Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 30 (24.7.1903)
- Date
- 1903-07-24
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2432763-2432970-2433000--2035-2435857- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 24. Juli 1903 Nr. 30 die amerikanischen Inden fühlen das nnd anerkennen herzlich ihre Dankschuld an Roosevelt und Hah. Die Tatsache, so fährt der Korresvondent fort, daß Hat) den vollen Text der Petition in seine Depesche an )Wi\ Riddle aufnahm, Ivird als Proklamation deS Inhaltes an alle Welt angesehen» es ist eine jener wirksamen diplomatischeu Methoden, Ivelche Mr. Hah anszeichnen. Wenn die Russen das amerikanische Volk verstanden hätten, so konnten sie durch Annahme der Petition einiges der eingebüßten freundschaftlichen Hochachtung wiedergewinnen. Aber lvie heute die Dinge stehen, ist es nach amerikanischer Ueberzeuguug Amerika und nicht Rußland, tvelches gesiegt hat. Ilm dem Absehen Amerikas Nor der russischen Grausamkeit vollkräftigcn Ausdruck zu lvahrcn, haben sich der Petition Gouverneure von Staaten, Senatoren, Kongreßmitglieder, Richter des obersten Kollegiums, Bischöfe, Erzbischöfe, Exbotschafter, Exminister und zahlreiche hervorragende Bürger angeschlossen. Die Amerikaner haben die Sache der Juden zu ihrer eigenen gemacht, und ihre Entfremdung gegen das judenhetzcude Rußland tvird wahrscheinlich eine bleibende sein. Die amerikanische Presse zeigt wenig oder keine,: Groll über Rußlands Weigerung, weil dessen auswärtiges Amt formell dazu berechtigt war. Weiters konstatiert aber die Presse, das; der Zweck der Petition erreicht wurde, daß sich die zivilisierte Welt gegen Rußland gestellt hat und selbst die russischen Beanrtcn einschen müssen, daß es unpolitisch ist, auf Ausschreitungen gegen Juden zu bestehen, bloß weil sie Juden sind. Das Staatsdepartement veröffentlicht die diplomatische Korrespondenz über die Kischenew-Petition. Mit der Ablehnung der Annahme der Petition durch Rußland gilt die Episode als abgeschlossen. In Amerika wird von den Feinden Roosevclts daraus Kapital geschlagen und behauptet, dem kreißenden Berg sei die lächerliche MauS entschlüpft. Anderer Meinung ist die „Times", die heute einen Leitartikel der Petitionsaffäre widmet. „Die Haltung der russischen Regierung," schreibt sie, „beeinträchtigt nicht die geschichtliche Tatsache, daß Roosevelt und seine Berater beschlossen, amtlich der weitverbreiteten Sympathie für die unglücklichen russischen Juden Ausdruck zu verleihen. Damit haben sie das Siegel ihrer Anerkennung dem gewaltigen, weder auf Amerika oder gar auf die Rcligionsgenossen der Opfer beschränkten Umfang der Gefühle aufgedrückt, welche allenthalben gegen diese Greuel protestiert haben. Dieser auffällige ungewöhnliche Schritt lieferte einen treffenden Beweis des moralischen Mutes und der Entschlossenheit Roosevelts und Hays. Mehr konnten sie nicht tun, ohne sich der Bezichtigung unfreundlicher Handlungen und entsprechenden Repressalien auszusetzen. Wenn auch die diplomatische Etikette der Aktion ein Ende zu machen wußte, so ist es doch unmöglich, daß diese große Kundgebung der Regierung eines großen Volkes nicht die Mauern der Bureaukratie durchdringen und dem Zar zur Kenntnis kommen sollte. Daß dann ihre Bedeutung von diesem humanen Monärchen verkannt werden könnte, befürchten wir nicht." -i- Aus Odessa wird gemeldet: In Dubossarh wurde ein gewisser Michael Rybolenko verhaftet unter dem erdrückenden Verdachte, seinen jungen Neffen ermordet zu haben. Man erinnert sich, daß der Mord dieses Knaben dem „Beßarabetz" in Kischenew zu der der Mord dieses Knaben dem „Beßarabetz" in Kischenew zu der Ausstreuung Anlaß gab, daß die Juden den Knaben zu rituellen Zwecken ermordet hätten. Dieses Märchen vom Blutmord war als- Kischenew geboten haben. Ende Februar d. I. wurde zu Dubossarh, einem kleinen (Ziädtchen im Gouvernement Cherson, im Garten eines gewissen Scholubow der Leichnam eines vierzehnjährigen Knaben namens Michael Rybatschenko gefunden. Der Körper war blutleer rind wies viele von einem spitzen Messer herrührende Wunden auf. Es war kurz vor dem jüdischen Passahfeste und darum verbreitete sich in Dubossarh und im benachbarten Veßarabien das Gerücht, die Juden hätten den Christenknaben zu Ritualzwecken ermordet. Den Gerichten und den Behörden gab der Fall viel zu schaffen. Der Oberprokuror des Odessaer Appellationsgerichtes A. I. Pollan, der Prokuror des Odessaer Bezirksgerichtes N. M. Lewtschenko und der Chersoner Gouverneur wirklicher Staatsrat A. W. Lewaschew, aber auch die Polizei der Residenzstadt Petersburg interessierte sich angelegentlichst für das Verbrechen und schickte einige ihrer gewiegtesten Vertreter nach Dubossarh. Doch der in tiefes Dunkel gehüllte Mord ivar nicht leicht aufzuklären. Der Gouverneur hatte den Gehilfen des Chefs der Detektivabteilung, W. K. Matwejew, nach Dubossarp geschickt. Maivejew ließ sich dort als Berufsloser nieder. Des jüdischen Jargons vollkommen mächtig, knüpfte er mit den dortigen Juden Bekanntschaften an, aber auch zu der bäuerlichen Bevölkerung trat er in nähere Beziehung und für eine zeitlang vermietete er sich sogar als Arbeiter auf einer Tabakplantage. Bald brachte er in Erfahrung, daß der Großvater des Ermordeten, Kanon Rybatschenko, zum großen Leidwesen seines Schiviegersohnes Michael Timoschtschuk den Knaben mittels eines notariellen Testaments zum Erben des größeren Teiles seines Vermögens eingesetzt hatte. Dieser Timoschtschuk erschien dem Mativejew vor allem des Mordes verdächtig. Nachdem er die zur Bekräftigung seines Verdachtes erforderlichen Beweise gesammelt hatte, wozu er zwei Monate brauchte!: begab er sich nach Odessa, um mit dem Oberprokuror und dem Prokuror über die ferneren Schritte zu beratschlagen. Am 10. ds. traf er wieder in Dubossarh ein und schritt zur Verhaftung des Michael Timoschtschuk und des der Mittäterschaft verdächtigten Anton Tischtschenko, eines Gartenwächters. Nach kurzem Leugnen gestand nun Tischtschenko, daß er am 21. Februar d. I. auf dem Großen Bazar in Dubossarh, wo er eben Grütze und Oel kaufen wollte, mit dem Timoschtschuk zusammentraf. Dieser lud ihr: auf ein Glas Wein ein nnd sie begaben sich nach dem Schank des Jankel Fischmann. Beim Leeren der achten Flasche raunte ihm Timoschtschuk still ins Ohr, er möge ihm bei der Ermordung des Knaben helfen, tvofür er ihn: 50 Rubel zahlen wolle. Es kam aber zu keiner Abmachung. Am folgenden Morgen suchte ihn Timoschtschuk wieder auf. Nachdem sie sechs Flaschen Wein ausgetrunken hatten, wurden sie einig und gingen auseinander. Nach einer Stlmde kehrte Timoschtschuk mit dem .Knaben zurück, stieß ihn in den Keller, sprang ihm nach und schlug ihn mit einem Stock tot. Beide Männer entkleideten den Leichimin und Timoschtschuk brachte ihm mit einem Federmesser mehrere Wunden bei. Bis zum Abend des 22. Februar ließen sie den Leichnam im Keller liegen und brachten ihn dann nach dem Garten Scholubows. Petersburg. Das verkrachte Hetzblatt „Snamja", auf welches, wie berichtet, ein Odessaer Bank-Institut Beschlag gelegt hatte, ist gestern gerichtsseitig versteigert und durch den Exkapitän Skott für den Preis von — 400 Rubel erstanden worden. Der Käufer >var nur ein Strohmann deS ehentaligen Besitzers Kruschewan, der das Blatt vom 1. August ab tvieder herausgebeu wird. * Warschau. Die hiesige hebräische Verlagsbuchhandlung „Tuschija" zeigt die Drucklegung eines Kollektivwerkes im Jargon an, dessen Ertrag für die Notleidenden in Kischenew bestimmt ist. Ihre Mitarbeit an dem Werke, daS den Titel „Pomoc" (Hilfe) führen wird, haben, u. a. Graf Tolstoi, Maxim Gorki, Wladimir Korolenko, Anton Tschechow und Elise Orczesko zugesagt. Die Uebersetzung Ivird von den Schriftstellern „Scholaum-Alechem" und Spektor besorgt. Die Einladung zur Beteiligung beantwortete Tolstoi mit folgenden Worten: „Ich freue mich, zu dem Erfolge Ihres Werkes beitragen zu können nnd werde trachten, etwas den Umständen Entsprechendes zu schreiben." * Kischenew. Vor einigen Tagen hatte sich eine Anzahl hiesiger Juden wegen Beleidigung des Gendarmen I. Schwei ß vor dem Friedensrichter zu verantworten. Am 20. v. M. haben einige hiesige Glaubensgenossen auf dem Bahnhofe das erste Sendschreiben des Paters Johann von Kronstadt verteilt. Dies verdroß den Gendarmen; er zog eine Nummer der Kruschewan'schen „Snamja" aus der Tasche und begann aus derselben einen Brandartikel gegen die Inden laut zu verlesen. Die auf dem Bahnhofe anwesenden Juden fanden, daß es nicht zu den Aufgaben eines Gendarmen gehöre, dem Publikum antisemitische Hetzartikel zu verlesen und erstatteten bei seiner Vorgesetzten Behörde Strafanzeige. Die Wirkung war, daß sie wegen Beamten-Beleidigung vor Gericht gestellt wurden. Bei der Verhandlung gab der Gendarm ungeniert zu, daß er einer großen Aiczahl von Lastträgern und soilstigenr Volke die „Sllamja" vorgelcseil und dcil Inhalt des Artikels erklärt habe. Er halte das für vollkommeil erlaubt uild fühle sich durch die Deminziation schwer beleidigt. Der bekannte Odessaer Anwalt Litwitzki belehrte ihn jedoch in seiner Verteidigungsrede, daß er sich eines grobeil Amtsvergehens schuldig gemacht hat, wcgerl dessen er nicht vor dem Friedensrichter als Ankläger, soildern vor einem ganz anderen Forum als Angeklagter stehen müßte. Der Friedensrichter lehnte denir auch die Verhandlung der Sache ab uild übergab die Akten an die Staatsanwaltschaft. * Petersburg. Der neue Gouverneur von Veßarabien, Fürst Urussow, hat bei seinem Eintreffeil in Kischenew eine jüdische Deputation unter der Leituilg des Dr. Mntschnik empfangen und ihr auf das bestimmteste versichert, er würde alle Maßnahmen treffen, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Er bat die Mitglieder der Deputation, offen mit ihm zu reden und ihm in seiner Aufgabe zu helfen. Dasselbe sagte Fürst llrussow einer Deputation jüdischer Aerzte. Als der Gouverneur dem Dr. Mutschnik und dem Rechtsanwalt Königschanz, den Leitern der Deputation, am nächsten Tage ihren Besuch erwiderte, machte dieses in den Annalen Kischenews nie dagewesene Ereigilis eineil tiefen und beruhigenden Eindruck. Gleichzeitig liegt die Meldung vor, die Landpolizei des Kreises Kischenew solle dafür Sorge tragen, daß die nach dem Blutbad aus Kischenew aufs Laild gefloheneil Juden wieder in die Stadt zurückkehrcil, weil nicht die geringste Gefahr für sie mehr vorliege. * Die Negierung und die Jn'denmetzeleien in Kischenew. Seit Wochen bringen die russischen Zeitungen keine Nachrichten mehr aus Kischeilew und keine Artikel über die Juderrhetze. Der Grrnld dieser auf den erstell Blick aliffallenden Erscheinung liegt darin, daß die Oberpreßverwaltung den Zeitungen und Zeitschriften verboten hat, etwas über die Ereignisse vom 19. bis 21. April zu veröffentlicheil. Die Gerichtsverhandlungen werden erst im Herbst stattfindcn. Außer den amtlichen Allklagen wird dem Gericht voraussichtlich eine große Anzahl voll Privatklagcn vorgelegt werdeil, die zur Ergänzung und Berichtigung des offizielleil Anklagematerials dienen solleil. Mehrere hervorragende Rechtsanwälte haben sich nach Kischenew begeben, um die Verhältnisse an Ort und Stelle kennen zu lernen. Sie werden bei den Gerichtsverhandlungen als Vertreter der Privatklägcr erscheinen. Auch der bekaililtc Schriftsteller W. Koroleilko, der nicht imr ein feinsinniger Dichter, soildern auch ein schlagfertiger Publizist ist, weilt augenblicklich in Kischenew. Äon dort aus beabsichtigt er eine Rundreise dlirch das platte Laild zu unternehmeil, unl die Stimmling auf dem Laude zu studieren. Die Regierung ist wegen der Entrüstung, die die Judenmassaeres in der gailzen zivilisierten Welt erregt haben, sichtlich besorgt. Herr v. Plehwe hält eS llicht «lehr unter seiner Würde, die Mitteiluugen der auswärtigen Presse, so- Iveit das überhaupt geht, zu dementieren. In beit Ableugnungen, die durch die Vermittlung des Herrn Arnold White ben englischen Zeitungen zugegangen sind, bemüht er sich, nachzuweisen, daß er das Verhalten der Lokalbehörden währeild der Judenhetze nicht nngestraft gelassen habe. Demgegenüber ist festzustellell, daß der Mann, der allgemein für den Hauptschuldigen gehalten wird, der Zensor lind Mitarbeiter des „Beßarabetz", Vizegouverneur Ustrugoff, bis jetzt ruhig auf seineil Posten bleibt nnb keine Rüge erhalten hat. Was die Kischenewer Polizei anbetrifft, so ist, so weit bekannt.^ nur eine einzige Maßregelung erfolgt, uild zwar die des Polizeimeisters. Unter dem Personal der lokalen Polizei gibt es aber gewiß viele, die noch mehr bloßgestellt sind, als dieser charakterschwache, völlig unbedeutende Mann, dessen Hauptschuld darin besteht, daß er. sich dem Einflliß Ustrugoffs uilterworfell hat. Was den Hern: Kruschewan anbctrifft, so lebt er jetzt in Petersburg und schreibt täglich geharnischte Artikel gegen die Jllden. Nlir selten macht er von dieser Regel eine Ausnahme, um gegen . . . feine Gläubiger zu eifern. Für den deutschen Leser klingt das vielleicht grotesk nnb doch ist dem so. Es genügt vollkommeil, ein Gläubiger des Herrn Kruschewan zu sein, um von ihm öffentlich für einen Schuft erklärt zli werden. Daß dadurch seine finanziellen Verhältnisse, die momentan sehr traurig sind, nicht gebessert werdeil, ist selbstverständlich. In der letzteil Zeit scheiilt Herr Kruschetvail auch der Regierung uilbeguenl getvorden zu fein. „Tod den Inden" war sein letzter Artikel betitelt, dem freilich nicht vergönnt war, vor die Leser zu kominen, denn die sollst so ihm gegenüber nachsichtige Zensur hatte den Artikel gestrichen. Selbst dem bekannten Herausgeber des reaklionäreil „Graschdoniil" dem Fürsten Meschtscherski, geht das Treibeil Kruschewans über die .Hutschnur. In der letzteil Nummer seiiles Blattes veröffentlichte Meschtscherski einen scharfen Artikel gegen ben antisemitischen Propheten. Dem Herrn v. Plehwe ist das alles gewiß recht unangenehm, denn noch vor kllrzem hat er den Herri, Kruschewan für den „eiilzigeil redlichen von den Jllden nnbestocheuen Publizisteil" erklärt. Und jetzt watet dieser „einzig redliche" Mann im ividerwärtigsteil Schmutz, den nicht einmal die Freunde der Regierling «lehr zu beschönigell tvagen. Chronik. Inland. Taufe und Kultiisvorstand. Frl. Henriette von Lieben, Tochter des Kultusvorstehers Herrn Leopold von Lieben, Wien, I., Oppolzergasse 6, hat am 13. Juni d. I. ihren Austritt aus dem Judentum angemeldet. Herr von Lieben wurde von den Höherbesteuerten in den Kultusvorstand entsendet. Da das heutige Wahlstatut der Wiener Kultusgemeinde der Opposition die Einflußnahme auf die Wahl der oberen Kurie unmöglich macht, ist die Wiederwahl des Herrn v. Lieben bei nächster Gelegenheit nicht ausgeschlossen. Dos sind die Segnungen des heutigen Wahlstatuts. Wir empfehlen Herrn v. Lieben zum Obmann der Kommission für intensiveren jüdischen Religionsunterricht. Israelitische Kultnsgemeiude Wien. G e b e k - S k u n d e n. Freitag den 24. Jnli abends um 7 Uhr 30 Minuten, Samstag den 25. Juli abends um 8 Uhr 26 Minuten, vom 20. Jnli bis inkl. 30. Juli abends um 7 Uhr, Freitag den 31. Juli abends um 7 Uhr 16 Minuten, Samstag ben 1. August abends um 8 Uhr 20 Minuten, vom 2. August bis inkl. 6. August abends um 7 Uhr, Freitag den 7. August abends um 7 Uhr 16 Minute»!, Samstag den 8. August abends um 8 Uhr 20 Minuten, Vom 0. August bis inkl. 30. August abends um 7 Uhr, Freitag den 14. August abends um 7 Uhr 16 Minuten, Samstag den 16. August abends um 8 Uhr 16 Minuten, vom 10. August bis inkl. 20. August abends um 7 Uhr. Der Gottesdienst an Wocheutageu beginnt um halb 7 Uhr früh, an Samstagen um 8 Uhr früh. Gedenktage. I u l i. 10. 1710 st. i. Lausanne Prof. Otho (Verf. v. Schr. über d. Mischnahlehrer u. d. Lehrs. d. Indent.) 1829 geb. in Görz Prof. Grazia dio Jsaia Aseoli, Sprachforscher. 17. 1728 st. i. Modena R. Ephraim Cohen (Nechtsbeschcide). 1831 st. i. Amsterdam Meir Polak, Verf. e. hebr. Grammatik. 18. 1256 st. i. Toledo d. Arzt u. Philosoph Mos. Abnlafia b, Meir Halevi. 1873 st. i. London Dav. Salomohs, M. d. Untcrh. u. Lord-Mayor. 1589 gest. in Nürnberg d. Abg. Justizrat Prankenburger. 19. 1610 iv. i. Berlin 38 Märtyrer gefoltert und verbrannt. 1842 geb. i. Berlin Jda Barbar, Schriftstellerin. 20. 1633 st. i. Krakau N. Nat. Nata Spira (Megalle Ainukot.). 1722 st. i. Mantua Jehuda Briel b. Elieser, Gramm, und Apolog. 1819 geb. i. Frwlkfurt a. M. d. Abg. Dr. Heillr. Beruh. Oppenheim. 1832 st. i. London A. L. Davids, Verf. e. türk. Gramm. 21. 1718 st. i. .Krotoschin Schabtai Baß d. Joseph, Begr. d. hebr. Biographie. 1806 st. i. Paris Jisai Berr Bing, hebr. Ucbers. d. „Phaedon" v. Mendels. 1841 geb. in Elmshorn Minna Cohen, Dichterin. 1846 st. i. Seesen Dir. Bendit Schottländer ge»l. Schott (Zofnat Paneach). 22. 1209, 1298, 1306 fielen Märtyrer in Frankreich und Rothenburg. 1798 st. R. Meir Schiff (Derech ania). 1823 geb. i. Mainz d. Abg. Ludw. Baulberger. 1894 st. i. Sununerdalc A. Mels (Mart. Cohn) Schriftst. 23. 1298 wurde i. Würzburg die jüdische Bevölkerung heimgesucht. 1811 st. i. Berlin Abr. Abramson, Förd. d. Stempelschneideknnst. 1847 Prenß. Ges. betr. Bilduilg v. Shnagogen- Gemeindcn. Tammus. 17. 70 Eimlahme der 2. Mauer und der Antonia durch die Römer, Aufhören des Opferdiellstes aus Mangel an Tieren. 19. 1889 st. i. Nürnberg Justizr. Wolf Frankenburger. 1900 st.. i. Berlin Geh. Nat Dr. Sam. Kristeller. 20. 1813 geb. i. Nixheim Laz. Isidor, Großrabb. v. Frankreich. 1871 st. i. Padua d. Pred. Lelio della Torre. 21. 1636 st. i. Worms d. Kabbalist Elias Loanz (Baal Schcm). 24. 1902 st. i. New-Uork R. Jac. Joseph, Oberrabb. Bericht über die Tätigkeit des Kuratoriums der Baron Hirsch- Stiftung iin Schuljahre 1901—1902. Wir veröffentlichen den folgenden offiziellen Bericht des Kuratoriums: Infolge des Allwachsens der Ausgaben durch die regulativnläßigen Avancenrents, Gehaltserhöhungen und Quinquennalzulagen, Steigerung der Mietszinsen und anderer Umstände, nnd nachdem die Genieinden lnit Ausnahme voll Horodenka eine Veitragsleistung ablehnten, erübrigte für das Berichtsjahr nichts anderes als die StiftungStätigkeit hinsichtlich der Volksschulen zu restringieren, woran auch in den nächsten I a h r e n wird fe st ge halten werden müssen. Das Kuratorium glaubte dies in der mildesten Form dadurch zu bewerkstelligen, daß es all Stelle von Lehrern, die znm Teile freiwillig den Stiftungsdienst verließen, um Religionslehrerstellen im Lande anzunehmen, oder mit Tod abgingen, oder an Stelle der Lehrerinnen, die infolge Verehelichling anstraten, k e i n e neuen Lehrkräfte mehr anfnähm. Daher kam es auch, daß die Anzahl der Lehrer gegenüber der des Vorjahres voll 248 auf 230 siel. Die notivendige Folge war, daß in einzelnen Orten Parallelklassen z u s a m m e n g e z o g e n und schwachfrequentierte Schulen iil m i n d e r k l a s s i g c S ch ulen ll m g e iv a n d e l t w e r d e n m u ß t e n. Diese Maßregeln finb nicht nur im Interesse der Schule Ni, sondern auch jener absolvierten Lehramtskandidaten zu bedauern, die zum Teil mit Hilfe der von der Stiftnrig bewilligten Stipendien ihre Studien absolvierten nnd zunächst weder beim Lande noch bei der Stiftung Stellung finden werden. Die Kosteil, welche die Erhaltung der Schulen verursachte, betrngeil Kr. 433 858.30 gegenüber Kr. 439 469.64 des Vorjahres. Ungeachtet des Umstmldes, daß die Gehalte der Lehrer durch.Avancements, Quinquennalzulagen, Gehaltserhöhungen nstv. gegenüber dem Vorjahre nm Kr. 12 000 stiegen, ergab sich infolge des Austrittes von sieben Lehrerll und mannigfacher Ersparnisse eine Abnahme der Gcsamtkosten von Kr. 661.24. Die Subventionen an fremde Schulen werden in diesem Jahre auf Kr. 11 860.08 vermindert, sie werden auch in Hinkunft bis zli einer gewissen Grenze noch weiter restriilgiert werden »llüssen, angesichts der mit Schwierigkeit erfolgenden Erfüllung der eigenen Verpflichtungen. Dasselbe gilt für die Stipendien an Lehramtskandidaten und Kandidatinnen, zumal für die nächsten Jahre ein Bedarf an Lehrkräften kaum zu erivarten ist. Während vor zivei Jahren Kr. 176 617.02, vor einem Jahre noch Kr. 68 686.32 für Schulbauten und Hauskäufe vcvansgabt wurden, Mlißte man sich in diesem Jahre auf die unumgänglich notivcndigeil Adaptierungen nnb Reparaturen beschränken. Die Ausgaben betrugen deshalb auch nur Kr. 39 689.stü, ivenngleich in einzelnen Orten die Errichtung eigener Schnlhäuser dringend erforderlich wäre. Auch in dieser»! Jahre konnten die beschlossenen Bauten in Burszthn nnd Poniorzanh. in tvelchen Orten das Kuratorium bereits Bauplätze erworben hatte. ,l i ch t zur Ausführung gelangen. Dank der erziehlichen Tätigkeit der Daran Hirsch-Stiftungs-Schulen ist bei einem großen Teile der Bevölkerung ein gründlicher Wechsel in der Anschauung über das Handtverk eingetreten; während früher große Opfer erforderlich waren, Knaben dem Handweke zuzuführen, ist derzeit die Zahl der Petenten so groß, daß ihre Berücksichtigung selbst zu den bedeutend verringerten Einzelkosten unmöglich ist. Von den im Jahre 1901/1902 im Status gefiihrten 743 Lehrlingen verblieben am 31. August 1902 noch 430. welche im Jahre 1902/1903 Kr. 36 000, im Jahre 1903/1904 weitere Kr. 26 000 erfordern, weshalb schon seit anderthalb Jahren die Unterbringung von neuen Handwerkslehrlingcn e i n g e st e l l t iv e r d e n m u ß t e n»rd erst dann wieder ausgenommen werden kann, bis nach Freisprechung einer entsprechenden Anzahl von Lehrlingen tvieder Mittel für diese Ztvccke