Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 36 (4.9.1903)
- Date
- 1903-09-04
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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.'Seite 2 indi.s' he? Volksbiatl 4. September 19(3 Nr. 36 Wien, Freilag über die von uns bereits gemeldete Eröffnung einer Filiale der Anglo-Palästinakompagnie in Jaffa. Hervor zuliebe« wäre noch der Beschlutz, eine zweite Wadi-el-Arisch- Expedition auszusenden. Dagegen können wir beim besten Willen in den Unterhandlungen mit der russischen Regierung und in dem Brief Plehwes kein günstiges Moment' erblicken. Vor allem widerstrebt es uns den Herrn von P l e h w e, den wir für die Massacres von Klschemw moralisch verantwortlich machen, in irgend eine Beziehung zum zionistische« Ideal zu bringen. Aber davon abgesehen, vermögen wir in dem Briefe Plehwes, der durch allerlei Wenn und Aber verklausuliert ist, keinerlei bindende Zusage in irgend einer Hinsicht zu erblicken. Plehwe macht seine Unterstützung der zionistischen Aktion von der Einstellung jeglicher Gegenwartsarbeit und jeder politischen Betätigung abhängig. Wir zweifeln keinen Augenblick, daß Dr. Herzt loyal für die Erfüllung dieser Bedingung eintreten wird. Wir zweifeln aber sehr, daß die politischen Verhältnisse Rußlands es die russischen Zionisten über sich gewinnen lassen werden, die geforderte Enthaltsamkeit sich aufzulegen. Wir haben in dieser Hinsicht von russischen Delegierten, die auf der Durchreise begriffen waren, ganz bestimmte Erklärungen vernommen. Wenn die Jugend sehen muß, sei sie zionistisch oder nicht, wie barbartsche Kosaken jede freie Regung mit grausamer Härte unterdrücken, dann wallt ihr das Blut aus und die Beschlüsse vom grünen Tisch verhallen ungestört. Ein neues Kischenew — ein neuer Pinkus Daschewski und Plehwe wird die willkommene Handhabe haben, seine diplomatisch verbrämten Zusagen nicht einzuhalten. Nein, von Plehwe wird das Heil nicht kommen. Zu den Schattenseiten des Kongresses gehört ferner der Umstand, der von allen Seiten gerügt wurde, daß den DelegiertenZür die wichtigsten Fragen kein wissenschaftliches Material zur Verfügung stand, so daß sie gezwungen waren, nach reinem Gutdünken zu entscheiden. Weder zu den Licht-, noch zu den Schattenseiten zählen wir das Ostafrika-Projekt. Es ist noch viel zu ungeklärt, um darüber ein abschließendes Urteil zu gewinnen. Dr. Nord au sagt über das Territorium Folgendes: „Es ist bis jetzt ketn genaues Territorium bestimmt worden. Der genaue Ort muß noch bestimmt werden, nachdem Sachverständige unsererseits dort gewesen sein werden. Aber die Gegend, von der Chamberlain sagte, daß erden/ Eindruck habe, sie würde uns paffen, wenn sonst die Umstände geneigt wären, liegt zwischen Nairaubi und Nau Escarpment. Sie wird beschrieben als ein Hochland und scheint dem südlichsten Teile Englands ähnlich zu sein. Ich erfahre von der Regierung, daß, wenn das gewählte Gebiet uns annehmbar scheint und der Highkommissionar der Schutzherrschaft die Gewährung empsiehlt, die Regierung bereit sein werde, uns ein bedeutendes Lan.dgebiet zu überlassen, etwa 2—300 englische Meilen lang und ebenso breit, also zwischen 40 und 90.000 englische Geviertmeilen. Die Gegend zwischen Nairaubi und Nau Exarpment liegt an der Eisenbahn, die vom Mombassa kommt. Was die gesetzliche Lage der vorgeschlagenen Ansiedlung betrifft, so handelt es sich um die örtliche Autonomie unter Seiner britischen Majestät Regierung." Wir können dabei nicht eine Reminiszenz unterdrücken. Im Anfänge seiner Tätigkeit wurde Theodor Herzl vielfach mit Theodor H erz k a verwechselt, dessen artig muskulös und kräftig, daß man in ihm ein etwas vermuten konnte, das sich dem Lehrerstande nur ungern schmiegte, das nur eine gute Gelegenheit zu erwarten schien, um den ganzen Menschen zu erfassen und in eine entsprechendere Stellung zu bringen. In der Gemeinde flüsterte man, er spekuliere auf Landsteins Vermögen und beabsichtige nach der Verbindung mit dem Hause Geschäftsmann zu werden. — Eines Tages, als Veilchens Vater aus der Synagoge ging und in der Vorhalle noch einmal die Tefilin, d. i. die Kopf- und Armbänder aus Leder, in denen die wichtigsten Sätze der Torah enthalten find, küßte, um sie dann herabzuwickeln und zusammenzulegen, klopfte ihm jemand auf die Schulter; er drehte sich rasch um — es war der Lehrer Pyrkheimer. „Was steht zu Diensten?" sagte Veilchens Vater eiskalt mit einer höhnischen Verbeugung. „Ich bitte mir einige Schritte zu schenken," sagte der Lehrer lächelnd, nahm ihn alsbald am Arme und führte ihn in seine Wohnung, in die von der OJaffe eine hölzerne Treppe führte; er hieß jenen niedersetzen, öffnete seinen kleinen, eisenbeschlagenen Koffer, und siehe da! er war voll Silbers^ ungefähr im Werte von viertausend Gulden, wie Landstein bald heraus hatte. Pyrkheimer erzählte nun dem erstaunten Manne, er habe mit seinem kleinen Lehrergehalte heimliche Geschäfte getrieben, habe dort Ochsenhäute zusammengekaust, hier Leder, ohne sich je einem Nisiiko auszusetzen und er habe stets mehr oder weniger gewonnen. Er habe nun ein rundes Sümmchen beisammen und hoffe, dem reichen Geschäftsmanne nicht mehr so verächtlich zu erscheinen, wenn er um Veilchens Hand werbe. Der Alte hatte nun vor den paar Talern allerdings wenig Respekt, aber der Geist, der sie erworben, imponierte ihm, er fühlte sich beztmingen und ergab sich. Wie erstaunte Veilchen, als der Vater ihr durch die Mutter sagen lieh, es sei morgen abends die Verlobung und in vier Wochen die Hochzeit! Wir kehren nun zur Mutter zurück, die mit den Gedanken an all das, was wir soeben erzählt haben, entschlummert lvar. Sie träumte viel Lustiges und Trauriges untereinander, da das Licht der Lampe ihr ins Gesicht fiel. Aber während ein verhängnisvoller Schlaf sie zur Unrechten Zeit gebunden hielt, irrte Veilchen im leichten Nachtgewande draußen in finsterer Nacht umher, lvie von einem bösen Geist getrieben; sie lief von einem Ende der Gasse zum andern ohne Zweck und Ziel und schrak allemal zusammen, wenn ein Schneebatl sich vom Dache schob oder ein Kater mit funkelnden Augen über den Weg lief; sie glaubte schon den Hammer Freilandprojekt damals viel von sich reden machte. Eine eigentünil'che Fügung des Zufalls will es nun, daß Herzl in derselben Gegend, im Hochlandplateau am Kilimandscharo einen jüdischen Staat gründen will, in welcher H e r z k a sein Freiland verwirklichen wollte. Dadurch erfahren jene Brrwechslungen eine nachträgliche Auffrischung. Alles in allem ist der sechste Kongreß ein wichtiger Markstein in der Entwicklung des politischen Zionismus. Der politische Zionismus mußte Fehler berichtigen und Einkehr in sich halten, wollte er sich entwickeln und das hat er impulsiv und instinktiv getan. Die Unterhandlungen mit der kritischen Regierung. Sir Clement Hill an Mr. Greenberg. Sehr geehrter Herr! Herr C h a m b e r l e i n teilte dem Marquis von Landsdomne den Brief mit, den Sie unter dem 13. v. M. an ihn gerichtet haben und der den Entwurf eines Vertrages enthielt, den Dr. Herzl zum Abschluß zwischen Sr. Majestät Regierung und der jüdischen Kolonialbank^ vorschlägt und der die Errichtung einer jüdischen Siedelung in Ostafrika bezweckt. Se. Herrlichkeit hat auch die Bemecknugen erwogen, die Sie am 6. d. M. gelegentlich Ihrer Unterredung mit Sir E. Barring ton und Mr. H u r st in diesem Anne machten. Ich bin nun von Sr. Heiligkeit beauftragt, \u sagen, daß sie die Frage mit dem Interesse studiert staben, das Sr. Majestät Regierung immer an jedem wohlerwogenen Plan nehmen muß, der die Besserung der Lage der jüdischen Raffe bezweckt. Die Zeit, über die sie verfügten, war zu kurz, a's daß es ihr möglich geworden wäre, auf alle Einzelheiten des Plans einzugehen oder ihn mit Sr. Majestät Vertreter für das ostafrikanische Protektorat zu erörtern, sie bedauern daher, daß sie nicht in der Lage sind, eine endgiltige Meinung über die Angelegenheit auszudrücken. Lord Landsdomne nimmt an, daß die Bank einige Herren in das ostafrikanische Schutzgebiet zu senden wünsche, die persönlich feststellen sollen, ob es dort freies Land gibt, daß sich für die ins Auge gefaßten Zwecke eignet, und wenn dies der Fall ist, wird er sich glücklich schätzen, ihnen jede Erleichterung zu gewähren, damit sie mit Sr. Majestät Vertreter die Möglichkeit erörtern, den Anschauungen entgegenzukommen, die am nächsten Z-.onistenkongreß in Betreff der Bedingungen ausgedrückt werden dürften, unter denen eine Niederlassung möglich sein würde. Wenn ein Landstrich gefunden werden kann, den die Bank und Sr. Majestät Vertreter als geeignet betrachten und der Sr. Majestät Regierung empfehlenswert scheint, dann wird Lord Lansdowne geneigt sein, Vorschläge zur Errichtung einer jüdischen Kolonie oder Ansiedlung unterBedingungengünstig aufzunehmen, die den Mitgliedern die Möglichkeit gewähren, ihre Volksbräuche zu beobachten. Zu diesem Zwecke würde er geneigt sein, wenn ein geeigneter Landstrich gefunden ist, und vorbehaltlich der Meinung der Berater des Slaatssekräters in Ostafrika die Einzelheiten eines Planes zu erörtern, dessen Hauptpunkte sein sollen: die Gewährung eines ansehnlichen Stückes Land, die Ernennung eines jüdischen Beamten zu hören, der an die Türen pocht, um die Leute zu ihrer Hochzeit in die Synagoge zu rufen. Ein kindisches Herz stand da mit Schaudern zum ersteumale vor der Eisenpforte des Lebensernstes — sie hatte mit glühender Faust an die Pforte gepocht und gerüttelt, bis sie sich auftat — nun tritt sie erschrocken, entsetzt vor ihren eigenen Wsünschen zurück — zu spät — die Erfüllung ist da! Der Mann, dessen Anblick durch eine Minute ihre wochenlcmge Geistesnahrung gewesen, in dessen Besitz sie alle Himmel ihres eigenen Busens versetzte, dessen armseligstes Wort sie aus der Fülle ihres Geistes zu einem Born der tiefsten Weisheit gemacht, so lange eine äußere Gewalt, die väterliche Willkür sich abtvchrend zivische» ihn. und sie gestellt hatte: derselbe Main» stand nun da vor ihr in gemeiner Wirklichkeit, ein Abscheu ihrer Seele, als jene bäterliche Willkür die Hände, die sie früher mit allen seinen Schrecknissen in ihrer Seele loderte! Da schlafen sie alle und lassen sich nichts träumen von dem armen Mädchenherzen, das von Abgrund zu Abgrund wie ein Ball geschleudert wird! Die ganze Situation der Trauung stand lebhaft vor ihrem Geiste; aus den Augen ihrer Eltern strahlt die Freude, ihrem Kinde das langersehnte Glück bereitet zu haben; ihre Freundinnen und Verwandten rings um sie her — der Trauhimmel über ihr — jetzt spricht der Prediger von den Pflichten gegen den Gatten, von ihrer ewigen Liebe — jetzt stellt man das Gläschen unter den Fuß des Bräutigams, er zerstampft es, und!vie das Glas nie wieder ganz werden kann: so unauflöslich ist ihr Bund! Jetzt wechseln sie die Ringe — nein! nein! nein! ich will nicht! Der Trauhinimel stürzt ein, die Eltern raufen sich das graue Haar aus, Geschrei und Getöse, Fragen und Antworten — es brennt, cs brennt! — aber nur im Herzen des armen Veilchen — jetzt steht sie mit zitterndem Leibe am User des Stromes, das Eis kracht und stöhnt melancholisch, und darunter braust die gefesselte Flut — sie breitet ihre Arme aus gegen den Himmel, aber dichte Wolken rimlagern ihn finster lvie abwehrende Torwächter — kein Stern! kein Stern! rauh streicht der Wind über ihre Wangen und ihre Locken fliegen; o, daß die ganze Gestalt so leicht würde wie diese Locken, daß sie auf Flügeln des Windes dahingetragen würde über Land und Meer ans Ende der Welt — wo er nicht ist! — Wie sie früher seine Abwesenheit benützte, sein Bild mit allen goldenen Strahlen der gegenstandslosen Jugendliebe zu verklären: so häuft sie jetzt mit eben der Glut eines leidenschaftlichen Hasses alle schivarzen Schatten darüber hin zum Oberhaupt der örtlichen Verwaltungsbehörde und die Gewährleistung voller Bewegungsfreiheit an die Kolonie für Munizipalgesetzgebung und für die Ordnung der religiösen und ausschließlich inneren Verwaltungsangelegenheiten; dieses örtliche Selbftverwaltungsrecht muß indes das Recht Sr. Majestät Regierung unberührt lassen, eine allgemeine Oberaufsicht zu üben. Es ist zur Zeit unnötig, die Einzelheiten der Bedingungen zu erwägen, unter denen das Land bewilligt werden würde, ob dies in Form eines Verkaufs oder einer Pacht geschehen würde, aber Seine Herrlichkeit nimmt an, daß kein Teil der Verwaltungskosten der Siedelung Sr. Majestät Regierung zur Last fallen würde und letztere würde sich das Recht Vorbehalten, das Land wieder in Besitz zu nehmen, wenn die Siedelung sich als Mißerfolg erweisen sollte." Greenberg selbst gab eine Uebersicht der Verhandlungen mit Clement Hill, dem Unterstaatssekretär des britischen Kolonialamtes. Dr. Herzl verlas ferner den Antrag, den das Aktionskomitee dem Kongreß zur Beschlußfassung unterbreitete und der lautet: „Zur Prüfung der Frage des von der britischen Regierung so hochherzig in Aussicht gestellten Gebietes beschließt der Kongreß eine Kommission einzusetzen. Diese Komnlisswn soll aus neun Mitgliedern bestehen. Es ist ihre Aufgabe, dem engeren Aktionskomitee mit beratender Stimme beizustehen für die Frage der Entsendung einer Expedition in das zu erforschende Land. Die Kosten der Expedition dürfen aber weder von der jüdischen Kolonialbank noch aus dem Nationalfonds entnommen werden, lieber die Beschaffung der Mittel hat sich der Finanzausschuß mit dem engeren Aktionskomitee ins Einvernehmen zu setzen. Der Beschluß über die Besiedelung Ostafrikas wird einem eigens hierzu einzuberufenden Kongreß Vorbehalten." Offener Brief an die Redaktion der „Hlasy z Hane“ in Proßnitz. Proßnitz, im September 1903. Von Proßnitz abwesend, lese ich erst heute Ihren Artikel, in welchem Sie gegen meine Ausführungen über ben von der Proßnitzer Gemeindevertretung gegen die deutsche Laudesoberrealschule begonnenen Kampf polemisieren. Ich bin zwar ein prinzipieller Gegner jeder Zritungspolemik, bequeme mich aber diesmal ausnahmsweise zu einer solchen, weil ich Ihre Vorwürfe zurückweisen und die Stellungnahme der jüdischen Volkspartei in dieser Frage doch etwas deutlicher präzisieren muß. Hiebei bitte ich Sie in erster Reihe daran festznhalten, daß wir, die Angehörigen dieser Partei, mit den Zionisten zwar viele Berührungspunkte haben, in der Frage der Realpolitik jedoch einen abweichenden Standpunkt einnehmen. Die jüdische Volkspartei ist gerade zu dem Zwecke gebildet worden, um im Interesse des jüdischen Volkes in Oesterreich eine vernünftige Politik zu treiben. Daß dieselbe aber darin bestehen soll, zu Allein Ja und Amen zu sagen, was die tschechische Bolkjpartei zu tun für gut findet, das hieße S e l b st e n t m a n n u n g treiben u u b würde unsere Nation nur dorthin führen wohin sie d i e h ü n d i s ch e U n t e r w ü r f i g k e i t nute die Deutschen gebracht hat. Bei aller 'Achtung vo den kulturellen Bestrebungen des tschechischen Volkes, die wi — sie hätte sich den Busen aufreißen und sein Bild daraus vernichten mögen — o, nnseliges Herz! so lange eine Faser an dir zuckt, kaimst du es ilicht los werden, dieses Bild — darum stirbl wenn du zerschellst, zerschellt es mit. — Was regt sich dort? sie kormnen! sie kommenI sie reißen dich fort zum Altar! er faßt deine Hand — weg, weg! — die Wogen schlagen an das Ufer, als lüden sie sie ein, in ihren Schoß zu flüchten — noch ein Gedanke, der alle Welt Nild alles Unheil umfaßt — und sie liegt geschaukelt in den Armen des Stromes, bis sie unter der Eisdecke verschwindet! Als der Morgen dämmerte, sprang die Mutter erschrocken ans, sie rief wieder: Veilchen, Veilchen! und wieder antwortet niemand. Sie tveckte das ganze Haris ans; draußen an den Fenstern glitzerten die Eisblumen im Frühlicht; der Vater fragte: ob der Rabbiner schon da sei zum „Bedecken" der Braut, und hörte, daß inan Veilchen suche. Er kleidete sich nichtsdestoweniger feierlich an,!var er ja wochenlang ans diesen Morgen vorbereitet; die Nachbarhäuser tvurden auch aufgcstört; zu allen Freundinnen der Braut Ivard geschickt —• Veilchen war nicht 311 finden! Die Männer hatten sich beim Bräutigam, der die Braut nicht sehen darf bis zur Trauung, eingefunden, man betete bei ihm das Morgengebet, der Rabbiner kam angefahren — aber Weinen und Wehklagen scholl ihm entgegen anstatt der Zimbeln uub Pauken. Plötzlich ertönte vom Stroni her, tvo die Mägde an einem Eiseinfchnitt ihr Geschirr wuschen, Wehegeschrei — inan hatte Veilchen gefundeir ■— aber tot — unter dem Eise. Der ganzen Gemeiride, den Eltern selber blieb es ein Rätsel, daß eine Braut, die mn Morgen ihre Wünsche gekrönt sehen, ihren geliebten Mann bekommen sollte, den sie von ihren» Vater so lange ertrotzt hatte, in der Nacht vor diesem Morgen sich ii,»gebracht haben sollte. Man bestürmte den Bräntigam um Aufklärung der Sache — er bekannte sich blind wie die anderer»; aber er wußte in seinem Herzen, lvie Veilchen seit der Stuiide, da der Vater ihren Bund bewilligt hatte, wie verwandelt gegerr ihrer» Geliebten lvar; sie verweigerte ihm alles, was er sonst nicht erst zii forderi» brauchte; sie floh ihn, wenn es niemand bemerken konnte, sie konnte ih»n »licht in das Auge sehen, die Liebe hatte sich in Haß und Abschell berivandelt. Man verbreitete, sie sei berunglückt im Wasser; aber Pyrkheimer war von der schmerzlichen Ueberzeugmlg durchdrungen, sie habe sich hineingeworfen. Er verlies; de»» Ort, man begegnete ihm bald darauf auf Pferdemärkten; — der Lehrer lvar ein Roßkamm geworden.