Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 39 (15.9.1903)
- Date
- 1903-09-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite. 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 25. September 1903 Nr. 39 - -! MM EH .»MW i-. - HW Ä'.'U •.*V:"-.: . \ l - 3 /i; Erforschungskommission eine günstige Prognose erhalten, Zionismus zum bloßen Judsnstaatsgedanken verflacht. Wohl verdienen die diplomatischen Erfolge der zionistischen Führer größte Bewunderung, aber eben dieses neueste Kunststück zionistischer Navigation ist es, welches den ernsten reifen Männern der imposanten Kongreßminorität Trauer entlockte. Noch ein solcher Sieg einer kommenden Kongreßmehrheit und das Baseler Programm ist vernichtet. Die Kongreßorganisation, ungesund, weil allzurapid gewachsen durch eine spontane Beteiligung der nichtzionistischen Juden an der Heimstättengründung, wäre gezwungen, einer Aenderung des Programms Konzesiiouen zu machen und den Zionisten bliebe in der erstarkten Organisation nur die bescheidene Möglichkeit, sich zu einer „palästinensisch-zionistischen Fraktion" zusammenzuschließen. Die künftigen Kongreße dürften die im Zionismus bereits herausgebildeten Parteien, wie „Misrachi", „Reinpolitische", Kulturfraktion", nicht mehr sehen, und bloß den Parteigegensatz herausbilden zwischen Palästinensern und Ostafrikanern, zwischen Altneuland- und Neulandanhängern, zwischen Judenstaatlern und Zionisten. Ein Beispiel für diese Thesen bildet die Geschichte der deutschen Sozialdemokratie, die sich aus einer revolutionären zu einer beinahe rein sozialpolitischen Partei gemacht hat. Wir wollen bei dieser Gelegenheit nns gegen den Verdacht wehren, als ob wir bereits jetzt der zionistischen Partei „Mauserung" vorwerfen wollten, obgleich wir die Verhinderung dieses Zustandes bloß auf das Ehrenconto der Opposition setzen. Hingegen wäre es für unsere liberalen, deutschnationalen Juden höchste Zeit, sich zu mausern. Durch das humane Anerbieten der englischen Nation wird ihnen eine ehrenvolle Gelegenheit geboten, einen glücklichen Umschwung ihrer Gesinnung vorzunehmen und den alten Schlendrian fahren zu lassen. Nachdem der Eindruck der Bluttat durch Almosen scheinbar vernarbt ist, dürfen und werden sie sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, unseren östlichen Brüdern solche Greueltaten fernerhin zu ersparen. Durch Almosen oder Sympathiekundgebungen allein können wir unseren leidenden, aber zu allem Großen und Hoffnungsvollen wahlberechtigten Volke nicht aufhelfen. Es müssen alle intellektuellen restlichen Juden an diesem Zukunftsbau Hand anlegen. Die Erfolglosigkeit aller bisherigen Flickarbeit soll uns endlich einmal die Augen öffnen. Mit vereinten Kräften müssen wir eine starke, wohlorganisierte, planvolle Emigration einleiten. Hunderttausend Juden entfliehen jährlich, zum großen Teile auf Kosten der westlichen philantrophischen Juden, dem Osten, um plan- und ziellos in der weiten Welt einer trostlosen Zukunft entgegenzugehen. Ost und West müssen, endlich der Stimme der Vernunft gehorchend, sich zu einer gemeinsamen helfenden Aktion die Hände reichen. Denn es ist höchste Zeit! Dieses Neulandes Namen wollen wir einer uralten Sage entlehnen. Es erhalte den Namen jenes Märchenlandes, welches hinter finsteren Bergen von einem reißenden Strome umschlossen, den verlorenen Stämmen eine Zufluchtsstätte bieten sollte: S a m b a t j o n. Hermann Hirsch Kohn. Zeiliuigsschlm. Uebergeschnappt. (Au die Adresse der „Ostdeutschen Rundschau".) Wir wollen unseren Lesern nicht folgend» Erheiterung aus der „Ostdeutschen Rundschau" vorenthalten. In ihrem bekannten zuckersüßen (!) Tone schreibt in diesem edlen Blatts ein Herr „Teut.": Verschuappt! In Wien erscheint ein sreundliebes Blättchen. Seine Sprache ist deutsch, seine Gedanken find mosaisch, rein-semitisch. Vollblut-jüdisch. Es ist ein ausgesprochenes Raffenblatt und uns daher gar nicht unsympathisch. Das „Jüdische Bolksblatt" nennt es sich, schon das beweist Mut. Denn die „Neue Freie Presse" hat nicht die Courage, trotzdem der König von Zion in der Fichtegasse wirkt, sich „Jüdische Finanzzeitung" zu nennen. Auch haben die Makkabäersprossen des „Jüdischen Volksblattes" Temperament. Sie sitzen noch nicht in gespielter Blasiertheit auf den kurulischen Drehstühlen einer weltbewegenden Schmulredaktion, zu der die Großen der Erde ihre Vermittler schicken, sondern sie können noch herzhaft wild werden, wenn man das sakrosankte Israel zu tadeln wagt. Sie sind ehrliche Fanatiker, und das gefällt uns wieder. Darum geht ihnen auch manchmal die Feder durch, wenn sie ihre heiligen Staatsbürgerrechte gar zu kühn verteidigen wollen. Und so schrieben denn die schwarzgelockten Leiter des unentwegt jüdischen Volksblattes in heißem Schmerz ob erlittener Unbill folgende Aufrichtigkeiten.' „Die Juden hallen an dem Deutschen fest, nicht etwa aus nationalen, sondern aus praktischen Gründen, zumal dis ausreichende Kenntnis dieser Welt- und Kultursvrache ihnen eine stärkere Waffe in die Hand gibt, um der Konkurrenz a«s allen Gebieten des Weltmarktes zu begegnen, als dies etwa die Kenntnis einer Sprache vermöchte, welche in verhältnismäßig eng gezogenen Grenzen gesprochen wird. Dabei sind wir Juden so wenig Deutsche, als der Amerikaner, dessen Muttor- und Umgangssprache die englische ist, ein Engländer ist. Die Sprache ist eben kein ausschließliches Merkmal der Nationalität und deshalb ist der Jude, mag er das Deutsche oder das Tschechische zur Umgangssprache wählen, dadurch noch lang» keinDeutscher und kein Tscheche geworden, so viele es auch in ihrer Einbildung glauben." Wie läßt doch Shakespeare seinen Gratiano zum blutgierigen Shylock sagen? „Dank, Jude, daß du mich dies Wort, gelehrt!" I So wollen auch wir dankbar und zufrieden den ehrlichen Verfechtern jüdischer Eigenart zurusen: Dank, daß ihr uns das ein ge steht! Bisher hat Israel immer so entsetzlich deutsch getan, und wenn man die Tante „Bohemia" in unglückseliger Stunde lesen muß, dann schwirren die urteutonischen Schlagworte nur so aus allen Zeilen hervor! Und nun kommt der kleine David vom „Jüdischen Volksblatt" und streckt die Goliathlüge vom jüdischen Deutschtum nnt seiner Schleuder zu Boden. Der Jude ist „noch lange kein Deutscher geworden" — das schreibt nicht etwa so ein herzloser, schlschter, verruchter Antisemit, nein: Israel verkündet es racheschnaubend selbst.... Verfchnappt! Das kann also auch den Hebräern passieren, w. ohne Grazie. Wir trauten unseren Augen nicht. Es ist zwar bekannt, daß nach dem Rücktritte Wolfs von der Leitung des Blattes sich die „Ostdeutsch» Rundschau" nur durch ihre Langweile auszeichnet, daß aber d»n Herren von der Redaktion und dem Herrn Teut insbesondere so jeder Witz ausgegangen ist, daß sie aus einem gelegenheitlichen Artikel daS als besondere Entdeckung auSposaunen, waS nichts mehr und nichts weniger als daS Programm des Blattes seit seiner Gründung ist, kann nur durch die Uebergeschnapptheit erklärt werden, die wiederum das Programm der „Ostdeutschen Rundschau" ist. Ja, lieber Herr Teut, Sie können im „Jüdischen Volksblatt" in allen Schrift arten, gesperrt und fett, Garmond und Petit, in allen möglichen Nummern es lesen, daß „der Jude, mag »r das Deutsche oder Tschechische als Umgangssprache wählen, dadurch noch lange kein Deutscher oder Tscheche geworden ist". Wir stehen auf dem Boden des jüdischen Volkstums. Wir brauchen dies nicht vinmal als Motto auf unser Blatt zu setzen, weil, abgesehen von seinem Inhalt, schon der Titel diese Tendenz offenbart. Auf Ihre Entdeckung, lieber Herr Teut, brauchen Sie sich also nichts einzubilden. Wenn alle Ihre Entdeckungen so aussehen, so beneiden wir die „Ostdeutsche Rundschau" nicht um den Spürsinn ihrer Redakteure. Nur durch diese Uebergeschnapptheit erklär: es sich auch, daß sie die einfachsten Pflichten journalistischer Anständigkeit außer acht lassen, sie unterschlagen nämlich ihren Lesern, in welchem Zusammenhangs diese Worte in unserem Blatte standen. Sie standen in einem Artikel, in dem wir g e g e n die Hetze gegen die deutsche Realschule in Proßnitz protestierten. Wir nehmen nämlich nicht nur gegen den deutschen Chauvinismus (Sie entschuldigen schon dieses harte Wort), sondern auch gegen den tschechischen Chauvinismus Stellung. Und so brachten wir Worte des Protestes, weil man skrupellos die Axt an eine deutsche Bildungsstätte legt. Es ist also eine perfide Lüge, Herr Teut, wenn Sie behaupten, daß der Artikel der Sucht entspringe, selbstsüchtig unsere Interessen zu vertreten. Nein, wir sind so unklug, getreu unseren Prinzipien, eine deutsche Minorität in Schutz zu nehmen, wenn ihr Unrecht geschieht. Das wäre allerdings vor allem Ihre Aufgabe. Sie ziehen es aber vor, mit der deutschen Masse auf wehrlose nationale Minoritäten herzusallen. Das ist zwar nicht ehrenvoll, aber gesund. Wir glauben auch nicht, daß Ihr Vorgehen dem deutschen Namen zur Ehre gereicht. Wir lassen Sie aber darüber ruhig anderer Meinung sein. Wir müssen aber bei dieser Gelegenheit konstatieren, daß von allen deutschen Blättern die deutschradikalen sich am infamsten in der Judenfrage benommen haben. Die liberale Presse schweigt die nationale Bewegung konsequent tot. Das ist zwar nicht mutig und gewiß nicht anständig, aber wenigstens konsequent. Die „Ostdeutsche Rundschau" und die ihr in der Gesinnungslosigkeit verwandte Provinzpreffe lobte anfänglich in widriger, zuckersüßer Weise (Sie verzeihen diese Anspielung) die jüdischnationale Bewegung, um sie gegen die deutschliberalen Juden auszuspielen. Als aber die nationale Bewegung im Judentums wuchs und ein politischer Faktor wurde, da zeigte sich die ganze Erbärmlichkeit der Deutschradikalen. Sofort hatte diese Art von Presse nichts anderes als hämische Glossen, Entstellungen und Lügen für die Jüdischnationalen am Lager. Das ist zwar auch nicht anständig, aber nicht einmal konsequent, sondern das ist einfach erbärmlich. Das beweist, daß es dieser Presse nicht um ein nationales Prinzip, sondern einfach um die Spekulation auf die niedrigsten Instinkte der Masse zu tun ist. Diese Presse hat jede Spur von Achtung, die wir auch unseren national»« Gegnern, wenn sie ihre Sache in anständiger Weise führen, gerne entgegenbringen, verwirkt. Wir haben für dis größenwahnsinnige Impotenz, die sich in der „Ostdeutschen Rundschau" und in den Sudelblättern derselben Richtung breit macht, nur ein Lächeln der Verachtung. - Die rumänische Regierung und die Inden. Unter diesem Titel bringt der „Manchester Guardian" fvl gende Mitteilung. In den Kreisen der rumänischen Regierung beschäftigt man sich in den letzten Tagen wieder vielfach mit der Judenfrage und zwar hauptsächlich, wie die R e u t c r'sche Korrespondenz meldet, mit Bezug ans den Baseler Zionistenkongreß. Angeblich soll in Zukunft ein Unterschied gemacht werden zwischen Juden, welche im Interesse des Landes arbeiten und die Absicht zeigen, rumänische Untertanen zu werden und solchen, welche sich bereits als Mitglieder eines zukünftigen Staates betrachten. Dieses neuere Verhalten der rumänischen Negierung wird in den beteiligten Kreisen vielfach kommentiert. * Die Juden in Rußland. Man schreibt dem „Standard" aus Moskau: „Eine der Bestimmungen, die am schwersten auf den besseren Klaffen der Juden in Rußland lasten, ist die, welche den Prozentsatz der zu der höheren Schulbildung zuzulassenden Juden se st seht. Man findet in Rußland häufig Juden, die bemüht find, die Universitäten oder entsprechende Hochschulen zu absolviereu, weil sie dadurch das Privilegium erhalten, ihren Wohnsitz in einem beliebigen Teile des Reiches nehmen zu können. Ich habe Juden gekannt, die die Universität absolvieren, lediglich um nachher ungehindert ihren Handelsgeschäften nachgehen zu können. Aber die Schwierigkeiten, in die höheren Schulen Eintritt zu erlangen, sind für die Juden enorme. In dis Schulen II. Klaffe, deren Besuch zum Besnche der höheren Schulen berechtigt, wird nur ein gewisser Prozentsatz ausgenommen, und beim Uebertritte in die höheren Schulen stellt sich wieder eine Prozentgrenze hindernd in den Weg. An einem Beispiele läßt sich dieser Einfluß am besten Nachweisen. Eine der Hochschulen hatte bei Beginn des akademischen Jahres 330 Vakanzen. 700 junge Leute bewarben sich darum, darunter 275 Juden. Die Anstalt durste aber nicht m e h r a l s 15 I u d e n aufnehmen." Da» Judentum in de» Provinz Posen. Nach einer Darstellung im „Posener Tagblatt" waren in der Provinz Posen im Jahre 1867: 4,26 v. H. und 1900: 1,87 v. H. der Bevölkerung Juden. Sie haben sich von 1867 bis 1900 in der Provinz um 46,07 v. H., im Regierungsbezirk Posen um 47,46 v. H. und im Regierungsbezirk Bromberg um 43,51 v. H. verringert. Tine ausgesprochene Vorliebe für die größeren Siädte ist Eigenart der Juden, da dort ihre Neigung für Handel und Gewerbe mehr befriedigt wird. Aber auch die Städte mit mehr als 20.000 Einwohner zeigen eine numerische Abnahme. Auf die Juden entfiel»« 1867: 11,17 v. H. der Bevölkerung, 1900: 4,64 v. H. So zum Beispiel sind sie in der Stadt Posen von 1867 bis 1900 um 15,67 v. H. und in der Stadt Bromberg um 17,58 v. H. zurückgegangen. Zur Erklärung dieser Konfessionsverschiebungen kommen offenbar auch wieder Wandererschvinungen in Betracht. Da die Seelenzahl der Juden im preußischen Staate in der angegebenen Zeit um 25,28 v. H. gestiegen ist, so ist der Rückgang des Judentums ohne Zweifel bei dem Aufschwung unserer Industrie und unseres Handels auf eine Abwanderung nach bem Westen zurückzuführen. Nichts mehr und nichts lveniger als die Aufhebung des kürzlich erlassenen rumänischer! Handtverkergesetzcs, durch das tausende von jüdischen Existenzen rrrinicrt wurden, wird in der angesehenen „Romania Ecouonia" energisch befürwortet. Das Blatt schreibt: „Die mit der Anwendung des Handwerkergesetzes betrauten Organe überzeugen sich von Tag zu Tag immer mehr, daß es so viele Lücken und verfehlte Bestimmungen enthält, daß es nicht bloß seinem Wortlaute, sondern auch dem Geiste nach, der seine Schaffung diktiert hat, nicht angewendet werden kann. Infolgedessen verbreitete sich in der Presse zuerst das Gerücht, das) der Handels- und Domssnenminister ein Projekt für die Modifikation des Handiverkergesetzes vorbereite, und zuletzt die Nachricht, daß der Minister vor der Abänderung des Gesetzes sich genötigt sehen werde, die Auwendung desselben zu suspendieren. Daß das Handwerkergesetz abgeändert werden muß, unterliegt gar keinem Zweifel; es ist bloß problematisch, ob die Negierung sich entschließen wird, die Anwendung desselben zu suspendieren, bevor sie es abändert. In jedem Falle indessen ist es bereits ein Vorteil, daß das Domänenministerimn anerkennt, wie schlecht das Gesetz ausgearbeitet ist, und daß es nicht in ernster Weise angewendet werden kann, bis nicht alle seine verfehlten Bestimmungen abgeändert und alle seine Lücken ausgefüllt werden. Wir haben uns so oft mit diesem unglücklichen Gesetze beschäftigt und haben so oft den Fehler hervorgehoben, der begangen wurde, als man den Straßenskandalen nachgab und in aller Eite das Handwerkergesetz redigierte und votierte, daß wir darauf verzichten dürfen, neuerdings auf alle Bestimmungen hinzuweisen, welche es bewirkten, daß es diesem Gesetze von Hause aus an Lebenskraft fehlte. Die einzige Tatsache bloß wollen wir hier hcrvorheben: daß dieses Gesetz nicht dasResultat einer zwingenden sozialen Notwendigkeit und auch nicht die Frucht der Konstatierung war, daß unsere Gewerbe nicht existieren können und nicht fähig wären sich zu entwickeln, ohne in Korporationen organisiert zu werden, vielmehr bloß ein Wunsch gewisser lärmender, arbeitsloser rumänischer Handwerker, denen die Anstifter gesagt hatten, daß nach Erlangung eines Handwerkergesetzes alle Arbeit in Rumänien ihnen zufallen werde, da ein solches Gesetz die fremden Handwerker aus Rumänien vertreiben würde, während gleichzeitig die Preise der Arbeit und der Verdienst infolge Mangels an ernsterer Konkurrenz steigen werden. Und unsere Negierung, erschreckt durch das Geschrei dieser Handwerker, welche keine Arbeit hatteir,!veil die wirtschaftliche Krisis der letzten Jahre alle öffentlichen und privaten Arbeiten im Lande in empfindlicher Weise vermindert hatte, beeilte sich, ein unanwendbares Bastardgesetz zu schaffen, daß überdies noch ungerecht war. Die Schwierigkeiten entstanden vorn ersten Augenblicke an. Die fremde Presse wurde durch die fremdenferirdliche Tendenz des Handwerkergesetzes alarmiert, und Rumänien wurde in der ganzen Welt verspottet. Selbst die Kabinette der fremden Mächte wurden von ihren diplomatischen Vertretern in Rumänien alarmiert, deren Pflicht es war, die Handwerker zu schützen, die ihrem Schutze unterworfen sind. Und unsere Negierung, von allen Seiten bedrängt, gab sieh alle Mühe, die schreienden Ungerechtigkeiten des Gesetzes zu mildern und ein Antverrdungsreglernerrt auszuarbeiten, das irr bieten seiner Bestimmungen vom Texte des Gesetzes abiveicht. Aber selbst diese leichten Verbesserungen waren nicht genügend, um ein seiner ganzen Grundlage nach verfehltes und ungerechtes Gesetz in ein anwendbares Gesetz umznwandeln; und deshelb erkent rnan heute an, daß das Handtverkergesetz wird abgeändert werden müssen, ja daß es sogar bis zur Abänderung suspendiert oder, richtiger gesagt, aufgehoben ivcrdeir solle. Das Vernünftigste, ivas die Negierung tun könnte, wäre das Handtverkergesetz einfach aufzuheben. Dann rnöge. das ernste Studium aller mit der Lage unserer Gewerbe in Verbindung stehenden Fragen beginnen, und erst nachdem rnan das Wesen, die Fähigkeiten und Gewohnheiten sowie den Grad der Kultur und der technischen Enttvicklrrngen unserer Handwerker aller Kategorien und aller Nationalitäten kennen gelernt haben tvird, erst dann rrröge die Negierung mit einenr neuen Handtverkergesetze kourmen, tvetches den Resultaten der gemachten Studierr und der bei dem gegentvärtigen Zustande unserer Getverbe nröglichen Srnnnre von Reformen Nechnrmg tragen soll. Wenn rnan in anderer Weise Vorgehen sollte, dann werden alle künftigen Handtverkergestze das gleiche Schicksal tvie das jetzige haben: sie lverdeir nur Schtvierigkeiten schassen und uiiantvendbar sein." Wenn man sieht, tvetches Urteil bvn rumänischer Seite selber über das berüchtigte Handtverkergesetz gefällt tvird, ist die Erinnerung dam» umso peinlicher, daß das Gesetz selbst in getvissen Kreisen Deutschlands beschönigt tvnrde, und diejenigen, die es in Deutschland bekämpften, bei uns manchen gehässigeil Angriffen ansgesetzt tvaren.