Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 27 (3.7.1903)
- Date
- 1903-07-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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s 1 AW -WWW UMsi i siM it^' f..'i,iibi »■'■# rtc'? ■n ih ■Mi. Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 3. Juli 1903 Nr. 27 d i c u n t e r d r ü ck t e u N a t: o n a l i t ä t e u das P o st - d e b i t eutzoge:: tv o r d e n. Ums» erfreulicher ist es, wenn es sich zeigt, daß unsere Politik nicht nur dem Gerechtigkeitsgefühl entspricht, sondern auch klug ist. Roosebelt könnte als Präsident einer Republik nicht für die Juden eintreten, tvenn nicht das amerikanische Volk Sympathiei: für die unterdrückten russischen Juden empfände. Und Roosevelt wäre nicht für die Juden eingetreteu, wem: er nicht, wie er tt: seiner Rede erklärte, uoraussetzte, dag die Juden auch gegen die Unterdrückungen eines christlichen Volkes auftreten würden. Die Sympathien der Machthaber ftnb unberechenbar; auch in Kischeucw zeigte es sich, das; der — Zar weit sei. Die Sympathien der Völker, hat man sie einmal erworben, sind biel dauerhafter; nur Haber: sie zur Voraussetzung, daß die Politik der Juden mit den V ö I k e r r: uird nicht mit den momentane:: Machthabern rechnet Der Kursiosität halber wollen wir rwch konstatieren, dag das „Neue Wiener Tagblatt" sich dazu aufschtvang, einen Artikel über Roosevelt zu bringen, aber!vas rwch merkwürdiger und für ur:sere Wiener Presse bezeichnend ist, ohne das; in dem ganzen Artikel ein einzigcsmnl das Wort „Jude" vorkommt. Das Wort „Jude" steht beim „N. W. T." aus der Proskriptionsliste. Nachstehend einige Blätterstimnlen über die Aktion Roosebelts: Roosevelts Intervention in der KisckMew-Affäre hat laut Meldung des „Expreß" mehr Aufsehen in Washington erregt als irgend ein Vorfall seit Clevelands berühmter Botschaft über Eng land und Venezuela. Der „Morning Post" wird gemeldet, daß einige Gefahr eines diplomatischen Bruches bestehen soll. Botschafter Graf Cassini hat auf Instruktionen aus Petersburg hin Staats sekretär Mr. Hay benachrichtigt, die Ausführung der Roosevelt'schen Absicht würde als „äußerst unhöflich" angesehen werden. Man spricht davon, daß Graf Cassini sich auf einige Zeit von Washington zurückziehen könnte, um dadurch die Verstimmung seiner Regierung zum Ausdruck zu bringen. Angeblich wird Cassini in seiner Beurteilung der Haltung Roosevelts von anderen Mitgliedern des diplomatischen Korps unterstützt. Cassini hat das denkbar Möglichste getan und Hay wiederholt besucht, um die Zurückhaltung der Petition durchzusetzen. Er hat damit gedroht, daß Rußland eventuell mit einem Protest gegen das Lynchen im Süden sich für die ihm zugefügte Beleidigung revanchieren könnte. Roosevelt aber beruft sich, wenn seine eigenen Minister und amerikanische Völkerrechtslehrer ihn bitten, die Angelegenheit ruhen zu lassen, auf Präzedenzfälle; denn ähnliche Proteste gegen antisemitische Ausschreitungen in Rußland wurden schon von den Präsidenten Harison und Arthur erlassen. Die russische Diplomatie wäre die letzte, von der sich Roosevelt eine Lektion über diplomatische Ethik und Anstand erteilen ließe. Wie der „Daily Telegraph" in Erinnerung bringt, haben schon seit längerer Zeit Gerüchte über diplomatische Friktionen kursiert, und ein halbamtliches Dementi mußte die allgemeine Meinung zerstreuen, daß zwischen Cassini und Roosevelt ein Bruch bevorstehe. Die amerikanische Regierung hat aber aus ihrem Unwillen über Cassinis Führung der mandschurischen Verhandlungen nie ein Geheimnis gemacht. Der amerikanische Gesandte in Peking, Conger, war über die Kritik, welche Cassini an seinem Berichte über die russischen Einsprüche in der Mandschurei übte, aufgebracht und verlangte von Hay, er sollte Cassini um Aufklärungen ersuchen, aber Hay verweigerte dies. Darauf sendete Conger weitere Berichte mit ausführlichen Belegen zu seinen früheren Berichten, darunter den Originaltext der Forderungen, welche der russische Gesandte gegenüber dem Prinzen Tsching aufgestellt hatte. Cassini leugnete nach wie vor alles. Seither ist Roosevelt über die zynische Verachtung der Wahrheitsliebe, die er von der russischen Diplomatie erfahren haben will, entrüstet. Der Korrespondent der „Times" in New-Uork meint, der Vorfall habe zunächst den praktischen Erfolg, eine große Vernlehrung der Unterschriften, mit dei:en die Petition versehen wird, zu veranlassen. Bürger aller Rassen und Konfessionen beeile:: sich, nachträglich ihre Unterschrift zu geben. Die „Times" selbst schreibt über diese Angelegenheit: „Die Aktion der Vereinigten Staate:: ist ungewöhnlichen Charakters, aber ungewöhnlich sind auch die Umstände. Der Zustand der Juden in Rußland ist längst eine Schmach für eine Großmacht gewesen, die sich christlich und europäisch nennt, namentlich in den vielen Fällen, in denen sie sich als privilegierte Schirmherr!:: unterdrückter Nationalitäten im Kampfe gegen politische Unduldsamkeit und religiösen Fanatismus aufspielt. Wie groß auch die Schwierigkeiten sein mögen, welche die jüdische ^rage in Rußland aufwirft, so können sie nimmer die grausmnc Politik des Ostrazismus und der Unterdrückung rechtfertigen, welche offenbar das Alpha und Omega russischer Staatskunst in dieser Sache darstellt. Noch weniger können sie die scheußlichen Szenen von Mord und Raub mildern, die jüngst in Kischcnew vorgingen. Herrn v. Plehwes umständliche Dementis und gewundene Erklärungen können nicht die Tatsache abäudern, daß diese Ausschreitungen das direkte Resultat einer langwierigen antijüdischen Agttatwn waren, tvelche unter dem vollen Schutze der russischen Behörden :n den vom Ministerium des Innern subventionierten Blattern betrieben wurde. Auch die Tatsache bleibt aufrecht, daß zwe: Tage lang die jüdische Gemeinde von Kischenew auf Gnade und Ungnade organisierten Bauden von Strolchen ausgeliefert wurde, und zwar unter den Augen einer großen Polizeimacht, tvelche aktiv mithalf, und einer Garnison von 10 000 Mann, deren verspätetes Eingreifen den künstliche,, Charakter der Unruhen klarlegen half. Schließlich hat die amtliche Untersuchung bloß eine groteske Travestie der Justiz zutage gefördert, die fast häßlicher ist, als e:ne offene Erklärung der Straflosigkeit." Die „Tiines" „Der Beschluß der Unionsregierung, die Petition, sobald sie unter fertigt sein wird, an Rußland zu befördern, ist nach reiflicher Er Wägung und nach der Kundgebung seitens Rußlands, daß es jede Vorstellung zurüäweisen werde, erfolgt. Die jetzige Ablehnung ist also ein Urustand, auf den die Unionsregierung vorbereitet war Schwer anzunehmen ist, daß selbst die mächtige russische Bureau kratie riskieren könnte, die Petition in den ministeriellen Mappen verstaube» zu lassen. Wenn sich ein Mann Ivie Roosevelt nach reiflicher Ueberlegung zu einem solchen Schritte entschließt, so ver leiht seine Aktion der Petition ein Gewicht, das weit über ihre ursprüngliche Bedeutung hinausgeht und verbietet, die Petition unerledigt ad acta zu legen. Die amerikanische.Diplomatie kann das Ohr des Zaren erreichen, dem einige seiner Minister offenbar die Wahrheit vorenthalten wollen, und außer den Juden können noch andere russische Untertanen Grund zur Dankbarkeit hierfür haben." Daß diesmal die russische Burcaukratie ihren Meister ge fanden, glaubt auch der konservative „Globe", der meint, das einig borgelustige Rußland könne zu allerletzt die Meinung der zivilisierten Welt verachten, und Herr v. Witte müsse längst die Augen auf die Amerikaner als künftige finanzielle Freunde gerichtet haben. Roosevelts Aktion dürfte Wittes etlvaige Hoffnungen arg durchkreuzt haben, und es sei aussichtslos, eine Petition, tvelche Roosevelt in die Hand nimmt, in Amerika oder in Europa als Er gcbnis des Vorurteiles oder der unvollkommenen Sachkenntnis zu verurteilen. Graf Cassini glaubte trotzdem noch gestern, sich wegwerfend über den Dilettantismus der amerikanischen Diplomatie äußern zu können. Jedenfalls b e tv e i st auch die neuerliche Intervention Amerikas, wie wichtig d ie Er r e g u n g der öffentlichen Meinung für die jüdisch ePolitik ist. London. Graf Cassini hat sich einen förmlichen offiziösen Preßdienst eingerichtet und läßt halbamtliche Noten über seine Polemik mit Roosevelt durch ein Preßbureau verteilen. Der „Times"-Korrespondent meldet als Inhalt der neuesten derartigen Note, es werde als ein ernster Angriff auf die Aufrichtigkeit des Präsidenten angesehen, daß man seine Aktion mit den internationalen Verhandlungen im fernen Osten oder mit der Treue in Verbindung bringt, womit Graf Cassini seine Negierung zu Washington vertreten hat. Der Korrespondent bemerkt hierzu: „Der russiche Botschafter ist der einzige Mann, der imstande wäre, zu vermuten, daß des Präsidenten Aufrichtigkeit bezweifelt wird. Gewiß wird die Meinung der amtlichen Kreise wie jene ganz Amerikas über Rußland ebenso durch seine Perfidie in der Mandschurei, wie durch die Grausamkeit zu Kischcnew beeinflußt." * Die Untersuchung über die Fndenmassacres in Kischenew. Uns wird geschrieben: Die Untersuchung über die Kischenewer Greueltaten wird in einer recht eigentümlichen Weise geführt. Die Arbeit ist unter mehrere Untersuchungsrichter verteilt, und zwar so, daß jeder von ihnen nur eine bestimmte Art von Verbrechen zu bearbeiten hat: der eine Mordtaten, der andere Körperverletzungen, der dritte Raub, der vierte Diebstahl usw. Die Zahl der Verhaftungen ist sehr groß — sie hat jetzt bereits ein Tausend überschritten. Die Untersuchungsrichter geben sich aber so große Mühe, die Sache zu vertuschen, daß vermutlich nur wenig Verurteilungen erzielt werden dürften. Die Polizei hat sich bemüht, alle Spuren der Verbrechen zu verwischen. Den Juden wurde anbefohlen, ihre Häuser sofort in Ordnung zu bringen und vor allem die Blut 'betragen die direkten Staatsschulden Rußlands; 50—00 Milliarden etwa schuldet cs für seine Eisenbahnen; die Schulden von Gouvernements, Städten und Realbesitz sind gewiß mit 10 Milliarden nicht zu hoch angenoinmen — und nicht viel weniger dürften diverse Aktien von Banken, Industrie- und Handelsunternehmungcn ausmachen. Auswärts kontrahierte Privatschulden — im Wege des internationalen Eskompte, Trassierungen auf fremde Banken und Bankiers unberücksichtigt lassend, gelangt man zu der fabelhaften Summe von rund 100 Milliarden Mark, Ivovon wenigstens die Hälfte Verpflichtungen an das Ausland umfaßt. Gerät dieser schwindelerregende Papierberg ins Rutschen, fallen die Kurse durchschnittlich bloß um 6 Prozent, so gleicht dies einen: Gesamtverluste aller Gläubiger von rund 6 Milliarden, oder besser formuliert: Der öffentliche Zinsfuß steigt um ein viertel bis ein halb Prozent; der private ums Doppelte uird Dreifache. Die russische Produktion :n:d der russische Staatshaushalt arbeiten dann unter wesentlich erschwerten Bedingungen, die ungleiche Belastung macht in vielen Belangen die Mitwerbung auf dem Weltmärkte, teils unmöglich, teils unergiebig und die Einbußen der russischen Volkswirtschaft wachsen ins Unmehbarel Der gegenwärtige so blühende Stand des russischen Staatskredits, der bei 4 Prozent angelangt ist, ist das Werk der Rothschildschen Welthäuser. Dem Schwiegersohn des Pariser Rothschild, Herrn Maurice Ephrussi, sowie dessen Cousin, dem russischen Finanzagenten in Paris, Geheimrat Arthur Rassalovich, gebührt das Hauptverdienst an diesem glücklichen Resultat. Der Chef der Pariser Firma: de Rothschild freres, le grand baron genannt, soll bei seiner jüngsten Anwesenheit in Petersburg rückhaltlos erklärt habe::, der vierprozentige Zinsfuß, welcher sich noch mindern könne, sei der sprechendste Ausdruck des persönlichen Vertrauens, welches die europäische haute finance zur Geschicklichkeit und Ehrlichkeit v. Wittes hege. Wird dieses Vertrauen zu Schande::, dann zahlt Rußland, wenn cs ivieder an den Geldmarkt appelliert, was sehr bald geschehen dürfte, nicht 4, sondern wahrscheinlich 5, gewiß aber 4.6 Prozent! Das wird sich ganz von selbst vollziehen, ohne daß d:e Juden einen Finger zu rühren brauchen. Kann Rußland einen Abschlag von 10—14 Prozent an feinem Volksvermögen ertragen oder nicht? So und nicht anders lcnitet d:e verhängnisvolle Frage in nackten Ziffern. Wir glauben, d:e Antwort muß negativ ausfallen und die leidenschaftslosen Rechner, an denen es auch in Rußland nicht mangelt, werden dafür sorgen, daß Herr v. Witte — bleibt! Das Dipanli'sche „Volksblatt für Stadt und Land" schreibt: (Keine besondere jüdisch-sozialistische Partei in Galizien.) : e n. Von befreundeter Seite wird uns geschrieben: In der Lemberger Konferenz jüdischer Sozialisten, an welcher übrigens mich die Herren Daszynski, welcher sich als polnischer Patriot drapiert, und Herr Hurkiewicz, welcher Anspruch auf Erzruthenentum erhebt, teilnähmeu, wurde der Antrag auf Schaffung einer besonderen jüdisch- 'ozialistischen Partei in Galizien mit an Einhelligkeit streifender Stimmenzahl verworfen. Dem im Krakauer roten Organe „Naprzod" verspätet erschienenen umfangreichen Verhandlungsberichte ist zu entnehmen, daß die ganze sozialistische Bewegung in Galizien sich in Händen von Juden befindet. Da tväre es allerdings eine große Dummheit seitens der Juden' durch Schaffung einer besonderen jüdischen Organisation sich des Einflusses zu begeben, welchen sie auf die urteilslose polnische und ruthenische Menge ausüben. Der Wiener Sozialistenführer Dr. Adler hatte sich brieflich gegen die neue Organisation ausgesprochen; er wurde als der von ganz Europa, so . weit es sozialdemokratisch ist, anerkannte sozialistische Wunderrabbi gefeiert. Auch Herr Hurkiewicz und Herr Daszynski, die „Patrioten", bekämpften den Zionismus, das ist den jüdischen Patriotismus". Merkwürdigerweise machte Herr Hurkiewicz der: i o n: st i s ch e n Antragstellern den Vorwurf, daß flecken zu entfernen. Die" Familie des ermordeten"Chatzkelewüsch Demagogen seren. Herr Dnszrnsk: erblickte tu bet konnte das nicht schnell genug tun, weil alle überlebenden Mitglieder I beantragten Absonderung der Juden ein Unglück für das ludycye Mitglic.. der Familie im Krankenhause schwer verwundet lagen. Deshalb l Proletariat. Das Unglück des christlichen Volkes, daß es nicht nur wurde die^Witwe des Chatzketewitsch zu einem Monat Arrest derg-irtschaftlich schon seit jeher an die Juden ausgeliefert ist, sondern Die Leichen der Ermordeten wurden vom leitenden Unterurteilt. suchungsrichter nur flüchtig untersucht. Eine Obduktion fand überhaupt nicht statt. Daß die Feststellung der Mörder unter diesen Uinständen sehr schwer sein wird, braucht nicht erst hervorgehoben zu werden. Dabei werden die Angaben der jüdischen Zeugen in der Reget nicht ernst genommen. Wenn nur ein jüdischer Zeuge vorhanden ist wird die Verfolgung eingestellt. Vis zu welchem Grade das Gefühl für die Schwere des Verbrechens bei den Untersuchungsrichtern sich abgestumpft hat, kann man daraus schließen, daß sie die Vergewaltig:,ngen als Lappalien ansehen. Die Voruntersuchung ist in Rußland überhaupt siehe schlecht organisiert — diesmal aber :st die Zahl der von den llntersuchuugsrichtern begangenen Ungesetzlichkeiten einfach verblüffend. Auf Zeugen und Aerzte, die sich über die Schwere der Verstümmelungen und Verwundungen aussprechen müssen, Ivird ein Druck ausgeübt, nn: sie zu veranlassen, für die Angeklagten günstigere Angaben zu machen. Die Bedeutung der Zeugenaussagen Ivird vertuscht. Delikte, die eigentlich vor das Schwurgericht gehören, werden den Friedensrichtern überwiesen usw. usw. Aus allen diesen Gründe» ist mit Sicherheit zu erivarten, daß auch die Prozesse vor den Schwurgerichten denselben Verlauf nehmen Iverden, ivie die kleineren Prozesse, die jetzt von Friedensrichtern abgeurteilt iverden- Bei diesen ist die Zahl der Freisprechungen so groß, daß es schlechthin unbegreiflich ist, wie die Polizei so Viele Leute vor Gericht stellen konnte, ohne genügendes Belastungsmaterial gegen sie zu haben. Es gewinnt beinahe den Anschein, als ob die Polizei de» ersten besten vor Gericht geschleppt hat, um die wahre» Schuldigen zu decken. Uebrigens erscheinen die Kischenewer Friedensrichter, wen» mau die in den russischen Zeitungen veröffentlichten Berichte über die Gerichtsverhandlungen genau liest, keinesivegs als unparteiisch. Zuweilen erfolgt die Freisprechung bloß auf die Beteuerungen des Angeklagten hin, daß er fälsch beschuldigt ivird. beiont de» tiefen Eindruck, ben bie SSorniiimc in drr Mnzru zivill- Hcrtct: Welt hervorgerufen hätten, und meint, die Vereiuigteu Ä? „f.n fe,cn 111 ctllCL‘ besonders günstige:, Lage, um die Russen aufrutteln zu können. Bisher seien die Beziehungen der Union Ruylands solche fast sentimentaler Herzlichkeit gewesen, wahrend sich nirgends die Möglichkeit eines ernstlichen Konfliktes der Interessen zeige. So dürften denn soivohl die unglücklichen ~pfcv, wie d:e vielen aufgeklärten Feinde des Plehwe'schen Regimes der Unterdrückung einige Hoffnung fassen. Die „Times" schließt: Zettungsschan. Die „Woche" schreibt über das Verbrechen von Kischenew: Weit größer ist die äußere Gefahr, und diese herauszufordern scheint in der ziemlich unverhohlenen Absichtlichkeit der gegen die Juden gerichteten Vernichtnngsaktion zu liegen. Man will das so rege Gemeingefühl der ausländischen Glaubensgenossen, unter welchen doch sehr zahlreiche Gläubiger des russischen Staates mit Recht zu vermute» sind, aufs äußerste reize» — man tvill und tvird sie zum gutenTeile auch belvege», sich ihresBesitzes an riissischeiiObligatioiien Aktien und sonstigen Werteffekten zu entledigen, damit ein Kurssturz entsteht, der dem russischen Kredit ztvar unheilbare Wunden schlagen müßte, aber zugleich mich das adiuinistrative Haupt der russischen Volks- und Staatstvirtschaft, Minister Witte, verhindern würde, die im Zuge befindliche ökonomische und finanzielle Restauration Rußlands zu vollbringen. Er tväre geztvnnge», mit Schande und Spott, mit den: Fluche von Millionen ruinierter Existenzen belade», den Schauplatz seiner bisherigen Wirksamkeit zu veranlassen, die Rivalität mit Plehtve anfzugeben. Man mache sich nur klar, tvas die Erschütterung des russischen Staatskredits in: Auslande zu bedeuten hat. 15 Milliarden Mark auch moralisch seit unlängst an die allerschädlichsten Juden ausgeliefert tvird, sieht Herr Daszynski nicht, weil seine Selbstauslieseruug ihm ein bequemes Leben zu führen gestattet. Das „Rigaer Tageblatt" schreibt: Einen Ausflug ins Gebiet der Jndensrage unternimmt nach längerer Pause Fürst Meschtseherski. Wir hielten ihn bereits für vollständig beschwichtigt. Z:»n Teil ist er es auch, indem er jenen Volksmassen in den Grenzgebieten, deren Lage eine unerträglich schtvere sei, umsomehr sein „volles Mitgefühl" zntvendet, als die örtlichen christlichen Bewohner diesen Juden das Zeugnis ansstellten, daß „sie, die Juden, den Christen sehr nützlich" seien und ihnen zu „leben helfen". Nur gegen die über ganz Rußland zerstreuten gebildeten und halbgebildeten Inden, unter denen es freilich auch viele vortreffliche Menschen und nützliche Glieder der Gesellschaft gebe, nimmt der mild gestinnnte fürstliche Redakteur Partei, denn unter ihnen gebe es nicht lvenig Tmigeniehtse. Seiner Ansicht nach müsse den guten und ehrenhaften Inden der Weg zum Fortkonnnen überall tveit geebnet, den Tnngenichtsen aber unbedingt verschlossen Iverden. Entschieden Front »weht er gegen die politischen, ans verschiedenen Jndensorten entstandenen Juden. Diese wirkten gegen die Staatsordnung und schadeten dem Judentum mehr als alle russischen Antisemiten. Der „St. Petersburger Herold" schreibt: Zinn neue» Jndengesetz. Scho» vor einigen Wochen hatten wir Gelegenheit, die an: 20. Mai erlassenen neuen Gesetze über die Juden zu besprechen, von denen das eine ein temporäres Verbot über die Erwerbung von Grundbesitz durch Juden außerhalb ihres AnsässigkeitsrayonS enthielt. Das Gesetz ist leider so abgefaßt, daß aus demselben nicht hervorgeht, ob sich dieses Verbot auch auf die privilegierten Klassen der Juden erstreckt oder nicht. Unsere hiesigen Residenzblätter gerieten über diese Frage i» heftigen Streit, denn während in: „Berliner Tageblatt" einen sehr sachlichen Artikel seines stets gut unterrichteten hiesigen Korrespondenten, ans welche»: klar hervorgeht, daß sich dieses Verbot a»ch auf die privilegierten Stände der Inden erstreckt, denen übrigens, dem Buchstaben des Gesetzes nach, dieses Recht eigentlich nie zngestnnden hat. Als von größtem Interesse und einer wichtigen Bedeutung für dns jüdische Proletariat unserer Weslprovinzen muß ferner die Meldung desselben Körrespondenie» bezeichnet Iverden, daß sich ein Gesetz in Vorbereitung befindet, welches den jüdischen Haiidwerkerii, soweit es sich natürlich :>»: keine fingierten Handwerker handelt, das Recht der Freizügigkeit nach den russischen GouverneiiientS einräuinen will. Dadurch würde unsere Negierung den: jüdischen Proletariat eine große Erleichterung in seiner schlveren ökonomischen Lage schaffen, die für die arbeitende jüdische Masse bon weittragender Bedeutung ist.