Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 30 (24.7.1903)
- Date
- 1903-07-24
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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5Vste 6 Wien, Freita: •f ö d i s‘ ■ iios V o I k? h 1 af I 2i. Juli 1903 Nr. 30 ansgeivähltcr juiigjüdiscNer lieluinnicn entfuilr, ifr dnrcli fein Lnu-- nehmes Vteufu've svlvie den gediegenen Jnlialt, znsannnen mit dem niedrigen Preise >Mt. l.0«N geeignet, in alle jüdiselien Häuser eing.udringen. . Die Snvsttiventen des Jüdisclicii Verlages erlinlien diesen Olediclnvand grau?. Vir revrodn,deren nn anderer Stelle diese-? Blatte-? eine Probe an-? dieser Gedichlsainiiiliing. Warschau. Eine seltsame Versiclieriingsgesellscl'aft ist in Varselian in-? Leven gerufen wvrdcii. Es bandelt siel, dar,,in. j ii dg eben (dniiinasiaiien eine (Gewähr für ihre akadeinisetie Lansvahn gii schaffen. Nur ein kleiner Prozentsatz der Inden, die in Rußland Oüimiiasien hesueliten. irird ginn akadeinisehen Studium zngelassen, viele Alüliirienren mimen jahrelang Marten, hi-? eine Vakanz für einen Hilden auf einer der russiselien llniversitäten frei ivird, irenn sie es nicht verziehen, in? Ausland zn gehen oder üherhaiwt die Fortsetzung de? Studiums aufziigeveii. Infolgedessen sind Warschauer Juden auf den (Gedanken gefonnnen, eine besondere Gesellscliaft zur Versicherung solelier Glaubensgenossen zn gründen, die den Ein tritt in höhere Lehranstalten nicht erlangen tonnen, ge der Scliülcr mosaischer.Konfession soll ivätirend seine? Bertoeilen? im (üpmnaünin fünf Rubel jälirlieh zalileu. Au? dem auf diese Art gesaimiielien Kavital sollen den Schülern, die auf russiselien tlninersitöten keine Aufnahme finden, Uiiterstüiznngeii zuiu Z,wecke ihrer weiteren Au-?' hildung im Anstande erteilt werden. Die Urheber de? Plane? haben sieh mit einer Eingabe um Erteilung der Konzession für da? eigenartige Unternehmen an die Negierung gewendet. Der traurige Eiitstehuiigsgrund soivie der Zweck dieser Bersiehernng. die die Möglichkeit einer Ftucbt von Intelligenzen au? dem Baterlande, da? ihnen die Bildungsstätten verschließt, bietet, gehören ivohl zu den kulturgeschiehtlieben Bferkivürdigkeiten unserer Tage. In der Berliner Anthropologischen Gesellschaft sprach Hcuiptmann Merker von der Dentschostafrikauischeu Schntztrnppe über die religiösen Vorstellungeu der Massai. Der Referent bat sich seit acht Jahren auf der Station Mosch i anr Kilimandscharo anfgehalten und dort die Ethnologie der Massai studiert. Die Massai sind Semite». Nach drei Richtungen sind die Semiten ans ihrer arabischen Heimat ehtft ausgewandert, nach Afrika, bis zum Aeguator hin, nach Asien und Aegypten. Die Massai müssen wir uns etwa 7000 Jahre vor unserer Zeitrechuung nach Afrika eingewandert vorstellen. Ihre Religion ist ganz rin Gegensätze zu den Regritosemiten und den Semito-Regritiern ein reiner Monotheismus des unfehlbaren Gottes, dessen anserwähltes Volk sie sind. Nach ihrer Tradition, die der Referent von älteren Stammesangehörigen vernommen hat, besteht anscheinend eine viel nähere Verwandschaft zwischen der israelitischen Tradition der Bibel von der Schöpfungsgeschichte bis zur Sinaigesetzgebung und der Tradition der Massai, als es zwischen der babylonischen Tradition und der Bibel der Fall ist. Manche Uebereinstimmung zwischen Massai-Tradition und israelitischer Stitte und Legende ist so frappierend, daß man hier einen gänzlich neuen Einblick in die Urgeschichte und in die Wanderungen der Rassen gewinnen würden. Jerusalem. Ter frühere Verwalter der Kolonie Rischon Lezion Ossawetzki hat den Umstand, daß die Kolonie Mischmar Hajarden aus seinen Namen gekauft wurde, dazu benützt, um von der Jewish Colouization Assoeialion die Auszahlung eine? sehr großen Geldbetrages zu verlangen. Als dieser Forderung keine Folge gegeben wurde, ließ er den ihm gesetzlich gehörenden Boden der Kolonie mit Beschlag belegen. Ter infolge dessen entstandene Prozeß endete schließlich mit einem Vergleiehc. Herr Ossakvehti erhielt 60 000 Frcs. ansgezahlt, wofür er seinen Grundbesitz in Rischon Lezion, Katrah und Safed ans die I. C. A. übertragen hat. Ferner wurden 36 000 Frcs. an Herrn Friedman» aus Rösch Pinah als Deckung einer Forderung ausgezahlt, welche er gegen die Kolonisten von Machnajim geltend gemacht hat. Der Boden letzterer Kolonie, sowie die darauf errichteten 17 Steinhäuser sind nunmehr in den Besitz der I. C. A. übergegangen. — Der reichlich gefallene Regen hat eine glanzende Ernte zur Folge gehabt. Weizen, Gerste und Gemüse sind vorzüglich geraten, hingegen dürflcn die Rebenpflanzungen nur einen mittelmäßigen Ertrag liefern. Chicago. In einer am 29. Juni hier abgehültenen Zusammenkunft, die von Dr. A. R. Levi, einem hervorragenden israelitischen Mitbürger, angeregt worden war, hat man Schritte zur Gründung einer internationalen Auswanderungs- Gesellschaft getan. Zugleich wurden Resolutionen angenommen, welche ein Bündnis aller Vereinigungen befürworten, die eine Besserung der sozialen Zustände im Wege der Ablenkung der aus den Städten aus die Landdistrikte erstreben. Die Einberufung der Versammlung erfolgt in der Erkenntnis, . daß etwas geschehen sollte, um die infolge der Kischinew-Greuel zu erwartenden Massen von jüdischen Einwanderern aus Rußland gehörig zn versorgen. Nach Dr. Levis Plane sollen die reichen Leute dazu bewogen werden, das nötige Geld vorzustrecken, um eine Ansiedlung der jüdischen Einwanderer auf Farmen zu ermöglichen. In der Zusammenkunft hielten Reden: Prof. G. L. Griffiths, Jakob Labosky, Roman G. L e w i s, F. W. Monroe, Henry M. S ch a b a d, Raymond R o v b i n s und E. P. R o s e n t h a l. - London. Bei dem ihm zn Ehren veranstalteten Festtnahl in der Gnildhall hat der Präsident der französischen Republik dem Lordmayor von London Sir Markus Samuel die Insignien eines Groß-Offiziers der Ehrenlegion überreicht. Die vorsemitische Rasse in Chaldäa und Susiana. In der Pariser anthropologischen Gesellschaft hielt Dr. H. Bloch einen Vortrag über die Rasse, welche in Chaldäa und Susianna den Semiten voranging. Nach einigen Assyriologen sind nicht die Semiten die Erfinder der Keilschrift, sondern die Akkadier oder Sumerier, die schon vor dem Erscheinen der Babylonier in Chaldäa wohnten und eine nichtsemitische Sprache redeten. B e r t i n ist aber der Meinung, daß die Semiten die Erfinder der Keilschrift sind, daß sie aber von den Akkadiern unterworfen wurden, die ihre Schrift adoptierten. Welcher Rasse haben diese nun angehört? Oppert und H om me l hatten sie für eine turanisch-mongolische Rasse. Bloch ist dagegen zu der Ueberzeugung gekommen, daß sie eine „schwarze Nasse" waren. In den Keilinschriften wird von „schwarzen Köpfen" gesprochen, außerdem berichten Babylonier, Griechen und Juden, daß in Chaldäa eine Nasse von dunkler Farbe eriftiertc. Jedoch war diese Negrito-Rasse nicht mit den Sumeriern identisch. Sie dehnten sich bis nach dem Osten von Susiana und im südlichen Teile von Persien ans, vom persischen Golf bis zum Indus. Noch heute bewohnt sie Sttdarabien. (Bulletins et. rnemoires de la societe d’Anthropologie de Paris, 1902.) Aus der Pol. anthrop. Revue. Nelicr die Juden in Tlemsen (Algier) schreibt rcsvvndent der „Kölnischen Zeitung": Geht »mii in jndiscben Feiertagen durch die an die neuen Haiiviplätze die Place d'Alger, die Place de In Mairie und Place des Bictvires aiisivßenden Straßen des Jndenviertels, sv stößt man zwar auf aclerivte Ziegelbaiitcn mit verfallenen Wänden, halbe und ganze Ohiinen, aber in den Fenstern, an den Türen hacken, auf dem hellblau getüiirliten .Hintergriliide des Flurs und der von oben erleuchteten, daclilvsen Innenwände, Franengeßalteii in Hunten malerischen Ge »'ändern, goldgestickten, mit Gvldfranseii hehaiigenen Kopftüchern, die über üppigem rabcasclnvarzc» Haar gelbliche Gesichter mit glutvollen Augen und oft tlassisclieiu Schnitt der Züge und Profile eilirablnen. Auch die Kinder, zahlreich ivie Abrahams Nachkommenschaft, zeigen in allen Altcrsslufen diesen Rassenthhns von »n verfälschter, nnvermisebter Reinheit des Blutes und hon Formen, die ans eine alte und edle Hertunft schließe» lassen. Mit dein Mensehen verhält es ücb nicht anders lvie mit anderen organischen Wesen der Natur. Die Herrschaft des Mvhaiiiniedaiiisiiiil-? seheiiit den Inden Svanicns und Nordafrika-? für die Erhaltung ihrer; Rane weder vH wisch noch ethisch besvndcrn Schaden zngefügt zn j haben. Das Joch der Käiechtnng und Nnterdrücknng, das die Inden ans lieft nehmen mußten, welche durch die Donaniieftänder, durch Rußland und Polen ihren Wanderung nahmen, hat sie zngleieh vhlisisch und moralisch schwer getroffen. Man vergleiche mit diesen indischen Diiven Algeriens z. B. die Gestalten, die das Inden- Viertel von London bevölkern, und man Ivird über den Abstand staunen, der sich hei Gleichheit des ethiiotogisehen Grundziiae-? beider in ihrem Rassenivvn? knndgiht. Dort die Erhaltung, vielleiebt sogar Verfeinerung. hier die Verkümmerung diese? Tnvus. Dort im Londoner Jndenviertcl ein Schmutz und Gestank. der sieh ans dem Innern der Häuser bis ans die Straße svrtpfkanzt. hier lvenig- »ett-? naeb außen, ein Reinlichkeit-?- und Schönheitssinn, der in einer nur noch bei den Svaniern so hervortretenden Farbenlnst seine Befriedigung sucht. - New-Uork. Ans der monatlichen Pastoraltvnferenz von Westl Penumlvaiiia lAmerikat hat der Csk'iufidie Rev. John A. Jahne, ans Alleghenh in der Ostend-Kirche zn Pittsbiirg eine interessante Rede gehalten, in welcher er sagte: „Lange, bevor Sokrates Philosophie lehrte oder bevor Herodot Gesetnchte schrieb, ivaren die Inden schon eine feste und systematische Volkskörperschaft. Draper sagt: „Sic, die Inden, Ivaren unsere Bankiers, lange bevor sie lesen tonnten." Als China noch ein Kind ivar, war Juda schon emporgetvachsen; als Indien noch ein Säugling war, war Israel anserwnhlt von Gott. Als England noch ein rauhes und unwirtliches Land war, der Schwelgerei über alte Maßen ergeben, vereinigte sich das Volk Israel von Jahr zu Jahr in der ältesten Stadt der Welt — Jerusalem und sang seine Dankgebete dem mächtigen Gott. Als Damaskus nur bekannt war als Tränkplatz für Kamcele, hatte Jerusalem schon seinen ersten König Malchisedeck. Als das große Babylon nur ein Wall in der Wüste war — erhob Jerusalem seine ehrwürdigen Höhen über die Ebenen und ließ die Gesänge des großen Gottes erklingen. Es loar David, der Hirtenknabe, welcher die gefühlvolle Musik zum Ansdruck brachte. Jesaia war es, welcher uns die Aussicht ans die Zukunft eroffnete und den Willen des Ewigen mislegte — nicht Sokrates. Moses ist es, zu ivelchem wir uns wenden als Richtschnur für unsere bürgerlichen Gesetze — aber nicht Rom oder Griechenland. Es ist Israel, zu welchem wir uns wenden, wenn wir die Ausübung der göttlichen Liebe in der Person von I. Ehr. zum Ausdruck bringen, nicht Assyrien, Ninibeh, Tyrns, Babylon oder Damaskus. Wir schulden den Juden Dankbarkeit für alles, was das Edelste und Beste der Bildung ist, für all das, was in unserem Hoffen der Zukunft das Reinste und Heiligste ist." Die Regelung des Auswandenmgsivesens. Man spricht und verhandelt oft i'iber die Frage, lvie die Schäden des Answandernngswesens beseitigt werden sollen, so häufig, daß sie jedem geläufig geworden ist. Es ist eine sener Angelegenheiten, zn deren Regelung immer wieder neue Vorschläge gemacht werden und die noch immer nicht von der Tagesordnung abgesetzt sind. Letzthin beschäftigte sieh der volkswirtschaftliche Ausschuß unseres Abgeordnetenhauses mit ihr; Abg. Theophil Mernnowicz erstattete einen ansführlichen Bericht über die Anträge, die dem Ansschnsse zngelviesen worden sind, den der Abgeordneren R. von Vnkovie und Genossen und den der Abgeordneten Dr. Licht und Genossen, mir im Einverständnis mit den Antragstellern folgende Vorschläge zn unterbreiten: Dns hohe Haus wolle beschließen: I. Tie Regierung ivird neuerlich anfgefordert, den E n t w n r f e ines A n s >v a n d e r u n g s g e s e tz e s ehetimlichst zur verfassungsmäßigen Behandlung vorznlegeii. Diesem tzlesetze sollten »achfotgende leitende Prinzivien zugrunde gelegt werden: as Unter Wahrung der Auswanderungsfreiheit sollte das Gesetz entsprechende Zwaiiasnormen enthalten, welche die Answandereriliiternehmnngeii und den AiislvanderimgSvertrag regeln, das Ageiinirlvesen klarstelleii, für den Schutz der AnSIvanderer in rechtlicher rind wirtschaftlicher Beziehung Varsorge treffen und allen sonstigen Vornnssetzmigen der modernen Entwicklung des AuSwanderimgslvesens entsprechen. b) Die Schaffung einer besonderen staatlichen Stelle, unter Mitwirkung eines Beirates, der die Durchsührniig des Ansivanderniigsgesetzes und die Kontrolle des Anslvaiideriingswesens znznweisen wäre. Desgleichen sollten bei den Landesregierungen derjenigen Kronländer, in iveleben die Answandernng stark eittlvickelt ist, totale Faehreferenten und lokale SchiitzkomiteeS zur Leitung und lieberwachnng dieser Bewegung angestellt Iverden. <0 Spstematische Unterstützung von Wohlfahrtseinrichtniigen für heimische Auswanderer im In- und Auslände sowie aller Organisationen, Ivelche die Anfrechterhaltnng des wirtschaftliehen stnsnmmenhanges der Auswanderer mit dem Mutterlande zum Ziele haben. n. Die Regierung wird des Iveiteren anfgefordert: 1. Für die statistische Erfassung der österreichiseheii Answaiidernng, sokvohl derjenigen Anslvanderer, die sieh bereits in frewden Ländergebiete» niedergelassen haben, sowie mich der zeitlichen Züge der landwirtschaftlichen Arbeiter ans Oesterreich ins Ausland, ebenso für eine fortlaufende genaue Answanderiingsstatistik mit Feststellung der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse Sorge zn sragen. 2. Daftir zn sorgen, daß der Reisezug der Anslvanderer in überseeische Gebiete über Triest gelenkt lverde, und daß dort die Schafftmg aller notwendigen Einrichtungen für die Besorgung des 3. Zeitensprechende Aenderimg der die Answandernng Militär pflichtiger Personen hetreffenden Besttiiiimmgen im Verfassung? mäßigen Wege zu beantragen.!. Entschiedene Maßnahmen z» treffen zum Zwecke der Vfu :- rottniig de? Mädchenhandels ans Oesterreich. ü. Die intensivere Betätigung der Kousularbehörden in allen Angelegenheiten des Aiiswanderiingslveseiis, namentlich für die (ß'e- Währung von ßicchtsschutz, zu veranlassen. Diese Anträge imistrssen das gesamte traurige Gebiet der Ansivanderinigsfrage. Die Answandernng aus Oesterreich hat sich betannilich im Verlaufe der letzten fünfzig Jahre ans ganz nnschein baren Anfängen zn einem hedeiitmigsvollen Faktor entwickelt. Während in den Fünfziger- bis zn den Sechzigerjahren die jährliche Anslvandernng mir beinahe 2000 Personen betrug, bezifferte sich in den Siebzigerzahren der durch die dauernde Anslvandernng bewirkte Menschenverlnst ans zirka 6000 Personen jährlich, in den Achtzigerjahre» auf zirka 22 000, in den Nennzigersahren auf 48 000. A'aeh höher heziffcri sich die Saisonaiisivaiiderimg. In den Sechz.igersabre» hetrng sie bloß einige tausend jährlich, und gegenwärtig bildet sie die Grundlage der Ivirtschaftliche» Eristenz von mindestens hilnderttaiisrnd Familien, bildet den Pfeiler, ans dem sich die tnltnrelle Entivickliing großer Gebiete (in Westgalizien. Südiirvll. ja ganzer Länder lKra'ms basiert. Schon vor drei Jahren (IROn/Hion ivurden in den Vereinigten Staaten von Nordamerika allein mehr als eine Million ansässige Oesterreicher gezählt. Hiervon entfielen ans Polen und galizische Inden 300 000, ans Rntheinm 100 000, Tschechen 100 000, Deutsche 6.0 000, Slovenen und Kroaten 70 000 »nd Italiener ans Sndtirol 0000 Personen. Seither hat sich das Verhältnis noch mehr geändert, indem im amerikanischen Fiskaljahre 1000/1001 »üedermn 111317 Personen, im Fiskaljahre 1001/1902 weitere 171 030 Personen ans Oesterreich Ilngarn eingelvandert sind. In Südamerika — namentlich in Brasilien und Argentinien — fefteu zirka 130 000 österreichische Anslvanderer. lind in neuester Zeit entlvictett sich — besonders in Dßgalisten — eine massenhafte Anslvandernng nach Eanada. Von Hermann Heyermans. Eine einfache Geschichte, wie sie nnzähsigemale vorkomnift Ein Jude heiratet eine Christin, die ihm dann irgend einmal den Juden vorwirft. Das ist eine so alltägliche und traurige Erscheinung des westeuropäischen Judentums, daß sie jedermann kennt. Und doch, wie sie Hcyermans erzählt, ist einzig. Hcyermans gcht tiefer auf das Problem der Mischehe ein, er sagt dem Idealisten, der in seinem Freidenkertum und seinem Kosmopolit'ismus wähnt, „daß die Sonne am Himmel und die Luft rundum für alle da sind", daß es keinen Unterschied geben könne zwischen Inden und Nichtjuden, daß all diese Sortierung, und Sonderung „wahnsinnige Vorurteile" seien, diesem Idealisten sagt er, „daß solch eine gemischte Ehe noch was nach sich ziehen kann", ja nach sich ziehen muß. Denn gerade in dem Falle, den uns Heyermans erzählt, sind alle Voraussetzungen vorhanden, daß die Ehe zwischen den beiden eine glückliche, ungetrübte, harmonische, ideal schöne werde. Er, ein Idealist reinsten Fahrwassers, der alle die wahnsinnigen Vorurteile von Nationalität, Glauben, Nasseuinstinkt rc. von sich geschüttelt, sie, eine hingebungsvolle liebende Gattin, die ganz erfüllt ist von der Liebe zu ihrem Manne,, die ihren Vater, einen verbohrten, hartnäckigen Antisemiten, der seine Einwilligung in die Ehe mit einem Inden nicht geben will, sogar „vors Kreisqericht fordert", die ihrer Stiefmutter,, welche die Hoffiimig ausspricht, daß das Kind doch werde getauft werden, ganz energischerklärt: „Da wird nichts daraus, Mutter. Ich habe mit Max noch nie darüber geredet, aber ich weiß ganz bestimmt, daß er das nicht tut", beide von dem gleichen Wunsch beseelt, die Kinder in keinem bestimmten Glauben zu erziehen? den sie erst, wenn sie erwachsen sind, sich selbst wählen sollten. Und doch geschieht das Unerwartete,, das Unglaubliche, das Unmögliche. Bei der ersten Auseinander-- setzung wirft sie ihm seine Abkunft vor. Aber Heyermans läßt es nicht allein dabei bewenden dem assimilationssüchtigen Inden zu zeigen, daß selbst in einer solchen Mischehe, in der alle Voraussetzungen dafür vorhanden sind, daß die Rassenunterschiede zwischen den Ehegatten sich nicht geltend machen, es doch dazu kommen kann, daß die christliche Gattin ihren Mann als Inden beschimpft. Knapp vor der Entbindung der jungen Frau kommt der Aby, ein Jugendfreund Maxens, der jetzt ein tüchtiger und vielbeschäftigter Advokat ist, zu ihm und erzählt ihm, er habe eine unangenehme Sache gehabt, etwas, was ihm in seiner Praxis noch nicht vorgekvmmen sei. Der junge Van Oppen, dessen Vater, ein Indo, eine Christin geheiratet hatte, ist bei ihm gewesen und wollte seinen Vater verklagen und dabei sagte er: „Ich will dem alten Juden zu Hanse die Schwindsucht an den Hals ärgern." Diese gemeine Handlnngs- und Ausdrucks- Weise schreibt Aby dem Umstande zn, daß der alte Van Oppen das Kind Protestant werden ließ. Dadurch habe er sich sein eigenes Kind entfiemdet. „Dann ist es seine eigene Schuld!^ repliziert Max. „Das könnte bei mir nicht Vorkommen. Dora ist viel zu verständig... Ich würde mich eher vor den Kopf schießen." ... Inäher der Zeitpunkt der Enibindung heranrückte, desto unruhiger wurde Dora, desto mehr steigerte sich ihre nervöse Gereiztheit. Ihre Reizbarkeit, ihre Unruhe gaben zu denken. Sie rief oft nach ihrer Mutter und hatte ein starkes Verl angen darnach, daß ihre Mutter bei der Entbindung anwesend se i. Das war aber nicht leicht möglich. Bevor die Aussöhnung mit Dvras Vater nicht erfvlgt war, konnte ihre Mutter nicht nr Entbindung kommen. Tvras Vater machte aber die Aussöhnung davon abhängig, daß Max erklärt, er werde das Kind taufen lassen. Das wollte nun Max unter keinen Umständen. ein Kvr i Aiiswiniberiingsdienstes, insbesviidere dnrc» Tlemsen <ut schifft»l»lzcscllsclmficn, Ivelche sich diesem Verkehrsdienste der Stadt. geschritten lverde. Iliitersiütziing von Ividmen,