Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 31 (31.7.1903)
- Date
- 1903-07-31
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Veiksblatt 81. Juli 1903 Nr. 31 Ich habe noch nicht von einem sehr wichtigen Faktor gesprochen, der in erster Linie berufen ist, auf die Kultur und sittliche Entwicklung etneS Volkes, und besonders einer Volk'Sklasse, bildend und formend zu wirken. Es sei mir gestattet, mich hier einfach auf die Broschüre „Akten der öffentlichen Fonds" vom Jahre 1900 (S. 24 u. ff.) Hinzumeisen, wo der Sekretär der Fonds seine Erfahrungen niederschreibt, und erzählt, wie der polnische „Daskal" die ihm anvertrauten Kinder martert. Ist es da ein Wunder, wenn sie so, sich selbst überlassen, unter dem Einflüsse negativer Faktoren in mittelalterlichen Sitten aufwachsen und verbleiben? Es ist höchste Zeit, daß die hierzu berufenen Faktoren diese sich selbst überlassenen Glieder der magyarischen Volksfamilie von der Tyrannei der Wunderrabbiner erlösen, in welche sie in ihrer Verlassenheit graten, und in welcher sie durch Aberglauben und Tradition mitten in Europa zum Spotte der Welt verharren, um sie zu nützlichen ackerbau- und gewerberbetreibenden Stac^sbürgern heranzuziehen. Dies der Wortlaut des Memorandums. Wir wiederholen: Kaffka hat die oberungarische Judensragc eingehend studiert, hat jedoch in vielen Fällen geringfügigen Ilrsachcn allzu große Wirkungen zngeschriebcn. Außerdem ist es der Aufmerksamkeit des Herrn Mafffn auch entgangen, daß die Marmaroser Juden sich allluähliw den Einflüssen der Wnnderrabbiner entziehen; daS Beibehalten der Nassencigenarten, ohne dabei dem Chassidismus verfallen zu sein, nimmt Kaffka in vielen Fällen für Fanatismus und ^elotismns. Aber trotz dieser scharfen, rücksichtslosen Kritik kommt •Stafffa zu dem Schlüsse, daß nur blinder Haß und antisemitische Voreingenommenheit dem Juden das Laster und die Leichtlebigkeit als Nassenfehler znznschreiben vermag. Hiermit wird das Vorgehen E g a it v, des Vorgängers Kaffka s, aufs Schärfste kritisiert unb dessen Ansichten über die Marmaroser Frage aufs Glänzendste und Authentischeste widerlegt. Mit Recht betitelt daher das obcnertvähnte ungarische Blatt diese Enthüllungen „Kaffka k o n t r a E g a n". Die Wiener „Ostdeutsche Rundschau" hat augenscheinlich den Schmerz über d i e s c Ergebnisse der .Kaffka'sehen Erhebungen nicht verwinden können, griff daher zur altbewährten Methode, riß einzelne Stellen des Memorandums aus ihrem Zusammenhänge, fälschte einige Kommentare dazu nird braute auf diese Weise ein ganz neues Memorandum zusammen, tvelches dann freilich „die Erhebungen Egans bestätigte". Jedem, der die wortgetreue Uebersetzung des Memorandums durchlieft, wird wohl die gemeine Fälschung der „O. R." sofort klarwerden, aber wir mußten diese jüngste antisemitische Eskamotage der „O. R." niedriger häitgcn. Zettungsschau. „Novi Srbobran,“ Organ dsr serbischen Unabhängigkeitspartei in Kroatien. Es wird wenige wundern, wenn sie erfahren, daß das genannte Agramer Blatt ein ganz besonderes Augenmerk auf alles, was Jüdisches und Judentum betrifft, richtet. Interessant aber ist es zu sehen, wie dasselbe Artikel, Notizen und statistische Ausweise punkto Juden seinen Lesern mit gut gewürzten Bemerkungen austischt. In Nr. 149 vom 15. Juli d. I. bringt oder besser, entstellt das antisemitische Organ in Agram unter der Spitzmarke „Armes Rußland" einen Auszug von dem im „Jüdischen Volksblatt" vom 10. Juli d. I. in der Z-eitungsrundschau aus der „Woche" abgedruckten Artikel in folgender Weise: „Armes Rußland! Das „Jüdische Volksblatt" droht in seiner 28. Nummer vom 10. Juli l. I. Rußland mit nichts Geringerem, als völligem Untergange und Bankerott. Unter Anderem sagt es: Aus der letzten Aeußerung Minister Plehwes erhellt, daß die Juden (das Blatt nennt mit Vorliebe die Juden mit dem Spottnamen „Üiouti") wollen sie weiteren Verfolgungen entgehen, aus Rußland auswandern müssen. Rußland ist aber auf das jüdische Kapital angewiesen, will es sich in seiner Weltmachtstellung behaupten. Uolens volens ist es jüdisches Geld zu nehmen genötigt. Beurteilen wir aber die Sache nach ökonomisch-statistischer Methode, so resultiert folgendes: In Rußland gibt es zirka 6 Millionen Juden. Ein Menschenleben wird mit zirka 5000 Francs bewertet. Würden die Juden auswandern, verlöre Rußland 30 Milliarden Francs. Nimmt man den Konsumwert eines Juden mit 10°/g, so bedeute dies einen jährlichen Verlust von 3 Milliarden Francs für das russische Volksvermögen. Kraft ihrer Intelligenz haben aber die Juden doppelten Wert (hier Ausrufungs- und Fragezeichen) und es wäre leicht zu erdenken, was mit Rußland geschehe, wenn die Juden auswanderten. Der Untergang, ein Staats- und Volksbankerott wären ihm dann unvermeidlich". Nun folgeu die Begleitworte: „So spricht das Volk Israels. Oh, armes Rußland, wie tief bist du gesunken, daß dich die Juden auf ihren buckligen Schultern Hallen, um nicht in Staub und Asche zu verfallen! Wir sagen unsererseits: Zieh' aus dem Kloster, Abt, und scher' dich nicht darum!" (Serbisches Sprichwort.) Drei Tage nachher erschien in Nr. 152 desselben Blattes ein kleiner Auszug aus dem in derselben Nummer des „Jüdischen Volksblattes" mit „Jüdische Studenten" überschriebenen Artikel, „Wie Juden ihre nationale Pflicht begreifen" betitelt. Dazu ist folgendes bemerkt: „In dieser Weise schreiben die vernünftigen Juden (hier heißt es nicht mehr „Üiouti", sondern schon „2idovi") über die Pflcht der Intelligenz. Wie ersichtlich, befassen sie sich nicht mit hoher Politik, zerbrechen sich ihre Köpfe nicht über China, oen Orient, Kongo re., sondern schreiben über ihre Erfordernisse, kümmern sich um sich selbst und als gescheite Leute wissen sie, daß das Andere später von selbst komme. Und dies schreiben jene, bei denen jeder Einzelne voll Selbstbewußtseins und Selb st vertraue ns und durchdrungen von der Ueberzeugung ist, daß niemandem ein anderer helfen könne, wenn man sich selbst nicht hilft. Und wie begreife» wir unsere Aufgabe und Pflicht gegenüber dem Volke, wir, die wir Serben doch bei weitem weniger Ernst bekunden, als sie und wir dies doch auch bei weitem nötiger hätten?" M. Lederer. Wie die „Arbeiter Zeitung" jüdische Interessen vertritt. Die „di. Fr. Preffe" nahm in einer anständigen Anwandlung eine Zuschrift auf, die sich gegen die Sonntagsruhe der Hausierer richtet. Die Zuschrift hat folgenden Wortlaut: Wien, 21. Juli. (Die Sonntagsruhe der Hausierer.) Wir erhalten folgende Zuschrift: „Als ich armer Nichtjurist die neueste Anordnung las, die unter anderm den Hausierhandel des Sonntags verbietet, kamen mir ganz merkwürdige Empfindungen und Gedanken. Ich habe nicht die Absicht, mich jemals politisch zu betätigen — der Himmel bewahre mich davor — und so waren denn meine Gedanken durchaus nicht von irgend einem Partei- oder politischen Bewußtsein angekränkelt, sie waren rein einem gewissen Gefühle für Menschlichkeit entsprungen. Ich griff mir an die Stirn und fragte mich: Wie ist es möglich, oaß armen Hausierern der Tag des einträglichsten Erwerbes zu einem „Feiertag" gemacht wird? Will man kalten Herzens diese Aermsten aller Armen noch armseliger machen, als dies ohnehin bereits der Fall ist? Wem zum Frommen? Meiner Ansicht nach ist in diesem Falle ein Menschenrecht, ein Grundprinzip aller Rechte verletzt worden, das Recht zu leben, zu arbeiten, um zu leben. Und dagegen, denke ich, müssen wir alle, denen noch ein Funke Gerechtigkeit innewohnt, c-ns auflehnen. Kann man einen Menschen zwingen, zu feiern, am zu hungern, zwingen, müßig die Hände in den Schoß zu legen, um den Hunger zu erwarten? Das ist, wie wenn man ^En Menschen das Recht der Notwehr nehmen wollte, das Recht, sich gegen den Mörder, der ihm ans Leben will, zu wehren! Sind diese Armen nicht genug bedauernswert, daß sie noch den Sag des Herrn daran setzen müssen, um ihr mühseliges Dasein zu fristen? Wie glücklich uuirett sie selbst, wenn sie an diesem Dage von ihren: MkbflK ausruhen könnten! Man zwingt sie aber, zu feiern und zu darben. Das ist kein Ruhetag für diese 'Armen, das ist ein Tag innerer Unruhe für sie, und so war der Sonntag nicht genieint! Mir armen Nichtjnristc-a däncht es, als ob man gerade iur den Armen Mittel und Wege finden sollte, wie er zu Bro>i i komme, wie man ihm sein Leben erleichtere, auf daß er seines unendlichen Mühsals nicht gewahr werde, nicht aber, wie man sein mühseliges Leben noch mühseliger gestalte. Wein zum Frommen? Wehe, wenn es jenrandem zuliebe geschah! med, Kirsch. w Sofort setzt sich die „A r b e i t e r - Z e i t u n g" in Position und fährt ihre Feuerspritze auf. Sie schreibt: „Kärtchen Micsnik als Sozialpolitiker." Von eincm Studentlein nimint die „N Fr. Preffe" folgende Stilübung über die neue Sonntagsruhe-Verordnung auf. Der Jüngling täte wirklich besser, am Semmering Lawn- Tennis zu spielen, als mit seinem Unverständnis die Ocffentlichkeit zu molestieren. Aber die kindliche Eitelkest ist doch noch begreiflicher, als daß sich eine sozusagen ernste Zeitung zur Wiedergabe solcher Kindereien hergibt. Selbst daß sich der Sommerfrischler von Spital — auch das tut er der Welt kund — gegen die Sonntagsruhe der Hausierer „auflehnt", ist noch kein ausreicheiidec Grund, seine Tagebnchgedankeu der Oeffentlichkeil zu servieren. Diese.„Neue Freie Presse" wird eben immer blöder. Wahrhaft bewundernswert ist die Gemütsruhe oder bester gesagt Gemütsrohheit, mit der sich die „A.-Z." darüber lustig macht, wenn jemand sich gegen die Sonntagsruhe der Hausierer auflehnt. Man muß es der „A.-Z." lasten, sie ist nicht so „blöd", für Hausierer einzutreten, denn das trägt nichts ein,- . i Ebenso bewundernswert ist die Haltung der „A.-Z." gegenüber Kreisen, die sie öffentlich Gunter den Linden" beschimpft, obzwar sie „zu Hause" sich ausgezeichnet mit ihnen verträgt und sehr tatkräftig von ihnen unterstützt wird. Aber die Börse ist in die „A.-Z." so verliebt, daß sie ihr selbst das folgende Stückchen verzeihen wird. Brachte jüngst das „Deutsche Votksblatt" folgenden Artikel: Die Bestellerung der Wiener Börse. Seit geraumer Zeit bietet die Wiener Börse das Bild gänzlichen Verfalls. Niehls verrnag sie aus ihrer Lethargie zu reißen, günstige und ungünstige Momente bleiben ohne Eindruck, da jene Elemente, welche für die ununterbrochene Funktionierung des Marktes durch Aufcechterhaktung von Angebot und Nachfrage zu sorgen berufen sind, sich entweder gänzlich aus dem Mechanismus der Börse ausgeschaltet sehen oder durch verlustbringende Geschäfte während einer seit vielen Jahren andauern- - den Stagnation, der Folge unserer perennierenden politischen Krise, verarmt sind. Bei diesem Schwächezustand, der jedem objektiven Urteil sich auf den ersten Blick darbietet, wird man die Erregung begreifen, die sich der Börsebesucher infolge der Tatsache bemächtigte, daß in letzterer Zeit vielfach erhöhte Verschreibungen an Personaleinkommensteuer stattgefunden haben, indem man sich sowohl über die Bekenntnisse als wie auch darüber hinwegsetzte, daß sich die Börse in einer Epoche des Niederganges befindet, welche nur eine notdürftige Existenz ermöglicht und die größten Opfer erheischt, um halbwegs den Boden zu behaupten, auf dem man sein Brot zu finden hofft. Bei dem schweren Kampf,, den dies unter den jetzigen Verhältnissen bedeutet, wäre die Frage, woher man die 'Mittel hiezu nimmt, umso verfehlter, als es nur sehr wenigen beschieden ist, standzuhakten und die meisten notgedrungen den Schauplatz ihrer Tätigkeit aufgeben müßten, wenn ihnen durch erhöhte Steuern der Hals zugeschnürt würde. Der Einsicht der Steilerad,ninisträtion muß es überlassen bleiben, das richtige Maß zu finden, um nicht die Henne zu schlachten, die die goldenen Eier legt, nachdem die Umsatzsteuer allein schon eine Belastung darstellt, bei welcher die Frage, ob bei den Umsätzen ein Gewinn oder Verlust resultiert, gar nicht in Betracht gezogen wird. Dazu leistet sich die „A.-Z." folgende Auslastungen, die wir ohne Kommentar bringen wollen: Die Zeitung, der wir diesen erschütternden Notschrei entnehmen, ist nicht ein gewöhnliches „Judenblatt", sondern — man lese und staune! — das „Deutsche V o l k s b l a t t"! Dasselbe Blatt, das so oft die Kriegsdrommete gegen das Börfenjudentum geblasen, das die Verhinderung jeglichen Börsenspiels und zu diesem Zwecke vor allem die Erhöhung der Börsensteuer verlangt hat, wird plötzlich von tiefem Mitleid befallen, weil der Staat von den Börseanern eine erhöhte Einkommensteuer zu erlangen sucht. Auf der Börse soll gestern großer Jubel über diese Kundgebung des antisemitischen Blattes geherrscht haben und die rossenbewußtesten Besucher sollen erklärt haben, für diesen Liebesdienst den Herren V e r g a n i und Schwer einige „Ritualmorde" vorzugeben. Denn solche Tugenden, wie das „Deutsche Vvlksblatt" bat ihnen schon lange kein liberales Organ nachgesagt. Die Börseaner haben eine „Tätigkeit", sie sind „Hennen", die „goldene Eier legen", ihre Stenerbekenntnisse sind so glaubwürdig, daß es von der Behörde ungerecht ist, sich über sie „einsichtslos" hinwegzusehen, sie führen einen „schweren Kamps", haben eine „notdürftige Existenz" und können kaum „ihr Brot si iden". Kurz, nicht mehr der „Gewerbestand" ist es, der von den Christlichsozialen verteidigt werden muß, sondern die Börse. Jetzt braucht nur noch der Hetlinger, dem die Gewerbegenossenschaften ohnedies den Laufpaß gegeben haben, ein Gutachten über dre Schntzbedürftigkeit der Jobberei nuszuarbeiten. Das Märchen von dein wirtschaftlichen Antisemitismus der Christlichsozialen wre von ihrer Gegnerschaft gegen das Börsengeschäft ist nun ondgütig abgetan. Die Wiener Börse zählt unter ihren Besuchern gut 95 Prozent Juden und gerade für die Börsenjuden, die von den Antisemiten noch vor gar nicht langer Zeit als die charakteristische Verkörperung des jüdischen Schmarotzertums hingestellt wurden, setzt sich das „Deutsche Volksblatt" so leidenschaftlich ein. Und wer wird diesem Blatte noch glauben, wenn es den Sozialdeinokraten vorwerfen wird, daß sie heimliche Bundesgenossen der Börsenfinanz seien! Das „Deutsche Volksblatt" sei auf diesen Artikel endgiltig festgenagelt! Nicht als ob wir über seine Gesinnung erstaunt wären. Daß sich die Christlichsozialen immer mehr als Anwälte des arbeitslosen Einkommens fühlen und so logisch dazu kommen mußten, auch die Interessen der Börse zu verfechten, haben wir auch früher gewußt. Aber dieser dumme, selbstverräterische Artikel hat uns überrascht. Wir denken, nicht uns allein. Der „kleine Mann" wird, wenn man ihm so offen kommt, doch einmal anfangen, sich seine „Retter" genauer anzuschanen. Daß das Bollwerk der Wiener Christlichsozialen bald am Schottenring stehen wird, ist einer der besten Witze dev wahrlich genug grotesken österreichischen Geschichte. Ist die „A.-Z." wirklich ihr Geld wert? Die „Bukotvinaer Post" schreibt: Für den deutsch-politischen Verein wird am 21. d. in den „Nachrichten" wieder einmal die Werbetrommel sehr lang und sehr laut gerührt. Bei der Hitz! rief ein Leser entsetzt. Das soll die Opferfrendigkeit bekunden. „Organisieren wir uns!" tönt es aus den drei langen Spalten. Der „wir" sollen die Deutschen sein, „alle Deutsche der Bukowina" inklusive natürlich den Juden. Handelt es sich doch um eine politische Organisation und da können die Juden als Stimmvieh gute Dienste leisten und den christlichen Deutschen Mandate erobern helfen, zur Hebung des politischen Machtbewußtseins — der christlichen Deutschen. Im deutsch-politischen Verein sollen die eiteldummen Juden, die da sich hineiulocken lassen, „den Vorteil" bilden, den die christlichen Deutschen „auch gehörig ansnützen und unter Anspannung aller Kräfte möglichst groß zu machen" — selbstredend nur für sich — sich freundlichst hernach bestreben sollen. Politisch sollen die Juden den christlichen Deutschen die Kastanien aus dem Feuer holen, denn: „der größte Teil der deutschen Intelligenz rekrutiert sich aus der Beamtenschaft, der schon ihr Beruf eine prägnante Teilnahme am politischen Leben versagt." In dieser Motivierung wird bereits der Juden vergessen. Der Juden größter Teil gehört eben nicht der Beamtenschaft an und man übersieht diesen „größten Teil" der Deutschen in der Bukowina ganz, ebenso wie man, gar nicht zufällig, bei der schon stramm organisierten „wirtschaftlichen Hebung" nur der christlichen Deutschen sich annimmt, die Juden ganz ignoriert, ja sie sogar schädigt, weil all diese „wirtschaftliche Hebung" auf Kosten der Juden geschieht. Man fordert nnn ganz dreist von den Juden: seid blind; sehet nicht, daß man euch die Grundlagen der .wirtschaftlichen Existenz zu untergraben sich bestrebt: vergesset an den Hlnauswurf aus dem Deutschtum (— oder wie es die „Nachrichten" bezeichnen, „den Riß, welcher durch die Gründung des christlich-deutschen Vereines durch das Verhältnis zwischen Juden und Deutsche ging"—) und lasset Euch Ihr Juden hineinorganisieren von dem S k e d l und Konsorten zu einer Wahlheloten-Organisation für die christlichen Deutschen! Gemach! Die christlichen Deutschen mögen es nur versuchen, so allein wie sie im Vereine der christlichen Deutschen sitzen, sich auch politisch zu organisieren und sich mit ihrer „inneren Stärke" zu trösten. Wir wollen sehen, was das Deutschtum in der Bukowina ohne Juden politisch bedeutet. Die Juden werden klug genug sein, sich nur als Juden zu organisieren, ohne die politische Purimmaskerade eines deutsch politischen Vereines. Für die Juden ist der „Jüdische Volksverein" und ihr Führer Dr. Strauch er da. Chronik. Inland. Gedenktage. Juli: 24. 1636 st. i. Worms Elia b. Moses Loanz, 1716 fand i. Posen ein von d. Polen verantaßtes Gemetzel unter den Juden statt. 25. 1196 wurden i. Leon I. erschlagen, 1644 w. i. Valladolid I. verbrannt u. a. d. Proselyt Alnrcon, 1739 st. Job. Christ. Wolf (Bibliotheca Hebraica), 1840 st. i. Paris Jae. Lazard, M. d. Sanhedrin), 1893 st. i. Vöslau Paul d'Abrest (Fried. Kohn) a. Prag. 26. 1257 st. Samuel b. Jsaac aben Schoschan, 1832 geb. i. Brünn Ottilie Bondy, Frauonschriftst., 1844 st. i. Berlin C. Streckfuß, der s. Urteil geg. d. I. widerruf, h. 27. 1671 st. i. Altona Abr. Fonseea, 1782 st. i. Padua Jac. Chasak 93 I. 1855 st. i. Paris Sal. Meyer v. Rothschild, 1874 st. i. Oberdöbling b. Wien Ans. Sal. v. Rothschild. 28. 1639 st. i. Modena Aar. Berachja, 1789 st. i. Preßburg Meir Barby. 1808 geb. i. Offenbach Dr. Sal. Formstecher, Rabb., 1836 st. i. London Nathan v. Rothschild, 1880 st. Dr. Herm. Warschauer der 1. jüd. Gymnasial-Oberlehrer i. Breslau, 1885 st. i. London Sir Moses Montefiore. 29. 1612 st. i. Mantua der Arzt Abr. de Portaleone, 1849 geb. i. Berlin d. Maler Prof. Max Liebermann, 1849 geb. i. Budapest Dr. Max Nordau. 30. 1576 st. i. Mantua, Moses Provenzale gen. Rosen, 1349 st. i. Toledo Salomo b. Jehuda, ein Enkel v. R. Ascher, 1840 st. i. Tarnopol Nachman Krochmal, 1855 geb. i. Ostrowo der Stuttgarter Dramaturg. Prof. Ad. Gerstmann, 1878 st. i. London Abr. Benisch, d. engl. Mendelsohn. T a m m u s. 25. 1874 st. i. Bercelli Prof. Giuseppe Levi, 1893 st. Rabb. Israel Jehoschua Kutna. 28. 1891 st. i. Wien Leopold Dukes, 1899 st. i. Karlsbad Prof. Dr. David Kaufmann. 29. 1105 st. Raschi (R. Sal. Jizchakl), 1902 st. i. Berlin Ad. Landau aus Petersburg. Israelitische Allianz zn Wien. Die zu Gunsten der bedauernswerten Opfer in K i s ch e n e w eingeleitete Spenden- Sammlung hat bisher die Höhe von K. 216.000-— erreicht; außer den bereits veröffentlichten Beiträgen seien noch folgende erwähnt: Kultusgemeinden: Saaz K. 2434-—, Lemberg K. 1000'- Preßburg (orthod. Gemeinde) K. 570'—, Nasic K. 371—,