Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 45 (6.11.1903)
- Date
- 1903-11-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 6. November 1903 Nr. 45 s. A trotz Kredit rc. die Arbeit liegen lassen und unnötige Kosten für Gesellschaften und Wohltäter verursachen. Wenn man vorsichtig gearbeitet und genügend Geld hat, — denn die Abzahlungen können nur langsam von Statten gehen — dürften wir hoffen, daß diese Art Kolonisation keine Wohltätigkeit bleibt, sondern sich tatsächlich rentieren wird, natürlich ohne große Verzinsung zu bringen. Das Kapital, das von uns hineingesteckt wird, die Beträge unseres Vereins werden dann nicht nur e i n Mal, ssndern dauernd arbeiten, also dauernd die Heimstätten der Juden in Palästina vergrößern und dauernd dazu beitragen, dieses an sich herrliche Land einer Entwickelung zuzufiihrcn, auf welche, wie wir hoffen können und dürfen, unsere Enkel stolz sein werden." Ansprache des Dr. Hirsch Hildesheimer. Vor einer Reihe von Jahren hatte ich Gelegenheit, in Wien in einem durchaus neutralen Verein über ein Thema meines wissenschaftlichen Arbeitsgebietes, Palästinas, zu sprechen, und ich tat dies selbstverständlich ohne jegliche Stellungnahme zu der zeitbewegcuden, damals noch mehr im Vordergründe stehenden Frage des Zionismus oder Antizionismus. In einem sich anschließenden gemütlichen Zusammensein wurde der warme Appell, in den mein Vortrag ausklang, daß nämlich auch in Wien, dem Sitze des Äkrions-Komitecs, das Interesse für die praktische Kolonisation geweckt werden und sich betätigen möge, von einem getreuen Anhänger des politischen Zionismus für diese seine Anschauungen reklamiert. Da ich nun zu diesem politischen Zionismus mich nicht bekannte, wie ich mich auch heute nicht dazu bekenne, erschien es mir ein Gebot der Wahrhaftigkeit, in Kürze meinen abweichenden Standpunkt zu präzisieren. Darauf wurde mir seitens eines Mitgliedes des zionistischen Aktions-Komitees entgegnet, der Unterschied zwischen uns, den Vertretern einer sofortigen Kolonisation, und den politischen Zionisten bestehe darin, daß die letzteren, wie Herr Dr. Kahn in der Sprache unserer Väter sich ausdrückte, nreEip» hocherhobenen Hauptes, in voller Oeffentlichkeit ins Land unserer Sehnsucht zurückkehren, wir aber unsere flüchtenden Brüder mit allerlei Listen und Schlichen hineinschmuggelu wollen. Ich erwiderte kurz, indem ich Herrn Dr. Kahn aufforderte, mit mir die jüdischen Quartiere in Kowno, in Wilna, , in Jassy, in Galatz, in Tarnow, in Stanislau zu durchwandern lind Umfrage zu halten, ob die Jammerverfolgten es vorziehen, im Elend zu verkommen, weil sie nicht „hocherhobeneu Hauptes" in's Land der Väter zurückkehren können, oder nicht mit freudiger Bereitwilligkeit in Palästina Rettung suchen, aus die Gefahr bin, sich hineinschleichen zu müssen. „Vom sicheren Port läßt sich gemächlich raten". In Wahrheit stellt sich die ausschlaggebende Frage also: Haben wir ein Recht, Vorsehung zu spiele», die Schwerbedrohten, die unabwendbarem Untergang geweiht sind, wenn wir ihnen nicht sofort Hilfe bringen, ihrem Schicksale zu überlasseu, weil wir ihnen gegenwärtig noch nicht diejenige Hilfe bringen können, welche unser klügelnder Verstand als die wirksamere ausgedacht hat? Ich stimme vollkommen mit Herrn Dr. Oppenheimer überein, daß unsere gepeinigten, gehetzten, gesabrenumdrohten Brüder in den Ländern des Ostens keine Zeit haben, zu warten, und doch sollen sie verurteilt werden, zu warten, bis die Zukunftspläne von öffentlich-rechtlicher Sicherheit verwirklicht find? Ist eine Zeit namenlosen, unermeßlichen Jammers, wie sie gleich traurig, gleich bedrohlich die Leidensgeschichte unseres Volkes kaum zuvor gesehen, ist eine Zeit, wie die gegenwärtige, wirklich gut gewühlt, um Z u k u n f t spläne, sie mögen an sich berechtigt sein oder nicht, zu schmieden? Heute ist meiner Auffassung nach die brennende, die einzig, jedenfalls zunächst einzig Gehör fordernde Frage: Wo und wie kann ich angesichts des gräßlichen, Millionen meiner Brüder mit Verderben und Untergang umlauernden Jammers, der heute an unsere Pforten pocht, sofort eine Zuflucht, Brot, Schutz vor dem Untergang schaffen? Wenn in so kritischen Zeiten die bange Sorge an meinem Herzen reißt: Wo schaffe ich eine öffentliche rechtlich gesicherte Heimat, sondern: Wo finden meine Brüder sofort Zuflucht? Dürfen wir den Hilfeschrei, der heute an unsere Ohren pocht, ungehört lassen, oder müssen wir nicht vielmehr mit Einsetzung unseres ganzen Könnens für die Not und das Elend des Augenblicks zu sorgen uns bemühen? Wann je ist's im Judentum Brauch gewesen und gebilligt worden, zu Gunsten künftig zu Versorgender den in der Gegenwart Hilfe Heischenden diese Hilfe zu versagen? Sollen, ja, dürfen wir untätig bleiben, weil zur Stunde der Jammer nicht in seinem ganzen Umfange gelindert, weil nicht allen, weil vielleicht nur einem kleinen Bruchteil der Leidverfolgten Heimstätte und Erwerb bereitet werden kann? Wie immer und überall ist auch in diesem Falle „das Bessere der Feind des Guten". Der Verain „Esra" hat bisher nur ein sehr bescheiden' Teil an diesem Nettungswerk geleistet, aber in magnis voluisse at est! Wir wollen in Palästina und Syrien — so lautet unser Programm — im Bereiche des Möglichen unseren Brüdern Zuflucht schaffen, und wenn es nicht Hnnderttauseude und nicht Zehntausende, ja, wenn es nicht Tausende, wenn es Hundert sind, haben wir die Pflicht, unser alles einzusetzen, um diese Hundert *it retten, anstatt uns zu bescheiden, weil wir nicht imstande sind, Hunderttausen und Zehntausende vor dem Verderben zu bewahren. Das scheint mir die gebieterische, die unveräußerliche Forderung der Gegenwart, welche natürlich nicht nur fürs Palästinawerk gilt. Ich bin der Ansicht und habe es auch dem Herrn Referenten des heutigen Abends ausgesprochen, daß, wenn Gewißheit geschasst wird, daß ein Bruchteil unserer Brüder auf dem Boden Ostafrikas eine Heimat finden kann, dann alles aufgeboteu werden muß, um ihnen dort eine Heimat zu bereiten. Aber das Ostafrikaprojekt berührt die Frage gar nicht, wie wir uns zu Palästina stellerr. Man kann ein warmer Befürworter jenes Projektes sein, ohne darum geringere Sympathien für die Kolonisation Palästinas zu hegen. Und wie die Vereinigung beider Bestrebungc» o mit dkm Programm und den Forderungen des politisch .! ismils verträgt, ist eine Frage, die wir hier nicht zu -. t,cheiden haben. Ich fürchte überhaupt, daß wir uns bei einer Fortsetzung dieses Themas verlieren würden; den Widerstreit der Meinungen wird auch eine viele Abende ansfüllende Besprechung nicht beseitigen. Gestatten Sie mir nun noch einige tatsächliche Mitteilungen! Herr Dr. Nossig hat es für wünschenswert bezeichltet, daß eine Zentralisierung, ein Zusammenschluß der Kolonisationsvereine hergestellt werde. Ich kann Ihnen die erfreuliche Mitteilung machen, daß die Zentralisierung, welche eine Reihe von Jahren bestanden hat, aber aus Gründen, die nicht hierher gehören, zeitweilig ihre Tätigkeit eingestellt hatte, zu neuem Leben erweckt worben ist. Im Jahre 1894 wurde, und zwar auf Anregung des Vereines „Esra", ein Zentralkomitee der Chowewe Zion mit dem Sitze in Paris begründet, dem hochangesehene, dem Dienste jüdischer Interessen erprobte Männer angehörten: Als Ehrenpräsident der Oberrabbiner von Frankreich Herr Zadoc Kahn, als Präsident Herr Narzisse Lewen, zugleich Präsident der Alliance israelitc universelle und der Jewish Colonization Association, Prof. Josef Halevy, der Oberrabbiner von Paris Herr D r c yf u s, Herr Rabbiner W e i ß k o p f, ferner Herr Dr. Meyerso n, jetzt der hochverdiente Direktor der J. G. A., Herr Simon Altman n, endlich als auswärtige Mitglieder Herr Moritz Dorn und ich. Einige Jahre später ist, um die Arbeitskraft dieser Organisation zu steigern, die eigentliche Tätigkeit hierher, nach Berlin, verlegt worden, indem eine sogenannte Propagandakommission gebildet wurde, und diese Kommission hat sich in einer am Sonntag vor 8 Tagen stattgehabten Sitzung neukonstituiert. Sie besteht außer mir — verzeihen Sie, daß ich mich in meiner Eigenschaft als Präsident zuerst nenne! — ans den Herren Willy B a m b u s, Berthold Israel, Prof. Leopold L a n d a u, Dr. Paul Nathan, Dr. Alfred N o s s i g, Prof. Martin Philippson und zwei Delegierten des Zentralkomitees des Vereines „Esra", als welche wir die Herren M. Dorn und Konsul I. Friedemaun wieder in unserer Mitte zu begrüßen hoffen. Mit der Tatsache unserer Neukonstituierung haben wir selbstverständlich die Pflicht übernommen, zu erneuter, energischer Tätigkeit iiberzugehen, und wir haben begründete Aussicht, zu hoffen, daß der Erfolg nicht ausbleiben wird. In dieser Hoffnung werden wir bestärkt durch die wertvollen Sympathien, welche uns von Körperschaften und Privaten bereits zum Ausdruck gebracht wurden. Ich freue mich, Ihnen eine Zuschrift bekannt geben zu können, die mir von dem Geschäftsführer des „Hilfsvereins der deutschen Juden", Herrn Dr. Paul Nathan zugegangen ist. Zum Beweise dafür, daß der „Hilfsverein" entschlossen ist, seine segensreiche Wirksamkeit auch Palästina znzuwenden, führe ich an, daß wir gestern in der Sitzung des geschäfts. führenden Ausschusses einen, wie ich überzeugt bin, in der Tat ganz außerordentlich bedeutsamen und verheißungsvollcn Beschluß gefaßt haben, nämlich an dis L ä m e l - Schule in Jerusalem ein L e h r e r s e m i n a r anz u g l i e d e r n, das für P a l ä st i n a, für den Orient überhaupt Lehrer heranbilden soll, welche mit einer gründlichen seminaristischen Schulung nach deutschem Muster vor allem umfassende Kenntnisse des Hebräischen verbinden. Das ist echte überaus verdienstliche Tat des „Hilftvereins". In unseren Kolonien, in den Städten Palästinas, in den Städten des Orients überhaupt, ja, auch in Rußland, hat sich ein ernster Notstand dadurch herausgebildet, daß Elementen, die durchaus nicht befähigt und berufen sind, einen gedeihlichen Unterricht zu erteilen, aus Mangel an besseren Kräften die Unterweisuug der Jugend überantwortet ist. Hierin wird nunmehr Wandel geschaffen werden, und das ist sicherlich mit ungeteilter Freude zu begrüßen. Der „Hilfsvercin" bat gleichfalls in seiner gestrigen Sitzung die Subventionierung eines Kindergartens nach deutschem Vorbild in Jerusalem beschlossen, desgleichen die Ausgestaltung eines bereits von ihm unterstützten Kindergartens in Jaffa durch die Augliederung einer Elementarklasse, aus der später eine Schule sich entwickeln soll. Endlich hat der „Hilfsverein" für den Neubau der Lämel-Schule, deren verdienstvollen Direktor, Herrn Ephraim Kohn, wir in unserer Mitte zu sehen die Freude haben, einen ferneren Beitrag von 2000 Mark bewilligt. Sie sehen, meine Damen und Herren, daß der „Hilfsverein" überaus Verdienstliches auch in Palästina leistet. Wir hoffen auf ein recht intimes Zusammenarbeiten mit dieser vortrefflichen Organisation, welche, wie Ihnen bekannt sein dürfte, in der kurzen Zeit ihres Bestehens die größte ihrer Art in Deutschland geworden ist. Zettlmgsschau. Die rusfiische Negierung gegen den Zionismus. Die „Welt" schraibt: Wilna. Aus durch aus zuverlässiger Quelle erfahre ich, daß in der allernächsten Zeit in Groduo ein Kongreß von 80 Rabbinern und 50 weltlichen Inden einberufen werden wird. Die Initiative und die ganze Leitung dieser Angelegenheit liegt in de» „bewährten" Händen des „rühmlichste bekannte» Rabbi Akiba Rabinvwitz ans Poltawa, Redakteur des nicht minder „bekannten" echtesten Schmutzorgans „Hapeles". Die offizielle Erlaubnis aus dem Ministerium des Innern ist auf den Namen, des Nabbi Welwel M a r g o l i s aus Groduo ausgestellt. Darob ist im Wilnaer Hauptquartier des „schwarzen Kabiuettes" ein heller Jubel. Ueberhaupt ist die jüdische „Klerikale" jetzt iu sehr gehobener Stimmung, weil dieselbe das Kleid der unterwürfigsten Loyalität anzuziehen verstanden hat und daher äußerst gut bei den Spitzen der Leitung der Politik angeschrieben ist. Rabbi Akiba Rabin owitz ist jetzt zu einer persona g r a t a in Petersburger Kreisen hinan f g e st i e g » n, er ist zu stundenlangen Besprechungen mit leitenden Persönlichkeiten z u g e l a s s e n worden. Als die letzte Nummer des „Hapeles" die im Auslände gedruckt wird, vom hiesigen jüdische« Zensor wegen der unqualifizierbaren Denunziationen einzelner Personen und ganzer Klassen von Juden angehalten wurde, ist kurz daraus eine spezielle Aufforderung aus dem Petersburger Hauptzensoramte ergangen, die Nummer freizugeben. Weiters hören wir, daß der „Hapeles", der bis jetzt nur einmal monatlich erschienen war, in sin tägliches Blatt umgewandelt wird und zwar mit dem Sitz der Redaktion in „Wilna". Um diese neue Errungenschaft der Presse dürfen wir fürwahr am wenigsteu beneidet werden. Die offizielle Konzession soll in der nächsten Woche publiziert werden. Unter dieser „bewährten" Leitung ist man über die Resolutivuen und den Geist der Verhandlungen auf dem bevorstehenden Grodnaer Rabbinerkougresse schon voll vornherein klar. Eine Resolution ist mir schon bekannt, nämlich, daß der Zionismus nur eine Uedergangs stufe zum Sozialismus (in Rußland wird darunter nur der revolutionäre der st an den) bildet. Urber die Zusammensetzung des Kongresses aus reinen, waschechten Parteigängern der „Lischco" wird strengstens gesorgt. Das offizielle Programm, das in strengster Diskretion geboten wird, ist — Hebung der Autorität des Rabbiuats und Bekämpfung der sozialistischen Bewegung unter den Juden. w * Der Zar und die Kischenewer Judenverfolgungen» Der „Berliner Zeitung", welcher ans Petersburg berichtet worden war, der Zar fei in Darmstadt über die wahren Ursachen der Kischenewer Judenverfolgungen aufgeklärt worden und habe deshalb die Absetzung P l e h >o e g, der ihn systematisch getäuscht habe, beschlossen, wird folgendes aus Darmstadt geschrieben: „Es ist bekannt, daß unser Großherzvg, der Schwager des Zaren, sich mit einer namhaften Summe an den hiesigen Sammlungen für die Krscheneiuer Inden beteiligt hat, Sammlungen die von dem Honoratioren beider christlichen Konfessiionen ins Leben gerufen wurden. Ferner hat der Großherzog dem Rabbiner Doktor Marx zugesagt, den Zaren über die Ursachen der Vorgänge in Kcschenew aufzuklären, und da der Zar bereits fünf Wochen hier ist, so ist doch anzunehmeu, daß unser Fürst ihm gegenüber sein Wort eingelöst hat. Ihre Petersburger Mitteilungen entbehren deshalb nicht der inneren Wahrscheinlichkeit. & Warschau. Eine sehr interessante Statistik über die Beschäftigung der jüdischen Bevölkerung im Westgebiet veröffentlicht der halbamtliche „Warschawski Dnewnik". Es erweist sich, daß die Zahl der jüdischen Arbeiter auf den Fabriken im Ansiedlungsrayon des Nordwestgebietes 22.289, des Südwestgebietes 9590 und in Südrußland 2058 Mann beträgt. Was das Handwerk betrifft, das die Juden der genannten Gebiete betreiben, so entfällt der stärkste Prozentsatz mit 88-71 pEt. ans die Schneider, alsdann folgen Schuster mit 17 01* pCt. und diverse Gewerve mit 11-57 pCt. Der Prozentsatz der jüdischen Fabriken wird tm Nordwestgebiete auf 51, im Südwestgebiete 88-9 und in Südrußland auf 23-9 pCt. veranschlagt. Ueber die Verbreitung des Ackerbaues unter den Juden werden folgende Angaben gemacht; Die Zabl der landwirtschaftlichen Kolonien beträgt 801 mit eine»,. Landbesitz von 100.107 Deßjatin Land und 08-959 Seelen. Das Wachstum der jüdischen Bevölkerung finden wird durch folgende Zahlen ausgedrückts: in der Periode von 1850—1800 wuchs die jüdische Bevölkerung um 1t pCt, 1870 um 13-1 und 1897 um 11-01 pCt. In den 111 Städten des Weichsslgebietes belief sich die jüdische Bevölkerung in 00 Städten auf 50 pC-t. und in Warschau aus ein Drittel der Bevölkerung. * Eine jüdische Kolonie auf einer englischen Insel. In dem „Jewish Chronicle“ wird mitgeteilt, daß Herr Daniel T all ermann auf der Insel Mersea in der Nähe von Colchester eine kleine jüdische Kolonie anzulegen gedenkt. Herr T al l er m an n will auf dieser Insel 100 Ärbeiterhüuser errichten lassen, in denen jüdische Arbeiter, die mit Viehzucht und Vrehschlachten vertraut sind, Unterkunft finden können. Gleichzeitig wird der genannte Herr einen Versuch machen, Vieh aus Irland in Essex zu mästen, um es dann in London auf den Markt zu bringen. Irland würde imstande sein, den ganzen Schlachtviehbestand für England. zu liefern, obgleich sein augegblicklicher Viehexport sich nicht über 2 Millionen Stück jährlich erhebt. London lebt fast ausschließlich von ausländischem Fleisch. Chronik. KrüimÄ. Niedervfterreichischer Landtag. Zu den Früchten der letzten Landtagssession gehört die Annahme des Dringlichkeitsantrages W e i s k ir ch n e r und Genossen, wonach das Gemeindestatut für die Stadt Wien abgeändert wird und künftighin die Gemeinde Wien berechtigt, für die freiwillige Aufnahme in den Heimatsverband eine Gebühr einzuheben, welche für österreichische Staatsbürger höchstens 400 Kronen, für Personen, welche die österreichische Staatsbürgerschaft nicht haben, höchstens 800 Kronen beträgt. Die Gemeinde Wien ist ferner berechtigt, für die Aufnahme in den Heimatsverband, welche auf Grund des