Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 48 (27.11.1903)
- Date
- 1903-11-27
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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•Seite 6 Wien, Freitat; Jüdisches Volksblatt 27. November 1905 Nr. 43 •fi ■iv. Aiidlsche Toynbee-Halle, 20. Bez., Karajangasse 20. a m s tag. 28. Nov., Konzert. — Sonntag. 29.' Not,.. Dr. M. Scherlag: Vorlesung. Hierauf Konzert. — Ni o n tag. 80. Not'., Dr. Josef Jerusalem: Oesterreichische Verfas- 'ungsgeschichte. — Dienstag. 1. Dez., Diskussion. — Mittwoch. 2. Dez., Dozent Dr. Josef P o l l a k : Hygiene. — Donnerstag. 8. Dez., Dr. Heinz Kohn: Die Bibel als Rechtsbuch, 2. — Freitag, 4. Dez., Dr. N o s e n m a n n : Bibelbortrag. Wierrer Bethamidrasch, II., Tempelgasse 8. Anlaß bei vierzigjährige» Bestände! diese! B«rei«e! findet am Mittwoch, den 2. Dezember 1903 (13. Killev). präzise 6 Uhr abends, tm BortragSsaale, II., Tempelgaffe 3, eine Festfeier statt, bei welcher der Bereinlprüstdent, Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Adolf Schmied!, die Festrede halte» wird. Zu dieser Feier werden Eintrittskarte» i» beschränkter Anzahl im Sekretariate, II., Tempelgasse 3 (9 bi! 10 Uhr vormittag!) ausgegebe». A«sLasd. Dev erste Teil der preußische» Larrdtags- 29ahleu ist beendet, und wenn diese Nummer in den Besitz unserer Leser gelangt, wird auch die Hauptschlacht geschlagen sein. Erst dann wird eS a» der Zeit sein, da! Fazit derselben unter dem Gefichtlpunkte, der an dieser Stelle allein in Betracht kommt, zu ziehen. Nach dem Ergebnisse der Wahlmänner-Wahlen ist zu hoffe», daß dem Abgeordnetenhause sechs GlaubenSgenoffen angehören werden, während das vorige nur vier, die Herren Dr. Max Hirsch, Landesgerichtsrat Peltasohn, Stadtverordneten Ro se n o w und Justizrat Wolff-Lissa, zählte. Außer diese», deren Wieder, wähl in Berlin I, Mogilno-Znin, Berli» III und Fraustadt' Lissa als gesichert gelten darf, werden die Herren Stadtrat A r o» s o hn (Bromberg) und Justizrat O. C as s s l (Berlin II) neu in den Landtag einziehen. DaS ist ein «mfo mehr bemerkenswerter Erfolg, da bekanntlich das vorletzte Abgeordnetenhaus — tote Herr Stöcker fanfaronnisrend höhnte — „judenrein" war. Der einzige „reine" Antisemit, Herr Werver, der den Landtag „geziert" hat, dürfte demfelbe» wohl erhalten bleiben, denn er hat Aussicht wiedergewählt zu werden, und zwar abermals gegen einen — Kons ervative». Hingegen hat Herr Lieb ermann von Sonnenberges vorgezogen, dem Durchfall, de» er das vorigemal erlebt hat und sicherlich wiederum erlebt härre, sich nicht auSzusetzeu, sondern ist rechtzeitig von seiner Kandidatur zurückgetreten. Eine Synagoge in Lissabon. Amerikanische Blätter publizieren einen Aufruf an die Inden, durch Beiträge die Errichtung einer Synagoge in Lissabon, der Hauptstadt Portugals, zu ermöglichen. -Nch im^?luslande lebenden „Portugiesen" beteiligen sich mit namhaften Spenden'an dieser Aktion, welche-gewiß nicht der' historischen Bedeutung entbehrt, da diese zu errichtende Synagoge die erste sein wird, welche seit der Vertreibung der Juden aus Portugal im Lande geduldet wird. . Petersburg. Vorige Woche hielt Dr. P. Vruzkus in der historisch-ethnographischen Sektion des Petersburger jüdischen Bil- 'drmgshereines einen Vortrag über „Die Privilegien des F ü r st e n W i t o tot an d i e l r t h a u i s ch e n I n d e n". Ans Grrlnd erst kürzlich bekannt gewordener Dokumente totes der Vortragende nach, daß die Privilegien Witowts beinahe eine genaue Kopie der Privilegien sind, welche .Kasimir der Größeren Juden Polens gab.: Geändert wurden nur einige Stellen, indem sie den Lebensbedingungen der lithauischen Inden angepaszt wurden. Der Vortragende unterzog dann alle im Umlaufe befindlichen Versionen und Lesarten der Privilegien einer eingehenden Kritik und wies nach, daß die von Abraham F j u r k o w i t s ch . einem Koräer, „festgestcllte" Fassung eine plumpe Fälschung ist. Diesem Fjurkowit sch wurden bereits mehrere zum Nachteile der Jliden berübte Fälschungen nachgewiesen. Zur Notlüge der russischen Juden. Als ein trauriges, aber untrügliches Zeichen für die Notlage der Inden in Rußland kommt uns cnis Ko w u-o die Mitteilung zu, daß der dortige Pächter des Einhebungsrechtes für die Koscherfleischtaxe den Pachtvertrag gelöst und das Vadium von 10 000 Rubel verfallen ließ. Tie meisten der Kownoer Juden essen nur an Sabbaten Fleisch und' sind nun gezwungen, auch an diesem eilten Tage dem Fleischgennsse zu entsagen, weil ihnen die Mittel hiezu fehlen. Russische Stimmungsmacherei. Der heute berösseittlichte Tagesbefehl des Kommaitdanren der Truppen des Wilna'schen Militärbezirkes vom 19. d. meldet, daß elf Arrestanten unter Bedeckung von sechs Untermilitärs und einem Gefreiten ans dem Gefängnis abgesertigt wurden. Unterwegs irnrde die Bedeckung von einer großen Schar Inden umringt, welche die Arrestanten zu befreie» versuchten unb mit Knütteln und Steinen warfen. Tie Menge mit Gelvehrkolben abwehrend, setzte das Kommando den Weg fort und erreichte den Bestimmungsort. — Ter Tagesbefehl lobt das Verhalten der Soldaten. Zuni Wohnrechte der Juden in Rußland hat der russische Senat kürzlich folgende „Erklärungen" heransgegeben: 1. Jüdische Haitdlverker, die von einer einfachen Gewerbekommissivn ein Diplom erhalten, sind berechtigt, ihr Handwerk auch außerhalb des Wohngebietes der Jndenzn betreiben. 2. lieber die Frage betreffend das Wohnrecht eines Judenkamt der Gonvernenr allein nicht entscheiden, sondern möchte dieselbe durch alle Gnbernialinstaiizen dnrchberaten lverden. 8. Das Gesetz vom 29. Dezember 1887 verwehrt den Juden nicht die Uebersiedlung »ou einem Ort in den andern, fofern beide Ortschaften sich in einer lind derselben Dorfgegend befinden. 4. Es ist dem Inden Verbote», von einem Dorf i» ein anderes zu übersiedeln, wenn beide Ortschaften unter A n f - s i ch t Vers ch i e d e n er Ortsvvr st eher (Stnrofta) stehen. Der Prozeß gegen die Kischenewer Mörder. Ten e r st e n P n n k t der am 20. d. beginnenden V e r h ö r e bilden die Eruwrdung des Realschülers Barailvlvitsch und dann der Familienväter Dracyntann, Galanter nslv. Im Richtcrkollegium befinbet sich Iwan Semigradow, ei» Mann, der. in Kischenelv als wütendster Anliseinitenführer bekannt ist. Ter Gerichtshof designierte als Vertreter der Angeklagten folgende Rechtsanlvälte: Maljisky, Oschorja, Tchmittolv und Schnrjary. Einer derjenigen Rechtsanlvälte, die. sich tveigerten, die Verteidigung.der Atordge selten zlt übernehmen, Rechtsanwalt Hellmaiin, erklärte dem Vorsitzenden ohne Rückhalt: Er sei zlvar der Konfession nach Christ, könne aber ans keinen Fall.die. Mörder feiner Brüder und Stammesgenossen in Schutz nehmen. Für die Dauer der Gerichtsverhandlungen wurden' ans dem Kischenewer Kreise 40 polizeiliche Unteroffiziere iUrjadniiS) und ein ganzes Korps Ölet,bannen nach Kischenelv lvegen Anfrecyterhal- > tung der Ruhe herangezogen. Der Gouverneur Fürst Urossow Staatsanwalt: Haben die Inden mit den Christen hat gestern sämtliche hiesigen Polizeibcamteir borge laden lind ersonst in Eintracht^ und Frieden gelebt'? teilte ihnen die streilgste Weisung, sie mögen int Interesse der Sache, falls sie. an ben Krawallen teilgenonnnen habeil, ihre Demission lieben, da jeder, der durch das gerichtliche Erkenntnis als Teilhaber überführt werde, des Rechtes berlnstig gehe, irgend ein Staatsamt zu bekleideri. Teil Verhandlungen in Kischeilelv Irlerden offizielle Vertreter des Ministeriums des Jnneril und des Justizministeriums beilvohnen. Es lvird behmlptet, daß der Lieferant für bett Ausbau des Straßenpflafters, ein bekannter Antisemiit, als eifriger Eiltlastnngszenge für die Plünderer aitftreten lvird, es ist dies ein gewisser Pronin, der schon zu wiederholtenmalen feinen ausgesprochenen Sympathien für die Mordgesellen Ausdruck gelicheu hat. Am 20. November begann die erste Verhandlung unter Vorsitz des Präsidenteil Dawidvlv. Unter den Beisitzern befindeil sich: der Adelsmarschall des Kreises Bender, KrnpenSki, der Bürgermeister der Stadt Ackermann Schelikowitsch. Seitens des Vor' treters der Anklage lvurde beantragt, daß die Verhaildlung gegen sämtliche Exzedenten einheitlich geführt lverde rmd ilicht, tvie es beabsichtigt lvar, in 22 Einzetprozessen; dieser?lnftag wlwde vom Gerichtshof mit der Motivierung abgelehnt, daß eine Zusammenziehnng sämtlicher Prozesse mit Rücksicht ans die große Zahl der Beteiligten zu Verwirrungen führeil würde. Die erste Einzelklage betrifft 37 Angeklagte und 58 Beschädigte, wozu 548 Zeugen vorgeladen sind. Nach Verlesung der umfangreichen Anklageschrift schreitet der Gerichtshof zlir Beeidigung der Zeugen. Da erhebt sich der antisemitische Rechtsanwalt Schmakow itiib verlangt, daß man die Inden more jiidaeico in der Synagoge bei schlvarzen Kerzen lind im Gebctmantel, lvie es angeblich in frühereit Jahrhunderten üblich gelvesen sei, beeidige, da mau sonst dem Eide der Inden kein Vertrauen schenken könne. Der Staatsanwalt entgegnet hierauf, daß er znm erstenmal eine derartige Insinuation gegen die Inden vernehme; es sei ihm nicht bekannt, daß seit Einsührnng der neueil russischen Prozeßordnung, im Jahre 1870, jemals behauptet luorbe» sei, daß der Schlvur des Inden, nur loeun er in der Synagoge geleistet lverde, Geltung habe. So viel ihm bekannt sei, haben die Inden keine an sich heilige Stätten, fonbern jeder Ort, an welchem der Jude Gott anrnft, gelte als heilig. Der Vertreter der beschädigten JndenAdvokat Karabtschelvski, erklärt, daß die jüdischen Zeugen trotz der im Anträge der Verteidigung liegenden schtveren Beleidigung bereit seien, um nidU die geringsten Zweifel über ihre vollkommen mir der Wahrheit übereiiistinnnenden Aussagen aufkommen zu lassen, den Eid unser allen verlangten Zeremonien nnb Feierlichkeiten in der Synagoge abznlegeu. Der Gerichtshof verlvirft ben Antrag der Verteidigung. Die Zeugen werden min in sechs Gruppen nadjeinanber beeidigt. An die jüdischen Zeugen hält Rabbiner Abraham- Gottlofker die vorschriftsmäßige Ansprache, in der er sie auf die Heiligkeit des Eides anfinerksam macht. Bei der Vereidigung, der christlichen Zeugen sagt der orthodore Geistliche in seiner. Ansprache unter anderem: „Ihr kennet, doch den Hanptgrmrdsatz unserer Religion: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst"; das Prinzip: ,,Aug' um Aug', Zahn um Zahn" ist uns fremd." Diese Anspielung machte aus den Gerichtshof.sichtlich einen höchst unangenehmen Eindruck. Als erster Zeuge lvird der ehemalige Bürgermeister von Kischenelv Kurl Alexandrowitsch Schmidt vernommen, der 27 Jahre lang-an der Spitze der Stadtbertretling stand. Er sagt: Kurz vor Ostern verbreiteten sich in Kischenew. Gerüchte, daß Exzesse gegen die Inden bevorstehen. Man glaubte jedoch nicht ernstlich daran. Man erkannte zwar, daß. dir seit.sechK.Jahren von-Kruschewan. im „Bessarabetz" nrninterbrochen varöffentlichten gemeinen Beschuldigungen rmd Berle U md Ungeiv;et »hin ( zu einem Ansbruche der Leidenschaften führen müßten; man vermochte aber nicht anzunehmen, daß in einer so großen Stadt bei einer wohl-organisierten Polizei und einer Garnison von 10.000 Mann Militär so furchtbare Bluttaten sich vollziehen lverden, wie es am 49. und 20. April der Fall gelvesen. Am erstell Ostertäge, Sonntag den 10. April, zwischen 5 und 0 tthr nachmittags) machte ich einen Bestich bei einem'Bekannten, Viktor Sinadino. Während ich dort lvar, horte ich in der Nähe Klirren von Fensterscheiben, worauf ich vermutete, daß Ausschreitungen gegen die Juden tatsächlich sta.ttsinden. In großer Aufregung begab ich mich nach' Hanse; nnterlvegs traf ich schon größere Hansen von Burschen, welche die Häuser und Läden von Inden demolierten. Als ich in mein Hans trat, erzählte mir meine Familie, daß manauch unser Heim demolieren wollte, aber ein Offizier sei an die Exzedenten herangetreten und habe ihnen den Rat erteilt, an das Nachbarhaus sich zu' wenden, da in diesem Hanse der Bürgernleister logiere. Ich blieb darauf in meiner Wohnung, die ich bis Dienstag morgens nicht verließ. Gegenüber meinem Hanse sah ich, lvie die Exzedenten die Geschäftsläden der Juden ine Hanse des Dr. Großmann verwüsteten. / Meine beiden Söhne, die an ben Tagen, der Krawalle viel in der Stadt hernmgingen, erzählten mir herzzerreißende Vorfälle und schilderten die surchtbar grauenhaften Bluttaten. So erzählte mein älterer Sohn, er habe an der Ecke der Atexaitdrolvstaja und Michaetpolvskaja eine Bande getroffen, die sich Tant rühmte: „Vor einigen Minuten haben Zeuge: So lveit ich mich seit meiner frühesten Kindheit ermnern kann, hat in ganz Bessarabien das beste Einbernehiitei» geherrscht. Wenn einmal vorgekommen ist, daß irgend eiir Moschte (vulgärer jüdischer Naiile) einen Ivan (russischer Name) übervvrteilt hat, so hat sich der Zone des Ivan gegeic den Moschte allein gelvendet und es lvar niemals eine Bewegung von Christen, gegen Inden zu bemerken. Erst seitdem der „Bessarabell" zu erscheinen begann, verbreitete sich attiitählich der Judenhaß, und auch da nicht nicher der ansässigen Bevölkennig, sondern hauptsächlich untrer der fluktuierenden Masse der Handiverker, denen die jüdische Konkurrenz unangenehm ist. In dieser Klasse ist auch der „Bessarabetz" sehr verbreitet intd viel gelesen. Die Moldavannen, die Stantmbevölkernng Bessarabiens, sind den Inden lvohlgesinnt gelvesen, nnb sind ):!K'!vohnt, von ihnen mit größtmöglicher Achtung zu sprechen. Die L'^b 1 rctd;e11 gegen die Juden erlassenen einschränkenden Gesetvsewestitttnlnngeic haben vielfach dazu beigctragen, ihr bürgerliches Anirir einen verfluchten Juden bstltig geschlagen, so daß er bereits im Sterben liegt." Mein Sohn sprach den Eyzedeisten ins Gewissen; da ivollten sie auch über ihn herfalleit und sagten: „Der ist Ivohl auch ein Jude, sonst lvürde er uns keine Vorivürfe machen und uns loben." Mein Sohn lvar gariz entsetzt über.diese Mordgier und schrie die Leute an: „Ihr gemeinen Kerle, ist euch nicht geling, daß ihr einen Juden gemordet und ausgeplündert habt, daß ihr auch einen Christen totschlagen lvollt? Ich 'bin . ein geborener Christ, uub daher habe ich auch mit audeccu Menschen Mitleid! Selbst mit wilden Tieren muß man Mitleid haben, um so mehr mit Meitschen, die, wie wir, von Gott geschaffen sind!" Die Exzedenten standen ganz verblüfft bei diese» Worten meines Sohnes und fragten ihn höchst erstaunt: „Hast bu denn den „Bessarabetz" nicht gelesen, der alltäglich darüber schreibt, lvie die Juden de» Dubossary, den Christenknaben. ermordet und sein Blut ansgetrnnken haben?" — „Aber das ist ja schon längst amtlich lvidertegt und als niedertstichtige Lüge bezeichnet ivorden," erlviderte mein Sohn; „habt ihr denn die Berichtigung im „Bessarabetz" nie!'/ gelesen?" «Was geht uns die Berichtigung'anI" erlviderten die Leute, „lvir haben gehört, die Juden hätten sich verabredet, alles abznlengiteu, lvas im „Bessarabetz" steht." _ , Ter Bürgermeister erzählt ferner, daß sein jüngerer Sohlt in der t'ileraudrvivSkaja in der Nähe der Kilistigasse gesehen habe, wie eine Gruppe von Plünderer» jüdische Frauen und Mädchen mißhaudelie; er wandte sich a» einen Offizier des in der Nähe besindlich?» Attlitärdcmcheilients mit der Bitte, den Unglücklichell Hilfe zu leisten, eS geschah jedoch nichts, erst später kam eine andere Tnippenohteiliing vorüber nnb zerstreute die Bande. J»r allge- »u inen hat der Zeuge beobachtet, daß die Polizei sich lvährend der?l»Sschreitmlgcn tonscgueni lveigerte, zu glnlsten der geplündertelt und mißhandelten Inden zu intervenieren, lvährend die Offiziere der in zahlreichen D wache me utS auf den Straßen postierten Truppen! l'N. k-'im' sehen und ihre Stellung tu den Angen der christlicheii"Bevötkern>m herabzusetzen, so daß man in manchen Kreisen anfing, sie wie Parias Nied außerhalb der Gesetze steheitde Leute zu betrachten. Trotzdem aber iväre der Haß gegen die Jliden in den besseren bürgerlichen Klassen niemals dazu gelangt, daß Exzesse gegen sie beranstaltet lverden, lvenii nicht in den erlvähnien Handwcrkerkreisen, ivelche alif den „Bessarabetz" geradeztl sehlvören und dessen Behauptungen lvie Orakelsprüche aufnahmen, die shstematische Aufreiznltg geübt worden iväre. — Ans die Frage über das Verhalten der gebildeten Stände unter den Christen während der ilnruhen antlvortet der Zellge,^ daß diese ganz teilnahmslüs dem Unglück der Inden gegeirüber sich stellten. Es sei ein Plan bei den Plüitdernngen genau zit bemerfen gelvesen. Die Mutter des Dr. Dnbiim, deren Hans sich iil der Nähe einer jüdischen Wohnung befindet, hatte bernerkt, daß eine Bande Erzedenteir in ihr Hans eiildringe» lvollte, und machte ihnen Vorivürfe, daß sie nicht zwischen einem jüdischen und christlichen Hanse unterscheiden. Hierauf zog einer der Mordgesellen ein Notizbrich ans der Tasche, suchte nach nird sagte: „Dein Hans ist Nr. 7, bei tins ist es eingetragen als Eigeittnm eiites Inden, du mußt daher den Jrrttwt berzeiheic und im übrigen sei sicher, es lvird dir nichts geschehen." Die Sitzung lvurde nun unterbrochen. Die nächste Verhandlung findet Samstag den 21. d. statt. MLttrilmrgen aus dem Pudlikum. Keine Stuhlverstopfuilg mehr! Dem Eeht-Nürnberger-Lebknchen-Fabritänten H. H u ß in Wien, 18. Bezirk, Ladeilburggasse 46, ist es gelungen, einen außerordentlich schmackhaften Lebkuchen herzustellen, durch dessen zeitlveiligen Genuß an Stuhlberstopfnng Leidende, ob Kinder oder Erlvachselie, davon si ch e r lind s ch m crzlos befreit werdeil. Die Wirknilg lvird nicht lvie durch Pnrgiennittel auf gewaltsam e, explosive Weise, sondern ans natürlichem, nlechailischem Wege erzielt. Zlir Probe werden 1 Dutzend H n ß k n ch e n um Kronen 3.— per Nachnahme versendet. 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Wir haben ganz im G e g e n s a tz e lv ö r t l i ch folgeiides in der Nnminer 4<! gesagt: „Aber eines illüsseil lvir dem Dr. Feuchtivang doch z u g e st e he n. Er hat den M u t gefllndeu,.: zu erklären, daß er ans beut geheiligte» Boden des li b e r l i e ferten I n d e n t n in s stehe, doch darf er nicht vergessen, daß da^ überlieferte Jndeiltnm auf dem ebenso geheiligte» Bodetl des nationalen Voltstniils anfgebant lvurde." Wir haben also iw Geaenteil de» Mut De. Fenchtlvangs, gerade hier in Wien zu erklären, daß er auf dem geheiligten Boden des nberlieferteu Jlldelltums stehe, lobend an er kan nt und den Vorluurs des Phrase»- . , . , . „ , drescylers an einer ganz an bereit Stelle deshalb unket Anaiy die dringenden- Buten, eilizn>cyretten, erlviderten, dal; leine diec.,- L,ou Zitaten erhoben, „weil er einer ganz leeren Phrase bezüglich.- Ordre erteilt lvurde.-, Viele Inden sind zu mir gekommen, gehaltvollen Gedanken opfert". Wir haben.auch die Geum mir Geld lind Schmucksacheii zur Aufbeivahrung zu übergeben;: daß unser Rabbinerartikel in den 'Wie»wr cKreisen,. die Schlitz konnte ich ihnen IciVe nutt bieten. | Oethodorie nicht als ei» Geschäft betreiben/'gelMgt! wstrde. Vors.: Waren die bilden belrassnet, die zu Ihne» kamen, oder hatten sie irgend ireld;' zum?lngrisfe. dienende Werkzeuge oder Gegenstände mit sich? Z, enge: Die Jliden tearen derart: ei »geschüchtert und verzlueifell, daß sie lvie Schaliai irandellen- und sie erschiene» gänzlich hilflos. Von einer Benaffunug kann teilte Rede sein. rthodox Medieus. Neber das Nstmi"s4o»slind der Professor Fraenkel, schreibt die „O. 1)1.“: gehört zu jenen gemuften Inden, die, berächlliel> genlig, sich ans den VIuttfemiirii herltusspielen." Aelännttich ist aud) das andere Prost'llicmstiud der „N. F. P.", Prof. Gersnny, ei» getaufter Jude. N. F. PLZ de» „Prof. Fraenkel