Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 43 (23.10.1903)
- Date
- 1903-10-23
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43 Wion, Freitag Jüdisches Volksbloh 5 23. Oktober - 903 Eine wichtige Entscheidung in HeimatsrechtSangelegenheiteu. Das Ministerium des Innern hat dieser Tage den unterstehenden Behörden eine vor kurzem erstvssene Entscheidung des Verwaltniigsgerichtshofes zur Darnachachtung bckanntgegeben, in welcher die von manchen Geni-.'indeu geübte Praxis, eine Armenversorgung der Eltern zugleich auch als Armenversorgung der Kinder anzusehen und demnach den letzteren das Heimatsrccht zu verweigern, als eine ganz ungesetzliche bezeichnet wird. Im vorliegenden Falle hatte ezne niederösterreichische Gemeinde zwei Heimatsrechlsbewerber abgewiesen, weil die Mutter des ersteren seit dem Jahre 1898 in Armenversorgung stehe und der Vater des zweiten Gesuchstellers seit 1890 in Armenversorgung seiner Heimatsgemeinde gestanden sei. Infolge Beschwerde der beiden Bewerber hat dia nieder-österreichische Statthaltern diese Beschlüsse aufgehoben und erkannt, daß die Beschwerdeführer den Anspruch auf die Aufnahme in den Heimatsverband ersessen haben. Dis hiergegen von der Gemeinde eingebrachten Rekln se wurden vom Ministerium des Innern abgewiesen. Der Veuvaltungsgerichtshof hat die Beschwerde der Stadtgemeinde ebenfalls als unbegründet abgewiesen und in der Begründung hervvrgehoben: Die Erwerbung des Heimatsrechtes ans Seite des Baters oder der Mutter einerseits, des großjährigen Sohnes oder der großjährigen Tochter andererseits erfolgt vollkonrmen selbständig auf Grund eigenen Rechtes der betreffenden Personen. Ebenso ist auch der Armenunterstützungsanspruch des Vaters oder der Mutter nach den Armengesetzen ein vollkommen selbständiger und von dem Unterstützungsanspruche des Sohnes und der Tochter ganz unabhägig. Es kann demnach, wenn der Vater oder die Mutter eines Heimatswerbers unterstützt worden sind, nicht davon die Rede sein, daß der Heimatswerber selbst unterstützt worden sei. Es kann also nicht davon die Rede sein, daß in einem solchen Falle der Bewerber um das Heimatsrecht der Armenversorgung anheimgefallen sei. Wien. (Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter II., Stephanie st raße 8Z (P r i v a t l o k a l). Sonntag, den 25. Oktober o. I., Vortrag von Herrn Dr. Josef Meist. Theina: Karl Marx und die Judenfrage. Beginn 7 Uhr abends. Gäste willkommen. Wien. /Lese- und N e d e h a l l e jüdischer Hochschüler.) Das Ergebnis der Neuwahlen für den Ausschuß der am 17. Oktober 1903 stattgehabten XIX. ordentlichen Plenarversammlung war folgendes : Präses: well. Isidor Ro sn er, 1. Vizepräses: me<1. Julius Schmid, 2. Vizepräses: ehern. Max Reich, 1. Schriftführer: jur. Leo Ziffer, 2. Schriftführer: jur. Heinrich Wollak, 1. Kassier: jur. Mathäus Brillant), 2. Kassier: ehern. Adolf Kürti, Zoitungsverweser: für. Jakob Z e l l, Hausverweser: med. Leo Himmel, Bibliothekar: jur. Abraham Harth. Mitteilungen des innerösterreichischen Diftriktskomitees. Die am 18. Oktober 1903 stattgefundene Distriktsversammlung hat beschlossen, die diesjährige Makkabäerfeier am 13. (Samstag) Dezember 1903 im Sofiensaale abzuhalten. Die Vereine und Vertrauensmänner werden höflichst ersucht, an diesem Abende keine Festlichkeiten zu veranstalten. Die DereinsleiLnng des jüdisch-nationalen Arbeitervereines gibt bekannt, daß von Sonntag den 25. Oktober 1903 der Unterricht in Tanz- und Anftandslehre jeden Sonn- und Feiertag von l/,/d—9 im neuen Privatlokal, XIV., Kauerhos, 10. Stiege, Hochparterre, zwischen Ullinannstraße 31 und Diefenbachgasse 12, stattfindet. Alle weiter'n Auskünfte dortselbst. Die Mitglieder werden ersucht, vollzählig zu erscheinen. Wien. Am Samstag feierte Herr Med.-Dr. R o s e n t h a l die Bar-Mizwah seines Sohnes Otto im Brigittenauer Tempel. Aus diesem Anlässe waren die Vorstandskollegen vollzählig erschienen und Rabbiner Dr. Fink hielt an den Konfirmanden eine erhebende, gedenkreiche Ansprache. Die Rezitation der Hastorah machte vorzüglichen Eindruck. — ii. Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter „Leopoldftadt" <11., Stephaniestraße 8). Sonntag, den 25. Oktober 1903, abends präzise 7 Uhr Vortrag des Herin Josef Meisel, über „Karl Marx und d i e I u d e n s r a g e". Gäste willkommen. Der Verein beginnt anfangs November seine Kurse int Turnen, Hebräisch, Französisch und Deutsch, Stenographie und Nationalökonomie. Anmeldungen zur Liedertafel nimmt der Obmann entgegen. Zu den Wahlen für die Aerztekammer. Der antisemitische Ausschuß für die Aerztekammerwahlen hat seine Kandidatenliste fertiggestellt und als Kandidaten folgende Herren nominiert: Dr. Heinrich Adler. Vorftandsmitglied und Schriftführer der Wiener Aerztekammer. Dr. Adolf Gruß, Vorstandsmitglied der Wiener Aerztekammer. Dr. Josef Heim. Präsident der Wiener Aerztekammer. Dr. Karl I a ri s ch. Vorstandsmitglied der Wiener Aerztekammer. Dr. Josef Scholz, Vorstandsmitglied der Wiener Aerztekammer. Dr. Max S1 r a n s k y, Vorstandsmitglied der Wiener Aerztekammer. Dr. Wilhelm Svetlin, Vizepräsident der Wiener Aerztekammer. Dr. Alexius U h l i k, Vorstandsmitglied der Wiener Aerztekammer. Dr. HanS Ritter v. Woerz, Vorstandsmitglied der Wiener Aerztekammer. Zar Darnachrichtung für jüdische Patienten. Liga für das allgemeine Wahlrecht. In Prag hat sich eine „Liga für allgemeines direktes Wahlrecht^ gebildet. An der Spitze derselben steht Prof. Doktor Makary k. In einem Aufrufe wendet sich dieselbe an die böhmische Intelligenz, dieselbe zum Kampfe für eine gute Sache aufforderlld. In dem Aufrufe heißt es unter anderem, daß gerade j tzt, wo die entscheidenden Faktoten in eine Sackgasse geraten seien, der Kampf ausgenommen werden müsst. Es handle sich darum, daß der staatliche Organismus atmen könne. Seine Atenibeschwerde» seien durch die gegenwärtigen Wahlordnungen entstanden. Die Hirrschast im Staate haben einige privilegierte Individuen iit Händen, die national indifferent, ungebildet, aristokratisch aufgeblasen seien. Diese Nachkommen der internationalen Söldner herrschen bei uns. Nur das allgemeine direkte Wahlrecht könne diesem Zustande ein Ende machen, die nationale Frage würde im Handumdrehen gclöst werden, wobei nationale Minoritäten geschützt werden müßten. Sofort würde die Apathie zu öffentlichen Arbeiten aufhören rrad sozialen Reformen die Türe geöffnet werden. Unterschrieben ist der Aufruf auch vom Maler Alles, von den Schriftstellern Arbes, Dr. Laichber, Bo/ena, Bitkovü- Klnioticka, von den Abgeordneten Dr. Fort, Mastalka, Dr. StranSky und den Juden Dr. Lederer und Dr. Scharf. Wir werden objektiv die Tätigkeit der Liga verfolgen, da auch wir vom direkten Wahlrechte eine gesunde frische Luft in unseren G e m e i n d e si u b e n erwarten, und von den Männern, die an der Spitze der Liga stehen, eine Unterstützung unserer ans Reformen in unseren Gemeinden abzielenden Bestrebungen erhoffen können. Damit haben wir uns schon längst vertraut gemacht, daß unsere Gemeindegrößen nur das thun werden, was sie werden kraft des Zwanges allgemeiner Verhältnisse thun müssen. Judeumoral. In der alldeutschen Presse Böhmens und Mährens erscheinen in angemessenen Zwischenräumen Artikel, die sich höchstens durch ihre Gemeinheit, aber nicht einmal durch ihre Originalität auszeichnen. Sie werden nämlich von einer gemeinsamen Lügenfabrik ausgegeben, die die Aufgabe hat, in der alldeutsche Provmzpresse, wenn ihr der Witz ausgeht, diesen Witz durch Perfidie zu ersetzen. So erschien im „Gablonzer Tagblatt" ein von Gemeinheit triefender Artikel „Judenmoral" betitelt, der auch in die mit dem „Gablonzer Tagblatt" durch Gesinnungslosigkeit verbundene Provmzpresse überging. Das ist die eine Seite der Sache. Die andere Seite der Sache beleuchtetem „Eingesendet" in der liberalen „Gablonzer Zeitung". Löbliche Redaktion! Wenn das hiesige Antisemitenblatt wirklich selbst glaubt, daß alle Juden eine besondere „Judeumoral" befolgen, d. h. Verbrecher sind, und daß jeder Christ in Gablonz im geschäftlichen Verkehr sich davon überzeugen kann, so ist es doch unbegreiflich, daß das „Tagblatt" selbst in so regem Geschäftsverkehrs mit Juden steht und vor» ihnen Inserate sogar erbittet. Das „Tagblatt", das die Judenfrage als Raffensrage behandelt, müßte charaktervoll selbst den Verkehr mit getauften Juden meiden. Noch auffallender muß es erscheinen, daß Juden, obwohl sie vom genannten „Tagblatt" als Verbrecher hingestellt werden, geschäftlichen Verkehr mit demselben pflegen. . Da die Juden zu einer anerkannten Religionsgesellschaft in Oesterreich zählen, ist es endlich auffallend und unbegreiflich, daß sie derartigen Beschuldigungen gegenüber staatlich schutzlos sind, obgleich die schrecklichen Folgen der antisemitischen Hetze doch bekannt sind. A. A. Wir haben dem nichts hinzuzusügen. Ende Oktober findet in Lemberg eine Landeskonferenz der galizischen Zionisten statt, deren interessante Tagesordnung schon jetzt großes Interesse erregt. Unter anderem dürfte auch die Frage der Stellungnahme der Zionisten zum jüdischen Gemeindeleben in Galizien eingehend besprochen werden. Das Blntmärchen. Am 26. September wurde vor dem Bezirksgerichte Neu-Sandec die Bäuerin Konstancza M o u w k a aus Zaoada zu einer Arreststrafe in der Dauer eines Monates verurteilt, weil sie den jüdischen Einwohner von Zavada Aba Liebermann beschuldigt hatte, daß er zu rituellen Zwecken Christenblut gebrauche. — Die in Chyrow bei Sambor beim dortigen Rabbiner bedieustete Magd verweigerte an einem Sonntag plötzlich den Gehorsam mit der Motivierung, man habe ihr nachts während des Schlafes Blut von den Händen abgezapst und sie zeigte wirklich Blutspuren an den Händen. Vergebens bemühte man sich, sie von ihren Angaben abzubringen. Der Rabbiner ließ daher zwei Aerzte, einen christlichen und einen jüdischen und den Gendarmeriewachtmeister holen. Auch ihnen gegenüber hielt das Mädchen an seiner Behauptung fest, für welche jedoch die eingeleitete Untersuchung nicht den geringsten Anhaltspunkt ergab. Schließlich gestand die Magd, daß sie sich die Ritze absichtlich selbst beigebracht habe und das Blut davon herrühre, daß dem jüdischen Mädchen, welches ebenfalls beim Rabbiner bedienstet ist, während der Nacht Blut von der Nase floß, mit dem die christliche Magd ihre Hände gefärbt habe. Dieselbe wurde sofort dem Gerichte in Sambor eingeliefert, wo sie sich wegen Verleumdung zu verantworten haben wird. Dieser Vorfall konnte leicht zu verhängnisvollen Ausschreitungen g' gen die Juden führen, da der Bischof aus Przemysl gerade zur Entweihung einer Kirche in Chyrow anwesend war und infolge dessen eine große Anzahl Bauern der Umgegend sich dort einfand. Unter der Menge wurde tatsächlich bereits eine Aufregung bemerkbar und es ist nur der Einsicht und der Geistesgegenwart des Rabbiners zu vetdanken. daß es nicht zu ernsten Krawallen gegen die Juden kam. Der Verein jüdischer Hvchschiiler „Bar-Kochba" in Prag (im V. Z. St. K. Oe.) hielt am I I. Oktober 1903 seine Generalversammlung ab. Der Bericht über das XXl. (Sommer)-Semester konstatierte ein sehr reges Vereinsleben. Das Schwergewicht lag in den wöchentlichen Vereinsabenden, in denen, abgesehen non einer monatlichen Zeitungsschnu und kleineren Berichten Referate über aktuelle Themata der zionistischen Bewegung erstattet wurden Größere Veranstaltungen waren das glänzend verlaufene Stiftungsfest (Festvortrag Otto Abel es „Jüdische Kunst"), eine mit den übrigen Prager Zionsvereinen gemeinsam veranstaltete Volksversammlung, in welcher Bb. jur. D. Teller über Kischenew in böhmischer Sprache referierte. Sehr rege war diesmal auch die Agitation in der Provinz. Es sprachen Bb. in Pisek, Pilsen, Karlsbad, Leitomischl, Raudnitz. Für die jndaistische Ausbildung der Mitglieder sorgte eine reiche Bibliothek <1500 Bände) und 2 hebräische Kurse (Berlitz-Methode.) Es besteht im Vereine eine immerhin noch kleine hebräische Gruppe. Die Nationalfondssammlung machte sehr gute Fortschritte, so das; der Verein bereits ins Goldene Buch eingetragen ist, und derzeit mit den anderen Mitgliedern des V. Z. St. 5k Oe. für die Eintragung dieses Verbandes sammelt. Der Bericht gedachte zum Schluß der Einberufung des ersten österreichischen Studententaaes und der Gründung des österreichischen Studenlenverbandcs. Dre Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: Obmann: ptnl. Hugo Bergmann, Obmann - Stellvertreter: MUC Alfred Capek, Schriftführer: ehern. O p l a t k a, 3 v(.'. W e r t h e i in e r, Bibliothekar: JUC. Hugo L ö w, Zeitungsverweser: taebn. Arnold Herzog. Für das neue Winter-Semester sind bereits 20 neue Mitglieder angemeldet. Zborüw. (Galizien.) Am 11. d. M. fand hier das Leichenvegängnis der seligen Frau Dr. Philipine Bendel, geborene Nagler, die Gattin des vielbekannten Arztes Herrn Dr. S. Bendel, Bahnarzr zu Zloezow und eine Schwester des hiesigen allgemein beliebten unb geschätzten Landes- und Gerichts- Advokaten Herrn Dr. Maximilian Nagler statt. Die Verblichene, welche sich hier in ihrer Geburtsstadt, sowie in ihrem Wohnorte Zloczüw, durch Güte des Herzens und Vornehmheit der Gesinnung, sowohl als auch durch ihre Begabung, ihr bescheidenes Wesen und freundliches Entgegenkommen allgemeine Beliebtheit erwarb, starb in Berlin im 31. Lebensjahre nach einer schweren Operation und wurden die sterblichen Ueberreste der teuren Verblichenen nach ihrer Vaterstadt Zborvw überführt. Am hiesigen Bahnhose versammelten sich zum Empfange der Leiche, trotz des herrschenden ungünstigen Wetters, zahlreiche Trauergäste, unter welchen viele jüdische und nichtjüdische von der Ferne herbeigeeilte Teilnehmer sich befanden, wobei der Aerzte-, Juridische- und Beamtenstand stark vertreten war. Viele Würdenträger und hohe Beamte, wie Staatsanwalt- Substitut Landesgerichtsrat Tadeusz Zakrzewski aus Lemberg mit noch anderen zwei Landesgerichtsräten, der Bürger, meister der Stadt Zloezow, Landes- und Gerichts-Advokat Herr Dr. W e s e l o w s k i, der hiesige Bürgermeister Herr WladiSlaus Raeiborski, die hiesigen Geistlichen beider Riten waren zu sehen. I. L. Der Verein Fud. jug. Arbeiter Brigittenau veranstaltete am 11. Oktober l. F. im Restaurant Kühn, 2. Bez., Nembrandtstraste 18, eine „LimchaS-Thora-Feier', welche trotz dem schlechten Wetters schon um halb neun Ilhr abends vollkommen besetzt!var. Der Leiter des Festes, Koll. Robert Sputz, welcher gleichzeitig Obmann obgenannten Vereins ist, eröffnete dasselbe im Namen des Vereines, indem er die Anwesenden in einer längeren Aniorache begrüßte und ihnen für ihr so zahlreiches Erscheinen dankte, indem er sodann das Festprogramm bekarnit gab, tvelchcs nno ernsten, heiteren, Gesangs-, humoristischen und Mnsikvorträgen zusammengesetzt war. Die Vortrüge wurden bereits sämtlich von dem Vergnügungskomitee erstgenannten Vereins abgehoben, welches wirklich großartiges leistete, wie auch aus dem Beifall, welcher jedem der Vortrageilden zntcil wurde, ersichtlich war. Vor der Pause erteilte der Fcstleiter dem Gesinnungsgenossen Emil Obernik zu einer kleinen Festrede das Wort, in welcher derselbe unter anderem auch hauptsächlich die traurige Lage der galizischen und russischen Juden welche doch jedem betreffs der letzten Vorgänge von Kischenew, Zoblotow, Homel ujw. bekannt sein dürfte, schilderte und schloß der Redner mit den Worten: „Agitiert für den Nationalfonds", für welchen auch an demselben Abend für ein von Frl. Julie Scheuer-Deutsch gewendetes Buch, welches . dieselbe al§ zweiten Preis gewonnen butte und dasselbe berüzitieren ließ, bei Kr. 10 eingelaufen sind. Hiermit hatte Wieoer nach einviertelstündiger Pause, in welcher die Juxpostkarten ihren Platz behaupteten, das Fest begonnen, indem der Vorsitzende betreffs der Schönheitspreise folgendes bekannt gab: Den 1. Preis, ein schönes Album, hatte Frl. Olga Weiß gewonnen. (Bravo-Rufe.) Den 2. Preis. „Schillers Werke"/hatte Frl. Julie Deutsch-Scheuer gewonnen, ivelchc dasselbe, wie schon erwähnt, dem Feste zur Verlizitierung spendete und welcher ebenfalls für ihre hochherzige Handlung großer Beifall zuteil wurde. Für das Buch sind 15 Kr. eingelaufen, wovon die eine Hälfte dem Nationalfonds, die andere Hälfte dem Preßfonds zugewendet wurde. Hierauf wurde um 12 Uhr das Fest beendet. S. F. Ein neues Opfer der russischen Regierung- Das „Jüdische Wochenblatt", das Organ der Zionisten Galiziens, teilt in feiner jüngsten Nummer mit, daß es durch die russische Regierung in Rußland verboten wurde. Reorganisation eines Zionvereines. Aus Kimpolung wird uns unterm 12. d. M. geschrieben: Ueber Einladung unseres Herrn Kultusvorsteher-, Herrn Dr. Zaloscer, der jederzeit mannhaft für die Interessen des Judentums eintritt, und auf den wir Juden in unserer Gemeinde mit vollem Rechte stolz sein können, versammelten sich am Sonntag, den 11. d. M., sämtliche jüdischen Ortsinsassen in der hierortigen Kultussynagoge, um den Zionverein aus seinem Schlafe zu erwecken. Nachdem Herr Dr. Zaloscer in sehr bewegten Worten die jüngsten sehr traurigen Vorkommnisse in Rußland, Galizien und auch leider in unserer Landesstube auseinandergesetzt und die Anwesenden zum brüderlichen Zusammenhalten aufgefordert hatte, wurde einstimmig die Reaktivierung des im Jahre 1895 gegründeten, seit 2 Jahren aber untätigen Zionvereines beschlossen und wurden gleichzeitig, nachdem mehr als 100 Mitglieder dem Vereine beigetreten sind, die Neuwahlen in den Ausschuß vorgenommen. Es wurden einstimmig gewählt: Herr Dr. Leopold Zaloscer als Präses, Herr Samuel Bar als Vizepräses, Herr Israel Roll als Schriftführer für die hebräische Sprache, Herr Isidor Kahan als Schriftführer für die deutsche Sprache, Herr Leib Sammler als Kassier, Herr Adolf R auch w erg er als Bibliotekar und Oekonom, Herr Dr. Moses Niederhvser und Herr Mendel Pistin er als Revisoren. Ohne Funktion« wurden gewählt: die Herren Moriz M e rd er. Leiser Wolf G in g o ld, Hendel S p ete r, Dawid D r a ch, Moses S o b e, Simche Dawid, Getzel Gronich, Tobias Kern, Mendel Diener, E L. Goldschläger und Ch. S. Schieber. Ueber Antrag des Herrn Moritz Merdler wurde einstimmig beschlossen, dem Herrn Dr. Benno Straucher für sein mannhaftes Eintreten für die Interessen des Judentums anläßlich des jüngsten Vorfalles in unserem Landtage, sowie dem jüdischen Volksvereine für die Wahrung der jüdischen Volksinteressen die vollste Sympathie kundzugeben." Ein jüdisches Opfer der Tißa-Eßlarer Blutbeschuldigung. Am 15. d. M. verließ ein bereits in Vergessenheit geratenes jüdisches Opfer das Oedenb u r g e r Zuchthans. Sern Name ist Ignaz F l e i s chm a n n. Zur Zeit der Tißa-Eßlarer Krawalle war er Bäckermeister in einem Dorfe neben L ip p a. Es ging ihm ganz gut und erfühlte ein glückliches Familienleben. Eines Morgens wurden seine Gattin und ein Mädchen im Geschäftslokale ermordet ausgefunden. Die durch die Vorgänge in Tißa-Eßlar aufgeh» tzte Bewohnerschaft des Dorfes bezeichnte F l e i s ch m a n n s e l b st als de n M ü rder. Als belastender Kronzeuge figurierte ein Konkurrent Fleischm ann s, der das ihm zur Last Gelegte unerschütterlich leugnete. Der Gerichtshof — und das ist charakteristisch für jene Zeit — bat F l e i s ch m a n n trotz seines Leugners. trotzdem seine Täterschaft bei allen Bemühungen der Gerichtsherren nicht nachgewiesen werden konnte — z u m Tode durch den Strang verurteilt. Der Kaiser begnadigte Fleisch mann und daS Todesurteil wurde in eine lebenslängliche Zuchthausstrafe umgewandelt. Zll verschiedenenmalen versuchte