Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 45 (6.11.1903)
- Date
- 1903-11-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 6. November 1903 Nr. 45 mshr englischen Lehreren und größeren Schulen, doch die Gesellschaft ist nicht in der Lage, allen Anforderungen zu entsprechen. Ein wahres Schamgefühl erfaßt den Redner, wenn er an die Schulen denkt, deren Erhaltung ausschließlich der Anglo-Jewish.Association obliegt. Obgleich zum Beispiel die Schule in Bombay im allgemeinen zufriedenstellend ist, ist der Direktor derselben dennoch gezwungen, nicht ganz entsprechende Lehrkräfte mit miserablen Salairs anzustellen. Ferner haben wir die Mädchenschule in Mo gad o r; sie arbeitet vorzüglich; aber was bedeutet eine Schule mit 120—200 Kindern bei einer Bevölkerung von 10.000? Endlich die ^Evelina-Schule" in Jerusalem. Im Jahre 1899 besuchten dieselbe 300, im Jahre 1893: 600 Kinder. Demgegenüber steht eine Bevölkerung von 40.000. Aber auch für diese 600 Kinder konnte nicht genügend vorgesorgt werden. Hunderte von Kindern müssen alljährlich abgewiesen werden, denn es gibt keine zweite Mädchenschule in Jerusalem. Die Kinder werden in Zimmer gepfercht, die nicht viel besser sind wie Keller. Er richtet einen Appell an alle, die Jerusalem, und hauptsächlich deren Mütter und Töchter retten wollen, dieser Schule ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden. Hierauf knüpft Redner an die Tätigkeit der ,Jca", deren Mitglied die Anglo-Jewish-Affociation ist, folgende Bemerkungen: Es herrschen verschiedene Ansichten darüber, ob die Mittel der „Jcu" mehr im Osten oder mehr im Westen verwendet werden sollen, auch wird der „Jca" vorgeworfen, daß sie überall etwas, aber nirgends ausreichendes mache. Redner ist der Ansicht, daß die Lage der Juden im Osten wie im Westen eine hilfsbedürftige sei und es wäre ein unverzeihlicher Fehler, wollte man sich ausschließlich auf Aufbesserung bloß des einen oder anderen Teiles verlegen. In Argentinien machen die Kolonien schöne Fortschritte, trotz der Schwierigkeiten, welche sich anfangs gezeigt haben und trotz der Mißgriffe, welche beim Auslesen des Kolonistenmaterials gemacht wurden. Manche Kolonisten haben Argentinien verlassen und andere sind an ihre Stelle gekommen; es wurde neues Land angekauft und Reformen administrativer Natur sind im Zuge. Argentinien ist sehr entwicklungsfähig; siebentausend unserer Brüder wurden aus dem Ghetto und dem ruffischen Ansiedlungsrayon, hier angesiedelt und leben auf ihrem Boden und von ihrem Boden im vollen Genüsse ihrer Freiheit. Aus Rumänien emigrierten im Jahre 1902 mit Hilfe der „Jca" 7800 Personen, diese wurden sorgfältig ausgelesen und jede Person hatte von vornherein ihren Bestimmungsort und ihren Beruf fixiert. Was unsere Schulen in Rumänien betrifft, sagt Redner, so ist es bekannt, daß die grausame rumänische Regierung der rationellen Erziehung der Juden die größten Schwierigkeiten in den Weg legt, um sie in Unwissenheit zu erhalten und sie dann wegen deren Folgen zu verurteilen und an den Pranger zu stellen. Was für Kolonisaüonsmaterial muß aber ein in tiefster Unwissenheit steckendes Volk liefern? Die Gesellschaftsschulen in Rumänien haben eben den Zweck, das Volk für eine rationelle und erfolgreiche Kolonisation oder eventuell für den Genuß der bürgerlichen Freiheit zuhause fähig zu machen. Die Berichte über Rumänien laute» wohl etwas hoffnungsvoller, doch Redner mahnt zur Vorsicht, denn es sei unmöglich, volles Vertrauen in die Zukunft zu setzen. Es steht zu b e f ü r ch t e », daß, w e n n die A u f m e r k s a m k e i t Europas von Rumänien lange genug abgelenkt sein und die Presse ihre Wachsamkeit aufgeben wird, dierumänischeRegierung wieder ihr Werk fortsetzen und ihre Juden in eine immer hoffnungslosere undverzweifeltere Lage tragen werde. Ich spreche hier nicht aus blinder Voreingenommenheit. Die Juden Rumäniens sowohl, wie die außerhalb stehenden, wären froh, wenn die Streitaxt begraben würde und die Vergangenheit vergesien wäre, aber da müssen sich viel positivere und verläßlichere Zeichen für das Beginnen einer neuen, befferen Aera zeigen. Dann werden die Juden Rumäniens nicht mehr an eine neue Heimat, sei es im Osten oder Westen, denken. Nachdem Redner der durch die „Jca" in Galizien errichteten Darlehenskassen und der diesbezüglichen Parlaments-Bill gedachte, welche „trotz der großen Anstrengungen von gewisser Seite, dieselbe zu hintertreiben", durchgedrungen ist, behandelte er das „russische Problem", über welches er ungefähr folgendes sagt: Man hat Kischenew und Homel dafür ins Treffen geführt, daß das russische Problem in Rußland selbst nicht gelöst werden könne. Ich und mit mir sehr viele sind trotz Kischenew, dessen Bedeutung wir nicht unterschätzen, der Ansicht, daß die Hoffnung nicht aufgegeben werden darf, die Frage innerhalb der Grenzen des Landes zu lösen. Während wir auf der einen Seite jedem auftouchenden Emigrationsplane — und sollte er auch nur wenigen zugute kommen, wie zum Beispiel das Ostafrika-Projekt — die nötige Beachtung schenken, so dürfen wir auf der anderen Seite nicht aufhöreu, alles aufzubieten, um die Lage der großen Maffe zu verbessern, welche — wenigstens noch für lange Zeit — gezwungen sein wird, Untertanen Rußlands zu bleiben. Dies muß aus drei Gründen geschehen: erstens, weil eine maffenhafte Emigration mehr Schaden als Nutzen anrichten müßte; zweitens, wenn wir auch annnehmen, daß in den nächsten fünfzig Jahren jeder Jude aus Rußland nach Palästina oder Amerika ausgewandert sein wird, dürfen wir diejenigen nicht vernachlässigen, die diese Zeit in Rußland verbringen müssen und drittens müssen wir dafür sorgen, daß für den Fall einer „Aenderung" der Verhältnisse in Rußland, die Juden vorbereitet seien. a Wir dürfen nicht vergessen, daß in Rußland, außer in Kischenew, noch andere jüdische,Gemeinschaften eben, unter anderen Verhältnissen, wie Aachenern, in allen Schattierungen, „vom Grau b'u ' zum tiefstem Schwarz". Diesen Gemeinschaften muß durch Verbesserungsarbeiten geholfen werden. Sehr interessant sind folgende Ausführungen Mister Montefiores, die gewiß viel Widerspruch Hervorrufen werden. Sollte aber 'die Lösung des russischen Problems, meint Redner, nicht in Rußland selbst oder nur zum Teile daselbst erfolgen können, so wird sich dieselbe, meiner Ansicht nach, nicht im Osten oder in einem Lande, welches, wenn es auch jemals von der türkischen Herrschaft befreit werden sollte, bloß zum Gegenstände europäischer I Eifersüchteleien werden müßte, sondern in der großen Republik jenseits des Atlantischen Meeres vollziehen. Hier ist trotz der gegenwärtigen erschreckenden UebersÜllung in New- Iork und der Schwierigkeiten, welche die massenhafte und hastige Einwanderung der letzten Jahre verursachte, OCMWeiMWM———M—Il I.. dennoch Grund auf Hoffnung für eine bessere Zukunft vorhanden. Die Zukunft des Judentums und der Juden liegt weniger in der alten als in der neuen Welt. Ich spreche nicht als egoistischer Engländer, der bestrebt ist, anderen eine Last aufzubürden, die er selbst zu tragen nicht gewillt ist, nein, ich hoffe, daß England auch in Zukunft eine Zufluchtstätte sein wird für diejenigen unserer Stammesbrüder, welche geeignet sind und es verdienen, innerhalb unserer Küsten ein Heim zu finden, aber die Vereinigten Staaten müssen die Hauptstätte bilden für unsere Brüder. Wir würden gewiß nicht wagen, einen solchen Ausspruch zu tun, wenn nicht die besten unserer amerikanischen Brüder dasselbe sagen würden. Sie haben keine Angst vor dem Anwachsen der jüdischen Bevölkerung und ihrem Lande, vorausgesetzt, daß das Anwachsen nicht zu rapid kommt und hauptsächlich, daß dafür 'gesorgt werde, daß die Einwanderer den Bedürfnissen entsprechend, im Innern des Landes angesiedelt werden. Nachdem sich Redner noch über die anderen Angelegenheiten der Gesellschaft ausgesprochen hatte, wurde Die Diskussion eröffnet, welche sich durch eine rege Beteiligung sehr lebhaft gestaltete. Hauptsächlich erfuhr der Bericht des Präsidenten durch den Chacham von London eine eingehende und scharfe Kritik. Zur Belebung der Palästina-Kolonisutions-Bewegung. Eine Entgegnung. Von Dr. Alfred Nossig. In der Versammlung der Palästinafreunde, welche auf Veranlassung des Zentralkomitees der „Es ra" am 19. Oktober in Berlin stattfand, ergriffen nach meinem Referat mehrere Redner das Wort. . Mit Rücksicht auf die allzu vorgerückte Stunde und die Ermüdung der Zuhörer, habe ich es damals unterlassen, gewisse leicht zu entkräftende Einwände zu widerlegen. Es erschien dies umso weniger nötig, als die Versammlung in ihren Sympathien für die von mir vorgeschlagenen Resolutionen nicht beeinflußt wurde und letztere zum Schluffe einstimmig votierte. Da jedoch die Presse die Ausführungen meiner Opponenten ausführlich wiedergegeben und sie einem breiteren Forum zugänglich gemacht hat, so sehe ich mich veranlaßt, aus meiner Reserve herauszutreten, um nicht in jenen weiteren Kreisen den Anschein zu erwecken, als ob ich das, was gegen gewisse Teile meiner Ausführungen vorgebracht wurde, stillschweigend anerkannt hätte. Zwei Redner und zwei Punkte sind es, mit denen ich mich hier kurz befassen möchte. Die Redner sind Herr Professor Dr. Otto Marburg und Herr Doktor Franz Oppenheimer. Die Punkte sind: Das ostafrikanische Projekt und die Frage der Rettungskolonisation überhaupl. Von beiden genannten Herren wurde mir vorgeworfen, daß ich fälschlicherweise die Idee einer Kolonisation in Ostafrika als eine vorn Zionismus bereits akzeptierte dargestellt hätte, während es sich vorläufig nur um einen näher zu prüfenden Plan handle. Aus meinem Referat, das demnächst im Druck erscheinen wird, wird sich das jüdische Publikum überzeugen, daß hier ein fMißverständrus vorliegt. Meine Herren Opponenten haben es übersehen, daß ich zwischen der Stellung der zionistischen Führer und derjenigen Verein Dokument, nicht nur eines der vollkommensten Werke deutscher Buchkunst, sondern auch das erste Blatt in der Geschichte der nationalen bewußten Kunst. Von den Versen des Freiherrn von Münchycnisen brauche ich hier nicht rühmend zu sprechen: man kennt ihn heute al den ersten und kräftigsten der rnodernen deutschen Balladendichier. Aber speziell in diesem Buche hat er eine eigene interessante Physiognomie gewonnen, er ist herbe und kraftvoll, in seinen Versen glühen die Bilder dunkel wie Rubine, überleuchtet vom suggestiven Pathos der Psalmen und Gesänge; die monumentale felsige Gewalt des alten Testamentes und den dunklen ekstatischen Rhythmus ihrer Lieder hat hier ein Fremder und Ferner gesunden. Nicht, daß Münchhausen jüdischem Empfinden verwandt geivorden sei — gerade seine bezeugte Reinheit der Rasse macht dies unmöglich — aber die Gedauklichkeit und die Sprachform des Buches der Bücher verjüngt sich in seinen tönenden Versen. Erst Lilien schafft den Ausgleich, indem er das Monumentale der alten Kunst — in der strengen Gestaltung der Konturen und der jähen Wirkung des Flächenkontrastes — mit dem Sentimentalen moderner Empfindung — in den heimatssehnsüchtigen Gedanken mancher Bilder — vermählt. Er paraphrasiert die Gedichte und hüllt sie in eine dekorative Einheit, die von den altvülkischen blau-weißen Heimatsfarbcn nmschlungeu, vou Dornen rimrankt und vom silbernen Zionssterne überlenchtet ist. Die alten Geräte und vergessenen Wahrzeichen, Symbole und Zeugen der stolzen Vergangenheit leben wieder auf in moderner Umbildung, das Nationale wirkt in ornamentaler Verwertung. Mit dieser Synthese gläubiger Bewahrung und schöpferischer Verjüngung hat sich Lilien eine bodenständige Eigenart geschaffen, die ihm niemand entreißen und die er nur selbst übertvinden oder übertreffen kann. Denn hier spricht nicht mehr Kunst, sondern schon .Kultur; diese Vereinung hat keinen momentaueu, sondern einen Euttoickluugswert, sie ist nichts Historisch- Abgeschlossenes, sondern ein Organisch-Schöpferisches. Das Brich „Inda" ist das erste Glied einer Reihe, deren Abschluß und endgiltige Größe noch unberechenbar in der Zukunft liegt. Das Buch ist eine Fülle, darum aber noch keine Erschöpfung für Lilien gewesen. Nur ein Anfang tvar es. Gelingen und Erfolg weisen ihn für die nächste Zeit ganz in nationales Milieu; für feine Zeitknltuc ist ec nicht mehr ein Willkommener, ftmbem ein Notwendiger und Unumgänglicher, vielleicht sogar der Notwendigste. Nach zwei Jahren widmet sich Lilien einem neuen großzügigen nationalen Werke, dem Ausschmuck der „L i e d e r d e s Ghetto" von Morris Rosenfel d.**) Wiederum ist es Freundschaft und innige Sympathie, welche ihn tiefer in die geheimnisvollen Schöpfungsschächte eindringen läßt, als es sonst den berufsmäßigen Buchschmückern gelingt, und diesmal ist die psychische Vereinung eine noch innigere. Wieder sind die Schaffenstage verschönt durch die Innigkeit verstehenden Zusammenwirkens, denn der Uebersetzer Verthold Feitvel steht Lilien durch gleiche Ueberzeugnng, der Dichter durch gleiches Schicksal nahe. Erst in diesem Buche ist die heimatliche Wahrheit ganz in ihm erstanden, weil der fremde Dichter ihm j sein eigenes Leben erzählt. Denn auch Rosenfeld tvar ein Verstoszener des Lebens, einer, der um seine meisterliche Kunst mühsam gerungen, ohne Helfer und ohne Lehrere, der, zermürbt und vernichtet von armseliger rastloser Schneiderarbeit in den berüchtigten Stveat-Shops von London und New-Uork ans dem tansendfachen Elend derer um ihn den mitleidigen Drang empfunden hat, den vielstimmigen Aufschrei in Verse zu bannen. Und diese Verse,' die feurig leuchten wie eine blutige Flainme allen menschlichen Elends, sind in niedriger öllichterhellter Stube, ans zerfetzten Bett j in Krankheit, Ermattung und bitterster >iot geschaffen. Tränen haben oft die Schrift verwischt, und fremde mitleidige Tränen braunj cn nieder auf manches dieser primitiven und eben darum so hin- reißenden Gedichte. Wie Lilien ist Rosenfeld selbst jüdischer Prolet.; Aber beide haben sie eine tvundersame heroische Liebe: die Kunst.' Beide eine breimende und gütige Empfindung: nicht Mitleid für sich, sondern für die andern im trostlosen erstickenden Dunkel, aus dem sie sich schon befreit. Und beiden leuchtet in stillster Seele das gleiche, Licht seliger Hoffnung: der messianische Heiinatstranm des verstoßenen Volkes. Ueber dem dunklen tvirren Erdengewühle, über \ der traurigen Einsamkeit des öden Landes und über dem Maschinenlärm der großen Städte, brennt ain stillen hohen Himmel die leuchtende Hoffmnig des Zionssternes. Und in diesem Verheißungst Zeichen finden sich ztvei treue zerarbeitete Kämpferhände Iveit über Länder und Meere. Der die Verse schrieb, sang des andern Leben 0 Verlag S. Calvary & Co., Berlin. und Sehnsucht und der die Bilder schuf, zeichnet nicht nur eigenes Schicksal, sondern auch das des fernen Bruders. Und diese tiefe E i' n h e i t, diese Blutsv e r w a n d t s ch a f t der S ch ö p f e r verleiht dem Rosenfeld-Bnche gegenüber „Juda" die Snperiorität im kulturellen Wtzrte. Es fehlt ihm das Sensationelle, das Primäre und Absonderliche der Balladen des reichöritterlichen Dichters, aber es ist keine sorgfältig harmonisierte Zweiheit mehr, sondern Dichtung und Schmuck sind wie zwei Dolden einer einzigen Blüte. Auch zeichnerisch scheint mit das Rosenfeld-Buch überlegen. Lilien der Lernende hat sich nicht nur technisch bereichert und differenziert, der Realist in ihm fand hier Gelegenheit, sich mehr der eigenen Wirklichkeit zu besinnen, er konnte alte Liebe nnb all sein unmittelbares Erleben zu diesen Versen tragen, ohne zu fürchten, ein Fremdes zu bringen. Er hat Gestatten, die ihm im Leben zunächst stehen, in den Zeichnungen verwertet, und niemand fühlte einen Kontrast; er hat Typen, die ihn auf Fahrten und Reisen gefesselt, physiognomisch ausgenützt, er hat Heimatserinnerungeii und Eigenschicksal in seine Blätter eingestreut, ohne des fernen Dichters Empfinden zu verwischen oder zu verfärben. Darum musste er mit diesem Buche erstarken. Denn nun tvar er dem Lebe» so ganz nahe, das seine einzige Schule tvar. Und ganz nahe auch seinem Volke, denn gleiches Blut hämmerte im Herzschlage dieses Dichters, gleiche Bangigkeit und gleiche Sehnsucht. Wie er tief in den dunklen Zanbersftiegel blickte, um des Fremden Züge zu enträtseln, fühlte er alle Aehnlichkeiten sich vertiefen und vermehren, bis die eigenen Linien es waren, die aus dem schmerzlichen Dämmern geheimnisboll eiitgegengrüssten. Und erst tvar diese Vereinung voll empfunden, versteht das tiefsinnige zeichnerische Gedicht des letzten Blattes, da eine dunkle Palme sich segnend über die drei stillen harrenden Gräber senkt .... In diesen Jahren nationaler Eiittvicklung ist Lilien nicht nur zeichnerisch, sondern auch schöpferisch bedeutsamer und tiefer geworden. Er tvar nie ein reiner Zeichner, ein Abzeichner mid Naturalist, der die absoltiten Werte der Welt in ätlßeren Forrneil und ihrer seelenlosen Hülle sucht, Lilien war stets ein Intellektueller, ein Sucher nach essentiellen geistigen Werten, nach einer künstlerischen Teleologie, die eine Ursächlichkeit in geheimen psychischen Kernen und ein Ziel in ihrer Entäußerung sieht. Er sucht die Lebens -