Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 45 (6.11.1903)
- Date
- 1903-11-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2432763-2432970-2433015--2169-2436006- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Tunis 2× ep/1048155
OCR text
Nr. 45 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 6. November 1903 Seite 3 zionistischen Partei wohl unterschieden habe. Die zionistische Leitung hat sich auf dem Baseler Kongreß für die Kolonisation in Ostafrika, für die Idee des „Nachtasyls" I positiv eingesetzt. Daß aber die zionistische Partei in ihrer Totalität für die Idee noch nicht gewonnen ist, I fjabe ich selbst mit allem Nachdruck heroorgehoben; ja, 1 ich habe dargetan, daß die Majorität derselben heute I noch entschieden für die Kolonisation in Palästina mit Ausschluß aller exotischen Ansiedlungspläne sei. Und diesen Standpunkt, den der zionistischen Ma^ jorität, nehme auch ich mit aller Entschiedenheit ein. Darum bin ich aber keineswegs für die Notwendigkeit 1 einer sofortigen Rettungs- und Ansiedlungsaktion blind, j Nur schlage ich vor, diese Aktion nicht nach gänzlich un- I erforschten und von Palästina weitabliegenden Gebieten, j sondern nach den Nachbarländern Palästinas zu k lenken. Der Gedanke, daß in Ostafrika oder in einem anderen exotischen Gebiete eine sofortige, erfolgreiche Massenkolonisation möglich sei, ist eine verhängnisvolle l Selbsttäuschung. Das Beispiel der Palästinakolonisation § zeigt, daß man eine zwanzigjährige Versuchsperiode I durchmachen muß, bevor man mit Erfolg kolonisieren kanu. Diese Periode liegt im Orient hinter uns: nur hier ist neben einer zionistisch gedachten auch die rasche Rettungskolonisation durchführbar. In Bezug auf diese ebenso wichtige als dringende Frage der Richtung der Rettungsaktion nehmen Professor Marburg und Dr. Franz Opp e nh eimer allerdings nicht denselben Standpunkt ein. Prof. Marburg hat in seiner Rede selbst Vorderasien als das wirtschaftlich vorzüglichste und speziell für die Juden geeignetste Anj siedlungsgebiet bezeichnet. Er hat auch praktisch die Kof Ionisation in Anatolien mit Erfolg inauguriert. Anz gesichts dessen und angesichts der auch quantitativ völlig genügenden Kolonisationsmöglichkeiten in den türkischen l Nachbarländern Palästinas, ist es mir eigentlich unerj klärlich. warum Prof. Marburg gegen die Ablenkung j der jüdischen Auswanderung vom Orient nicht positiv I Stellung nimmt, sondern — mit gewissen Einschränkunj gen — dem ostafrikanischen Plane das Wort spricht, j Unerklärlich umso mehr, als für Prof. Marburg j die vorangehende öffentlich-rechtliche Sicherung des Anj siedlungswerkes nicht eine conditio sine cjva non bildet, z wie für Dr. Oppenheimer: das beweist ja die von I ihm unternommene Kolonisation auf türkischem Gebiet. I Wenn nun Herr Dr. Oppenheimer, obwohl er I in seinem Baseler Ansiedlungsreferat auf die Verfolgung des! normalen historischen Evolutionsweges so starken Nachdruck I legt, nun plötzlich dennoch der Macht eines momentan l populären Schlagwortes unterliegt und die Umkehrung dieses Weges verlangt, die höchsten politischen Konzessionen vor der wirtschaftlichen Besitzergreifung des Kolonisationsgebiets haben möchte, so kann ich allerdings nur wiederholen, was ich bereits zweimal öffentlich gesagt und eingehend begründet habe, daß ich diese Methode sür grundfalsch und aussichtslos halte. Zum Glück aber ist Dr. Oppenheimer in dieser seiner Ueberzeugung nicht ganz unerschütterlich. Er hat es selbst in seiner Ansprache erklärt, daß cs ihm nicht gerade um die Autonomie zu tun sei, sondern hauptsächlich darum, daß die jüdischen Ansiedler nicht den Mißständen eines verrotteten Feudalstaates wie die Türkei ausgesetzt seien. Der Schutz der englischen Flagge ersetze ihm einen Charter. Und in der Tat hat Dr. O p p e n h e i m e r dieser ' seiner Stellungnahme auch praktischen Ausdruck verliehen, indem er mit Herrn D. Trietsch die „Jüdische Orient-Kolouisationsgesellichaft" begründete, welche zunächst in „Zypern" zu operieren gedenkt. form, für welche Formen nnd Farben nur so leere und arme Zeichen sind, wie in der Dichtung selbst unsere feinsten und durchbildetsten Worte gegenüber dem reinen Relief, der klaren Anschaulichkeit des Absoluten. Nassenfanatiker haben diese antropomorphistische Erscheinung zu einer für das Judentum typischen verallgemeinert, die großen zeitgenössischen Naturalisten Israels und Liebermann liefern jedoch einen glücklichen Gegenbeweis gegen solche Dogmatik. Und diese Jntellektualität ist vieler Gradationen und Fluktationen fähig, selbst innerhalb einer einzelnen Persönlichkeit. Bei Lilien war sie im Beginne eine niedere Form, ein Geistreichsein, tatsächlich eine Art künstlerischen Journalismus. Seine Blätter in der „Jugend" waren zum Teil nur delikat gezeichnete witzige Einfälle, manche wie der „Faun mit der Flöte" und das „Amoroso" klug pointierte geschliffene Gedichte. Manche wie das entzückende Blatt Lex Heinze entwickeln eine stupende Fülle satirischer Einfälle und kaustischen Witzes. In ungünstiger Entwicklung hätte Lilien, so sonderbar es auch klingt, sich vielleicht der Karikatur zuwenden können, aber seine tiefinnerliche Liebe zu seelischer Schönheit hat ihn davor ebenso bewahrt, lote vor der Hingabe an das allzu handwerkliche Kunsrgewerbe. Die Sehnsucht nach reiner Form und unrnaterialiftischer Gestaltung, die ihn selbst in diesen scherzenden Blättern eine wundersam harmonische Rundung fraulicher Schönheitslinien finden ließ, hat sein intellektuelles Schaffen geläutert. Je mehr sich wieder die reinen Flammen sozialer und nationaler Gedanken in seinem geistigen Leben umfaßten, desto unbedeutender imb spärlicher verglühten diese ivitzigen, geistreichen Einfälle. Hegte ist sein Wierk gänzlich frei von diesen schelmischen, im Sinn eines großen künstlerischen Zieles immerhin bedeutungslosen Scherzen, und mir die Freunde, die manchmal in fröhlichen Nächten sein herzliches Lachen hören, wissen, daß der Schelmentrieb bei ihm nur aus der Kunst, nicht aber aus denn Leben gebannt ist. Aus dem geistreichen Einfall ist im reisen Werke der Gedanke geworden, das deutende mrd kündende Symbol. (Schloß folgt.) Wir sehen, daß meine Herren Gegner, die konditionellen Befürworter der ostafrikanischen Kolonisation, im Grunde genommen die wärmsten Freunde der Kolonisation in den Nachbarländern Palästinas sind. Sie vertreten dieses Programm noch energischer als ich selbst; denn während ich es nur theoretisch empfehle, führen sie es praktisch durch. Sie haben das Gebiet unter einander geteilt: Prof. W a r b u r g hat die türkischen Nachbarländer, Dr. Oppenheimer die englischen übernommen. Wenn die Kolonisation der Nachbarländer lauter solche Gegner hätte, so wäre sie bald verwirklicht und ich hätte es nicht nötig, für sie einzutreten. Prof. Marburg hat sich in Anatolien überzeugt, daß der verrottete türkische Feudalstaat in diesen Gebieten den jüdischen Ansiedlern nicht nur keinerlei Hindernisse in den Weg legt, sondern sie geradezu fördert. Dr. Oppenheimer dachte, als er die Kolonisation in Zypern ins Auge faßte, nicht ohne Grund, daß England den jüdischen Ansiedlern hier ebenso weitgehende Konzessionen in Bezug auf Autonomie erteilen würde, wie in einem anderen Kolomalgebiete. Und beide erblickten in der Besiedlung der Nachbarländer mit vollem Recht die Anbahnung unseres Hauptzweckes, der Gründung eines Gemeinwesens in Palästina. Ich möchte nun meine werten Herren Opponenten und alle diejenigen, die gleich ihnen über das jüdische Kolonisationswerk selbständig denken, zum Schluffe auffordern, die Möglichkeiten zu erwägen, welche sich der Fortführung der Ansiedlung in Palästina selbst eröffnen, anstatt entlegene und äußerst riskante Kolonisationsabenteuer zu suchen. Wirtschaftlich hat die Palästinakolonisatien die Probe bestände». Es gibt aber auch einen Weg, um sich in Palästina selbst — nicht nur in den Nachbarländern — vor der türkischen Feudalherrschaft zu schützen. Einen Weg, der für unS nicht unzugänglich ist, wie der des Charters: nämlich den der rechtlichen Sicherung. Ich hoffe zuversichtlich, daß wir uns eines Tages, in nicht allzu ferner Zukunft, auf diesem Wege mit meinen heutigen Opponenten zusammenfinden werden. Denn sie sind ja nscht nur Mitglieder der Ostafrika- Kommission, sondern auch die der Palästina-Kommission. Und nach Palästina gibt es keinen anderen Weg. * Ich ersuche alle diejenigen Blätter, welche die Ausführungen Prof. Marburgs und Dr. Oppenheimers veröffentlicht haben, auch diese Entgegnung reproduzieren zu wollen. i ■* Rede des Prof. G. Marburg im Vereine „Esra". Den lichtvollen Ausführungen des Vortragenden ist relativ wenig hinzufügen. Nur auf einen Punkt möchte ich Hinweisen, wo ich glaube, daß Herr Dr. N o s s i g doch etwas zu schwarz gesehen hat, indem er annimmt, daß die Zionisten sich schon für Ostafrika erklärt hätten, oder daß wenigstens die herrschende Strömung nach der Richtung hin schon vorhanden wäre. Das geht aus dem, was bisher geschehen ist, also ander Wahl der Kommission, die eine Erforschung de- Projektes anbahnen soll, nicht hervor; und wie die Stimmung der Zionisten als Gesamtpartzei ist, das läßt sich noch gar nicht übersehen. Es ist sogar, gerade wie Herr Dr. N o s s i g auch ausführte, nach den Beiträgen, die in der „Welt" verzeichnet werden, zu vermuten, daß die Mehrzahl der zionistischen Partei eher gegen ein solches Projekt, wie die Ansiedlung in Ostafrika sein wird. Aber wie dem auch sei, ich glaube, selbst wenn eine derartige Kolonisation zur Ausführung käme, sie würde nicht derartig vernichtend auf unsere Palästina-Bestrebungen wirken, wie Herr Dr. N o s s i g annimmt. Denn das können wir uns nicht verhehlen, daß trotz der fortschreitenden und aussichtsreichen Kolonisation in Palästina doch noch eine große Massenauswandernng dcr vielen Juden aus dem Osten nach anderen Ländern stattfinden muß; daß, auch wenn unser Verein zehnmal, hundertmal so groß wäre und so große Beiträge erhielte, als dies wirklich der Fall ist, dennoch Tansenve und Abertausende anderswo ihren Wohnsitz aufschlagen müssen, und da handelt es sich denn darum, irgendwo in der Welt Gegenden zu finden, wo diese sich niederlassen. Bis jetzt geht die große Mehrzahl nach Amerika, bis zu 100.000 Juden, also l"/g der ganzen Judenheit, ziehen jedes Jahr aus dem Osten dorthin. Wie lange das noch dauern wird, wißen wir nicht. Annähernd sind bereits eineinhalb Millionen in Amerika. Die Zahl steigert sich derartig, die Uebervölkerung an Juden ist in den großen Städten, speziell in New-Iork, so groß, daß sich die Befürchtung erhebt, daß dieses Auswanderungsland ihnen früher oder später verschlossen werden wird. Das ist ein Gesichtspunkt, der die Zionisten und Antizionistcn in gleichem Maße erregen muß, und in gleichem Sinne müssen wir alle danach streben, auch anderswo Einwandernngsgebiete zu erschließen. Argentinien ist tatsächlich in der letzten Zeit ein großes Auswanderungsland, ebenso Südafrika, in geringem Maße Australien. Aber je mehr Einwanderungsgebiete man findet, desto besser! Stellt sich also Ostafrika als geeignet heraus, so soll man nach dessen Besiedelung streben — ganz einerlei, ob man ein Ziousfreud ist oder nicht — wenn man es gut meint mit den östlichen Juden. Und wenn die Zionisten sie erstreben auf einer autonomen Grundlage, im Gegensatz zu anderen, die nur Wirtschafts- und Lebensmöglichkeit wollen, so ist bas eine Nuance, die uns hier nichts angeht. Wonach wir a l s „E s r a" - B e r e i u, ü b e rhaupt als Zionsfreunde zu trachten haben, das ist, daß neben allen diesen Bestrebungen, die der augenblicklichen Judennot abhelfen wollen, auch genügend Gelder reserviert werden, für die langsame und stetige Besiedelung Palästinas und neben Palästina selbstverständlich auch seiner Nachbarländer. Sehr in Betracht kommt das Mittelmeergebiet, dasjenige Gebiet, wo die Juden sich am besten entwickeln und entwickelt haben. Auch Pastor Naumann, der frühere Führerder Nationalsozialisten, hat bei Gelegenheit seines Besuches von Algier und Tunis erklärt: Wenn die Juden ein Land suchen, wo ihre Rasse gedeiht und gut gedeiht, dann sollen sie nach Nordofrika gehen. Dasselbe wie in Algier und Tunis, ist der Frll in den östlichen Teilen des Mittelmeerbeckens, in den türkischen Ländern, nur daß momentan durch die türkischen politischen Verhältnisse leider die Entwicklungsfähigkeit einigermaßen eingeengt ist: Also das ganze Mittelmeergebiet ist ein Besiedelungsland für die Juden. Freilich in Betracht kommen nur einige Länder und zwar aus verschiedenen Gründen. Der nördliche Teil ist ziemlich ausgeschlossen, weil er dicht besiedelt ist durch wirtschaftlich hoch stehende Völkerschaften, speziell die Italiener und im Osten die Griechen, die letzteren in Griechenland selbst wie in der Türkei. Was den Süden betrifft, so ist in Algier und Tunis relativ nur wenig Ackerbauland vorhanden, und das wird durch arabische eingeborene Stämme eingenommen, die daraus nicht vertrieben werden können und sollen. Das einzige Land, wo es sich um größere Kolonisation handeln könnte, wäre Marokko, das aber politisch noch nicht in dem Siadium ist, um eine Einwanderung dort ratsam erscheinen zu lassen. Gerade in Marokko werden augenblicklich die Juden auf das Aeußerste bedrückt. Wenn wir von allen diesen Ländern absehen müssen — auch von Aegypten, denn dieses wird von einer außerordentlich arbeitsamen, dichten Fellachenbevölkerung bewohnt — so bleibt als Einwanderungsland im Mittelmeergebiet hauptsächlich Vorderasi en, dieses herrliche Land, das, wie es im Altertum der Fall war, so auch in der Zukunft eines der ersten Kulturländer der Welt zu werden verspricht; das, durch türkische Mißwirtschaft entvölkert und devastiert, trotzdem den Keim zu einer weiteren künftigen Entwickelung in sich hat, wie man überall sieht, wo man ernstlich zu kolonisieren und zu arbeiten begonnen hat. ES ist erstaunlich, wie sich in Bezug hierauf die Anschauungen geändert haben. Bor wenig Jahren noch wurde man ausgelacht, wenn man sagte, Palästina ist ein schönes Land, ein Ackerbanland. Palästina sei ja so öde, halb Wüste. Man dachte nur an die Wüste Juda; man hatte sein Wissen von Leuten, die vielleicht die bekannte Exkursion von Jerusalem nach dem Toten Meer gemacht haben, und verallgemeinerte das. Jetzt haben die Deutschen, zuerst die Templer, und dann die Jude» gezeigt, was sich aus dem Lande «achen läßt. Die Juden haben sogar gezeigt, wie sich die herrlichen Ebenen langsam künstlich aufforsten lasse». Wälder von Encalypten fiud entstanden. Die Meereskante vo» Borderafien ist, wie auch früher, ein wirtschcftliches Vorzugsgebiet, aber nicht nur die Kante des Mittelmeeres, also Palästina und das alte Phönizien, sondern weiter auch der Nordrand Syriens bis zum Euphrat und Tigris. Das ber rühmte Mosopotamien ist jetzt auch nichts weiter als eine Wüste mit kleinen Oasen, kann aber gleichfalls viele Millionen ausnehmen. Nirgends in der Welt gibt es augenblicklich Ländereien, die so große innere Möglichkeiten besitzen zu einer Maffenkolonisatcon, zu einer wirtschaftlichen Ausbildung in landwirtschaftlicher und industrieller Beziehung, wo wir alle Verhältnisse schon können, nicht wie in Ostafrika sie erst langsam studieren müssen — wie in Vorderasien. Selbst die geringen Erfahrungen io Kleinasien zeigen, daß auch im alten Phrygien — gleichfalls ein devastieres Land, vor wenigen Jahren beinahe noch menschenlos, das nicht zu den Vorzugsgebieten gehört — daß auch da eine praktische Kolonisation, eine langsame Kolonisation möglich ist. Ich akzeptiere das Wort Klein-Kolonisation nicht; wir sollten nur von langsamerer und schnellerer Kolonisation sprechen. Die kleine kann sich in eine große Kolonisation verwandeln. Wie verhalten sich denn nun die Juden zum Ackerbau? Die Juden sollen viel zu lebhaft und unbeständig sein, um sich an diese langsame, andauernde und strapaziöse Beschäftigung zu gewöhnen. WaS die Strapazen betrifft, so glaube ich, sehr viele Berufe, die die Juden im Osten ergriffen haben — der Lastträger-Beruf ist auch nicht gerade ein Beruf, bei dem die Leute faullenzen können — erfordern harte Arbeit, und die Arbeit auf dem Lande ist bekanntlich gar nicht so schwer, namentlich wo daS Schwierigste durch Maschinen erleichtert resp. abgenommen wird. Aber auch, was die Ausdauer betrifft, so finden sich unter de» Juden sehr viele, die wohl die erforderliche Ausdauer haben. Das ist das Schwerste, daß jedes Jahr das Land nur einmal Ernte gibt; jedes Jahr rouliert das Geld also nur einmal und in einem schlechten Jahre keinmal. Das ist dasjenige, was am allerschwerste«, am deprimirendsten auf die Juden wirkt, aber wie die Erfahrung zeigt, der größere Teil der Juden, die sich entschlossen haben, zur Landwirtschaft überzugehen, gewöhnt sich auch daran. Ein kleinerer Teil freilich fällt ab, und diese Tatsache, daß ein nicht unbeträchtlicher Teil versagt, zwingt uns, in Bezug auf die Kolonisation recht versichtig zu sein. Einer der größten Fehler der bisherigen Kolonisation besteht darin, daß man Leuten, die sich entschlossen haben, als Ackerbauer sich anzufiedeln, sofort größeren Kredit gab. Der Entschluß macht noch nicht kreditfähig. Die Kolonisten müssen erst beweisen, daß sie cmsdauernd und im Stande sind, diesem Berufe treu zu bleiben. Ein auf dieser Erfahrung basierte Art von Kolonisation wird jetzt allgemein eingeführt; durch sie hat die Jca in der letzten Zeit ungeahnte Erfolge erzielt, und wenn auch von uns weiter kolonisiert werden wird, dann sind nicht Leute, die sich selbst ansiedeln, zu unterstützen, sondern man muß die Leute erst in einer Gutswirtsschaft arbeiten und hier sich bewähren lassen. Haben sie sich bewährt, dann verdienen sie Kredit. Auf diese Weise können wir mit viel kleineren Summen auskommen, weil nicht Leute in Frage kommen, die