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Jüdisches Volksblatt · 1903-07-17 · 29 (17.7.1903) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
29 (17.7.1903)
Date
1903-07-17
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 29 Wien, Freitag Jüdisches Volksbintt 17. Juli 1903 Seite 3 nossenschafler in der Weise gewahrt wurde, daß die Zinsen für Darlehen im Laufe des Jahres mäßige waren, daß keine Verluste entstanden oder für die nächste Zeit zu erwarten sind, und daß endlich die Regie den erzielten Bruttogewinn nicht ungünstig beeinflußt hat. Und das ist bei der ausgewiesenen Bilanz des K r e d i t i n st i t u t s für jüdische Gewerbetreibende und Beamte der Fall. Allerdings wurde den Anteilscheinbesitzern die Geschäftseinlage nicht verzinst — für den kleinen Zinsenentgang hatten die Kreditnehmer aber andererseits den Vorteil, daß sie für Darlehen nicht zu hohe Zinsen zahlen mußten und daß sie die Rückzahlungen nicht in drei Monaten auf einmal, sondern in verhältnismäßig bequemen Teilbeträgen — in berücksichtigeuswerten Fällen bis zu 10% der Darlehenssumme — leisten konnten. Mag sein, daß — wie manche behaupten — der eine oder der andere unter den Kreditnehmern sich auf denselben Wechsel, den er beim Kreditinstitute begeben, und besonders mit Rücksicht auf den oder gar die Giranten, welche auf demselben figurierten, nicht nur im Kreditinstitute für jüdische Gewerbetreibende und Beamte, sondern auch in irgendeiner Bank hätte Geld beschaffen können, — vorausgesetzt, daß ihm jemand, der dort einen Kredit hat, den Wechsel zum Eskompte eingereicht hätte,— so war es ihm doch keinesfalls möglich, sich so ohneweiteres in drei Monaten mit einer Rückzahlung von 10—20% des Wechselbetrages abzufinden. Und gerade in der Rückzahlung liegt das gefährliche Moment für den Wechselverpflichteten, wenn er in Unrechte Hände geraten ist. In solchem Falle werden wohl nicht immer beim Entlehnen zu hohe Zinsen und Nebenspesen augerechnet, stets aber dann, wenn der Wechsel nicht rechtzeitig oder nicht voll gedeckt werden kann. Nun aber geht *e§ in der Regel mit dem Darlehensnehmer viel rascher bergab, als es vor dem der Fall war. Solche und ähnliche Vorkommnisse werden aber durch das Kreditinstitut verhütet. Und wird es nicht dem schwächer situierten, wenn auch arbeitsamen und ehrlichen Handwerker nur darum möglich, einen guten Giranten zu finden, weil dieser voraussetzen darf, daß der Akzeptant imstande sein wird, die kleine Rate zu decken? Das Interesse des Kreditnehmers erscheint also dadurch, daß er dem Kreditinstitute das Darlehen in kleineren Teilbeträgen rückzahlen kann, unbedingt gewahrt; es ist dies für ihn entschieden von größerem Vorteile, als wenn er am Ende des Geschäftsjahres von einer Einlage per 100 Kronen etwa 2—3 Kronen als Gewinnanteil erhalten würde. Für das Institut selbst ist dieser humane Vorgang durchaus nicht von Vorteil. Es wird einleuchten, daß ein dargeliehenes Kapital, welches günstigen Falles in zirka i'/a Jahren erst vollständig rückgezahlt wird, entschieden nicht die gleiche Beweglichkeit haben kann, als wenn dies in drei Monaten geschieht. Nun aber reicht das eigene Vermögen der Genossenschaft (K 33.232 29 per 31. Dezember 1902) zu solchem Vorgänge lange nicht aus. Das Institut ist also darauf angewiesen, von Fall zu Fall einen Teil seiner Rimessen zu begeben. Das ist jedoch keinesfalls so leicht hat, das wird die Zukunft zeigen-.. Einiffweileiii steht das Volk vor dam Eingang in ein. neues Leben und zaudert und zögeivt noch. Ist es mißtrauisch geworden? Rosige Brillen setzt uns die knochige Hand des Leidens und Duidens nicht ans. Das ist wahr. W'nrmn> trauen aber die Juden noch immer den Fremden, wenn sie nicht mit! Stahl und Wahl, sondern mit vielverheißendenr Gönnerblick und huldvoll dargereichier Hand im Handschuh d>ar Toleranz kommen, die Aninen zu ködern? Ihreneigen-cin Brüdem jedoch, den wahreil Helfern, in der Not, weichen sie alis, wenn sie die frohe Botschaft der Arbeit, Hoffilung itrobi Freiheit in ihre dumpfen Gassen bringen. Ihre bisherigen, in der Vergangenheit verknöcherten Lehrer und sogenannten! Führer wollen nicht die neuen Strahlen sehen und ziehen die Fesseln der Nach!! enger um das Volk. Doch kann, und Wird die langsame Aufklärung vielleicht heilbringender sein als die rapide. Möge uns dieser Trost zum geduldigen Ausharren und mühsam -rastloseil Arbeiten. Kraft und Mut verleihen! Die Feinde ftauneu darob, daß wir noch leben. Aber wir werden leben! Ein Volk des positiven Aufbaueus werden wtr bleiben. Bauen wir nun aber auch für uns selbst. Vor allein müssen lvir die Zersplitterten smumeln und vereinigeil. Begeisterlmg für die jüdisch-nationale Idee evlvecken und Licht und Liebe verkünden. lind wo Liebe gefäet wird, muß Glück aufgeheil. „E i n t r a ch t lln di L i e b e.!" schreiben lvir auf nlliser Banner. Die Fahne, um dile lvir uns scharen, sei nur eins mit unserem Herzen. Liebe und Eintracht senken wi'v in. unsere Brust. Ans dem, was wir getan, schöpfen lvir Ansporn für das, was w-ir tun solleiu Hi'cken wir uns aber vor Einseitigkeit, die erstarren läßt. Auf allen Zweigen linseres Lebensbanmes zünden wir helle Knospenlichter an-. Stiolz uind selbstbelvnßt ri'lDen wir uns auf! Geben lvir lins das Glück der belebenden Arbeit und der strahlenden Hofflllmg. Wie nufer eigenes Lebeir sei lins linser Ideal teuer. Herzinniglich gehegt lind seelentief befestigt, wird es lins zur großen-, erlösenden Tat tr'eiben. Eill nencs, freies Leben sprießt dann in froher' Herrlichkeit. Wir haben. Licht und Stift. Halt und Hort und die Menschheit! hat eilti glückliches Volk mehr. M a r e k S ch e r l a g. getan, als es sich ausspricht. All einen Bankkredit war bisher, ohne daß das Institut nicht zumindest in 2—3 Jahresberichten seine Lebensfähigkeit erwiesen hat, kaum zu denken, und wenn nach dieser Richtung hin dennoch einzelne schüchterne Versuche gewagt wurden, so bestätigten sie nicht nur die vorausaussichtlich gefaßte Ansicht vollends, sondern es stellte sich bei dieser Gelegenheit mehr oder weniger beiUlicl) heraus, daß die Registrierung der Genossenschaft mit den zwei Wörtchen „jüdische" und „Beamte" für einen Bankkredit überhaupt kein Vorteil sein möge. Unser Kreditinstitut hat sich jedoch an diese zwei Wörtchen absichtlich und statutarisch gebunden. Allerdings ist bisher die Bezeichnung „jüdisch" in den Portefeuilles der Banken noch wenig oder gar nicht so ohne je'de Umschreibung zum Ausdrucke gelangt, wenn auch zugestanden werden mag. daß im allgemeinen Wechsel mit gut gut jüdisch klingenden Namen immerhin „bankfähig" sind. Hoffen wir also, daß das Wörtchen „jüdisch" in besserem Sinne, das sonst vorsichtig und korrekt geleitete Kreditinstitut nicht für ewige Zeiten von der Benützung eines Bankkredites ausschließen wird. Noch schwerer fällt das Wort „Beamte* in die Wagschale. Unsere Banken gehen von der Ansicht nicht ab, daß sie nur reine Geschäftswechsel zu eskomptieren haben, das heißt solche Wechsel, welche der Kaufmann im Verkehre mit dem Kauf man ne für gelieferte Waren erhalten lull. Das ist auch die scharfe Ecke, um welche so viele Produzenten, die den Zwischenhändler so gerne ausweichen und ihre Waren am liebsten direkt an den Konsumenten verkaufen möchte», nicht herumkommen können. Die Beamtenwechsel, so verläßlich auch die darauf zu leistenden Teilbeträge eingehen, sind im Reeskompte schon gar nicht zu verwerten. Und in diese Kategorie fallen auch die Wechsel der in Ausübung des eigenen Berufes stehenden Advokaten, der Aerzte, Zahnärzte u. dergl. Alle solche Wechsel sind, trotz der guten Giri, im Portefeuille des Kreditinstitutes zu beschaulichem Dasein verurteilt, denn sie sind eben auch im Reeskompte nid)t zu verwerten. Aber es liegt doch ein großes Stück Humanität darin, daß es durch unser Kreditinstitut den Advokaten möglich geworden, sagen wir: den halbjährigen Zins zu erlegen — dem praktischen Arzte, sich sein Ordinationszimmer anständig zu möblieren, ohne die Möbel um 25% teurer auf Raten kaufen zu müssen, der Zahnarzt hätte seine Instrumente wohl zu noch härteren Bedingungen aufbringen können, wenn nicht gar so manches ganz entbehren müssen, wenn es ihm nicht möglich gewesen wäre, sich das nötige Geld im Kreditinstitute gegen mäßige Zinsen und hauptsächlich gegen ratenweise Rückzahlung zu beschaffen. Der Fälle, wo jüdische Gewerbetreibende und Beamte irgendein Darlehen -dringend benötigen, gibt es wohl viel mehr, als allgemein angenommen wird; gewiß aber ist es, daß nur in den seltensten Fällen leichtsinnigerweise um ein solches angesucht wird, und noch gewisser, daß in solchem Falle noch niemals ein Darlehen bewilligt wurde, noch bewilligt werden würde. Wenn nun das Kreditinstitut heute, nach beinahe zweijährigem Bestände, immer noch nicht an die ihm gebührende Stelle vorgerückt ist, so erscheint dies durch die eigenartigen Verhältniste begründet. Als Genossenschaft wäre es wohl auf Selbsthilfe angewiesen. Ju diesem Sinne hätten sich ihm in erster Linie diejenigen Branchen anzuschließen, deren Interessen das Institut dient, also: Das jüdische Kleingewerbe, der Handwerkerstand, die jüdischen Beamten überhaupt, endlich die jüdischen Agenten. Das geschieht auch in ausgiebigem Maße, aber — nur von Seite derjenigen, welche unverzüglich ein Darlehen benötigen. Fast mit jedem neuen Mitgliede, welches in die Genossenschaft eintritt, wächst für den Vorstand die Sorge, um Beschaffung der nötigen Geldmittel, wären der Neueintretende und sein Girant auch noch so gut. Kaum der Zwanzigste, welcher sich zum Beitritte meldet, ist ein solcher, der es nicht des Darlehens wegen tut. Das Verständnis für Zusammengehörigkeit ist uns leider immer noch nicht in Fleisch und Blut übergegangcn oder richtiger: Dieses Verständnis ist uns, seitdem die Ghettomauern gefallen sind, nahezu verloren gegangen. Der allzuscharf ausgeprägte Individualismus macht sich eben d in allen Schichten unseres Volkes bemerkbar, und dem ist über Nacht nicht abzuhelfen. Um in dieser Richtung fördernd einzugreifen, wurde in der am 15. März d. I. stattgefundenen Generalversammlung des Kreditinstitutes für j. G. u. B. der Beschluß gefaßt, den Anteilschein auf 20 Kronen herabzusetzen. Das ist zwar etwas, das den allgemeinen genossenschaftlichen Grundsätzen widerspricht, was aber doch auch gewagt werden durfte, um den Beitritt zur Genossenschaft zu erleichtern. Nicht überflüssig dürfte es sein, hier darauf aufmerksam zu machen, daß unter gar keiner Bedingung für den Vertretenden eine grüße Haftpflicht entsteht, als mit dem Betrage seiner Geschäftseinlage und im ungünstigsten Falle mit dem doppelten Betrage. Jeder andere Fall ist gänzlich ausgeschlossen, nachdem die Genossenschaft mit beschränkter Haftung gegründet wurde und als solche im .Genossenschaftsregister eingetragen erscheint. ' Es wird nun abzuwarten sein, ob der reduzierte Anteilschein wirklich dazu führen tuiib’ dem Institute auch solche Mitglieder in größerer Anzahl zuzuführen, bei welchen sich nicht gerade die Notwendigkeit der Geldentlehnung fühlbar macht. Was endlich die materielle Unterstützung unseres Kreditin st itntes seitens reicher jüdischer Glaubensgenossen betrifft, biivfte es richtiger sein, stillschweigend darüber hinwegzugehen. —■ Diesbezüglich wäre nur die eine Stelle des pro 31. Dezember v. I. von dem Kreditinstitute herausgegebenen Jahresberichtes zu erwähnet welche wörtlich lautet: „Wir wollen aber hoffen, daß unser Jnstiint, welches entrückt allen politischen Agitationen, ausschließlich die Förderung der wirtschaftlichen Interessen unseres jüdischen Gewerbe- und Beamtevstandes ( im Auge hat, endlich doch auch noch in jenen Kreisen Anerkennung und Unterstützung finden wird, die ihm vorläufig ab w art e n d gegenüberstehen." Nichtsdestoweniger aber kann der Stand des Kreditnstitutes nur als befriedigend bezeichnet werden. Langsam zwar und ruhig, desto sicherer aber entwickelt sich dasselbe im günstigen Sinne. Der Mitgliederstand hat sich seit Jahresschluß nicht unbedeutend gehoben, die Rückzahlungen gestalten sich in zufriedenstellendster Weise und demgemäß werden auch so rasch als es eben zulässig ist, neue Kredite gewährt. Ein übersichtliches Bild der heurigen Geschäftsbewegung wird übrigens die pro 30. Juni d. I. zu veröffentlichende Semestralbilanz in zuverlässiger Weise bieten. Tie „Allgemeine Betfimfl des Judentums" schreibt vom 10. ix M.: 0)e re de in dieser Weiche fände» wir in einem italienischjüdischen Blatte anläßlich der Rabbinerwahl in Wien das Siegcsbnllerin: I reformistt Hanno facto il loro cempo!" Nun muß man die rraurigcn Verhältnisse der Wiener Gemeinde kennen, um die Ironie des Latzes nach ihrer vollen Bedeutung zu ivürdigeu. N i r g e u d s i st die Z e r f a h r e u h e i t, nirgends der I u d i f f e r e n t i s m u s, n i i" g euds d i e Tauf w it t g r ö ß e r als in dieser offiziell konservativen Gemeinde, in der j ä h r l i ch m e h r als 500 Juden, z n m T a n f b e ck e n s ch reiten. Aber der Fall, auf deir das italienische Blatt seinen Siegeshhmnus anstimmt, ist zu charakteristisch für die ganze Frage, als daß wir ihn hier übergehen köicnten. Bekanntlich wurde in Wien ein Rabbiner gewählt, der in seiner früheren Gemeinde heftige Kämpfe ivegen der Orgel auszusechten hatte. Als derselbe, persönlich übrigens ein tvackercr und tüchtiger Mann, sein Amt autrat, jubelte die Orthodoxie in dem festen Glauben, daß er in dieser großen Gemeinde sicher für das alte Judentum eine überaus segensreiche Wirksamkeit entfalten werde. Und loaS ist nun jetzt das Resultat dieser langjährigen Wirksamkeit? Sofort nach dem Abgang dieses persönlich durchaus n i ch t unbeliebten orthodoxen Rabbiners wird die Stelle ausgeschrieben mit der ausdrücklichen und sonst gar nicht üblichen Erklärung, daß n u r aus einen liberalen Rabbiner reflektiert werde. Das Treiben der russischen Preßagentur itt Pariser Blattern war anläßlich der.wischenelver Greuel deutlich zu beobachten. Der Pariser Korrespondent der „Bossischen Zeitung" schreibt hierüber: „Mit Ausnahme von drei oder vier Blättern sind der russischen Preßagentur alle zugänglich, und sie ladet in ihnen all den Aerger ab, den ihr die böse unabhängige Presse der ganzen übrigen Welt bereitet. Die Pariser „große" Presse hat die Kischenewer Greuel todznsch-weigen gesucht. Das soll ihr nicht vergessen werden und man ioird sie immer wieder daran erinnern, Ivenn sie, wie beim serbischen Uönigsmvrd, von „europäischen Gewissen" zu schwadronieren und in tugendhafter Entrüstung die Bestrafung der Mörder zu fordern wagt. Jedoch die Blätter, die wirtlich das Recht haben, von „europäischem Gelvissen" zu sprechen, und die es mit dem Abscheu ablehnten, moralische Mitschuld an Mord, Notzucht und Raub auf sich zu laden, erhoben ihre Stimme und alle Zeitnngsleser beider Welten, mit einziger Ausnahme derjenigen, die ausschließlich antisemitische Blätter lesen, erfuhren alsbald mit allen Einzelheiten,!oas in der beßarabisehen Stadt geschehen ivar. Nun versuchte die russische Prehagenlnr, die Berichte als niNvnhr hinznstellcn. Die Ablengnnng lvnrde von den Pariser Blättern, die die Berichte nie gebracht hatten, getreulich abgedrnckt. Dann verbreileie die russische Agentur in Paris eine „amerikanische" Zeitnngsänßernng, einen Artikel, der der unverdächtigen „Christian World" von New-Porr zngesehrieben lvnrde. Cr hat auch in der Tal in diesem Kirchenblatt gestanden. Aber die Blätter, die hin übernahmen, hüteten sich, auch die einleitenden schulen abzndrncken, die lauteten: „B >ir haben uns an den russischen Minister des Innern, Herrn v. Plehwe, n:ü der Bitze gewendet, uns über die Kischenewer Ereignisse accsznllärea. Er hat uns darauf folgende Mitteilung gesendet." Also die angebliche Darstellung eines nnparreiischen amerikanischen Blattes" war in Wirklichkeit'die Darstellung des sehr parteiischen Herrn v. Plehlve. Derselbe Kniff lvnrde in leicht geänderter Form ein zlveites Mat angewendet. Herr v. Plehlve hat nämlich den „NewHWrk Herald", dessen Eigentülner seinen Ehrgeiz darin setzt, mit der französischen „guten G.-sellschaft" in enger Frenndsehast zll leben und der mit bemerkenswerter Anpassungsfähigkeit alle nativnalistiseh-anlisemilisehen Leidenschaften dieses Kreises angenommen hat, ihm einen Ausfrager zur Verfügung zu stellent, und dttreh diesen Trichter ergoß er in den „New-?)ork Herald" einen neuen Absud seiner Darstellung, die von Nachprüfern an Ort und Stelle als dreiste Unwahrheit gebenndiNavll lvnrde. Dieser neue Tänschnngsversnch erschien in der Pariser Presse, ehe er in New-Uork abgedrnckt war. Und lvieder hieß eS in den Pariser Blättern: „Der „Nelv-Uork Herald" schreibt." Jetzt rächt sich die russische Preßagentur an Mr. Noosevelt, dem sie 'weder in Amerika noch in England beikommen kann, durch Schmähungen in der französischen Presse. Die meisten Blätter drucken diese Angriffe mit einem Rest von Schamgefühl unter der Spitze „Sl. Petersburg" ab. Drei oder vier aber, und gerade diejenigen, die man im Anslande noch immer ernst zu nehmen pflegt, nrachen sieh die Lügen, die ihnen ans Petersburg ans den Tisch geflogen kommen, zu eigen und verarbeiten sie zu Leirarlikeln. für die sie selbst leichten Herzens die Verantwortung übernehmen. Sie lverden ja lvohl lvissen, lveshalb sie eS tun, lind die „Now. Wremja". die „Znanüa" und die „Beßarabez" lverden sie dafür loben. Aber ich kenne viele Franzosen, die in diesen letzten Wochen über die „große" Presse ihres Landes schainrot gelvorden sind." Die „Nentrncr Zeitung" schreibt: Als vor etwa drei Wochen der gelvesene Ministerpräsident Szell Kalman dem Abgeordnetenhause Mitteilung machte davon, daß das Ministerium seine Abdankung gegeben und als demnach die unter dem Titel „liberale

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