Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 37 (11.9.1903)
- Date
- 1903-09-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 11. September 1903 Seite 3 r. 37 ebräische :d|lt' er bei der ist d,r :' : fvnafo tun luir iit'd qe' nOl) aften handeln. H’ii and Vereinen irdischer malische, en uslv. vereine, qvereine Hin des ein ein- ■V Sael>> unter jüdilelpnntt .marchie nSwärjndische ch aber nie und iberans ganzen ndischer llnterntlichen ziernng gramer tandesoa bische schulen, terricht izelnen Sprache Fm'kich viel ud bei on der Leben Idee, veranb ,1’itbp, Sitten und Gebrauchen, haben nie einem jüdischen Gottesdienstzigerjahre des 19. Jahrhunderts regten die jüdischen Patrioten beigewohnt und nur das hie und da. als Schimpfwort gehörte Wort „Jnd" erinnert sie an ihren, Glauben, an ihr Volk. Diese Elemente treten in späteren Jahren unbedingt zur Taufe; denn das Gegenteil iväre ein Wunder. Wollen lvir das Judentum nicht selbst als verloren aufgeben, so mnß da schleunigst eine Abhilfe geschehen. Sämtliche Gemeinden des Landes müssen, sei cs als Gemeindebund, sei es als kroatisch-slavonischcr Distrikt, gemeinsam für die Anstellung von Wanderlehrern sorgen, lvelche am Lande den zerstreuten jüdischen Schulkindern Religionsunterricht erteilen, in Orten, tvo cs mehrere jüdische Familien gibt, einigemale jährlich Gottesdienst abhalten und so diese sonst unrettbar fürs Judentum verloren gehenden Seelen für dasselbe erhalten. In einer Zeit, Ivo der Abfall von: Judentum überhand nimmt, erfordert es unsere Ehre, das; wir nicht Hunderte von Kindern direkt vom Judentum stoßen, sondern ihnen im Lebenskämpfe die Kenntnis der Religion als sicheres Kampfmittel mitgeben. Eine solche Vereinigung könnte auch jüdische Schulen errichten, Sorge für den Rabbiner- und Lehrernachwuchs tragen, durch Preisausschreiben jüdische Geschichte und Literatur in kroatischer Sprache verbreiten. Nach außen wäre es die berufene Vertretung der gesamten kroatisch-slavonischen Judenhcit und also auch politisch gleich den Bischöfen durch ihren Vertreter im Landtag tätig. Doch das überschreitet schon den Nahmen dieser Uebersicht und lasse ich für ein andermal. Groß ist die Arbeit, um das hiesige Judentum loieder aufzurichten und vor Zerstörung zu bewahren; doch tvenn sich alle jüdisch gesinnten Elemente des Landes vereinigen, ivenn die jüdischnationale Jugend voll ihre Pflicht tut, dann müssen wir unser Ziel erreichen. Wir käinpfen für den Glauben unserer Väter, für den jüdischen Gedanken und das jüdische Volk und darum müssen wir siegen! L. S. Zion und Ostafrika.*) Von Dr. Mayer-Ebne r (Czernowih). Im September 1897 — es war knapp nach dem 1. Zionistenkongreß in Basel — hatte ich Gelegenheit, mit Dr. Theodor Herzl über den Verlauf des Kongresses und die zionistischen Bestrebungen zu sprechen. Dr. Herzl lvar voll freudiger Hoffnung. Als ich ihm die Ungeduld unserer tatendurstigen Zionisten schilderte, meinte er, daß die Inden, die 1800 Jahre gelvartet haben, noch einige Jahre warten können. „Und wenn die Erlangung Palästinas sich als Unmöglichkeit erweist?" ivagte ich den Einwurf. „Dann suchen lvir uns ein anderes Land," antivortete mir Dr. Herzl. Ich habe diese Worte treu in der Erinnerung bewahrt, erstens weil sie von dem Manne kommen, den ich als den edelsten jüdischen Patrioten verehre, zweitens, weil diese Aeußerung mich schon damals erkennen ließ, daß Dr. Herzl auf einer sehr realen Basis steht. Ich sah, daß der Zionismus nicht mit P a l ä st i n a st e h t und f ä l l t. Ich glaubte auch den tieferen Sinn des Zionismus erkannt zu haben. Seither sind sechs Jahre und sechs Kongresse verflossen. Der letzte Kongreß belvies mir, daß zwischen jener eingangs erwähnten Aenßernng Herzls und seiner Eröffnungsrede vom 23. August l. I., die das Ost-Afrikaprojekt ankündigte, ein innerer Zusammenhang bestehe.. Nur bedurfte cs erst mannigfacher Erfahrungen und Ereignisse, damit Herzl selber es wagen konnte, mit dein neuen Projekte vor dein versammelten Kongresse herauszurücken. Zum besseren Verständnisse für diejenigen Kreise, die die Ursachen und Endziele der zionistischen Bewegung nicht genau kennen, lvill ich im folgenden Einiges anführen, daß zwar nicht neu ist, daß aber auch den Zionisten ins Gedächtnis gerufen lverden muß. Die JlidenanStreibnngen ans Rußland zu Beginn der Acht- *) Wir setzen damit die Dusknssion über dieses lvichtige Thema fort, ohne unsere Stellung zu präjudizieren. Anm. d. Red. aller Länder zum Nachdenken über die akut gclvordene Judenfrage an. Ein Arzt in Odessa, Dr. Leo Pinsler, schrieb ein Büchlein über diese Frage. Der Titel ist die Antwort auf die Frage. „Antoemanzipation." Der Gcdankengang dieser Schrift ist kurz folgender: Den Inden geht es so ziemlich auf der ganzen Welt schlecht. Uebcrall lverden sie als Fremde behandelt, im Osten physisch und materiell zu Grunde gerichtet, im Westen durch heuchlerische Gesetze gequält und durch Verachtung gedemütigt. Die Assiinilation Ivird keine Besserung herbciführen, sondern nur den Haß steigern. Gegen diese nufere Not gibt es nur ein Mittel: Die Autocmanzipation, die Selbstbefreinng, die Selbsthilfe. Dem jüdischen Volke kann es nur gut gehen, wenn es als Nation auf einem eigenen Territorium leben kann. Im jüdischen Hanse, im jüdischen Lande wird es naturgemäß keinen Antisemitismus geben. Im eigenen Lande kann die Nation gedeihen, kann jeder Jude sich seiner Individualität nach ausleben. Wo soll dieses Land sein? frägt Pinsker. Irgendwo auf der Welt. So argumentiert Pinsker und gailz ähnlich klingt auch die Begründung der modernen zionistischen Begründungen. Nun hat die offizielle zionistische Partei auf die Frage nach dem Lande eine präzise Antlvort gegeben. Das Baseler Programm besagt: „Der Zionismus strebt die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für die Juden in Palästina oder Syrien an." Bis zum sechsten Kongresse mußte man glauben, daß dieses Programm unabänderliches Dogma sei. Herzl arbeitete mit Aufopferung für dieses Ziel. Die Leitung der Partei perhorreszierte jede andere Tätigkeit, die geeignet sein könnte, die Zionisten vom Endziel — Palästina-Zion — abzulenken. Man wurde als Ketzer im Lande verschrien, tvenn man im Lande, tvo wir leben, auch an der leidigen, lokalen Politik Anteil nehmen tvollte. Die Ketzer sagten: Bis wir das große Ziel — Zion — erreichen, wird es nach eine geraume Zeit dauern. In der Zwischenzeit wollen tvir die gcgentvärtige politische Lage der Juden in den Ländern, tvo sie einen Machtfaktor bilden, verbessern und über die großen Hoffnungen in der Zukunft die kleinen Wünsche in der Gegenwart nicht vergessen. Das sagten die Ketzer. Aber die offizielle Leitung gab für die Erlangung Palästinas kurzsichtige Termine und bezeichnete die eben erwähnte Tätigkeit als eine überflüssige Zersplitterung der zionistischen Kräfte, die nur auf das eine große Ziel — Palästina-Zion — gerichtet sein müssen. Nun ist ein halbes Dutzend Jahre ins Land gezogen — wahrlich ein unendlich kleiner Zeitraum zur Erreichung eines so großen Zieles — und schon ist der Führung der Zionisten die Ueberzeugung aufgcdämmcrt, daß wir das Ziel — Palästina — so bald nicht erlangen werden. Die Verhandlungen Herzls mit den Vertretern des Sultans sind nicht an Kleinigkeiten gescheitert, sondern an prinzipiellen Gegensätzen. Wenn überdies erwogen joird, daß der Sultan derzeit andere Sorgen hat, daß er in absehbarer Zeit gewärtigen muß, Konstantinopel zu räumen und sich auf Asien zurückzuziehen, so wird man nicht fehlgehen in der Vermutung, daß Herzl selbst von der Ueberzeugung der Notwendigkeit einer vorläufigen Zurückstellung des Palästinaprojektes durchdrungen ist. Die z i o n i st i s ch e B ew e g u n g i st aber ni ch t so angelegt, daß man zehn oder zwanzig Jahre mit ruhigem Warten verbringen s o l l. Es wurden große Hoffnungen erweckt, Schivärmerei und Begeisterung haben einen hohen Grad erreicht, die Gegenwartsarbeit wurde als überflüssig, hemmend und hindernd, wenn nicht bezeichnet, so doch ziemlich unverhohlen als etwas Aehnliches eingeschätzt. Ein Zionismus, der zehn oder zwanzig Jahre in Untätigkeit verharren müßte, lvürde spurlos verschwinden und alles, was sich so herzlich entfaltet, lvürde nicht mehr als ein rührend schönes Kapitel in der jüdischen Geschichte ausfüllen. Das mochte sich Herzl gedacht haben, als er selber in das festgefügte zionistische Programm das erste Loch schlug. „Ostafrika ist nicht Zion und kann es nie werden," sagte Herzl. Das ist richtig. Aber — denken wir den Gedanken nur Gesundheit seines Himmelsstriches berühmt ist. Dies ist ein Land, wo Milch und Honig fließt, loo Israel unter Weinstöckeu und Feigenbäumen in Frieden wohnen darf und wo unser Volk mit der Negierung und Zivilisation derart bekannt werden kann, daß es dazu befähigt wird, seine Erbschaft zurllckzuervbern, welche die Zeit mächtig verkündet." „Im Namen dessen, der immer vor uns ging, des Tags mit der Wolke, des Abends mit der Fenersäule, belebe ich, erntnete und stelle ich d i e j n d i s ch e N a t i o n w i e d e r h e r und l-'ge jedem fi orumen Rabbiner, Präsidenten und Vor sicher, allen Intellektuellen und allen unseren Geschwistern anfs Herz, diese Proklamation öffentlich zu verkünden. Alle Söhne unseres Volkes, die wegen ihres hohen Alters, aus Liebe zu ihrem Vatcrlande, oder aus welchem Grunde immer in jenem Lande bleibe i wollen, in dem sie wohnen, mögen jener Negierung tren bleiben, die ihnen Schutz gewährt. Wir erwarten jedoch, daß sie die Auswanderung der Jüngeren und Unternehmendcrn befördern, und daß tfte sich bestreben werden, die in unser Lrnd zu schicken, die unsere Kraft und unseren Charakter durch Fleiß, Ehre und Vaterlandsliebe vermehren werden." Ich befehle es, daß man in dem, zwischen den Türken und Griechen wütenden Streit die strengste Neutralität bewahren soll. „Ich verbiete für immer die Vielweiberei unter den Juden, ich verbiete ferner eine Heirat zu schließen vor Erreichung dcs nötigen Alters allen beiden Parteien und bevor sie in der Landessprache schreiben und lesen können. Die Gebete sind immer in hebräischer Sprache zu verrichten, es ist jedoch empfehlenswert, daß die moralischen Reden in der Landessprache vorgetrageu werden sollen. Vom ganzen Judentume der Welt, sollen drei Silber-Sch ekel oder ein spanischer Taler als Jahres-Kopsstener gesammelt werden, um der neuen Negierung die Unterstützung der Emigranteu, die Schaffung von! Werkzeugen, die Aufrechterhaltung der neuen Ausielungen möglich: zu machen, wozu auch freiwillige Spenden beigestenert werden können, die zur Erweckung der Nation und zur Erreichung des mit der Verherrlichung des jüdischen Volkes verbundenen Zieles zu verwenden sind." Als Bevollmächtigte, die die Aufgabe hätten, Answandermigs-Gesellichafteu zu bilden, in den verschiedenen Weltteilen Agenten aufzustellen u. s. w. ernannte er Folgende: den Oberrabbiner von Paris, die beiden Oberrabbiner von London — Herschel und Mendola — ferner einige mit ihm in persönlicher Bekanntschaft stehende Männer von Livorno, Bordeaux, Gibraltar, schließlich für Deutschland Dr. Leopold Z n n z und Professor Eduard Gans, welche ihn nachher zum Mitglied ihres Kultnrvereines gewäblt haben. In glühender Phantasie sab sich Noa als Regent des neuen Judcnstaates, den er nach pneiu Berge auf dem die erste Arche Noas ihre Rübe fand Ararat nannte. Am 15. September 1825, einen Tag nach dem jüdischen Neujahre proklamierte er feierlich vor einem großen Publikum in Buffalo die Gründung Ararats. Die mit jüdischer Aufschrift versehene Fahne flatterte in dcr Luft. Ein Orchester eröffnete den Zug. Alsdann folgte Militär, Freimaurer mit ihren Zeichen in großer Zahl. Dann kam Noa Mvrdechai M der „Regent und Richter Israels", wie er sich selbst nannte, mit dem richterlichen Ornate von rother Seide mit Hermelin geschmückt und schwer goldencm Medaillon, nach ihm folgten Freimaurer und sonstige Persönlichkeiten. Der imposante Zug zog durch die Hauptstraßen Buffalos zur christlichen Kirche, wo sie vom Militär erwartet waren. Beim Eintritte in die Kirche spielte die Musik den Juda Makabens-Marsch. Im Schiffe der Kirche lag der Grundstein der zu gründenden Hauptstadt, mit der Aufschrift: „Schema Israel". Die Zeremonie begann mit dem Morgen-Gottesdienste, der von einem katholischen Geistlichen geleitet wurde, dann, wurden einzelne Stellen im Original-Texte von prophetischen Büchern vorgelesen und Psalme rezitiert. ganz ans — kann nicht Ostafrika jene Aufgaben töfen, die wir Zion Vorbehalten haben? \ Zion-Palästina sollte eine Heimstätte für das jüdische Volk sein. Dort sollte es sich, unbehindert durch jndenfeindliche Uebergriffe frei als Volk, als Nation entwickeln. Dort sollte ein jüdisches GemeiMvesen geschaffen lverden, ein jüdisches Zentrum, ein jüdisches Vaterland — das Ahnenland. Ganz dasselbe können lvir uns in Ostafrika schaffen. Nnr wird das neue Vaterland nicht das alte — Ahnenkand sein. Unter dem Schutze des größten, freiesten und sortgeschrittensten Volkes, unter Englands schirmender Hand können lvir dort ein Gemeinlvcsen mit jüdischer Autonomie begründen. Das jüdische Ostafrika lvird ein Sammelpunkt für die Vertriebenen, eine Heimstätte für den elvig ivandernden Ahasver sein. Und die, die in den alten Ländern zurückbleiben, lverden mit Stolz sagen können, dort im Süden lebt ein jüdisches Volk auf eigener Erde, dort flattern echte Volksbanner und kein Stein erhebt sich dort, um jüdische Syinbole zu verunglimpfen. Eine jüdische Heimstätte, ein Vaterland für die vertriebenen Söhne unseres Volkes kann Ostafrika lverden. Ubi bene, ibi patria. Der alte Lateiner wird recht behalten. Und Zion-Palästina? Sollen tvir daran vergessen? Nein. Der Psalmist sagte schon: „Eher verdorre meine Rechte, als daß ich dein vergesse" und Herzl hat in der feierlichen Rede, mit der er den 0. Kongreß geschlossen hat, diesen Schwur des Psalmisten wiederholt. Wir haben keinen Grund, in die Aufrichtigkeit der Worte Herzls Zweifel zu setzen. Man gibt nicht so ohne weiteres auf, lvoran man seine ganze Persönlichkeit gesetzt hat. Der Zionismus hat es auch insoferne schon lveit gebracht, als er erwiesenermaßen die moralische Unterstützung der größten Mächte, Rußlands und Englands zu erwarten hat. Aber trotz dieser relativ günstigen Aussichten, die der palästinensische Zionismus hat, sah sich der Führer der Zionisten dennoch veranlaßt, in seine Rechnung einen neuen Posten, in sein Kalkül einen neuen Faktor aufzunehmen, d. i. — die allerdings entfernte Möglichkeit, daß Palästina dem jüdischen Volke verschlossen bleiben könnte. Man mag das Ost-Afrikaprojekt ncch so bagatellarisch behandeln, das läßt sich nicht aus der Welt schaffen, daß die offizielle Führung der Zionisten das Projekt auf dem Kongresse zur Sprache gebracht hat, daß die Leitung ihren ganzen großen Einfluß eingesetzt hat, um dem Projekte eine sympathische Aufnahme zu sichern und daß der Kongreß mit einer bedeutenden Mehrheit die Angelegenheit einer Kommispott übergeben und die Entsendung einer Expedition nach Ost-Afrika beschlossen hat. Durch diesen Beschluß haben alle einsichtigen Zionisten zu erkennen gegeben, daß sie den Grundgedanken des Zionismus richtig erkannt haben. Der Zionismus ist nicht allein der schwärmerischen Sehnsucht nach dem uns allen teueren Ahnenlande entsprungen, sondern der Erkenntnis von der dringenden 9t o t w e n d i g k e i t, den j ü d i s ch e n Massen eine Hei mstätte zu schaffen. Daß unser Augenmerk in erster Linie sich nach Zion gerichtet, ist selbstverständlich. Dieses Land ist das Land der Träume, das Land der Sehnsucht, das Land der Hoffnung. Jeder Berg und jedes Tal in diesem Lande ist von Geschichte und Sage umwoben und über alles teuer sind uns die Erinnerungen, die uns an dieses Land knüpfen. Abere unglückliche Völker werden durch die Poesie nicht gerettet, wirtschaftliche Probleme werden durch Schwärmerei nicht gelöst. So lange Palästina für uns zu erreichen ist, dann wollen wir gerne Tradition, Geschichte, Poesie, Sehnsucht nach Zion als unerschöpfliche Hilfskräfte zur Erreichung des Zieles betrachten. Aber wenn dieses Ziel in weite Fernen hinausrückt, dann dürfen wir nicht trostlos an den Wässern Basels sitzen bleiben und weinen, sondern müssen unverzagt und mutig die hilfreiche Hand ergreifen, die uns Albion entgegenstrcckt. „Ein Nachtasyl", nennt es Nordau. Ich sehe in einem jüdischen Gemeinivesen mehr als ein Nachtasyl. Es wäre der Herbergelohn zu groß, den!vir für dieses Nachtasyl zahlen müß- N v a hielt eine Rede, die die Spalten der größten amer ikanischen Zeitungen ans füllte, und welche mit der größten Aufmerlsamkeit angehört wurde. Die amerikanischen Zeitungen begrüßten den neuen Jndenstaat wit dem größten I u b e l g e s ch r e i, sie schrieben : „Hier können die Inden ihr Jerusalem finden, ohne daß sie von den Legionen Titus zu fürchten hätten, hier können sie ihre Heiligtümer anfbauen, ohne vor den Fackeln des Krieges zu ziltern, hier können sie sich ruhig zur Ruhe begeben, ohne daß der blinde Eifer und die Verfolgung sie vertreiben konnte." Die Gründungsfeier in Buffalo ward er Anfan epitnb zugleich d a s Ende des neuen Staates. Die ganze Unternchmung war märchenhaft und unausführbar, sie erregte bei allen ernsten Leuten Besorgnisse. Auch Proteste seitens der Rabbiner fehlten «ich t.*) , Der Pariser Grand- Rabbiner, Abraham de Cologne erhob öffentlich Einspruch; Inda Jeittel es warnte die jüdischen Einwohner der Länder des österreichisch en Kaisertumes vom Auswandern und bestrebte sich, den Plan lächerlich zu machen. Der Proklamation wurde gar keine Aufmerksamkeit zuteil. Das ganze war in einigen Jahren ganz vergessen. Bloß Noa selbst kehrte nach 20 Jahren zum Plane der Herstellung des Judenstaates im Jahre 1845 zurück, und schrieb darüber eine Monographie. Für die Zukunft lebte er seinen publizistischen und öffentlichen Tätigkeiten und entzog jedoch sein Mitleid den Inden und dem Judentnme, die er außerordentlich liebte, auch ferner nicht. Er war Präsident des New-^orker Wohltätigkeits-Vereines von 1842 brs zu seinem Tode, der ihn am 22. März 1851 im 66. Lebensjahre ereilte. Dieses Mannes, den die edelsten Bestrebungen beseelt hatten, erinnerte sich die amerikanische und Ausländische Presse anerkennend. *) Protestrabbiner Anm. d. Red.