Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 46 (13.11.1903)
- Date
- 1903-11-13
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, freitag Seite 2 Jüdisches Volksblatt 13. November 1903 Nr. 40 1 bemänteln suchten, haben meine Ausführungen gerad-r in denjenigen Kreisen der Beamtenschaft, welche die ganze Angelegenheit hauptsächlich betrifft, und in deren Interesse ich die gewiß undankbare Aktion unternahm, gar eigentümlich« Gefühle ausgelöst, die in einigen anonym und auch nicht anonym an mich gerichteten Brieflein ihren Ausdruck fanden, und allesamt ein so grelles Licht auf die traurigen, das Judentum erniedrigenden Verhältnisse bei der Wiener Kultusgemrinde werfen, daß es einem bange umS Herz wird, und man sich sagen muß: Mit diesem Menschenmaterial läßt sich nichts mehr auSrichten, es steckt schon zu lange und zu tief in diesen leidigen Verhüttniffeu drinnen. Hauptsächlich eines dieser Schreibebriefloin war es, das es mir angetan hat, und mich zwang, den vorliegenden Artikel anders zu schreiben, alich es ursprünglich beabsichtigt hatte. Aus diesem Briefchen spricht eine solche Angst, daß es uumenschlich gewesen wäre, sie nicht zu berücksichtigen.H Er zeigt aber auch das ganze jammervolle Milieu, in welchem eine Anzahl ehrlicher, gutgesinnter Menschen leben und verkümmern muß. „Sie wiffen nicht, sehr geehrter Herr", schreibt dieser Mann, „wie sehr wir Ihnen Dank wiffen, daß Sie sich auch unserer sowarm annahmeU.Siehaben die Verhältnisse bei uns grell und wahrheitsgetreu genug geschildert, aber Ihre Schilderungen bleiben noch lange hinter der traurigen, nackten Wahrheit zurück. Wir gleichen in einem gewissen Sinne den Galeerensträflingen, die nicht nur schwere Arbeit versehen, sondern dabei auch schweigen müssendenn man wird bei uns nicht nach den Arbeiten, sondern nach de« Worten beurteilt und behandelt, die man unter einander spricht. Wenn man also nicht reden kann, oder nicht so reden kann, wie es einzelnen Gewaltigen paßt, so ist es besser man spricht gar nichts, denn bei unS haben auch die Wänds Ohren- und der beftc Freund wird zum Verräter^ wenn tx dadurch den von Ihnen so treffend charakterisierten Riesenluftsprung nach vorwärts machen kann. Aber nicht das ist es, waS ich Ihnen sagen und warum ich Sie im Namen vieler bitten wollte. Sie schließen Ihren letzten Artikel mit der Bemerkung, daß Sie Ihre — unter uns gesagt sehr richtigen Ausführungen — durch Beispiele illustrieren wolle». Tun Sie das nicht! Sie fördern nur diejenigen, die Sie angreifen, die fedöch genug direkte Protektion haben. Aber Sie müßten auch in diesem Falle gerrchterrveise den Protektionskindern diejenigen gegenüberstellen, welche ausschließlich auf ihre Arbeit angewiesen, trotz der guten Qualifikationen bis jetzt konsequent präteriiert wurden. Und wenn Sie dies täten, dann würden Sie gerade diejenigen, denen Sie helfen wollen, vollends ruinieren." Pas ist ein sehr trauriges, niederdrückendes Bild! Man muß sich da ernstlich fragen, gibt es unter solch verlotterten Zuständen überhaupt noch eine Hilfe und man muß ferner fragen, ist der oberste Beamte, der Sekretär der KultuSgemeinde kaiserl. Rat Dr. Liebe« wirklich auf feinem Platze, wenn er nicht den Mut und auch nicht die'Kraft besitzt, die Interessen des Beamtenkörpers nach oben zu schützen und den Augiasstall selbst einer gründlichen Säuberung zu unterziehen? Hält er eS wirklich mit der Würde und dem guten Rufe des größten jüdischen Gemeinwesens in Oesterreich für vereinbar, daß — u« nur ein Beispiel ohne Namensnennung anzuveuten — in der Steuerseklion drei Brüder beschäftigt sind, von denen der eine Amtsvorsteher 'ist? Ich kömmt« solche Beispiele eine Menge anführen; ich hüte mich auch wohl, ein solcher Vorgehen Korruption zu nennen, aber ich möchte doch Herrn Dr. Lieben ersuchen, mir hiefür eine andere, weniger anstößige Benennung zu sagen. Natürlich, man kann auch von dem ersten Sekretär der Wiener Knltukgemeinde, der mit den Hohen und Allerhöchsten der Gemeinde in direktem Verkehr« steht, nicht verlangen, daß er sich um seine armen Kollegen kümmere und den Protektionstrieben der einzelnen Kultusvorsteher seive« Widerstand entgegensetze. Die Rolle eines jüdischen Staatssekretärs, der Wahltaktik vorschlägt und ausführt, der bei Rabbinerwahlen eine Rolle spielt, ist viel gefälliger und angenehmer und auch aussichtsreicher, als der Vertreter eines gesunden Beamtenkörpers zu sein. DaS kommt aber alles daher, weil Dr. Lieben ebenso gut Beamter einer Aktiengesellschaft oder der juridischen Abteilung eines Bankhauses sein .könnte, wie er heute Sekretär der Wiener KultuSgemeinde ist. Er hat mit dem Judentume nichts gemein, als daß er Beamter der Kultusgemeinde ist und an dieser meiner Meinung wird auch der wahrscheinlich eiutretende Umstand nichts ändern, daß er sich von seinen ihm untergebenen und ihn fürchtenden Beamten eine Ovation, darbringen, oder gar vom Kultusoorstande daS vollste Vertrauen votieren lassen wird. Dort oben müßte ei» Beamter sitzen mit Rückgrat, jüdischem Selbstbewußtsein und Kenntnis des jüdischen Volkes, ein Mann, der wirklich imstande wäre, der gute Spiritus rector der Gemeindeleitung zu sein. Wir schließen für diesmal unsere Artikelserie ab. Die Beratungen über das Kuttusbudget werden uns ja ohnedies noch Gelegenheit geben, auf alle diese Fragen des Ausführlichen zurückzukommen. A rivederci! (Orig.-Korr. d. I. B.) Es ist allgemein bekannt, daß der »Israelitische LandeSlehrerverein in Böhmen" seinen Beitritt zur zionistischen Organisation angemeldet hat. Diese Tatsache ließ die böhmischen Assimilanten und insbesondere die „Näroänt Jednota ceskozidovskä" nicht schlafen. Wir begreifen ihre Aufregung ganz gut; denn der Boden schwindet ihr zusehends unter den Füßen und da sich die zur Propaganda der jüdischnationalen Idee am ehesten berufenen Elemente, die jüdischen Lehrer, für die Erziehung der Jugend im nationalen Sinne ausgesprochen haben, steht die „N. J. cz." hierin eine Bedrohung ihrer ohnehin schon genug gefährdeten Existenz und will gegen diesen Beschluß mit Denunziation und allen anderen Mittelchen, an die wir bei dtesen Herrschaften schon längst gewöhnt sind, einschreiten. Es ist notwendig, daß wir die „segensreiche" Tätigkeit der „N. J.-öz.M in diesen Spalten einmal ins rechte Licht stellen. Die Haupttätigkeit dieses Vereinebesteht in der Aktion gegen die jüdischen Sch «len. WaS die jüdische Echule für das jüdische Volk bedeutet, braucht wohl nicht erst besonders xlargelegt zu werden; der jüdische Geist wird erweckt und gepflegt, di» Kinder werden jüdisch erzogen, sie lernen ihr Judentum kennen und lieben, sie lernen die große Geschichte d«8 JudenvolkeS, sie fühlen daher jüdisch und bleiben dann auch gute Jude« ihr ganze- Leben lang. Nun gegen diese Schulen entwickelte die *N. J. LL.° eine fieberhafte Tätigkeit. Unter dem Deckmäntelchen, daß die jüdischen Schulen mit deutscher Unterrichtssprache die Juden zu den größten Feinden des tschechischen Volkeerziehen forderten diese Herrschaften, deren ehrliche tschechische Gesinnung selbst von den Führern des tschechischen Volkes angezweifelt wird B — als Beispiel führe ich nur den.verstorbenen Dr. Nieger an — I von den Kultusgemeinden die Auflösung dieser Schulen. Kein l Mittel war ihnen schlecht genug und möglich, daß Gevatter Vreznovsky sich von einer draußigen Ortsgruppe das Musterzü seiner bekannten Proskriptionsliste der Juden entlieh. Viele Gemeinden ließen sich also durch Drohungen von verschiedener Art, j Androhung geschäftlichen Boykotts und gesellschaftlicher Aechtung 8 einschüchtern und ließen die Schulen zum großen Schaden des 8 jüdischen Volkes auf. Daß durch dieses Vorgehen an hundert 8 jüdische Lehrer ihres Brotes beraubt und einfach an den Bettel- 8 stab gebracht wurden ließ die Herren kalt; die Schulen hörten auf zu existieren. Doch nicht einmal die tschechischen Judenschulen wurden verschont, da sie die Assimilation der Jugend hemmten; der Jude soll halt trotz krummer Nase und krausen Haares, trotz der Anfeindungen Baxas und Brezuovkys ein treuer Sohn de- Tschechenvolkes und würdiger Nachfolger der Husstten werden. Die Folgen dieses Vorgehens treten heute schon ziemlich rasch zu Tage; Apostasie und im günstigsten Falle völlige Unkenntnis de- Judentums und seiner Institutionen sind nichts Seltenes. I viel« auS den Reihen der Assimilanten schämen sich trotz ihres I ehrlichen jüdischen Namens; für-'den ihre Bvreltern so viel ge- « litten haben, Und jede Weile kann man in den Tagesblättern von! de» Neugeburt eines Arenz, Abelt, Arnet, Kahler, Körte re. lesen. Doch nicht genug daran! Die jüdischen Husstten lassen kein» Gelegenheit vorübergehen, wo sie sich einen Nasenstieber holen können und wo man ihnen zeigt, mit welcher Verachtung sie behandelt werden. Bei Hußfeiern und Feiern anderer großen Tschechen nehmen sich die semitischen Typen an letzter Stelle des 8 rein arischen Festzuges famos aus! Für tschechische Zwecke, für das von ihnen , so heißgeliebte und sie so intensiv hassende Tschechenvolk geben sie alles hin, bei Sammlungen für jüdische Zwecke stehen sie immer an letzter Stell«; ja es ist uns ein Fall bekannt, wo ein tschechisch-jüdischer Kultusvorstand und Vorstands; Mitglied der *N. J. Gz.*, von dem in diesen Spalten bereits die Rede war, eine Sammlung für die Unglücklichen von Kischenew nicht einmal einleiten wollte. Für das tschechische Nationaltheater Brünn widmete die ,N. J. Gz.* den Reinertrag einer Akademie über 600 K und -eine weitere Spende von 50 K, für die Unglücklichen von Kischenew hatte man. jedoch im Ganzen nur 60 K. Wo bleibt da das so verschrieene jüdische Solidaritätsgefühl!? 8 Also der Landeslehrerverein meldete seinen Beitritt zur zionistischen Organisation an und sofort machte die „N. J. Gz.“ alle Kräfte mobil, um diesen Beschluß umzustürzen. Der am 25. Oktober in Prag tagenden Generalversammlung wurde ein Antrag vorgelegt, der eine direkte D e n u n z i a t i o n enthält. Nach einer Einleitung, in welcher der Beschluß deS Lehrervereins als gefährlich und ungesetzlich dargestellt wird, ergeht sich der Referent Dr. Max Bondy in den bekannten widersinnige« Aeßerungen gegen den Zionismus. ES fällt uns gar nicht bei, gegen absichtliche Verdrehung von Tatsarhen zü polemisieren, diese kennzeichnet die Kampfesweise der ,11. ‘J.; Cs£* izur Genüge. Wir möchten dem Herrn Referenten bloß anraten, m Falle er wieder einMl gegen den Zionismus sprechen.will, 8 ttüher etwas zu lesen, damit er sich ähnlicher böswilliger Unter- 8 stellüngen nicht mehr bedienen muß. Nordaus Artikel ,,Le pa- I triotisme et le sio'hishie" wird dem Herrn Doktor klipp und g klar beweisen, daß der Jude, trotz zionistischer UrberzeugUn'g 1 geradeso wie der Angehörige einer anderen Nation ein treuer S Anhänger seines Stäatswesens sein kann und es auch ist. 8 Geradeso wie es dem tschechischen Lehrer unbenommen ist, ja sogar zur Pflicht gemacht wird, die ihm anvertrauten Kinder im Geiste seines Volkes zu erziehen, ist es wohl auch dem jüdischen „Einfälle" zu sein, wenn die Umrahmung eines hellen Knabenbildes ein gezacktes Dornenherz ist, wenn ein maschiges Netz mit einer aussaugenden Spinne das Bild des armselig schuftenden Schneidergesellen überzieht, oder wenn er im Ex Libris eines Freundes den ftmstlcrischen Weg als ein Durchringen durch Dornen zum Tempel der Schönheit gestaltet.. Mir dünkt dies mehr. Es ist nicht mehr „geistreich", wenn ein Zeichner in einem Blatte „Liebe" das um-' schlungene Paar, das sich hoch über der fesselnden niedrigen Welt und nahe den Woltentoren der Ewigkeit wähnt, in diesem seligsten Moment auf kleiner losgerissener Erdenscholle von' einem Dämon erhoben' denkt, besten höhnische Fratze ihnen im nächsten Augenblicke grausmnes Niederschmettern aus den erträumten Himmeln droht. Das' sind Künstterbisionen .... Träume Lilien des Dichters . . . Darum empfinde ich auch seine beiden Bücher so einheitlich und erzählerisch wie Epen und die Kollektion Ex Libris wie einen zusammengehesteten Band farbig bunter Verse. Man könnte sich fast alle in Reime umdichten, gleichsam aus einem Gewände in ein anderes hüllen, sie aus das Vorsatzblatt schreiben, so wie man fte aus die Einhaudseite klebt. Den Professionalisten, die einen Maler, wenn er nicht Normaler ist, gerne verächtlich „literarisch" nennen, präg dies ein Greuel. sein. Mir aber erscheint gerade iiv E. M. Liliens, Typus eine lebendigere Form der Schönheit. Er ist nicht nur Zeichner, wir lieben ihn als Dichter und Träumer eigener Schönheit, als Künder neuer Ziele, als tiefen und fühlenden Menschen, dessen warmes Herz hörbar in den sonst so stummen, pgpiernen Büchern bebt und klopft. Aber selbst, die den Künstler so in ihm lieben, stellen Lilien in einen noch zu engen Kreis. Denn heben wir sein Werk aus dem Nähmen artistischer Betrachtung, so bleibt im Gegensatz zu den meisten Künstlern noch viel: eine kulturelle Leisttmg von hoher Bedeutsamkeit. Wir, die wir gelebtem Judentume fernestehen, können sie nicht fühlen, sondern nur ahnen. Wenn wir von Liliens Werk sprechen, müssen wir mehr meinen als soundsoviel klischierte Blätter. Denn er ist ein Mittler zwischen der erlesenen Welt, zu der ev sich Bahn gebrochen hat, und den zahllosen Entfremdeten der Bildung, von denen er gekommen. In seiner Hand hat sich für viele zum erstenmal die Flamme der Kunst entzündet. Die Kongresskarte, die ferne im tiefsten Rußland irgend einer empfängt und staunend im Dorfe umherzeigt, ist der erste Strahl künstlerischer Kultur, der ihnen von allem Anbeginn in die Augen geleuchtet. All das Licht, das der sehnsüchtige Sucher von einst staunend aufgesogen, glüht heute zurück. Lilien ist der erste, der den chassidischen Fanattkern die Darstellung des Nackten gewiesen hat, ohne daß sie ihn des Neligionsfrevels zu zeihen wagten. Er ist der erste, der die Formenfülle des alttestamentarischen Ritus zu ornamentaler Verwerttmg brachte, der die hebräischen Majuskeln neu beseelte und damit Schätze gehoben hat, an deren Reichtum noch manche zehren werden. Er hat mit Freuden den ersten nationalen Verlag begründet, der Werke nach künstlerischen Prinzipien ansstattet, er hat sich als erster beivußt in die Reihe jüdischer Künstler gestellt, die nur unbewußt aus ihrer Rasse für die Heimat schufen. Ueberäll war er ein Beginner, ein Schöpfer. Noch ist seine Leisttmg zwar nicht das, was man definitiv d i e jüdische Kunst nennen könnte, o wie man von einer holländischen und spanischen spricht, aber zweitausendjährige Versäumnisse können nicht zehn und nicht hundert 'chöpferische Jahre einholen. Vorläufig hat er für sein Volk geschaffen; und auch die meisten seiner nächsten Arbeiten werden nationalen Bestrebungen dienen. So schafft er jetzt mit Maxi m Gorki, dem innigen Kenner des russischen Judenproletariats, gemeinsam ein Buch „Zbornik", welches die produktive Leisttmg der Jargonpoeten in sich vereinen soll, gewählt und eingeleitet von dem großen Proletendichter und geschmückt von dem Volkskinde Lilien, dem Autodidakten. Und auch die „Hagada", das Buch der jüdischen Familie, will Lilien künstlerisch gestalten und so an jenem Feierabend, da alter Rittls seinen Zauber breitet, moderne künstlerische Schönheit erwecken. Das sind Leistungen, die viele dem «Schwarz- Weiß-Künstler" vergessen. Alle Sehnsucht konnte er freilich nicht erfüllen, aber sie gedeutet zu haben, ist schon Verdienst. In einem Blatte hat er mit seinem Stifte den ganzen messianischen Traum gestaltet, in einem unvergeßlich schönen Blatt, der Kongreßkarte. Ganz schlicht ist das Symbol. Der zionistische Gedanke als 'chtvingenumrauschter Engel lveist dem einsamen lluden in Dornen das Land der alten Verheissung, die sonnige Heimat, die er ackernd durchschreiten soll. Schlicht und groß ist das Blatt. Die ganze Sehnsucht lehrt es — und die ganze Erfüllnngl Diese kulturelle Tat scheint mir das große und wahre Werk E. M. Liliens, dem man gerne eilig die enge Formel des „zionistischen Schlvarzweih-Künstlers" überwirft. Weder daS eine, noch das andere in dieser Fortnel ist bedeutsam für seine Zersönlichkeit. Der Zionismus war für ihn nur der Impuls und in seiner Persönlichkeit mußte — wie in jeder bemerkenswerten <— dieses nationale Ideal sich umformen und eigene Gestaltung erringen. Und andererseits ist die1 Schwarzweiß-Technik so individuell, so typisch Und so meisterlich sie Lilien handhabt, doch nur ein Mittel, das ihm heute genügt, nicht aber 'immer genügen mutz. Vielleicht begegnen wir ihm in einigen Jahren als Radierer, vielleicht als Maler, vielleicht als Bildhauer. Wer ihn und die heroische Arbeitsstrenge kennt, welche ihn in zehnfacher Größe jedes einzelne Blatt arbeiten läßt, nur um Ungenauigkeiten und Oberflächlichkeiten zu vermeiden, die ihn Mühe und Arbeit vieler Tage achtlos vernichten läßt um eines kleinlichen Fehlers Nullen — der zlveifelt nicht an ihm, lvenn er cin.c Bahn verlassen wird, deren Enge er .zu fühlen beginnt. Wemi seine wachsende Schöpferfülle die Form zersprengt, so wird sie sich eine neue zu schmieden tvissen. Noch zittert in ihm jene schöpferisch suchende Liebe der Kämpserjahre, noch stmner schafft, er als ein Beginner. Dreißig Jahr? ist er erst alt. Und vor zwölf Jahren lvar er noch beim Schildermaler in Drohobycz ... Jüdische Erziehung. ,Bom Lallen der Säuglinge und der kleinen Kinder Heft du die Macht begründet", singt der Psalmist. Und mit Recht. In der Jugend liegt die Macht; in der Jugend liegt die Zukunft eine» Volke-. Wer immer sich einen prophetischen Ausblick über die Zukunft eines Volke» gestatte» will, oer muß vor allem die Jugend dieses Volkestudieren, er muß sie kennen lernen, ihre Wünsche und Bestrebungen, ihre Ansichten und Gesinnungen, ihre Ziele und Ideale. Nur derjenige, der weiß, wofür die Jugend sich begeistert, wofür sie kämpft und ficht, wird sicherlich nicht fehlgehen in der Beurteilung der Zukunft dieses Volkes. Doch auch derjenige, der die Zukunft eine- Volkes in irgend einer. bestimmten Weise gestalten will, der muß vor allem die Jugend diese- Botteso gestalten, wie er seine Zukunft gestaltet wiffen will. Die Alten sind nur schwer und nur selten für neue Ideen, für neue Gedanken, für andere