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Jüdisches Volksblatt · 1903-07-24 · 30 (24.7.1903) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
30 (24.7.1903)
Date
1903-07-24
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 30 Wien, Freitag Jiii'iinchüj VnikshlaÜ Saite < U. Juli <903 geistigen Getränke nur mit Maß genießen. dem Genüsse solcher Getränke in reichliclxm Maße hinzugeben pflegen. Der Chassid ist verpflichtet, seinen Rabbi von Zeit zu Zeit besuchen, und es ist mich kein Wunder, wenn die während solcher Besuche zutage tretende gehobene Stimmung auf einen j a h r a u s - j a h r c i n unter der, s ch u> e r st e n Lebenssorgen lebenden Menschen eine Anziehungskraft ausnbt. Der vermögende Chassid wählt sich nory immer mit Vorliebe einen auf viele Ahnen zmückblickenden Nabbi aus Galizien oder der Bukowina aus, den er jährlich ein- bis zweimal besucht und, was die Hauptsache ist, ihm seinen Tribut entrichtet. Die Maramaroscr Juden gehören ausschließlich dieser Sekte an. Ihre Rabbiner importieren sie stets aus Galizien, gewöhnlich ist es ein Abkömmling irgend eines im großen Rufe gestandenen Wnnderrabbis. Dieser hat dann in der Regel einige engere Anhänger, welche der misera plobs confribuens die Ueberzeuguiig von des Wunderrabbis großer Heiligkeit, Wundertätigkeit und besonderer Beliebtheit bei Gott beibringen. Diese Wunderrabbiner und ihre engere Umgebung sind wahre Ritter der Finsternis, eine ecc.lcsia militans jeder.Kultur und Fortschrittsbeweguna gegenüber. Sie halten es als ihre Pflicht, jede Regung der Aufklärung sofort zu unterdrücken und ihre Anhänger den, Zelotismus und Fanatismus zu erhalten. Der Rabbi selbst glaubt auch unverrückbar au seine göttliche Sendung und betrachtet es als seine Lebensaufgabe, seine Gläubigen in den Sitten und Lebensanschauungen zu erhalten, wie sie der Begründer der Sekte im Jahre 1740 in Südrußland und Ostgalizien verkündet halte. Der Chassidismus hat die zu jener Zeit in Mode gestandene Judentracht: Pelzmütze, langer Kaftan, Kniehosen und weiße Strümpfe zum Dogma erhoben und erllärt jeden als Abtrünnigen, der hievon nur auch um eines Haares Breite, abweicht. Im Familienleben und in Sittlichkeitssragen wird dieselbe trad onelle Starrheit beibehalten, ja mancher Rabbi stellt noch eigene Vorsichtsmaßregeln und prophilaktische Verbote auf. Ich habe ein Buch gelesen, in welchem einem anständigen Mädchen das Tragen eines Sonnenschirmes ^vielleicht nur am Samstag? Red.) verboten wird. Das ist der Fluch der'Ma,amoser Juden; diese Wnnderrabbiner, die nicht nur die ungebildeten Schichten gefangen halten, sondern durch die überwältigende Masse derselben auch die unter ihnen lebenden Verständigeren, die bei sich wohl nüchterner denken, aber sich nicht getrauen, ihren Gedanken Ausdruck zu verleihen. Er wagt es nicht, weil er wejß, daß er dann exkommuniziert, niemand sich mit ihm verschwägern und mit allen Waffen des Fanatismus darauf hingearbeitet werden würde, daß sich die Gläubigen von ihm abwenden. Er würde alsbald, von seiner eigenen Gesellschaft ausgeschlossen, mit seiner Familie entzweit, sich verlassen und verachtet fühlen. Diese sind es, die mit Hilfe der Gewohnheit, Tradition, und — was die Hauptsache ist — mit Hilfe einer in ihrem Banne stehenden Masse, diese unwissende und fanatische Volksklusse gefangen halten. Die bisherigen Leiter d e r st a a t l i ch e n Kultur- und U n t e r r i ch t s r e g i e r u n g sowie diese in ihrer Erziehung gründlich per* no|fc verzinsliche Darlehen erhalten kann, oder ihrerseits den Einzelnen Notstandsdarlehen. oder geschenkweise Subventionen gewähren: das geht den Grundherrn nicht im geringsten an. Und damit ist die Psychologie des einzelnen Kolonisten ganz anders motiviert. Wenn er faul, liederlich und verschwenderisch ist, so ist er es nicht mehr auf Kosten t'lassenfremder Kapitalisten, sondern auf Kosten der eigenen Genossen; und dann wird er es sehr viel schwerer haben, faul, liederlich und verschwenderisch sein zu können. Denn das Selbstinteresse der Genossen hält ihn unter scharfer Kontrolle. Das; die Genossenschaft das Damoklesschwert der Ausschließung über jeden Unverbesserlichen hängen darf, ist eine selbstverständliche Forderung schon ans dem eine» Grunde, weil nach allen Erfahrungen die bloße Möglichkeit der Ausschließung (die ja hier eine vollkommene Entlvurzelung der betreffenden Familie bedeutete) voNauf genügt, um sie nie Vorkommen zu lassen. Ein Siedlnngslverk hat nicht nur eine volkswirtschaftliche, sondern eine vielleicht noch tvichtigere volkspädagogische Seite, lind iver hier in den Grundlogen sündigt, der hat das Beste verfehlt. Diese Form des genossenschaftlichen Landbesitzes vermeidet das schwerste tlebel, das den Bauern-Selbstcigentümer betrifft: er hat keine Ursache, daö von ihm besessene Land wegen Generationswechsels zu berschulden — denn die Wertsubstanz gehört ja der Genossenschaft — und er hat auch keine Möglichkeit dazu, denn niemand kann ihm auf sein bloßes Besitzrecht Realkredit gewähren. Dagegen erhält die Genossenschaft als solche durch die immer dichtere Besiedelung und den immer steigenden Arbeitswert-Zuwachs ihres Terrains leichteren und günstigeren Kredit als selbst der einzelne Privateigentüiner und kann dem Genossen auf diese Weise leicht die nötigen Meliorationskredite zukommen lassen. Auch hier scheint mir aus den oben angegebenen Gründen der beste gangbare Weg der zu sein, eine Zlvischenorgauisation zu schaffen, eine echte Kreditgenossenschaft, die zur Gesamthaud von der Siedelnngsgenossensehaft .^kredit erhält, ihr allein für Verzinsung und Tilgung verantwortlich ist und sich lvieder nur an ihre Mitglieder halten kann. Bei solcher Organisation wird nur der wirklich kreditlvürdige Genosse ltnb nur für wahrhaft produktive Zwecke Darlehen erhalte», da er im anderen Me kaum die nötigen Bürgen finden würde. Tritt aber Erbgang ein. so bleibt die Bodensubstauz selbst außerhalb der Erbschaftsmasse; die Erben erhalten lediglich ihre Quote von derjenigen Hinterlassenschaft, die der eigenen Arbeit des Erblassers verdankt ist. Wollen die Erben ihrerseits Landlvirte werden, so steht ihnen jcr unter gleichen Bedingungen Pachtland und Meliorationskredit offen. nachlässipten Mitglieder eitler Volksf a m i l i e k ö n n e n s i ch g e g e n s e i t i g b e r e ch t i g t e Vorwürfe machen, und darob, daß dies hier in der Mitte Eliropas möglich ist, von Scham erfaßt werden. Es könnte und rn ü ß t e a u ch anders s e i n! N at ü r l i ch eine r, d e m e s nur darauf a n k o m m t, n a ch z u w e i s e n, d a ß d e r I u d e, o d e r w e n n e x milder d enkt, der K a f t a n j u d e, schon von Geburt aus e i n B e t r ü a e r und Wucherer fei, einer, der s ch on vo u vornherein voreingen o nt in e n ist, d e r s i e h t n i ch t s, wer aber sehen will, d e r s i e h t, w i e d i e s e r verachtete M aramaroser Jude gerade zufolge der e i g e na r t i g e n wirtschaftlichen Verhältnisse u ti b infolge der Ueberfüllung z u eine m guten Mensche n material in Volkswirtschaftl i ch e r Beziehunggeworden i st. Als das Existeuzgebiet im Handel und Schatlkgewerbe enger geworden, griff er zur schweren Arbeit. Erst zum Fuhrwerke, welches hier auch einen größeren Kräfteaufwand erfordert, dann immer weiter zur Feld- und Forstarbeit und später wurde er Flößer. Wie könnte aucl; jeder fünfte Mensch int Komitate davon leben, daß er mit dem andern immer „g'scheftelt"? Das ist Unsinn! In der Tat sehen wir, daß die meisten jetzt von ihrer k ö rp erlich e n A r b e i t l e b e n. Erarbeitet selb st im Walde, mit seiner F a in i \ I e a u f b e nt F e l d e, versieht Feldarbeiten im T a g l o h u, arbeitet in Werkstätten unb spannt sich selbst vor den Lastwagen. Das Fuhrgewerbe, und hauptsächlich bei uns das Verfrachten von Brettern und Schindeln, ist ein bedeutender und mit großen Plagen verbundener Erwerbszweig und wird beinahe ausschließlich von Juden betrieben. In dieser Beziehung muß dem Maramaroser Juden der Vorrang eingeräumt werden vordem Juden int Alföld, der sich nicht so leicht zu einer schweren körperlichen Arbeit herbeiläßt und höchstens den Hausierbinkel auf den Rücken nimmt, was aber der Maramaroscr Jude um keinen Preis tun würde, weil er sich schämen würde, dadurch darzutun, daß er kein Vermögen besitze und zum Arbeiten zu faul sei. In Maramaros gibt es keinen H a u s i e r j u b e n! Er konnte sich aber auch leichter zu einer mit körperlicher Arbeit verbundenen Beschäftigung bequemen, weil sein Exi st e n zm inimu m s o geringfügig ist, daß darin vielleicht nur die chinesischen Kulis mit ihm wetteifern könnten. Die körperliche Arbeit bietet, speziell hier, gewiß keinen Ueberfluß oder Reichtum, aber e r entschloß sich leicht dazu, weil sein nüchternes Leben (wer hat je einen betrunkenen Maramaroser Juden gesehen?) es ihn; möglich macht, und fe ine Ansprüche i n Bezug auf W o ch n u n g, Kleidung und Nahrung geringer sind, als diejenigen der r u t h e n i s ch e n und rumänischen Bauern im Dorfe. Der in der Slatinaer Dampfsäge beschäftigte Jude erhält für sechstägige Arbeit einen Wochenlohn von sechs Kronen, wovon er sich und seine sechsgliedrige. oft noch größere Familie erhalten muß. Was kann von sechs Kronen während sieben Tage aus nur drei Familienmitglieder entfallen, wenn wir ans Wohnung und Bekleidung bloß ein Drittel abrechnen? ... Sie e s s e n aber auch kein Fleisch, außer am Samstag. Mäisbrot, Zwiebel, Bohnen, Buchweizen bilden das tägliche Menu. Die Frau kocht einen großen 6 bis 8 Liter fassenden Topf voll Bohnen aus, seiht sie ab, dies reicht ein bis zwei Tage hin, und wenn dies aufgezehrt, dann folgen Kartoffel, Buchweizen rci Hiebei wird, sobald ein Kind erkrankt, sogleich der Arzt geholt, dem Kinde, und wäre es auch der vierzehnte oder fünfzehnte Sprosse, die sorgsamste Pflege zutheil, b e n tt i n Bezug auf Kind erfürs orge und R e i n h e i t des Familienlebens k ö n n t e der Maramaroser Jude jeden; M i t g l i e d e der vaterl ä n d i s ch e n V o l k s f a m i l i e f ü g l i ch a l s M u st e r dienen. Unter tausend Maramaroser Judenfamilien zählt nur eine — und zwar während eines ganzen Jahrzehntes — ein gefallenes Mädchen zu ihren Mitgliedern, von unverheirateten Mädchen ist überhaupt keine Rede, auf diese würden die Kinder mit den Fingern zeigen. Die Eltern, die reichen und noch mehr die armen, richten sich zugrunde, denn ohne Mitgift, und betrage sie auch nur 20 Gulden, kann kein Mädchen heiraten; aber sie verheiraten ihre Kinder zur bestimmten Zeit, da sie ihre Pubertät erlangen. Die Militärpflichtigen werden nalürlich im Geheimen verheiratet, noch ehe sie ihrer Wehrpflicht entsprochen haben. Daher kommt es auch, daß die Statistik der Maramaroser jüdischen unehelichen Geburten so ungeheuerlich groß ist, und daß sie die Verhältnisziffer der größten Garnisonsstädte, wie Olmütz. Przemysl erreicht, als sprechender Beweis für die Tatsache, daß statistische Zahlen nur mit großer Umsicht gewogen werden dürfen. Denn diese Ziffern bedeuten bei weitem nicht so viele, der elterlichen Pflege entbehrende, dem Verkommen ausgesetzte Existenzen. Die Ursache der frühen Heiraten sind die Wunderrabbiner. Sie selbst verheiraten, ihrer Tradition und ihren Sitten entsprechend, auch noch vor Eintreten der Pubertät, 11—13jährige Mädchen mit 15—16jährigen Knaben und die Tatsache, daß man schon so früh um ihre Kinder geworben, wird als hohe Ehre angesehen. Das Volk bemüht sich nun, wenn auch seine materiellen Mittel es nicht erlauben, dem heiligen Rabbi nachzuahmen. Zeitungsfchau. '•v. 5< o b c u 1) c i m c v schreibt in der „Jüdischen Rundschau": In letzter Linie tnneyt vor dein .Kongreß die in pribatcu Zirkeln 101)1.1» viel stutz erörterte Frage ans: ivelche Stellung der Zionismus zu praktischen Kvlonisatwnsprojekten zu nehmen hat. Der Kongreß lvird sich darüber setzlüssig zu machen Hatzen, ob das Aktions-Komitee ermächtigt lverdcn soll, unbeschadet des.Monistischen Zieles, so lange dieses »och nielit erreicht lverdcn kann, i n B c r - h a u ti (ii it g c li ii b c r S ch a f f n n g j ü d i s ch e r K o l o n i e it i n n ii d e r e it, P a l ä st i u a tz e u a ch tz a r t c n L ä »der n e i n n t r e t e n. Diese Frage bildet schließlich ebenso einen Teil des Gegenlvartsprograinmes, lvie die sittliche, svziale und wirtsehaftliehe Hebung des jüdisehen Volkes. Voraussetzung für die Entscheidung dieser Frage dürste jedoch ein umfassender und eingehender Bericht des Atnoiis-KvmiteeS sein, welche Aussichten sieh in dieser Beziehung bieten. Diplomatisehe Rücksichten d ü r f e n ii t ch tdaz u v e rlei t e ii, d e u g a u e n K o m p l e r dieser F r a g e n i u tiefes D u n k e l ii h ii l l e ii. Mau erwartet vielmehr, a l t e n t h n l b e n in b e u K reis e ii u it s c r e r A it h ä n g e. r d i e M i t t e i l u n g all e r h i e r ü b e r g e pflo g c ii e it K o r r e s p o u d e n z e u, so weit dies der diplomatisehe Gebrauch zuläßt und leine Schädigung sehlvetzeuder Verhandlungen hiervon zu befürchten ist. Vielleicht entschliefst sieh das Aktions-Komitee, ein tleiues Blautzueh zur QrieMierimg über diese Frage dem Kongreß vorzulegen. Ein Gesinnttttllsmcnsch. Nachstehendes Inserat bringt die „N. Fr. Presse" vom 22. d.: Tinifpiiteuschnft von höherer Persönliehkeit erbittet distinguierter junger Mann, der zur katholische» Kirche übertreten möchte. ©e(T. Antr. unter „Glaube" ,m das Aukünd.-Biir. dieses Blattes. Kommentar überflüssig. Charakteristisch ist mir, das; sich dieser tauf- und protettionslüsterne Jüngling die „N. Fr. Presse" aussueht. Dieses edle Blatt scheint sich immer mehr zum Leiborgan der getauften Juden und solcher, die es lverdcn wollen, zu entwickeln. Assimilation am Rhein. Die von der „Jüd. Presse" gebrachte Notiz über die Taufen in Vorstands- resp. Repräsentantenkreisen der Gemeinde zu Bonn haben im ganzen Rheinland ein beträchtliches Aufsehen erregt, mit Ausnahme Lion Bonn selbst. Das „Israelitische Gemeindeblatt" veröffentlichte im Anschluß au den erlvähuten Artikel der „Jüd. Presse" ein „Eingesandt", in welchem die Hoffnung ausgesprochen wurde, das; solchen schimpflichen Vorgängen schleunigst ein Ende gemacht lverdcn würde. Daran denkt, lvie eS scheint, in Bonn niemand. Wie von dort erzählt wird, soll der Steuerzettel den Bonner Juden gcgculvärtig noch große Reserve auflegen. Die zwei Repräsentanten mit ihrer getauften Nachkommenschaft, sowie der eine Vorsteher, dessen Kinder übrigens vorerst nur noch lutherischen Religionsunterricht genießen, aber noch nicht getauft sind, lvie es irrtümlich in Ihren; Blatte hieß, gehören nämlich zur ersten Steuerklasse und tragen zusammen etwa ein Viertel der Gesamtsteuerlast. Das mag daS ruhige, wenn auch nichts weniger als würdevolle Verhalten der jüdischen Gemeindeglieder gegenüber dem Gebaren jener ihrer Vertreter erklären. Die Gemeinde soll ziemlich schwer belastet sein, obgleich zahlreiche Mitglieder sehr reich sind und eine Mehrbcsteucrung ruhig auf sich nehmen dürften. So halten sich denn Geld und Ehrbegriff vorder- ItUUUlU'.t llltJC lu 4 111 LLIIIV jvtinkv-*» .! 1 1 I? a in e it, b t c c i n st in der j ü d i s eh e n G e l e h r t e n w e l t (längte n, g c f) ören jetzt b c m verfäls ch t c u Ariern m katholis eh c r u u b p rotestantis eh e r $ o u' c f f i o n au. M a n brau eh t n u r an die Z u n z, S u l z - > a eh, U n g a r w a. zu e r i n n e r n. Daß die sämtlich gea u f r e n C o h e n, H e r tz usw. ihre jüdischen Namen beibehalten, iclucift eine gewisse Konsequenz, die man bei ungetanfteii Juden >stt vermißt. Das; die Kinder sämtlicher jüdischer Professoren mit Ausnahme eines einzigen getauft sind, spriehl am deutliehsten für >en „jüdischen" Geist, der in diesen Kreisen herrscht. Trotzdem sind i l l e d i e s e II n i v e r s i t ä t s l e h r e r bis heute noch i i ch t o r b c n 11 i ch e P r o f e s s o r e n g e w o r d e n, s o u d e r n i j s a u f e i n c n Juristen e x t r a o r d i n a r 11. Auch _smd liefe Herren nebst ihren Frauen, trotz ihrer völligen Abschließung )vn ^udenEuln und Hilden, die höheeell cf)Ti]tIicl)cn GeienschUjts- ■reife nicht gelangt; ihre Anwesenheit wird in jenen Kreisen, in velehe ihre Kollegen bereits als Privatdozenten ^Eintritt finden, nrgends gewünscht. Wäre es nicht fatal für diese charaktervollen Männer, wenn der gegen sie verhängte mehr oder minder prägnante Boykott seitens der vornehinen christlichen Gesellschaft auch noch am Lude auf ihre Kinder übertragen würde? Vereinzelt smd;a solche Fälle nicht. Doch das geht die Bonner und die anderen ^uden nichts in. In Betracht kommt zunächst, ob ein soeben im „Israel. Geineindebl." erschienenes zweites „Eingesandt" des Herrn Dr. Apfel in Barmen ebenso eindrnclslos an den Gemeinde-dliigehorigen cmim vorübergeht, wie jene beschämenden Vorgänge, die Herr /^r. Apfel in scharfer, aber maßvoller Weise geißelt. Voltten die Bonner Juden weniger Feinfühligkeit besitzen, wie jener Christ, der sich mit einer Jüdin verlobte und als diese sich heimlich taufen Ues^. das Verlöbnis löste? Dieser Fall trug sich in Köln zu. Ein Christ knüpfte ein Verhältnis mit einer jüdischen Dame an und verlobte sich schließlich mit ihr. Zum Geburtstag ihres Bräutigams eine eigenartige Ileberraschnng planend, legte sie demieweii ach GepnrlSrags-Angehiiide nicht nur ihren eigenen chanficheiich lonoetn niiei.i tu*» ihres jüngeren Bruders und ibrcr jüngeren Schwester, eines fünfzehnjährigen Kindes, zu den übrigen Geseheiikeli. Die^ freudige Ueberrasehnng blieb aber beiderseits ans. Als rer lvlehermaßeii üverraselire Bräutigam sich von seinem Eritaniien erholt harte, erklärte er der nenchristlieheii Braut, dag er da-.' ^erlovm^ als aufgehoben betrachte, mit der sehr logischen Begriindniig. da); er sie als Jüdin zu seiner Braut gemacht habe, ohne an ihrer Religion and Abkunft Austos; zu nehmen, und als Jüdin habe ehelichen ivollen. Die heimliche Taufe, die eine angenehme lieberraschung lverdcn sollte, lvar weder nach Wunsch, noch nach Geichmaek des christlichen Bräntigams. Er sah darin einen Treubruch und, wie er gesagt haben soll, eine Charakterlosigkeit, deren )>eh ein eechtlich leistender Mensch unter keinen Umständen schuldig wachen dürfe, ^ic Adresse dieses ehristlieben Erbränrigams in Köln durste leicht zu ermitteln sein, und es wäre für geivisse jüdische Profenoren und für gewisse Gemeindevertrerer nur ratsam, ivenn )ie einmal die Meiimng eines eharaktervollen Niehtjuden über „Taufen mi-.' anßcren Motiven" anhören wollten. Die getaufte Erbrmit neh)t ihren mitaetauflen Gesetzwisrern „sitzt min da mit dem Latent und tamr iiichl verwerten". Vielleicht vollzieht sich ,parer enunal eine Anii.’-vim'viiim miiidien diesen verschiedenen getan)len „Rheliilandeni . Kischencw. Dem New-Uorker „TimcS"-Korrespondeuten zufolge rief Rußlands Weigerung, die Petition anznnehmen, weder Ueberraschnng noch Aerger in Amerika hervor. Es ivnrde niemals geglaubt, daß man in Petersburg die Petition aitnehmeu werde. Mau fühlt trotzdem, daß die Petition ihren Ztveck erfüllt hat. Selbst

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