Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 28 (10.7.1903)
- Date
- 1903-07-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 2« Wien, Freitag Jüdisches Volks Watt 10. Juli 1903 Seite 5 Jügerstraße 10, Eingang: Haustor) statt. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung Iverden die Mitglieder des Vereines höfl. ersucht, sich präzise halb 10 Uhr vormittags im Vereinslokale win- Sufinden- Im Interesse der -Ordnung ist es gelegen, wenn jedes Mitglied seine diesbezügliche Mitgliedskarte bei sich hat. Diejenigen Mitglieder, die mit Mitgliedsbeiträgen im Rückstände sind, werden höfl. gebeten, am 11. ds. im Vereinslokale um 8 Uhr abends gu erscheinen und -die restlichen Beiträge zu begleichen. Ebenso werden diejenigen Damen iinb Herren, die von irgend einer Veranstaltung ■ dieses Vereines Eintritts- oder Teilnehmerkarten zu verrechnen haben, gebeten, sich Samstag den 11. oder Sonntag den 12. ds. zu obeuangegebener Zeit im Vereinslokale einzufinden. Die WageSordtmitg der kommenden Generalversammlung lautet: 1. Ve- - richte des bisherigen Ausschusses, erstattet durch den Obmann Herrn Rudolf Rvsenthal. 2. Neuivahlen. 3. Anträge und Anfragen. 4.- Eventuelles. Ein vollzähliges, pünktliches Erscheinen ist unbedingt notwendig. Wien. (Verein jüdischer jugendlicher Ä r -t beiter „L e o p o l d st a d t", Stefauiestraße 8, Privatlokal.) Mittwoch den 15. Juli, präzise 8 Uhr abends, Vorlesung des neuen Werkes: „Ein Judenstreich" von Herma tut Hejerma tut jun. Diese tut nationalen Geiste gehaltene Dichtung. des berühmten 'ÄutorS dürfte großes Interesse erwecken und wird daher zahlreicher Besuch erwartet. (Gäste herzlich willkommen.) Die „Arbeiter-Zeitung" an der Arbeit. Die „A.-Ztg." obliegt mit ebensolchem Eifer tutd Hingebtutg der Aufgabe, Großkapitalistett vom Schlage der Länderbank-Direktoren und vott Millionären a la Kttffner dett Sozialismus mundtutd nutzgerecht gu tnachett. Mt viel größerem Eifer aber widmet sie sich der Arbeit, den antisemitischen Instinkten der Genösset: zu schmeichelt!. Dazu mußte auch die letzte deutsche Reichstagswahl herhalten. Das Jtldemnoment hat bei dieser Wahl mehrfach eine Rolle gespielt. 'Wir habett selbst einige Artikel des „Vorwärts" reproduziert, aus betten hervorging, daß die Sozialdemokraten sich sehr heiß um die jüdischen Stimtnen und, ivie der Ausfall bewies, nicht ohne Erfolg betrachten. Von diesen Artikeln des „Vortvärts" nahm die „Arbeiter-Zeitung" auch tticht mit einem Worte Notiz; dagegett reproduzierte sie mit Wollust eilte Korrespondenz des „Vorwärts", in dem das Vorgehen von Juden, die für dett Aittisemiten Böckler gegen den polnischen Kandidaten Propagatida machtett, gebührend gebrandmarkt wird. Wir haben cs wirklich nicht nötig, über unsere Meinungen in dieser Angelegenheit attch mir ein Wort zu verlieren. Wir müffen aber die Auslassungett der „A.-Z." ein bißchen niedriger hängen. Sie schreibt: Ritualmordabgeordneter von der Juden Gnaden. Daß es ein paar Atttisemiten geglückt ist, in den deutschen Reichstag zu kommen, verdanken sie nur der „Ordnuttgs">vut der bürgerlichen Parteien, denen bei dett Stichwahlen nietnand zu schlecht war, gegen einen Sozialdemokraten gewählt zu werdet:. Die jüdische Orduungsbestie machte es genau so wie die christliche. So verdankt auch der Redakteur Böckler der Berliner „Staatsbürgerzeitung", die im Nitualmordblödsinn alle ihre Konkurrentinnen schlägt, seine Wahl den polnischen Juden des Wahlkreises Schlochau-Flatow. Und nicht einmal die Angst vor den Sozialdemokraten, den Feinden des Kapitalismus, die alles begreiflich macht, war es, die jüdische Kapitalisten und ihren geistlichen Hauskttecht zur Agitation für den Ritualinordgcsellen augefeuert hat. Schon vor dem polnischen Gegenkandidaten des Böckler hatten sie solchen Abscheu, daß sie für den Etttdeckcr von Ritttalmorden agitiertet:. Die „Staatsbürgerzeitung" bestritt das, weshalb der „Vorwärts" gestern folgendes Flugblatt veröffentlichte: „Werte Glaubensgenossen! Herr v. Komierotvski (der polnische Gegenkandidat Böcklers) ist nach seinen gestrigen Erklärungen nicht der Mann, dem ein deutscher Jude seine . S.timme in der Stichwahl geben kamt, da er sein Polentum in den Vordergrund stellt. Es wird uns schwer, einem Antisemiten vom Schlage Böcklers zutn Siege zu verhelfen, es bleibt utts aber keine Wahl. Wir empfehlet: daher, entweder Böckler zit tvählen oder dem Wahlakt ferttzubleiben. Prediger Lewin; Blumenthal, Stadtverordneter; Julius Neunrann, Mühlenbesitzer." Bahnbrechend sittd . Fiese drei Jttden ittsofern tticht, als matt denselben Vorgang, als es sich tnn Wvhlkämpfe zwischen Autisemitett uttd Sozialdemokraten hmtdelte, mich außerhalb Deutschlmtds beobachten konnte. Also: Die Tatsache, daß für die Sozialdemokratert speziell in 'Berlin'tausende jüdischer Stimmen abgegeben ivurden, unterschlägt die „Arbeiter-Zeitting" einfach. Die Tatsache, daß in Sachen der Stichwahl Schlochau-Flatow von allen jüdischen Blättert:, von den ^rationalen bis ztt den assimilatorischestett, die Parole ausgegeben war. gegen den Antisetnitett zu stimtnen, eine Parole, die attch von 'den «reisten Jttden befolgt lvurde, tmterschlägt sie ebenfalls, dagegen weidet sie mit Behagen den Unrstand, daß einige assimilatorische Juden so ehrlos wäret:, für dett Antisentiten ztl stimntett, aus, um alle Jude,: mit Kosenamen, Ivie „jüdische Ordttttttgsbestie" zu beschinrpfetl. Wir erklären aber der „A.-Z." ins Gesicht, daß die 'Juden, die siir den Antisetnitett stitntnteu, Gesimtuttgsgertossen der ,,Ärbeiter-Zeitung"-Judett lvarett. Ein nationaler Jude ist einer .solchen Tat nicht fähig. Das wird selbst die „A.-Z." zugeben. Mner solchen Gemeinheit ist nur ein Assimilationsjude, der irgend ettwaH, sei 1s Deutschttin: oder Sozialdemokratie, über das Judentum fetzt, fähig. Und diese Grundsätze der Assimilation werden istets von der „A.-Z." vertreten. Wohin aber diese Grundsätze führen, beweist die Stichwahl SchlochauFlatow. ii Israelitische Allianz. Die Sammlung ztt Gnttstett der Opfer der Massäcres in Kischenew hat bis heute insgesamt zirka 208 000 -Krotten erreicht. Zu den bereits veröffetttlichtett Satnntlungs-Ergebnissen, ip, einzelnen ZAlltusgemeinden sittd folgende hittzugekontuten b?zw. .nachzutrageu,: .Mähr.-Ostrau (dttrch Hernt Moritz Kraßuh, Ohmmnt des Lokal-Kotnitees der Jsr. Allianz) K. 2082.60, darunter vott Mähr.- tutd Poln.-Ostrauer Getneindemitgliedern '2l)25.,M Kr., .vott Pxivoser Mitgliedern 190.60 Kr., vom Verein .„Hychnäh" 30 Kr., mls. Witkowitz 232 Kr., aus Oderberg 104.50 Kronen, aus Hrztschan 100 Kr.; Agrant durch die Jsr. Kultus'?ietnettrde, 2. Sämmluttg 1300 Kr. (ztisatnmett mit der 1. Satnmuttg 2600 außer dett dttrch die löbl. Redaktion der „Agrmner Zestnttg ".infolge der verdiettstlicheit Initiative des Herrn Jgu. Ärmtjtz.-gesgmtn?lren und bereits tttitgeteilten Betrüget:. Essegg, .'L.^Sguchtluttg 666.16 Kr., darunter: aus Essegg-Unterstadt 142.00 Kxqnxn,.mrs Neu-Grahiska 197.90 Kr., S. H. Gutmann de Gelse in- Bssljsee Kr. 100, Emil Rosettfeld 20 Kr., Sannnluttg Oskar Notjßnann, 10.68 Kr., Dp. H. Plachte, Alex. Bächler, Geza Bauer, -Nr.-Ate-infeld je 10 Sit.) zusamtnett mit der 1. Sammlung 1873.18 .Kxytten; Oltntitz,.durch. Herrn Nabb, Dr.B. Oppettheim, und ztvar: -I. uKyM.,Saminhtyg d«r>,KuttuSg«nrerttde-. 92- Kr., 2. -Erlös-aus '«cknuneWchsen, veranlaßt dttrch Herrn Vizepräsidenten Josef Löw 60.06 Kr., 3. Reinertrag einer Kinderakademie im k. städtischen Redoutettsaal 1282 Kr., 4. Sammlung bei der Hochzeit Gehler Klein tu Kunzendorf 70 Kr., zusammen 1494.00 Kr. Prag, weitere Sendung 634.60 Kr., Böhm.-Leipa Kr. 571.38, Trautenau 429 Kr., Hermanmestez 340 Kr., Wsetin 100 Kr., Teschen, durch die Jsr. Kultusgemeittde 742 Kr-, Karlstadt 376Kr., daruttterKulwsgemeinde und Chewra Kadischa je 60 Kr., S. u. H. Kramer 25 Kr., Sarajevo 247 Kr., Krumau 227 Kr., Vlasim 171.40 Kr., Chrzanow Kr. 169, Drohobycz 130 Kr., Krakau (B. B.) 100 Kr., Floridsdorf 386.30 Kronen, Triesch 249 Krotten, Mtstelbach, 2. Sendung 40 .Kr., Baden Kr., Gr.-Enzersdorf 57 Kr., Brüx 99.80 Kr., Butschowitz 50 Kr., Weitentrebetitsch 48 Kr., durch die Oester.-Jsr. Union 64 Kr., Sniatht: (durch Vermittlung der Jsr. Kultusgemeittde in Wien), Sammlung der Herren Josef Rosenkrattz und Gedalie Kohn 105.63 Kr., darunter B. Silberbusch 20 Kr., H. Wesselbergcr 14 Kr., M. Wechsler, Josef Kohn und Juda Kohn je 10 Kr. Vergnügungs-Komitee des Allgemeinen jüdischen Arbeitervereines, Wien, 2. Vez., Stefcmiestrahe 8. Einladung zu dem am Sonntag den 19. Juli 1903 statffindenden Gartenfeste in Leopold Czertts Gasthofgarten, Grittzing, 19. Bez., Grinzinger Allee 60. Konzert einer beliebten Wiener Kapelle. Humoristische, ernste und Gesangsvorträge unter Mittvirknng der Theater-Sektion des Vereines jüdischer jugendlicher Arbeiter. Coriandoliwerfen, Gesellschaftsspiele. Schönheitskonknrrenz mit drei Damenpreiseit. Jtn großen Saale Tattzkränzchen. Zusammenkunft präzise 2 Uhr nachmittags an dett Stadtbahnstationen Schottenring uttd Brigittabrücke. Teilnehmerkarten zu 20 H. (jugendliche Arbeiter 10 H.) sittd erhältlich im Cafe Blumschein, 2. Bez., Unt. Augartenstrahe 19, im Cafe Kömpf, 20. Vez., Jägerstraße und im Cafe „Zur Börse", Wipplingerstvaße. Bei ungünstiger W'ittermtg findet das Fest Sonntag den 26. Juli mit demselben Prograrmn statt. Bei zweifelhaftem Wetter Ansktlnft im Vereinslokale Stefaniestr. 8 und in den vorerivähttten Lokalen. Kollegen, Kolleginnen und Gesinnugsgettossen! Agitiert itt Bekanntenkreisen für einen zahlreichen Besuch! Allgemeiner jüdischer Arbeiterverein, Wien, 2. Bez., Stefaniestraste 8. Samstag dett 11. d. M. präzise 8 Uhr abends findet die ordentliche Generalversammlntig des Vereines statt. Tagesordnung: 1. Verlesung des Protokolls der letzten Monatsbersmnmlting; Rechenschaftsberichte des Obmannes, des Kassiers und der Sektionen; 2. Neuwahlen; 3. Bericht der Delegierten über den 3. österreichischen Zionistentag; 4. Anträge ttnd Interpellationen. Die Vereinsmitglieder werden ersucht, bestimmt und pünktlich ztt erscheinet:. Verein Jüdischer Handelsangestellter, Wien, 2. Bez., Stefaniestrasre 8. Sonntag den 12. d. M. Ausflug auf die Hochramalpe. Ztisanrmenkunft 2 Uhr 45 Min., Abfahrt 2 Uhr 61 Min. nachmittags vom Stadtbahnhof Schottenrittg. Gäste willkommen. — Sonntag den 18. d. M. Bericht tntseres Delegierten Gesinnungsgenossen Moses Schmitt über den 3. österreichischen -Zionistentag. — Sonntag den 1. August Vorlesung: Dr. Kohn bon Max Nordau. Negiebeitrag 20.H. Gäste.willkommen. - Israelitischer LandeSlehrerveretn i» Böhme». Die Hauptversammlung findet am 23.. und 24. August 1903 statt. Tagesordnung: Am 23. August abends im Hotel , Bristol", Prag, Langegasse, geselliger Beisammensein. Am 24. August im Hotel „Bristol", 8 Uhr vormittags: Hauptversammlung. 1. Verlesen und Genehmigungdes letzten Protokolls. 2.-Methodischer Vortrag. 3. Geschäftsbericht über das 30. Vereinsjahr. (Rabbiner M. Freund, Bodenbach). 4. a) Kassabericht und Feststellung der Jahresbeiträge pro 1904. (Religionslehrer D. Löwy, Prag), p) Nevisionsbericht. 5. Unsere „Mitteilungen". (Rabbiner M. Freund, Bodenbach.) 6. Anträge des Vorstandes. 7. Anträge der Mitglieder. 8. Wahl des Vorstandes und der Revisoren. Ung.-Brod. Am 1. ds. fand die Schlußprnfung an dem hiesigen Privat-Gymnasium statt, deren Ergebnis mit allgemeiner Spannung entgegengesehen wurde.- Es freut uns, konstatieren zu könttett, daß die junge Anstalt alle Erwartungen erfüllt hat. 'Die Unterrichtsresultate in den Gymnasial-Lehrgegenständen wurden vorn Herr:: Stöckl, Direktor des k. k. Staats-Obergymnasiums itt Kremsier als glänzende bezeichnet, und daß der Unterricht im Hebräischen auf gleicher Stttfe stand, daft'tr bürgt die Person Sr. Ehrw. Herrn Dr. M. Jtlng, uttter dessen Leitung die Attstalt steht. Den verschiedetten Vorkenntitissen der Schüler etttsprechend, tmtrde das Hehräische itt drei Abteiltmgett uttterrichtet, tmd zlnar in der ersten: Pentateuch, itt der zweiten: Pentateuch mit Rasch: und Mischnajoth mit Bartcttnrah, in der dritten: Talmud. Möge die Anstalt, deren Erhaltttng ein eminentes Interesse des Judenttnns bildet, blühen und gedeihen! Möge sie recht viel Gönner finden, die es ihr ermöglichen, das sich gestellte Hochziel zu erreichett: die Jugettd ztt jüdisch denkenden und fühlenden Menschen herattzubilden, die das Judenttmt aus eigener Ileberzeugttttg lieben und von echt jüdischemGeiste beseelt, als Mtster hoher Intelligenz, edler Gesitttittg und tteser Religiosttät glänzen. Jttd.-akad. Leseverein „Emunah". Das Ergebnis der Chargenwahl dieses tteugegründeten Vereines war folgendes: stttd. jur. Wolf Weidettfeld, Präses; stttd. phil. Hermmm Last, Vizepräses; sind. jur. Leott Kräuter, Schriftführer. Fertter kantet: in den Ausschuß: cand. jnr. Berger, cand: phil. Eidinger, stttd. jur. Schwitz, sind. jur. Hecht und stttd. chhil. Leßner. Ikonferenz für Kischenew. Am- 29. mtd 30. Jttni tagte in Berlin eine vom Hilfverein der denffchen Juden oinberufene Konferettz, an der alle diejenigen Organisattanett teilnahmen, die sich in hervorragendem Maße an den Sammlungen für unsere in Kischenew dnrck) die Exzesse geschädigten GlMibensgenossen beteiligt haben. Das Präsidintn bestand mts den Herren James Simon (Hilfsverein der deutschen Jttden), Jttstizrat Lachnmttn (Jewish Colonisation - Associatiott), Dr. Rosenthal-Breslau (Alliance Jsraelite Universelle), Dr. Alfred Stern-Wien (Israelitische Allianz), Elkan Adler-London (Anglo - Jewish Association) . Der Versammlung lagen die- Berichte verschicdetter Herrett vor, die im Attftrage der Vereine Kischettew besucht hatten, um sich an Ort und Stelle von der Grüße des--Schadens ztl überzettgett ttnd die Zwecktnäßigkeit des Verteilungsmodttö der Hilfsgelder-zu prüfen-, den Pas Komitee in Kischenewanlvendet: Die Sumnte des bisher angetneldeten Schadens beträgt 2 332 890 Rubel. Die Geschädigten sind gattz überwiegend arme Leute, Handwerker, Kleinkauflente, Arbeiter, Kutscher nsw. Der Schaden, den die besser Bemittelten erlittet: habett, der cbettfalls tticht ntterheblich ist, konnte in diese - Summe nicht eingerechnet iverdcn, da diese -Klasse der -Geschädigten aus leicht begreiflicher Rücksicht-austihren Kredit Bedenkett trägt, ihren Schadenöffentlich tttitznte-ilen.- Die genaue Litte der Verletztet! stellt sich anf-47 Tote, 02 Schwerverwundete und 346 Leichtverwundete. Die -Getöteten- und bis jetzt de:: Folget: der Vexletzungett Erlegenen habenznsmnnten 66 Mtlvcn und 123 Kinderhiitterlassen. Dett: Hilfskotttitee ii: Kischettew sind bisher an Geldern zirka 700,000 Rubel zugeflossen---dartmter zirka 4Y.0 000-Rubel-aus Rtlßland, der 9iest atts den verschiedenen Lättdern Ettropas -und Anterikas. Diese Gelder hat das Komitee in .eiiter Weise vertvendet, die: dett Beifall aller Delegierten gefmtden hat.. .- Nachdem -die ersteunmittelbare -Not durch Vertreibtmgvon Lebensntitteln, vott Kleidttng, Wäsche nsw. einigerntaßett eingeschrätttt war, hat sich das-Komitee, welches mit-- seinen Vertraue nsmättttertt mts zirka 100 Personen besteht, die Aufgabe gestellt, die Geschädigten in einer Weise zü unterstützen, daß dieselben wieder zu einer selbständiget: wirtschaftlichen Existettz gelattgen könnet:. Natürlich sind in erster Linie die nötigsten Mittel fiir die Erhaltttng der Fmmlien der Opfer, sotvie für die dauernd arbeitsunfähig Gewordenen in misrcichettder Weise sicher-gestellt worden. Diese Klasse umfaßt etlva 100 Familien. Die ihrer Existenzmittel durch die Krawalle Beraubtet: sittd leider unvergleichlich zahlreicher: diese Kategorie umfaßt über 2700 Familien. Endlich kommt ttoch die zuverlässig kaum zu übersehende Zahl der indirekt Geschädigten hinzu, die ihre Arbeit verloren haben, Iveil die Werkstätten zerstört worden oder bereu Geschäfte infolge der ciitgctrctenen allgemeinen Krisis in Kischenew^ stocken nsw. Da die dem Komitee in Kischenew ztir Verfügung stehenden Mittel nicht einmal für die zlveite Kategorie misreichen, konnte die dritte mir in ganz geringem Umfange, in Fället: der allergrößten Not berücksichtigt tvcrden. Auf Grund des übereinstimmettdett Urteils der nach .Mschcttew entsendeten Vertranensmnttner der tvestenropäischen Vereine wurde die bisher befolgte Methode der Verwendung der Gelder für gut befunden tutd zugleich dem Komitee in Kischenew seitens der an der Konferenz beteiligten Korporationen weitere, größere Mittel zur Verfügung gestellt. Neben den für die unmittelbare Unterstützung bestimmtet: Geldern imtrde fertter noch eine Anleihe für kleinere Darlehen bewilligt, sowie zur Unterstützung von jüdischen Handwerkern. Auf Grund der bisherigen Erfahrttngen wird versucht werden, den jüdischen Handwerkern: Veschäftiguitg und damit Lebensunterhalt ztt geben. Es wurde fertter durch Herrn Bergel, der im Aufträge des Hilfsver-- eincs uttd der Logen in Kischenew war, bekannt gegeben, daß mehr als 400 Prozesse wegen Schadenersatz schweben, obgleich die Hoffnungen auf materielle Erfolge aus diesen Prozessen leider in Rußlmtd sehr geringe sind, da ttach rttssischem Gesetze die Klagen auf Ansprüche nicht gegen den Staat oder die Gemeinde, sondern mir gegen die einzelnen Beamten und die Exzedcnten sich richten köitnen. Einstimmig hat ferner die Konferenz beschlossen, eine Emigration nicht nur nicht zu unterstützen, sondern ihr ntit alle:: Mitteln entgegenzutreten, da hierfür keine Gelder vorhandei: sind. Eine lmtge und eingehende Diskussion über diesen Ptittkt hat gezeigt, daß eine Emigratiot: in diesem Momettt zu einer Katastrophe von tinübersehbarer Tragweite führen müsse uttd daß daher derselben in jeden: Falle zu widerraten ist, auch wenn dies als Härte erscheint. Die Versammlung, die ein erfreuliches Bild des Znsammenarbeitenaller bei diesem Liebeswerk betätigten ^Korporationen bot, schloß mit warmen Dankeswovten des Vorsitzendei: an die Erschienene::, für welche die Herren Dr. Stern, Elkan Adler und Rabbiner Dr. Horo- Ivitz das Wort ergriffet:, um den Heren Jmnes Simon und Dr. P. Nathan ihrerseits zu danken für die Einberuffing der Konferenz und für ihre mühevolle und aufopfernde Tätigkeit. Das Schächten in Deutschland. Eine für die jüdischen Genteinden uttd die freie Religionsübung der Juden überhaupt bedeittsame Eickscheidung ist jüngst getroffen. Für das städtische Schlachthaus in Angertnünde wurde am 14. April 1894 eine Betriebsordnung erlassen, die auch Bestimmungen über die nach jüdischem Ritus vorzunehmenden Schächttmgen ettthält. Diese Bestintniungen sind durch Bekanntmachung des Magistrats vom 1. Juni 1901 ab durch neue ersetzt, die das Schächten nicht zulassen, sondern die Tötung durch Schlagbolzen nsw. anordnen. Der Kaufmann Frmtkenstein bat im Dezember 1901 um die Erlaubnis zur Schlachtttng eines Rindes nach jüdischem Ritus im städtischen Schlachthause, wurde jedoch vom Magistrat abschlägig beschieden. Frankenstein erhob schließlich Klage und behauptete, das Schächtverbot verstoße geget: die den Juden gesetzlich durch das Allgemeine Lmtdrecht und die Verfassung gewährleisteten Rechte; es werde den Jttden in Angerntünde unmöglich gemacht, ihren Religionsvorschriften zu genügen. Die freie Religionsübung kötme für einzelne Orte durch Gemeindebeschlüsse nicht Mlfgehoben werden. Der Bezirksmtsschuß wies jedoch die Klage als unbegründet zurück, da die Genteinden infolge der ihnen gesetzlich zustehcnden kommunalen Autottomie beftigt seien, die itt ihren Schlachthäusern anzuwendenden Schlachttnethoden festzulegen uttd das Schächten schlechthin zu verbietet:. Diese Entscheidung focht Frankettstcin beim Ober-Verwaltungsgericht mt, welcher indessen der Ansicht des Bezirksausschusies beitrat und ausführte, keine eit: öffentliches Schlachthaus unterhaltende Gemeittde sei verpflichtet, die Anwendung des Schächtschnitts zu gestatten; vielmehr folge ihre Berechtigung zu einem entsprechenden Verbot ans der Befttgnis, Normativbeftimmuttgen auch über die anzttwettdende Schlachttnethode auszustellen. Bern. (Schweizer Israelitischer Ge» m e i n d e b u n d.) Es ist emstlich davon die Rede und dürfte in kiirzester Zeit eine vollendete Tatsache werden, daß sich alle jüdischen Gemeinden der Schweiß zu einem gemeinsamen Bunde vereinigen wollen, welcher in allen die Juden betreffenden Angelegenheiten das entscheidende Wort ansgeben wird. Der Bund würde durch ein aus den ablegierten Mitgliedern der einzelnen Gemeinden hervorgchmdes Zentral-Kvmitee geleitet, werden. Eitle Gemeinde, die aus fünfzig Mitgliedern besteht, entsendet einen Vertreter, diejenige von hnndeck Mitgliedern deren zwei nsw. der Bund will nur die politisch-sozialen Fragen, aber nicht bte religiösen internen verfolgen. Die' Schweiz hak 22 Gemeinden mit einer jüdischen Gosamtbevölkerung von ca. 12 600 Personm. Die Plünderttngen in jrtschenew. Aus Petersburg tvird berichtet: Vor weniget: Tagen ist eine Deputation der KnUfmmmschaft aus Kischenew hier eingetroffen, um beim Finanzminister wegen der schweren Krisis vorstellig zu werden, tvelche die ganze Kaufmattnschaft der Stadt nach den entsetzlichet: Tagen vom 19.. ttnd 20. April betroffen hat. Die erwähnte Deptttation hat dem Fitmnztninister eine Denkschrift überreicht, in welcher Wiele Eittzelheiten jetter Schreckenstage hervorgehobetr werdet:, die ztt eittem völlige:: Stillstand in Hattdel und Wandel geführt haben. Itt per Denkschrift heißt es unter andern:: Die Zerstörting von Häusern und Handlungen, Plüttderttng ttnd Mord bildeten in jenen Tagen eine ungewöhnliche Erscheinung im Leben ttnserer Bevölkcrnttg, tvelche einen erschütternden Eindrtick auf alle Einwohner herborrief und von nachhaltigem Einfluß mif alle Kaufleute uttd Industrielle lvar. Unt die Lage, itt welcher sich der Handclsstattd befindet, nur a:rttähernd zu kennzeichnet:, seien folgende Zahlen herborgehoben: Ausgeranbt und vernichtet wtirden zirka 100 Weinhandlüng'eti, 41 Frttchthctndlungen, zirka 300 Kolonialhaadlungen, - 9 Hutntagäzine, 4 Fabriken. 8 Fischhattdlungen, 4 Gemüse- und FleischbNden, 1 Henlager, 61 Brotbudett, 15 Geschirrhnndlungen, 16 Magazine ntit fertigen Kleidern, 21 Manüfakturhattdluttgen, 46 Galmtteriewaren-Handlnngen, 20 Fleischerladen, 28 Sehuhtttarenladen, 2Holzlager. 3 Drogetthandlungen und 2 Apotl>ekett. Petersburg. Die Staatsbank in Kischenew erhielt die Weisnttg.vdie im April und Mai erhobenen Wechselproteste ben betreffenden dortigen Finnen zu diskontieren.