Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1903-08-28 · 35 (28.8.1903) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
35 (28.8.1903)
Date
1903-08-28
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2432763-2432970-2433005--2080-2435907
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Heile \ W ie1». 28 August 1903 Nr. 35 JüiiiM’hesi Volksblatt Tic Juden und die Sozialdemokraten. 'sttt "Vccl. Ta gebt." befand sieb jüngsl das folpcuöe Inserat: „^'Ille ^nden. lvelebe die Sazialdematratie als das sebliannste Nebel im Staate betraebren. lvelebe den politiseben Raditalismus der Juden für berderblieb balien und lvieder Fühlung mir den nalianalen Parteien fuclicn, leie -,u Laekere- Seiten, worden gebeten, ihre Adresse» .zur Bildmut einer Vereinigung niedergnlegen unter „Dculsckws Vaterland" bei ..." Dazu sebreibt die „Vrannsebiveiger Laudcs-Zeituug": „Dies lägt darauf sebliefzen, das; eine Vereinigung int Werden begriffen ist, die ben Zweck haben soll, die sä di sehen Diaatbbnrger atts den Banden de-? politiseben Dvclriuarismus und besonders des svzialisliseben Raditalismus zll befreien und einer politiseben Mittelpartei anzngliedern. Es ist jedoeb zu besorgen, dag auf diesem Wege nichts Ersprießliches erreiebt werden wird, denn anolchmen Auffvrdertnigen kommt niemand gerne nach. Anders iväre es, iveun eine Anzahl angesebeuer nnd politisch bekannter Personen mit ihren Namen hrrvorträtcu uufc tu eittem öffetttliebett Aufrufe mit einem zur Nachfolge aneifernden Beispiel vorangingen: das Ivürde wahrscheinlich Erfolg haben. Dag die Sozialdemokratie gerade aus jüdischen reifen die stärkste Förderung uitd Weiterentlvicklung erfahren bat, ist durch die Namen Marr, Engels, Bernsteilt, Lassalle, Singer uitd eine Anzahl von Agitatoren zweitett tntd drittelt Otauges, worunter sieb viele Zeitungsredakteure befinden, zur Genüge gekennzeichnet. Ebenso rekrtitiert sieb der bürgerliche Radikalismus borwiegend atis jüdischen S\reifen, denn die maggebendcn Blätter desselben, Berliner Tageblatt, Berliner Zeitung, Morgcnpost, Abendpost, Frankfurter Zeiwug, BolkSzeitnng, und viele Provinzblätter derselben Richtung befiitdeit sieh im Besitze vo,t jüdischen Verlegern tntd tverden voit ebeitsolcheit Redakteuren bedient. Wenn im jüdischen Volke dagegen eine gesunde Gegenbewcgung sieb enttvickeln tvürdc, so könnte das im Interesse der nationalen Politik nur mit großer Genugtuung begrüßt tverden, denn das müssen die intelligenteu Juden doch wohl längst erkannt haben, dag sie ntit dem teilt negierenden Liberalismus nie und nimmer für sich etwas Ersprießliches erreichen können, sondern nur vermittelst eines rückhaltlosen Bekenntnisses zu nationalen Zielen. Opposition und abfällige Kritik gegenüber wirklichen Schäden oder reaktionären Tendenzen der Negierung würde ihnen trotzdem nicht verwehrt sein, sie tvürden vielleicht in dieser Hinsicht sogar innerhalb der allzu wenig aktiven Mittelparteien ein heilsames Ferment bilden, auch brauchte darum keiner seiner liberalen Ileberzeugung untreu zu werden. Nur müßten sie vor allen Dingen den Mut haben, rückhaltlos für die Forderung aller der Elemente aufzutreten, tvclche die Grundbedingungen einer wirklich nationalen Politik bilden: Flotte, Heer und Kolonien. Selbstverständlich tun als Wähler dies schon jetzt viele Juden, aber es fehlt vor allem der korporative Ausdruck einer solchen politischen Richtung; ihn hcrbeizuführen, liegt im Interesse der Versöhnung des inneren Haders, den die Antisemiten in frevelhaftem Mutwillen heraufbefchworen haben, ohne imstande zu sein, zu zeigen, wie denn ein Ausgleich der Gegensätze erfolgen könnte. Denn dag ein solcher erstrebt werden muß, sieht doch Wohl jeder vernünftige Politiker ein." Zum Uebertritt der Nationalsozialen. Der Neichstagsaügeordnete Herr v. G e r l a ch stellt dem „Berliner Tageblatt" den nachfolgenden Artikel zur Verfügung. „Die geplante Vereinigung der Nationalsozialen mit der Freisinnigen Vereinigung ruft an einigen Stellen die sonderbarsten Befürchtungen hervor. Einige Blätter, die der Freisinnigen Vereinigung nicht gerade wohlwollend gegenüberstehen, haben sogar die Besorgnis geäußert, die Nationalsozialen könnten auf die Freisinnigen a n t i s e m i t i s ch abfärben. In der freisinnigen Vereinigung selbst ist eine solche Besorgnis nicht zu Tage getreten. Nicht einmal Dr. Barth alsVorsitzender des„Vereins zurAbwehr des Antisemitismus" scheint von der intimenBerührung mit unsNationälsozialen eine antisemitische Infektion zu befürchten. Er kennt uns ziemlich genau und betreibt trotzdem die Verschmelzung beider Parteien aus innerster Ueberzcugung. Hält man ihn vielleicht für einen verkappten Antisemiten oder gar für einen politisch naiven Menschen? Zur Beurteilung der Nationalsozialen kann nur das herangezogen werden, was der nationalsoziale Verein seit seiner .Konstituierung im Herbste 1866 getan hat. Was seine Mitglieder vorher für richtig gehalten haben, muß außer Betracht bleiben. Denn durch ihren Beitritt zu einer.neuen Partei haben sic eben den Willen bekundet, mit ihrer früheren Parteizugehörigkeit zu brechen und die Verantwortung für ihre alle Partei abznlehnen. Es wird oft so dargeftellt, als wenn die nationalsoziale Partei aus der christlichsozialen Stöckers hcrvorgegangen sei. Das ist ein Irrtum. Es waren Männer aller Parteien, von äußerst links bis äußerst rechts, die dem Rufe Naumanns nach Erfurt zur Begründung einer neuen Partei Folge leisteten. Sie alle fühlten sich unbefriedigt in ihren bisherigen Parteiverbänden und durchdrungen von dem Wunsche, eine Vereinigung zu bilden, die das Soziale, das Nationale tmd das Liberale harmonisch znsanunenfügte. Es kamen antisemitisch Gerichtete, es kamen philoseinitisch Gerichtete, es kamen auch Juden. Von den Christlichsozialen Stöckers kamen verschwindend^ wenig. Man hätte mehr erwartet. Aber es zeigte sich, daß der konservative Grundzug in der Ttöcker'schen Gründung viel zu stark war, als daß sich seine Anhänger zu der freiheitlichen Richtung Naumanns hingezogen fühlen konnten. Naumann selbst hat nie zu der Ttöcker'scheu christlichsozialen Partei gehört. Dagegen habe ich mich allerdings zu ihr bekannt. Ich war als jüngerer Mann eine Reihe von Jahren hindurch Antisemit, recht radikaler sogar. Tie vollendete politische Unfruchtbarkeit des Antisemitismus machte mich zuerst stutzig. Ich überzeugte mich dann, namentlich unter dem Einfluß Naumanns, davon, daß Antifeniitismus und Reaktion von einander untrennbar seien. Sobald ich den Antisemitismus als schädlich erkannte, habe ich das offen ausgesprochen und entsprechend gehandelt. Jemandem daraus einen Vorwurf machen, daß er einen politischen Irrtum später gut zu machen versucht, das bedeutet für mich den Wunsch, die Notwendigkeit des Lernens aus der Politik ausznschalten. Wenn die nationalsoziale Partei, von mir nnd ein paar anderen Ausnahmen abgesehen, sich auch nicht ans der christlichsozialen Partei Stöckers herausentwickelt hat, so stand doch bei ihrer Geburt der christliche Sozialismus Pate. Ter christliche Sozialismus freilich nicht in dem konservativen Sinne Stöckers, sondern der christliche Sozialismus im Sinne der „Arbeiterpastoren" Naumann und Göhre. Beide Männer tviesen die Verguickung von Religion tlnd Parteipolitik tveit von sich. Jeder, einerlei iveö Glaubens, war ihnen zur Mitarbeit willkommen. Sie nannten sich christlichsozial, weil christliche Mission das Mitleid mit den Mühseligen und Beladenen — sie in die Politik Hineingetrieben hatte, nnd weil ihnen die Ethik des Christentums der mächtigste Hebel zur sozialen Hebung der Massen schien. Sie nannteu sich „jüngere Christlichsoziale", um damit den Unterschied ihrer freiheitlichen Richtung von der konservativ-antisemittschen Stöckers zu markieren. Auf dem ersten uationalsozinlen Vertretertage in Erfurt war natürlich noch viel gährender Most vorhanden. Wenn Männer, die bisher den verschiedeltsten Richtungen angehören, sich zu einer neuen Partei zusannnenschließen, so geht es nicht ohne Kontpromisse nnd ohne geivisse Unklarheiten ab. So ausgezeichnet tvie auch heute noch die damals beschlossenen „Grtmdlinien" des nationalsozialen Vereins in ihrem Kerne erscheinen, so ist doch ohne tveiteres znzugeben, daß sie nicht in jedem Punkte haltbar sind. Insbesondere der § 7, der die Stellung ztim Ehristentnnt behandelt, gehört nicht iii das Programm einer politischen Partei hinein. Schon damals ist er heftig umstritten tvorden. Wenn er schließlich doch zur Annahme gelangte, so tvar vor allem dabei der Wunsch maßgebend, die Tradition anfrcclu zu erhallen. Ließen die „jüngeren Christlichsoziale»" auch mit Absicht das Wort „christlich" aus der Parteibezrichnung fallen, so ivollten sie doch tvenigstens im Programm an ihre Ver-! gangenheit anknüpfen. Der K 7 der „Grundlinien" lautet: Im Mittelpunkt des geistigen und sittlichen Lebens unseres Voltes steht uns das Christentum, das nicht zur Parteisache gemacht werden darf, sich aber auch im öffentlichen Leben als Macht des Friedens und der Getneinschaft bewährend soll. Wenn ein Berliner liberales Blatt die Nationalsozialcn des Antisemitismus zu verdächtigen sucht und zu dem Behnfe den § 7 nur bis zu dem Relativsätze abdrnckt, so qualifiziert sich ein solches Verfahren wohl von selbst. Hätte das Blatt ganz ehrlich sein tvollen, so hätte es nicht nur den Paragraphen vollständig abdrucken, sondern auch die Resolution hinznfngen müssen, die gemeinsam mit den Grundlinien, und zwar einstimmig, angenommen lvurde. Sie lautet: Der Vertretertag erklärt ausdrücklich, daß der 8 7 der Grundlinien nicht einen Gewissenszwang für die einzelnen Mitglieder sein soll. Jeder, der ehrlich an der Erreichung unserer nationalen und sozialen Ziele Mitarbeiten Ivill, ist zur Mitarbeit willkommen. Die Begründung des nationalsozialen Vereins stellte kein Bekenntnis zum AntisemitisiunS dar, sondern im Gegenteil eine entschiedene Absage an ihn. Das trat deutlich bei der Beratung des 8 6 der Grtmdlinien hervor. In diesem Paragraphen heißt es unter anderem: „Wir fordern ungeschmälerte Erhaltung der staatsbürgerlichen Rechte aller Staatsbürger". Naumann erklärte, er habe diese Fassung getvählt, um uns in der Judenfrage festznlegen. Eine Anzahl von rechts kommender Teilnehmer beantragte deshalb die Streichung dieses Passus. Aber sie wurde mit sehr starker Mehrheit abgelehnt. Damit ertötete der nationale Verein schon in seiner Geburtsstunde alle antisemitischen Velleitäten in seinen Reihen. Namnann stellte das in einem Rückblick auf den Parteitag in der „Zeit" vom 6. Dezember 1896 noch ausdrücklich fest, in dem er auf die untvidersprochenen Ausführungen Professor Sohnts Bezug nimmt, wonach auch die Juden im nationalsozialen Verein „tvillkommen geheißen tverden müssen, wenn sie in ersprießlicher Weise mit uns arbeiten tvollen". Tatsächlich hat sich denn auch die ganze Politik des uatioualfozialeu Vereins in den sieben Jahren seines Besteheils iticht cttva in antisemitischen Bahnen bewegt oder auch mu° antisemitische Unters strömungen gefördert, sondern ist, tvie gegeil jede Reaktion, so artet) gegen den Antisemitismus offensiv vorgegangen. Der 8 7 hat praktische Bedeutung überhaupt nicht gewonnen. Jeder Schritt tveiter in der Politik brachte nits immer mehr zu der tteberzeuguug, daß matt Politik mtd Religion reinlich scheiden müsse. Eilte Anzahl von Israeliten hat mit Begeisterung tind Hingebung in unsereit Reihen für die uatioualsozialeu Ideale gekämpft. Die Antisemiten aller Schattierungen aber haben uns mit ihrem bittersten Haß beehrt — vermutlich, weil sie mts für ihre heimlichen Bundesgenossen hielten I Gedenktage. August 24. 181-1 st. i. Prag Herz Homberg, Schulrat. 1881 st. i. Arad Rabb, Aaron Chorin. 1900 st. i. Haag Elchanan Verveer, Maler. 25. 1 ßIo st. ü Prag d. Chronist David Gans. 1867 st. i. Krefeld Levi Bovenheiiner, Landrabb. 26. 1800 ft. i. Berlin Rabb. Hirschel Levin. 1853 st. i. Berlin Major Burg. 27. 1SS1 st. i. Berlin Rektor Aron Horwitz. 28. 1883 st. i. Posen Pred. Salomon Pleßner. 29. 1339 st. i. Toledo Abraham aben Schoschcm 1855 st. i. Görz I. Sam. Reggio. 1858 geb i. St. Germain-en-Laye Sal. Reinach. 1866 st. i. Fontainebleau Herm. Goldschmidt, Astronom. 1670 st. i. Frankfurt a. M. Lazar Geiger, Sprachforscher. 30. 1813 st. i. Kopenhagen David Anschel Meyer. 1829 st. i. Neu-Orleans Dr. G. Adersbach. 1882 st. i. Prag Abr. Stein, Rabb. 31. 1673 st. i. Smyrna Rabb. Chaim Benveniste b. Israel. 1767 st. Rechnitz Arje Lob b. Jsaae. 1861 siel i. Genf im Duell Ferd. Lassalle. E l u l. 1. 1881 st. i. Ostrowo Rabb. De. I. M. Freimann. 2. 1887 st. t. Johannisbad Rabb. Dr. P. F. Frankl. 1 1891 st. i. München Prof. Heinr. Grätz. 7. 70 wurde v. d. Römern auch d. Oberstadt v. Jerusalem erobert. 8. 1863 st. i. Neukuhren Prof. Saalschutz. 10. 1681 Pttrim di Bnda (Padua). 11. 1808 geb. i. Glogau Dr. Mich. Sachs. 12. 1729 geb. i. Dessau Moses Mendelssohn. 18. 140 w. d. Hastnonäer Simon Fürst u. Hohepriester. 160g st. i. Prag Löwe ben Bezalel (hohe R. Löb). 22. 1427 st. i. Worms Jakob b. Moses Möln, Halevi (Maharil), Rabb. i. Mainz. 21. 1791 geb. Giacomo Meyerbeer. Inden „Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft" in Wien. BandXXXll, Seite 400, erschien jüngst ein Artikel „Der Tod und die Beerdigungsgebrauche bei den polnischen Jude n". Der Artikel stammt zweifellos von einem Kenner. Wir reproduzieren einige Beispiele: Wenn jemand gefährlich erkrankt, so gibt man ihm einen andern Namen, damit der Todesengel getäuscht wird. Niesen ist ein Zeichen der Besserung: „Wohl ergeh's!" wünscht man. Wenn ein Sturmwind sich erhebt, sagen die Juden: „Es hat sich wieder einer erhenkt." Wenn eine Sternschnuppe fällt: „Es ist jemand gestorben". Mitleid, das heißt allzu großes Klagen, vergrößert bloß die Leiden des Sterbenden. Den Verwandten eines Erhenkteil soll man nicht bitten, einem den Ueberzieher an die Wand zu hängen, es könnte ihm wehe tun. Man gibt dem Toten verschiedene Gegenstände, die er während seitles Lebens im Gebrauch hatte, mit ins Grab. Sieben Tage brennt ein Licht int Tcanergemach. Wenn jemand jung verstirbt, stellt man auf seinem Grabural eine in der Mitte entzweigebroch-.'ne Kerze dar u. s. w. Wegtanfen in Galizien. Aus Krakau wird uns geschrieben: Die Angelegenheit der unberechtigt getauften nnmündigen Kinder R e i ß ist noch immer nicht endgiltig erledigt. Ans Grund der rechtskräftigen Entscheidung der Statthalterei in Lemberg, daß die Taufe der Kinder ungesetzlich sei und ans Grund des § 145 A. B. G. B. verlangte der Pater dieser Kinder durch seirren Nechtssceund, Landes- und Gerichts- Advokat Dr. Rafael Landau in Krakau, vom Bezirksgerichte Stanislau die Zurückstellung der Kinder iu das väterliche Hans, welches Ansuchen jedoch vom Gerichte abgewiesen wurde. Gegen diese Entscheidung rekurrierte Dr. Landau an das Kreisgericht Stanislau, welches dem Rekurse Folge gab, die Entscheidung des Bezirksgerichtes Stanislau anfhvb und im Sinne des Rekurses diesem Gerichte den Auftrag erteilte, die nötigen Verfügungen wegen Uebergabe der Kinder an den Vater zu treffen. Das Bezirksgericht Stanislau verständigte hievon die Parteien mit dem Bemerken, das; es erst nach Rechtskraft der Entscheidung die nötigen Anordnungen treffen werde. Da das Kreisgericht Stanislau ohne Rücksicht auf die Rechtskraft des Beschlusses die Uebergabe der Kinder anordnete, so hat Dr. Landau eine Beschwerde an das Kreisgericht Stanislau überreicht, mit dem Ersuchen, entsprechende Weisungen an das Bezirksgericht Stanislau zu erlassen. Degel Jehuda. Aus Podwoloezyska wird uns geschrieben: Sonntag, aut 26. Juli sprach Herr Adolf Wurzel'im Lokale des Vereines Degel Jehuda" über das Jtldentunt und ihre Sitten. Er sagte: „Die Geschichte ltnseres Volkes, lvetche sehr alt ist, lehrt uns,' daß so oft wir in großen Nöten waren, die Rettung für tlns, von llnserem Verfolger selbst, mittelbar oder unmittelbar, erivnchs. Pharao wollte uns durch gltalvotte Frohnarbeit zugrtmde richten tlnd als das nicht gelingen wollte, ließ er alle neugeboreuen Knaben in den Fluß werfen. Aber seine eigene Tochter zog den künftigen Befreier alls dein Wasser unb Pharao selbst erzog sich in dem Judenknaben Moses einen gefährlichen Gegner nnd Befreier des jüdischen Volkes. Ahasver verurteilte auf Anraten seines Mitlisters Haman das jüdische Volk zum Tode und als die Totesbotschast unterschrieben tlnd gesiegelt bereits im Lande zirklllierte, geschah e8, daß Hamatr selbst durch eine Eiferstlchtszene das Jitteresse des Königs für das jüdische Mädchen Esther erweckte und diese bei ihtn einen die Juden befreienden Ukas erzwang. Zltr Zeit der Makkabäer ging die Assimilation der Juden so weit, daß ein großer Teil derselben — nreisteus die Aristokraterl — dem Jtldenttlme ganz entfremdet tvaren und tvenn nichts dazivischen gekominen iväre, hätten mir wahrscheinlich keine Judenfrage mehr, denn die Griechlinge hätten jedesinat iveitere Volksschichten zmn Griechentum herangezogen tlns von tlns iväre, tvie voll vielen anbevett kleinen Volksstämmen, kaum ntehr als der Nnitren übriggeblieben. Da geschah eS, daß Antiochos IV. den Juden die wichtigsten Religionsnbungen verbot, in der Absicht, sie so mit schnellsten zu assimilieren. Dieser Akt der Vergewaltigung iveckte den Zorn der wirklich Frontinen, sie widersetzten sich 'unter den Hasmonäern, siegten und befestigten so tvieder ihr Nationalität für lange Zeit. Als in der Neuzeit die Juden emanzipiert tvnrden, so traurig diese Tatsache schon für sich spricht, daß man ein anerkanntes kulturelles Volk emanzipieren muß, tun es den Menschen gleichznstellen, so stürzten sich unsere Aristokraten in den Emanzipationsstrudel, vergaßen Maß und gute Sitte, tvnrden detttscher als die Deutschen, polnischer als dte Poleit, tmgarischer als die Ungarn, so daß, tvenn mem in Ungarn einen sieht, der hartnäckig ungarisch spricht, fragt man, ob er iticht ein Jllde ist. Manche haben sich inzivischen ganz taufen lassen, utanche behielten pro forma noch die Religion. Wir waren wieder atlf dem besten Wege, als Nation von der Oberfläche zu verschwinden. Da geschah es aber, daß die Töchter der jüdischen Hof-, Geheimen und kaiserlichen Räte von den Offizieren' und der aristokratischen Jltgend beim Tanzen sitzengelassen und ihre Söhne als satisfnktionsunfähig erklärt wurden. Selbst die Taufe wurde von Älndersgläubigen nicht anerkannt. Da erkannte das jüdische Volk, daß es einen Rassenunterschied gibt, und daß es trotz der v e r s n ch t e n Assimilation eine n tt o c vm i f chbare Nation fei. Es entstanden jüdische Volksvereine, welche dem Volke zeigen wollten, daß das Heil des Volkes nicht von seinen vermeintlichen Großen kommen wird; es entstand der Z i o n i s nt u s mit alle seinen Verzweigungen unb es ■ entstanden Gährnngen im Volke Israel die ztt dem führtett, daß mir hier'heute versammelt sind. Podwolocydka. 2lm 11. a. c. passierten die russisch-österreichische Grenze einige jüdische Persönlichkeiten, die sich zum Baseler Kongresse als Delegierte begaben, nämlich die Herren: R a w n i tz k i, G r a n o w s k i nnd Frau S ch e r m a tt, Dr. Sapia samt Frau, Dr. Arsch a tvski und Koller aus Odessa und Kaniarski aus Rostow am Don. Dieselben wurden vom Präsidenten Herrn Sch. Günsberg und Schriftführer Herrn Moritz Kolm, sowie von einigen Mitgliedern oes Vereines „Degel Jehuda" am Bahnhofe erwartet und bis zum Abgänge des nächsten Zuges begleitet. Die Gesellschaft dankte allen Anwesenden für die freundliche Aufmerksamkeit und freuten sich auch, daß in unserem Städtchen die hellen Strahlen des Zionismus eingedrungen sind. Nabbrnerrversammlttttg. Die „Transdanubische Rabblnenvereiuigtlng'' hielt heute im Beratnngssaale der Ofner israelitischen Kultusgemeinde ihre ordentliche Jahresversammlung. Die zahlreich erschienenen Nabbitteu und Gemeinderepräsentanten wurden vom Ofner Oberrabbiuer Doktor Arnold K i s s mit einer schmitugvollen Rede begrüßt, in derer auf die lange Reihe der Aufgaben hinwies, zu deren Verwirklichung die geistigen Führer der jüdischen Konfession berufen sind. Schließlich flehte er den Segen des Allmächtigen auf die Versammlung herab. Hierauf begrüßte der Vorsteher der Ofuer Kultusgemeinde Dr. Isidor S z a b o l c s e die Gäste der Gemeinde nud gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Konferenz der Nabbinen für die Konfession von segensreichen Folgen begleitet seilt werde. Oberrabbiuer Armin Schnitzer (Komarorn) beantwortete die Begrüßung mit herzlichen Worten. Um 3 Uhr nachmittags begab sich die Versatnmlinig in den Kaltnsiempel, welcher von den Repräsentanten der Gemeinde und zahlreichen Andächtigen dicht gefüllt war. Der Becskereker Oberrabbiner Dr. Mvciz Klein hielt hier eine schwungvolle, die Zuhörerschaft begeisternde Rede, in welcher er auf die Zerfahrenheit im foufeffioneffeit Leben hillwies unb die Notwendigkeit der Gründung des Landesverbandes und des Peilsionfonds der Nabbinen erörterte. Ätach dem Gottesdienste begab sich die Versammlung in den Sitzungssaal zurück, wo der Präsident des Nabbinenverbandes, Dr. Schnitzer, den Pcäsidialbericht verlas, welcher einen interessanten Rückblick ans die Episoden des vecgangeilen Jahres wirft. Abends gab die Ofner Kultnsgemeinde zu Ehren der Nabbinen in bett Lokalitäten der Ofner Nedoule ein Bankett. Kanada: In Kanada finden Mechaniker und Feldarbeiter viel Arbeit. Hanptsählich werden Arbeiter in Ontario gesucht, wo sie in Stahl-, Möbel-, Holz- und Baumwollfabriken Arbeit erhalten. Auch in der Provinz Qnebee ist Nachfrage nach guten Arbeitern. Inden Kvhlengrubett voll Novia Scotta gibt es jetzt auch viel Arbeit. Es beginnt jedoch schon ein Zuzug von Arbeiter». Südafrika: Iu Kapstadt erhalten gute Arbeiter bei großen Firmeu in E a st - L o n d v u zirka 2 Kronen die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.