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Jüdisches Volksblatt · 1903-10-30 · 44 (30.10.1903) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
44 (30.10.1903)
Date
1903-10-30
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite Z Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 30. Oktober lüt 3 Nr. 44 gläubigen Soldaten das Kostgeld anszubezablen ist, wird j verscharrt und niemand ist da, der ihm die vorgeschrie-i zu ihm, so werden sie Erfüllung finden, denn unser nicht eingehalten nnb so muß der jüdische Soldat, wenn! denen Gebete am Grabe hält, der an Stelle der fernen Kaiser ist ein gerechter Herrscher und kann nicht dulden das Trauergebet spricht. Wie! daß treue Untertanen in seinem Heere zurückgesetzt und er nicht etwa ans das Essen ganz verzichtet, die ihm nicht > verwaisten Angehörigen erlaubte Kost genießen. Mit Rücksicht auf ihre nationale! oft mag es Vorkommen, daß das verlöschende Auge des als Bürger zweiter Klasse behalten werden. Sitte tragen die mohammedanischen Offiziere und Soldaten! Sterbenden angstvoll nach einem Glaubensbruder suchte, sämtlicher Truppengattungen einen Fez und auch für »der ihn; das Sterbegebet vorsage; wie oft mag ein Ausübung der religiösen Waschungen rc, ist Vorsorge gebraver, jüdischer Soldat mit dem schmerzhaft gestöhnten troffen, wie auch für feierliche Begehung der Freitage j „Schema Jissrool“ auf den Lippen, ohne daß sein und anderer religiöser Feiertage. Jüdischer; Soldaten ist'Wunsch um geistlichen Trost des Rabbiners erfüllt werden rer Gebrauch von Gebetriemen und Schaufäden untersagt konnte, in die andere Welt geschieden sein! X. Wien—Budapest. I. 8. Es ist noch nicht lange her, daß man von allen Seiten in allen möglichen Variationen zu hören bekam, daß der Schwer- Drei Jahre sind eine lange Zeit ur.d gar mancher,' Punkt der österreichisch-ungarischen Monarchie in — Budapest der zu Hause ein guter Jude war, verliert in der langen! liege. Der Ausländer mußte wirklich es glauben. In Zislei- Zeit seinen Glauben und jeden inneren Halt, wird-thanien ein schwerfälliger Organismus, ein Reichsrat, in zw. i den andersgläubigen Soldaten Gelegenheit zur Teilnahme wankelmütig am ganzen Judentum, von dessen GebotensDutzend Fraktionen und Fraktiönchen gespalten, daneben ein Sn« Mohammedanern und Gesetzen er die ganze Zeit nichts hörte und nichts! Dutzend Landtage, die am liebsten ihre Kompetenzen ans Kost II .. lia^r^ | fitf) und bringt nach seiner Rückkehr Zerrüttung und des Parlaments erweitern möchten; beide zeigten nur darin Milltär-Jmame j Zwietracht in seine religiöse Familie. So wie r Sto 111 b t f ö! . » _ . r.. . r*v i-_ oini < \ * c . «. und daß auf den Sabbat bei Dienst- und Wachebestimmung jüdischer Soldaten Rücksicht genommen wird, ist natürlich ausgeschlossen. Das Reglement bestimmt, daß überlassen und sieht leider sehr traurig aus. Ein Hauptfaktor in unserer jüdischen Soldatenmisere sind eben unsere jüdischen K u l t u s v o r st ä n d e und Rabbiner selbst. Zu den hohen Feiertagen am Gottesdienste gewährt wird; den Mohammedanern wird dies auch pünktlich gestattet, den Juden nicht. Die Mohammedaner besitzen zwei Militär-Jmame s Zwietracht in seine religiöse Familie. So wie es in den eine rührende Ucbereinstimmnng, daß die schwerwiegendsten J,11, Sarajevo und Wien, die jüdische s einzelnen Orten „Pflicl/t jeder Kultusgcmeindt und jedes > wirtschaftlichen und gesetzgeberischen Reformen gewöhnlich knrzer- Militärsorge im Frieden ist den jüdischen Ortsgeistlichen Rabbiners ist, für die religiösen Bedürfnisse der jüdischen Hand und nebenbei erledigt wurden — notabene, wenn nicht Soldaten zu sorgen, so ist, für diese entfernteren; gerade obstruiert wurde — während über die nichtigste Brüder zu sorgen, Aufgabe der gesamtstaatlichen Juden- Sprachenstreitigkeit wochenlcmge Debatten gepflogen wurden; daheit. Es müssen zwei oder drei Rabbiner dafür an-Uneben die öffentliche Meinung durch die leidenschaftliche Diskussion gestellt sein, daß sie periodischen Gottesdienst und die! dcrJuden« undArbciterfrage verwirrt. Dagegen in Transleithanien wird alljährlich eine Zirkularverordnung erlassen,! rituellen Funktionen für die jüdischen Soldaten au jenen'ein einheitliches Parlament, nach offiziösen Quellen mit Abgeorddaß die jüdischen Soldaten nach Tunlichkeit vom DiensteOrten ausüben, wo es eine jüdische Gemeinde gibt. An ' neten beschickt, die nur in politischer Hinsicht sich unterschieden, dabesreit werden. Wie strikte dies gehalten wird, ist daraus j dem hohen Feste muß aber der feierliche Goltrsrdenlt gegen in nationaler alle der ungarischen Nation angehörten. Und ersichtlich, daß die Reserveoffiziersprüsnnoen zumeist am' überall stattfinden, wo es in größerer Anzahl jüdische Neujahrs- und Versöhmingsrage abgehalten werden. Es Soldaten gibt und der nötige Vorbeier wird sich in den ist eben niemand da, der sich darum kümmert, ob den meisten Fällen unter den Soldaten selbst finden. Die jüdischen Soldaten Gelegenheit zur Ausübung der relipaar tausend Kronen aufzubringen, kann doch der ganzen aiösen Pflichten gcbotev wird. In den wenigsten Geösterreichisch-ungarischen Judenschaft keine Schw'erigkeiL meinden wird dafür gesorgt, daß für die jüdischen i bilden und schließlich können rvir zwei Millionen Juden Soldaten ein eigener Gottesdienst abgehalten wird, oder ivon der Kriegsverwaltung mindestens das verlangen, daß ihnen beim regelmäßigen Gottesdienste eigene Plätze Avas die halbe Million Mohammedaner in militärgeistlicher angewiesen werden. Diese Anweisung von Sitzplätzen Beziehung erhält. Mindestens eine Zentralbehörde muß müßte in jeder Gemeinde, in der es eine Garnison gibt, das Kriegsininisterium bereits im Frieden für die jüdischan jedem einzelnen Soldaten und Offiziere, der daruni militärischen Bedürfnisse schassen, die die Arbeit der ansucht, geschehen, denn auch letzterer kann sich für die Ortsrabbiner und eventueller Privatvereine regelt, damit paar Tage, die er vielleicht zufälligerweise im Orte ist,'endlich die jetzige Misere aufhört, nicht einen eigenen Tempelsitz mieten. So arm sind un-> Es ist jetzt die Zeit der militärischen Forderungen sere größeren jüdischen Gemeinden nicht, daß sie diese u„d der günstigste Moment, daß auch wir Juden, 'die Ausgaben für ihre Brüder m, Waffenrocke nicht leisten am meisten zu fordern baden, unsere Stimme erkönmen. Wetters wäre es Pflicht jeder Gemeinde, daß beben. Für die Befriedigung der religiösen Ansprüche die jüdischen Soldaten mindestens an^ den Pessachtagen können wir eventuell selbst sorgen, aber unsere Absperrung und am Vor- und Nachabevde des Jomkippur religiös von der militärischen Laufbahn muß anshöreu. Wir sind zuberertete Kost erhalten, und nicht eist, wie es jetzt übebenso treue und loyale Untertanen wie die andersgläu- Ilch ist, auf die eventuellen Einladungen der einzelnen ßigen Mitbürger und wenn uns das Vaterland ruft, so! werden wir in den ersten Reihen seiner Verteidiger zu Wilhelm als Gast Kaiser Franz Josefs einen Toast Soltreffen sein. Die feindliche Kugel kennt auch keinen.auf die „ritterliche Nation der Magyaren" ausbrachte, mibe jüdischen Familienväter angewiesen sind! Am ärgsten steht es mit den j ü d i s ch e n noch dazu nannte sich die ungarische RegicruilgSmajorität liberal. Grund genug, daß die „freisinnige" Prisse. die für das Auelaud noch immer maßgebend ist, das Lob Ungarns in cAru Tonarten sang und sich mit allen ihren Idealen über die Leitha fluchtete. Die holden Körper unserer ZeitrmgSrnachcr weilten bei uns, ihre Geister weilten aber in dem aufstrebe-wen Budapest, allwo Jonrnnlistcn noch eine Rolle spielten, die sie in Wien längst ansgespiett hatten. Geradeso wie einst ein Mitglied des in den Annalen der „Neuen Freien Presse" ewig fortlebenoen Bürgerministeriums mit Emphase verkündet hatte, daß die soziale Frage bei Bodenbach aushöre, erklärten die nngsrischen Politiker, pbnn der es hören wollte, daß es auf dem ungarischen GlobuS keine soziale, keine Nationalitäten- und keine I n d e n fr a g e gebe. Es kamen zwar hie und da Sensationsprozesse ü. tu T i s z a-E s z l a r, Verurteilungen von slowakischen oder rumänischen Vater landefeinden vor, das störte aber die Wiener Presse nicht im min-- besten: wenn sie den Namen Ungarns hmte, wurde ihr stets ihr angeblich deutsches Wams zu enge. Deri Höhepunkt erreichte jener Kult, der mit dem Magyarismns getrieben wwde wohl in jenem Bankett in der Ofner Königsburg, bei dem Kaiser baten im Okkupationsgebiete und in Dal matten, und hier bedarf es bringenb einer Abhilfe! Viele Hunderte jüdischer Kinder aus jü disch-religiösen Häusern sind durch drei Unterschied und jüdisches Blut wird ebenso auf dem 'kümmert um die Klagen über die Verfolgungen deutscher Jour- Schlachtfelde vergossen wie-katholisches oder griechischi nalisten, die an sein Ohr schlugen. nichtuniertes. Leisten wir also die gleichen Pflichten so j Es gehörte eine starke Unabhängigkeit des Urteils dazu. i Jahre ganz von gebühren uns in einem Rechtsstaate auch die gleichen!um schon damals die hypokcatischen Züge im Angesichte Ungarns ihrem Glauben losgelöst. In Trebinje, Rogatico, Bilek, Rechte. Sämtliche Juden der gesamten Monarchie, ohneszn entdecken. Die Suche nach den tieferen Gründen des Ver- Cattaro, Castelnuovo und all diesen zahlreichen' Orter! Unterschied der Sprache und der politischen Parteistellung,! falls der dentschlibsralen Herrschaft in Oesterreich führte uns müssen laut und eindringlich verlangen, doß dem Juden, von selbst darauf, den analogen Erscheinungen in Ungarn nach' nach seinen Fähigkeiten die militärische Laufbahn offen; zuspüren und es zeigte sich bald, daß der deutsche und der stehe und wir dortselbst nicht Parias sind. Töricht ist es I magyarische Liberalismus zur Zeit ihrer Blüte eine verblüffende seitens der Juden, sich für andere nationale Militäri Aehnlichkeit aufweisen. So mußte auch der magyarische Lrderarn Rußland bei den einzelnen Regimentern an jüdischen reformen einzusetzen, solange uns beim Heere die Existenz-; lismus dieselbe Entwicklung nehmen wieder deutsch-österreichische. Feiertagen mit eigenen „Regiments-Thor an" Gottesdienst berechtigung verweigert wird. j Diesem Gedanken geben wir seit Jahren Ausdruck, ungehalten wird, ist bei unseren Truppen davon keine Rede« Der Herr und oberste Befehlshaber der gesamten! beirrt durch den Taumel der Begeisterung, in dem die frei- und stirbt so ein braver jüdischer Soldat in der weiten Kriegsmacht und des Heeres im Frieden ist Se. Majestät.! sinnige Presse schwamm. Und heute treffen Punkt für Punkt Fremle, so wird er sang- und klanglos in einem Winkel Gelangen die jüdischen Wünsche nach Gleichberechtigung! unsere Voraussage ein. Die soziale Frage machte, wiesio seinerzeit und Forts gehen unsere Feste und Feieitoge spurlos vorüber und keine Unterbrechung im schweren Wachdienste weist dem jüdischen Soldaten, daß seine Brüder in der ganzen Welt das Versöhnniigsfest feiern. Während selbst Bahn weggenommen hätte; die Bahn kann es entbehren, ich nicht." Ich möchte ihn aber doch einmal sehen, seufzte sie, und ich sollte auch endlich das Grab meiner Mutter besuchen. Im Herbst fahre ich hinunter. So geschah es. Und da Leo noch keine Schule besuchte und die Großeltern sehen wollte, nahm sie ihn mit. — — — —-— — — — Der Pfiff der Maschine riß sie aus den Träumen und weckte Leo. Ec rieb sich die Angen und fragte: „Schon, Mama?" „Nein? Und nur schien es, daß wir schon am Ziele wären, da ich früher Stimmen hörte, wie ans der Ferne, ans einem Hause grüßen. Nicht wahr, Mama, sie kommen uns entgegen, der Großvater und die Großmutter? Sieht der Großvater wirklich wie ein Jude aus, mit einem weißen langen Bart und kann nicht deutsch? Karl hat mirs vor der Abreise gesagt. Aber ich will ihn lieb haben, denn er ist ja dein Vater, schade, daß der Vater vom Papa nicht mehr lebt, ich hätte dann zwei Großpapas. Weißt, daß ich mich auf die Großmutter nicht so freue, denn in den Märchen spricht man ilicht immer Gutes über sie. Wir werden schließlich sehen. Komisch wird daß aber sein, wie du. eine so crwachsene Frau, wie ein Kind deinen Vater küssen und weinen wirst. Warum hat es mir so geträumt, Mama? Du hast so merkwürdig geweint — aus Freude, Mama. Freust du dich wirklich so sehr?" Auf alles hatte sie eine Antwort bereit. Als sie jedoch nebeneinander im Wagen saßen, der sie vom Bahnhof zum Städtchen trug, schwieg sie wie die Erde. — Die falben Blätter fielen hier und da zu Boden und verbreiteten einen seltsamen Duft und ein tiefes geheimnisvolles Geräusch von dem großen, langsamen Sterben des Lebens. Auf einem Felde gruben Bäuerinnen Erdäpfel und sangen ein fröhliches Lied. Nein! Das Leben wird nicht aussterben! schien es zu auchzen. Und über die Straße bewegte sich bedächtig eine Riesenfuhre mit Heu beladen. Von oben lachte ein Bauernr \t herunter und knallte mit der Peitsche, als wäre er l ein ans der Welt. „Mama, wie glücklich müssen diese Leute sein!" rief Leo. „Führt auch der Großvater Heu ein und gräbt auch die Großmutter Erdäpfel? ..." Das Herz schlug ihr gewaltig, als sie aus der Ferne das Vaterhaus erkannte, denn es schien ihr, daß der Vater auf der Schwelle säße und mit der Hand grüßte, der Vater selbst, wie er zur Zeit, da Mutter noch lebte, gewesen, und wie er vielleicht auch späterhin im Herzen verblieben war. . . . Und eine große Liebe zog in ihr Herz und ein großes Verzeihen. Ein schwacher Mensch, aber gut ist er, dachte sie gerührt und beschenkte schon mit ihrer Zärtlichkeit seine ganze Umgebung, sein Weib, seine Kinder. Der Wagen hielt bald vor dem Hanse, aber niemand saß auf der Schwelle, niemand kam ihnen entgegen. Verwundert, beunruhigt eilte sie mit Leo in das Wohnhaus. — In der Stube lauter fremde Gesichter. „Wo ist der Vater?" rief sie. „Was wünschen Sie?" fragte man. „Ec ist gewiß krank," schrie sie erregt. Wer denn? Mein Vater! Wer sind Sie denn? Ha! Vielleicht Frau Berta? Aber die Familie wohnt schon nicht mehr hier. Wie wir scheu, wissen Sie nichts davon. Wir werden Ihnen die neue Wohnung zeigen. Schon ein Jahr, daß die Familie übergesiedelt ist, nicht lange nach dem Tode — — — Sobald Frau Berta zu sich kam, begab sie sich in die neue Wohnung. Leo suchte hier vergebens nach der Großmutter. Eine noch gar nicht graue Frau mit schiefen, scharfen Augen stand inmitten des armseligen Zimnreis, ein kleines halbnacktes Kind hielt sich ängstlich an ihre Schürze, während Mutter, statt zu grüßen, mit zvrnerstickter Stimme rief: Wie durftet ihr mir den Tod meines Vaters verheimlichen?! Ein srwachsencs Mädchen entfernte sich weinend in den Alkoven. Und die noch gar nicht graue unfcheinliche Großmutter erwiderte: Wir wollten dich nicht betrüben. — Nicht wahr! schrie die Mutter, daß Leo erzitterte, euch ists um etwas anderes zu tun gewesen. Du, die meine Schwestern ins Grab getrieben und mich gehaßt, hattest auf einmal Mitleid mit «ir! Du fürchtetest das Geld zu verlieren. Und ich schickte, sch'ckte Fremden, Feirrhen. Meinen Kindern nahm ich's weg, um euch zu füttern. Und ihr belogt und betrogt mich nnt falschen Briefe« und ich trug keine Trauer, noch saß ich Schiwe; unterhielt mich vielleicht und sündigte, indes mein Vater im Sterben lag. Wie durftet ihr mir das verheimlichen? Mehr will ich euch nicht kennen. Komm, Leo!-—-— Am Grab des Vaters und der Mutter beruhigte sie sich allmählich und wurde milder gestimmt. Tränen des Schmerzes und der Neue schwemmten fort allen Zorn und allen Haß. Die Toten liegen so friedlich beieinander und mahnen gleichsam: Brrsöhnt euch Menschen im Leben schon, denn wie gering und nichtig ist all euer Grollen. Sie preßte die heiße Stirne an einen kalten Stein der aus dem wuchernden Grase steif und leblos ragte, und fühlte, wie es sie kalt dnrchschauerte. Sie war allein. Leo hatte sie bei ihren Verwarrdten gelassen. Es tat ihr nun leid, daß sie vor ihm die Großmutter beleidigt hatte. Das arme Kind, dachte sie jetzt, hat nun weder Großvater noch Großmutter. Es hatte sich vergebens gefreut. Niemand saß auf der Schwelle des Hauses'. Niemand kam ihnen grüßend entgegen. Auch sie hatte sich vergebens gefreut. Jetzt wollte sie nur gerne wissen, welchen Tod der Vater gehabt und ob er ihrer auch nur einen Augenblick gedacht hatte. Plötzlich durchschanerte es sie noch einmal. Ern Bett sieht sie, darauf den blassen Vater — und die ihn umstehen, weinen herzzerreißend . . . Und in ihr schreit es: Wenn du mich jetzt siehst, Vater, wie kannst du mir da gut sei«, wo ich dein Blut beleidigt und mit Haß verletzt habe? Die um dich bis au dein Ende waren und geweint hatten — sie Hab ich verlassen. Deine Kinder — wollte ich dem Hunger und der Not preisgeben, und die Frau, die dich gepflegt halte, dem Elend überlassen! Wie schwach und hilflos starrte das kleine Würmchen, das an ihrer Schürze hing! Nein! Vater, ich werde sie nicht verlassen. Die Not allein hat sie zur Lüge gezwungen. Wer würde nicht verzeihen? Wie sie sich erhob, hatte sie außer drn Tränen einen Schimmer von seltsamer Schönheit in ihren Augen. —i-

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