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Jüdisches Volksblatt · 1903-09-15 · 39 (15.9.1903) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
39 (15.9.1903)
Date
1903-09-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Das war ein deutliches Zeichen, daß die Regierungsbehörde durchaus wußte, was bevorstand, und daß sie die wohlhabende Bevölkerung zu schützen bereit war. Dagegen ließ man die Bahnarbeiter ruhig nach den ärmeren Vierteln passieren und sie begannen ein unerhörtes Verwttstungswerk, namentlich in den ärmeren Straßen. Die Häuser an der Techniker-, Wind-- und Nowakowskystraße wurden ausgeplündert, und als sich die Juden in Bewegung setzten, um den Plünderern entgegenzutreten, wurden sie von dem Militär zurückgvtrieben. Es fanden also auch hier in HomeL Plünderungen und Demolierungen unter direktem Schutz des Militärs statt, während der Polizeimeister und der Jsprawnik (Lcmdrat), sowie die gesamte Polizeimannschaft auf den Straßen nicht zn sehen waren. Da die Juden sich nicht tatlos ausplündern lassen wollten, so gab e§ auf beiden Seiten Tote und Verwundete. Die Zahl ist keine sehr große, aber ich glaube doch, daß etwa ein. Dutzend Juden und ein Dutzend Christen bei der Revolte gefallen sein werden. Das Charakteristische für einen Westeuropäer ist auch in diesem Falle, daß die Staatsbehörden die Plünderungen, genau wie es zur Zeit Jgnatiews gewesen ist, patrvuisiert haben und jene, die sich zur Wehr setzten, mit Kolbenstößen und Schüssen an der Selbstverteidigung hinderten. Es unterliegt für mich nicht dem geringsten Zweifel, daß, wenn die Behörden gewollt hätten, mit derselben Schnelligkeit wie am Freitag auch am Montag jede größere Gewalttätigkeit unterdrückt worden wäre. Die Polizei hat sich am Freitag tadellos benommen, so weit ich es beurteilen kann. Für die Szenen am Montag, wobei wiederum gegen 200 Buden und Verkaufslokale der ärmsten jüdischen Bevölkerung zerstört worden sind, ist das Militär verantwortlich, und daß es nur auf höheren Befehl gehandelt hat, ist ja für den, der russiische Verhältnisse kennt, selbstverständlich." Die Krise in Ungarn. Die Reichskrise, welche in Budapest über unsere Monarchie heraufbeschworen wurde, hat bereits unheimliche Dimensionen angenommen. Das bekannte Bismarck'sche Wort, daß der Schwerpunkt der österreichisch-ungarischen Monarchie in Ungarn liege, ist wieder einmal in unangenehmster Weise zur Wahrheit geworden, und es läßt sich nicht leugnen, daß Ungarn, oder historisch richtiger gesagt, das Häuflein Magyaren, die Präponderanz, welche ihnen das in sich zerworfene Oesterreich stillschweigend überließ, in sehr geschickter, wenn auch waghalsiger Weise auszunützen bemüht ist. Es ist nunmehr an der Zeit, einen Rückblick zu werfen auf die Entstehung und den Verlauf der jüngsten Reichskrise, welche nunmehr nicht nur auf die Gemüter im Innern der Monarchie beunruhigend wirkt, sondern auch die Aufmerksamkeit der mit unserer Monarchie verbündeten Mächte im höchsten Grade gefangen hält. Ein solcher Rückblick erscheint uns umso notwendiger, als bereits in der sogenannten öffentlichen Meinung der beiden Reichshälften Über Ziel und Zweck der ungarischen Machinationen eine heillose Verwirrung herrscht, während es gerade jetzt nottut, daß alle Beteiligten ihre Besinnung behalten. Gesetzvorlagen, welche die Armee betreffen, bildeten von jeher eine Klippe für die ungarischen Regierungen, denen das harte Los zuteil ward, eine solche dem ungarischen Abgeordnetenhause unterbreiten zu müffen. Bis zum Regierungsantritte SzöllZ, d. h. solange die liberale Regierungspartei ein einheitliches Gefüge darstellte und die Regierung in ihr eine gefügige Einheit besaß, gab es wohl bei jeder Armeevorlage lebhafte Scharmützel, aber die Opposition mußte vor dem imposanten Aufmärsche einer kompakten Majorität stets kapitulieren und es war für die Macht der Majorität stets charakteristisch, daß, wenn die Wogen der chauvinistischen Leidenschaft in Ungarn zu hoch gingen und den verheerenden politischen Elementen ein Opfer dargebracht werden mußte, es nie derjenige war, der die betreffende Armeevorlage ex offo vertrat: Honvedminister Fejervüry blieb trotz aller Krisen und Stürme stets auf seinem Posten. Erst als vor vier Jahren mit dem Regime Szö llS die Fraktion Apponyi in die Regierungspartei einzog, und die Regierung begann, dem neuen Bundesgenossen zuliebe, dem Klerikalismus Konzessionen zu machen, da begann eS anders zu werden. So lange keine Armeevorlage auf der Tagesordnung stand, war alles eitel Freude und Friede; der Klerikalismus und mit ihm der Antisemitismus gewann wohl täglich mehr an Boden, aber die Armee blieb unberührt, der dynastische Gedanke wurde nicht in Mitleidenschaft gezogen. Kaum wurde aber die Armeevorlage aufs Tapet gebracht, da »rwieS sich auch gerade die Apponyi-Fraktion als daS destruktive Element innerhalb der Regierungspartei und die der letzteren freundlich gesinnten klerikalen Elemente außerhalb des Regierungslagers waren gerade diejenigen, die die chauvinistischen Forderungen immer höher schraubten, die Krise immer mehr verschärften und die Entwirrung der Zustände immer schwieriger gestalteten, wenn nicht unmöglich machten. Das berüchtigte Memorandum A p p o n y i s war nur die Reveille für Akos B e ö t h y, P o l ü n y i, Nikolaus Bart,ha e tutti quanti. Der Lx-lex-Zustand und die Verweigerung des Nekrutenkontigents in Ungarn haben naturgemäß ihre bösen Wirkungen auf die diesseitige Reichshätfte nicht verfehlt. Die politische und wirtschaftliche Unsicherheit und zunächst die Zurückbehaltung der Drittjährigen hat einen erbitterten Kampf zwischen den beiden Reichshälften entfesselt, welcher, wenn jedes Wort, das in diesem Wortstreite schon gefallen, auch seine logischen Konsequenzen hätte, unbedingt zur Zertrümmerung der Monarchie führen müßte. Die ganze Reichskrise hat nunmehr den Charakter eines großen reichspolitischen Exzesses angenommen und trägt auch alle Symptome eines ganz gewöhnlichen, durch die'Leidenschaft verwilderten Exzesses an sich: In Budapest wird von den Klerikalen unter achtundvierziger Flagge ein Rummel verbreitet. Der Rummel bricht aus; der Strohmann Kossuth protestiert dagegen, daß in seinem Namen gesündigt werde und mahnt zur Ruhe. Aber die Klerikalen schüren zielbewußt das Feuer weiter, der Kampf ergreift immer weitere Gebiete und überschreitet die schwarzgelben Grenzpfähle. Auf magyarischer Seite ist der Kampf magyarisch, wild, selbstmörderisch; diesseits der Leitha wird der Kampf hinterlistig, jesuitisch geführt. Drüben kämpft das durch die Schwarzen in den Kampf gehetzte Häuflein Magyaren für eine Chimäre, für eine vermeintliche Selbständigkeit; diesseits aber weiß man ganz genau, daß der Kampf in Ungarn nur um die Vorherrschaft der Klerikalen geht; um aber die magyarischen Bundesgenossen in ihrer Wühlarbeit nicht zu stören, sie vielmehr in derselben zu unterstützen, andererseits aber selbst eine Entrüstung gegen die Vorgänge in Ungarn zu simulieren, wird das blöde Losungswort von einem Kampfe „gegen die Judäomagyaren" in die Masse geschleudert. So sollte denn auch diesem Exzesse nicht das typische Moment eines jeden Exzesses fehlen: der ernste Kampf um die Existenz, die Einheit der Monarchie klingt in eine ganz gewöhnliche Judenyetze aus. So durfte Lueger unter dem Beifallsgejohle einer stupiden Masse wieder einmal den alten Kram auspacken und eine Hetzrede gegen die Juden loslassen, und so konnte es geschehen, daß ein Offizier den traurigen Mut fand, seine Mannschaft, unter welcher sich auch ein Jude befand, gewissermaßen gegen die Juden, die zur Erhaltung seiner Schneidigkeit ebenfalls beitragen, zu kommandieren. Wir würden die politischen Zustände in Oesterreich vollständig verkennen, wollten wir uns über solche Vorfälle noch wundern. Aber es mußte endlich einmal die historische Wahrheit über diese Krise festgeftellt werden, da die sogenannten „freisinnigen" Blätter hüben und drüben kurzsichtig genug sind, oder nicht den nötigen Mut aufzubringen vermögen, der lügenhaften Kampfesweise der Klerikalen entgegenzutreten. Die Juden in Ungarn mögen aber aus diesem Verhalten der einzelnen Parteien die einzig richtige Lehre ziehen. Ihre bisherige Politik, die nnr in der Bekämpfung des Klerikalismus bestand, hat sich als falsch und für das Judentum schädlich erwiesen. Falsch deshalb, weil sie den Klerikalismus nie besiegen werden, weil er sowohl von oben genährt wird und die altliberalen Parteien nichts dazu getan haben, daß das Volk nicht in ihm erzogen werde. Für das Judentum schädlich ist diese Politik, weil der Klerikalismus, der, solange er ehrlich ist. nicht gefährlich ist, durch eine solche Haltung der Juden einfach zum Antisemitismus hinübergedrängt wird, und überdies, wie die letzten Vorfälle es bewiesen, die Machinationen der Klerikalen den Juden aufs Kerbholz geschrieben werden. Die Juden in Ungarn haben viel wichtigere Dinge zu tun, als sich in den Kampf gegen die Klerikalen zu mischen und den anderen Parteien Helfersdienste zu leisten. Mögen sie doch ihre Augen öffnen und sehen, wie sich alle Nationalitäten gegen sie zusammentun. In dem Momente, wo die liberale Partei ihrer, als chauvinistischer Pioniere nicht mehr bedürfen wird, wird sie sie als überflüssigen Ballast über Bord werfen und den übrigen Parteien und Nationalitäten als Beute hinwerfen. Graf Khuen-Hedervary wurde neuerdings mit der Bildung des Kabinetts betraut. Nach der Niederlage, die Khuen bereits im ungarischen Parlamente erlitten, bedeutet dieser allerhöchste Entschluß einen energischen Schritt. Unsere Ansicht über Khuen selbst habe» wir bei seinem ersten Regierungsantritte bereits auseinandergesetzt. Khuen bedeutet für Ungarn, was T a a f f e für Oesterreich war. Ein zweites Regime Khuen kann leicht die völlige Umgestaltung der liberalen Partei herbeiführen, welche auf die Lage der Juden von bedeutender Wirkung sein müßte. Wenn die Juden in Ungarn noch nicht ganz verblendet sind, werden sie wissen, was ihnen ihr jüdische- Selbstbewußtsein gebietet, und werden jenen Weg rinschlagen, der allein sie zum Heile führt. Zum Ostasrika-Projekte. (Pro). Zion mit» Uganda. Nach bekannten und hervorragenden Autoritäten, welche in diesen Blättern zu obiger Frage Stellung nahmen, möge eS einem Abseitsstehenden gestattet sein, aus rein praktischem Gesichtpunkte seine Meinung hierüber zu äußern. Der politisch» Zionismus des Dr. Herzl, welcher „die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte für die Juden in Palästina" zum Ziel hatte, stieß auch bei solchen, welche um Juden und Judentum sich ehrlich kümmerten, aus heftige Gegnerschaft, „die öffentlich rechtlich gesicherte Heimstätte" meinten sie — und wie die jüngsten Ereignisse lehrten, nicht mit Unrecht — sei nicht erreichbar und weiters meinte« sie, besitzen die Juden als ein in allen Weltteilen zerstreutes Volk, auf verschiedenen Kulturstufen stehend, mit verschiedenen Si.ten und Gebräuchen die Fähigkeit nicht, einen einheitlichen Staat zu begründen und wer mit den Verhältnissen vertraut war, konnte auch diesen Argumenten die Berechtigung .ich abfprechen. Die volle Bekräftigung der eben gedachten Einwürfe brachte der VI. Zionistenkongrcß in Basel, dort wußten die Führer des politischen Zionismus eingestehen, daß die Idee der Begründung des jüdischen Reiches sich nicht so schnell verwirklichen lassen kann, daß der Judenstaat — Zukunftsmusik ist; die Gegner selbstverständlich jubelten hierüber und riefen in die Welt hinaus: Le Sionisme est mort. Dr. Hgrzl ist aber kein Träumer, er kann auch praktisch sein. „Wenn es mit Zion nicht geht, suchen wir ein anderes Land", sagte er vor Jahren und als er sah, daß Zion nicht zu erreichen ist, suchte er und fand ein anderes Land. Dieses Land ist Uganda, in Britisch-Ostafrika gelegen, es hat zwar nicht den geschichtlich religiösen Wert wie Zion, ihm fehlt die Poesie der Heimat, dafür aber hat es eine gesunde Prosa. Ein Land, wie es heißt, von guter Bodenbeschaffenheit und Klima, unter einer gerechten und judenfreundlichen Negierung stehend und dieses Land will man den Juden zur freien Besiedelung anheimstellen und ihnen noch manche autonomische Rechte ein räumen. Wenn man bedenkt, daß die Juden seit 2000 Jahren von Ort zu Ort gestoßen werden, nirgends Rast, nirgends Ruh' findend, wenn man bedenkt, daß sie überall als Parasiten, als Aufdringlinge, als Ballast betrachtet werden, wenn mail endlich bedenkt, daß ihnen überall jede Arbeit, jeder Ernährungszweig aus den Händen gerissen wird, so muß man einsehen, daß die sich jetzt darbietende Gelegenheit einer Abhilfe nicht übergangen werden darf. „Uganda kann und soll nicht Zion werden", nein! Uganda soll nur diejenigen aufnehmen, welche hier nicht leben können, vorzüglich diejenigen Juden, welche das barbarische Rußland und Rumänien zur Auswanderung zwingen und einen Teil der Juden aus Galizien, und wenn es gelingen sollte, einige Millionen Juden aus den genannten Ländern anzusiedeln, dann ist beiden geholfen. Vorausgesetzt, daß die zu entsendende Kommission das Land für geeignet findet, muß man gleich ohne Zögern an die Arbeit gehen, die Sache muß dann ehrlichen, bewährten und fachmännischen Händen anvertraut werden und die Kolonisation rasch und rationell in Angriff genommen werden. Die Juden können vorläufig keinen eigenen Staat brauchen, die 2000 jährige Knechtschaft der Diaspora lastet zu schwer auf ihnen, als daß sie sich mit einem Ruck zur Höhe „eines freien Bürgers, im freien Lande" heraufschwingen könnten. Diejenigen Juden, welche nach der Auswanderung der Ueberschüssigen in Europa verbleiben werden, können es hier leidlich gut haben, denn in den Ländern, wo wenig Juden wohnten, ergeht es denselben immer besser, als in denjenigen Ländern, wo viel Juden leben, zum Beweis kann England, Frankreich, Italien,die Schweiz und die nordeuropäischen Länder dienen. Die Juden, welche hier verbleiben — besonders in Rußland, Rumänien und Polen — müffen noch viel Arbeit auf ihre geistige und kulturelle Hebung verwenden, diejenigen aber, welche hier nicht leben können, mögen in Uganda eine Heimat und Brot finden. Deshalb sollen alle Juden, ohne Unterschied der Partei und sozialen Stellung, das Ugandaprojekt mit Freuden begrüßen, und es nach Kräften zu unterstützen Helsen, dieses möge uns vorläufig den Judenstaat ersetzen. Le Lionisme est mort — vive 1' Ugandai'sme G orlies (Galizien). Desider Harlig. * (Kontra.) „Sambatjon"*). Es muß allgemein als große Wohltat empfunden werden, daß das „Jüdische Volksblatt" die Diskussion des ostafrikanischen Projektes gastfreundlich aufnimmt. Die übrigen jüdischen Wochenschriften, besonders unsere „Oesterreichische", werden ihren geduldigen Lesern zur gelegenen Stunde etwas vom Anrichtetische der „Zeit" bieten. Die „Welt" wird sich als offizielles Organ des zionistischen Aktionskomitees in diplomatisches Schweigen hüllen, um knapp vor dem kommenden Kongresse mit einem Effekt aufzutreten. Alle ausländischen Blätter besprechen eifrigst die neueste Landfrage, um das Judentum auf die kommenden geschichtlichen Ereignisse pflichtgemäß aufmerksam zu machen. Die österreichischen Juden, welche sich den Luxus einer hebräischen Zeitung nicht gönnen können oder wollen, verdanken ihre „Kenntnis" der jüdischnationalen Bewegung den böswilligen Entstellungen der „Arbeiter-Zeitung", oder noch besser der Sch uhm eier'schen „Volkstribüne", Es wäre auch von den armen Leutchen zu viel verlangt, nach einem in allen Details so hochinteressanten Prozesse der Madame H u m b e r t noch Zeit zu finden oder der Mühe wert zu halten über die Judenfrage nachzudenken. Deshalb müssen alle Aufmerksamen des Mordeprozesses des Judentums dem „Jüdischen Volksblatt" herzlichen Dank wiffen, da es ihnen nur an dieser Stelle möglich ist, die wichtigsten Ereignisse des jüdischen Volkes zu besprechen. Die sehr starke Minorität von 178 Stimmen gegen 295, hat gegen das Ostafrikaprojekt Stellung genommen, wobei zu berücksichtigen ist, daß gegen 90 Delegierte sich der Abstimmung enthielten, von denen der größte Teil gegen das Projekt gewesen sein dürfte. Die deutschnationalen Juden können sich von der Größe der Zionsliebe dieser Neinsager, die so groß war. daß sie lieber für daS trockene El-Arisch als für das paradifische Uganda stimmten, keine Vorstellung mache«. Obwohl wir das großmütige Anerbieten der mächtigen britischen Negierung als einen glücklichen Vorschlag für die wandernden jüdischen Hunderttausende betrachten, müssen wir auch jener markanten Opposition Gerechtigkeit widerfahren lassen. Ihre stark eingewurzelte Zionsliebe kann der Sympatihe für Ostafrika keinen Raum gewähren. Mit Recht! Nicht die Furcht vor dem Durchbruch oder der Erweiterung des Baseler Programms veranlaßte die Niedergestimmten zu einer unparlamentarischen Demonstration, sondern die Furcht vor dem allzustarken Anschwellen der zionistischen Partei trieb sie zu so heftiger Opposition. Daß diese Furcht begründet ist, beweisen die Sympathien, die das ostafrikanische Projekt in sonst zionsgegnerischen Kreisen genießt. Die autonome Besiedelung irgend eines fruchtbaren Landes imponiert den sehr praktischen Juden. Es wäre zwar der Judenheit hiedurch ermöglicht, sich unter dem Schutze der englischen Flagge einen Platz unter der Sonne zu sichern, hingegen wäre, sollte die Besiedelung dieses neuen Territoriums seitens der *) Audiatur et altera pars, Amn. d. Red.

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