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Jüdisches Volksblatt · 1903-10-23 · 43 (23.10.1903) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
43 (23.10.1903)
Date
1903-10-23
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 23. Oktober 1903 Nr. 43 Fleischmann die Erneuerung seine- Prozesses aus dem Gefängnisse durchzusehen, aber stets vergeben-. Erst sein am 27. September d. I. an den Kaiser gerichtete- Gnadengesuch hatte Erfolg. Am 15. d. M. konnte er nach zwanzigjähriger Zuchthausarbeit begnadigt, frei das Ge» fängnis verlassen. Fleisch mann will auch jetzt noch alles aufbieten, um die Revisierung seines Prozesses durchzusetzen, da er sich unschuldig weiß und es beweisen will, daß seine antisemitischen Feinde den Mord verübt und in die Schuhe geschoben haben. th« Ausland. Der König von Italien über den Zionismus. Der König von Italien empfing am 11. Oktober in San Nossore den Florentiner Oberrabbiner und bekannten Vorkämpfer der zionistischen Bewegung in Italien. Tr. Margulies. Der König gab seinem Beifall Ausdruck, als Tr. Margulies ausführte, daß cs gegenüber den unsäglichen Leiden vieler lluden geradezu als Pflicht der Staminesgenvssen betrachtet werden müsse, an deren Erlösung mitzuarbeiten und crktiudigte sich nach den Verhandlnngen des Baseler Kongresses, namentlich eingehend nach den Britisch-Ostafrika betreffenden Beschlüssen. Er fragte weiter nach der Zeit der Rückkehr und der Zusammensetzung der Expedition und nahm mit besonderer Befriedigung die Mitteilung auf, das; auch ein italienischer Delegierter, Tr. D c s s a u-Bologna, Mitglied der vom Kong res; gewählten Ostafrikakommission sei. Die Unterhaltung wendete sich dann dem Stand der Unterhandlungen mit der Türkei und zum Schlus; eingehend der Wiedergeburt der hebräischen Sprache in den letzten Jahrzehnten zu. Tr. M argu- I i e s bat den König, bei seiner nächsten Anwesenheit in Florenz auch die dortige Synagoge zu besuchen, was gnädigst zugesagt wurde. Nach über halbstündiger Unterredung entließ der König Tr. M argul i c s, iirdeur er ihm huldvollst die Hand reichte. Kolonisationszionismus. In Berlin fand am 17. b. M. eine vom Verein „Esra" einberufene, sehr zahlreich besuchte Versammlung unter dem Vorsitze von Dorn und H i l d e s h e i m e r statt. Das Referat erstattete Dr. N o s f e k. Anwesend waren Prof. Barburg, Oppenheimer u. a. Wir behalten uns ein ausführliches Referat für die nächste Nummer vor. Permanenter Fonds für jüdische Opfer rnsfischer Judenverfolgungen. Aus New-York wird berichtet, daß sich dort unter dem Eindrücke der jüngsten Judenmassakres in Rußland ein Verein zur Sammlung eines ständigen Fonds für eventuelle Opfer russischer Judenhetzen gegründet hat, um vorkommenden Falles mit der Hilfe rasch zur Hand sein zu können. Präsident wurde der Direktor der New-Dorker Staatsbank, Herr Arnold K o h n. Der Mangel eines solchen ständigen Fonds hat sich schon nach den MasiakreS in Hsmel gezeigt. Da das Publikum durch den Fall Kischenew 'Soldaten niedergeschossen. Vergebens flehte der Landstände-Kommissär Snwlcnski die Soldaten an, die $ubett vor dem Tode zn retten — das Militär rührte sich nicht und sah dem Gemetzel ruhig zu. In. Gegenwart des Polizeikommissärs Tschenwrußki wurde dem Kleinbürger Keivesch mit einem Pflasterstein der Schädel zerschmettert, aber er sah ruhig zn und lies; die Mörder davonlaufen. Zuerst versuchten zwar die Inden, den Angreifern Widerstand zn leisten, als sie aber einsahen, daß sie von dem Militär nicdcrgeschossen werden, tvclches die Angreifer in Schutz nahm, stoben sie auseinander. Erst zivci Tage nach den Exzessen kam der Gouvcrnementsvorsteher nach Homel. Er berief die Vertreter der jüdischen Gemeinde und erklärte, die Juden wären an allem schuld, da sic sich „frech benehmen, beivaffnen und sozialdemokratischen Ideen huldigen". Diese merkwürdige Denkschrift, tvorin unerschrocken die zarischrussischen offiziellen Lügen widerlegt tvcrden, schließt mit der Erklärung, daß die Petersburger Regierung durch die falschen Berichte ihrere Organe in Homel irregeleitet worden sei. Abgelehnte Gnadengesuche. Kaiser Wilhelm hat die Gnadengesuche des Herausgebers der antisemitischen Staatsbürgerzeitung und Reichstagsabgeordneten Brüh» und des Redakteurs dieses Blattes, Dr. Bötticher, abgelehnt. Bruhn und Bötticher waren zu Gefängnisstrafen von sechs Monaten, beziehungsweise einem Jahre verurteilt worden wegen verleumderischer Beleidigung der Familie des Fleischers Lewy in Könitz, welche in der „Staatsbürger-Zeitung" beschuldigt worden war, den Ernst Winter ermordet zu haben, sowie wegen verleumderischer Beleidigung der richterlichen Beamten in Könitz, denen in der „Staatsbürger-Zeitung" vorgeworfen worden war, daß sie in der Untersuchung der Winterschen Mordsache auf jüdische Täter deutende Spuren absichtlich nicht verfolgt hätten. Beide Behauptungen des antisemitischen Blattes hatten sich in dem Prozesse als erlogen herausgestellt. Die »Staatsbürger- Zeitung" vermag nun heute ihre Wut über die Ablehnung der Gnadengesuche ihres Herausgebers und ihres Redakteurs kaum zn verbergen. Sie stellt dieser Ablehnung die Tatsache gegenüber, daß Kaiser Wilhelm dieser Tage den wegen Meineids verurteilten Sohn Moritz des Fleischermeisters Lewy aus Könitz begnadigt hat. Diese Gegenüberstellung ist allerdings interesiant und läßt ziemlich deutlich die Ansichten erkennen, die Kaiser Wilhelm über die antisemitische Hetze in Könitz sich gebildet hat. Neues zur Dreyfus-Affaire. Es ist in unterrichteten Kreisen kein Geheimnis, daß Kriegsminister General Andre seit der Rede von James in der Kammer das geheime und allergeheimste Aktenfaszikel des Dreyfus-Prozesses studiert und das erforderliche juristische Element sucht, die Revision des Urteils von Rennes von kompetenten Organen ausführen zu lassen. Nun meldet die „Action'' über das Ergebnis der Studien des Generals Andre folgendes: „Ein im Archiv des Die Durchführung aller dieser Unternehnmugen wurde durch die Mithilfe von Gönncru und Freunden ermöglicht; aber die materielle Lage der „Toynbee-Halle" ist leider noch immer nicht gesichert unb dieses zweifellos schöne Unternehmen in Gefahr, an dem Mangel der nötige», allerdings nicht bedeutenden materiellen Mittel zn scheitern. Wohl haben edle Männer nnd ansehnliche Korporationen zngcsagt, einen Teil der nötigen jährlichen 10 000' Kronen anfznbringen, wohl haben sich menschenfreundliche Damen nnd Herren der Gesellschaft in den Dienst dieser Sache gestellte aber ohne die werktätige Hilfe weiterer Kreise kann der Bestand der „Toynbee-Halle" nicht gesichert werden. Darum wenden wir uns vertrauensvoll an die Oeffentlichkeit mit der innigen Bitte, dieses menschenfreundliche Unternehmen, sei es durch Beitritt als Mitglied des „Toynbee-Halle "-Vereines, sei es durch jährliche Subventionen oder durch einmalige Spenden zn fördern. Wir sind überzeugt, daß unser Appell genügen ivird, tmt der „Toynbee-Halle" zn den nötigen Mitteln zn perhelfen. Mitgliedsbeiträge (mindestens 2 Sit. pro Jahr) und Spenden für die „Toynbee-Halle" Ivolle inan gültigst einsenden aii Herrn Fabrikanten Johann K r c m e n e z k y, Wieii, 9. Bezirk, Eisengasse 3. Jüdische Toynbee-Halle. Die Eröffnniig der jüdischen „Toynbee-Halle" findet ain Sainstag, 31. Oktober d. I., um 7 Uhr abends in der Bortragshalle, Wien, 20. Bez., Karajangasse 20, statt. Programm des Abends: 1. Eröffnungsansprache des Präsidenten, Rektors Dr. A. Scytvarz; 2. Vokaluiid Jiistrniiieiitalkonzert. Aii diesem Abend ist die „Toynbee-Halle" niir für Gäste, die spezielle Einladiuigen erhalten, reserviert. Vom ersten November au beginnen die jedermann zugänglichen allabendlichen Vorträge in der „Toynbee-Halle". Das Programm ivird allwöchentlich im voraus bekanntgcgebeii. Aiiineldungeii Zil Vorträgen siiid zu richten aii Herrn Doktor Sieginund Werne r, Wien, 9. Bez., Niißdorferstraße 16. DaS Sekretariat. zu sehr in Anspruch genommen war. fliegen für di° Opfer l K->-gsmmist°rmms °usgesund°n°s von dem K°mm°nda°t-n von Homel die Spenden verhältnismäßig spärlich ein. Aus Jassy. Bei der Seelenfeier in Schemisin Azeret hielt unser Rabbiner Dr. Niemirower eine tiefergreifende Denkrede auf die Vorkämpfer der rumänischen Juden: Bernhard L a z a r e (Paris) und Julius P l o t k e (Frankfurt a. M.), schilderte musterhaft das Gemeinsame und Verschiedenartige dieser großen Toten. Dr. Ni emir o wer, der im Jahre 1897 zum erstenmal in Rumänien einen Jugendgottesdienst einführte, hat am Vorabende des Torafreudenfestes als Direktor der Kultus schulen eine Feier für die jüdischen Schüler im Bet Schlome veranstaltet. Seine Rede machte auf die zahlreichen Schüler und auf das große Publikum einen mächtigen Eindruck. Die judenfeindlichen Exzesse in Rußland. Wie aus Odessa gemeldet wird, hat die dortige Strafkammer nach zweilagiger Verhandlung das Urteil gegen fünfundzwanzig Urheber judenfeindlicher Exzesie im Städtchen Pawlowka im Bezirke Tyraspol, von denen die Oeffentlichkeit bisher keine Kenntnis erlangt hatte, gefällt. Zehn Angeklagte wurde» zu Kerkerstrafen in der Dauer von anderthalb Monaten bis zu Cuignet und anderen Offizieren unterzeichnetes Protokoll beweist, daß ein Dokument, welches in Rennes produziert worden, durch Radierung entstellt wurde. Auch hat Andre festgestellt, daß das im Besitze Dreyfus befindliche „Handbuch der Artillerie" aus einer ganz anderen Ausgabe herrühre als das an Schwartzkoppen gelieferte Exemplar." Das ist nicht viel, aber es ist nur das kleinste Moment ein fait nouveau ausfindig zu machen, welches als juristischer Hebel dienen kann, um die prozessuale Aktion zu ermöglichen. Emgesendet. Erklärung. Geehrte Redaktion! liebet den Vortrag, den ich am 11. d. M-. im Preßburger Verein „Ahawath Zion" hielt, brachte ein dortiges Lokalblatt einen sehr ausführlichen Bericht, der aber bei der anderthalbstündigen Tauer des Vortrages doch nur einzelne Sehlaglvorte enthalten konnte. Wie es bei Wiiedcrgabe solcher Vorträge leider fast immer ist, enthielt der Bericht neben vielem . . der Fall ist, enthielt der Bericht neben vielem richtig Wiedereinem Hahre und ein Angeklagter zu anderthalbjähriger.gegebenen, auch sehr viel Mißverstandenes, Entstelltes und Falsches, Zwangsarbeit verurteilt. Vierzehn Angeklagte wurden dagegen, das ich nicht berichtigt habe, weil ich dazu viele Spalten gebraucht freigesprochen. Das Judengemctzel in Homel. (Eine D e n k s ch r i f t.) Ein sehr beachtenswertes Schriftstück wird in der nächsten Nummer der Stuttgarter Zeitschrift „Oslvoboschdenie" erscheinen. Dieses Aktenstück wirft nicht nur ans die schrecklichen Zustände in Rußland eilt grelles Licht, sondern zeigt arich, zn ivelchen Lügen die russische Regierung Zuflucht nimmt, um die öffentliche Meinuitg Rußlands nitd Europas zli täuschen. Gewitzigt durch die Folgen der Kischenewer Bluttaten, die in der ganzen gebildeten Welt einen Srurm des Protestes gegcit die russische Barbarei hervorriefen, beeilte sich oic Petersburger Negierung, sofort nach der Stunde von den bltitigen Exzessen in Homel das Präveniere Ztl spielen. Sie verkündete nämlich durch den offiziellen „Regiernngsboten" und ■. durch ein mit Hilfe der rnssischeit Telegraphenageittnr zensurier- , tes offizielles Telegramm, daß an den Homeler Raub- und Blutj taten Inden selbst schuld seien, da sie durch ihre Arroganz nnd - dnrcb ihr heranssorderltdes Benehmen die christliche Bevölkerung j zu Ausschreitungen gereizt hätten.! Der Minister des Innern v. Plehive hat sich eilt neues? Systemchen znrechtgelegt: den Inden alle Schuld in die Schuhe! Ztt schieben n>id durch FälschtNtg tind Irreleitung der öffentlichen Meinung das russische Smntenregime reinznivascyen. j Ties ließen sich aber die Homeler Juden nicht gcfalleit. Als Antwort auf die gegen die ansgeranbtcn, geschändeten, verlvnn-, deren und gemordeten Inden gerichteten offiziellen Anschnldignngeir erhob die jüdische Gemeinde Homel Protest und richtete an den Minister des Innern v. Plehive eine ausführliche Denkschrift, ans der klivv tind klar hervorgeht, in tvelch brutaler Weise die jüdische Bevölkerung seitens der Polizei und des Militärs terrorisiert wurde, um nicht den an dem Mord und Raub Beteiligten hinderlich zn sein. Diese Denkschrift belveist, daß die Regierung willentlich keine Vorbengnngsmaßregeln getroffen hat nild daß nicht ein zufälliger Streit um Häringfässer, sonder» eine seit lange organisierte Verschlvörnng die Erzene in Homel verursachte. An der Hand vieler Tatsachen ivird tveiter in der Denkschrift hervorgehoben, daß der Homeler Polizeikummissär Tschernolinsli mit gezogenem Degen eine Gruppe jüdischer .Kinder verfolgte nnd den Gendarmen Befehl erteilte, auf die Kinder zn schießen, Inas auch geschah. Viele Inden luntbeu in Gegenwart der Polizei tind des Militärs in der brutalsten Weise niedergemacht, darunter siebzigjährige Franeit. Statt die massnerierten Inden in Schutz zn nehmen, wurden diejenigen, die um diesen Schutz baten, von den hätte. Das Wiener „Deutsche Volksblatt" greift atis dem genannten Referate einiae besonders krasse Stelleil heraus, um sie als „Ansicht der Zionisten über die übrigen Indcir" ihren Lesern darzubieten. Mail wird es begreifen, daß ich noch lveniger Lust habe, mich mit dem „Deutschen Volksblatt" in eine Polemik einzulassen. Ich bitte nur meiner Erklärung Raum zu gewähren — woran hoffentlich jeder, der meine Gesinnung kennt, wohl nicht einen Augenblick geglaubt hat, und lvaS übrigens das zahlreiche Anditorinm meines Vortrages mir bezeugen kaliil ■— daßi ch die mir in de n Mund gelegten, v i e l f a ch geradezu Widersinn!- g e n P h r a s e n n i ch t g e b r a u ch t Hab e. Wien, Mitte Oktober 1903. Hochachtungsvoll Arch. Oskar M a r m o r c k. Jüdische Toynbee-Halle Wien, 20. Bezirk, Karajangasse 20. E n e r W o h l g e b o r e n I Das Bedürfnis nach geistiger Anregung ist ein uraltes Merkmal des jüdischen Charakters nnd es hat zn allen Zeiten unter allen Himmelsstrichen und Verhältnissen Einrichtungen gegeben, die diesem Bedürfnisse entgegenkamen. Diesem Zivecke dient auch die jüdische „Toynbee-Halle" nnd sie hat denselben in den drei Jahren ihres Bestandes nach Kräften erfüllt. Ter Zutritt ist ausnahmslos jedermann gestattet. An 100 Vorträgen wurden in jeder Wintersaison gehalten, zirka 30 Konzertabende veranstaltet nnd hierdurch der ärmsten jüdischen Bevölkerung Gelegenheit geboten, unentgeltlich geistige Anregung zu empfangen. An den sogenannten üindernacymittagen, die an jedem ziveiteu Sonntage und am Ehannkafeste statisanden, wurden durchschnittlich je 200 Kinder mit einer Jause bewirtet, durch Vorträge, Erzählungen nnd musikalische Aufführungen »nt den Freuden einer ihnen sonst nicht zugänglichen edleren Geselligkeit bekannt gemacht und schließlich durch passende Geschenke erfreut. Während der Sommermonate lverden Kurse abgehalten und so die Armen, die nach Erlveiterung ihrer Stenntnisse verlangen, nnentgeltlich in den für ihr besseres Fortkommen wichtigsten Disziplinen unterrichtet. Att die mährisch-schlesischen zionistischen Ferialverbindnngen! Die bereits angekündigte und vom mährisch-schlesischem Distriktskomitee in Angelegenheit der diesjährigen Makkabäerfeiern in Mähren und Schlesien einberufene Besprechung findet Sonntag, am 25. d. M., um 10 Uhr vormittags, im ,,Cafe Jägerhof", IX., Porzellangasse, statt. Die Vertreter der Ferialverbindungen werden ersucht, bestimmt zn erscheinen. Im Aufträge des mähr.-schles. D.-K.: Rudolf Nassau. ch Aufruf k Keine Monatsbeiträge noch sonst irgend welche Beiträge hat derjenige zu bezahlen, welcher dem „Vergnügungskomitee und der Theatersektion" des „Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter, Brigittenau" beitritt. Also jeder Mensch (allerdings nur Jude) ob arm ob reich, kann demselben beitreten, wann er das vorgeschriebene Alter von 16 Jahren erreicht hat. Wir erlauben uns daher, diejenigen, welche sich für diese Kurse interesiieren, höflichst einzuladen, demselben baldigst beizutreten. Und nun gestatten wir uns noch, Cie zu unseren jeden Sonntag (auch bei schlechtem Wetter) von 5—7 Uhr abendK stattfindenden Vorträgen, welche von den Mitgliedern der neugegründeten „Theatersektion" abgehalten werden, ebenfalls einzuladen, wie auch zu unserem jeden Sonntag Vormittag von 9—10 Uhr stattfindenden und für jeden Bureauangestellten höchst notwendigen Gegenstand, dem „Stenographiekurse", welcher vom Genossen David Wurmann, der vor einigen Tagen in diesem die Staatsprüfung mit Auszeichnung ablegte, geleitet wird. Der geringe Monatsbeitrag, welcher für diesen letzteren Kurs pro Mitglied zu bezahlen ist, beträgt inklusive dem Schreibmateriale, welches jedem Frequentanten gratis zur Verfügung gestellt wird, 30 h. Zusammenkünfte für sämmlliche Kurse finden in unserem Vereinslokale des Cafö Kämpf, XX., Jägerstraße 16' (Privatlokal) statt. Zuschriften bitten zu richten an unseren Kollegen Siegfried Flesch Wien, XX, Klosterneuburgerstraße 51. * Jüdische Mädchen und Frauen! Der Verein jüdischer Mädchen „Hadassa" in Wien beginn^ wieder seine Tätigkeit. Jüdische Mädchen! Wenn ihr wollt, daß dieser Verein ein Sammelpunkt für diejenigen werde, die ihre ganze Kraft voller Hingebung und Begeisterung dem hohen Ziele widmen, an der Befreiung unseres teuren Volkes mitzuarbeiten, so folget unserem Ruse! Wir wollen unsere Genossinnen, die nie Gelegenheit hatten, das Judentum in seinem wahren Wesen kennen zu lernen, durch Vorträge und Diskussionen in die Jahrhunderte alte Kultur unserer Vorfahren entführen, sie vertraut machen mit jener großen Nenaissaneebeweguug, die sich jetzt innerhalb des jüdischen Volkes vollzieht. Durch das Eindringen in die Geistesschahe unserer altehrwürdigen Literatur, in das Geistesleben unseres Volkes, wollen wir euch befähigen, immer nnd überall für unsere so oft geschmähten und gedrückten Brüder einzutreten, wollen wir euch aber auch gleichzeitig den Weg zeigen, euch wieder eurem Volke zu nähern, sein Leben verstehen zu lernen, Lust und Leid, Freude und Schmerz mit ihm zu fühlen, mit ihm zu tragen. Nur das zielbewnßte Arbeiten für eine Idee, für e i n Lebensziel vermag uns volle innere Befriedigung gewähren. Stellet euch in den Dienst der erhabenen Idee des Zionismus und ihr werdet reichlich Lohn finden in dem Bewußtsein, für die Befreiung und Erlösung des jüdischen Volkes Schulter an Schulter mit den Besten und Edelsten unserer Nation gekämpft zu haben. Auskunft erteitt die Vereinsleitung Helene Reiter, Mimi Berliner, Fleischmarkt 10. Mariahilferstraße 169. Mitteilungen uns dem Undlilmm. Die nenestcu patentierte» Strickmaschinen sind nur bei dem Patentinhaber Wedermann, Wien, VI., Mariahilferstraße 45, zu beziehen. -Diese Firma, welche zugleich Lieferantin der k. luid k. Kriegsmari»e ist, versendet auf Verlangen Preiskurante gratis. Siehe Inserat in unserem Blatte letzte Seite. Briefkasten. Jakob Glück. Gewünschtes bekommen Sie in der Buchhandlung Schlesinger, k., Seitenstettengasse. Mit welcher Firma Sie sich in Verbindung sehen wollen.

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