Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 48 (27.11.1903)
- Date
- 1903-11-27
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 27. November 1903 sp'itf *> Aus der Plenarsitzung 'des .Vultnsvorsiandes vom 22. November 1903 unter dem Vorsitze des 1. Vizepräsidenten Herrn Doktor Alfred Stern. Vor Uebergaug zur Tagesordnung gibt der Vorsitzende bekannt, das; er die Angelegenheit „Ansuchest des Tempelvereines Wieden-Margarethen nin Gelväyrting "eines Darlehens" von der Tagesordnung abgesetzt habe, nachdem dieselbe durch den in der Zwischenzeit erfolgten Verkauf des seitens des genannten Tempelbereines in Aussicht genommenen Baugrundes dermal gegenstandslos geworden ist. Weiters teilt der Vorsitzende mit, das; die jüdische Volksküche durch die hochherzige Spende der verewigten Frau Rosa Hildesheimer imstande tvar, eine Filiale in der Brigittenau zu errichten, deren Eröffnung am 24. d. stattfindet. Er ladet die Mitglieder des Vorstandes zur Teilnahme an der Eröffnungsfeierlichkeit ein. Kais. Rat Dr. Lieben referiert über den Antrag des Vertreter-Kollegiums auf Bewilligung eines Nachtragskredites für den Unterstützungsfonds des Vertreter-Kollegiums für den Nest des laufenden Kalenderjahres im Betrage von K. 2000.—, nachdem der" für diese Zwecke budgctierte Betrag pro K. 21 000.— bereits mit dem Beginn des Monates November erschöpft tvar. An der hierüber geführten Debatte beteiligten sich die Herren: Ober-Finanzrat Dr. Nappaport, Ellbogen, Dr. Steiner, Vizepräsident Dr. 'Kohn, Nudolf Anspitz und der Vorsitzende. Hierauf wird der Vertreterantrag zmn Veschlus; erhoben'. lieber Antrag des Vertreter-Kollegiums werden die Damen Frail Rabbiner Dr. David, Frau Hermine Kadiseh und Frau Adele von Mises in das Komitee der Ehrendamen für die Versorgungsanstatt berufen. Die Aufnahme eines in der nächsten Nähe Wiens, aber immerhin außerhalb des Gemeindegebietes ivohnendeu Petenten in die Siechenanstalt des Versorgungshanses ivird abgelehnt. Zum Anträge des Vertreter-Kollegiums, dem Teinpelvercin in Liesing einen Beitrag von 51. 000.— zu gewähren, nimmt der Vorsitzende, 1. Vizepräsident Dr. Stern, das Wort, um in lvarmer Weise für die Stattgebung dieses Antrages ctnzntretcn, indem er auf die besonderen Schwierigkeiten vertveist, mit welchen der rührige Liesingcr Tcmpclverein zu kämpfen hat. Es handle sich dann«, das neuerriehtete Gotteshaus, mit welchem auch eine Talmud-Thornschnle verbunden ist, seiner Bestimmung zu erhalten. Der Verein sei in eine unverschuldete Notlage geratendes drohe dem Gotteshanse, welches vor den Toren Wiens steht, die exekutive Feilbietung. Er (der Vorsitzende) habe deshalb bereitwilligst eine Aktion ringeleitet, welcher die Kultusgemcinde beispielgebend voranleuchten möge. Der Vertreterantrag ivird angenonnnen. Sonach zog die Plenarversammlung das Referat des Vertreter-Kollegiums, betreffend die Bezirkskommissioneit, in Beratung. Das Vertreter-Kollegium hat sich mit dein Gegenstand, seiner besonderen Wichtigkeit entsprechend, in überaus eingehender W'eise seit inehr als Jahresfrist beschäftigt. Es haben wiederholt Beratungen, zum Teil uilter Zuziehung der Obmänner der Bezirkskommissionen, stattgefunden. Weiters sind die Aeußerungen sämtlicher Bezirkskommissionen eingeholt und den Beratungen zugrunde gelegt worden. Den Wünschen der Bezirkskommissionen nach eriveiterter Tätigkeit ist in den Vorschlägen des Ver-treter-Kolleginms iiach mehrfacher Nichtung entsprochen worden. Das Vertretcr-Kolleginm beantragt die Zuziehung von Delegierten der VezirkSkommissioncu in die ständigen Kommissionen und Komitees des Knltiisvorstandes in nachfolgender Weise: 1. Für die Kommission 1 (Kultus- und rituelle Angelegenheiten) und die Kommission 2 (Unterrichts-Angelegenheiten) des Kultnsvorstandes nominiert jede Bezirkskoinmission ans ihrer Mitte je einen Delegierten und einen Ersatzmann. Die Delegierten sind zu den Sitzungen der betreffenden Kommission in der Regel dann einzuladen, ivenn wichtigere Angelegenheiten ihrer Bezirke zur Beratung gelangen oder tvenn sie in Bezug auf solche Angelegenheiten im Aufträge ihrer Bezirkskommissionen Anträge oder Anregungen vorzubringen haben. Die Einladungen zu den Sitzungen ergehen an den Delegierten, welchem es obliegt, im Verhinderungsfälle seinen Ersatzmann behufs Teilnahme au der Sitzung rechtzeitig zu verständigen. 2. Jene BezirkSkonntiissionen, in deren Wahlbezirk sich Gemeindeanstalten befinden, entsenden je zloei ihrer Mitglieder als ständige Delegierte in die für diese Anstalten vmn Kultusvorstande eingesetzten Kommissionen beziehungsweise Komitees. Diese Delegierten sind zu sämtlichen Sitzungen der betreffenden Kommission, beziehungsweise Komitees cinzuladen. 3. Voit der Einladung des Delegierten ist der Obmann der betreffenden Bezirkskoinmission unter Bezcichimng des die Einladung veranlassenden Beratungs-Gegenstandes zu verständigen. Dem Obmanne mtd dem Delegierten, beziehnngstveise seinem Ersatztuanne ist nach jetveilig erfolgter Einladung die Möglichkeit zn bieten, sich vor der Sitzung über den zur Verhandlung gelangenden Gegenstand zn informieren. 4. Den Delegierten der Bezirkskommission, beziehnngstveise deit Ersatzmänitern derselben, steht beratende Stimme zn. Des tveiteren erfährt die Geschäftsordnung der Bezirkskoimnissionen nach den Vorschlägen des Vertreter-Kollegiums, int Sinne der Wünsche der BezirkStominissionen eine Ergänzung in der Richtuttg, das; nunmehr in den Kreis jener Angelegenheiten, tvelehe die Bezirkskomntissionen zmn Gegenstand der Beratung und Antragstellung machen können, auch Angelegenheiten, welche daS Armentvesen ihrer Bezirke betreffen, einbezogen tverden. Endlich tverden als neue Bestiminungen der Geschäftsordnung für die Bezirkskommissionen vorgeschlagen: > Die Bezirkskonnuissionen Haben iveiters über von Fall zu Fall ergehende Aufforderung des Kultnsvorstandes denselben in der Ausübung des ihm gemäs; Paragraph 77 des Statutes zustehendeir Atifsichtsreehtes zu unterstützen (tvie beispielstveise über Einladung des Präsidiums den Vvrstattd bei Generalversammlungen von Vereinen int Delegationsivege zu vertreten). Die den einzelnen BezirkSkonunissioneu ertvaehsettdeit Auslagen tverden itu Rahmen des hierfür int KttltttSgemeittde-Budget nusgesetzten Pauschales vott der Kultusgetneinde gedeckt. Die Verhandlungen der Bezirkskontntissionen sind vertraulich und ist vor einer eventuellen Veröffentlichung von Beratuugett und Beschlüssen jeweils die Ztistiunnnng deS Präsidiuuts der Kultnsgenteinde einznholen. lieber die Anträge deS Vertreter-Kollegiums entwickelt sieh eine rege Debatte, tvelche durch die Atlsführtmgen utaitcher Redner besonders ittstrttktiv tvar. An derselben beteiliglett sich die Herren: Ober-Finanzrat Dr. Nappaport, Wilhelm .Kuffner, Sigmund Kattders, Th. Ritter von Tanssig, Hermatm Ellbogen, Heittrich Teltseher, kais. Rat Wilhelm Pollak, Dr. Spitzer ini'o Präsident kais. Rat Klinger. , Herr Vorsteher Wilhelm Kuffner beantragt, mit der Motivierung, das; die Konnnission 2 aus zahlreichen Mitgliedern des Vorstandes bestehe tind die Angelegenheit des llnterrichtes tveniger eine solche der Bezirke als der Allgemeinheit sei, die Elintiniernng der .Kommission 2 ans dem Punkte 1 der Anträge, während Herr Vorsteher Teltscher in längerer Ausführung für einen selbständigen Wirkungskreis der BezirkSkontmissionen einkritt und dafür den schiftlichen Verkehr mit dem Vorstattde als entsprechettd bezeichnet. Herr kais. Nat Wilhelnt Pollak bringt bei diesem Anlässe den Wunsch einer Slatutenäicheriiiig vor, Herr Vorsteher Künders spricht dent Präsidenten ttnd ebenso dem Vertreter Ritter von Tanssig als Antragsteller deit Dank dafür atis, das; die Angelegenheit endlich nach langer Zeit ztt eittem hoffetitlich gedeihlichen Resultate geführt tverde. Herr Vertreter Ritter von Taussig ividerlegt einzelne ttt der Debatte gegen die vorgeschlagenen Aenderungeu vorgebrachten Einiuiirfe und hebt besonders hervor, dag durch die Zuziehung von Delegierten der Votstand in kurzem Wege voit den Wünschen der Bezirkskommissionen in Kenntnis gesetzt, tvährend die Bezirkskommissionen jene Gesichtspunkte kennen lernen tverden, vott welchen der Kultusvorstand bei seinen Beschlüssen sich leiten lägt. Selbstverstäitdlich kann nur die Erfahrung lehren, ob sich diese neue Institution bewähren wird- Er hoffe, das; vott einer oder der anderen Seite sehätzenstverte Anregnngen kommeit tverden, tvelche der gesamten Gemeinde zum Nutzen gereichen tverden. Natürlich sei diese Institution keilte definitive und bleibt es dein Vorstände tinbenommen, falls sich dieselbe nicht bewährt, sie jederzeit zu ändern. Es ergreift sodann das Wort Präsident kaiserlicher Rat .Klinger, welcher — vott seinem Unwohlsein noch ttieht hergestellt —- ob seiner Teilnahme an der Sitzung lebhaft begrüßt tvird. Er erinnert an die Gründe, tvelche ihn seinerzeit veranlagt haben, für hie Kreierung der Bezirkskommissionen einznkrctett. Es sollhe tveiteren Kreisen Gelegenheit geboten werdeit, ihr Jttteresse für die Gemeinde zu betätigen und ein Versuch sein, gegen dett stärksten Feind jedes Gemeinwesens, das ist die Indolenz'in der Gemeinde, mit Erfolg anzttkämpfen. Aber auch die beste Aitgelegcnhcit sei mit der Zeit reformbedürftig und verlange entsprechende Atisgestaltung. So habe, Ivas er in Bezug auf die Ausführungen des Kollegett ^Teltseher sagen müsse, sich der bisherige schriftliche Verkehr zwischen den Bezirkskommissionen mit) dem Kultusvorstande als ungemein schtverfällig erwiesen. Dagegen tverde nun Abhilfe gesucht durch Heranziehung der von den Bezirkskommissioneit zu entsendenden Delegierten zu den Beratungen der Kommissionen des Kul/usvorstandes. Ans diese Weise tverde es hoffentlich gelingen, jüngere, tatkräftige Männer hernnznziehcn, welche Gelegenheit haben tverden, kompetenten Ortes Einblick in die Agenden der Gemeinde zu gewinnen und Erfahrungen zu sammeln, welche sie im Interesse der Gemeinde verwerten sollen, andererseits auch schätzcnstvcrte Anregungen zu gebett. Er ersucht, das Amendemen,t des Herrn .Kuffner wegen Eliminierung der Zuziehttng von Delegierten zur Unterrichtskümmission abzulehnen, da ja gerade der Unterricht zu den wichtigsten Obliegenheiten der Gemeinde zähle und bittet um die en bloc-Annahme der vom Vertreter-Kollegium vorgelegten Anträge. Ter Abänderungsantrag des Herrn Wilhelm Kuffner wird abgelehnt und. die Anträge des Vertreter-Kollegiums mit übertviegeitder Majorität angenommen. — Schluß der Sitzung dreiviertel ztvei Uhr nachmittags. Allgemeiner Kraukeit-Unterstützungsverein „Menschenliebe". Donnerstag dett 20. d., 8 Uhr abends, findet im „Cafe Jägerhof", 0. Bez., Porzcllangasse 22, eine Beratung statt. Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter „Leopoldstadt", 2. Bez., Stephnniestr. 8. Sonntag den 20. November, nachmittags halb 3 Uhr, öffentliche Versammlung mit folgender Tagesordnung: 1.. Die Lage des jüdischen Proletariats. 2. Warum organisieren wir uns auf jüdischnatiunaler Basis? 3. Diskussion. Jugendliche Arbeiterl Erscheint zahlreich zu dieser Versammlung. Jüdischnationaler Arbeiterverein, 14. Bez., Ullmannstr. 31 (Katicrhof 10 a). Dienstag den 8. Dezember veranstaltet der Verein in seinem Vereinslokäl das Erinnerungssest seines dreijährigen Bestandes mtd erlaubt sich alle Gesinnungsgenossen zn diesem höflichst einzuladcn. Besondere Einladungen ergehen nicht. Programm: Festrede, Theatervorstellung, ernste und humoristische Vorträge, Tanz. Beginn 8 Uhr abends. Wien. Der lit. Geselligkeitsverein jüd. Mädchen „Moria" veranstaltet Sonntag den 20. d. einen literarischen Nachmittag. Referent ist Herr Dr. Carl Lifczis und tvird über das Thema „Die Frauenfrage und das Judentum" sprechen. Beginn präzise 3 Uhr nachmittags int Kongreßsaal, 9. Bez., Türkenstraße 0. Gäste herzlichst willkommen. Das Gesetz über den Hausierhandel. Das Abgeordnetenhaus hat am 17. Dezember v. I. den auf Grund eines Tringlichkeitsvorgelegten Entwurf >r Lesung angenotn- Enttvurf vom Herrenhaus eingehend beraten und nach den Kommissionsanträgen in wesentlich abgeschtvächtcr Form angenommen. Im wesentlichen traten folgende Milderungen ein: Das im Paragraphen 12 normierte, nach der Abgeordnetenhansfassung nnbeschränkte Hansierverbotsrecht der Gemeinden tvnrde auf Landeshauptstädte, Städte mit eigenem Statut, Ortschaften mit über 5000 Einwohnern und Kurorte eingeschränkt und nur „in besonders rücksichtswürdigen Fällen"- auch für andere Gemeinden zngelassen; überdies wurde das Verbot von der Genehmigung des Handelsministeriums, bei Kurorten auch des Ministeriums des Innern abhängig gemacht. Die Strhfbesiimmungen ivurden tvesentlich gemildert und der Umfang der Hansierbeftignis auf das ganze Gebiet der Landesbehörde erweitert. — Am 18. Juni d. I. beriet im Abgeordnetenhause das Snbkomitee des Getverbear.sfchttsfes über den Beschluß des Herrenhauses und betraute schließlich den Abg. Foerg, der schon bei der ersten Beratung Referent getvesen tvar, damit, über die Herrenhansfassnng zn referieren. Der Obmanu des GetverbeausschusseS R. v. Chamiee hat nun den Ausschuß für Freitag de» 20. d. zur Verhandlung dieser Angelegenheit einberufen. Wien. Am 21. d. M. fand die Generalbefsatttmsnng des «V e r e i n s ü r n n e » t g e l t l i ch e n?! r b e i t s n a eh in e i s" statt. Dieselbe tvar von Mitgliedern und Gästen gut besucht. In Vertretung der K'tiltnsgeineinde tvar deren Vizepräsident, Herr Dr. Gustav K o h n, in Vertretung des HumanitätsvereineS „Wien" (B'nai B'rith) Herr Professor Dr. Leopold .König stein erschienen, außerdem Vertreter des Vereines zur Unterstütznng israelitischer Handwerker und Gewerbetreibender, deS Vereines zur Hebung der Gewerbe und des Franen-Wohltätigkeitsvereines in der Leopoldstadt. AIS Gäste hatten sich auch die Herren Rabbiner Dr. E. David, Dr. Armand K a in i n f a , Dr. A. L. M a n d l eingefnnden. Ihr Fernbleiben hatten entschuldigt: die Herren Oberrabbiner Dr. M. Güdemann, Rabbiner Dr. D. Fenchtwang und Emil Horner in Vertretung des Bankhauses S. M. v. Rothschild. Nachdem der Vorsitzende Herr Dr. Alois Klemperer die Erschienenen begrüßt und dem verstorbenen Vorstandsmitgliede Herrn Karl Goldmann einen ehrenden Nachrnf gehalten hatte, erstattete der Obmann deS Exekutivkomitees Herr Dr. Bela Tanssig deit Rechenschaftsbericht. Zunächst kam er ans den Rücktritt des Herrn Kommerzialrates Eduard Wiener von der Stelle eines Obmannes des Exekutivkomitees zn sprechen und gedachte der unter den schwierigsten Verhältnissen geleisteten, nicht hoch genug zn schätzenden Tätigkeit desselben mit innigem Danke. Die Versammlnng gab ihre Znstimnning zu diesem Dankesvotnm zn erkenne'n. Hierauf ging der Referent zn dem Berichte über die Geschäftstätigkeit über. Wie ans demselben hervorgelst, hat das Bnrean seit dem Bestände des Vereines 7707, im abgelanfenen Berichtsjahre 2301 Vermitt- Inngen dnrchgeführt. Der Monat Oktober speziell wies die hohe Vernttttlnngsziffer 301 auf. Die Zahl der im Berichtsjahre angemeldeten Arbeitnehmer betrug 0838, der angemeldeten Arbeitgeber 3820. Von dem Andrang an den Schaltern des Bureaus und der Summe der demselben obliegenden Arbeitsleistungen kann PNI Uhl ii. ^.-ezeinoer v. oen ans vvriiiw ei beschlusses verhandelten, vom Gewerbeansschuß v eines Gesetzes über den Hausierhandel in drittel men. Am 4. April d. I. wurde der Entwnv man sich eine Vorstellung machen, tvenn man hört, das; im Berichtsjahre 40 800 Parteien abznfertigen tvaren. Der Bericht erstatjer richtete noch einett ivarntett Appell an jene Glaubensgenossen, die vertnöge ihrer hervorrageitden industriellen Tätigkeit in die Lage kontmen, Arbeitskräfte in größerer Anzahl, tvenn «m(i ttach auswärts, zu benötigen, mtd schloß mit der Bitte, für die?lntverbnng von Mitgliedern, insbesondere aber darum bemüht zn sein, das Interesse der jüdischen Arbeitgeber für die N'achiveiseinrichtttngen zn ivecken. Sohin umrde der Bericht — einschließlich des von dent Kassier Herrn Karl Hirsch votHeleglen Gebarnngsanstveises — eittsttmmig genehmigt, worauf der Vorsitzende eine Ansprache an die Versamntltmg hielt. Er appellierte besonders an die jüdische Kaufmannschaft als tut denjenigen -Lland, den man überall ttt erster Linie sieht, >vo es gilt, für gcnteinnützige Ilnternehmtinge» einztitreten und der auch an der Verwaltung des Arbeitsnachtveiscs den hervorragendsten Llitteil hat. Herr Dr. Gustav Kohn sprach im Natnen der Killtnsgenteittde dem Vereine die dlnerkennnng ans tntd gab zugleich die Versiehe nun; i der weiteren Fürsorge der Gemeinde für diese so segettsreich!viri kende Wohlfahrtsattstalt ab. Nachdem noch die Herrett Sigmund I Kanders und S. Brod in anerkennendem Sinne von dem Wirken des Vereines gesprochen hatten, tvnrde die Versammlung geschlossen. Allgemeiner jüdischer Arbeiterverein Wien, 2. Bez., Stefnniestratze 8. Santstag den 20. ds. findet im Vereinslokale eine Vorlesung des Genossen Emil Obernik statt. Gäste Ivillkommen. Der Jude vor Gericht. Wir heben ans der Diskussion, die sich an den Vortrag des Dr. Preßbnrger antnüpfte, die Ausführnn- : gen des Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. S. R. Landau hervor,! der gleich anderen Distnssivnsrcdnern im Gegensätze zn Dr. Preß- > bnrger behauvtete, das; ttieht das Vfuftreten des Inden vor Gericht! die Ursache der Antipathien sei, sondern die Vorurteile, die man ihm i auch von richterlicher Seite entgegenbringt. Nicht der Jude müsse i sich ändern, sondern die Richter. Er vertvies ans einen Fall, der : sich erst jüngst zngetragen hatte. Der Bezirksrichter Dr. Kramer j sagte einem Wildenten,, der sich behördlich anstatt Jsak, Ignatz * anmeldete, ttnd crllörte, daß ihm eine schlechte Absicht ferngelegeit sei: „Ihre Nation liebt eS, sich andere Vornanten beiznlegen, wenn eS ihr r-aßt." Es iei ihnt serner vorgekommeit, das; der Richter einem Bettler» der Galizien stammte, znrief: „Gehen Sie nach Galizien, hier brauchen wir Sie nicht!" Er erinnere ans seiner Krakauer Tätigkerr vei Gericht, das; ein Bauer, dett vier Jttdett als Zetigctt der Braitdlegnng bezichtigtett, frcigesprochett wurde. Dr. L. lvmtne ans Grund seiner Erfahrung zum Schlüsse, das; es auf das Verhaltett des Attgcklagtett nicht ankomme, sondern auf die Objektivität des Richters nitd der Rich/er lasse oft dem Juden geaettüber die Objektivität vermissen. Acan töune darüber, wie ein Unschuldiger sich verteidigen müsse, teilte Normett aufstellen. Ein mtd dieselbe Gemütsstimmnttg äußere sich crsteits iitdividuell ganz verschieden und zweitens sei die Wirkung des Benehmens auf den Richter ganz uttberecheubar. Er erinnere an den Fall Kateritta j Steiner, wo der Richter das trotzige, wilde Benehmen als Schuldi beweis an nahm. In aitdern Fällen sei der Unschuldige gattz verzagt ‘ und still und auch das könne der Richter als Schuldbewußtseiu an- : sehen. Bei der freien BeiociSführung ist natürlich der Willkür des \ Richters viel mehr Spielrannt gelassen. Deshalb habe Dr. L. gleich bei Einführung der neuen Prozeßordttung erklärt, daß sie! für die Jndeit ungünstig sei.! Der Jüdische Volksvercin in Prag hielt am 8. November l. I.! seine Generalversatumluug ab. Der Obmanu MUDr. Moritz K o h n gedachte ttach Eröffnung der Vorfälle tm Jndentttm im veri flossenen Verw-altnngsjahre, der Katastrophe von Kischenew, des; Baseler Kongresses und des Beitrittes des Israelitischen Landesi lehrervereineS in Böhmen zur zionistischeit Organisation. I. U. C. i Max Gackt verlas das Protokoll der letzten Generalversammluttg. \ worauf Prof. Jakob W e r t h c i m e r den Rechenschaftsbericht eri stattete. Die Mitgliederzahl hat 300 überschritten und der Verein I gelangt stets mehr zur Geltung. Der Verein arbeitete unentwegt an der Verbreitung deS Baseler Programmcs und die Delegierten! erstatteten ausführliche Berichte über den Wiener Parteitag und den Kongreß. Zur Hebung des jüdischen NaUüNLtlbclvußtseins wurde ,eine Makkabäerfeier mtd eine Pttrimfeier veranstaltet, tvelche beide! sich eines zahlreichen Besuches erfreuten. Auch die Vortragsabende; des Vereines lind allgemein beliebt, insbesondere der Vortrag des; Herrn I. U. Dr.?ldolf Berg m a tt n anS Pardubitz hatte sich! eines überaus zahlreichen Besuches zn erfreuen. Für den Ver-! kat:f der Aktien der Jüdischen Kolouialbaitk sorgte ein Shares-! Klub, dem jedoch bisher nur der Ausschuß atigehörte. Für den Nationalfonds tvnrde eine ansehnliche Stimme gesammelt, so das;! der Vereiit mit 240 K. ins goldene Buch des NationalfottdS eitt-! getragen wurde. Bei der in Gemeinschaft mit den übrigen zionistis schen Korporationen Prags veranstalteten Protestversammluitg! wegen Kischenew tvnrdett 214 51. gesammelt, außerdem die Samm- , lungeit noch eifrig beirieben, so daß der Vereiit im ganzen 042 ,K.; (ibluf-ui konnte. Die Kurse für den Unterricht der hebräischen! Sprache, welche unter Leitting deS Phil. Hugo B e r g m a tt tt l stehen, tveisen sehöne Erfolge ans. Dieser sotvie der 5t a stab er ich t wurden gettehnttgt. Der vom Herrn Philipp L e b e tt h a r t ver-! treteuc Antrag des Ansschusses ans Gründung eines Shares-5A»hs im Verein wurde angenommen und es meldete sofort eine größere Anzahl von Mitgliedern ihren Beitritt an. I. U. C. Max G a ch i begründete in einer längeren Rede seinen Antrag zur?lmtaltme ■ einer Resolution gegen das schamlose Verhalten der Narodni Jednsta Cekozidovska gegckn den Israelitischen LmHeslehrervevent. lieber diesen Punkt entwickelte sich eilte rege Debatte, an der sich als Gast auch das anwesende Mitglied des Zetttralausschusses dü'seS Vereines Viktor Tehtz beteiligte, lieber An'rag des Prof. Werthcimer wurde nttler stürmischem Beifall folgende Resolntion angettommen: „Dev Jüdische Volksvereitt in Prag spricht dem Israelitischen Liandeslehfervereine sc'ine herzlichsten Smnvathien ans und hofft, daß dieser Verein auch weiterhin dem hohen Ziele, das er sieh gesteckt hat, treu bleiben wird." Die Wahlen ergäbet! folgendes OtesnltLtk: Obtnann: M. 11. Dr. Nkoriz 5iohn, 1. Stellvertreter: Philipp Lebenhart. 2. Stellvertreter: I. Ac, Nediscli, 1. Schriftführer: Moritz Löivh, 2. Schriftführer: I. U. C. Nc'ax Gack,, 1. .Kktssier: Prof. Jakob Wetstheimer, 2. .Staffier: S. Lissan, iveiters Siegfried Fantl, S. Fischer, Ignatz Karpeles, Emil Licknenstern, I. U. Dr. Siegmnnd Polares, Ectlomou Pollak, Ludwig Propper, Wilhelm Schick, Offizial Gustav Singer, Sieguuutb Bergmann, Friedrich Stein, Lehrer Julius Steiner, I. 11. Dr. I. Stern. In den Ersatz: Dr. Adolf Grünfeld, Rudolf Perl, Richard Lederer. Samson Seidemann, Dr. Alexander Bondh, Moritz Weltsch. Herr Weltsch beantragt, dem alttretenden Ausschüsse den Dank zn votieren, fordert die Mitgliedschaft auf, zmn Wähle des jüdischen Volkes zt, arbeiten und appelliert an die Mitglieder, gute Z.ionistett mtd treue Bürger des Heiutatlmt-des ztt sein. Mit Worten deS Dankes für die zahlreiche Beteiligt,ttg sthloß Dr. 5M,n die Versammlung. Wien.?lm 20. d.» nachm, halb v Uhr, findet im. Festsaale des Hotel C v tt t i n e n t a I eine?l k a d e ttt i e f it r d i e I u g e >t d ntil sehr interessantem und bielbersprecheitdem Programme statt. Frau Ä l ö ck n c r - 51 r a m e r wird mit ihrer belvährten Vorlesekuust diesmal den Kreis der 51leineit entzücken und ^hieran werden sich die antnsanten Darbietungen des bekannten Prestidigitatenrs Gerrit Marschall und der Wiener „Urania" schließen. Das RetnerträgniS dieser Veranstaltung ist der Bekleidung armer Schulkinder atis allen Bezirken Wiens gewidmet. .Karten bei?llütn Förstl, Bellariastrnße und im Hotel Continental. 2. Bez., Praterstraste, erhältlich. Preise der Plätze 4 S\x. und 2 Kr. Entree 1 Kr.