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Jüdisches Volksblatt · 1903-08-14 · 33 (14.8.1903) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
33 (14.8.1903)
Date
1903-08-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 33 Jüdisches Volksblatt 14. August 1903 Seite 5 Wien, Freitag kränzchen. Hervorragende Kunstträfte haben ihre Mitwirkung tvilligt. lieber dos Gesuch der Fron Josefine Reichmann, Lehrerszugesagt. Die Parteigenossen werden gebeten, für einen zahlreichen' Witwe in Pilsen, hat der Verivallnngsaiisschnß derselben für das Besuch Sorge zu tragen. Beginn .. ' " im Vorverkauf 70 Heller, an der ' tm Vereinslokale, II. Stephaniestrasre Guth, in der Redaktion der ^Welt blattes", sowie bei allen Vereinsmitgliedern zu haben. | Rafael Stein wurde demselben die Subvention pro 1003 mit Kr. 50 Heller monatlich bewilligt und die Erledigung des Pcn- Derntüyttfch sch!kftsü)ött chionsgesnches Vorbehalten. Schließlich macht Herr Dr. Schneider ZioNlftett Aus Prerau wird op,neidet' Di,» diesiänrtae > Distriktsversammlung war nur von beschickt. Anwesend waren 17 stimmberechtigte GSste ,,»d als Vertreter de, Wiener Landes-Komite-S Dr. Ego» 6j!)lc,(,i,mH)ä(c„mt„ pm i«oa.' ®« Hc« St. Schnei- Zweig und Artur Freud. Namens des mähr.-schles. Dlstrrkt--. der bringt die Rechnung pro 1002 ZUM Vorträge, Ivelchc einhellig Komitees eröfsnete Herr HerszUkiewicz (Bielitz) um 10 Uhr angenommen wird. (Rechnung vide Anhang Tabelle 2.) lieber vormittags die Sitzung. In das Bureau wurden gewählt die! Antrag des Herrn Dr. Schneider lvird die Kontursfrist zur Ein- H-rr-" Wilhelm Opitzer (Olmittz) als B°-sib-nd-r. Em°m.el dcm ^"°Al TJ« Fanta (Olmutz) als Stellvertreter, Rudolf Massau als Schnft- Vorsitzende den Herren Delegierten derselben den Dank für ihr führer. Ueber den von Herrn Herszlikewiez erstatteten Rechen- . Erscheinen und ihre Mühewaltung aus, ivoranf sich diese ans der schafts- und Kassabericht, in welchem der Referent in aus-! Sitzung entfernen. führlicher Weise die Parteitätigkeii im Berichtsjahre und den Tempeljubiläum in Stampfen (Ungarn). Am 0. August derzeitigen Stand der Organisationen beleuchtete, entwickelte sich eine lebhafte Debatte, an der teilnahmen: Dr. Zweig, b._ I. fand in Stampfen die Feier der 100jährigen Jahreswende seit der ©tniuctüimg der Synagoge statt. Das Fest nahm einen ebenso erhebenden als hemeranickenden Verlauf. Cs ist ein Ver- Einen breiten Raum der Debatte nahm ein Wahlflugblatt in! z,h„ J«hre>: auf eigene Kosten den Tempel renovieren 'lies; und Anspruch, welches anläßlich der vorjährigen Landtagswahlen in auch zu diesem Feste namhafte Geldspenden für die Ortsarmen Mähren von den Brunner Zionisten herausgegeben werden; ßtzickte, für welches Verdienst er auch znin Ehrenmitgliede der sollte, besten Edierung jedoch infolge des Einspruches der Wiener Stampfen ernannt wurde. 11m 10 Uhr traf pro- L . ö . } ' m . grammaßig der Sonderzug m Stampfen ein. Der nach Hunderte:: Partelleitung wegen einer angeblichen Verletzung des Parteizzähleirde Festzng setzte sich unter den Klängen eines bon der Feuermäßigen Jnstanzenzuges unterblieb. Als Sitz des neuen Nvehrtapelle gespielten Marsches zum Tempel in Bewegung. Im Distrikts-Komitees wird über Antrag des Herrn Baumgarten (Tempelhofe fand nun die Festsitzung statt, an der nicht nur die Brünn bestimmt und in das Komitee wurden gewählt: Max ^'samte Judenschaft, sondern auch Konsistorialrat Ignaz G o n d. Hi« -» Obmann. als Mtgli-d°r Alb-r,- H-fma.n,. Rudals Höflich S&JSFS8* & Massau, Leo Politzer, Berthold Tmtner, Frl. Olga Wagner, scher Herrscyaftsarzt Dr. Heim, Obergärtner Pospich und viele Dr. Egon Zweig hatte namens des L.-K. gegen Brünn als! andere teilnahineu, die alle gleichfalls das Jubiläumsprotokoll unter- Sitz des D.-K. mit Rücksicht auf das persönliche Verhältnis fertigten Forstinspektor Hofmann überreichte der Gemeinde als 4« °°r-.sch-ag-n» Mitgli-d-r zm B-rwahrung - LL eingelegt und sagte die Nichtbestätlguug voraus, Nach eurem, den Juden den Ehekonsens zu erteilen. Hierauf wurde die Ab- Proteste gegen eine solche Beeinflussung der Delegierten und ' sendnng eines Hnldignngstelegrammes an den Kaiser beschlösse:,. längeren unerquicklichen persönlichen Auseinandersetzungen erfolgte ^ach Verlesung eines vom Rabbiner Herzog verfassten geschichtam» w>nff, w tuhen Vortragev durch Oberlehrer Moriz P o l l a t: ch e k und nachdre Wahl der vorgeschlagenen Brünner Äste. Nach der Dis- , bcm Sc> ^raun uauiens der Wiener Festteilnehmer für den kuiiron kber die nächsten Aufgaben der Organisationen wurde! bereiteten Einpfang den Dank aussprach, wurde die Synagoge erdie Versammlung geschlossen. öffnet, wo Herr -Oberkantor B a ii e r aus Wien und dessen Chor Vom Wiener Knltusvorstand. Aus Anlas; des Gebnrtsfestes *n 0 "(w c ,;i i _ i ne istc ch öfter Weise den ^cstgottesdienst leitete. Nicht des Kaisers findet Dienstag den 18. August 1003 im Tempel, unerwähnt ,oll bleiben, dag die der^ bäuerlichen Bevölkerung ange 1 poldstädte ein feiert Allgemeiner jüdischer A >uit hnmoristischei: und , ci^trä^^ttQC Ginbcritcljmcii unter bei: Ucl•i^^tcbenen .Vlonfcffioxtcu ernsten Vorträgen der Bruder Edel. Beginn prazqe 8 llhr abenc^., der Gemeiiide Stampfen. Nachdem noch die Herren Moriz Gäste willkommen. jj (g p i tz c r aus Szeleskut, S e l i n k o aus Korneuburg, Jakob Pius X. und Dr. Karl Lueger. Dr. Lueger ist unzufrieden. Er weilt zur Kur in Karlsbad. Als die Telegramme, die die Wahl Sartos verkündeten, am Marktplatze angeschlagen wurden, trat Dr. Lueger neugierig hinzu und sagte in verächtlichem Tone: „Was, der ist Papst geworden?" Der schöne Karl scheint also nicht znfrieden zu sein. Eine Moses-Statue. Eines der bemerkenswertesten Werke des Wiener Bildhauers Martin Fischer (1740—1820) ist die jedem Wiener wohlbekannte Moses-Statue auf dem Franziskanerplatz in Wie n, die den Brunnen vor dein Franziskanerkloster ziert. Mehr als ein Jahrhundert ist verflossen, seit die Statue ihren gegenwärtigen Platz einnimmt, auf den sie im Jahre 1798 auf Anordnung des Kaisers Franz des Ersten gebracht wurde. Leider ist das Material des Standbildes nur eine Bleikomposition, die den Nachteil hat, daß sie infolge der sich entwickelnden fressenden Bleisalze nach -und nach zugrunde geht. In Würdigung dieses Ilmstandes hat man die herrliche Raphael Donner'sche Brunnengruppe auf dein Neuen Markt, die ebenfalls ursprünglich in Bleikomposition gegossen war, bereits im Jahre 1872 in Bronze umgegossen, um sie der Nachwelt zu retten. Eiue ähnliche Prozedur ivurde nun auch für die Moses-Statue angeregt. Durch den Umguß derselben in ein dauerhafteres Material lvird somit ein Knnstiverk von bleibendem Werte für die Stadt erhalten bleibe». Verein Jüd. Jugend!. Arbeiter. Brigittenau bringt hiermit zur Kenntnis, daß er am 16. d. M. im Cafe Kämpf, XX. Jägerstraße 16, Vormittags 1410 Uhr, seine III. Monatsversamlung abhält, bei welcher folgende Tagesordnung zirkuliert: 1. Rechenschaftsbericht, 2. Kastabericht, 3. Bericht des Bibliothekars, 4. Eventuelles. Nach Erledigung derselben, wird vom Vereinskollegen Rudolf R 0 s e n t h a l ein Referat über das Thema, wie wird dem Jüd. Jugendl. Arbeiter geholfen, sowie vom Vereinskollegen Siegfried F l e s ch eine Rezitation über die Ereignisse in Kischenew abgehalten werden. Es ist Pflicht jedes Zionisten, in Anbetracht der beiden letzten wichtigen Punkte, bestimmt zu erscheinen. Gäste herzlich willkommen. I. L. Ans dem Protokoll 'der böhmische« Lnndes-Jndenschafts-Repräsentanz. (Angelegenheiten der Kaiser Franz Josef-Jubilänmssiifinng für israel. Lehrer, deren Witlven und Waisen.) Der Vorsitzende begrüßt d'F Herren Dr. Siegnmnd Schm'ider m:d Wilhelm Heller) als Delegierte des VerlvattungSausschnsses der Krisen Fea>:z Joseph-Jnbilänmsstiftnng für' israelitische Lehrer, deren!^8ik!ven und Waisen und erteilt dem Herrn Dr. Siegmund Schneider das Wort, a) Bericht des Obmannes. Der Herr Dr. Schinnder berichtet, daß der Rabbiner der Krtliusgemeinde Bilin, Herr Heinrich Brock, mit einem Gründnngsbeitrage von 64 .Kr. und einem Jahresbeiträge vo>r 48 Sh. als Mitglied ausgenommen u>:d der israelitischen KnltnSgemeinde Bilin der Dank ansgesprochen ivurde. Weilers ivurde dem Herrn Jakob Folkmann, Rabbiner in Rvnsperg, die Aufnahme als Rlitglied mit einem Gründinrgsbeitrage von 30 hr. und einem Jahresbeiträge voir 60 Kr. gegen Vorlage eines ordn>ingsu:äßige>r Geburtsscheines beivilligt. lieber Anzeige des Herr» Js. Loivns in Franzensbad, daß er 320 Kr. Bezüge als llieNgionslehrer habe, erging an denselben die Verständigung, daß er pro 1003 15 Prozent von 880 Kr., somit monatlich 33 Kr. zu bezieyen habe. Dem Herrn H. Körper, Rabbiner in Thensing, ivurde S ch i ck, W a h r i 1: g e r und I u st h aus Wien beifällig aufge^ nommene Reden hielten, schloß die Feier. Der Jüdische Volks- Verein war durch sein Vorstandsnsttglied Herrn Ferdinand L ö w y vertreten, der ivährend der Feier Gegenstand allseitiger Sympathiekundgebungen war. Ausland. Kischenew im Lichte der Wahrheit. Wir bringen an der Spitze unseres Blattes einen offenen Brief an den russischen auswärtigen Minister anläßlich eines blutrünstigen Hetzartikels im „Deutschen Volksblatte". Der Tenor des ganzen Artikels ist, daß die Kischenewer Juden durch Wucher sich bereichern, und dadurch den Haß der christlichen Bevölkerung provozieren. Nun geben aber selbst die amtlichen Berichte zu, daß die Exzeffe sich nur gegen die armen Juden richteten, und die Reichen ganz verschonten. Ueberdies konstatieren wir, daß die rumänische Bevölkerung Bessarabiens bis zu den Exzessen sich gut mit den Juden vertragen hat. Im „Adeverul" erklärte der Führer der rumänischen Antisemiten, keine Gemeinschaft mit Kruschewan zu haben. Kruschewan sei kein Antisemit, sondern ein — Mörder und Polizeispitzel des Herrn von Wahle. Herr von Wahle, der Chef der russischen Gendarmerie, erklärte anläßlich des Wilnaer Attentates: „Für jeden Tropfen meines Blutes werden hundert Juden umgebracht werden/' Diese Tatsachen allein entkräften das ganze Lügengebäude des „D. V." AuS Kischenew wird uns gemeldet: Am 24. ds. wurde« die während des letzten Massneres vom rohen Pöbel zerrissemm und verunreinigten Thornrolleu cm hiesigen jüdischen Friedhofe vergraben. Ungefähr 15 000 Menschen folgten mit trämenden Augen der Bahre, loelche die Reste der heilige« Rollen in sich barg. Zur Ueberwachung der Einwanderung in England. Die. Kommission für die Fremdeneinwanderung in London empfiehlt, daß die Einwanderung gewisser Klassen von Fremden unter staatliche Ueberwachung gestellt werde. Es soll ein Einwanderungsamt errichtet werden, um den Zutritt von Personen schlechten Charakters, die dem Staate lästig werden könnten, sowie von solchen, die a« ekelerregenden oder ansteckenden Krankheiten leiden, zu verhindern. Die Kommission stellte fest, daß die letzte Zunahme der Einwanderung hauptsächlich dem Zufluß russischer und polnischer Juden zuzuschreiben sei und empfiehlt besonders die Ueberwachung der ans dem östlichen Europa kommenden Einwanderer. Die Schiffseigentümer sollen gehalten sei», die Einwanderer gegebenenfalls nach dem Einschiffungshafen znrückzubringen. Alle Einwanderer sollen, wenn sie irgend eines Vergehens schuldig erkannt sind, eingeschrieben werden. Der Richter soll befugt sein, den Einwanderer zum Verlassen des Landes anzuhalten; wenn dieser nicht gehorcht, soll er als Landstreicher bestraft werden. Jüdisches Auswanderer-Bnrean. Der von allen Einsichtigen schon seit vielen Jahren gehegte Wunsch, daß ein Bureau für jüdische Emigranten errichtet werde, über sein Ansuchen die Befreiung von weiteren Einzahlungen ve-./velches die von Jahr zu Jahr wachsende Auswanderung in einigermaßen geordnete Bahnen lenkt, scheint sich allmählich seiner Verwirklichung nähern zu wollen. Bereits vor einigen Monaten ist, vermutlich gleichfalls auf Veranlassung der I. G. A. ein solches Bureau in London eröffnet worden, um den via London Auswanderern über den jeweiligen Zustand des Arbeitsmarktes in den englischen Kolonien Auskunft zu geben. Nunmehr hat das in Petersburg domizilierende Zentral-Komitee der I. C. A. für Rußland beschlossen, ein gleiches Institut für auswandernde russische Inden zu errichten, welches in allen wichtigen Aus- und Einwanderungs- Zentren Agenten und Korrespondenten besitzt. Durch eine aus drei Personen bestehende Kommission sollen in den europäischen Hafenplätzen Agenten installiert werden, welche die unerfahrenen Emigranten gegen jene zweifelhaften Elemente schützen, die als Schiffsagenten und sonstige Raubvögel an den Einschiffungsplätzen ihr Wesen treiben und die Auswanderer um ihren letzten Groschen plündern. Eine Kanzlei in Petersburg soll den die Auswanderung Planenden über alle sie interessierenden Fragen erschöpfende Auskunft erteilen. Endlich wird die erwähnte Kommission sich auch nach den Vereinigten Staaten begeben, um dort gleichfalls in allen wichtigeren Plätzen Vertreter anzustellen, die in steter Verbindung mit dem hiesigen Zentral-Bureau dasselbe über den jeweiligen Stand des Arbeitsmarktes an den betreffenden Plätzen regelmäßig zu unterrichten haben. Selbstredend wird den Emigranten von dieser Instanz eine andere Hilfe als die einer genauen Auskunft nicht zuteil werden, am wenigsten irgend welche pekuniäre Unterstützung gewährt werden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Verwaltungsrat der 1.6. A. in Paris diesen groß angelegten Plan seiner Petersburger Filiale billigen und zur Verwirklichung bringen wird. Berti«. Ueber die Streitigkeiten untereinander in der letzten Reichstagsivahlperiode berichten die „Dcutschsozialei: Blätter" der Liebcnnann'schcn Richtung folgendes: Es sei irrig, wenn behauptet wird, die Antisemiten hätten auch nach der Magdeburger Trennung im vorigen Reichstage eine Fraktion gebildet. Der Irrtum sei nur dadurch veranlaßt, daß das Reichstagsbureau nicht zu bewegen war, die alte Bezeichnung „Deutschsoziale Neforrnpartei" während der Legislaturperiode in den amtlichen Drucksachen zu ändern. „Bei:« ersten Zusammentritt des Reichstages nach der Magdeburger Trennung fanden sich die deutschsozialen Abgeordneten auf Vorschlag des Abgeordneten Lohe bereit, für die Kommissionsbesctzuug mit den Reformern und Vauernbüudleru zusammen sich als eiue Gruppe zählen zu lassem Als dann die Reformer ohne vorherige Verständigung mit den Deutschsozialen die ständigen Kommissionen besetzten, quittierten die letzteren diese unfreundliche Eigenmächtigkeit dadurch, daß sie unter Verzicht auf die reformerischen Unterschriften den Initiativantrag auf Grenzsperre gegen Juden-Einwanderung einbrachten und ihre Unterschriften für einen von den Reformern geplanten Initiativantrag verweigerten. Dieser fiel infolge dessen aus, weil die Reformer nicht fünfzehn Unterschriften beschaffen konnten. Nachdem dann später noch einmal die Verabredung, wonach Abg. Dr. Vogel den Sitz in der Zolltarifkommissiou erhalten sollte, reformerischerseits nicht eingehalten wurde, hat jede politische Gemeinschaft zwischen Reformern und Deutschsozialen anfgchört." (Antisemitische Vielseitigkeit.) Vor einiger Zeit ließ Wenng, der Münchener Älntisemitenhäuptling und Agent des Bundes der Landwirte in Bayern, sein „Deutsches Volksblatt" als Lueger-Nummer erscheinen. Altes, was an den Bund der Landwirte erinnerte, war ferngehalten. Allein WIenng ließ noch eine Extraausgabe dieser Nummer machen, die wieder landbündlerisch war. Und in dieser Extraausgabe befand sich ein Aufruf, in der Pfalz für den Landwirtbund einzntretcn, obwohl Wenng selbst als antisemitischer Zählkandidat in der Pfalz aufgestellt war! Ein Münchener Antisemit bekam zufällig beide Nummern, und nun wurde es ruchbar. Berlin. Das Doktorexamen eines Blinden hat gestern bor der philosophischen Fakultät der hiesigen Universität stattgefunden. Der Doktorand Ludwig Cohi: aus Marklissa i. Schl, ist seit seinem zehnten Lebensjahre völlig erblindet. Nichtsdeftolveuiger hat er, ohne hinter den anderen Schülern zurückz::stehen, das Gymnasium zu Laubau glatt absolviert. Daun bezog er zun: Studium der Natioualökouoiuie auf zlvei Jahre die Universität Leipzig und setzte danach sein Studiuur in Berlin fort. Herr Cohn mußte sich beständig alles, was er zu feinem Studium zu iviffen nötig hatte, vorlefeu lassen, schrieb es danach in Blindenschrift nieder und lernte daun alles gleichsam aus seinen eigenen, in lauter Punkten geschriebenen Werken. Er hat sich auf diese Art eiue stattliche Bibliothek zusanrineugeschriebeu, darunter griechische, lateinische und frauzösistche Bücher. „Welch' ungeheure Energie des Geistes!" äußerte einer seiner Examinatoren. Bei der Berliner Universität werden im nächsten Winterhalbjahre eine Reihe öffentlicher oder unentgeltlicher Vorlesungen gehalten, die von Jlckeresse für uns sind. Eine?l::slese daraus sei hier vermerkt, mit den: Hinweise darauf, daß die Bedingungen für die Teiknahnw an diesen Vorlesungen von Seiten Nichtstndierender durch die Satzungen der Universität festgelegt sind. Es lesen: Dr. Wiinkler: „Ueberblick über die babylonisch-assyrische Geschichte"; Professor Geifer: „Die Juden in der deutschen Literatur"; Professor Oppert: „Ueber die Religion der alten Inden"; Professor Sachau: „Ueber Ausgrabungen in seinitischen Ländern"; Dr. Horobitz: „Der Jslarn in seiner kulturgeschichtlichen Bedeutung"; Professor Olnnkel: „Hebräische Urgeschichte" Der verstorbene Abgeordnete Konlnrerzienrnt Richard Noesicke zu Berlin war ein entschiedener Feind des Antisemitismus; noch eine seiner letzte:: Spenden für ivohltätige Zlvecke war für die Opfer von Kischenew bestimmt. Ehre seinem Andenken! Die russische Neichspostverwnltung hat verfügt, daß Briese, ans denen Marken mit der Aufschrift „Zion", die sogenannten N'ationalfondsmarken, anfgeklebt sind, zur Beförderung fernerhin nicht zngelassen Iverden dürfen. Die „Kiewsroje Slvtvo" publiziert einen Tagesbefehl des PolizeimeisterS bon Kischenew, ivelcher den Juden das Spazierengchen in den Straßen verbietet und den Polizeianfseher Bebello, ivelcher da? Spazierengehen bon Juden geduldet hat, zu einer Ordnniigsstrafe verurteilt. Der russische Älliuister des Innern hat den (Äeneralgonverneuren eine Entscheidung des Senates zur Kenntnis gebracht, daß zu Kronsrabbinern nur diejenigen zngelassen sind, die entweder eines der Rabbiner-Seminare, ivelche früher in Wilna und Shiw- »:ir bestanden, oder eine allgemeine höhere resp. mittlere Hochschule absolviert haben.

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