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Jüdisches Volksblatt · 1903-11-13 · 46 (13.11.1903) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
46 (13.11.1903)
Date
1903-11-13
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 46 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 13. November 1903 Seite 5 Sekretär kais. Nat Dr. Lieben referiert namens dcß Vertrcterkollegiums in nachfolgenden Stifttings-Aiigelegeuheiteu: Die Moriz Goldberger'sche Rabbinatskandidaten-Stiftung im Betrage von Kr. 660,— wird dem bisherigen Besitzer dieses Stipendiums für ein weiteres Jahr belassen. - Die Fran Charlotte Nabatz'sche Jahrzeit-Widmung lvird in die Berlvaltnng der israelitischen Kultnsgcnreinde übernommen; des weiteren iverden die Modalitäten der Uebernahme der Graberhaltnngs-Widmnng nach dem sel. Emanuel Granichstädten im Sinne der Anträge des Vertreterkolleginms festgesetzt. Das Anstichen einer Stipeitdistin der L. G. Goldstein'schen Atlsstattnngsstiftllng tim Verlängerung der festgesctzteit Eheschlietznngsfrist lvird im Sinne der stifkbrieflichen Vestimmtingen abgelviesen. Eitdlich lvird der von Herrn Vizepräsidenten Dr. Alfred Stern beantragteit Anfteilling des Legates nach dein berelvigten Herrn Hcrutaint Socholler per'K. 1000,— für wohltätige Zlvccke Folge gegeben. Deir wichtigsten Beratungs-Olegeustnud bilden die Anträge der Nnterrichtskommission ans Abhaltung von Vortrügen über jüdische Geschichte, Literatur und Volkskunde. Herr Vizepräsident Doktor Gustav .(lohn begründet die Anträge der Unterrichtskommission, deiten sich das Vertreterkolleginm vollinhaltlich angeschlosscn hat, in eiitem eingehenden Referate uitd gibt der Hoffnung Ausdruck, das; die Ausführung dieser Ailträge geeignet sei» tverde, in mancheit Kreisen das Interesse für das Judentum zu erhöhen und in maitcheit neu zit erlvecken; die Kenntnis der jüdischen Geschichte ist leider heutzutage solvohl bei der Jugend als auch bei den Erlvachsenen rnlr in geringem Matze vorhanden und der Vorstaitd tvolle einen Versuch machen, ans diesem Wege eilte Besserung anzubahneu. An der sich hieran anknüpfendcit Debatte beteiligen sich die Herreit Salo Cohn, Eltbogen, kais. Rat Hirsch, Anspitz, Moriz Edl. v. Kuffner, Dp'. Spitzer, Professor Ehrmann und Teltscher, lvorauf folgende Beschlüsse gefaßt werden: 1. Es soll im Latife dieses Winters ein Zhklus voit Vorträgen für die reifere Jugend abgehalteit tverden. Gegenstand dieser 'Vorträge sei die Geschichte der Juden in der Diaspora. Diese Vorträge solleit alllvöchentlich in eiitem noch zu bcstimmeitden Lokale stattfindeit. 2. Antzerdein lvird ein Zyklus voit Vorträgen für Erwachsene aus jüdischer Geschichte, Literatur uitd Volkskunde in Aussicht genommcit. Nach Erledigung von Steuer-Angelegenheiten lvird die Sitzung ■mn 1 Uhr mittags geschlossen. Wien. Sonntag den 15 November d. I., 10 Uhr vormittags findet im Sitzungssaals, XV., Turnergasse 22, ein Vortrag des Herrn Direktor Alexander Hecht, über das Elberfeld e r S y st e m in d e r A r m en p fl e g e mit anschließender Diskussion statt. Wien. Herr Oberkantor Jakob Bauer, bat durch das am 2. d. M. erfolgte Hinscheidea seiner geliebten Mutter, Frau Anna Bauer, geb. Beck, einen tiesschmerzlichen Verlust erlitten. Die im 77. Lebensjahre Verblichene, war eine seelensgute, fromme und biedere Frau, die sich bis in ihre letzten Lebenstage außerordentlicher geistiger Frische und körperlicher Regsamkeit erfreute. Mit Stolz und Freude konnte sie auch auf ihre wohlgeratenen Kinder und Enkelkinder blicken, die ihren Lebensabend in ungetrübtem Familienglück verschönten. Nebst dem ältesten Sohn, Oberkantor Jakob Bauer, hinterließ die Dahingeschiedene noch drei Söhne, Salomon, Hermann und Adolf Bauer, sämtliche angesehene Kaufleute in Wien, und zwei Töchter, Marie und Juliette, deren Gatten die beiden bekannten Maler Karl Zewi und Isidor Kaufmann sind. Außer , den Kindern trauern 25 Enkel und 5 Urenkel um die teure Großmutter und Urgroßmutter. Ein christliches Opfer. Außerhalb Wiens hat es nicht wenig Aufsehen erregt, daß dieselben Herren, die sich für kleine Massacres ü lu Kischenew lebhaft enthusiasmieren, eine so zärtliche Fürsorge für die Tiere entfalten. Besonders dem Ehrenmanne Ernest Schneider, dem Autor des berühmten Ausrufes „Schußgeld für die Juden", wurde jüngst vorgehalten, daß er, da er die Juden doch nicht für Menschen halte, sich jetzt eigentlich sehr warm der Juden annehmen müßte. Das ist die humoristische Seite der Sache. Die blindwütige Hetze hat aber auch ein Menschenopfer verlangt, und zwar eigentümlicherweise ein christlichsoziales. Wie uns mitgeteilt wird, wurde im Stephanie-Spitale jüngst ein Mann mit einem Messerstich in der Leber ausgenommen (nebenbei gesagt, ist der Direktor des Spitales Dr. Rosanes, jener Direktor,. der vom Statthalter unter dem Beifalle der Christlichsozialen gegen die Aerztekamm.er in Schutz genommen wurde. Dr. Rosanes ist Jude). Man wollte nun den Verletzten narkotisieren, um in der Narkose die Bauchhöhle zu öffnen und die Leberwunde zu vernähen. Die Operation wäre direkt lebensrettend gewesen, da sonst der Verletzte an innerer Verblutung sterben mußte. Als man ihm von der Absicht, ihn zu narkotisieren, Mitteilung machte, rief er aus: „Ich bin kein Versuch s k a n i n ch e n! Habens denn nicht die Verhau d l ung e n im Landtage gelesen, daß man n i ch t v i v i s e z i.e r e n darf!" ' Er weigerte sich, verwjrrl durch die wissenschaftlichen Ausführungen der Doktoren Bielohlavek und Kielmansegg, trotz aller Zureden, sich narkotisieren zu lassen. Wir sind wirklich neugierig, ob solche Ereignisse, die Steiner, Bielohlavek, G r e g o r i g und Konsorten die Augen öffnen werden, wohin ihre maßlose Agitation führt. Wien. (Konstituierung des B e r o i n e s „M a chs i k e h a d a t h"). Die dem überlieferten Judentum anhängenden Kreise, welche am hiesigen Platze auf viele Tausende zu beziffern sind, haben e8 längst als einen bedauerlichen Mangel empfunden, einer einheitlichen Organisation zu entbehren, die berufen wäre, ihre religiösen Interessen zu vertreten und die Einrichtungen zu schaffen, die für ihren Fortbestand unerläßlich sind, tlm diesem Uebelstande abzuhelfen, traten über Anregung weitester Kreise eine Anzahl für das Judentum begeisteter Männer zusammen, um unter den Namen „M a ch s i k o h a d a t h" einen hierauf bezüglichen Verein ins Leben zu rufen. Derselbe stellt sich zur Ausgabe: Die Erweckung und Förderung jüdischen Lebens, die Pflege jüdischer Lehre, die Kräftigung jüdischen Bewußtseins und Stärkung des Gefühles jüdischer Zusammengehörigkeit im Sinne des überlieferten Neligionsgesetzes. Zu diesem Behuf« beabsichtigt der Verein unter anderem mehr Humanitären Bestrebungen eure Lehrstätte zur Pflege des jüdischen Wissens zu gründen, welche gleichzeitig ortsfremden, würdigen Personen einen geistigen Sammelpunkt bieten soll. Am Sonntag den 25. Oktober 1903, nachmittags 4 Uhr, hielt der gedachte Verein eine konstiiuierende Versammlung im Restaurant Schweizer, kl, Leopoldsgasse 49 ab. Es wurden folgende Herren gewählt S. Blei sels als Obmann, Dr. Daniel Fink, Obmannstettvertreter und Schriftführer, Sporer, Kassier, Josias Goldschmidt Kassierstellvertreter, I. M. Bels und A. Kahane als Kontrolore, Osias März, Schriftführerstellvertreter; ferner in den Vorstand die Herren: Jacob März, Markus Kornfeld, Meier K r i ß, I. M o s b e r g, S. K o m e t, Kläger, I. Gänger und S. Frommer. Anmeldungen für den Beitritt nimmt de» Obmann, Herr S. Meiseks, III., Radetzkystraße 3/II entgegen. Jährlicher Beitrag beträgt 6 Kronen. Volksküchenverein nach israelitischem Ritus, II. Bezirk, Krummbaumgasse 8. Schon lange war der Verein von der sehr wichtigen unb dringenden Notwendigkeit der Errichtung einer Volksküche im XX. Bezirk» (Brigtttenau) durchdrungen, konnte aber dieses Projekt beim besten Willen nicht ausführen, weil ihm die nötigen Mitteln hiezu fehlten. Durch eine namhafte, hochherzige Spende der vor einiger Zeit verewigten Frau Rosa Hildesheimer, geborene Brodsky, wurde es dem Vereine möglich gemacht, eine den Bedürfnissen deö genannten Bezirkes entsprechende jüdische Volksküche zu erbauen, welche für die vielen, nach Tausenden zählenden armen Juden dieses Bezirkes eine große Wohltat und ein Segen sein wird. Die neuerbaute Volksküche wird am 34. November ihrer heiligen Bestimmung zugeführt und an dem genannten Tage feierlich eröffnet werden. Der Vorstand des Volksküchenvereines wendet sich hiemit an den stets bewährten jüdischen Wohltätigkeitssinn edler Menschenfreunde, diesem Vereine als Mitglieder beizutreten, ihn mit Spenden zu unterstützen und fein Emporblühen nach Kräften zu fördern. Nachdem die Gründung einer solchen Küche für den eingangs genannten Bezirk eine unabweisliche Notwendigkeit war, und deren Erhaltung nicht geringe Geldmittel fordert, glauben wir bestimmt hoffen zu können, daß unser Appell, den wir hier wärmstens an alle unsere Glaubensbrüder richten, nicht wirkungslos verhallen, sondern von dem gewünschten Erfolge begleitet sein wird. Der Vorstand des Volksküchenvereines nach israelitischem Ritus (II. Bezirk, Krummbaumgasse 8). 'Vortrag. Samstag, den 14. d. M., %8 Uhr abends, findet im Kongreßsaale, IX. Türktnstraße 9, eine Versammlung sämtlicher zionistischen Mädchen- und Frauenvereine statt. Referentin: Frau Rofa Feigenbaum, die über den VI. Kongreß und die daraus resultierende Aufgabe der jüdischen Frau sprechen wird. Gäste herzlichst willkommen. Die Kommuualverwaltuug i« Wien stellt bekanntlich keine Beamten und Lehrer israelitischer Konfession an, ja sie schließt sogar die bereits Angestellten trotz vorzüglicher Verwendbarkeit willkürlich und rücksichtslos von jedem Avancement aus. Das Staatsgrundgesetz, wonach die Erlangung eines öffentlichen Amtes unabhängig von Konfession und Nationalität ist, steht für die Kommunalverwaltung nur auf dem Papier. Aber auch anderwärts scheint dieses System der Rechts- und Gesetzlosigkeit Anklang zu finden. Folgendes Geschehnis mag eine Illustration hiezu bieten. Ein Wiener Nechtspraktikant, Dr. M., reichte vor 13 Monaten bei der Postamtsdirektion in Prag um eine Anstellung als Postamtspraktikant ein. Er gab sich in ' „ , . _ , , „ . Anbetracht seiner vorzüglichen Zeugnisse den frohesten Hoffsondern schon seit längerer Zeit seine eigene heimische Produktion nungen hin. Als jedoch Monate vergingen und er trotz mehrvon Ritualmordpostkarten besitzt. Zum Beweise dessen ist uns fachen Urgierens seines Gesuches noch immer keine Erledigung heute eine solche photographische Postkarte eingesendet worden, erhielt, entschloß er sich endlich, als unbesoldeter Rechtspraktiwelche im Verlage von A. Czichna in Innsbruck erschienen und kaut im Wiener Landesgerichte Stellung zu nehmen. Dieser. mit der bildlichen Darstellung des Blutmärchens von dem Ritual- Tage nun erhielt er sein Gesuch von der Prager Postamtsmorde versehen ist, der am 10. Juli >462 an dem heiligen direktion zurück. Es wurde ihm im Bureau gerade in Gegen- Ändert von Rinn verübt worden sein soll. Dieser Ritualmord wart seines Ehefs, eines Oberlandesgerichtsratcs zugestellt. Das ist in der Kirche von Rinn durch eine Gruppe lebensgroßer ge- Gesuch war abschlägig deschieden. Und den Grund der Abweisung schnitzte» Holzfiguren dargestellt, und die Postkarten -zeigen die verriet ihm eine Bleistiftnotiz, die er auf dem Rubrum seines Photographien dieser Gruppe, welche sich in einem Seitenschiffs Gesuches vorfand und die man vor Per Rücksendung offenbar der Kirche befindet. Vor der Kirche liegt ein Steinblock/auf dem wegzuradieren vergessen hatte. Es stand nämlich auf dem Rubrum derBegende nach der Knabe'ermordet worden sein soll. Man ersieht zur Direktive für die Anstellung mit Bleistift der Vermerk: daraus, daß in Tirol seit jeher für die Verbreitung des Blutdazu beiträgt, daß die Errichtung eines Kaiser Josef-Denkmals nicht in Frage gestellt wird. Denn die Vertreter der deutschen Vereine von Bodenbach sind f e st entschlossen, unter k e i n e n U m ft ä n d e n i n e i n e m K o m i t e e m i t z u w i r k e n, indem sich a u ch I udje n b e f i n d e n; denn es wäre ein Hohn aus die nationale Gesinnung unserer deutschen Bevölkerung, wenn man als „Wahrzeichen des deutschen Charakters" in Bodenbach ein Denkmal errichten würde, zu dem auch das internationale Judentum hilfreich beigetragen hat." — Merkwürdigerweise hat von diesem Vorfälle die gewisse liberale Presse nicht die geringste Notiz genommen. Die „Egerer Nachrichten" bringen in ihrenletzten Nummern fortsetzungsweise eine „Judenliste der Stadt Eger", welche den wörtlichen Abdruck einer vom Abgeordneten I. L. Hofer und Genossen in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 23. Scheidings" eingebrachte Interpellation darstellt. In derselben wird „die wirtschaftliche Bedrängnis des deutschen Gewerbe- und Handelsstandes durch das Judentum" geschildert und im Anschlüße daran ein alphabetisches Verzeichnis der sämtlichen in Eger wohnhaften Juden, auch die getauften, angefügt. Das ist in Wahrheit eine Proskrtptionsliste, aber merkwürdigerweise schweigen sich auch darüber die liberal-deutschen Blätter mit größter Gründlichkeit aus. Der „Judenliste der Stadt Eger" werden noch andere Nachfolgen. Bei den Wahlen in den Ausschuß der israelitischen Kultusgemeinde von Eger wurden gewählt die Herren: Leopold Gottlieb als Vorsteher, JakobZuckermann als dessen Stellvertreter, Elias K o h n als Kassier, M. W i n t e r n i tz als Rechnungsführer, Hermann W e s s l und Edmund K o h n als Tempelvorsteher und Heinrich Lang und Bernard K o h n als Ausschußmitglieder. A. S. Das Blutmärchen auf der Postkarte. Das Zirkular eines Münchener Kunstateliers, durch welches den Händlern mit Ansichtskarten eine solche Karte mrt der Darstellung eines jüdischen Ritualmordes nach einem alten Kupfsrstich angeboten wurde, ist, wie wir gemeldet haben, von der Münchener Staatsanwaltschaft zum Gegenstände einer strafgerichtlichen Untersuchung gegen jenes Münchens» Atelier gemacht worden. Zugleich wurde in Oesterreich die weiteve Verbreitung dieser Zirkulare durch Be-, schlü„e der Landesgerichte von Wien und Prag verboten. ES war uns aber geschrieben worden, daß die Zirkulare von München aus in großer Zahl besonders nach Tirol versendet worden sind und daß gerade dort solche aufreizende Darstellungen leicht eine gefährliche Wirkung auf die Landbevölkerung ansüben könne. Weiters werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß Tirol eigentlich auf den Import ausMünchen gar nicht angewiesen sei. Märchens unter der Bevölkerung gesorgt worden ist. Czernowitz. (Akademische Verbindung „Häsin onea".) Die Chargenwahl für das XXV. Semester ergab folgendes Resultat: cand. jür. M. Gingold X (Senior), oand. jur. A. Schuteer XX (Consenior), cand. zur. I. Sturm XXX (Schriftführer). Czernowitz. (I üd. akad. B erbi nd un g „ZephirahJ) Das Ergebnis der Chargenwahlen für das XXII. Semester ist folgendes: cand. jur. Ch. Kinsbrunner X, cand. phil. D. Leszc zer XX, cand. jur. Herm. Ebner XXX. Personalnachricht. Der Obmann des „Jüdischen Bolksj,drei Staatsprüfungen"' und darunter das Wort „m osais ch". > Wien. Das Ministerium für Kultus und Unterricht hat den k. k. Religionslehrer an den Staats-Oberrealschulen im ersten und dritten Bezirke, den Herrn Aron Kollek, ad personum zum wirklichen Lehrer an Mittelschulen ernannt. l Ueber die jüdische Propaganda in der griechischrömischen Zeit. Diesen dankbaren Titel hatte Herr Rabb. Dr.' Ignaz Ziegle» aus Karlsbad zu seinem vorgestern im Hotel' Bristol gehaltenen Vortrag gewählt. Er schildert zunächst die, politischen Verhältnisse jener Epoche, die es den Juden möglich j machten, die vollste Gleichberechtigung zu genießen, beleuchtete Vereines in Prag"/Herr M. U. Dr. Moritz K o h n hat sich mit dann die Gegensätze zwischen dem Heidentum und dem Juden- Frl. Steffi Fisch! aus St. Pölten verlobt, tum, die Mäßigkeit und Milde des letztern, Eigenschaften, die _. r,;0rt ihm die besseren Elemente des Hellenentums zusührten. So kam! . ^Nses bald zu einer wirksamen jüdischen Propaganda, die zweifellos i 2*u November nach den @ommet|enert 11)16 erste Artrags^ non aröktem Erfolae aewesen wäre wenn nickt die Zwietracht ßtzung, welcher Adolf Agar prastdrrte und der ern zahlreiches griffen hätten. Der Vortragende, der zum Schlüsse die mann'ig-, »Wmch^ der ^bhasten Verfall fand, fachen Verleumdungen des Judentums, die schon damals irr derj Nachrhm ^^^^^'üwmtd^nkerem Gedichts Uns Var- Blutlüge gipfelten, erörterte, fand den lebhaften Beifall des zahl-! senyls,, welches unter dem Titel .'Absalon breGechtchtedes -eichen in bem' sich unter äderen »W Gelehrte befanden. Ans Böhmen. Gewisse liberale Blätter gleichen dem Manne, den König David empört hatte. Das zahlreich versammelte Pu blrkum belohnte den Vortragenden mit reichem Beifall. Zum Schluffe las Dr. Armin Flesch einen Essay: „Tolstoj und das der da ver- Judentum", in welchem er in sehr anziehender Weise die weinte er s^ädiae wer weist wie dem verbastten Nackbnr wenn'Ideen entwickelte, welche Leo Tolstoj aus der heiligen Schrift menrre, er ,^,aorge wer werp wie oem veryaplen ^achvar, wenn, ^luch dieser Vortrag fand den ungeteilten Bei all der er rhm mrt der Faust dre Fenster emschlage und er schnrtt sich i Zuhörer. dabei selber die Hand blutig. Genau so ist's mit der Hetze gegen Die Bevölkerung der Bukowina nach Relidie deutschen Juden iu Böhmen. Dabei tun die gewissen liberalen mTk\Ü sich wie folgt: Katholiken 110.483 dem- Blätter wacker mit, ja sie suchen an Strammheit noch die Völkischen ^ach 15.13°/o (darunter 23.388 Griechisch-Unierte), Grie- Su überbieten. Aber ist einmal die Unduldsamkeit gegen alles'! chjsch-Nichtunierte 500.643 — 68.56°/„. Israeliten 96.150 „Fremde" wachgekitzelt, dann wendet sie sich in logischer Folge13.17°/0, Protestanten 19.272 2.64% und Andersläubige 3647 0.50%* Man sieht daraus, daß die gegen die — „deutschfreundlichen Juden" — die man ja nicht als eigenberechtigt gelten läßt. Hente lieg uns ein neues Exempel für diesen „fortentwickelten" deutschen Furor vor. In Bodenbach soll ein Kaiser Josef-Denkmal errichtet worden, zu welchem Behufe ein vorbereitender Ausschuß gewählt wurde. In denselben ist nun seitens auch ein Herr Dr. B e r g m a n n delogiert worden, der mosaischer Konfession ist. Das veranlaßt nun die „Nordb. Volksztg." zu folgender Protestnote: „Es bleibt natürlich den Herren im Schulverein unbenommen, iu den Ausschuß ihrer Ortsgruppe Juden nach Belieben zu wählen, aber das eine kann und darf die deutschbewußte Bevölkerung unserer Stadt verlangen, daß ein deutscher Schutzverein in den Ausschuß zur Errichtung eines Standbildes für den Volkskaiser Josef II. einen Deutschen entsende. Es hat in allen deutschen Streifen verbittert, daß ein Jude in das oftgenannte Komitee entsendet wurde. Wenn es den Veranstaltern mit der Errichtung eines Denkmales wirklich ernst ist, so werden sie auf die christliche Mehrheit der Deutschen in Bodenbach Rücksicht nehmen und den Denknml-Ausschuß nur aus Deutschen zrtsammensetzen müssen. Auch Herr Dr. Bergmann wird, ivenn ev wirklich Sinn und Verständnis für das Deutschtum hat, diese seine Gesinnung am besten dadurch betätigen können, daß er freiwillig aus dem Denkmal-Komitee ausscheidet, und dadurch mit riechisch-Orientalen völkerung ausmachen. viel mehr als die Hälfte der Be- Grüttdung einer modernen Bibelschnle. Die Zcrstörungs- . . . , ,, ^, arbeiten im Suczalvaer Kultusrate, die selbst bis zur gäuz« der^ „verjudeten Ortsgruppe des Schulverernes ftdOen Auflösung des einzigen national-jüdischen Institutes, der jüdischer: Volksschule geführt hat, scheint nun erneut größeren Verständnis für jüdische Interessen geivichen zu fein. Der Kultus rat hat nämlich in der letzten Sitztmg den Beschluß auf Gründung einer Tal in u d - T ho - Sch nie gefasst und macht nun e>rnstliche Schritte zttr Realisiermtg dieses Projektes. Nun hohe Zeit ivar es schon, sich nach dem AssimilatiouSiaumel auf die Forderungen des realen Lebens zu besiniteu, die stürmisch au' tntsere Tür pochetl uub uns zu unserem Volke rufeu. Großwardein. (Orig.-Korresondenz.) Ein eigentümlicher Prozeß fand dieser Tage hier statt. Ein Wiener Großhändler hatte über einen hiesigen Kaufmann Informationen verlangt, und zwar zufälligerweise bei dessen größtem Konkurrenten. Die Auskunft lautete deshalb auch äußerst ungünstig und eS kam darin der Paffus vor: „Sie werden doch keinem polnischen Inden kreditieren." Der so bezeichnete Kaufmann erfuhr von dieser Auskunft und klagte seinen Konkurrenten des Ausdruckes „polnischer Jude" halber auf Ehrenbeleidiguug. Der Richter meinte, in diesem

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