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Jüdisches Volksblatt · 1903-11-06 · 45 (6.11.1903) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
45 (6.11.1903)
Date
1903-11-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 45 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 6. November 1903 Seite 5 § 5 des Gesetzes vom 5. Dezember 1896, N.-G.-B. 222, nicht versagt werden dürfe, eine Gebühr von höchstens 600 Kronen einzuheben. Diese Gebühren fließen in die Gemeindekasse. Es soll durch die Erhebung eingestandenermaßen der Zustrom besonders jüdischer Elemente aus Ungarn nach der österreichischen Hauptstadt verhindert werden. Wir erwarten mit Bestimmtheit, daß die Krone dieses Gesetz nicht sanktionieren wird, welches direkt dem Reichsgesetze widerspricht. Das Gesetz über die obligatorische Aufnahme in den Heimatsverband besagt ausdrücklich, daß derselbe unentgeltlich erfolgen müsse. Mi»«. 'Theologischer Verein der H ö r e r a n der isr.-theol. Lehranstalt.) Die mn Donnerstag den 29. November stattgefnndene Wahl hatte folgendes Ergebnis: Herr Gustav Sicher, Präsident, Herr Viktor Kurrein, Vizepräsident, Herr Heinrich Alperin, staffier, Herr Arnold Frankfurter, t. Schriftführer, Herr Heinrich Schrrnger, 2. Schriftführer, Herren Samuel Arje, Jsak Alkalay, Johann Stößler, Ausschustmitglieder. Wien. Die Eröffnung der T o y n b e e - H a l l e fand statt am Samstag abend bei sehr großer Beteiligung der Mitglieder und Freunde des Institutes. Rektor Dr. Schwarz begrüßte die Erschienenen auf das herzlichste, s childerte die Tätigkeit der so gemeinnützigen Anstalt und richtete einen warmen Appell an die Anwesenden, für den Verein Propaganda zu machen, daß er zum Wachstum des milden Sonnenscheines nicht entbehre. Zugleich verbreitete sich Redner in ziemlich eingehender Weise über die Frage von „Bibel und Babel", die Ansicht des Professor D e l i t s ch, der dem Judentum einen ärgeren Faustschlag versetzte, als die Schauerasfäre von Kischenew, auf das schärfste bekämpfend und verurteilend, indem er die Ansicht vertrat, daß der entscheidende Punkt in dieser Sache sei, wer die Gotteserkenntnis im monotheistischem Sinne am erfolgreichsten verbreitet und erhalten habe und da stehe das südische Volk obenan. Rauschender Applaus lohnte die geistvollen und begeistert vorgetragenen Ausführungen. Oberkantor Don Fuchs trug einige Arien aus Halevys „Jüdin" vor. Es folgten ausgemäblte Kompositionen von Prof. Brüll in bekannter Meisterschaft, ferner Duette von Fräulein H e i in und Fräulein Weiß gelungen dargestellt. Zum Schluffe sprach noch Dr. David in launiger Weise über den Kontrast des luxeriösen Lebend der Wiener reichen Juden und der ärmlichen Ausstattung dieser Halle der Armen, während der Patriarch Abraham, qunki der erste Begründer solcher Hallen, sich der Armen in munifizenterer Weise annahm. Möge es bald durch allgemeine Teilnahme in dieser Richtung besser werden! Tie Orgie der Schmocke. Es ist Zeit, daß auch wir zu dem Jubiläumstheater-Rummel ein Wörtlein sagen. Dieser Rummel zerfällt in drei Teile. E r st e Szene: Errichtung eines antisemitischen Parteitheaters unter der Direktion des Exfreimaurers Adam Müller. Aufführung einiger Spektakelstücke n la „Im Zeichen des Kreuzes" und Umarbeitung des „Kaufmanns von Venedig" in ein antisemitisches Tendenzstück. Daneben ein mißglückter Versuch, ein russisches antisemitisches Machstück nach Oesterreich zu importieren, das den lieben Adam sogar dazu begeisterte, das Stück durch eine Interpellation zu immunisieren und als Fluglatt zn veröffentlichen. Die ganze assimilatorische Clique schrie Ach und Weh und schwur einen heiligen Eid, nie das Jubiläumstheater, sondern — nur Burgtheater, Volkstheater und Oper zu besuchen. Und man muß objektiv zugeben, daß sie diesen Schwur gehalten hat. Allerdings siel eins solche Entsagung ihr nicht schwer, da im Jubiläumstheater elend gespielt wurde. Zweite Szene: Adam wird passiv, die Schuldenlast droht ihn zu erdrücken. Gerade zur rechten Zeit findet er — auf gut Wienerisch — eine „Wurzen". Dieser beruft vor allem eine Versammlung aller Wiener Theaterschmvcke und richtete an sie einige nichtssagende Worte. Darob großer Jubel in der gesamten freisinnigen Presse. Die Clique fand auf einmal die größten Schundwerke für äußerst gelungen, Adam Müller wurden alle Sünden verziehen und der große Lipponitz schloß ihn gerührt in seine Bruderarme. Diese liberalen Journalisten wollten wenigstens darin Christen sein, daß sie, wenn sie auf eine Backe eine Ohrfeige erhielten, gläubig die andere hinhielten. Und Adam bewies, daß er zwar nicht gegen den Strom, wohl aber mit allen Strömungen schwimmen kann. Nun kommt die dritte Szene: Generalversammlung des Vereines Kaiser-Jubiläumstheater. Schwer, Spezialist für Ritualmorde und Jubilämstheater arrangiert eine kleine Hetze gegen die Versöhnungsära. Und siehe da! In der Hitze des Gefechtes zeigt es sich, daß schließlich sich nichts an der Sachlage geändert hat. R a i n e r - S i m o n s mußte vor allem den ehrenwerten Herren vom Vereine zur Pflege der Kunst und Antisemitismus Nachweisen, daß er unversälscqt arischer Herkunft ist. Dann mußte er sich verflichten, keine Juden a n z u st e l l e n und keine Stücke jüdischer Autoren, besonders Wiener, aufznführen. Nur wenn irgend ein verstorbener Jude die Frechheit hätte, ein Meisterwerk zu komponieren, so wollte man es ihn» gnädigst verzeihen. Ja, da müssen wir doch fragen : Worin besteht der 11 n t e rs ch ied zwischen der a n t i s e m i t i s ch e n D i r e k t i o it M ü l l e r - G u t t e n b r u n n u n d der a n t i s e m i t i s ch e n D i re kt i o n R a i n e r-S i m o n s, die unter der Zensur des „Deutschen Volksblaties" steht? H ö ch st e n s darin, daßdiese einigen f r e i s i n n i g e n S ch n ü f f l e r n dieSchnüfflers r e i h e i t garantiert. Ist das wirklich genug, um von einer Aenderung des Systems zu reden und Hymnen auf Rainer-Simons anznstimmen? Ist die Duldung einiger Theaterskribenten wirklich die Probe ans echten Liberalismus? Doch Spaß bei Seite! Die Affäre hat anch einen sehr ernsten Hintergrund. Wir geben es ganz offen zu: Es gibt ans dem Gebiete der Literatur und des Theaters eine Cliquenwirtschaft, ansgenbt von beschnittenen und unbeschnittenen Federhelden. Dieses Monopol zu vernichten, wäre ein sehr verdienstvolles Werk, gleichgiltig, wer es unternimmt. Aber was tun diese antisemitischen Katone? Um die Aerwerstichkeit der freisinnigen Clique zu demonstrieren, gründen sie »ine — antisemitische Clique. E i n e C l i q u e, w i e die andere. In beiden wird jedes nnbedeutende Talentchen emporgelobt, wenn es nur zur Clique gehört, und jedes Talent totgeschwiegen oder bekritelt, wenn es nicht zur CS-Iiqne gehört. In beiden Cliquen werden Schauspieler und Sänger zu Gratis - Soiröen gepreßt, weil sie sonst eine abfällige Kritik fürchten müssen. Gehupft, wie gesprungen, wie der Wiener sagt. Diese freisinnige Clique und diese antisemitische — sie sind einander wert unfc würdig. Repertoire der öffentlichen 2 eronstosuipgen der zionistischen Vereine i o Innerösterr. Dipc t t o in i t e e: 1. Donnerstag, den 29. d., Sitzung im Kongreßbureau. Arbeitsausschuß der zion. akad. Korporationen Wiens: Verband derjüd. akad. Verbindungen Wiens: 3. Samstag, den 7. November l. I., Eröffnungskommers im Festsaale Nonacher, I. Schellinggasse 4. I n n e r ö st e r r. D i st r i k t s k o m i t e e: 4. Sonntag, den 1. November, 3 Uhr nachmittags, Plenarversammlung des Mädchenvereines „Moriah" im Kongreßbureau, IX. Türkenstraße 9. 5. Sonntag, den 8. November, Distriktsversammlung mtt 3 Uhr im Kongreßbureau. Die P. T. Vereine werden ersucht, ihre Veranstaltungen rechtzeitig bekannt zu geben, um Kollcsionon zu vermeiden. Adresse: IX. Türkenstraße 9. Verein jüdischer jngcrrdlichev Arbeiter „Leopoldstadt", II., Stephaniestraße 8. Sonntag, den 8. November 1903, präzise 7 Uhr abends, Vortrag (Jargon) des Herrn G o t t l i e b aus Warschau. Thema: Der „Blind" und die zionistische Arbeiterorganisation in Rußland. Gäste willkommen. Der Verein beginnt an.i 15. November seine .Kurse in Stenographie, Französisch, Hebräisch, Deutsch und Natiolialökonomie. Anmeldungen werden im Vereinslokale entgegengenommen. Die Uebungen der Liedertafel beginnen am 5. November. Jüdischer Bildungsvercin in Baden. Dcir Bemühungen der Herren stud. med. S. Deutsch, Nabb. W. Reich, Sekretär I. I ilf e l d und I. G e!v i t s ch ist es geliiiigen, die Grüiidung eines jiidifcheil BildnngSvereines durchzusetzcn, dessen Zweck es ist, durch Veranstaltung von hebräischen Sprachkursen und Vorträgen ans der jüdischen Geschichte das jüdische Selbstbewusstsein zu heben. Ain 2*>. v. M. fand bereits die konstituierende Versaminliing statt, welche folgende Wahlen ergab: Obmann Rabb. Reich, Obmann- Stcllvertreter^S. Man.dl, Schriftführer lind Leiter der hebräischen Kurse «ctretär I n s e l d , Kassier D. S ch e y , Bibliothekar Jnr. H. Knrti lind AnSschnspnilglieder L. W e i ff m et n n und S. Wein st e i n. Es muff an dieser Stelle anerkeiliieiid hervorgehoben tverden, das; die Badeiier K'nltnsgenieinde gum Unterschiede voii anderen größeren Gemeinden den neiien Verein soivohl indem sie ihn» das Lokal gratis ,;ur Verfügung stellt, wie anch in aiiderer Beziehung nterftnht nd fördert. Jüdische Fortbildungskurse des Talmud-Thora-Bereins für die Bezirke 12—15. Seit dem 25. Oktober d. werden von dem Unterzeichneten jeden Sonntag Vormittag von 0 bis halb 11 Uhr in unserem Unterriehtsramn, Tnrnergasse 22 (neben dein Tempelgebände), unentgeltlich Fortbildnngst'nrsc in jüdischer Geschichte und Literatur abgehalten. Gleichzeitig bitten wir rim Zuwendung von Büchern für unsere Vereinsbibliothek. Sopohl wissenschaftliche Werke, als anch Erzählnngsliteratnr und abgeschlossene Jahrgänge jüdischer Zeitschriften iverden rnit Dank eiitgegengeiiommen. Herr Rabbiner Dr. D. David ivird im Leopoldstädter Tempel am Freitag, den 13. November 1903 bei dem Abendgottesdienste, der lim 4 Uhr 30 Min. begillnt, die Antrittspredigt halten. Gzernowrtz. In d e r ' g e ft r i g e rt LandLagssitzung gelangte der Bericht des Mißbillignngsausschuffes über die Affaire Flondor zur Verhandlung. Die Beschlüße dieses Ausschusses waren in Abwesenheit seines Obmannes Professor Skedl und der Vertreter der freisinnigen Vereinigung gefaßt worden. Der Referent, der Ruthen« Dr. H a ckm a n n, hatte das Referat niedergelegt, so daß im Ausschüsse nur drei Klubgenossen Flondors und der Armenopole Wiesolowski abgestimmt hatten. Aus diesem formalen Grunde und weil der Bericht des Ansschusies, welchen der ad lioe bestellte Referent, der Klubgenosse Flondors Konsistorialrat B s j a n vertrat, die politische Seite der Frage fallen ließ und in seinem Beschlußantrage, sich ans den Standpunkt eines Ehrenrates stellend, die persönliche Ehrenhaftigkeit Flondors rehabilitieren wollte, wurde derselbe in eilfstündiger Debatte, welche erst um 3 Uhr morgens schloß, von der freisinnigem Bereinigung aus das heftigste bekämpft. Die Abgeordneten N-kolaj v. Wassilko, Dr. O n c i u l, Dr. Smal- Stockt, Dr. Strauch er und Pihnliak vertraten den Standpunkt, daß der Landtag nicht berufen sei, Ehreuangelegenheiten zu schlichten. Auch der Abg. Baron Georg Wassilko griff in die Debatte ein, indem er betonte, daß Dr. Flondor ihm gegenüber das Ehrenwort gebrochen habe, weshalb er iusolange dem Rumänenkliib nicht angehören könne, als Flondor dort sitze. Dem konservativrumänischen Programm und seiner Nation erklärt Baron Wassilko treu bleiben zu wollen. Vor der Abstimmung gab der Obmann der freisinnigen Vereinigung namens aller nicht dem Rumänenklub und der Gruppe der armenopolnischen Abgeordneten angehörenden Abgeordneten die Erklärung ab, daß sie sich an der Abstimmung deshalb nicht beteiligen, weil sie den Landtag nicht als das geeignete Forum zur Erledigung persönlicher Ehreuangelegenheiten betrachten. Es verblieben von 31 Abgeordneten einschließlich des Vorsitzenden Landeshauptmannes L n p u l nur zwölf im Saale, so daß mangels Anwesenheit der beschlußfähigen Zahl von 16 Abgeordneten die Sitzung geschlossen wurde. Den sich absentierenden Abgeordneten wurden trotz der späten Nachtstunde seitens des Publikums große Ovationen bereitet. Zu Beginn der Sitzung richtete Abgeordneter Dr. Strauche»- an den Landespräsidenten eine Anfrage wegen Verbreitung einer in Jaffy erschienenen rumänischen Broschüre im°Radautzer Bezirke, in welcher die Bevölkerung zum Hasse gegen die Juden aufgereizt wird. Landesprüsident Prinz Hohenlohe erwiderte, daß ihm von der Verbreitung dieser Schrift im Lande nichts bekannt sei; er werde aber Erhebungen pflegen und die Verhetzungen gegen eine Konfession ans gesetzlicher Basis energisch unterdrücken. (Beifall und Händeklatschen.) Jüdisches Gemeindeleben in Stanislan. In StaniSlau zeigte sich in letzter Zeit wieder ein sehr bewegtes Gemeindeleben. Die Gemeinde steht vor zwei wichtigen Wahlen und wenn die Wahl die richtigen Männer trifft, so dürften dieselben einen Umschwung im politischen und wirtschaftlichen Leber» der Juden in Starrislau herbeiführen. Zunächst gilt es den durch das Ableben des Stanislauer Oberrabbiners verwaisten Rabbinerposten zu besetzen. Es scheint jedoch, daß dieser Posten keine allzugroße Zugkraft besitzt, denn es hat sich bis jetzt nur ein einziger Kandidat und zwar der Rabbiner aus Stryj, ein Sohn des verewigten Stanislauer Rabbiners, gemeldet. Derselbe wird in nächster Zeil einen Probevortrag halten und von dem in demselben zu entwickelnden Programme wird es abhängen, ob er imstande sein wird, alle Parteiungen in unserer Gemeinde für sich zu gewinnen. Vielleicht noch wichtiger für die zukünftige Gestaltung unserer Gemeinde sind die bevorstehenden Kuituswahlen, welche, wenn jeder seine Pflicht tut, den Sturz der jetzigen Kahalwirtschaft zur Folge haben kann. Die nationale Gruppe rüstet sich zum Kampfe unb es ist zu wünschen, daß er sie zum Siege führe. Charakteristisch für die galizische Zustände überhaupt ist die Tatsache, daß die bevorstehenden Kultuswahlen die ersten seit 15 Jahren sind und daß man sich seit drei Jahren mit einem sog. provisorischen Kultusvorstande fortfrettet. Uebrigens sei bernerkt, daß die oppositionellen Parteien eine Ueberraschung fürchten und zwar dadurch, daß das Publikum eines schönen Tages einfach von der vollzogenen Wahl wird in Kenntnis gesetzt werden. Die Auswanderung aus Oesterreich-Ungarn nach den Bereinigten Staaten. Aus Trieft wird uns grschrieben: Die- Einwanderung in die Bereinigten Staaten Nordamerikas a»»s Oesterreich-Ungarn Hot in den letzten Jahren kolossale Dimensionen angenommen. Jin Jahre 1902 trafen in nordamerikanischen Häfen laut der offiziellen Statistik des Zsntralawtes in Washington 180.000 Einwaliderer ans Oesterreich-Ungarn eil»; die Mehrzahl derselbe»» landete in New-Iark, ein geringerer Teil in Boston und in Baltimore. In zehn Monaten des Jahres 1903 erreichte die Einwanderung aus Oesterreich-Ungarn schon die Ziffer von 200.000 Personen, und der Juli 1903 allein brachte 36.000 Ein- »vanderer nach Neiv-Iork. Alle diese Einrvanderer fuhren zumeist über deutsche oder belgisch-holländische Häfen. Das österreichisch-'lngarische Generalkonsulat in N« »v-Jork hat wiederholt die österreichische Regierung auf diesen Uinstand aufmerksam gemacht und darauf Hingewicftn, daß es im Interesse Oesterreichs gelegen wäre, diesen Auswandererstrvm über österreichische Häsen zu leiten. Auch die Negierung der Vereinigten Staaten würde es sympathisch begrüßen, wenn direkte Dampferlinien zwischen Oesterreich und Nordamerika zur Hebung des Paffagierverkehres errichtet würden. Wie es heißt, soll tatsächlich, die Organisation eines derartigen Verkehres in Aussicht genommen sein und sind zu diesem Zwecke vier große Dampfer in Bestellung gegeben, »velche im Februar kommenden Jahres den Betrieb nach New-Iork aufnehinen »Derbe». Außerdem hat auch eine englische Schiffahrt-Gesellschaft einen Paffagierverkehr von Triest nach New-Iork eingerichtet, um die österreichische Auswanderung über den heimischen Hafen zn lenken. An» 10. d. »vird ein Schiff von 8000 Tonen den Hafen von Triest verlassen. Der Dauipfer hat Raum für 1300 Zwischendeck- und 200 Salonpaffagiere. Am 15. Dezember »vird ein Dampfer von Triest nach Netv-Aork aügehen mit einem Tonnengehalte von 13.000 und Raum für 300 Salorr- und 1600 Zwischendeckpassagiereir. Jüdische Märtyrer. In seiner Rosch-haschanah- Predigt hat der erst kürzlich gewählte Ofener Rabbiner Doktor Arnold Kisch im Teinpel zu Ofen des Martyriurns der Vorfahren der jetziger Ofener Jndenschaft gedacht. 555 Jahre sind es, daß die jüdische Bürgerschaft von Ofen, deren erste Siedelnng schon in der Römerzeit durch Gräberkunde im „Aquinenm" nachgerviescn ist, unter der falschen Anklage, die Brunnen vergiftet und den „schwarzen Tod" verschuldet zu haben, hingemvrdet, ihre Synagoge in eine Kirche u m g e »v a n d e l t, das Vermögen und die Häuser der Juden dem n e u g e g r ü n d e ten Domkapitel geschenkt, die gesarnte jüdische Einwohnerschaft Ungarns aber mit königlichem Befehle a»»s dein Laude verwiesen tvnrde (1348). Nicht minder schlver wac die Prüfung der zweiten Qfencr Gemeinde, die wegen Verteidigung ihrer Stadt und des Landes von den Söldnern dcr verbündeten Mächte hingemordet und geplündert wurde. Die Häuser und Synagogen fiele»» auch diesmal dem Staate anheim. Redner »vandre sich nach einer ergreifenden Schilderung der historischen Tatsachen an die Geineiodemitglieder mit der Aufforderung, das Andenken der Märtyrer in Hinkunft alljährlich würdevoll zu feiern, und mit Standhaftigkeit und Glaubenstreue die Ahnen stets zn ehren und nachzuahmen. Doktor- Kisch stellte den Antrag, alljährlich an den Stufen des künftigen Königin Elisabeth-Denkmales, das sich an der Stelle jener einstigen Synagoge erheben wird, einen Kranz niederzulegen, mit der Widmung: „Dem Andenken der Opfer d e s F a n a t i s m u S — b i e Ofener i f r. Kultusgemeind e." Die jüdischen Trafikanten in Ungarn. Wie unS aus Szatmar berichtet wird, wurde im ganzen Komitate die berüchtigte Trasikverordnung des Finanzministers Lukücs gegen alle jüdischen Trafikanten, welche den Sabbath nicht entweihen wollten oder die vorschriftsmäßigen, kostspieligen „Verschlüge" nicht Herstellen konnten, mit aller Strenge durchgeführt, ind e »n i h ne n di e Tr afikli ze nz u nw i ed erruf l i ch entzogen »v u r d e. DaS ist ungarischer Liberalislnus! Preßburg. (D i a rn a n t v n e Hochzeit.) Herr Leopold Schlesinger feierte »nit seiner Gattin vor kurzem das Fest der diamantenen Hochzeit, aus »velchern Anlasse den» Jttbelpaare von Nah und Fern Gratulationen zukamen. Todesfälle. Vor ewigen Tagen verschied in Nng.-Hradisch die Malzfadrikantensgattin Frau Klementine Fürst im Alter von 70 Jahren. Das Leichenbegängnis bezeugte die allgemeine Teilnahme der Verblichenen. — A»n l. November verschied Frau Anna Ba»» er, die Mutter des Oberkantors Jakob Bauer, in ihre»»» 77. Lebensjahre in Wien.

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