amn. d. Red.) Czernowitzer Brief. Eine Volksversammlung -der „Freisinnigen Bereinigung." Das Hauptproblem Oesterreichs, die Nationalitätenfrage ist in unserem Lande, dem polyglotten Oesterreich en miniature, von einem zwar kleinen, aber im steten Wachsen begriffenen Häuflein von Volksmännern bereits gelöst. Was vielleicht in Oesterreich, und auch früher bei uns in der »liberalen Aera" parodox klingen mochte, das kam Dank der Klugheit und dem politischen Scharfsinn unseres Abg. Dr. S t r a u ch e r wirklich zustande. Freisinnige Volksmänner, denen das Wohl und Wehe des Volkes zu Herzen geht, Vertreter der 3 autochthonen Volksftämme, Ruthenen, Rumänen und Juden taten sich zusammen, um den Kampf gegen die antisemitische Bojarenclique aufzunehmen. Ihren Lesern dürften die skandalösen Szenen, die sich in der letzten Landtagssession des Bukowiner Landtages abgespielt haben, aus Ihrem Blatte zur Genüge bekannt sein. Das Sündenregister, das die »Freisinnigen* der erbgesessenen Clique vor aller Oeffentlichkeit entgegenhielt, war für diese zu desavouierend, als daß sie noch an den weiteren Verhandlungen des Landtages teilnehmen wollte und so tat sie einen Schritt, der vielleicht einzig in den Annalen der politischen Vertretungskörper dasteht: Sie verließ korporativ den Sitzungssaal und machte so ein weiteres Verhandeln unmöglich. Ein Exodus der Majorität! Die erste Bresche, die die „Freisinnigen" in die feste, geschloffene Masse der „Bojaren* und Armenopolen geschlagen, hatte Wirkung, die Feiglings verkrochen sich! Nachdem der Landtag durch diesen Exodus früh vertagt werden mußte, ohne auch eine der vielen brennenden Fragen, die zu erledigen waren, beantwortet zu haben, die Bojaren aber in ihrer zynischen Frechheit die Schuld der Vertagung den »Freisinngen" in die Schuhe schoben, sahen sich diese genötigt, den wahren Sachverhalt aufzuklären und die feine Sippschaft, die sich — welche Ironie — „Volks- Partei* nennt, in ihrem wahren Lichte zu zeigen. Am Sonntag den 15 d. M. sah man Rumänen, Ruthenen und Juden, nahezu 1500 Personen an der Zahl, im Bauhandwerkersaale vereint, begeistert und hingerissen von der Idee des Freisinns, dessen Vertreter sie zusammenriesen, um vor ihnen Rechenschaft abzulegen. Zum Vorsitzenden der Versammlung wurde Abgeordneter Dr. Florea L u p u und zu seinem Stellvertreter Abg. N. v. Wassilko und N. L e h n e r gewählt. Als erster ergriff Dr. Straucher das Wort. In klarer und der ihm eigenen kräftigen Weise entwickelte er die Ziele und den Zweck der „Freisinnigen Vereinigung", die sich auf nationaler und konfessioneller Gleichberechtigung aufbaue, schilderte das frivole Spiel der Bojarenclique, die mit Händen und Füßen sich gegen die neue Wahlreform gewehrt, die Gehalte der Lehrer nicht geregelt und schließlich den Landtag gesprengt habe. Er geißelte mit besonders scharfen Worten das Tun und Treiben des Bojarenführers Dr. Flondor, der es den Juden Suczawas nicht verzeihen konnte, daß sie in Suczawa dem rumänischen Volke einen rumänischen Volksmann (Dr. Oneiul) haben wählen geholfen, und der in seinem Organe einen von antisemitischem Gift und .'„Schneide r'scher" Galle durchtränkten Artikel veröffentlichte, in dem er den Juden mit einem Bukowiner „Zablotow* drohte. Die Prinzipien der „Freisinnigen Vereinigung*: Recht und Gerechtigkeit für alle Parteien, alle Nationen, alle Menschen, werden immer dieselben bleiben. Es sprach hierauf Abg. Dr. Lupu in rumänischer Sprache, der, wie der folgende Redner Professor P i h u l i a k in ruthenischer Sprache, die Ziele und Ideale der „Vereinigung" klarlegte. Nicht bloß das rumänische 'Volk müsse unter dem Drucke der »Großen" leiden, die - sich auf Kosten der Armen bereichern; der Hunger kenne! keinen Unterschied in der Nation und Konfession; der Rumäne empfinde ihn ebenso wie der Jude und Ruthene. „Wir wollen unser ganzes Sinnen und Streben in den Dienst der „freiheitlichen Ideale stellen." Advokat Dr. Oberländer versichert der »Freisinnigen Vereinigung" die volle Sympathie seiner Partei, der Sozialdemokraten. Nachdem Advokat Dr. Reisch, Ausschußmitglied des „Jüd. Volksvereines", die Bestrebungen der »Freisinnigen Vereinigung* lobte und Sozialdemokrat Will uk eine gelungene ironische Schilderung der Tätigkeit der sogenannten rumänischen Volkspartei entworfen, ergriff Abg. Nicolai v. W a s s i l k o das Wort. In längerer Rede kam er auf die verschiedenen Anschuldigungen, die seine Gegner gegen ihn ausstreuten, zu sprechen. Man imputiere ihm Deutschfeindlichkeit und habe auch jüngst das Gerücht verbreitet, als ob er die Handelskammerräte angestiftet hätte, ihrem Abgeordneten Leon Rosenzweig (der bekannte Affimilant) das Mißtrauensvotum auszusprechen. Wenn das Deutschtum in der Bukowina keine besseren Vertreter und keine festere Stütze als Leon Rosen zweig habe, dann stehe es sehr schlecht mit ihm (Heiterkeit), das Volk braucht in Wien kein Sitzfleisch (Sie hören Herr „Auch-Jude!") sondern Arbeiter. Er besprach hierauf das schamlose Vorgehen der polnischen Journalisten und ihrer Hintermänner, die das ruthenische Volk gegen die Juden in Galizien aufhetzen, die Juden als Blitzableiter benützen, um dann in Wien von dem revolutionären Geiste der Ruthenen sprechen zu können, die sich bald gegen die Polen, bald gegen die Juden erheben. Ueber Antrag des I. Fränkel wurden hieraus zwei Resolutionen angenommen, in denen der »Majorität" des Landtages die tiefste Entrüstung ausgesprochen wurde. Nach dreistündiger Dauer wurde diese denkwürdige Versammlung geschlossen. 3 Chronik. Inland. Bortrag. Mittwoch, den 9. d. M. wird Herr Dr. Paul Weisengrün, „Ueber die Pflichten eines modernen Juden" im Festsaale des »Jüdischen Volksvereines*, II., Leopoldsgasse 49, um 8 Uhr abends sprechen. Gäste auch Damen herzlich willkommen. Gedenktage. Dezember 1. 499 st. i. Sura Abiira b. Huna, d. letzte Amora. 1264 w. i. Bayern der Proselyt Abraham verbrannt. 1847 geb. i. Zehdenik Justizrat Edin. Friedemann, Vers. des Romans „Catilina". 2. 1867 st. i. Berlin Lndw, Lejser, Dichter u. Inh. fr. Medaille für Kunst und Wissenschaft. 1882 st. i. Frankfurt a. M- Dr. Leopold Stein, Prediger u. Dichter. 3. 1842 st. i. Braunschweig Rabbiner Samuel Eger. 1891 st. i. Kopenhagen Prof. Dr. Abrah. Al. Wolf, d. Vetter der dänisch-jüd. Homiletik (zirka 300 Predigten im Druck). 5. 1349 fielen zirka 570 Märtyrer in den Straßen von Nürnberg. 1786 st. i. Ferrara Rabb. Jsaac Lcnnperonti (talmud. Real-Lexikon). 1823 st. i. Amsterdam d. Arzt Hartog Lemon, Emanzipations-Kämpfer. 1849 st. i. Berlin Bar. Lindau, Vers. e. hebr. Naturlehre. 1898 st. i. Wien Ad. Knlka, Dichter. 1900 st. i. London die Philanthropin Frl. Emily Harris. 6. 1213 w. i. Erfurt von 2 Kreuzrittern Dolze Frau R. Eleasars aus Worms mit 3 Kindern erschlagen, dem Vater blieb nur eine Tochter. 1349 io. i. Nürnberg Juden ermordet. 1699 st. i. Altona Teble b. Wolf. Masoret. u. Ethiker. 1834 st. i. Amsterdam D. Jonas Meyer, bed. Jurist. 1834 geb. i. Gneseu Geh. Rat Prof. Senator. 1858 st. i. Frankfurt a. M. Anselm b. Rothschild, d. älteste d. 5 Brüder. 1885 st. i. Berlin Abg. Dr.Wolsg. Straßmann. 7. 1900 st. i. London Henry Rüssel, Englands großer und gefeierter Liederdichter. 8. 1822 st. i. Berlin d. Arzt Dr. Saul Ascher (Theodiskus), Schriftsteller. 1859 st. i. Breslau Mark. Bär Friedenthal („Jkore Emunah" und „Jesode ha-Dath"). Kis te w. 6. 1860 st. i- FrankfuA a. M. Js. M. Jost, Geschichtsschr. 7. 79 st. König Alex. Jannai. 8. 1180 vollendete Dtaimomdes seine Mischne Thora. 10. 1900 st. i. Berlin Dr. Ludwig cv « in a? i 39 r* imh föcTvrifKi:.. ncb. t. ©ttdlTO. Vortrag. Herr Dr. Earl L i f c z i s sprach am Sonntag nachmittags im Verein jüdischer Mädchen „Moria" vor zahlreicher Zuhörerschaft. Referent lvählte ein aktuelles Thema: „Die Frauenfraßc und das Judentum". In geistvoller Weise zergliederte er den Zusammenhang von Judentum und Franenfrage und vice versa. Zum Schlüsse seiner Ausführungen appellierte er an die anwesenden Frauen und Mädchen, sie mögen zurückkehren zur Tradition, zurückkehren zur Eiiifachhcit, ihr Hans heilig halten, dadurch Moral und Ethik zu neuem Glanze verhelfen. Rauschender Beifall wurde denl Bortragendeu zu teil. Im nächsten literarischen Nachmittag wird eine Diskussion die Fortsetzung dieses geistvollen Vortrages beschließen. Die Lektüre unserer Kinder. Es besteht bekanntlich eine große Jugendliteratur und eine diese begleitendes Schrifttum, welches über den Wert oder Unwert der Kinderbücher sich er. geht. Man könnte behaupten, daß eS ebenso viele gibt, die sich berufen glauben, für die Jugend — die halb oder ganz reife — zu schreiben, wie solche, die über die Schriften ein richtiges Urteil zu haben vermeinen; doch über die allgemeinen pädagogischen und künstlerischen Priazipieu soll hier nicht gesprochen werden und die wenigen Sätze, die vorausgeschickt sind, sollen nur die große Anarchie kennzeichnen, die auf dem Jugendbüchermarkte herrscht und deren Opfer das Kind ist.