Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 42 (16.10.1903)
- Date
- 1903-10-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Meo, Freitag Jüdisches Volksblatt 1V. Oktober 1903 Nr. 4* de- Ab-. Dr. Koverbreitet werden. Die ruthenischen YolkSblatter, beistnrkStoeisr das Wochenblatt „Haydamaky" schrieben in ähnlichem Sinne. Lies entspricht auch vollkommen den Tendenzen der ruthenischen — auch bäuerlichen — Leserkreise, da unter der ruthenischen Bevölkerung überhaupt keinerlei feindliche Stimmung gegen die Juden h'lischt. Es ist bereits festgestellt, daß die von der Wiener Presse, auch von der „Neuen Freien Presse", am 27. September aus polnischen Blättern übernommenen Nachrichten, wonach die Exzesse gegrn die Juden in Zablotow, Gwozdziec und Kulaczkowce auf die Agitation ruthenisch-r Zeitungen oder der Ruthenen überhaupt zurückzuführen sind, jeder Grundlage entbehren. Im Gegenteil, nach den Zablototver ^rzessen fand sich eine Deputation der dortigen Judenschaft beim Abg. Dr. Straucher in Czernolvih ein. um ihn um Intervention für die bedrängte jüdische Bevölkerung Zablotows anZugehcn. Nach Versicherung dieser Depuputatiou waren jene Exzesse nicht von Nuthenen arrangiert, vielmehr waren die Anstifter derselben zwei Polen. Auf Grund dieser Information hat Dr. Srraucher in einem Telegramm an den Ministerpräsidenten Maßnahmen zum Schutze der friedlichen jüdischen und ruthenischen Bevölkerung augesucht. Der Hinweis auf im Petersburger panrussischen Blatte ..Nowoje Wremjä" gegen die Juden erschienene Artikel ist für sedermann, der die rnthenischen Partei- und Preßverhältnisse Galiziens und der Bukowina kennt, als ganz unstichhältig einleuchtend, da bekanntlich die nationalen ruthenischen Parteien und die nationale ruthenische Presse sich in keiner Weise von den panrusnschen Blättern beeinflussen lassen." Unter dem Titel „Berliner Synagogen" bringt die „Deutsche Warte", ein antisemitisches Organ, einen Artikel, in welchem sie berichtet, daß in Berlin „schon längst mehr Juden wohnen, als in Jerusalem." Zählte man deren 1901 doch rund 92 000. Das dolle Hunderttausend wird also nicht mehr lange warten lassen. Um diese Zahl recht zu würdigen, sei bemerkt, daß in der Reichshauptstadt u. a. 190 000 Katholiken und 1 600 000 Evangelische int gedachten Zähljahre wohnten. Der großen Seelenzahl der Israeliten entspricht auch die Zahl der Synagogen, deren älteste (Beth Hamidrasch) auf der Heidereutergaffe, in diesem Jahre gerade zwei Jahrhunderte besteht. Schwere Zeiten waren bis zur Gründung dieses Tempels für Israel vorhergegangen, wie die Judenverbrennungen um die Mitte des 14. Jahrhunderts kundtun, und das Finale des zu Knoblauch im Havcllande begangenen Hostienraubes, mit dem man. wie üblich, die Juden in Verbindung brachte, von denen im Jahre 1510 auf dem Neuen Döarkt abermals 38 eines schmählichen Feuertodes sterben mußten. An jene Zeiten erinnert noch das Ende des 13. Jahrhunderts eingerichtete ehemalige Ghetto Berlins, der jetzige Große Jüdenhof, ein ehemals von der Umgebung abschlictzbacer. von Juden bis zu deren Vertreibung (1350) bewohnter Ortsteil (s. Verm.). Nur vier oder fünf Synagogen tun nach außen hin architektonisch ihr Dasein kund, vor allem die bekannte große Synagoge, auch die neue genannt, auf der Oranienburger Straße, die mit ihrer vergoldeten Kuppel tveithin sichtbar ist und im Bädecker und anderen Reisebüchern mit Recht den größeren Sehenswürdigkeiten Berlins bcigczählt wird. Nicht weit von diesem großen, zwischen 1859 und 1867 von Knoblauch und Stüler vollendeten Tempel befindet sich das kleine, aber sehr ansprechende E Gotteshaus der jüdischen Reformgcmeinde in der Johannisstraße, 1855 durch Stier erbaut. Es tragt die goldene Aufschrift (hebräisch und deutsch): „Heilig dem Ewigen". — Zwar im Hof befindlich, aber durch die Eingänge der stattlichen Fassade des Vorderhauses sichtbar, ist die in den Neunzigerjahren von Cremer n. Wolffenstein erbaute Synagoge auf der Lindenstraße, nicht weit von -er Feuerwehr-Hauptwache. Das Vorderhaus enthält übrigens noch -ie „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums". Im Aeußeren ähnelt diesem Gotteshaus ungemein die Synagoge auf der Lützowstraße. Eine etwas ältere Synagoge auf einem Hofe der Kaiserstraße erhält jetzt gleichfalls durch Umbau des Vorderhauses auch nach außen hin die entsprechende architektonische Betonung. Ausdrücklich als Synagoge äußerlich kemulich gemacht, erhebt sich auch das sonst bescheidene Gotteshaus an der Potsdamer Brücke (am Schöneberger Ufer) in freundlicher Umgebung. Endlich ist dle Synagoge in Eharlottenburg, obschon zwischen Häusern eingebaut, auch nach außen hin als solche kenntlich. Die zahlreichen übrigen Synagogen befinden sich auf Höfen, ja nicht einmal immer im ersten Hof, und treten daher nach außen hin nicht hervor. Sie gehören außer verschiedenen kleineren zwei größeren Religionsgemeinschaften, der „Jüdischen Gemeinde" und der „Jüdischen Rcformgemeinde" an. denen die elftere allein fünf Gotteshäuser besitzt: die schon erwähnten auf der Oranienburger-, Kaiser-, Linden- und Lützowstraße und auf der Heidereutergasse. Tie „Jüdische Gemeinde" hat nicht weniger als sechs Rabbiner und acht Borbeter angcstellt, die Reformgemeinde vier Prediger. Die nächstgrößere Gemeinde „Adaß Jisroel" hat ihre Synagoge auf der Gipsstraße 12a, wo sich auch ein Rabbinerseminar befindet. Die Gemeinde unterhält zwei Rabbiner. Je einen Rabbiner nnd 1—2 Kantoren unterhalten auch die Synagogengemcinden an der Potsdamer Brücke. „Ahawas Reim" (Luisenftädtischer Brüderverein, Prinzenftr. 86), Ahawas Scholaum" (Synagoge Linienslrasze 197). „Ahawath Thora" (Synagoge Wusterhausencr Straße 17), „Beth Zion" (Brunnenstr. 10), „Uweh Scholaum" (Lothringerstr. 48), Vereinigte „Echochare Hatow" und „V'ne B'rith" (Grüner Weg 10) und der „Israelitische Religionsverein der Oranienburger Vorstadt" (Liesenstcaßc 3). Ferner befinden sich Alte Schönhauserstraße 42. Neue Königstr. 30 („Agudath Achim"), Landsberger Straße 65 (Wolff'sche „Ez-Chajim") und Josephstc. 15 („Aharvath Thora") Synagogen, z. B. auf der Gormannstraße und der Schönhauser Allee. (Wir haben über die Synagogenveceine vor kurzem ausführlich berichtet. Red.) Bei der Strenge, mit der in Israel namentlich Neujahr und Versöhnungstag gefeiert werden, kann es nicht ausfallen, wenn in Berlin an diesen Tagen viele Läden geschlossen haben, in manchen Straßen ist die Stille aber geradezu auffällig. Die wenigen offenen Läden gehören natürlich Christen an. Selbstverständlich ist auch das Geschäft an der Börse an solchen Tagen ziemlich belanglos. Wer die Scharen der Gläubigen mit den häufig in Zeitungspapicr cingeschlagenen Gebetbüchern an den Vorabenden der hohen Feste oder an den Vormittagen dahergczogcn kommen sieht, der glaubt nicht, daß die vielen Synagogen, die wir oben aufgezählt, die Menge fassen können. Und der Zweifler hat recht. Es müssen bei solchen Festen immer wieder eine Reihe der größten Säle gemietet werden, um für die Menge der Andächtigen die nötigen gottesdienstlichen Staten zu beschaffen. Als solche find in diesem Jahre angezeigt: Im Zentrum: Dräsels Festsäle (Neue Friedrichstraße); Mendts Prachtsäle (Königsgraben); Englischer Garten (Alcxandcrstraße); Noscnthalerstraße 11/12. Im Westen: das Architektenhans s Wilhelm straße); die Philharmonie (Bernburgerstraße); der Saal der Gesellschaft der Freunde (Potsdamerstrahe 9). Im Süden und Südosten: Nene Philharmonie (Köpenickerstraße); Ressource (Kommandantcnstraße) und Oranienstraße 180. Im Osten nnd Nordosten: der Konzertsaal der Brauerei Friedrichshaiu; die Keller'schen Fcstsäle (Koppenstraße); Königstädtisches Kasino (Holzmarktstraße); Gesellschaftshans (Wvberstraße); Belforterstraße 16 (Säle von Schulze); Linicnstraße (altes Schützenhcms); Saal der Aermaniabrauerei sFrankfurter Allee); Aönigssäle und Lunasäke (Neue Kvnigstraßc); im großen Saal des Schlveizergarten am Königsthor. Im Norden und Nordivesten: die Hohenzollernsäle (Bandelstrcrße); der Saal des Langenbeckhanses sZiegelstraße); Dorussiasäle (Ackcrstraße); Brunnensäle (Brunnenstraße); Prachtsaal der Tonhalle am Oranienburger Thor (Friedrichstraße): Saal Gartcnstraße 13. In Charlottenburg: Leibniz-Säle (Leibnizstraße 26), Charlottenburger HumomitASderein. Denkt man sich Berlin durch die Chaussecstrnste und Friedrichstraße in eine östliche nnd westliche Hälfte zerlegt, so entfallen die meisten der übrigen temporären gottesdienstlichen Stätten der Israeliten auf die östliche Hälfte und nur wenige auf den westlichen Teil. Ohne damit uruulässige Schlüsse aus größere oder geringere Wohlhabenheit der Berliner Israeliten ziehen zu wollen, dürfte doch der Hinweis zutreffend sein, -atz es zumeist die handel- und gewerbetreibenden Stadtteile und die Gegenden mit Fabriken und Arbeiterbevölkerung sind, in denen Jakob seine Zelte und Hütten in Berlin aufgeschlagen hat." Hochinteressant für de« Jüdischnationalei» ist der in der „Zukunft* vom 10. Oktober enthaltene Artikel „Be b e l und Genossen III", in welchem der Herausgeber Maximilian Harden sich gegen den antisemiteladea Borwurf der Namensänderung zu verteidigen sucht: ES heisst da: »Der Abgeordnete Hebel hält e» offenbar für höchst originell, in seine« Reden, die ich jetzt betrachten muß. mich stets „Herrn Witk ow St i-Har d en" zu ne»nen. Er wußte nicht, daß ich seit 13 Jahren den ZeitungSlesern tausendmal unter diesem Doppelnamen vorgeführt worden bin, in hundert Zeitungen, von der „Staatsbürgerin" bis zum „Kleinen Journal". Solche Bezeichnung sollte ein reges Mißtrauen gegen mich wecken. Konnte es auch. Wer seinen Namen wechselt, ist, zumal wenn er Wirkung auf öffentliche Angelegenheiten erstrebt, m i t Recht verdächtig; mit umso größerem Recht, wenn der neue Name deutsch klingt, der abgelegte semitischen Beiklang hat. Gewiß, denkt dann der Leser, hat dieser Streber den Namen gewechselt, um die Spur j ü d i sch e n Ursprungs zu verwischen und sich nicht vie Karriere zu verderben. Das Borurteil ist begreiflich. Ich habe darunter gelitten und mußte, so leicht mir eine Widerlegung gewesen wäre, schweigen, weil eine öffentliche Erörterung dieser Dinge meiner alten Mutter argen Schmerz bereitet hätte. Im Frühling habe ich sie verloren und darf nun reden/ Harden erzählt nun von seiner traurige« Kindheit in dem von Ehezerwürfnis zerrütteten Elternhause; wie er dem geistverstörten Bater, „in dem und für den keine Stimme gemeinsamen FühlenS sprach", als 14jähriger Knabe entlaufen sei und sich vor feiner Verfolgung unter Komödianten und durch Annahme des Namens „Harden" geborgen habe, welcher Name nach Vaters Tod der Matter und den Küfern auch behördlich zugcsprochen wurde. Harden fährt dann fort: „Und als Itzjähriger K^obe war ich, der nie innere oder äußere Beziehung zam Glauben Israels gehabt halte und während der Schulzeit schon nur in den Lehren rientestaurentlicher Religion unterwiesen worden war, zum Christevtnm übergetreten, dos de« jungen Sinn die höherer Kultur entsprechende GlaubenSfo m schien. Das alles ist traurig, trauriger noch, als es hier klingt, aber nicht schimpfliche Oder will jemand behaupten, der Knirps, der Mime rveryen wollte, habe Namen uns Glauben geändert, um Kartiere zu machen? Tausendfache Verdächtigung wäre mir erspart geblieben; und hätte ich za ohuen vermocht, wohin mein Lebensweg führen würde, uw hätte ich mir auch noch diese Last ausgebürdet. Denn für die Feinde eines politischen Schriftstellers u't es gar zu bequem, wenn sie dem Gehaßt'n uacbwispern können: Der Kerl hieß früher anders, mutz also sicher ein fauler Kunde fern. Daß von Mol i ö r e und Voltaire bis zu Novalis nnd Lagarde. bis in unsere Tage hinein mancher Schriftlicher, um sich und sein Geschick von der soziale» Schicht, in der er geboren war, deutlich zu scheide«, seinen Namen geändert hat. wird nicht beachtet. Und das Lassalle, desien Bater. wie meiner, ei« jüdischer Seide «Händler war, seinen GeburtSname« durch Anhängung eine» te* französiert hat, ist Herrn Bebel offenbar kein Aergenns. Das ist seine Sache. Ich habe nicht als strebsamer Literat, sondern als Kind meinen Namen gewechselt, nicht um Karriere zu machen, sondern um mich unerträglichem Druck zu entziehen, der mich in einem Kaufmannsladen verkümmern lassen, zur Feindschaft gegen die beste Mutter erziehen wollte. Das ist erweislich wahr, kau«, wann und wo eS Notwendig wird, bewiesen werden. Bevor sich noch der leiseste literarische oder gar politische Trieb in mir regte, stand mir nach Gesetz und Kirchenbuch kein anderer Namen zu als: Maximilian Felix Harde«. Macht eS Bebel Vergnügen, mich ander» zu nennen: meinetwegen ... Da ich ke.nni Schmutzfleck za verbergen habe, kan« ich ertragen, daß mir die letzte Hülle vom Leibe gerissen wird... Wahrlich, wen soll ma« eher bemitleiden, den seelisch zerrissenen vpostateu oder deu vorurteilsfreien Jnteruazi, der nach der semitischen Ferse seines politischen Gegnerschnöde Giftpfeile schießt? Herr Bebel fände doch so mühelos unter seinen Genossen feig übertünchte Hebräer. Die möge er mit eisernem Besen aus der sozialdemokratischen Gemeinschaft kehren! Wir Zionisten, jeder reinliche Mensch wird es ihm danken. Dr. Z. Chronik. Inland. Die Judenunruhen in Rußland. Meldungen von Exzessen Fegen die Juden in Mohtlew haben sich md) den der ,A s ra eli t. A l lia n z zu W i e n" Angegangenen Berschien glücklicherweise nicht bestätigt, doch ist die Lage in den meisten von Juden bewohnten Städten infolge der ausgesprochen judenfeiridlichen Haltung des Ministers des Innern und der meisten Gmwerneuve eine sehr traurige und es werden täglich neue Ausschreitungen bcfützchtet. — Für die Opfer des Mafsarves in H o m e l hat die „I s ra e litische Allianz zu Wien" als vorläufigen Beitrag eine Spende von 6000 Rubel (zirka 13 000 Agonen) überwiesen. Der Schaden wurde auf 206 000 Rubel Lp« rechnet. Siebzig Juden, die sich gegen' die vom Militär geschützten Exzedenten verteidigten, sind verhaftet und iteljew unter der schweren Anklage, Vas Militär angegriffen zu haben. Wiener Äerztekammerwahlen. Für dm bevorstehenden Neuwahlen in die Wiener Aerztekammec ist, wie wir erfahren, die Aufstellung zweier Mndidatenlisten geplant, und zwar wird eine Liste von den organisierten Aerzten ausgchen, das ist dem „Verband der Aechte Wiens", dem sämtliche ärztliche Bezirksveveine angchömr, und die zweite von den antisemitischen Aerzten, das heißt den Mitgliedern des „Wiener Aerztevereins" und des „Vereins christlicher Aerzte". Es ist nicht! ausgeschlossen, daß trotz dcr gegervwäiUgen Spaltung in letzter Stunde eine Einigung dieser beiden Gruppen zustande kommt, in welchem Falle die zwei Parteien für eine Kompromißliste stimmen würden. Der radikale Flügel der Aerzteschaft verzichtet vorläufig auf eigene Kandidaten und wird sich der Liste des Verbandes der Wiener Aerzte anschließen, doch ist man vor einer Ueberraschung in dieser Richtung nicht sicher. Die Kammer wird eine offizklle Liste diesmal nicht aufstellen, ja der jetzige Vorstand erklärt sogar, eine eventuelle Wiederwahl absolut nicht anzunehmen, welchem Beschluß auch die meisten derzeitigen Kammerräte beigetreten sind. Einzelverein „Mariahilf-Neubau". Die Mitglieder des Einzelnvereines „Mariahils-Neubau" des „Zion" treffen sich jeden Samstag nach Tisch zwanglos im Cafe „Westond", 7. Bez., Mariahilserstvahe 128 (reserviertes Klubzimmer). Wien (Jvria 25. Semester). Die jüd.-akad. Verbindung „Jvria" teilt hicmit das Ergebnis der Chargenivahlen für das Wintersemester 1003/04 mit: cand. phil. Oskar Frankl 1. cand. techn. Otto Wechsberg 2, cand. tcchn. Felix Zwcigenthal 3. Das Verbindungslokal befindet sich 0. Bez., Rögergassc 12 (Hochparterre). Repertoire der öffentlichen Veranstaltungen der z i o n i st i s ch e n Vereine Wiens. 1. G e s a n g s v e r c i n „Z i o n", Fünfhaus: Samstag, den 17. Oktober in Hirschs Saallokalitäten. 14. Bez., Schwendergassc 1, Simchas-Thora-Fest. 2. J.-ö. D.-K. Sonntag den 18. Oktober, 3 Uhr nachmittags, im Kougreßbureau Distriktsversammlung. 3. Eiuzclverein „Zion", Landstraße: Dienstag den 20. Oktober, Referat über deu 6. Kongreß. Hierauf konstituierende Versammlrmg. Beginn halb 8 Uhr abends in Slatkys Restaurant, 3. Bez.. Pragcrftraße 12. Die P. T. Vereine werden ersucht, ihre Veranstaltungen rechtzeitig bekanutzugcben, um Kollisionen zu vermeiden. (Adresse: Distrikts-Komitee, 9. Bez., Türkenstraße 9.) Eine zionistische Studentenverfamtmlung fand Samstag den 10. Oktober m Guths Restauration, 2. Bez., Stefaniestraße, statt, die einen recht animierten Verlaus nahm. Der Referent: Dr. S ch a I i t' führte in seinem Referate über den Sechsten Zionistenkongreß aus, daß derselbe ein h i st o c ischcr gewesen sei und viel zu bedeutsame heikle Fragen seien dort eröirtert worden, die man in Versammlungen nicht mit wenigen- Worten abtun könne.Fest stehe, daß, das Basler Programm unerschütterlich bleiben muß. Vor deni Kongresse habe infolge der allgemeinen Lage eine große Ratlosigkeit geherrscht. — Ta kam die Reise Dr. Herzls nach Rußland und dcr Kongreß. Die Rede Dr. Herzls beherrscht denselben und die anderen Reden hörte man nur, soweit sie damit) im Z u s a m n> e n - hang e waren. Eine h i st o r i s ch e Tat bildete d''e Rede Franz Oppenheimers, mit welcher sich übrigens dcr Siebente Kongreß tvird beschäftigen müssen. Der Referent führte dann du Gründe Anhänger nns Gegner von O st a f r i k a an und sch-lderte die Q u a l c n vieler Delegierten, als sie von Ostafcika hörten. Für dasselbe, sowie für den Erfolg des Zionismus spreche die Tatsache, daß die englische Regierung denselben anerkannte und R u ß l a n d b e i d e r P f o v t e d i e d i p l o m a t ischenÄestrebungen betreffs Erlangung einer p a l a st i n e n s i s'ch e n H e i m st ä t t! e zu unterstützen veiffprach. Wie viel Jahrzehnteaber werden lvir iwch brauchen zur Erlangung von Zion? Die Palästmenseü aber, beherrscht von grenzenlosen^ Fanatismus oder Idealismus, nennen auch Oftofrifa — Golus. Hut ab vor solchen Gegnern! (Großer Beifall.) — Zur Diskussion meldet sich als erster! Redner Tr. Paul W e i s e ng r ü n. Die Zioni'stlen als aufstrebende Macht müssen unproduktive Kritik beiseite lassen und mögen nur produktive üben, die berechtigte Kritik über alle gemachten Fehler mögen ruhig der Geschichte überlassen tverden. Uebev Ostafrika zu sprechen, tväve verfrüht, aber eine Probekolon i e brauchen, lvir. Bei Ostasrika handelt) es sich nm eine wirtschaftliche Aktion und um keine nationale. Ein Judenstaat kann nur organisch entstehen, umsomehr als die C h a r t e r p o l i t i k einstweilen gescheitert ist. Die K l e i n k o l o n i s a t i o n P a l ä st i n a s ist neben Ostafrika notwendig. (Großer Beifall.) Herr S i tz m a nn spmch gegen das O st a f r i k a p r o j e k i. Herr I u n gm a n n ünd Dr. F i s ch e l dafür und schließlich befüo wortcte auch. Herr P l a s ch k e s dasselbe, da baldige Abhilfe nötig und für Ostafrika Charter vorhanden sei. Die Versammlung schlos; zu vorgerückter Stunde. Eine neue Gefahr für die Juden Galiziens. Unter diesem Titel schveibt das „Jiid. Wochenblatt": Am 29. September versammelten sich in S t a n i s l a u im Saale dcr „Radi powotowe", welcher von jüdischemGelde errichtet w u<r d e, die Delegierten der „Kolka rolniczi", bekanntlich die größten Antisemiten, zu einer Besprechung. Unter den Erschienenen befanden sich auch Graf Dzieduszicky. Brykczinsky, Pfarrer Eis e l t, Z i e n s k i u. a. ttu und beschlossen unter anderem