Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 38 (18.9.1903)
- Date
- 1903-09-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2432763-2432970-2433008--2106-2435936- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 38 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 18. September 1303 Seite H thcker ufly., die lustigen Zuschauer ab, denen cs Spatz machte, mitmizrisehcrr, >vie rnan einem Händler die Kister: Eier öffnete und dieselben zerschlug, Geflügel aus dem Verschlag hiuarisivarf usw. Wir sind momentan rricht in der Lage, detailliert über die Zablotower Vorgänge, bezlv. deren Ende zu berichterr, da jeder offizielle Bericht uns vorläufig abgeht. Jedenfalls ist es aber sehr zu bedauern, das; derartige Vorgänge irr Oesterreich sich ereigrrcn können und stillschweigend geduldet Iverderr. — Ans Kolomea (Bahnhof) >vird uns telegraphiert: Bei der: Jnderrexzessen in Zablotow lvnrde eirr Jude ermordet und dreizehrr Jrrderr schlver verwundet. Air särrrtlichen Jrrderrhärisern sind arge Verwüstungen bemerkbar. Die meisten Juden haben sich nach Kolomea geflüchtet. Der Bahnhof ist von jüdischeir Flüchtlingen massenhaft besetzt. Am Perron spielterr sich crgreiferrde Szerren ab. Den nachträglich nun eirrgelarifeirerr Berichterr zrrfolge, haben die Exzesse irr Zablvtolv vor dem Laden eines Lederhändlers namens! Dulberg ihren Anfang genorrrnreir. Drrlberg ertappte rrärnlich eineni Bauern, als er ein Stück Leder stahl rnrd hierbei kam es zum Harrdgemenge, das darrrr, riachdenr das Märchen von der abgeschlachs ieten Bäuerin karrt in der Merrge arrsposannt lvnrde, irr die vorr nns geschilderter! Folgen: Plünderungen der Häuser der Juden und Verlvnndnngen ansartete. Bezeichnend ist, das? auf die endlich doch zustandegebrachte Depesche „ach Kolomea um Militärrequiricrung die Antwort zuteil wurde, das? erst die Bezirkslinuptmannschnft Sniattiu, der Zablotow untersteht, dies veranlassen solle. Unterdessen hatten aber Tausende Menschenleben geopfert werden können. Das geht jedoch den Antsschimmel, nach dein auch nnbedirrgt notwendige Hilfe nnr im richtigen Instanzenwege gestattet ist, gar j nichts an, zumal dann, wenrr cs sich um Inden handelt. Arr zwanzig Personen sind teils schlver, teils leicht verletzt. Die bisher festgestellte Schadenssumme beläuft sich über 46 000 Kr. Gegen die Schnldtragendcn und Urheber ist eine Untersuchung eingeleitet worden, die ein Bezirkskomnrissär, der in Zablvtolv eingetroffen ist, leitet. An 20 Personen, zumeist Bauern ans der Umgebung, sind bereits verhaftet worden. — Aus den Mitteilungen geht hervor, datz die Exzesse glücklicherweise nicht jene schrecklichen Dimensionen angenommen haben, die rnan befürchtete, lvas allerdings nnr der Improvisation der Hetze durch die randalierenden Banern, keinesj Wegs aber irgend einer öffentlichen Schntzgelvalt, die in dem Falle überhaupt nicht vorhanden war, zu danken ist. Hoffentlich lverdcn die Schnldtragenden exeinplarisch bestraft, damit ähnliche Vorkommnisse a la Kischenelv nicht bei uns in Oesterreich rnöglich loerden. Zur Erklärung der Exzesse tväre zu erivähnen, datz das. „Dilo" schon am 11. Juni in einem Artikel erwähnte, die Bauern Ostgaliziens lverden von polnischen Agitatoren zu antisemitischen Ausschreitungen gehetzt. Das „Dilo" lvnrde wegen dieses Artikels konfisziert. Die ganze polnische Presse begann nun ein wahres <Ltnrmlanfen gegen die ruthenische Presse und nannte alles nur Verleumdungen. Sogar der Statthalter Graf Potocki versicherte einer jüdischen Deputation, datz arr der ganzen Sache kein Wort wahr sei, und er eventuell jede Ausschreitung energisch unterdrücken werde. In Zablotow wollte knapp vor der Ernte der dortige bäuer-; liehe Fenerwehrverein eine Generalversammlung abhalten, die Schlachzizen fürchteten vor Strcikorganisationen, und sofort wurde unter der Judenschaft das Gerücht verbreitet, die Bauern wollen antisemitische Exzesse verüben. Die Inden fürchteten für ihr Gut > und Leben und suchten bei der kompetenten Behörde Schutz. Die 1 Versammlung lvnrde verboten urrd nun wurde unter der erbitterten' Menge das Gerücht verbreitet, das; die Juden aus Gehässigkeit gegen die Nnthencn die Versarnrnlung verhindert hätten. So verhetzt man das unwissende Volk und die Folgen davon sind Plünderungen, Exzesse nslv. Und das alles natürlich in Galizien. Salzburger Ferial-Hochfchulkurse. (Inden Böhmens, freut euch eurer Söhne!) (Orig.-Korr. d. „I. V.") In einern Prager Grabencafe lvird ein Freund unfrcilvilligcn Hnnrors in der Regel auf seine Kosten korrrmen. Wenn rnan zufällig hört, lvie ein „dentschfortschrittlichcr" Student auf einen mrderen mit den Worten Zutritt: Hagen, der Onkel Samt ivartet dich im Hotel Robitschek (bekanntes Prager koscheres Restaurant), hat rnan ein köstliches Arnüsement und sieht ans den beiden Studenten schon zwei prächtige Kultnsvorstände sich cnttvickeln mit den zwei notwendigen charakteristischen Eigenschaften: deutsch und koscher. Leider versetzen aber auch die dentschfortschrittlichen Studenten von Zeit zu Zeit den Schauplatz ihrer „freisinnigen" Tätigkeit über die Grenzen des Prager Studentenghettos, genannt Deutsche Lesehalle, hinaus, und was man dann von ihnen hört, klingt gar nicht ergötzlich. So hatte auch irr den letzten Wochen Salzburg Gelegenheit, die Bekanntschaft der jüdischen Assimilanten Prags zu rnachen und dein Leitartikel des „Prager Tagblatt", des führenden Organes sämtlicher Kriltnsgcrncindcräte Böhmens, vom 9. d. M. nach zu schlietzen, war sogar in dieser gastlichen Frcmdenstadt die Freude über derr Besuch dieser deutschen Brüder nicht allzugrotz. Das genannte Blatt hatte schon vor kurzer Zeit die Nachricht gebracht, „datz der liberalen Strrdentenschaft die Teilnahme an jenen festlichen Veranstaltungen verwehrt worden sei, welche in Salzburg aus Anlatz der dort abgehaltcnen Ferial-Hochschulkurse stattgefnnden haben". Nachdem die Idee der Abhaltung dieser Kurse zur Diskussion gekommen war, hat die „organisierte fortschrittliche Studentenschaft von Prag" eine lebhafte Agitation für den Besuch derselben entfaltet, Aufrufe versendet und selbstverständlich auch Abordnungen der einzelnen Korporationen delegiert. Wo es sich darrrm handelte, dieses Werk des Freisinns (!) zu unterstützen, da mutzte doch die jüdisch-deutsche Studentenschaft getreu ihrer glorreichen Tradition an erster Stelle kämpfen. Und diese Begeisterung auf Distanz lies; man sich von Salzburg ans im Anfang gefallen. Datz nicht schon jetzt von Seite des Salzburger Hochschulvereincs und Orts-Ausschusses verhindert wurde, datz die jüdischen Papas von ihren Söhnen tüchtig angepumpt wurden, ist offenbar als erfreuliches Zeichen deutscher Gemcinbürgschaft angesehen worden. Die Herren hatten ja wahrlich arrch schon bisher Gelegenheit genug, die Tugend der Bescheidenheit zu üben! Und so ging denn alles vortrefflich! Der Papa gab das Geld, die Mama packte die Gebetriemen in den Koffer, die Studenten durften sich begeistern, nach Lust „Heil!" rufen — selbstverständlich in Prag ■— und die Bahnzüge beförderten sie ohnetvcite^es in die Stadt der sommerlichen Universität. Doch jetzt kommen die bedauerlichen Vorfälle. Im Kurhaus lvnrde anläßlich der Eröffnung der Kurse ein Festkommers gegeben. Die schönen Reden, die dabei an den deutschen Freisinn und der klerikalen Reaktion gehalten wurden, dnrfterr unsere wißbegierigen Jungen nächsten Tag in der Zeitung lesen. Zum Kommers selbst wurde ihnen nämlich der Eintritt verwehrt und so waren sie um das ersehnte Glück gekommen, mir Festtisch mit jenen zechen zu dürfen, die ihnen als jüdischen („fortschrittlichen" sagt verschämt unser Gewährsmann) Studenten die Satisfaktion mit Waffen verweigert! hatten. Am nächsten Abend fand cirre Festborstellung im Salzburger Stattheater statt; doch die „deutschfortschrittlichen" Studenten erhielten trotz ihres Verlangens keine Karten zugewiesen, da die „Völkischen" erklärt hatten, mit Juden nicht in einem Theater sitzen zu können. Ein derartiges Vorgehen der deutschen Studenten Juden gegenüber kann uns durchaus nicht mehr wundern. Mer auch die Konsegucnzen, welche diese jüdischen Schlvärmer für „das österreichische Heidelberg" aus diesen Vorgängen zogen, entsprechen vollständig dem gewohnten Auftreten dieser im Schlamm der Assimilation verkommenen Gesellschaft. Der jüdische Name ist wieder einmal von diesen Buben, die . vorn Judentum schon längst abgefallen sind und die wir doch auf! Grund ihrer leider unleugbaren Nassenangehörigkeit von unseren Rockschössen nicht abschüttcln können, in unerhörter Weise geschändet lvorden. Sie erklärten mit der den Assimilanten eigenen hündischen Feigheit, datz sie sich alle weiteren Schritte Vorbehalten (grotzartigl) datz sie trotz alledem die Ferialknrse weiter besuchen werden (rührend!), datz sie dagegen auf den Besuch der Festveranstaltungen trotz ausdrücklicher Einladung (wessen?) verzichtcfn rnüssen. „War cs nötig," klagt der aus Salzburg hcirngekehrte Leitartikler, „die Harmonie (!) der Salzburger Zusammenkunft in der geschilderten Art zu stören?" Die Geschichte des akademischen AssiMilantentums ist wieder einmal um ein brennendes Schandmal reicher geworden, obzivar cs wahrhaft keine Ursache hatte, einen neuen Beweis seiner völligen Verkommenheit zu geben. Werden nicht endlich einnral diese Herren aus ihrer Gesinnung die letzte Konsequenz ziehen und sich auch sorrnell von uns lossagen? Werden wir nicht endlich eirrmal der Mühe enthoben lverden, immer wieder erklären zu müssen, datz lvir mit diesen Leuten nichts, aber schon gar nichts gemein haben? Als anläßlich der Anwesenheit eines antisemitischen deutschen Abgeordneten in Prag ein Kommers veranstaltet wurde, bei dem sich auch die jüdische Studenterrschaft Prags öffentlich prostituierte, und jener Abgeordnete sein Glas auf die „arische Studentenschaft" erhob, da schworen die Wackeren, nur umso fester an der deutschen Gemeinbürgschaft festhalten zu wollen. Und was ist die Antwort dieser dickhäutigen Assirnilanten mif die Fußtritte der Salzburger Kommilitonen? „An der Haltung der fortschrittlichen Studenterrschaft werden die Salzburger Vorfälle zweifellos nicht das Geringste ändern, sie werden mit unvermindertem Eifer den Bestrebungen ihre Unterstützung leihen, welche auf eine weitere Ausgestaltung der Ferralkurse hinzielen."' Inden Böhmens, freut euch eurer Söhne! E. Zerstreuung oder Vereinigung!*) Von Dr. A. Bergmann (Pardubitz). (Zur Qstafrikafrage.) Unser nationaler Geschichtsforscher Graetz beendet seine Geschichte der Inden mit der Bemerkung, frei sollte erst das jüdische Volk werden, .dann könnte es sich entscheiden, ob es im Völkerstrorne untergehen oder selbständig fortbestehen solle. Jacta est alea! Die Juden haben sich dank der modernen Verkehrs- und Nachrichtenmittel umgesehcn und gestruden, datz sie zwischen verschiedenen Völkern, unter allen möglichen Regierungsformcn sowie allen Konfessionen leben, datz sie jedoch unauflösbar sind und deshalb im Völkerstrome als Juden gar nicht untergehen könne n. Sie haben sich deshalb entschlossen, dahin zu arbeiten, datz sie selbständig fortbestehen sollen. Um dieses Ziel erreichen zu können, wählten sie ■ sich ein Parlament, das dem jüdischen Volke ein Rechtssubjekt gab, welches Verträge schlietzen kann, sie gründeten die Jüd. Kolonialbmrk und sammeln Gelder zum Ankäufe von Grund und Boden. Klar waren sich die jüdischen Vertreter darüber, datz die Juden, wem: sie selbständig fortbestehen sollen, ein Land haberr rnüssen, in welchem sie sich national, religiös und individuell ausleben können. Selbstverständlich richteterr sie ihre Blicke auf das historische', sagenurnwobene P a l ä st i n a. Allein der Beherrscher des Landes wollte uns nur eine z erst r e u t e , z u s a rn m e n h a n g l o s e Kolonisation in verschiedenen Teilen des Türkischen Reiches gewähren, während wir nur ein zusammenhängendes Territorium für unsere Ziele brauchen können. *) Wir publizieren gerne diese Zuschrift eines alten Vorkämpfers der nationalen Sache, müssen aber gegen ihn betonen, daß wir selbst eine zusammenhanglose Kolonisation in Palästina für viel ersprietzlichcr halten, als das unfruchtbare Warten auf den Moment, wo uns ein großes Territorium in Palästina zur Verfügung stünde. Im Zeitalter des Verkehres bedeuten räumliche Trennung nicht viel. Anmerkung der Redaktion. Er wurde unsicher. Im Kolleg, bei Wagner, saß er in einer der hintersten Reihen. Er sog dem Vortragenden jedes Wort vom Munde. Als dieser jedoch eine Pause machte und er zufällig die Augen nach der Bank richtete, erschrack er im tiefsten Innern. Da stand es, mit einem scharfen Messer eingegraben_ jenes Wort, das ihm die Heimat verhaßt, zur Fremde machte, das ihm den Geburtsort verleidete —: „Juden raus!" Es war ein Spitzbube, der es schrieb — gewiß. Etwas Ruchloses liegt in dieser Art, se'ne Meinung zil bekunden. Aber hier stand es — in den Räumen geschrieben, wo reine, freie, vorurteilslose Wissenschaft gelehrt wurde. Hier sah er es . . . Wie ein Flammenzeichen wollte es ihm nicht von den Augen entweichen. Jmurer wieder sah er die runden Schriftzüge. Seine Brust hob sich in wehem, bitterem Schmerz. Er hörte nicht mehr auf des Dozenten Ausführungen Gedanken und Erinnerungen, wehe und schmerzliche kamen und gingen. Er erinnerte sich einer kleinen Episode aus der russischeu Heimat: Wie sie die Inden geschlagen haben — nur weil sie Inden sind . . . Juden raus, war die Losung. Und wie er sich in seine Gedanken vertiefte, kam es ihm vor, als ob er einen blonden, struppigen Mann mit haßerfüllten Angen sähe, mit einem Messer in der Hand — wie damals . . . Nur ei» solcher kann es sein — dem russischen Bauer, dessen Instinkte aufgepeitscht sind, ähnlich . . . Er fühlte ein Stechen in der Herzgegend. Das Glockenzeichen ertönte. Wie trunken taumelte er ans dem Auditorium. Eine halbe Nacht brauchte er zur Beruhigung seines aufgewühlten Gemütes. Dann verfiel er in einen schweren Schlaf und träumte von den Exzessen in seiner Heimat. Wm andern Morgen fühlte er sich so matt — alle Knochen wie gelähmt. Hier sind sie feige, das war sein erster Gedanke. Er erhob sich in seiner ganzen Manneskraft urrd ballte die Fäuste. Die Wirtin brachte ihm Kaffee. Er hieß sie einen Moment warten: Ob sie denn wisse, daß er ein Jude sei —? Er hielt es vorher nicht für nötig — jetzt aber legte er ihr diese Frage vor. Doch er ließ sie nicht zu Worte kommen: Sie solle nur ja wissen, daß er sich dessen nicht schäme. Er sei nicht stolz, aber auch nicht demütig . . . Das solle sie sich merken . . . Die junge Vermieterin machte erstaurrte Augen: Was er damit meine?! Ihr bleibe cs sich gleich. Nur anständig be« zahleu — pünktlich — pränumerandum — sonst ist ihr alles egal . . . Sie sei keine „Antisemitische" . . . Er beruhigte sich allmählich und ging wieder ins Kolleg. Er kam zu früh und wartete draußen im Korridor. Seine Angen irrten umher. Alles rings umher war lautlos still. Nur hie und da drang ein Trampeln des Beifalles ans einem der benachbarten Säle. Er lehnte an der Wand. Da kamen einige Studeiiten — sprechend und lachend. Er mußte ihr Gespräch hören: „Was treibst du heute abend — Kurt „Keine blasse Ahnung." „Gehst du mit in die Finkenschaft? Ein interessanter Bortrag." „Ja — das wäre eine Idee! Aber .. „Nun?" „Zuviel von dem Gesindel dort ..." „Ach, so—o—o!" Ein lautes, gedehntes Lachen erklang: „Du meinst die — die Nasenbeine .. Der andere nickte lachend. „Schließlich sind's aber doch ganz intelligente Kerle . .." „Verflucht intelligent sogar . . > „Hast Anlage ein guter Mann zu werden mit deiner Eifersucht .. „Quatsch." Mehr hörte Michel Jsrealowitsch nicht. Die Türen des Auditoriums taten sich aus und von allen Seiten strömten die Studenten herbei. Er beharrte auf seinem Platze — wehmutsbedrückt, schmerzerfüllt. Hub dann erfaßte ihn eine wilde Wut! Er hätte laut anfschrcien mögen: Schurken! Warum übersieht ihr denn die Menschen in uns ... Als alle bereits auf ihren Plätzen saßen, ging er lässigen Schrittes hinein. Nnr den Kopf hielt er aufrecht. Er suchte wieder seinen gestrigen Platz auf. Ihm kam eine törichte Idee: Vielleicht kam er, der es geschrieben hatte. Er sollte sich verteidigen . . .! Er wollte für diese feige, niederträchtige Bosheit Rechnung fordern. Niemand kam . . . Statt dessen machte er die Bekanntschaft Abraham Sohnkinds. Er wußte selbst nicht wie es kam. Er pflegte viel auf das Aenßere eines Menschen zu geben. Die Augen sind der Spiegel der Seele, des Herzens. Und das Auge seines Nachbarn gefiel ihm. Es sprach ihn an. Und merkwürdig! Kaum wechselten sie einige Worte, als sie sich gegenseitig den Einschnitt in der Bank zeigten. Fast instinktiv — zur selben Zeit. Abraham Sohnkind lächelt schmerzlich: „Unsere Komilitonen!" Und dann: „Man nennt noch auch . . Sie wurden Freunde. * Nach der Vorstellung der .Jüdin" gingen sie Arm in Arm durch die Straßen, sprachen vom Judentume, von seinen Leiden, von seinem Weh und von seinen Hoffnungen, seinen Aussichten — vom Zionismus. Abraham Sohnkind hatte schwere Arbeit, seinen nengewouneiien Freund zu überzeugen .. . „Wir müssen nicht nur Ideale haben," sagte er, „sondern auch einen Z e n t r a l p u n k t für unser Streben und Wollen. Für einen Inden ist der Angelpunkt der Zionismus."