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Jüdisches Volksblatt · 1903-09-11 · 37 (11.9.1903) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
37 (11.9.1903)
Date
1903-09-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 11. September 1903 Nr. 37 int. Urwälder ansroden, mit wilden Tieren kämpfen, mit ivildeu Poltern sich hermnschlagcn nnd den Boden mit jüdischem Blnte diingeii — nicht weihr, daS ist zu viel für ein Nnchtasyll Ist das Land für eine jüdische Besiedelung geeignet nnd dleiln Zion für abselsbare ßcit verschlossen, dann in Gottes Alainen, möge Israel in Ost-Afrika am Fuge des schneebedeckten Kenia seine Zelte anfschlagen und sich sein Hans bauen. Gelingt cs dort, eine jüdische Kultur zu schaffen, ein jüdisches Geincinlvcsen zur Blüte zu bringen, dann iverden wir auch grösser und stärker sein, als beute, dann lvird Jion-Palästina immer jenes Ideal sein, daS der Seele der Nation Schwungkraft rmd Hoffimug gibt, dann lvird auch unter den heißen Strahlen in Ost-Afrika ein neuer Zionismus entstehen, ungleich schöner und edler als der heutige, lveil er im Geiste und im Herzen eines freien, gesunden und krästigeir Volkes erblühen lvird, lveil dann der Zionismus nicht die Lösung einer Judenfrage, nicht die immerhin mißliche Lösung einer Magenfrage sein lvird, sondern das stolze, kräftige Bestreben, einer der ältesten Nationen das historisch ehrlvürdige Vaterhaus lviederzugeben. So möchte ich den neuen Kurs im Zionismus verstehen I Im September 1903. über die am 24. August 1903 im Hotel „Bristol" abgehallenc Hauptversammlung des israelitischen Landeslehrervereines in Böhmen. Der Vorsitzende Herr S. Springer eröffnet um dreiviertel neun Uhr vornrittags die Sitzuilg. Laut Präsenzliste sind 42 Mitglieder anwesend. Der Obmann erteilt dem Herrn Oberlehrer I. Noubicek aus Straßnitz das Wort zur Abhaltung seines Vortrages. Obmann.- Meine Herren! Wir wünschen, daß im itächstcn Jahre die Sache anders wird und richten den ivarmen Appell an Sie, sich recht zahlreich mit den Vorträgen einzufinden. Ich habe selbst einige Themen ausgesucht, über die Sie bei der nächsten Generalversammlung sprechen könnten und zwar: „Wert und Bedeutung der hebräischen Sprache für den Religionsunterricht" oder „Eine methodisch ausgeführte Uebersetzungsstunde". Hat vielleicht einer der Herren in dieser Beziehung einen Wunsch? Rabbiner Freund: Ein aktuelles Thema wäre: „Sind Anschauungsmittel für den Religionsunterricht notig und welche sind jetzt vorhanden?" Wahrend der weiteren Debatte, an der sich Herr Rabbiner Königsberg und .Herr Obmann Springer beteiligten? erschien das Mitglied des Wemtzerger Bezirksschulrates, Herr Doktor -Zlpred Hamburgerder Versammlung und lmirde vom Vorsitzenden aufs Herzlichste begrüßt. Hierauf erstattet der Schriftführer, Herr Rabbiner Freund, den Rechenschaftsbericht über das verflossene Vereinsjahr. Hochgeehrte Versammlung! ,..Der Ausschuß ihres Vereines hat die Ehre, ihnen statutengemäß den Bericht seiner Tätigkeit im abgelausenen Vereinsjahre zu erstatten. Wenn wir sonst stets gewohnt waren, in den Berichten bloß die Ausstellung und Auszählung der Tatsachen, die im verflossenen Vereinsjahre angeregt, begonnen oder zu einem Resultat geführt wurden, ihnen vorzusuhren, gestatten Sie uns heute einen Moment zu verweilen und einen ganz kurzen und objektiven Rückblick auf den nunmehr abgeschlossenen 30jährigen Bestand unseres Vereines. Mittels Jntimat der k. k. Bezirkshauptmannschaft Schlau vom 11. Dezember 1873 Z. 11387 auf Grund des Statthalterei- Erlasses vom 30. November 1873 Z. 64251 wurden die Statuten unseres Vereines genehmigt und besaß der Verein im ersten Jahre seines ^Bestandes 78 Mitglieder. äo weit es uns möglich war zu eruieren, leiteten unseren Verein: A. Stein, Schlau; Ed. Fantl, Verrinn; D. Popper, Eger; D. Kohn, Rakonitz; Dr. Kisch, Prag; S. Springer, Kralup; L. Thorsch, Schlau; S. Springer, Prag. Unser Verein lvar es, der nicht nur das Gros der israelitischen Lehrerschaft Böhmens vereinte, sondern nach Maßgabe der ihm zur Verfügung stehenden Mittel für diese Segensreiches und Dauerndes zu schaffen stets bereit war. Am 10. November 1873 wurde das Jnslebentreten des Pensionsfonds in der Rcvräsentanzsihung beschlossen. Am 11. März 1883 wurde die Gründung der Kranken- und Darlehenskasse gesichert. Es sind demzufolge auch dreißig Jahre, seitdem der Pensionsfonds, wenn auch noch immer im bescheidenen Maße, so doch an vielen Segen stiftet, zwanzig Jahre sind es, seitdem die Darlehenskasse besteht und sich aus ganz bescheidenen Anfängen im Laufe der Jahre, trotz der häufigen Inanspruchnahme, ziemlich ausgewachsen hat. Wenn man in den vorhandenen Protokollen des Vereines blättert, findet man, daß derselbe stets die erhabenen Ziele mit staunenswerter Anregung, wenn auch nicht immer mit dem gebührenden Erfolge, verfolgte, daß die Geschichte unseres Vereines, die der Schriftführer anläßlich des * 25jährigen Jubiläums entrollte, allen Männern, die im Vereine gewirkt, das Zetignis des edelsten Strebens, des idealen Ringens und der selbstlosen Tätigkeit gebcit muß. Es würde zu weit führen, wollten wir sie mit allen den Phasen bekannt machen, die der Verein in den abgelaufenen dreißig Jahren dtirchzumachen hatte, wir ivollten heute nur die Tatsache des dreißigjährigen Bestandes sesthalten und dem Wunsche für das fernere Gedeihen rmseres Vereines Atisdruck verleihen. Unsere Tätigkeit im abgelaufenen Vereinsjahre war eine ebenso intensive als vielseitige auf jeglichem ttns znstehenden Gebiete, doch ivaren wir durch die bestehenden Verhältnisse gehindert, noch reger zti wirken, sind darum iticht im Stande, auf eine Summe von durch uns provozierten Beschlüssen Hinweisen zu könncit. Die Beschlüsse der Generalversammlung wurden ansgeführt, das Promenroria in Angelegenheit der Regelung des Religionsunterrichtes dem hohen Landes-Schulatlsschusse übergeben, dasselbe ans denn uns zur Verfügtlng stehenden Materiale durch mündliche Berichterstattung erweitert und ergänzt. Wir glauben, daß im allgemeinen eine Verschlimmerung in der sogenannten Regelung des Religionsunterrichtes seither nicht eingetreten ist. Der Enquete, die der Gemeindebnnd behufs Beratung des Referates über die Regelung des Religionsunterrichtes einberies, wohnten zlvci Mitglieder ihres Vereinsausschusses bei und auch zum Gemeindetag sendete ihr Verein einen Vertreter dahin. Die Beratungen auf demselben hatten nur einen vorbereitenden Charakter, denn die Fassung und Ausführung der aus den Referaten resultierenden Beschlüsse bleibt einer späteren Zeit überlassen. Ihr Verein darf sich das Verdienst vindizieren, unablässig und stets durch Wort und Schrift, zumeist in dem Sinne, in deni die auf dein Gemeindetage gehaltenen, gediegenen Referate ivaren, vorbereitet und gewirkt zu haben. Regelung des Religionsunterrichtes, einheitlicher Lehrplan, Einheitlichkeit der Lehrterte, Heranbildung von Lehramtskandidaten, recht liehe und dauernde Stellung der jüdischen Lehrer, Avancement, Altersversorgung, Anstreben der Gründung einer autoritativen Körperschaft für religiöse Angelegenheiten, das alles haben tvir stets angestrebt oder in jeglicher Weise zu erstrebelt aesncht. Die Stellenvermittlung des Vereins, diese von vielen angefeindete und doch unbedingt nötige Institution, lvurde im abgelaufenen Jahre öfters als sollst von Gemeinden und Kollegen in Anspruch genonnnen, denn die Zahl der Petenten fängt denn doch an knapper Izu iverdeil, lvährend die Gemeindeil llvch inuner nicht cinsehen gelernt haben, daß das Besserstellen des Beamten für sie selbst von größerem Nutzen ist, als das tz.iehealassen desselben und die dadurch erlvachsenden Auslagen und liebelstände. Die Zahl der dem Lehrerverein zlir Veröffentlichung übergebenen Konkurse hat auch zugenommen und würde selbstredend noch größer gewesen seiil, lvenn unser Organ öfter erscheineil lvurde. Der Vercinsausschuß stand jedem Mitglied in jeglicher Angelegenheit mit Rat und Tat zur Seite tNld es durfte ein jeder, der Rat suchte, die Wohltat, unserem Vereine anzugehören, empfunden habeil. Ob dem Vereinsansschuß seine Aufgabe durch die Mitglieder 'leicht gemacht lvurde, können lvir nicht behaupten, denn es trat das eigentümliche Merkmal zutage, daß die Mitglieder stets auf ihre Rechte, das oder jenes verlangen zu dürfen, pochen, lvährend sie ihrer Pflichten dem Vereine und dessen Ausschuß gegenüber welliger eingedenk sind, lind doch ist die Hauptbedingung für die Erfolge der gewählten Führerschaft, die unbedingte Gefolgschaft der Gesamtheit. Jedes einzelne Mitglied hat die Pflicht, alle Aktionen des Vereines zu stützen, den Vereinsansschuß über alle zlir Keniltnis gelangenden llebelstände zll informieren und das eigene Interesse sogar dem Iiltcresse der Gemeinschaft zll unterstellen. Daß es bei der heutzutage ilicht allzu lehrerfreniidlichen Strömung eine Hauptaufgabe ihres Ausschusses lvar, das Prestige des Vereines und seiner Mitglieder zll wahren, ist selbstverständlich, daß dies ilicht innner mühelos gewesen, klar. Der Lehrcrverein lvar depntativ vertreten bei der Feier des siebzigsten Geburtsfestes des verdienten Obmaniles der Lnndesjudeiischafts-Nepräseiitanz Dr. Lichtenstern, aus demselben Anlaß bei unserem ehrwürdigen Kollegen Rabbiner Thorsch in Schlau, bei den Beerdigungen der verdienten Mitglieder Markus Ottenfeld, Krolinenthal, uild Moritz Krau, Prag s. a. Zur Linderung der Not unserer Stammesbrüder iit Ki sehe new hat der Ausschuß eilten Betrag von vorläufig 400 Kronen dadurch beigesteuert, daß er die von Dr. Aladar Deutsch dem Vereine zur Verfügung gestellte Sabbatpredigt „Israels Leid und Wehr" im Selbstverläge druckeil uild durch die Vereinsmitglieder absetzen ließ. Hierdurch kämen der Darlehenskasse 50 Kronen zuglite. Mir nehmen gleichzeitig gerne Gelegenheit, Herrn Dr. Aladar Deutsch unseren irärmstell Dank anszusprcchen. Unsere Darlehenskasse die, lvie lvir eingangs schon erlvähnten, das Jubiläum des zwanzigjährigen Bestandes Heuler begeht, hat auch im abgelausenen Vereinsjahre, manchen Kollegen voil allzu großen Sorgen rmd Beschwerde". befreit, so manchem mitten im Drangsal daS freudige Bewußtsein gebracht, daß er durch seine Mitgliedschaft beim Verein eine Stütze itt der Not zu finden imstande ist. Es wurden 18 Darlehen im Betrage von 3606 Kronen verliehen, Spenden tm Betrage von 82 Kronen verabreicht. Die Förderung dieser Jilstitution Jhlien, werte Versammelte, alls Herz zu legen, hält der Ausschuß für eine unbedingte Pflicht und sind hierbei alle Gelegenheiten wahrzunehmell, als der Verschleiß von Telcgrammeil, Beisteuer anläßlich der Ncujahrsentschuldigungen, Sammlungen u. a. m. Die Leistling des Pflichtguldens bei Ableben eines Mitgliedes ist ebenfalls eine unabweisbare Pflicht, die den Angehörigen eines jedeil voil tms, lvenn die Zeit eiilst kommt, zugute kommt. Darum ist es ihre Pflicht, daß diese Gelegenheit, sobald die traurige Kunde von dem Ableben eines Mitgliedes erfolgt, ohne Aufmunterung auch so rasch als möglich geübt ivcrde. Bis dat qui cito datl Unser Verein, der dreißig Jahre bereits besteht, dessen Bestand unter noch traurigeren Verhältnissen, als die heutigeil sind, erhalten blieb, wird Wester Segensreiches wirken, wenn seine Mitglieder nicht bloß ihre Rechte zu wahren verstehen, sondern auch ihren Pflichten nachzukommen bereit sind- Daß diese Ueberzeugung, hochgeehrte Versammlung, in allen ihren Herzen lebhaft ist, das silid lvir überzeugt. Währen Sie ihre Recht.-: rmd wählen Sie auch heute einen Vorstand aufs Neue, der das Interesse ihres Vereines zu wahren imstande ist. Wir Bitten um Genehmigung unseres Berichtes und die Versicherung entgegenzunehmen, das; rms alle, die wir die Leitung Ihres Vereines besaßen, kein anderes Strebeil erfüllte, als das Ziel, daß der israelitische Laudeslehrerverein in Böhmen solvie das Wohl seiner Mitglieder lvachse, blühe und gedeihe! * Auöschußsitznng des Lehrervereines. Am 23. August hielt der Ausschuß noch vor der Generalversammlung eine Sitzung ab, um einesteils den Einlauf zu erledigen, andernteils schlüssig zu werden über die der Generalversammlung vorzulegenden Referate. Anwesend waren die Herren Springer, Abeles, Freund, L ö w y, Stein, während die Herren Schwager und Hoch ihr Fernbleiben durch dringende, unaufschiebbare Beschäftigungen emschuldigt hatten. Nach Begrüßung durch den Obmann wurde einstimmig beschlossen, dem Kollegen Hoch telegraphisch die herzlichsten Glückwünsche anläßlich der Hochzeit seiner Tochter zu übermitteln. Aus dem Einlaufe ist ersichtlich, daß der Gemeindebund noch nachträglich 50 Nummern der „Mitteilungen" bestellt, daß unsere „Mitteilungen" das einzige Organ in Böhmen war, das die Verhandlungen des Gemeindetages ausführlich gebracht hat. Der Kollege Stein wurde ermächtigt, falls er nach Wien reist, im Unterrichtsministerium über das Schicksal unserer seit Jahren dort erliegenden Lehrpläne Nachfrage zu halten. Ueber die säumigen Vereinsmitglieder, die trotz zweimaliger Mahnung ihren Verpflichtungen nicht Nachkommen, wurde der Beschluß gefaßt, sie aus dem Vereine auszuschließen und deren Namen im Vereinsblatte zu veröffentlichen, damit sie nicht später noch Ansprüche an den Verein stellen können. Ferner werden aus dem Einlaufe Zuschriften mehrerer Gemeinden verlesen, die den Vorstand um Anempfehlung von Bewerbern für ihre Gemeinden ansuchen, da sich ein großer Mangel an geeigneten geprüften Bewerbern zeigt. Mehrere Kollegen bitten um Aufklärung in Delegationsangelegenheiten, welchem Wunsche Folge geleistet werden wird. Ein Kollege wünscht Intervention in einer Stiftungsangelegenheit. Da dieser besondere Fall eine Verkürzung des Kollegen in seinen Rechten und Einnahmen dartut, so beschloß der Vorstand, für die Rechte des Kollegen einznstehen. Ferner wurden zwei Darlehensgesuche bewilligt, während ein Gesuch uin eine Unterstützung aus verschiedenen Gründen nach längerer Debatte abgelehnt wurde. Das Ansuchen eines Kollegen um Aufnahme in den Verein wird bis nach Einlauf der Auskunft über seine Person erledigt werden. Hierauf wird der der Generalversammlung vorzulegende Geschäftsbericht vom Schriftführer verlesen und genehmigt. Als Zeichen, daß der Landsslehrerverein der zionistischen Bewegung nicht teilnahmslos entgegenstehe, und weil der Bolksverein sehr viel zur Hebung des jüdischen Gefühles beiträgt, besonders unter der studierenden Jugend, wurde der Beschluß gefaßt, der Generalversammlung den Antrag zu stellen, der Lehrerverein möge als Mitglied dem Volksvereine beilreten, ferner wurde beschlossen, den Gemeindebund anzugehen, dieser möge ans die Gemeinden einwirken, daß sie für die Schüler die nötigen Lehrmittel, besonders die Lesemaschine, anschaffen mögen. Die vom Vereine herausgegebene Predigt des Herrn Rabbiners Dr. Deutsch ergab für die Armen in Kischenew eine hübsche Summe und für unsere Darlehenskasse 50 Kronen; es wurde beschlossen, dem Herrn Rabbiner Dr. Deutsch den Dank des Vereines auszusprechen. Hieraus wurden aus Grund des in der Angustnummer der „Mitteilungen" veröffentlichten Fragebogens des preußischen Ministeriums Anträge für die Generalversammlung abgefaßt. Nach zweistündiger Dauer wurde die Sitzung geschlossen. Zettungsschan. Zeilitirgsjttmmerr xum Ostafrika-Urojekte. Der „Jewish Ehrouicle" in London hat bereits im Juli dieses Jahres in einem Eingesendet den Vorschlag gebracht, dcn Strom der östlichen Anslvandernngsbelvegnng nach Uganda zu richten. An den Herausgeber des „Jelvish Chronicle" richtete ein Einsender, Mr. R o b e r t P. Pate s, einen Brief, in lvelchcui er vorschlägt, die Juden in Uganda zu kolonisieren. Da Uganda unter englischem Einflüsse stehe, meint der Einsender, nnd außer der Eisenbahn von der Küste nach dein Innern auch die Kairo- Kapbahn, deren Aiisführmig doch mir eine Frage lveniger Jahre sei, eine hinreichende Verbindung mit den Ländern der Zivilisation herstelle, so könnte das in Bezug ans Klima und Fruchtbarkeit gesegnete Land ganz gut in Betracht gezogen werden. Der Einsender macht die Besiedlung Ugandas von folgenden Bedingungen abhängig: 1. Die Einwanderer müßten englische Untertanen iverden; 2. die Sprache des Verkehrs müßte die englische sein; 3. die hebräische Sprache solle in allen Schulen gelehrt iverden; 4. bürgerliche nnd religiöse Freiheit; 5. im Laufe der Zeit solle ein Tempel nach dem Muster des salomonischen errichtet iverden. Die „Times erklären, daß alle Freunde der Juden in der ganzen Welt der britischen Regierung für die in dieser Angelegenheit an den Tag gelegte liberale Gesinnung dankbar sein sollten. Allerdings sei die Handlung der Regierung nicht nur generös, sondern gleichzeitig auch klug, denn die jüdischen Kolonisten würden sich Zlveifelsohne, lvenn der Plan verlvirklicht werde, als friedliche nnd loyale Unterthanen erlveisen. Das Auswärtige Amt habe keine weitere Verantlvortung übernommen nnd kein Versprechen gc geben, als die Gewährung eines geeigneten Gebietes und das Privilegium lokaler Autonomie. Mehr lväre mich unklug gelvesen. (?) Die Pläne jüdischer Kolonisation seien keineswegs neu, der Experimente seien schon viele gemacht worden, und die Resultate seien nicht gerade sehr befriedigender Natur gelvcsen. stAn lvem lag es? Wer hieß nach Argentinien geheir? Red.) DaS Cityblatt lvirft danii eilten kurzen kritischen Rückblick ans die jüngste Geschichte des Zionismus, um fortzufahren: „Wir wünschen nicht in entmutigender Weise von den Anstrengungen der Männer zu sprechen, die die etwas unbestimmte Sache des Zionismus zu der ihrigen gemacht haben. Selbst wenn sie nicht gerade das erreichen, was sie gerade im Auge haben, können sie ihrer Rasse gute Dienste leisten; — sie können große Teile in der Verfolgung hoher Ziele vereinigen, dieselben für eine weitblickende Politik begeistern nnd der Verfolgung mit durch die Einigkeit erhöhter Stärke entgegentreten . . Dann aber betont das Blatt wieder die großen Schwierigkeiten, hauptsächlich die finanzieller Natur, welche sich der Verwirklichung der zionistischen Ideen entgegenstellen. Auch der neueste Plan werde starker Opposition begegnen, selbst vom jüdischen Standpunkte auS. Schließlich bezieht sich das Vlatt auf die Stellring der Inden in Großbritannien selbst, indem es sagt: „Warum sollen die Inden nicht Bürger im vollen Sinne des Wortes in solchen Ländern iverden, in denen sie als solche bewillkommnet iverden. Warum sollen sie sich als Fremde in einem Lande fühlen, in dem man sie nicht als solche behandelt?" Der „Daily Graphic" ist dagegen mit der geplanten Geivährnng der lokalen Autonomie nicht e i n v e r st a n d e n, in dem er darauf hinweist, daß bereits italienische und indische Kolonien in Britisch-O-siafrika beständen, die beide nicht derartige Privilegien genössen. In Britisch-Ostafrika selbst hat die Nachricht, daß die englische Negierung den Zionisten in Ostafrika Land angeboten habe zur Bildung einer jüdischen Kolonie unter englischer Kontrolle, lvie der „Daily Mail" aus Mombasa gemeldet lvird, große Erregung hervorgerusen. Das an der Uganda-Bahn gelegene in Aussicht genommene Land soll nämlich das beste des Protektorates sein. Von Mombasa ans sind, lvie der „Daily Mail"- Korrespondent mitteilt, energische Proteste an das Auswärtige Amt in London abgegangcn. Eine Bestätigung dieser Bewegung bringt die „Times" vom 28. August. Sie bringt folgendes Telegramm aus Nairobi, der Hauptstadt Ilgandas, unterzeichnet von Lord Delamere: „Wir und hier sehr gegen die Einführung fremder Juden. Es besteht hier eine Bahn von 200 (engl.) Meilen Länge, lvelche für die britische Kolonisation sehr geeignet ist. Das Anslvärtige Amt soll 200 Meilen besten Landes unerwünschten Fremden geben; ist die kostspielige Bahn zu diesem Zwecke gebaut lvorden? Eine Flut von den genannten Leuten lviirde sicher zu Unruhen mit den halbgezähmten, auf ihre Rechte eifersüchtigen Eingeborenen führen. ES lvürde ein eigener Stab dazn gehören, sie zu kontrollieren. Ist der britische Steuerträger, der Eigentümer von Ostafrika, damit zufrieden, daß dieses herrliche uttb kostbare Land Fremden übergeben iverden soll? Würde das Land nach und nach kolonisiert lverden, so lviirde es sicherlich von britischen Kolonialansiedlern ungeinein gerne anfgesncht lverden. Die hiesigen Engländer vnfen die öffentliche Meinung, insbesondere derjenigen, lvelche dieses Land kennen, gegenüber der Entscheidung auf, lvelche die Zukunft dieses Landes in unendliche Schwierigkeiten stürzen lvürde." Auch jüdische Blätter sprechen sich gegen das Projekt ans. So schreibt der „Jeschnrnn": Wir gestehen, daß lvir für das ostafrikanische Versuchsprojekt nicht schwärmen, trotz der Verantlvortung, die lvir für unsere verfolgten Brüder fürsorglich bekunden müßten. Und dabei machen lvir hier nur lloch das eine Bedenken geltend, daß z. B. in der Nähe von> Mombasa im dentsch-ostafrikanischen Gebiet gerade in letzter Zeit die Unsicherheit durch die Einfälle der Massai geivachsen ist und die dortigen Stämme in steter Unruhe leben. Cavete, consules! Die „Bossische Zeitung" schreibt: Der Landstrich im britischen Schutzgebiet Uganda, den Lord Lansdolvne den Ziollisten zur Einrichtung einer jüdischen Ansiedelung überlassen will, liegt ans einer Hochebene zwischen den Haltestellen Nairobi lind Mau an der Ugandabahn, die von Mombasa an der Küste nach dem Viktoria Nyanza führt. Nairobi liegt ungefähr 6000 Fuß über

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