Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 28 (10.7.1903)
- Date
- 1903-07-10
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches YTolksblatt 10. Juli 1903 Nr. 28 Fallimente in Galizien. Von CH. N. R e i ch e n b e r g, Krakau. Bei einer Schwurgerichtsverhandlnng, welche hier im vergangenen Monat gegen einen Kridatar stattfand, fungierte als Zeuge ein kommerzieller Beamter des Wiener Kreditoren- Vereines, der sich mit den Arrangements von galizischen Fallimenten beschäftigt. Nachdem Er seine konkreten Angaben vor Gericht beendigt batte, wurde er von einem der Geschworenen herausgefordert, sich als derjenige, der auf dem Gebiete der Fallissemente hierzulande längere Jahre tätig ist und über reiche Erfahrungen auf demselben verfügt, über das Gebühren der Kridatare im allgemeinen zu äußern. Der kommerzielle Funktionär des Kreditoren-Vereines hätte das Recht gehabt, diese Interpellation schnurstracks abzulehnen, weil dasjenige, was der neugierige Geschworene wissen wollte, in den Rahmen der Zeugenpflicht ganz und gar nicht hinein» gehörte. Aber Ambition, Geltenwollen und Autoritätssucht scheinen den Zeugen hiezu geführt zu haben, daß er über das Wesen der galizischen Fallimente ein weitschweifiges Parere vor Gericht abgab, in welchem Redewendungen und himmelschreiende Uebertreibungen Vorkommen, die begründeterweise die Entrüstung der ganzen galizischen Kaufmannschaft hervorriefen. Dieser kommerzielle Beamte des Wiener Kreditoren- Vereines sagte vor Gericht nicht mehr und nicht weniger aus, als daß 990/0 der galizischen Bankerotte mit Fraudulosität inszeniert und geordnet werden und daß viele, welche sich im Auditorium des Gerichtssaales befinden, eben zum Zwecke erschienen sind, um sich für die künftige Verantwortung vor Gericht praktisch vorzubereiten. Das heißt mit dem Handelsstande eines Landes, das der größte Konsument der vaterländischen Industrie in Oesterreich ist, unbesonnen vor einem Gerichtshöfe, vor der unbeschränktesten Oeffentlichkeit Fangball gespielt zu haben!! Seit diesem Vorkommnisse werden hierorts Geschäftsreisende, die von Firmen kommen, welche Mitglieder des Kreditoren-Vereines sind, ohne Aufträge entlassen und viele Ordres, die Wien erhalten sollte, wandern nach Deutschland und auch zum Teile nach Frankreich. Nachdem ich selbst viele Jahre für Wiener Industrielle Galizien bereiste, bescheidene Erfahrungen in Sachen des Handelsverkehres des galizischen Kaufmannstandes mit der österreichischen Industrie gesammelt habe, fühle ich mich berufen und zugleich kompetent, aus Anlaß des früher besprochenen Zwischenfalles vor Gericht meine Ansichten über das galizische Falliment an den Tag zu legen, und zwar zur Aufklärung, Beruhigung und Beschwichtigung der Gemüter sowohl der Kreditgeber wie der tief gekränkten Kreditnehmer in Galizien. Wie statistisch nachgewiesen, haben die Jndustrieerzeugnisse aller Branchen, welche im Jahre 1901 nach Galizien eingeführt worden sind, einen Preiswert von 298 Millionen Kronen gehabt. Die Nettoverluste bei Fallimenten in diesem Lande haben gemäß einer Statistik einer Fachzeitung im Jahre 1901 bloß 4,960.000 Kronen betragen, das ist zirka 2ya°/0 des Wertes des gesamten galizischen Konsumes in Industrie-Erzeugnissen. Bekanntlich nimmt der vorsichtige Industrielle oder Großhändler usuell 6% als eventuelle Verluste in seine Durchschnittskalknlation auf und wie vorstehende Ziffern beweisen, erreicht in Galizien das Delkredre nicht einmal die Hälfte der notwendigen kaufmännischen Voraussicht. Meine Darstellungen werden nicht als Fiktionen oder Phrasen in den beteiligten Kreisen erklärt werden können, denn ich arbeite mit Ziffern und habe weder die Absicht, den galizischen Kaufmann in den Himmel zu heben, noch ihm das Kreditnehmen zu erleichtern; ich spreche objektiv und werde zum Beweise meiner Objektivität später tadeln, was tadelnswert ist. Daß trotz der erstickenden Konkurrenz in Galizien, wobei der Nutzen bei der umgesetzten Ware ein geringer ist, doch nur 2 % % Verluste vom Konsume Vorkommen, ist die Folge davon, daß die Kaufleute im allgemeinen nicht arbeiten, um zu leben, sondern leben, um zu arbeiten. Ein hierländischer Engrossist, der jährlich einen Konsum im Werte von 500.000 Kronen macht, verwendet für seinen Haushalt kaum 6000 Kronen jährlich. Ein Detaillist, der einen Konsum im Werte von 100.000 Kronen jährlich macht, braucht 4000 Kronen.für seine Haushaltung. Von den Kaufleuten in den Kleinerten schon gar nicht zu sprechen, diese begnügen sich mit einem Haushalte im Betrage von 600 bis 800 Kronen jährlich. Das ganze Bestreben der galizischen Händler ist dahin gerichtet, die auf Kredit bezogenen Waren möglichst an den Mann zu bringen, um mit dem Erlöse die fälligen Wechsel einzulösen oder die offenen Posten möglichst zu begleichen. Vor den Fälligkeitsterminen befinden sich alle diese Handelsleute in ängstlicher Gespanntheit, in wahrer Furcht vor der Unmöglichkeit der Zusammenbringung derjenigen Barschaft, welche für die Fälligkeiten nötig ist. Ist bei einem galizischen Kaufmanne aber die Insolvenz unabwendbar, so erzielen die Gläubiger desselben 40, 50, 60 und auch 70"/,, Ausgleichsquote, denn alle diese Falliten wenden ihr Tunlichstes an, um wieder arrangiert zu sein, das Geschäft weiter zu betreiben, ihr Haus fernerhin bescheiden zu erhalten und unwillkürlich ein Faktor und Förderer der österreichischen Industrie zu bleiben, denn die Grundlage der Prosperität einer Industrie ist der Konsum der Produktion derselben. Wie es mit diese« Verhältnissen in Ungarn oder anderen Ländern der zisleitanischen Reichshälfte bestellt ist, das wissen alle Fachleute und Jnteresseuten, die diesen Artikel lesen und solche vorzuführen, erachte ich als überflüssig. In Anbetracht, daß in Galizien infolge Mangels jeder Industrie alles, was nicht mehr bei der Landwirtschaft Raum findet, zum Handel sich drängen muß — und doch ist, wie statistisch nachgewiesen wird, der Durchschnittsverlust in diesem Lande ein wahrlich geringer — ist daher klar und deutlich ersichtlich, daß Vorsatz und Fraudnlosität zum sehr minimalen Teile bei den galizischen Fallimenten Mitwirken. Doch sage ich es hier offen und nnumwunden heraus, daß hier in Krakau bis etwa 1901 Bankerotte im Uebermaße auf der Tagesordnung waren, die zur Derontierung und Bloßstellung des seit jeher als solid und ehreafnht geltenden großen Krakauer Handelsplatzes beitrugen. Diese Fallimente.' die sich vom Jahre 1892 bis 1901 schlängelten, hatten zur Ursache: den Selbstäudigkeitstrieb der Handelsjugeud, die Kreditschleuderhaftigkeit mancher Wiener Kaifirmen und die Ausbeutungssucht hierortiger Eskompteure. Junge Leute, die nach der Verheiratung 3000—4000 Kronen im Vermögen hatten, etablierten sich hier, fuhren nach Wien znm Einkäufe und brachten auf Kredit genommene Warenmengen heim, die Wiener Firmen, welche Rimessen nötig hatten, leichtfertigerlveise zur Verfügung stellten. Solche Neuetablierten verkauften dann die Waare mit 5— 6"/„ Nutzen, dagegen zahlten sie 15 bis 20°l0 an Eskomptezinsen. Der Zusammbruch solcher Geschäfte war doch unvermeidlich und unter diese» Falliten waren in Wirklichkeit einige, welche mit Vorsatz darauf losgingeu, sich bei den Bankeroten Vermögen zu schaffen. In diesen kritischen Handelsjahren haben nicht bloß die Gläubiger gelitten, sondern die solide hierortige Kaufmannschaft hat unter der Last der allgemeinen Warenverschleuderung, die von den Wiener Großfabiikanteu und Großhändlern gefördert wurde, noch mehr gelitten. Aber sie hat die Krisis mit Ausdauer überwunden und den Platz ehrenhaft gehalten. Es kann daher nicht wundernehmen, daß dieser Kaufmann stand es absolut mit Entrüstung znrückweist, mit denjenigen hierin den Sack geworfen zu werden, die durch Wiener leichtfertiges Borgen und hohe Eskomptezinsen bankerotierten und naturgemäß fallieren mußten. Noch einmal die Nnbbinerwnhl in Wien. (Von einem ebenfalls unbeteiligten Landrabbiner aus Böhmen.*) Der ehrwürdige unbeteiligte Landrabbiner hat in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes einen sogenannten Epilog zu der letzten Wähl der drei Rabbiner in Wien veröffentlicht und zugleich dcn Mut gefunden, den leider andere Kollegen verloren zu haben scheinen. Ob sich wohl ein solches Vorgehen die Nabbinen in Ungarn, Dentschkand usw. so ohne weiteres gefallen ließen, daß einheimische Landeskinder-Zöglingc eines Institutes in der Metropole der österreichischen Judenheit beiseite geschoben und ausländischen Kandidaten der Vorzug gegeben wurde? Wir Juden in Oesterreich haben ein besonderes Faible für Ausländer; was vom Auslande kommt, gilt bei uns, der Einheimische aber gilt nichts, lieber dieses Thema wurde des Oefteren in den öffentlichen Blättern gesprochen und besonders in diesem geschätzten unabhängigen und unparteiischen Blatte; allein das ficht unsere Kultusvorstände nicht an. Wir hatten zwar nicht Gelegenheit, die oratorischcn Leistungen der Herren Probekandidaten zu hören, nur ab und zu drang ein Bericht über dieselben durch dieses Blatt att die Oeffentlichkeit und da wurden Zöglinge der Israelitischen theologischen Lehranstalt als besonders qualifiziert genannt; wäre damals gleich unter den Herren ein Plebiszit veranstaltet worden, sie wären sofort zum Rabbiner von Wien bestellt worden. Doch die Hörer denken und die Protektion, die leidige, ohne die in Wien nichts zu erlangen ist, lenkt. Wir wollen durchaus an der Qualifikation der Gewählten nicht rütteln, allein cs gibt zu bedenken, wozu man noch 9 Herren kommen ließ zu einer Kinderkomödie?! Daß die österreichische Regierung dem Rabblnerimport keinen Einhalt tut, fällt uns gar nicht auf. Das Gesetz vom 15./3. 1800, Rgbl. Nr. 57 stellt bloß die Bedingung: der Rabbiner müsse österreichischer Staatsbürger sein, und dieses Gebot wird ganz einfach umgangen. Für 50—100 Gulden findet sich irgend eine obskure Landgemeinde, die dem Ausländer die Zuständigkeit znsagt und er wird österreichischer Staatsbürger und seiner Bestätigung steht nichts mehr im Wege. Welchen Wert haben denn die Gesetze? Welchen Zweck hat dann das I s r a e l i t i s ch e t h e 0 l 0 g i s ch e Seminar in Wien, to e n n d i e größte G e m e i n d e O c st e r r e i ch s s i ch i h r e Rabbiner a » s Deuts ch l a nd verschreibt! Ja, die Zöglinge dieser Anstalt sind nur für die kleinen Gemeinden da, wo sie nicht nur Rabbiner, sondern auch Kantoren, Korerind Religionslehrer sein müssen, um sie ganz und voll anszunützen. Freilich hat diese theologische Lehranstalt ihre Mängel, da sie wohl vielleicht Prediger, aber keine Rabbiner im Sinne des Judentums — des alten traditionellen Judentums — heranbildct. Wie soll ein Jüngling, der mit 18 Jahren in das Institut in Wien eintritt, mangelhafte Kenntnisse des Hebräischen mitbringt, dort nur wenig Gelegenheit hat, sich in theologischen Kenntnissen 51t vcrvollkommen, es zu einer genauen Kenntnis des Talmud resp. der Kodizes usw. zu bringen, da er dieselben kaum lesen kann? Was kann man aber auch erlernen, ivenn es z. B. in dem Lektionskatalog heißt: Talmud Chulin 2 (!) Stunden wöchentlich .... von anderen Dingen gar nicht zu reden? Wer voll den Rabbinern, die zwar keine theologische Lehranstalt, aber eine alte Jeschiba besuchte, muß sich da nicht wundern über die Zauberkünste, tute es möglich ist, in 0 Jahren alle Gegenstände, die voll einem Rabbiner verlangt werden sollen, zu erlernen, dazu muß der Kandidat auch die Vorlesungen mi derUniversität besuchen! Da kommt es nun vor, daß, wie bekannt, viele Kandidaten das Seminar lnit dem Testimonium als Prediger — nicht aber als Rabbiner verlassen. Nun schadet ihnen dies gar nicht, unsere Kultusvorstände — wir glauben zunächst die in Böhnten — verstehen das gar nicht. Der Kandidat kommt voin Seminar aus Wieil, hat ein Doktordiplom in der Tasche — das genügt. Freilich sind sie Prediger, lvir hatten z. B. Gelegeilheit, solche Predigteil zu hören, die aber auch jeder andersgläubige intelligente Mensch halten konnte. In eitler Predigt zu Ostern lPessach, 1. Tag) hatte der Herr Duktor eine Abhandlung Alber die Freiheit des Individuums gehalten, in der auch nicht ein hebräisches Kitat vorkant lisiv. In der Bibliothek dieses Herrn fanden sich diverse Bücher, auch sozialpolitischen Inhaltes, aber keines — sage nicht eines theologischen, hebräischeil Inhaltes! Der betreffende Herr steht nicht allein da, er ist Absolvent des Breslauer Seminars, kein Dispensrabbiner,!vie sie sich der „unbeteiligte Landrabbiner" vorstellt. Derselbe verwechselt blaß die Begriffe eines Dispens von dem Grade allgemeiner Bildung, als welche das absolvierte Obergylililasinm gilt, mit dem Dispens der Hathora. Die so gilt gehaßten Dispensrabbiner haben jeder eine Hathora ltttb zumindest so viel theologischen Wissens als so mancher Absolvent des Wiener lind Breslatler Seminars. Die Statthalterei dispensiert bloß Volt der Beibringung des Maßes allgemeinen *) Wir veröffentlichen diesen intcressallteil Allfsatz, ohne llns in allen Punkten mit ihm zu identifizieren. Anm. d. Red. Wisseils irn Hiilblicke darauf, daß ein großer, vielleicht der größte Teil derselben geprüfte Lehrer waren, die zilinindest die Ullterklassen einer Mittelschule lind die Lehrerbildungsanstalt absolviert hatten, sie tvareil auch bis dahin Kantoren und Religionslehrer, hatten also auch praktische Kenntnisse erlangt und künileil sich sehr oft mit den graduierteil Herren nlessen; trotzdem müssen sich diese altgedicnten Männer niit Stellen zlveiten, drittelt trild vierteil Grades mit 800 bis 1000 ltttb 1200 Kronen Jahresgehalt begnügen, lveil auf besser dotierte Stellen Doktoren ans Wieir berllfcn werden. Von den zirka 200 Kultusgemeitlden in Böhmeil sind siebell Achtel mittlere und kleine Gemeiilden, jede halblvcgs größere Gemeinde hat ihren Doktor — ans Ungarn, Russisch-Polen itnb Deutschland, beginnend mit Prag, Pilsen, Reicheuberg, Karlsbad, Teplitz bis hinab zu der 40—50 steuerzahlendeil Mitglieder zählenden Geuleiilde. Wäre es da nicht air der Zeit, daß sich die eingeboreneil Rabbincll bereinigten und an die Regierung hcrailträten, daß diesem Import Einheit getair lverde! Gegenwärtig ivird ja ein Zolltarif beraten, der die starken Importzölle in Dentschland paralisiereil solle, da sollte die Regierung auch auf dieseil Import aufmerksam gemacht iverden, und wir zweifeln gar nicht, daß ttttfee Herr Kultusminister diesem Anträge nicht zugänglich lväre. Jil Deutschland habeil die Knltusbeamten dies durchgesetzt, daß selbst ein Kantor und Lehrer aus Oesterreich dort keine Nnstellung erhält; ttttv in Oesterreich ist alles nlöglich. Vereiiligeil lvir lins, raffen wir lins energisch auf, treten wir an die Regierung heran, daß sie diesem Importe Einhalt tue. Auf zll gemeinsamer Ablvchr, zil gemeinsamer Arbeit! A. * Löbli ch e R e d a k t i 0 ll I Jüdische Leser jüdischer Zeituilgcll erlauben sich anzufrägen, lvaruill Sie die Aufinerksanlkeit der galizischen Leser Ihres werten Blattes nicht daralif lenken, daß das „Slolvo Polskie" stark antisemitisch ist, und lvaruru lesen nufere Inden in Galizien dieseil Antisemiten? Warlim erhebt sich iil der jüdischen Presse kein Protestrlif dagegen? Warlim sind nufere Juden so dumm ltttb unterstützen dieses Scheusal? Bei der erstbesteil Gelegenheit iverden lvir dort verhöhnt und beleidigt, lind lvir „polnische Jllden" erquicken uns niit dem allpolnischen Patriotenblatte. Bitte Sie, sehr geehrter Herr Redakteur, iili Namen vieler Judeil, erheben Sie Ihre Stinline liild machen Sie den polnischen Jllden klar, es lväre die höchste Zeit, den polnischen Antisemiten nicht mehr zu uilterstützeii. Beteure es, lvären die Jllden nicht die eifrigsten Leser des „Slowo polskie", lväre es lange schon bankerott. Im Namcu vieler Jllden mich hochachtend zeichnend, empfehle mich ergebenst B e n N a b b i Z a a k 0 lv . A « f r u f a il die z i 0 n i st i s ch e S t u d e >l t c il s ch a f t O e st e r r e i ch s I Liebe Bundcsbrüder! Am 30. Jliili 1003 hat in Wieil der erste jüdische Stndententag Oesterreichs — von 19 Verbindungen und Vereinen beschickt — stattgefunden und hat ben „Verband Zionistischer Studentenkorporationen Oesterreichs" begründet. Wir alle haben bisher bei unseren Arbeiten unter der völligen Shstemlosigkeit und Zerfahrenheit gelitten, lvir alle ivüilschten „einen engeren Zusammenschluß der jüdischen Studenten gut*, gemeinsamen Arbeit im Dienste der zionistischen Idee". Wir zweifeln nicht, daß Ihr die Tatsache der erfolgten Begründung mit Freude begrüßen und nicht zögern lverdet, Euch unserem Verbände anzuschließen. Ihr werdet unsere Orgallisaiion stärken und Euch jenen Rückhalt verschaffen, dessen Ihr zur erfolgreichen Betätigung liicht entbehren köilllt. Beitrittsanmeldungen nimmt eiltgegen die Präsidialk 0 r p 0 r a t i 0 li: V e r e i ll jüdischer Ho ch s ch ü l e r „B a r Ko ch b a", Prag, Jernsalemsgasse 4. aus Chemiker Emma Loebl, I. A. B. der jüdischen akademischen Verbindung „Unitas" zeigt seine, Freitag den 3. Juli 1003,präzise 11"/, Uhr mittags im großeil Festsaale der Wiener Universität stattgeflindene Promotion zliiil Doktor der Philosophie an. * Kvnverswll der fünfprozentigen Prioritäten der Ersten Ungarisch-Clnlizischen Eisenbahn. Insgesamt lvird ein Kapital von 20 210 400 Gllldeil Silber — 40 438 800 Kronen in die Konversion einbezogen. Die Koiwersion füldet von fünf auf dreieinhalb Prozent und zwar in der Zeit vom 3. bis 20. Juli a. c. statt. Für Wieil ist die Unionbank mit i h r e it W e ch s e l st il b e n Einreichungsstelle. Ueberdies sind in Triest, Budapest lind Lemberg Kvnversierungsstellen errichtet worden. Oberlehrer in Wien nimmt Knaben aus gntem jüdischem Hanse in ganze Pension. Ferienanferrthatt im Gebirge. Vorbereitung für Aufnahmsprüfnttgen. „Oberlehrer 300" Stefaniestraffe postl. I Meyers Großes Konversations-Lexikon. Eill Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens. Sechste, gänzlich neilbearbeitete und vermehrte Auflage. Mehr als 148 000 Artikel und Veriveisllugeit auf über 18 240 Seiten Text mit mehr als 11 000 Abbildungen,. Karten uiib Plänen im Text lind auf über 1400 JllustrationStaselu (darunter etwa 190 Farbendrucktafelu und 300 selbständige Kartellbeilagen) solvie 130 Textbeilagen. 20 Bände in Halbleder gebunden zu je 10 Mark. (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien.) — „Astilbe bis BiSinarck" lesen lvir ans dem Rücken des zlveiten Bande linscrs „Großen Meyer". „Astilbe bis Bismarck!" Wie ilahe beisammen nucl) diese beiden Wörter in der Bnchstabenfolge zil stehen scheinen, so exweisen sich doch 1824 eng gedruckte Spalten nötig, um die alphabetische Brücke zlvischen ifjttett zil schlagen. Vergeblich bemühen lvir tms, innerhalb der engen 8 Grenzen dieser Besprechung auf Einzelheiten einzngehen, die sich 8 in solcher Fülle herandrängen, daß lvir keiner Wahl fähig sind. Denn B das ist das Wunderbare an diesem Buche, daß alles darin inter- I essiert. Man sucht eine» bestimmten Begriff, aber noch ehe er ans- 8 gefunden, fällt der Blick ans einen ailder», der uns zum Verweilen 8 zwingt, oder es reizt lins eine der herrlichen Bildevtafeln,' den H dazu gehörigeil Aufsatz zl> lesen, lind so konnnen lvir bei der Durchg sicht vom Hlindertsten ins Tausendste. Zil unseril beiden Stich- 8 Wörtern znrücktehrend, erfahren lvir in 8 Zeilen, haß „Astilbe" zur Gattmlg der Saxifragazeen gehört, wie sie anssieht, blüht, tu welchem Verbreitungsgebiet sie anzntreffell ist, solvie auch, daß eine ans Japan eingeführte Art bei »ns als Zierpflanze gedeiht. Und in 550 Zeilen ist Otto bon Bismarck geschildert, sein Werden und Wirkeil lind damit auch im großen Unlriß die Geschichte seiner, durch ihn gestalteten Zeit, lvir finden seine literarischen Werke und die Schriften verzeichnet, die sich lnit ihnen beschäftigeil, eildkich mul; die hauptsächlichste über Visularck selbst entstandene Literatur, ei» interessantes Kunstblatt mit . bier verschiedene Bismarck-Bildnissen ist dieser Abhandlung beigegeben. Wtr haben bei Erlvähmlng der beideil Artikel bett ihnen zugeteikteu Raum