Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 37 (11.9.1903)
- Date
- 1903-09-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Wien, Freitag Seite 3 Jüdisches Volksblatt 11. September 1903 Nr. 37 gelte n itiuiarifehen (ruUu'itdfraatcd cv.;eitru’ii wollen. Das die (ui rar kann nielif ziveifelhast sein, denn Ivic können die d.Kai.HUU'eii, die tan in int eiiienilieiieit llintam die 'i'euölfennnv?inefn‘f]eit bilden, »her da-? national fein' H!tt>erfra11fäpttfe Volk der Kroaten in ihrem eigenen Lande siegen, wo 00 Prozent Kroaten, 3 Prozent Ungarn sind? K r o a r i e n k a n n u n d wird nie in a g y ci - risi e r l iv e r d e n. In diesem Lande gibt es über 20 000 welche o.So Prozent der Bevölkerung bilden und in Handel, Gelverbe, Industrie und im ösfenklieben Leben eine loiehtige divllc spielen. 2ehern seit den dlömerzeiren gab cs liier Inden, später unter den heimischen Dvnastien und bis in? späte Mittelalter, lvenn aneh in geringer Zahl, bi? der Beschluß de? kroatisebenLandtage? iinFalne 1720 die Inden für alle Z,eiten de? Lande? verwies. Toch bald daraus kamen bereinzelte Inden ins Land, denen im 10. Jahrhundert immer mehr naelifolgten, so das; sie heute bereit? die oben erwähnte startliebe Zalst ansinaeben. In überiviegender dnhf an? Ungarn stammend, brachten sie al? Umgangssprache da? Deutsche mir, ivelcbes aneh heute von den meisten Inden solvohl in der Familie als auch im Handel und Verkehr in sehr g rohe in Mähe gesprochen lvird. Es ist etivas UnbegreislieheS, mit iveleher ostentativen Hartnäckigkeit die Inden hierzulande, ivo von einer politischen Betonung des Deutschtums keine di ehe sein kann, ^.überall die deutsche Sprache als NmgangSsvracbe zu pslcgen, trotzdem dadurch immer wieder in der übrigen Bevölkerung Erbitterung und Feindseligkeit entsteht. ES handelt sieh hier nicht um blohe Kenntnis des Deutschen als Weltnnd Literarnrsprache, als Bindemittel mit dem Anslande, in welcher Beziehung die deutsche Sprache im ganzen Lande gebraucht tvird, sondern um die Tatsache, dah Inden, welche hier im Lande geboren und erzogen oder schon über vierzig Jahre in rein kroatischen Gegenden leben, noch immer an der fremden Sprache sesthalten. Es ist gu erhoffen und speziell im Interesse des jüdischen GedankenS zu eriviinsehen, dah es den Bestrebungen der jüngeren Generation gelingen möge, der kroatischen Sprache unter den hiesigen Inden den gebührenden Platz zu erobern und so eine Schranke zwischen den Juden und der übrigen Bevölkerung anfzuheben. Wie in der Sprachensrage, ist auch im politischen Leben die Stellung der hiesigen Juden sehr exponiert und — sehr unklug. Ausnahmslos sind die jüdischen Wähler Anhänger der nngarfrenndlichen Regierungspartei, ja bei vielen Wahlen anher den Beamten und den von der Negierung Abhängigen die einzigen Wähler und Kortesche dieser Partei, Natürlich erregt dieses Verhalten bei der Bevölkerung Hah und Erbitterung und selbst die gröhten Gunstbezeigungen der Regierung können uns Juden nicht für den Verlust der Liebe und des Zutrauens des kroatischen Volkes entschädigen. Letzteres ist keine leere Phrase und es muh den Kroaten VyN uns dankend anerkannt fnrrhpn. dah tnöhtvnh in heu angrenzenden Ländern die Wogen des Antisemitismus alle Kreise der Bevölkerung erfasset;, trotz der Bemühungen einzelner Personen a -la Tu s kan Kroatien-Slavonien für die Inden ein Land des Friedens und Segens ist, Ivo sie unbehindert ihrer Religion folgen, ihre Stellung in Handel, Gewerbe sowie im öffentlichen Leben ausfüllen können. Ich will nur ein symptomatisehes Beispiel für die Anschauung weiter Kreise mitteilen: Als im April l. I. in Zapresie bei Agram wegen der Aiishängung der ungarischen Fahne einige Hundert Bauern das StationsgebärHe anfieleit, wurde auch der Eisenbahnbeanrte Klein zu Boden geworfen und urihhandelt. Klein ist Protestant und besucht daher nie die katholische Kirche, weshalb ihn die Bauern für einen Inden hielten. Dieser Umstand rettete ihm, wie er vor Gericht erklärte, das Leben, denn zwei Bauern befreiten ihn von der Hand der anderen, indem sie riefen: „Wie könnt ihr Klein etwas antnn? Er ist doch kein Ikngar, sondern ein Judel" .... Ist es nicht bei solcher Gesinnung unsere Pflicht, uns weder in der Sprache noch in der Politik feindselig den Kroaten gegenüber zu benehmen? Es Wunsch in Erfüllung gehen, daß er in Staatsdienst treten werde. Madison beabsichtigte, ihm nach Riga aks Konsul zu schicken, er gewann jedoch im Jahre 1813 die Tuniser Kousnlstelle. Mit den schönsten Hoffnungen und Erwartungen verließ er C h a r l e st o n. Sein Schiff wurde indessen an der französischen Küste von den Engländern, mit denen die Bereinigten Staaten Nordamerikas eben auf dem Kriegsfuß standen. gefangen genommen, er selbst wurde zum Kriegsgefangenen gemacht und nach Plymouth geführt. Er verpfändet sein Ehrenwort, England nicht zu verlassen, daher wurde ihm erlaubt, London und die übrigen Städte des Jnscllandes zu besuchen. Nachdem er in einigen Monaten seine Freiheit zurückerhalten hotte, setzte er seine Reise durch Kadix nach Afrika fort rind erlangte in Tunis die Konsulstelle Nordamerikas. In Kousularaugelegenheiteu hatte er kein besonderes Glück. Den Auftrag seiner Negierung, die in Algier befindlichen gefangenen amerikanische Bürger anszulvsen, führte er mit Hilfe eines seiner Aufmerksamkeit empfohlen naturalisierten Spaniers ans, der jedoch das von der Negierung fest- .gestellte Löjegeld überschritten hat. Als Nva wegen Bezahlung der bewußten Summe die Akzepte sodann nach Amerika sandte, kehrten dieselben protestiert zurück. Noa war in verzweifelter Lage. Er hatte es bloß der Nachsicht des britischen Konsuls von Tunis zu danken, daß er nicht sogleich in Gefangenschaft geriet. Es dauerte nicht lange und die amerikanische Negierung beraubte ihn seines Amtes. Mit seiner Energie und Klugheit brachte er es jedoch so weit, daß er vom Tuniser Bey eine größere Summe erhielt und nun konnte er seinen sämtlichen Verpflichtungen Genüge leisten. Nach Amerika zurückgekehxt, ließ er sich in New-?)ork > nieder. Er nahm seine Tätigkeit wiederum als Redakteur des j Tageblattes „National Advoeate" und als Dramatikers auf und gehörte in kurzer Zeit zu den einflußreichsten Leuten wäre grundfalsch, iveuu die Juden als solche mit der vielfach klerikal angebauelsten Opposition durch Dick und Dünn gingen, aber gruudsähliclic Gegner jede? oppositionellen, auch jndenfrenndlichcn Kandidatcn sollen und dürfen die Inden nichk sein. Weise Enthaltung pon der Wahl, ja hielleieht in einzelnen Fällen Anfslellnng von jüdiseben ZäHllandidaten lväre in allen Orlen ratsam, Ivo die Juden füe den di'egiernngskandidaien ans prinzipiellen, für den oppositionellen aus persönlichen uiclit stimmen können. Gegenwärtig sitzen im Landtage fünf gekaufte und ein nngekanfker Jude — viel können wir also auf keinen Fall verlieren. Neutral >n»s; ferner die Stellung der Juden im serbisch-kroatische» Streite sein. Obwohl dieselbe Sprache sprechend, Herrschen bekanntlich zlvisehen den griechisch nichi-nnierten Serben und den überlviegend katholischen Kroaten vielfache Gegensähe in kultureller und politischer Beziehung, die sogar voriges Jahr bcdanerlicherlveise zu Tinnnlten und Plünderungen geführt haben. In letzter Zeit ist unter km; Eindrücke de? Kampfes gegen tlngarn eine versöhnlichere Stiinmnng eingetreten. In vielen Orten unterstützen die Inden bei den Gerneindewahlen mit aller Gewalt die Serben, um durch ihre Hilfe auch einige Mandate zu erlangen; siegt jedoch die (Gegenpartei, so sind die Inden ans der Gemeindehertretnng ausgeschlossen. So geschah es z. B. in Fakrac und erst im vorigen Monat in Vukovar. Die serbischen Tagblätter, der Agramer „Nobr Srbobran" und die Nensatzer „Zastaba", strotzen dabei von tingerechtfertigten Anfeindungen wider die Inden, billigen die Kischerietver Grcneltaten, bringen vollständig gefälschte Listen über den angeblichen Einfluß der Inden, fordern direkt znm Boykott derselben ans. ES ist mir unbegreiflich, ivarnm gerade diese Zeitungen, die selbst für die nationale Anfklärung einer Minderheit kämpfen, stets das nationale und zionistische Jndeittnm bekritteln und hämisch dessen Bestrebungen glossieren, daß gerade die serbischen Zeitungen uns als Fremde betrachten und uns als baterlandslos erklären wollen, während doch das Gros der Serben bor zweihundert Jahren auf der Flucht bor ben Türken hier gastliche Ausnahme fand. Jedenfalls kann nur strengste Neutralität uns Itldeit davor bewahren, dasz wir einst die Kosten des kroatisch-serbischen Streites bezahlen. Wahrend also die änszeren Verhältnisse der Juden nicht ungünstig sind und durch kluges, patriotisches Verhalten der Juden selbst zu vorzüglichen gestaltet werden können, während atieh die sozialen und öffentlich-rechtlichen Verhältnisse, welche ich mir für ein andermal zur Besprechung Vorbehalte, im allgemeinen zufriedenstellend sind, bieten die inneren religiösen tind nationalen Zustände der hiesigen Jndenheik ein sehr unerquickliches Bild. Es herrscht eine vollständige Indolenz und Unwissenheit in jüdischen Dingen, gepaart mit einer täppischen äußerlichen Assimilation, die nicht ans einem inneren Herzensdrange stammend, sondern nur auf bloßer Nachahmung beruhend, bei affen einsichtigen Elementen nur lächerlich wirkt. Oder ist e8 nicht ßrcdeSf, dciß Lonle. im'lchc ihr ganzes Leben., bei allen W.ählen, bei ihrem ganzen geschäftlichen und privaten Wirten der kroatischen Nation und Sprache fremd, ja feindselig sind, bei einzelnen festlichen Anlässen plötzlich als die eifrigsten Kroaten figurieren, patriotische Lieder singen, große Speitden für nationale Schutzvereine machen, um dann wieder das gewohnte, praktische Tagewerk aufznnehmei;. Der gewesene Sektionsehef Dr. Marian D e r c n c i n hat in seinem Volksstücke „Die ländliche Opposikiott" den Typus eines solchen jüdistheit Augenblickspatrioken geschaffen und es ist von der politischen Einsicht der Kroaten zu erlvarten, daß sie stets solche nationale Elemente energisch abzurütteln verstehen werden. Im vorigen Jahre haben die jüdischen Hochschüler aus den südslabischen Ländern in Wien den Verein „Bar Giora" gegründet und es ist dies bis jetzt aneh der einzige Ausdruck des jüdisch-nationalen Gedeinkcns unter den kroatischen Juden. Soll das Judentum in dem Lande zwischen Dran und Adria nicht ganz aufgelöst werden und in jämmerliche Bruchstücke zerfallen, so muß eine kräftige nationale Bewegung alle Kreise der jüdischen Jugend erfassen und das Interesse und der Stadt, so daß er 1822 zum Sheriff New-Aorks ernannt wurde. In diesem Amte hatte er sich solch große Verdienste erworben, daß er bei der konstitutionellen Nevision dieser Stadt zum Abgeordneten gewählt wurde. Er üble ans dieser Stelle einen so wesentlichen Einfluß ans, ferner entwickelte er eine solche Energie im Schutze der wahren Freiheit, daß man ihn znm Oberauffeher des New-Aorker Hafens erwählte. Noa M. Mordechai hatte eine solche Stellung inne, die zu seiner Zeit kein einziger Jude bekleidet hatte, dabei war er ein begeisterter Jude im wahrsten Sinne des Wortes. Als im Jahre 1818 in New-Aork eine neue Synagoge eingeweiht wurde, hielt der Dramatiker und Journalist Noa die Einweihungsrede, welche er drucken ließ* *) und an mehrere Staatsmänner einsandte. Thomas I e f f e r s v n, James Madison, John Adams und andere äußerten sich anerkennend über dieselbe. „Eine liberalere und schön;re Rede habe ich nie gelcsen," sv schreibt Adams am 31.Juli 1818. In dieser Rede hebt er hervor, daß die Juden trotz allen Verfolgungen ein an ihrer Neligivn sich treu klammerndes Volk bilden und daß sie mit vereinten 5k;ästen gegen das türkische Reich kämpfen und ihr altes Vaterland z u r ü ck e r o b e r n könnten. „Dies ist kein Hirngespinst," io sagt er ausschreiend. „Die europäischen und nordamerikonischen Glaubensgknvssen sind mir bekannt*) ich weiß, ans welcher Weise sie fühlen ui d denken. Sie verstehen den Säbel zu schwingen und sind imstande, Hnnderttausende von Leuten aufs Schlachtfeld zu schicken und ihre Selbständigkeit zu erkämpfen/ *) DiHcoui’fin dfdivored nt, the ronscmralion of ihe Sy- »agoguo the lo th. Nissan 5178 17 tti. April 1818. New- York, 1818. *) Seine Neiscbeschreibungen sind unter folgender Aufschrift erschienen: „Travels in England, France, Spain and the Barbary States in the Year« 18J3, 1814 and 1815. New- York 1819. die Liebe für den alten Glauben der Väter, für die hebräische Sprache und Literatur, für jüdisches Wesen »ad Geschichte er Ivecken. Nicht in politischen Separaibestrebiingen, die ja bei der geringen Zahl der kroatischen Inden bedentnngslos sind, ist das Feld für jüdische Arbeit, nicht im völligen Lossagen von der kroato serbischen Kunst »nd Literatur, Sprache und Wissenschaft, Ivo wir immer vereint mit den andersgläubigen Landsleuten fürs ge. ineinsame Vaterland arbeiten Iverden, ohne uns dadurch abhalten zu lassen, uns stets als belvnßte Inden zu fühlen und zu handeln. Es muß alles versucht Iverden, was die kroatischen Inden ans ihrer Lethargie reißen kann, sei es in Gründung von Vereinen für jüdische Geschichte und Literatur, in Errichtung hebräischer Sprachtiirse, Uebersetznng wichtiger jüdischer Schriften ins Kroatische, Forschungen ans dem Gebiete jüdischer (beschichte in Kroatien nslv. In geselliger Beziehung bieten Gründungen diverser Jngendbereine, Veranstaltungen von Makkabäer- und Pnrimfeiern, Gesangvereine für den Tempekchor ebenfalls Gelegenheit zur Entlvickkniig des jüdischen Lebens. Von welcher Seile die Anregung in jedem einzelnen Falle kommt, ist ganz Nebensache; IvaS der jüdische,; Sache nützt, muß von allen, denen um das Jndentnm gelegen ist, unter stützt Iverden. Dringend notwendig ist die Schasfnng einer jüdischen Wochenschrift in kroatischer Sprache, welche ein Sammelpunkt für das jüdische Leben unter den Südslaben unserer Monarchie sein Ivürde und den hierländisehen Juden Kunde von den auswärtigen Stammesgenossen bringen würde, Lust und Liebe für jüdische Literatur, Wissenschaft und Kunst erlveeke» möchte, zugleich aber Stellung gegen etwaige Angriffe wider die Inden nehmen könnte und so auch für deren äußere Lage nur förderlich lväre. Ich kann meinen Aufsatz nicht beendigen, ohne die überaus tristen jüdischen Schulberhältnisse zu erwähne». Da wir im ganzen Lande gar keine Anstalt für Ausbildung der Rabbiner und jüdischer Lehrer besitzen, so ist deren Befähigung, Vorbildung und llnterrieyksmethode die denkbar verschiedenste. Von einem einheitlichen llnterrichtsplane ist keine Rede, eine lleberwachung oder Inspizierung seitens der Regierung gibt es nicht und auch durch die vom Agramer Oberrabbiner Dr. Hosea Jaeobi verfaßten, von der Landesregierung heransgegebenen llnterrichtsbücher sowie die kroatische Gcbetbnehüberse tz n ng des Katecheten für die Agramer Mittelschulen, Dr. Gavro Schwarz, wurde ein geregelter Religionsunterricht an vielen Mittelschulen nicht erzielt. Vielfach sind die einzelnen Rabbiner und Religionstehrer der kroatischen llnterriehkssprache nicht oder nur nnvollkommen mächtig, oft auch durch rituelle Funktionen am Einhalten der ohnehin mit einer Stunde wöchentlich viel zu karg bemessenen Rekigionsskunden verhindert und so sind bei vielen absolvierten jüdischen Mittelschülern die Kenntnisse von der eigenen Religion und Geschichte ganz unzureichend. Ins Leben eintrekend, bilden diese akademisch gebildeten jüdischen Ignoranten, die für jedes jüdische Thema nur blöde Witze zur Verfügung haben, die Ursache der Stagnation, und Hemnis der jüdischen Sache und deshalb ist gründliche Reform des jüdischen Religionsunterrichtes Grundbedingung jedes Fortschrittes. Die vier konfessionellen Volksschulen leiden unter dem vollständigen jüdischkroatischen Lehrermangel, dem erst in den letzten Jahren durch Errichtung von Stipendien seitens der slavonischen sowie der Agramer Gemeinde teilweise Abhilfe geschaffen ist. Die Zahl der jüdischen Schulen müßte eigentlich die zehnfache sein und doch zeigt sich nirgends im Lande das Bestreben, neue zu gründen. Allerdings sind manche Gemeinden zu arm, um neben dem GotteShanse noch eine eigene Schule zu erhalten. Während die Erteilung des Religionsunterrichtes am Sitze der Knltnsgemeinden und Betgenvssensehnften bei allen Mängeln doch eine leidliche ist, ist der Zustand am flachen Lande ein trostloser. Manche Kinder nehmen überhaupt oder nur jährlich wenige Wochen am Religionsunterrichte des nächsten jüdischen ReligionSlehrers keil, wenige genießen zu Hanse bei den Eltern oder Erziehern Unterricht in der Religion, viele Hundert Kinder jedoch wachsen ohne Kenntnis der jüdischen Religion ans, haben keine Idee vom Jndentnm, seinen Noa glaubte nicht nur standhaft und unerschütterlich an die Prophezeiung des Propheten, daß die Juden einst eine besondere Nation und einen besonderen Staat bilden werden, sondern er glaubte jene Zeit bereits für angebrochen, „in der zur Erfüllung des Versprechens an das Haus Jakob man sich von allen Teilen der Welt versammelte." Das alte Volk Gottes, welches seine Allmacht und Einheit verkündete, wird in seiner Erbschaft znrückgesetzt und es wird die Gesetze eines selbständigen und unabhängigen Volkes genießen. Schon in seiner Jugend hegte er schwärmerisch die Idee, Israel wieder berzustellen, deren Ausführung er 1825 versuchte. Mit Hilfe seiner Freunde kaufte er Grand Island, eine zwischen New-Aork und Kanada liegende, 13 Meilen lange und 5 Meilen breite Insel. Hier sollten die wo immer verbannten Inden Schutz finden und hier würden sie sich die Kräfte erwerben, mit den nachbarlichen Indianern, welche — wie er in einer besonderen Schrift zu beweisen glaubte — die Abkömmlinge der zehn verlvrengeganqeneri Stämme sind, ihr altes Erbe aufs neue zu erobern. Daraufhin ließ er eine Proklamation an sämtliche Juden der Welt ergehen. von der wir den wichtigsten Teil hier folgen lassen: Den an die „geliebten Geschwister" gerichteten Aufruf beginnt er mit folgenden Worten: „Ick Noa M. Mordechai, Bürger der Bereinigten Staaten Amerikas, vormals Tuniser Konsul dieser Staaten, Ober-Sheriff New-Aorks, Gerichtsrat und Anführer und Richter, von Gottes Gnaden in Israel, mache allen Inden der ganzen Welt bekannt, daß für sie ein Zufluchtsort in Vorbereitung und Eröffnung ist. wo sie jenen Frieden, jene Seligkeit und Trost finden werden, den die Unruhen und JrrtÜmer der früheren Jahrhunderte ihnen versagten, ein Zufluchtsort in diesem einzigen und mächtigen Lande, das unserer Person, unserem Vergnügen und unseren religiösen Sitten, die größte Sicherheit verspricht, ein Zufluchtsort in dem Lande, welches durch seine eigene Hilfsquellen, durch den Reichtum seiner Erde und