Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1903-08-07 · 32 (7.8.1903) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
32 (7.8.1903)
Date
1903-08-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2432763-2432970-2433002--2053-2435877
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksbiat! 7. August 1903 Nr. 32 CotH’vljiimih’ auf die rumänische Finanzlage und die letzte glänzende Konversion unter Beteiligung BleickiröderS und der vorsichtigen Herren Lipvin,»»»»» und Nosentkial in Amsterdam endet. So heißt es z. B. zum Schluß: „Allerdings ist es zeittveilig gelungen, die rumänische Rente durch diese internationalen Ränke in Mißkredit zu bringen. Der kleine Kapitalist tvird kopfscheu gemacht und knöpft die Taschen zu, und auch große seriöse Banken sehen von dem Geschäft ab, lveik ihre Kundschaft von außen unnütz bennrnhigt lvird. Aichtsdestotveuiger ist eine sichere Steigerung lvahrnehmbar, und trotz „Berliner Tageblatt" ging die neueste Konvertierung mit Hilfe erster Häuser in Berlin, Amsterdam, Paris, Brussel glänzend von statten. Dabei mußte das „Tageblatt" den Schmerz erleben, daß auch jüdische Bankiers, lvie Bleichröder in Berlin und Lippmann und Rosenthal in Amsterdam „dabei" waren . . . Rumänien hat einen harten Mampf anszufechteu. Es befindet sich auf dem Wege der vollen Sanierung: fein Budget ist durchaus geordnet. Seine Shaatseinriehtungen übertreffen an Lhjsdnung und Zuverlässigkeit die anderer umliegender Reiche um ein Bedeutendes. Hoffentlich zieht Rumänien daraus die allein richtige, moderitc Folgerung. Es genügt nicht, mit Neberschüssen im Budget zu prunken: auch nicht bei gegebener Gelegenheit durch ininisterielle Reden Angriffe zu Ividerlegen, Zweifel zu beseitigen und auf den gesunden Instand des Landes hinzntveisen. Hier muß mit „Tinte und Druckerschwärze" gefeuert lverden, in Ablvehr und Angriff, daran hat Rumänien zu viel gespart. Drei bis vier geivandtc Federn in den Hauptstädten Europas reichen ans, um den Verleumdungen an der Duelle naevzngehen und dein Staate im Anslande Vertrauen und Achtung zu sichern." Die Behanvtnng, daß Rumänien allzu sehr mit Ausgaben für /Tinte und Druckerschwärze" gespart hat, ist danach unrichtig, die Tatsachen lehren das Gegenteil. Nur den Vorwurf kamr man allerdings den Agenten StnrdzaS und seiner Finanzfreunde nicht ersparen, daß sie bei der Anstvahl der Blätrer, die sic zur Vertretung ihrer Interessen erkoren, etwas ungeschickt verfahren sind. Die Lobgesänge sind allzu überschivänglich; man merkt deutlich die Absicht; und die beabsiehtigre Wirkung schlägt in ihr Gegenteil um. Das böhmische Volk und die Juden. „Die Engel nennen es Himmelfreud, die Teufel nennen es Höllenleid, die Menschen nennen es Liebe." Diesen bekannten Vers variierend könnte man sagen: Die Deutschen nennen es R a s s e n - A n t i s e m i t i s m u s, die Tschechen nennen cs wirtschaftlichen Antisemitismus, die Juden nennen es Judenhaß, den alten Judenhaß, den die Juden mit sich schleppten zu einer Zeit schon, wo Deutsche und Tschechen das Wort „Jud" oder „Haß" noch nicht schrieben, weil sie nämlich damals überhaupt noch nicht — schreiben konnten. Und die „Neue Freie Presse" oder Politik-Juden sind so verstockt, sich weiter als „Deutsche" oder „Tschechen" zu suhlen oder zu geben, wie wenn sie die antisemitischen Expektorationen in den deutschen oper tschechischen Blättern nicht — lesen könnten. Zum Frommen jener Juden, die vielleicht aus der Scylla des deutschen Rassenantisemitismus in die Charybdis des Wirtschaftsantisemitismus geraten könnten, sei hier der Schluß eines Artikels des „Slowan" vom 26. Juli l. I. reproduziert, der sich vielsagend mit „Böhmisches Volk und die Juden" betitelt und in einigen Einzelheiten wahr, sehr wahr ist. Er lautet: „Den zweiten, respektive ersten Wahlkörper (in zwei mährischen Städten) haben den Deutschen die Juden erhalten, wie die Juden überhaupt mit ihren Stimmen, ihrem Gelds und mit ihrer Agitation das ganze abbröckelnde mährische Deutschtum erhalten. Unter den Deutschen wird ihnen (Juden) als Lohn der rohe Rassen- oder Glaubensantisemitismus zu Teil, unter den Tschechen rufen sie naturgemäß den Nationalantisemitismus gegen sichwach. Und weil die Juden das Deutschtum hauptsächlich durch die Kraft ihres Kapitals erhalten, so ist es kein Wunder, daß der nationale Antisemitismus der Tschechen immer mehr einen wirtschaftlichen Charakter gewinnt und nach Außen sich als wirtschaftlicher Boykottdesjüdisch-deutschen Handelsund Gewerbes darstellt. Unter den Juden lassen sich zwei Stimmen vernehmen, welche ihre Glaubensgenossen zur vernünftigen Neutralität ermahnen. Aber diese Stimmen verhallen mehr oder weniger ohne Widerhall und die große Mehrheit der Juden rennt weiter blind Hand in Hand mit dem deutschen Antisemitismus in den Kampf gegen das böhmische Volk. (Leider sehr wahr! Und den bornierten „Neue Freie Presse"- Juden zur Warnung. Anm. d. Red. des „I. V.") Denn dieselben (Juden), welche mit ihrem Blute (ihren Söhnen) überflüssige deutsche Mittelschulen und mit ihrem Gelde und ihrer Agitation den ungerechten deutschen Besitzstand erhalten, arbeiten auch dahin, daß dem böhmischen Volke nicht sein nationales Recht werde." Zu diesem Artikel des „Slowan", der nur in seinem Schlußpoint uns nicht richtig erscheint, haben wir zur Aufklärung jener Juden, welche bloß die „Neue Freie Presse" und tutti quanti lesen und daher über die Situation der Juden und der Deutschen selten die Wahrheit erfahren, die ihnen am wichtigsten wäre, nur noch zu bemerken, daß das „Deutschtum" nicht nur in Mähren längst um seine Vorherrschaft gekommen, sondern in manchen Städten in Mähren und Böhmen zusammengebrochen wäre, wenn die Juden nicht den Deutschen mit ihren Stimmen, ihrem Gelde, ihrer Agitation beigesprungen wären, wofür sie von den edlen Ariern nur Fußtritte und nicht immer bloß moralische erhielten. Die einen nennen es Rassenantisemitismus, die anderen Wirtschaftsantisemitismus. Wir nennen es Judenhaß. Wenn aber die Juden „so dumm" sind, wie es Lueger richtig bezeichnete, sich als Deutsche, Alldeutsche, Heildeutsche oder als Slaven, Panslavisten re. auszugeben, so liefern sie ihren Feinden den Stoff, aus welchen die anderen Nationen das Mäntelchen schneidern, mit dem sie ihren latenten Judenhaß politisch-wirtschaftlich zu drapieren versuchen. Das „Bolksblatt für Stadt und Land" in W>ien schreibt: Gänzlich uutvahr »lud unrichtig ist es jedoch, daß die „Klerikalen" in ihrer Gesamtheit, insbesondere ihre berufenen Vertreter, auch alle in diesem Kampfe von ch r i st t i ch s o z i a l c r Seite a n - g e!v endete n M i t t c l ohne weiteres gebilligt haben. Wir erinnern nur kurz an Folgendes: Nie haben wirklich gläubige Katholiken den rohen brutalen Rassenantisemitismus mit seinem blutigen Judenhasse ohne Widerspruch hingcnommeu, vielmehr sich stets ans den Standpunkt gestellt, daß die gegen das Christentum gerichteten jüdischen Ilebcrgriffe zwar aufs Schärfste bekämpft lverden müssen, daß aber Judenhaß aus Prinzip gegen die klare Lehre von der christlichen Nächstenliebe verstoße. In unserem Blatte ist deshalb mancher Strauß mit dem „Deutschen Volksblatt" ausgekämpft lvordcn, ebenso in andereit katholischen Blättern. Die Verleumdung, die Lüge, die persönliche Beschimpfung, auch lvenn sie im Kampfe gegen unsere G e g n e r angewcndet lvurde, ist von uns nie gebilligt, sondern stets entschieden verworfen lvordcn; die nachdrücklichsten Hinweise ans die unbedingt und ausnahmslos verpflichtende Geltung der christlichen Moralgesetze auch im politischen Kümpfe könnten lvir dutzendweise aus katholischen Blättern zitiere»!. Unsere Leser bedürfe»» hierfür keines Belveises, sie brauchen nur in ihrer Erinnerung uachzuschlagcn. Was insbesondere das „Deutsche Volksblatt" betrifft, so ist dasselbe auch in seinen beste»» Tagen, näiulich als es behufs Anlockung vertrauensseliger Gimpel ein christliches Mäntelchen umhing, i n e r n st c n k a t h o l i s ch e n K r e i s c n nie a n d e r S als ei n G e s ch ä f t s u u t e r n e h m e n m i t ch r i st l i ch e n» A lt s h äuge s ch i l d c ohne jede Spur von positiv katholischer oder auch nur christlicher Ueberzengung betrachtet ivordeu. Daß dieses Urteil sich noch beträchtlich verschärfte, als Herr Vergaui sein Schäfchen im Trockenen hatte und deshalb den Flickschneider für das christliche Mäntelchen seines Blattes pensionierte, so daß durch die Löcher der nackte Jndiffcrentismus, ja Atheismus hervorgrinst, darf wohl als selbstverständlich angenommen werden. Daß gerade das „Vaterland" trotzdein den Kampf nicht offen aufnahm und das „Deutsche Volk'sblatt" im allgemeinen ignorierte, mag seine Gründe haben und ist durchaus kein Beweis dafür, daß die katholischen Kreise dein Blatte des Herrn Vergaui jemals getraut hätten. Was unser Blatt betrifft, so ist es unseren Lesern nur zu gut bekannt, tvic nachdrücklich »vir seit jeher vor dein Irrtum gctvarnt haben, das „Deutsche Volksblatt" als positiv christliches oder gar als katholisches (!)> Blatt zu betrachten. Wenn cs ungeachtet dieser feststehenden Tatsache»» einzelne Katholiken, ja selbst Priester gab, die cntivcder nicht iveitblickend genug oder von politischer Leidenschaft verblendet, einen anderen Standpunkt einnahmen und durch Dick und Dünn mit der anlisemirischeu Partei gingen, a u ch d i e entschieden unch r i st l i ch c n A u s s ch r e i t u n g e n dieser Partei v e rteidigten »»n d selbst auf das „Deutsche Volksb l a t t" s ch w ö r c u z u m i't s s c n glaubte n, so können diese' Ausnahmen He Regel kcinesivcgs umstoßen. | „Novi Srbobran", Organ der serbischen Unabhängigkeitspartei in Kroatien, schreibt: „Ein nur ctivas vernünftig Denkender weiß, daß die Juden, obtvohl sie sich in Ungarn als feurige Magharen, in Kroatien als feurige Kroaten usw. gerieren, dies doch nur im eigenen, soivie im Interesse ihres Volkes tun und nicht etwa, »veil sie mit den» betreffenden Volke zusaminengeivachscn sind. Das nationale Be- »vußrscin ist bei ihnen so stark, daß man cs betvundern kann, lvenn es überhaupt angezeigt ist, jeinanden zu betvundern» der sei»» Volk wahrlich liebt, der immer »ind allerorts für dasselbe empfindet und in seinein Interesse handelt. Arich das Kischenewer Ereignis nützen sic z»ir Festigung des nationalen Betvußtseins und Gefühles aus. So hielt beispielsweise Oberrabbincr Moritz G l a s n e r in Kolosvar (Ungarn) eine schöne »i n d interessante Predigt, in welcher er die rumänischen und bessarabischeu Assimilante»» für die traurige und »»uglücklichc Lage ihrer Brüder verantwortlich machte. Unsere Ansicht aber ist die gegenteilige. Mai» lehnt sich dort.gegen die Juden deshalb auf, tveil sie trotz ihrer scheinbaren Assnnilation innerlich doch stramme Juden »md die größten Feinde derjenigen Nation sind, in welche sie sich auf diesen» Wege einschlcicheu. Daß sich aber die Juden nicht assimiliere»» können, ist doch in der Predigt ganz klar ausgeführt. Es inochte eine Stahlnadel ivie lange immer im Fleische gesteckt haben, sie wird nie und nimmer Fleisch und Blut. Unter welchen» Klima der Jude immer leben, welche Sprache er immer sprechen mag, er kam» sich bloß anscheinend assiinilieren, seinen jüdischen Typus und sein jüdisches Gefühl kann er nie und nimmer verlieren. Die Jude»» fühlen sich in Ungarn — so heißt es im Blatte lveitcr — in allen Positionen schon genügend stark u»»d glauben ihr angebliches Magyarent»»»»» nach und nach abstreifen zu können. Wir »vissen zwar nicht, ob nicht auch Präsident Roosevelt, der sich der Jude»» so tvarm anninnnt, ein Apostat und Assimikant sei, jedenfalls verdient derjenige, der tatsächlich so sein Volk liebt und sein nationales Bewußtseil» so unerschütterlich und tief im Herzen trägt, »vie es dieser Obarrnbbiner erklärt, ernstlich bcivnndert und geschätzt zu lverden. Trotz mehrmaliger antisemitisch gefärbter Ausfälle und Bemerkungen ist man in diesen» Blatte nicht selten geneigt, die Juden, ihre Solidarität, ihr selbstbelvußtes Auftreten »md ihr nationales Bewusstsein als nachahmenswertes Beispiel und Muster hinzustellen. Einen derartigen Artikel bringt das Blatt über die zionistische Versaminlnng in Baden, lvo eine Jüdin über die Aufgaben und Pflichten der jüdischen Mutter gegenüber ihren Kindern und ihrem Volke sprach. Ta heißt es nach einem Auszüge aus der Rede folgendermaßen: „Hört dies, ihr serbischenMütter, die ihr eure.Kiuder in fremden Klöster»» und Anstalten erziehen lasset, ihr, die ihr es so wohlgefällig anhöret, iveim eure Kinder französisch oder deutsch radebrechen und ihre Sprache vergessen, ihr, die ihr eure Töchter an Fremde verheiratet und euch dann diese Oskars, Alfreds, Guidos usiv. bringen. Hört dies, wie die Jüdin ihre Mutter- Pflichten begreift und erfüllt." Euch aber, ihr Agramer Assilnitantei» und euch, ihr Esseker „Slaven" sage ich, der „Srbobran" meint cs hie und da ganz ehrlich und aufrichtig mit euch! Ihr könnt von ihn» »vas lernen! M. Lederer. Die „Gablonzer Zeitung" schreibt: Die Deutsche Fortschrittspartei und ihre Feinde ringsnnr. Wir habe»» im letzten Blatte das radikale Kuckucksei uuserci» Leser»» zur Besichtigung vorgcführt, »vclches der Urgermane und rassenrcine Arier Herr Ettcl in die Spalte»» der liberale»» „Bohernia" als ihr Mitarbeiter praktizieren kvnute. An demselbei» Mittivoch leistete sich der genannte ai»tiscmitischc Mitarbeiter des Prager „judcnliberalen" Blattes, Herr Ettel, der auch sonst den» „Judentum" nicht fcrusteht, in seinem Gablonzer radikalen Blatte das Folgeilde: „Für diese Liebedienerei erhalte»» übrige»»s die „Liberalen" selbst tum jüdischer Seite den verdienten — Fußtritt. So schrieb jüngst die Wiener „Jüdische Volkszeitung": „Die Liberalen sind die jämmerlichste Partei, die Oesterreichs politisches Bild verunziert. Feig, »»»»fähig, senil (greisenhaft), ein Häuflein von Vcreiusstrebcru. Die Spatzen (nämlich Leute »vie Ettel und die von der „Jüdischen Volkszeitung") singen schon das allgemeii»c Urteil über das klägliche Leben und Ende dieser „Partei" voi» allen Dächern . . (und in allen autiseiuitischeu Blätter»»). Diese schöne Lese feucht tischte, lvie gesagt, der Herausgeber des aiitiscmitischen „Gabl. Tagbb" und Mitarbeiter der liberalen „Bohemia" seine»» Gablonzer Leser»» ans, »in» die Deutsche Fortschrittspartei zu schmähen, »veil letztere Juden und Katholiken in ihrer Mitte hat „zu einem gemeiusameu Fortschrittsbrei", ivie Professor Mach tu seiner Turnhallen-Rcde höhnte. Der Herr Mach ist nämlich nicht nur „Los von Roin"-Rufer, sondern auch „alldeutscher" Antisemit — genau so, »vie der rasscureine Arier Herr Ettel. Daß dieser Herr Mach aus Tetschcn mii der deutschfortschrittlicheu Politik der „Gablonzer Zeitung" nicht eiuverstaudcu ist, kam» nicht lveitcr auffalleu. .In Tetscheu-Bodeubah haben es die Feinde der dcutschfortschrittlichcn Sache ja fertig gebracht, daß dort k'eiir dcutfchfortschrittlichcs Preßorgau mehr erscheint; die früher deutschsortschrittlich gesinnte „Tctsch.-Bod. Ztg." sattelte »im und ist jetzt volklich-autiscmitifch. Wenn cs gelingen kömite, auch die „Gablonzer Zeitung" in solcher Weise „uinzustiinmeii", so »vürde der „alldeutsche" Wänderprophct Herr Mach mit uns ebenfalls zufrieden sei» und ausrufeu: Es ist erreicht! Was Herr»» Ettel aiibctrifft, der als radikaler politischer Berichterstatter die liberale Presse bedienen darf, so ist eS einigermaßen begreiflich, daß er zu der Ansicht koiniuei» kam», die liberale Partei sei die „jämmerlichste Partei" »md „verunziere Oesterreichs politisches Bild", sic sei „feig, unfähig, senil". Unbefangene Politiker denken aber über die Liberalität der liberalen Presse gegenüber radikalen Partcilciiten anders. — Wenn sich Herr Ettel »nit seinen» gehässige»» Urteil auf die „Jüdische Volkszeitung" stützt, so bewährt steh auch hierwieder die alte Liebe, die nie rostet. Die „Jüdische VokkSztg." trat vor einigen Jahren »nit der Absicht ins Leben, die Juden zu»»r Kampfe gegeri die Christel», besonders auch gegen die liberale Parke»", welche als antisemitisch hingestellt »vurde, zu eiitslannncn. (?) (Das „Gablonzer Tageblatt" fälscht, getreu seinem autiscmikrschei» Metier, lustig unseren Artikel: „Die liberale Garde". Wir fassen in» Interesse der Sache die Fortschrittspartei nicht »nit Glaceehandschuhen au, aber die von dem „G. T." zitierte»» Worte sii»d nie in unserem Blatte gestanden. Im klebrige»» fälscht die liberale „Gabt. Ztg." ebenso »vie ihre antis e m i t is ch e »» K o k l e g e»» die hi st o r i s ch c »» T a t s a ch e u. Eine „Jüdische Volks z e i t n n g" gibt cs in Wien überhaupt nicht, »md das „Jüdische Volk'sblatt" hatte Ivcder bei seiner Gründung iioch jemals »vährcnd seines Bestehens die Absicht, die „Juden zu»»» Kampfe gegen die Christen zu entflammen". Das ist eine freche Li» ge; das möge sich die „Gabt. Ztg." gesagt sein lassen. Sie möge »ms eine Z eile uachivciseii, in der »vir dieser unterschobenen Absicht Ausdruck geben! An»»», d. Red.) Chronik. Inland. Diftriktötag. Sonntag, den 0. August, 10 Uhr Vormittags findet inP r er a u,Resta»»ra»»tHaas, Ferdinandsgasse,der Distriktstag der mährisch-schlesischen Organisationen statt. Zum VI. Zionisten-Kongreß, Wir erhalten von wohlinformierter Seite folgende Mitteilung: Zn den wichtigsten Vorlagen des Kongresses gehören z»vei Kolonisations-Projekte, von denen das eine die Ecrichtnng einer Kolonie für die Kischenewer Waisen nach den Vorschlägen des Ingenieur N s s i s ch k i n in Palästina betrifft, das andere die Gründung einer Kolonie in Aegyvten nach Studien des Architekten M a r- »norek und des Kolonel Gold schm »dt im Auge hat, U s s i s ch k i n weilte 10 Tage in Palästina, um die nötigen Vorarbeiten zu treffen. Kolonel G o l d s ch m i d t, der Führer der englischen „Chowewei Zion", verfügt als Orga»»isatvr der argentinischen Hirsch-Kolonien über eine große Erfahrung auf dem Gebiete der Kolonisation. Die proletarischen Organisationen Wiens veranstalten am 22. August 1903 anläßlich des Kongresses eine Fe st Versammlung mit Akademie. Es soll durch diese Versammlung der noch indifferenten Judenschaft die Bedeutung der Kongresse und das Ziel unserer Bewegung vor Augen geführt werden. Es ist daher erforderlich, daß die Gesinnungsgenossen für eine zahlreiche Beschickung dieser Versammlung schon jetzt eifrig agitieren. Näheres über diese Versammlung wird später bekannt gegeben werden. Auskünfte werden jeden Abend ab 8 Uhr im Vereinslokal, II. Stephaniestraße 8, erteilt. Jüdischer Bolksverein in Czeruowitz. Unter dem Vorsitze des Obmannes Dr. Strauch er hielt der jüdische Volksverein in der deutsch-israelitischen Volksschule seine Monatsversammlung ab. Dieselbe war sehr gut besucht. Dr. Straucher besprach in dreiviertel-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.