Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 33 (14.8.1903)
- Date
- 1903-08-14
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt U. August 1903 Nr. 33 crnderivo ein Sturm die Spannung wegfegt, hat er bei »ms mrr gezwungen werde», Personen in seinen Krcis aiifzmiehmcn, die er diesen Schmutz aufgewühlt und das öffentliche Leben vollständig niebt empfangen ivill. Die christlichen Deutschen haben ihren ehr,stvergiftet. lich-dcntsckici: Verein, der — jedes.Stinb iveiß es bereits — die Ge- Es genügt aber nicht, mit diesem Schmutz aufzuräumen,! festigleit pflegt und rein der tvirtsehaftlichen Hebung der Deutschen man muß auch endlich einmal die Quellen desselben verstopfen.! christlicher .Konfession dient." Das ist aufrichtig gesprochen, das Man muh endlich jene Jnteressenkoterien sprengen, die das j heißt: Juden, seid klug, politisch tonnen wir ganz gut'miteinand sein. Parlament gepachtet zu haben glauben, man muß endlich den,'Wir genieren uns nicht, eure Stimmen anzunehmen. Wir tvollen Schreiern und Skandalmachern die Türe weise« und an ihrer statt die ernsten Arbeiter der Nation hereinlassen. Das ist aber nur möglich auf dem Wege einer resoluten Paria m en t s r e f o r m. So lange die nicht durchgeführt, wird uns auch recht höflich grüßen — unter den Linden, aber zu Hause ~ können wir uns nicht finden. Nun ihr „deutschen" Inden, an eure Adresse sind jene und diese Zeilen gerichtet! Nun, ivas sagt ihr zu dieser deutschen Offenherzigkeit? Behagt es euch in dieser alles Jammer» über de» Niedergang unseres Parlamentarismus j Stellung? Ihr tvollt euch euer Deutschtum nicht lassen vergebens sein, werden alle Mittel, die man etwa anwenden [ und man sagt euch, das; ihr bei den intimen nationalen Veranstaltnnw,rd, um das ethische und geistige Niveau desselben zu heben,; oen nichts zu suchen habet! llns nationale Juden trifft das gar versagen. Was hat die Aktion der „Puros" genützt, waS d,e , nicht, wir sagen, das; euch ganz recht geschieht. Warum stopft ihr schmählichste Will man solches verhindern, so muh man dem Parlament nicht das stolze, edle Gefühl der Ehre? Ihr oerekelt euch nicht nur neue Kräfte, neue Säfte zuführen, ansonsten wird es immer, pei den Inden, den stammes- und selbstbe!vns;ten Juden, ihr macht »....« m. . . .... v .f..j. ... v:.f.a I .... .! «. ... ... e .. ..." .<.< < rvr... ...r.i. krank bleiben. Vergeblich wird man versuchen dieses Parlament euch bei den Deutschen selbst berächtlieh und lächerlich. Ihr gebt heimzuschicken und ein neues, reines wählen zu lassen. So wie! euch dem Spotte preis und zugleich schändet ihr den jüdischen Namen, das jetzige würde es, wenn auch nicht gleich, so doch schon nach der nirgends in der Welt so guten Klang hat, tvie gerade in der einigen Anstandsmonaten, seine innere Korruptheit zeigen. Nur Bukowina. Wenn die Deutschen im deutsch-politischen Vereine Umein großer Kehraus kann helfen. Dem Parlament, das in seiner jahrzehntelangen Isoliertheit vollkommen dekadent geworden, muß aus den unerschöpflichen Quellen des Volkstums neue Gesundheit zugeführt werden. Es muß aufhören, eine Versammlung von Abgeordneten zu sein, die hinter all den bunten Phrasen nur das Eigeninteresse verstecken, und muß endlich anfangen, eine Volksvertretung zu werden. So lange dies nicht geschieht, wird das ungarische Parlament krank bleiben, wird es des ungarischen Volkes nicht wert sein. Denn während das Parlament Schmutzorgien feiert, arbeitet und wirkt da§ ungarische Volk, das besser, tausendmal besser ist als sein unwürdiges Parlament. (So schreibt das „Neue Pester Journal/' Wenn dieses Blatt, das zu den gemäßigtesten in Ungarn gehört, so scharfe Worte gebraucht, so ist das eine glänzende Genugthuung für unsere Haltung gegenüber der herrschenden Clique, die wir unter allgemeinen Anfeindungen und Mißverständnissen konsequent einnehmen. Anm. d. Red.) „Radikalni Listh" schreiben: Das in Wien erscheinende „I ü d. V 0 lksblat t" steht auf dem Standpunkte, das; die Juden als ein eigenes Volk sich nicht in den tschechisch-deutschen Streit einmengcn und weder den Deutschen gegen die Tschechen, noch umgekehrt, helfen sollen. Einen ähnlichen Standpunkt nimmt auch die Brunner „Jüd. Volks stimme" ein. Dieses schrieb vor den Wahlen in L e i p n i k, daß die Juden sich der Wahl enthalten sollten. Aber die Stimmen der Zionisten blieben Nufer in der Wüste. Bei den Wahlen in L e ip nik und W e i s; - schau halten wollten, sie würden außer einigen ehreutverten Männern, die irregeleitet oder in altlibcraleu, verschollenen Anschauungen befangen sind, zumeist Juden finden, die inan nicht gerne m: die Sonne führt. Die besten jüdischen Männer, der Kern unseres Volkes, stehen außerhalb dieses Vereines und halten zu jenen, die — wir können es nicht genug betonen — mit den Deutschen Freundschaft oder Frieden haben wollen, aber nur als gleiche Faktoren. Wir sind nicht Deutsche, wir ivollen auch nicht als solche gelten,!vir haben nicht den Ehrgeiz die Deutschen zu führen, ivollen aber auch nicht geführt werden. Wir ivollen nieiiiandem über, aber auch niemandem unter sein. Eiire Verständigling von Volk zu Volk ist uns immer erwünscht. Diese maßvolle Nichtniig ist bei den Inden vorherrschend. Aber der reale Nützlichkeitsstandpilnkt wird ebenso kräftig betont, ivie der Ehrenstandpnnkt. Kami ein wackerer, deutscher Mann uns dies verargen? So iveit ich die Deutschen, die nationalen Deutschen, nicht «die perivässcrteu Ikeberreste" ans der liberalen Aera kenne, werden sie Miseren Standpunkt begreifen, achten und aiierkeiincli. Wir streben, offen gesagt, die Vernichtung des deutsch-politischen Vereines an und ivir werden nicht müde werden, dieses ceternm censeo so laiige mit aller Kraft niid aller Inbrunst znzilrufeii, bis sich der letzte Jude beschämt aus diesem Vereine, dein Denkmale jüdischer Selbstvergesseiiheit, hinwegschlcichen ivird. Die Zeichen mehren sich, das; dieser Wunsch in Erfüllung gehen wird. Die krampfhaften Anstrengungen, das lecke Schiff des Vereines über Wasser zii halten, einerseits und die sich bahnbrechende Erkeniitiiis von der Notwendigkeit, rein deutschen Veranstaltungen fern zu bleiben, andererseits, lassen die Anschannng, das; der Zusammenbruch des deutsch-politischen Vereürcs bald er-!»**« SKMcn gchimm.,! ÄM «Ä sondern auch eine beispiellose Agitation entfaltet. Hierauf be spricht die „N. L." den Prozentsatz der jüdischen Schüler an den deutschen Mittelschulen in böhmischen und mährischen Landstädten und führt als Beispiel das Programm der Gymnasien in Bndweis und Nng.-Hradisch an. Zum Schluffe sagen die „R. L.": „Demn Wundern sich die Juden, wenn unter den Tschechen Antisemitismus entsteht. wurde. )r. Mayer Ebne r. Jüdische Studenten. Im letzten Heft der „Akademischen Blätter", des Verbands- Organs der Vereine Deutscher Studenten, verösfentlicht Oberbibliothekar Dr. Hans Paalzow eine Aufsatzreihe „Zur Unibersitätsstatistik", in der er über die jüdischen Studenten die folgenden An die Jüden-Deutschen schreibt Dr. M a y e r E b n e r in der „Buk. Post": Procul negotiis, mit dem Tageslärm durch die unvermeidlichen Zeitungen immerhin verbunden, lese ich zu meiner größten Verwunderung, das; seit einiger Zeit der, ivie ich glaubte, abgetane Streit zwischen den deutsch-politischen Christlichdcutschen und den Juden in den Tagcsblätrern beider Parteien mit alter Heftigkeit weitergesührt wird. Ter letzthin in den „Buk. Nachrichten" erschienene Artikel „Antisemitismus" veranlaßt mich nun, diese über Gebühr breit getretenen Fragen neuerlich zu berühren, auf die Gefahr hin, ofr Gesagtes zu wiederholen. Um aber nicht in den üblen Geruch zu geraten, als bestrebte ich mich, Inden und Deutsche zu verhadern, erkläre ich von vornherein mit allem Nachdrucke, das; ich niemals gegen die Deutschen und immer nur gegen die Inden schreibe. Ja, gegen die Juden, aber nur gegen diejenigen, die sich als Deutsche, als jüdische Deutsche gebärden und uns vor dem ganzen Lande bloßstcllcn, die nicht merken wollen, welch lächerliche, schmähliche Nolle sie als deutsch-politisches Nachhängsel des Vereines der christlichen Deutschen spielen. Ich glaube, deutlich genug zu sein. Gegen diese Inden muß man losgehen cum ira und cum srudio. Die christlichen Deutschen, die tncn von ihrem Standpunkte ganz recht und klug. Sie treiben deutsche Realpolitik. Wer soll's : ihnen verargen? Tie nationalen Juden, die Mitglieder des Zionvercines, des jüdischen Votksvereines, der Hasmonaea, Zephirah und aller anderen rein jüdischen Vereine haben sich an der Grün-! dnng des Vereines der christlichen Deutschen niemals gestoßen, höchstens, daß uns die Hervorhebung des christlichen Deutschtums nicht recht war, iveil wir den heuchlerischen Standpunkt, als gäbe cs neben den christlichen auch jüdische Deutsche, mißbilligten. Wir nationalen Inden haben den berühmten „Fußtritt" niemals bekommen, aus dem einfachen Grunde, iveil wir uns niemals in deutsche Kreise gedrängt haben, iveil wir nirgends und niemals als Deutsche angesehen sein ivolltcn. Tie selbstbewussten Inden iverden daher niemals einem Vereine der Deutschen übel gesinnt sein, weil Nationalsein auch zur Achtring vor anderen gerechten nationalen Aspirationen zwingt. Ob die Bnkowinacr Deutschen Antisemiten sind, das wissen wir nicht, das heißt, wir fragen nicht darnach. Es ist uns auch gleichgiltig, lvcnn mit dem „Zeichen des Kreuzes" gedroht tvird, aus dem ganz einfachen Grunde, iveil ivir diesen Antisemitismus der Paar Macher, hiiiter be neu niemand stetst, nicht fürchten iind weil cs lächerlich ist, wenn eine Minderheit einer bedeutenden Mehrheit gegenüber Drohungen ansstößt. Ich sagte, ivir fragen nicht darnach, ob die Bnkoivinaer Deutschen Antisemiten sind. Wir sind keine Antisemitenriecher iind gestehen es nimm: wunden zu, das; die in der Leitung des christlich-deutschen Vereines befindlichen Männer ans guten, realpolirischen Gründen offizielle, antisemitische Ennnziarionen möglichst berineiden. Aber sie tonnen nichts dafür, daß ihren pnblizistischcn Wortführern Aenßernngen entfahren, die die seinerzeitigen jüdischen Redakteure des christlich-! deutschen Blattes naturgemäß sorgfältig zu vermeiden wussten. Diese Aenßernngen werfen ein Schlaglicht in die Tiefen der deutschen Seele. Tie „Bukoiv. Nachrichten" schreiben a»t 20. Juli, wörtlich: „Das Verhältnis zwischen den Deutschen und nicht mir deni größten Teil, sondern überhaupt der ganzen Jtidenschaft, würde politisch ein derart freundschaftliches fein,!vie es in den Zeitei: des Dr. Rock und Dawid Tittinger der Fall tvar. Wir sagen politisch und mit Absicht. Denn auch auf die Gefahr hin, Mißdeutungen zu begegnen, muß es einmal hernnsgesagt iverden, das; die gesellschaftlichen Beziehungen mit den politischen nichts oder doch sehr ivenig zu tun haben. Worüber beklagt sich heute der radikale Teil der Jndcnschaft? lieber die losen gesellschaftlichen Veziehnngen zivischen den christlichen und den jüdischen Deutschen. Wir fragen, ivas haben sie mit der Politik zu tim? lind mir vom politischen Standpunkt kann über diese Beziehungen überhaupt gesprochen iverden, iveil es jedem einzelnen und ganzen Gesellschaftsgrnppen frei steht, sich den Umgang zu wählen, der seinem.Geschmack entspricht. Es kann lein Fninilieitvater und kein geselliger Verein interessanten Mitteilungen macht: > „Jeder, der die Verhältnisse der deutschen Universitäten auch nur oberflächlich kennt, weiß, daß die Inden unter den Studenten : in einem Prozentsatz vertreten finb, der ihren Anteil ait der Gej samtbevölkeruitg übersteigt. Dies gilt besoitders von ben prenßi- . sehen Unibersitäteit.! Schon auf den preußischen' höheren Lehranstalten sind die Inden stark vertreten. Während die männliche Bcvölkernitg E Preußens 1890 zu 1,2 v. H., 1803 zu 1,2 p. H. und 1900 1,1 v. H. ' ans Judeir bestand, nahmen von den Schülern der höheren Lehranstalten die Inden in der Zeit von 1880—90 8,94 b. H., in der Zeit von 1801 bis 1805 8,42 b. H. und in dem Studienjahr 1800/1000 7,55 b. H. aller Schüler für sieh in Anspruch, also rund siebenmal mehr als der Durchschnitt beträgt. Der Anteil der Juden an der Zahl der Studierenden der Universitäten ist aber noch größer, so daß von den jüdischen Schülern relativ mehr zur Universität gelangen, als von den Schülern der christlichen Bekenntnisse. Zum Vergleich können hier natürlich nur die drei weltlichen Fakultäten herangezogen iverden, die theologischen müssen außer Betracht bleiben. Unter je 100 reiehsinländischen Studierenden in den juristischen, medizinischen und philosophischen Fakultäten der preußischen Universitäten betrug die Zahl der Inden im Durchschnitt der Studienjahre von 1880/87 bis 1891 11,05, in der Zeit von 1891/02 bis 1805/00 11,47 und in dem Studienjahr 1809/1000 0,52 Prozent. Noch stärker ist der jüdische Anteil, wenn man nicht alle reiehsinländischen Studierender:, sondern mir die studierenden Prenßerr in Betracht zieht. Von den jüdischen Studerrterr fällt der bei weitem grösste Teil auf die medizinische Fakultät, wührerrd der Nest sieh auf die juristische und philosophische Fakultät ziemlich gleichmäßig verteilt. In einem früheren Heft der „Preußischen Statistik" ivar über den starken Anteil der Inden an der Universikätsbildnng gesagt, das; die tieferen Gründe dieser Erseheinrirrg sich fast gänzlich der .Keirirknis entzögen, so Iveit rnarr sie ans statistische Grundlagen stützen wolle. Jetzt weiß aber Herr Geheinrrat Petersilie (in der „Zeitschrift des Preußischen Statistischen Bnreans" 1002, S. 82) eine ganze Reihe von Gründen dafür airznführen. Er schreibt: „Was die lebhafte Neigung der Israeliten zum Stndirnn anbclarigt, so hat marr darin einerseits eine Rasseneigentümlichkeit zu erblicken, andererseits aber wohl auch eine Folge der wirtschaftlich günstigen Lage einet* Menge bon Jndenfamilieir. Sieht man von der allerdings nicht kleinen Zahl der ganz armen jüdischen Trödler, Hausierer, Inhaber borr Wandertagen: usw. ab, so kann tum: den Nest zu einem guten Teil zn den Wohlhabenderen, selbst Neichen rechnen, denen es leicht wird, einen Sohn dem Stiidinm zn widmen; sie tun das erfahrnngsmäßig auch gern, zumal wenn mehr als ein Sohn vorhanden ist. Ueberdies gewährt den Inden ihre Ansässigkeit in größeren und mittleren Städten, welche sie bevorzuge», bessere Gelegenheit, die Söhne auf höhere Lehranstalten zn schicken, wovon die Folge darr» auch eine regere Beteiligung am Studium ist. Dazu kommt noch der Umstand, daß in Deutschland dem Inden das Eintreten in einige Berufe durch das herrschende Vorurteil außerordentlich erschwert, ja mitunter unmöglich gemacht wird, so beispielsweise in den Offiziersstand. Daraus erklärt sich auch die Vorliebe der Judeir für das Strrdiuin der Medizin. Schon als Jurist kann der Jude ein gutes Fortkommen vorzugsweise mir in der freien Bernfstätigkeit des Rechtsarrwaltes, im Bank-, Versicherungsuird Jndustriewesen firrdcn, was nicht jedes Fähigkeiten und Neigung entspricht; als Eiirzclrichtcr wenigstens Werder: Inden in der Regel rricht bestellt. Irr der philosophischen Fakultät wird er auch nicht häufig auf eine Lehrtätigkeit an einer höheren Schule hirrstreben. Es bleibt ihm für uneingeschränkte wissenschaftliche Betätigung meist nur die Medizin. Allerdings ist Wohl anzunehrnen, daß dieser Neigung zrrm Strrdimrr der Medizin eine besondere Veranlagurrg der israelitischen Nasse für dieses Gebiet entgegenkommt; cs ist auch Tatsache, daß unter nnscrcrr berühmten Aerzten sich nicht wenig Juden befinden." Unverkennbar zeigt der Prozentsatz der jüdischen Sindierenden die Tendenz, sich allmählich zrr bermindern: Der Arrteil der reiehsriilüiidischeir Inden betrug im Durchschnitt der Studienjahre von 1880/87 bis 1801 11,95 p. H., in dem Studienjahr 1899/1000 aber nur noch 0,52 v. H. Diese Erscheinung hängt eberrso wie die analoge Erscheinung bei den Schülern der höherer: Lehranstalten mit den: relativer: Rückgang der jüdischen Bebölkerurrg zusammen, der sowohl in Preußen wie überhaupt im Deutschen Reiche loahrzunehmen ist. Im Jahre 1880 hatte Deutschland eine Bevölkerung vor: 45,2 Millionen, unter dener: 502 000 Inden waren, die 12,4 von: Tairseird der Gesamtbebölkerung nusmachten. I»: Jahre 1900 hatte das Deutsche Reich 60,6 Millionen Einwohner, darunter 587 000 Inder: oder 10,4 vorn Tausend. Ir: Preußen warer: die Jridei: 1880 mit 13,8, 1900 nur noch mit 11,4 vom Tausend ar: der Gesamtbevölkerung beteiligt. Ueber die Gründe dieses Prozesses gibt die Statistik vollen Aufschluß. Wem: auch die jüdischer: Mischehen und die Judentaufen eine abbröckelnde Wirkung ausi'ibcn, wem: ferner auch infolge der Auswanderung eine nicht geringe Zahl von Inder: Deutschland verlassen hat — ihre Zahl wird für die Zeit von 1880 bis 1800 auf 20 000 geschätzt — so ist der Grund für die langsamere Vermehrung der jüdischen Bebölkernng doch hauptsächlich in der Abnahme des Geburtenüberschusses zrr finden. Uebrigens bleibt in Preußen schon seit 50 Jahren die Geburtenziffer der Inden hinter der der christlicher: Bevölkerung zurück. Vor: 1820 bis 1806 kamen auf 1000 Juden jährlich 37,2 Gebürter:, 1878 bis 1882 nur noch 30,32 und 1893 bis 1897 sogar nur noch 22,26, während die Ziffer bei der christlicher: Bevölkerung 38,15 betrug. Wie stark der jüdische Geburtenüberschuß sich in den letzten 20 Jahren vermindert hat, zeigen folgerrde Zahlen: 1880 1900 ’ ' ' Es wrrrden geboren . . . 11 176 7668 Es starben. 0 295 5863 Geburtenüberschuß 4 SSO 1800 Die natürliche Vermehrung ist also in 20 Jahren fast auf cir: Drittel herabgegairgen trotz der verminderten Sterblichkeit. Jedoch kann mar: bis jetzt mir vor: einer relativer: Abnahme der Juden in Deutschland sprechennicht von einer absoluten. Wenn die jetzt einflußreichen Momente aber fortwirken, wie angenommen werden darf, so muß in absehbarer Zeit auch die absolute Zahl der Inden sich bei uns bermindern. Unter diesen Umstände,: ist zu vermuten, daß der Arckeil der Juden am Universitätsstudium in den nächster: Jahren einer: weiteren Rückgang erfahren wird. Unsere Gegner dürfen sich freuen; sie Haber: mehr erreicht, als sie in ihrer: kühnsten Träumen zn hoffen wagten. Chronik. In! and. Gedenktage. A u g :r st. 1. 1208 frelerr Märtyrer in Nürnberg» u. a. N. Mord. b. Hillel n. d. Dichter Abr. b. Joseph. 1780 st. i. Liborrro Ab. Js. Castello Dichter nrrd Prediger. 1875 st. i. Hechingen Dr. Sanmel .Meyer, Rabbiner nrrd Advokat. 2. 13Y1 wurden in Majorca 300 Juden erschlagen. 1570 st. i. Konstantinopel Do» Joseph Nasi, Herzog bon Naxos. 1583 st. i. Padua Rabb. Abr. Lnzzato. 1784: st. i. Venedig Rabb. Sirncha Calimani. 1876 st. i. Berlin Dr. nred. Irrt. Leop. Klein, Schriftst. 3. 1832 grb. in Lissa Mor. Scherbcl, Prediger und Novellist. 1830 st. i. Amsterdam Staatsrat Carl Asser. 1003 w. Tanrar Barroras n. d. Proselyt Diego de la Asseneioir in Lissabon berbrannt. 1850 geb. in Szenitz Heinr. Steiner (H. Uork), Schriftst. 4. 70 fielen Helden in Jerrrsalem, als arrf Titus Befehl der Tempel eirrgcäsehert Ivrirde. 1817 geb. in Zanditz Prof. Dr. Ring. 1828 ft. i. Brody Efr. Salm. Margnlres. 5. 1301 w. d. Inden in Barzelona überfallen und erschlagen. 1020 st. in Mantua Menachen: (Enrarmel) Asaria de Fano, 1831 ft. i. Berlin Joseph Veit. 1842 ft. i. Frairkfnrt a. M. Michael Creizenach, 1805 st. i. Rossnaii Naftali Keller (Biceurim). 1808 st. i. St. Louis Ab. Jsid. Busch. 0. 1243. sielen Mätyrer in Kitzingen. 1700 st. :. Karlsbad Dr. M. E. Bloch, Ichthyologe. 1858 geb. i. Grätz M. Koninski-Weiß (Milka We'rß- Ostrowv), Novellistiir. 1803 st. i. Nauheim Ost. Jristinris (Cohn) a. Breslau, Schriftst. 7. 1770 st. i. Fürth Rabb. Jos. Steinhardt. 1858 st. i. Amsterdam S. Nosenthat, Bibliophile. 7. 1808 st. Ad. Sntro Bürgernieister n. Ehrenbürger v. S. ^Franrisko. — Zum sechsten Ziorristerrkongreß. Das Referat über Organisation wird Dr. A. F r i e d m a n n und nicht Dr. B 0 d e n h e i m e r halten. — Dr. Herzl ist inBegleitung des Dr. K a tz e n e l s 0 h n (Libau) über Warschau nach Petersburg gereist. — Die jüdische Kolonialbank London hat in Jaffa eine Filiale ihres Tochterinstitutes, der „Anglo-Palästina- Ltd." unter Direktion von L ew 0 nt in eröffnet. Die Filiale hat bereits ihre Tätigkeit ausgenommen. Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter „Leopoldstadt" (II. Stephaniestraße 8). Mittwoch, den 10. August 1003, Vortrag deS Herrn Dr. Leo Sofor: Thema: Sozialismus und Sozialdemokratie. Um zahlreichen Besuch wird gebeten. Gäste herzlich willkommen. Die vereinigte» jüdischen Arbeiterorganisationen Wiens veranstalten am 22. August 1903 (Samstag) aus Anlaß des sechsten Kongresses i>n großen Prachtsaale des Hotel G u t h, II. Stephaniestraße 14, ein Fest mit Akad emie und Tanz